35. Tag, Agua Dulce, Hiker Heaven, Meile 454.5, Höhe 809m

Heute sind wir nur 10 Meilen gelaufen und haben es gemütlich genommen. 

Am frühen Morgen bin ich hinter Agnes hergelaufen die war weit vor mir. Bevor ich meinen Kaffee hatte komme ich nicht wirklich in die Gänge. Nach einer Stunde hat sie Gottseidank du unsere Frühstückspause angehalten. Die Umgebung erinnert mich im Moment an Out of Africa und als ich hinter Agnes hergelaufen bin vermeinte ich ein Löwengebrüll zu hören oder was es doch ein Stier? Nur gibt es hier weit und breit keine Kühe. Die hätten hier gar nicht genug zu fressen. Ja und ich habe wieder Spuren von einem Mountain Lion gesehen. 

Die Frühstückspause ist meine liebste Pause weil ich mich danach voller Energie fühle und es dann richtig losgehen kann. 

Wir kamen an Vasquez Rocks vorbei wo schon viele Filme gedreht wurden z. B.  Szenen von Startrek. Es gibt bizarre Felsformationen, die Felsen sind teilweise richtig aufgeschichtet und das liegt am Andreasgraben und an der Wucht wenn sich die Platten verschieben. Sehr eindrucksvoll, ein Geologe hätte hier seine wahre Freude. 

Anschließend ging es in den Hiker Heaven, ein Paradies für Hiker wo wir einfach aushängen dürfen. Wir Zelten alle auf dem Hof und die Sauffleys nehmen bis zu 50 Hiker täglich auf. Wir können duschen, unsere Wäsche wird gewaschen, man fährt uns in die Stadt und zum Outdoorstore, man kann Pakete verschicken, es gibt Ausleihkleider, Ladestationen für unsere elektronischen Geräte, man kann sich die Haare schneiden lassen und viele kühle Getränke. Es ist sehr entspannend hier und dazu läuft coole Musik. Wir werden erst Morgen Nachmittag wieder raus hiken wenn die große Hitze vorbei ist. 

Wir müssen Essen für die nächsten 4 Tage bis Hikertown besorgen und ich brauche eine neue Hose, ich die Hose ohne sie zu öffnen runterziehen kann. Ich habe bereits ca. 4-5kg abgenommen. Muss überlegen wie ich mein Essen anreichern kann, sonst kann man mich in Kanada wegblasen😉. 

34. Tag, Acton KOA Campsite, Meile 444.5, Höhe 679m

Das war mal wieder eine Nacht! Draussen hat es gewindet, es war sehr kalt und schlafen konnte ich auch nicht. Habe mich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere gedreht. Fand keine komfortable Position und mir taten die Hüften weh wenn ich auf der Seite lag. Am Morgen hörte ich den Wind heulen und es war bitterkalt. Ich hatte null Motivation aus meinem warmen Schlafsack in meine Klamm feuchte Kleider zu steigen. Um 5.30 habe ich mich dann aufgerafft aber nur weil ich nicht wollte, dass Agnes zu lange warten musste. Hätte ich gewusst, dass sie die gleichen Probleme hatte,wäre ich wohl einfach liegen geblieben. 

Um 6.30 sind wir dann endlich losmarschiert, ich immer noch völlig unmotiviert, zudem hatte ich Kopfschmerzen. Ein richtiger Start in den Tag zum vergessen! Immer wenn wir jemanden getroffen haben, haben wir gefragt wie die letzte Nacht war und alle hatten entweder gefroren oder das Zelt war völlig nass von der Kondensation. Man hat viele Hiker gesehen, die während dem Tag ihr Zelt und den Schlafsack zum Trocknen an die Sonne gelegt haben. Ich hatte eine beschissene Nacht aber viele andere auch. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Bob war sogar bereit alles an den Nagel zu hängen weil er für 26 Meilen keine Tentsite gefunden hatte. Irgendwann hat er dann seinen Rucksack völlig entnervt auf den Boden geworfen und mitten auf dem Trail geschlafen. Er hat einfach seine Matte ausgelegt und ist in den Schlafsack gekrochen. Cowboy Camping nennt man das. Nur war die Nacht durch den Nebel sehr feucht und deshalb ist sein Schlafsack nass geworden. 

Nach ca. einer Stunde unterwegs haben wir angehalten und gefrühstückt. Die Nacht kann noch so schlimm gewesen sein, sobald ich in der Sonne vor meinem Kaffee sitze und mein Oatmeal esse, ist meine Welt wieder in Ordnung. Wir saßen mit Bob da und habe. Uns gegenseitig unser Leid geklagt. Am Ende wollte Bob den Trail doch nicht verlassen. Es gibt einen Spruch den man auf dem PCT mit auf den Weg bekommt: „Never quit on a bad day!“

Wir sind auf einem öffentlichen Campingplatz, frisch geduscht und alle unsere Kleider sind gewaschen. Wenn ein PCT Hiker seine Kleider wäscht ist das ein Bild für die Götter. Da wir keine Ersatzkleider dabei haben laufen alle in ihren Regenklamotten oder in der Daunenjacke rum. Ich hatte z. B.  einen etwas durchsichtigen Regenrock und meine Daunenjacke an. Die Besucher des Campingplatzes sehen uns teilweise etwas komisch an aber wir laufen herum als wäre dies das normalste der Welt. Wir sind sogar in den Shop haben uns eine Pizza gekauft, sie in den Ofen geschoben und haben gewartet bis unsere Wäsche fertig war. 

So ich werde jetzt in meinem frisch gewaschenen Piyama in meinen Schlafsack kriechen und hoffentlich eine Handvoll Schlaf ergattern. 

33. Tag, Tentsite, Meile 427, Höhe 1648m

Ein 20 Meilen Tag und zwar nur weil Agnes gemeint hat 17 wären ihr zu wenig. Zudem war die Campsite wenig  verlockend in dem abgebrannten Wald und ich war leicht zu überzeugen weiter zu gehen. Jetzt liege ich im Zelt auf einem Pass und es ist sehr windig und zudem saukalt. Ich habe heute im Zelt gegessen einfach weil man draußen erfriert. 

Nach 400 Meilen auf dem Trail haben wir endlich Bekanntschaft gemacht mit dem berühmt berüchtigten „Poodle Dog Bush“. Das ist eine Pflanze sie nur in Gegenden vorkommt die abgebrannt sind. Sie stinken wie Haschisch und wenn man sie berührt kriegt man einen fürchterlichen Ausschlag mit Brandblasen. Wir laufen wie Sherlock Holmes über den Trail und halten immer Ausschau nach diesem schrecklichen Busch. Er sieht irgendwie auch böse aus mit seinen fetten grünen Blättern und den lila Blüten. Bisher sind wir gut daran vorbeigekommen aber wir mussten heute viel durch Büsche laufen weil der Weg so überwachsen war und da hätte man schon einen Poodle Dog übersehen können. Zudem war der Weg so zugewachsen, dass man auch den Boden oft nicht gesehen hat und so bin ich heute saublöd gestürzt weil der Boden unter mir nachgegeben hat. Gottseidank war kein Poodle Dog in der Nähe und verletzt habe ich mich auch nicht. Bin mit dem Schrecken davon gekommen. 

Ansonsten ist es sehr gut gelaufen heute. Es ging hoch und runter aber nie über 2200m und somit hätte ich auch keine Atemprobleme wegen der Höhe. 

So ich werde jetzt Ohropax in die Ohren schieben damit ich das Geflappe vom Zelt nicht höre. 

Buenos noches!

32. Tag, Tentsite, Meile 407.4, Höhe 1620m

Irgendwie haben wir es heute geschafft 18 Meilen zu laufen. Trotz meiner schlaflosen Nacht. Ich hatte die Rain Fly nicht auf dem Zelt und plötzlich hörte ich nur noch komische Geräusche. Man fühlt sich schon verletzlich in so einem Zelt und ich hatte Angst, dass plötzlich ein Bär oder ein Puma reinschaut. Ja und wenn man nicht schlafen kann, dann stellt man sich allerlei Dinge vor, die einem auch wieder nicht schlafen lassen. Ich war dann jedenfalls froh als es endlich 6.00 war und ich aufstehen konnte. Ich war nicht sehr gut gelaunt nach dieser Nacht. 

Wir sind um Punkt 7.00 los und irgendwie tat uns noch alles weh vom Vortag. Es dauert dann eine Weile bis die Muskeln wieder warm gelaufen sind und man sich wieder normal bewegen kann. Wir mussten heute diese 2.7 Meilen auf dem Highway laufen. Wir haben die ganze Zeit geredet und die Zeit ging so schnell vorbei, dass wir fast die Abzweigung zur Buckhorn Campsite verpasst haben. Gut haben wir noch schnell nachgeschaut. 

Auf dem Campingplatz konnten wir Wasser auffüllen und auch Unterhose und Socken auswaschen (ohne Seife). Dann ging es auf dem Burkhart Trail, einem schönen Fluss entlang, zurück zum PCT. Da haben wir schon wieder fast die Abzweigung verpasst aber eine von uns beiden ist immer wachsam. 

Wir machen uns momentan viele Gedanken über die Sierra weil die ja noch total eingeschneit ist. In 3 Wochen sind wir bereits in Kennedy Meadows, dem Tor zur Sierra Nevada. 

Wir haben heute die Campsite mit Wasser nicht gefunden deshalb mussten wir trocken campen. Morgen gibt es aber schon wieder Wasser im ca. 4 Meilen. Habe heute die Rain Fly auf mein Zelt gemacht damit ich mich heute Nacht gut beschützt fühle und schlafen kann. 

31. Tag, Tentsite, Meile 389, Höhe 2136m

Ich glaube wir sind heute mehr Höhenmeter gelaufen als Meilen. Knapp 14 Meilen haben wir geschafft und sind erst um 18.00 im Camp angekommen. 

Zuerst ging es die letzten 2.2 den Berg hinauf bis zur Verzweigung zum Gipfel des Mount Baden Powell.  Der Berg ist 2860m hoch (!). Ich habe dann meinen Rucksack unten gelassen und nur herausgenommen was ich für das Frühstück brauchte. Dummerweise habe ich nicht daran gedacht meinem Löffel mitzunehmen um mein Oatmeal zu essen. Sah mich schon auf indische Art mit den Fingern zu essen. Agnes hat sich aber meiner erbarmt und mir ihren Löffel ausgeliehen. 

Danach ging es die ganze Zeit rauf und runter und wieder rauf und runter. Agnes ist gut im Hinaufgehen, da bin ich immer hintennach aber wenn es heruntergeht dann übernehme ich die Führung😉. So ergänzen wir uns  ganz gut. Ich weiß einfach nicht, wie das in der Sierra gehen soll wenn ich schon ab 2200m die Höhe spüre und nicht genug Luft kriege. Da werde ich dann zw. 3000 und 4000m unterwegs sein. Ich hoffe immer noch, dass ich mich langsam daran gewöhnen werde. 

Lustigerweise trifft man immer die gleichen Leute auch wenn ich manchmal denke, dass sie teilweise schon viel weiter sein sollten. Wir laufen vielleicht langsam dafür konstant und die Jungen vor allem bestellen sich immer mal wieder einen Uber um in der Stadt essen zu gehen. Sie verbringen auch meistens mehr Zeit in den Trailtowns und so kommt es dass man sich immer wieder sieht. 

Es ist ausgesprochen warm heute Abend und ich sitze draußen und schreibe an meinem Blog. Mir die Moskitos belästigen mich gerade. Das Paradies ist halt nie perfekt!

Morgen müssen wir 2.7 Meilen auf der Straße laufen weil ein Stück des PCTs gesperrt ist wegen gelben Fröschen die vom Aussterben bedroht sind und geschützt werden müssen. Ich hasse Roadwalks aber was tut man nicht alles für 🐸. 

30. Tag, Tentsite, Meile 375.8, Höhe 2370m

Agnes hat heute Morgen die Kaffeemaschine laufen lassen und so konnten wir Kaffee im Bett genießen. Anschließend sind wir frühstücken gegangen und wer saß da an einem Tisch? David! So konnten wir alle zusammen frühstücken bevor David wieder auf den Trail zurück ging. Ich bin dann auf die Post wo ich endlich meine Bounce Box in Empfang nehmen konnte. Ich hatte jetzt noch knapp 1,5 Std. Zeit alles aufzufüllen bevor wir um 11.00 das Zimmer verlassen mussten. So eine Bounce Box ist schon praktisch. Ich kann da alles rein tun was ich zur Zeit nicht brauche und gleichzeitig habe ich viele Sachen drin zum Auffüllen. Auch Ersatzkleider sind da drin und mein Necessaire. Sogar mein Epilady damit ich mir ab und zu die Beine epilieren kann😊. Deshalb auch meine Frustration gestern als die Box nicht in dem Store war wo ich sie hingeschickt hatte. 

Pünktlich um 11.00 war ich fertig und habe die Box wieder auf die Post gebracht. Anschließend haben wir uns im Sehr teuren Jensens Supermarkt zu Mittag eingekauft und es gleich da verzehrt. Vor dem Supermarkt hat es Tische und Sonnenschirme und alle PCT Hiker halten sich da auf. 

Um 13.30 haben wir uns dann an den Straßenrand gestellt um zu hitchen und es ging mal wieder keine 5 Min. und ein Autofahrer hat uns mitgenommen. Wir würden am Inspiration Point abgesetzt wo der PCT weiter geht. 

Wir hatten wieder Essen für 5 Tage dabei plus 2lt Wasser, d. h. ca. 6kg nur für Wasser und Food! Es ging natürlich wieder den Berg hinauf, wie könnte es auch anders sein wenn man voll beladen ist. Ich hoffe, dass das Bergaufgehen irgendwann einfacher wird, denn mir geht immer noch regelmäßig die Luft aus. Wir wollten möglichst nahe an Mount Baden Powell kommen und campen nun zusammen mit Peach, Long Carry, Mac Man und Marc, 2 Meilen vor dem Peak. Wir hatten heute unser erstes Lagerfeuer und der Sonnenuntergang war sehr schön. Morgen werden wir auf dem Gipfel frühstücken😊. 

So ich werde mich jetzt in meinen Schlafsack kuscheln und hoffentlich gut schlafen. 

29. Tag, Wrightwood, Meile 369.5, Höhe 1809m

Heute Morgen haben wir sozusagen ausgeschlafen nach der gestrigen Anstrengung, sind erst um 7.00 los. Wir hatten auch beschlossen, nicht mehr zur Quelle runterzugehen, da wir je noch zw. 700ml und 1 lt Wasser zur Verfügung hatten. Bis Wrightwood waren es nur noch 5 Meilen. Unsere Rucksäcke waren dementsprechend leicht. Zuerst kam nochmal ein kurzer steiler Anstieg und ich merkte, dass ich mich von der gestrigen Etappe noch nicht erholt hatte. Dann ging es aber bald nur noch bergab auf wunderschönen Waldwegen und dann standen wir bereits am Trailhead. Wrightwood ist dafür bekannt eine Hiker freundliche statt zu sein und schon am Trailhead bekamen wir Wassermelone und Snacks angeboten. Wir durften dann noch unseren Namen auf ein Stück Stoff schreiben und die gute Frau wird damit dann einen Quilt nähen. Ihr Mann Fokus läuft gerade den PCT und sie supported ihn mit dem Wohnwagen. Dabei werden alle anderen Hiker auch verwöhnt. Der Hitch nach Wrightwood war easy und bald schon saßen wir beim Frühstück. Ich hatte ein Omelett mit Hashbrowns, ähnlich wie Rösti und dazu ca. 4 Tassen Kaffee.

Wir mussten bis 15.00 warten bis wir unser Zimmer beziehen konnten, deshalb erledigten wir gleich unseren Einkauf und tranken anschliessend Kambucha, sehr gesund! Anschliessend wollte ich im Mountain Hardware Store meine Bounce Box abholen und freute mich bereits auf all die guten Sachen die da drin sind wir Shampoo, Duschgel, Bodylotion, Nagelscheere und Townkleider. Aber wie das so ist meine Boxwar nicht da und jetzt muss ich bis Montag warten und hoffen, dass mein Eimer auf der Post ist. Das war ein Bummer aber ich habe recht schnell losgelassen. Das Kleiderwaschen wurde auch noch abenteuerlich, weil die Waschmaschine so ein kleines Campingmodell war. Dauerte nur 9 Min. und ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass unsere schmutzigen Kleider in so wenigen Minuten nicht sauber wurden. Na ja dann waschen wir halt in Aqua Dulce gründlicher, dies ist unser nächster Stopp in 5 Tagen.

Mein Zehennagel hat sich nun endgültig verabschiedet und am Anfang konnte ich gar nicht hinschauen. Werde ihn jetzt einfach mit einem Pflaster abdecken, weh tut es überhaupt nicht.

So wir gehen jetzt mexikanisch Essen. David ist auch hier, er wollte wohl doch nicht mit 10k gFood und Wasser den Berg hinauf klettern.

28.Tag, Guffy Spring Campsite, Meile 364.4, Höhe 2500m

Mann oh Mann, das war hardcore heute. Ja und trotzdem haben wir 17 Meilen geschafft, aber nur weil Christine und Agnes mich gezogen haben gegen Schluss (ist natürlich nur bildlich gemeint, laufen musste ich schon selber😉). Wie ihr bereits vermutet habt ging es den ganzen Tag nur in eine Richtung nämlich hoch. Wir sind von ca. 1000m auf 2350m aufgestiegen. Auch wenn der PCT meistens in Serpentinen aufsteigt war es sehr anstrengend. So ab 2000m spüre ich dann auch die Höhe und das Atmen wird schwieriger. Frage mich gerade wie das dann bei 3000 oder 4000m wird🤔, aber das sehen wir dann wenn es soweit ist. 

Wir machen jeweils ca. 1 Std. nach dem Aufbruch unsere Frühstückspause, dann 2 Std. später eine Snackpause und gegen Mittag eine längere Lunchpause. Unser Ziel ist es im Moment, bis 12.00 10 Meilen gelaufen zu sein (16km). Das haben wir auch heute geschafft, mussten aber eine Std. früher aufbrechen. 

Während der Mittagspause wurde Christine plötzlich schmerzhaft aufgeschreckt weil sie eine Fliege oder sonst ein Tier in ihrem Ohr hatte. Habe versucht es mit Wasser auszuschwemmen oder zu ersäufen. Dies hat aber nur kurzzeitig funktioniert und dann fing die Fliege wieder an rumzukrabbeln, was Christine wieder starke Schmerzen verursachte. Wir mussten eine andere Substanz finden um die Fliege zu töten. Gottseidank hatten wir Internet und die Lösung war rasch gefunden: Öl! Murphy hatte Kokosöl dabei und ich eine 2ml Spritze und somit war das Ende der Fliege besiegelt. Arme Fliege aber warum musste sie auch in Christines Oh fliegen… Christine ging es sogleich besser. Habe ihr noch empfehlen, dass in Wrightwood ein Arzt ins Ohr schaut und wenn es keinen hat versuchen wir nochmal zu spülen. 

So um 14.00 ging es dann weiter nachdem wir von dem Vorfall unsanft aus unserem Mittagsschläfchen geweckt worden waren. Es war langsam heiss und ich habe seit längerem wieder mal den Sonnenschirm aufgespannt. Das letzte Stück zum Guffy Campground war dann nochmal echt hart. Es ging so steil den Berg hinauf, dass ich Angst hatte rückwärts den Berg runter zu rollen. 

Dies hier ist eine öffentliche Campsite mit Anschluss zur Straße, deshalb hatte es auch Weekender von Los Angeles da. Aber die waren eigentlich ganz anständig und auch nicht betrunken. Da war ein weißer Hund mit hellblauen Augen, welcher sich zu mir hingezogen fühlte, vielleicht war es ja mein überreifer Duft… Sein Herrchen hat ihn immer wieder zurück gepfiffen, er wollte wohl nicht, dass er sich mit stinkenden, schmutzigen Hikern abgibt😂. 

So ich hoffe gut schlafen zu können und auch dass wir keinen Besuch von Bären oder Mountain Lions bekommen. Vor 3 Tagen soll hier ein Puma rum geschlichen sein. 

27. Tag, Tentsite, Meile 347.1, Höhe 1083m

Was für ein Tag! Liege im Zelt unter dem Sternenhimmel, vollgefressen mit Food von Mac Donalds. Wir sind um 12.00 auf dem Cajon Pass angekommen und dass war wirklich ein Riesenspektakel. Als wir reingekommen sind gab es ein riesiges Hallo und es waren wirklich alle Hiker da auch solche die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. 

Ein Trail Angel hat Hiker zu REI gefahren dem Outdoor Laden in der nächst größeren Stadt ca. 14 Meilen entfernt. Agnes, Christine und Julia sind auch mitgefahren da die eine einen Gaskocher, die andere ein Zelt und die Dritte neue Schuhe brauchte. Ich habe mir in der Zwischenzeit den Bauch vollgeschlagen mit einem Big Mac, Salat mit Chicken und einem riesigen Glas Cola. Getränke bezahlt man hier nur einmal und dann kann man so oft nachfüllen wie man will. Ich habe ca. 1.5 lt Cola getrunken. Weiss auch nicht warum ich so Lust habe darauf, zu Hause trinke ich das nie. Auch Hamburger würde ich zu Hause nie essen, den letzten hatte ich mit 21 Jahren, davon hatte ich einen Biss und der Rest flog in den Mülleimer. Hier auf dem Trail schmeckt es aber wunderbar! Hauptsache es kommen Kalorien rein. Zum Dessert gab es dann noch einen Mac Flurry, Softeis mit Erdbeersauce😜. Der ist mir dann später während dem Aufstieg ständig aufgestoßen. 

David ist auch noch aufgetaucht, er musste aber gleich wieder weg ohne was zu essen, da sein Rucksack kaputt war und er auch noch zu REI musste. Jetzt hat er sich in Big Bear seinen alten Osprey Rucksack zuschicken lassen weil der andere ihm zu schwer war. Wir haben uns zum Abschied herzlich umarmt da wir nicht wissen wann wir uns wieder sehen werden. David hat gerade mal leer geschluckt, als er hörte, dass es auf den nächsten 22 Meilen kein Wasser geben wird. Er hat sich nämlich Essen nach Cajon schicken lassen damit er gleich nach Aqua Dulce weiterlaufen kann. Somit hat er morgen einen schweren Foodsack plus ca 6lt Wasser zu schleppen, der arme Teufel. Hoffe dass seine Ferse das mitmacht und dass ich ihn in Aqua Dulce wiedersehe. 

Ich musste geschlagene 4 Std. auf die Girls warten, bis sie endlich von ihrem Ausflug von REI zurück kamen. Eigentlich wollten wir um 16.00 los und noch 5-6 Meilen laufen. Es ist dann 17.15 geworden aber das war auch gut so denn es war immer noch sehr heiß. Agnes, Christine und ich sind dann mit 5.5lt Wasser losmarschiert. Es war ziemlich schwer aber inzwischen sind wir echt toughe Girls😉. Wir sind die 5 Meilen schnell gelaufen und haben um 19.00 unsere Zelte aufgestellt. Essen brauchten wir nicht mehr viel wir waren immer noch satt von Mac Donalds.

Wir campen in der Nähe einer Straße und das mag ich eigentlich nicht, es ist sicherer weg von der Zivilisation zu sein. Und prompt kam es zu einem Ehedrama oberhalb von uns. Das tönte so schlimm, dass es mich nicht gewundert hätte wenn plötzlich Schüsse gefallen wären. Ich war ziemlich angespannt und hätte am liebsten die Tentsite gewechselt aber es war schon dunkel. Irgendwann hatsich das Ganze dann beruhigt und ich konnte mich auch entspannen. 

Morgen müssen wir früh raus, deshalb mache ich jetzt Schluss😘. 

26. Tag, Tentsite, Meile 330.1, Höhe 1083m

Agnes und ich hatten letzte Nacht unsere Zelte so aufgestellt, dass wir unsere Eingänge gegenüber hatten. So konnten wir beide in unserem Zelt sitzen, davor kochen und uns gleichzeitig unterhalten. So ist campen richtig bequem. 

Als ich am Morgen den Reißverschluss meines Zeltes geöffnet habe, hat Agnes auch gerade raus geschaut, dass war irgendwie lustig. 

Heute ging es wieder durch abgebrannte Wälder und das war traurig und öde. Wir sind, jeder in seine Gedanken vertieft, vor uns her getrottet. Für das Auge gab es nicht viel zu sehen, nur verbrannte Erde und verbrannte Bäume. Teilweise hatte sich der Brand bis fast vor die ersten Häuser gefressen. Scary, wenn man da wohnt. 

Es gibt ein Buch das heißt: How to shit in the Woods. Das Problem heute war aber nicht wie, da weiß ich mittlerweile bestens darüber Bescheid, sondern wo? Es ist manchmal ziemlich schwierig ein passendes Plätzchen zu finden wenn es pressiert. Heute z. B.  ging es rechts steil hinunter und links steil hinauf. Kann mich ja nicht einfach auf den Trail setzen und den vorbeieilenden Hikern sagen: Sorry es het pressiert! Da seht ihr mal mit was für Problemen ich mich so rumschlagen muss😉. 

Wir kamen dann an den Silverwood Lake und haben an einem kleinen Beach zu Mittag gegessen. Wir konnten uns im See waschen, zum Schwimmen war er leider nicht geeignet weil es zu viele Algen hatte. Wir haben dann noch Siesta abgehalten denn seit heute ist es wieder heiß. 

Dann ging es weiter bis zum nächsten Picknickplatz, der abseits vom Weg war, wo man aber Wasser auffüllen konnte. Zudem konnte man da Pizzas bestellen und liefern lassen. Wir kamen leider zu spät aber wir haben dann doch noch ein Stück Pizza von unseren Mithikern erhalten. Cola gab es auch und ein absonderliches Getränk mit dem Namen Rootbeer welches wie Zahnwasser schmeckte. Diese Amerikaner….

Wir sind dann noch ca. 2.5 Meilen weiter gelaufen bis wir unser Zelt aufgeschlagen haben. Jetzt liege ich im Zelt, ich habe nur das Moskitonetz aufgestellt und schaue in den Sternenhimmel. It’s awesome! 

Morgen sind wir am Cajon Pass und da werden wir uns den Bauch mit Junkfood füllen bevor es gegen 16.00 Richtung Wrightwood 20 Meilen den Berg hinauf geht. 

Gute Nacht 💤😘