35. Tag, Agua Dulce, Hiker Heaven, Meile 454.5, Höhe 809m

Heute sind wir nur 10 Meilen gelaufen und haben es gemütlich genommen. 

Am frühen Morgen bin ich hinter Agnes hergelaufen die war weit vor mir. Bevor ich meinen Kaffee hatte komme ich nicht wirklich in die Gänge. Nach einer Stunde hat sie Gottseidank du unsere Frühstückspause angehalten. Die Umgebung erinnert mich im Moment an Out of Africa und als ich hinter Agnes hergelaufen bin vermeinte ich ein Löwengebrüll zu hören oder was es doch ein Stier? Nur gibt es hier weit und breit keine Kühe. Die hätten hier gar nicht genug zu fressen. Ja und ich habe wieder Spuren von einem Mountain Lion gesehen. 

Die Frühstückspause ist meine liebste Pause weil ich mich danach voller Energie fühle und es dann richtig losgehen kann. 

Wir kamen an Vasquez Rocks vorbei wo schon viele Filme gedreht wurden z. B.  Szenen von Startrek. Es gibt bizarre Felsformationen, die Felsen sind teilweise richtig aufgeschichtet und das liegt am Andreasgraben und an der Wucht wenn sich die Platten verschieben. Sehr eindrucksvoll, ein Geologe hätte hier seine wahre Freude. 

Anschließend ging es in den Hiker Heaven, ein Paradies für Hiker wo wir einfach aushängen dürfen. Wir Zelten alle auf dem Hof und die Sauffleys nehmen bis zu 50 Hiker täglich auf. Wir können duschen, unsere Wäsche wird gewaschen, man fährt uns in die Stadt und zum Outdoorstore, man kann Pakete verschicken, es gibt Ausleihkleider, Ladestationen für unsere elektronischen Geräte, man kann sich die Haare schneiden lassen und viele kühle Getränke. Es ist sehr entspannend hier und dazu läuft coole Musik. Wir werden erst Morgen Nachmittag wieder raus hiken wenn die große Hitze vorbei ist. 

Wir müssen Essen für die nächsten 4 Tage bis Hikertown besorgen und ich brauche eine neue Hose, ich die Hose ohne sie zu öffnen runterziehen kann. Ich habe bereits ca. 4-5kg abgenommen. Muss überlegen wie ich mein Essen anreichern kann, sonst kann man mich in Kanada wegblasen😉. 

34. Tag, Acton KOA Campsite, Meile 444.5, Höhe 679m

Das war mal wieder eine Nacht! Draussen hat es gewindet, es war sehr kalt und schlafen konnte ich auch nicht. Habe mich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere gedreht. Fand keine komfortable Position und mir taten die Hüften weh wenn ich auf der Seite lag. Am Morgen hörte ich den Wind heulen und es war bitterkalt. Ich hatte null Motivation aus meinem warmen Schlafsack in meine Klamm feuchte Kleider zu steigen. Um 5.30 habe ich mich dann aufgerafft aber nur weil ich nicht wollte, dass Agnes zu lange warten musste. Hätte ich gewusst, dass sie die gleichen Probleme hatte,wäre ich wohl einfach liegen geblieben. 

Um 6.30 sind wir dann endlich losmarschiert, ich immer noch völlig unmotiviert, zudem hatte ich Kopfschmerzen. Ein richtiger Start in den Tag zum vergessen! Immer wenn wir jemanden getroffen haben, haben wir gefragt wie die letzte Nacht war und alle hatten entweder gefroren oder das Zelt war völlig nass von der Kondensation. Man hat viele Hiker gesehen, die während dem Tag ihr Zelt und den Schlafsack zum Trocknen an die Sonne gelegt haben. Ich hatte eine beschissene Nacht aber viele andere auch. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Bob war sogar bereit alles an den Nagel zu hängen weil er für 26 Meilen keine Tentsite gefunden hatte. Irgendwann hat er dann seinen Rucksack völlig entnervt auf den Boden geworfen und mitten auf dem Trail geschlafen. Er hat einfach seine Matte ausgelegt und ist in den Schlafsack gekrochen. Cowboy Camping nennt man das. Nur war die Nacht durch den Nebel sehr feucht und deshalb ist sein Schlafsack nass geworden. 

Nach ca. einer Stunde unterwegs haben wir angehalten und gefrühstückt. Die Nacht kann noch so schlimm gewesen sein, sobald ich in der Sonne vor meinem Kaffee sitze und mein Oatmeal esse, ist meine Welt wieder in Ordnung. Wir saßen mit Bob da und habe. Uns gegenseitig unser Leid geklagt. Am Ende wollte Bob den Trail doch nicht verlassen. Es gibt einen Spruch den man auf dem PCT mit auf den Weg bekommt: „Never quit on a bad day!“

Wir sind auf einem öffentlichen Campingplatz, frisch geduscht und alle unsere Kleider sind gewaschen. Wenn ein PCT Hiker seine Kleider wäscht ist das ein Bild für die Götter. Da wir keine Ersatzkleider dabei haben laufen alle in ihren Regenklamotten oder in der Daunenjacke rum. Ich hatte z. B.  einen etwas durchsichtigen Regenrock und meine Daunenjacke an. Die Besucher des Campingplatzes sehen uns teilweise etwas komisch an aber wir laufen herum als wäre dies das normalste der Welt. Wir sind sogar in den Shop haben uns eine Pizza gekauft, sie in den Ofen geschoben und haben gewartet bis unsere Wäsche fertig war. 

So ich werde jetzt in meinem frisch gewaschenen Piyama in meinen Schlafsack kriechen und hoffentlich eine Handvoll Schlaf ergattern. 

33. Tag, Tentsite, Meile 427, Höhe 1648m

Ein 20 Meilen Tag und zwar nur weil Agnes gemeint hat 17 wären ihr zu wenig. Zudem war die Campsite wenig  verlockend in dem abgebrannten Wald und ich war leicht zu überzeugen weiter zu gehen. Jetzt liege ich im Zelt auf einem Pass und es ist sehr windig und zudem saukalt. Ich habe heute im Zelt gegessen einfach weil man draußen erfriert. 

Nach 400 Meilen auf dem Trail haben wir endlich Bekanntschaft gemacht mit dem berühmt berüchtigten „Poodle Dog Bush“. Das ist eine Pflanze sie nur in Gegenden vorkommt die abgebrannt sind. Sie stinken wie Haschisch und wenn man sie berührt kriegt man einen fürchterlichen Ausschlag mit Brandblasen. Wir laufen wie Sherlock Holmes über den Trail und halten immer Ausschau nach diesem schrecklichen Busch. Er sieht irgendwie auch böse aus mit seinen fetten grünen Blättern und den lila Blüten. Bisher sind wir gut daran vorbeigekommen aber wir mussten heute viel durch Büsche laufen weil der Weg so überwachsen war und da hätte man schon einen Poodle Dog übersehen können. Zudem war der Weg so zugewachsen, dass man auch den Boden oft nicht gesehen hat und so bin ich heute saublöd gestürzt weil der Boden unter mir nachgegeben hat. Gottseidank war kein Poodle Dog in der Nähe und verletzt habe ich mich auch nicht. Bin mit dem Schrecken davon gekommen. 

Ansonsten ist es sehr gut gelaufen heute. Es ging hoch und runter aber nie über 2200m und somit hätte ich auch keine Atemprobleme wegen der Höhe. 

So ich werde jetzt Ohropax in die Ohren schieben damit ich das Geflappe vom Zelt nicht höre. 

Buenos noches!

32. Tag, Tentsite, Meile 407.4, Höhe 1620m

Irgendwie haben wir es heute geschafft 18 Meilen zu laufen. Trotz meiner schlaflosen Nacht. Ich hatte die Rain Fly nicht auf dem Zelt und plötzlich hörte ich nur noch komische Geräusche. Man fühlt sich schon verletzlich in so einem Zelt und ich hatte Angst, dass plötzlich ein Bär oder ein Puma reinschaut. Ja und wenn man nicht schlafen kann, dann stellt man sich allerlei Dinge vor, die einem auch wieder nicht schlafen lassen. Ich war dann jedenfalls froh als es endlich 6.00 war und ich aufstehen konnte. Ich war nicht sehr gut gelaunt nach dieser Nacht. 

Wir sind um Punkt 7.00 los und irgendwie tat uns noch alles weh vom Vortag. Es dauert dann eine Weile bis die Muskeln wieder warm gelaufen sind und man sich wieder normal bewegen kann. Wir mussten heute diese 2.7 Meilen auf dem Highway laufen. Wir haben die ganze Zeit geredet und die Zeit ging so schnell vorbei, dass wir fast die Abzweigung zur Buckhorn Campsite verpasst haben. Gut haben wir noch schnell nachgeschaut. 

Auf dem Campingplatz konnten wir Wasser auffüllen und auch Unterhose und Socken auswaschen (ohne Seife). Dann ging es auf dem Burkhart Trail, einem schönen Fluss entlang, zurück zum PCT. Da haben wir schon wieder fast die Abzweigung verpasst aber eine von uns beiden ist immer wachsam. 

Wir machen uns momentan viele Gedanken über die Sierra weil die ja noch total eingeschneit ist. In 3 Wochen sind wir bereits in Kennedy Meadows, dem Tor zur Sierra Nevada. 

Wir haben heute die Campsite mit Wasser nicht gefunden deshalb mussten wir trocken campen. Morgen gibt es aber schon wieder Wasser im ca. 4 Meilen. Habe heute die Rain Fly auf mein Zelt gemacht damit ich mich heute Nacht gut beschützt fühle und schlafen kann. 

31. Tag, Tentsite, Meile 389, Höhe 2136m

Ich glaube wir sind heute mehr Höhenmeter gelaufen als Meilen. Knapp 14 Meilen haben wir geschafft und sind erst um 18.00 im Camp angekommen. 

Zuerst ging es die letzten 2.2 den Berg hinauf bis zur Verzweigung zum Gipfel des Mount Baden Powell.  Der Berg ist 2860m hoch (!). Ich habe dann meinen Rucksack unten gelassen und nur herausgenommen was ich für das Frühstück brauchte. Dummerweise habe ich nicht daran gedacht meinem Löffel mitzunehmen um mein Oatmeal zu essen. Sah mich schon auf indische Art mit den Fingern zu essen. Agnes hat sich aber meiner erbarmt und mir ihren Löffel ausgeliehen. 

Danach ging es die ganze Zeit rauf und runter und wieder rauf und runter. Agnes ist gut im Hinaufgehen, da bin ich immer hintennach aber wenn es heruntergeht dann übernehme ich die Führung😉. So ergänzen wir uns  ganz gut. Ich weiß einfach nicht, wie das in der Sierra gehen soll wenn ich schon ab 2200m die Höhe spüre und nicht genug Luft kriege. Da werde ich dann zw. 3000 und 4000m unterwegs sein. Ich hoffe immer noch, dass ich mich langsam daran gewöhnen werde. 

Lustigerweise trifft man immer die gleichen Leute auch wenn ich manchmal denke, dass sie teilweise schon viel weiter sein sollten. Wir laufen vielleicht langsam dafür konstant und die Jungen vor allem bestellen sich immer mal wieder einen Uber um in der Stadt essen zu gehen. Sie verbringen auch meistens mehr Zeit in den Trailtowns und so kommt es dass man sich immer wieder sieht. 

Es ist ausgesprochen warm heute Abend und ich sitze draußen und schreibe an meinem Blog. Mir die Moskitos belästigen mich gerade. Das Paradies ist halt nie perfekt!

Morgen müssen wir 2.7 Meilen auf der Straße laufen weil ein Stück des PCTs gesperrt ist wegen gelben Fröschen die vom Aussterben bedroht sind und geschützt werden müssen. Ich hasse Roadwalks aber was tut man nicht alles für 🐸. 

30. Tag, Tentsite, Meile 375.8, Höhe 2370m

Agnes hat heute Morgen die Kaffeemaschine laufen lassen und so konnten wir Kaffee im Bett genießen. Anschließend sind wir frühstücken gegangen und wer saß da an einem Tisch? David! So konnten wir alle zusammen frühstücken bevor David wieder auf den Trail zurück ging. Ich bin dann auf die Post wo ich endlich meine Bounce Box in Empfang nehmen konnte. Ich hatte jetzt noch knapp 1,5 Std. Zeit alles aufzufüllen bevor wir um 11.00 das Zimmer verlassen mussten. So eine Bounce Box ist schon praktisch. Ich kann da alles rein tun was ich zur Zeit nicht brauche und gleichzeitig habe ich viele Sachen drin zum Auffüllen. Auch Ersatzkleider sind da drin und mein Necessaire. Sogar mein Epilady damit ich mir ab und zu die Beine epilieren kann😊. Deshalb auch meine Frustration gestern als die Box nicht in dem Store war wo ich sie hingeschickt hatte. 

Pünktlich um 11.00 war ich fertig und habe die Box wieder auf die Post gebracht. Anschließend haben wir uns im Sehr teuren Jensens Supermarkt zu Mittag eingekauft und es gleich da verzehrt. Vor dem Supermarkt hat es Tische und Sonnenschirme und alle PCT Hiker halten sich da auf. 

Um 13.30 haben wir uns dann an den Straßenrand gestellt um zu hitchen und es ging mal wieder keine 5 Min. und ein Autofahrer hat uns mitgenommen. Wir würden am Inspiration Point abgesetzt wo der PCT weiter geht. 

Wir hatten wieder Essen für 5 Tage dabei plus 2lt Wasser, d. h. ca. 6kg nur für Wasser und Food! Es ging natürlich wieder den Berg hinauf, wie könnte es auch anders sein wenn man voll beladen ist. Ich hoffe, dass das Bergaufgehen irgendwann einfacher wird, denn mir geht immer noch regelmäßig die Luft aus. Wir wollten möglichst nahe an Mount Baden Powell kommen und campen nun zusammen mit Peach, Long Carry, Mac Man und Marc, 2 Meilen vor dem Peak. Wir hatten heute unser erstes Lagerfeuer und der Sonnenuntergang war sehr schön. Morgen werden wir auf dem Gipfel frühstücken😊. 

So ich werde mich jetzt in meinen Schlafsack kuscheln und hoffentlich gut schlafen. 

29. Tag, Wrightwood, Meile 369.5, Höhe 1809m

Heute Morgen haben wir sozusagen ausgeschlafen nach der gestrigen Anstrengung, sind erst um 7.00 los. Wir hatten auch beschlossen, nicht mehr zur Quelle runterzugehen, da wir je noch zw. 700ml und 1 lt Wasser zur Verfügung hatten. Bis Wrightwood waren es nur noch 5 Meilen. Unsere Rucksäcke waren dementsprechend leicht. Zuerst kam nochmal ein kurzer steiler Anstieg und ich merkte, dass ich mich von der gestrigen Etappe noch nicht erholt hatte. Dann ging es aber bald nur noch bergab auf wunderschönen Waldwegen und dann standen wir bereits am Trailhead. Wrightwood ist dafür bekannt eine Hiker freundliche statt zu sein und schon am Trailhead bekamen wir Wassermelone und Snacks angeboten. Wir durften dann noch unseren Namen auf ein Stück Stoff schreiben und die gute Frau wird damit dann einen Quilt nähen. Ihr Mann Fokus läuft gerade den PCT und sie supported ihn mit dem Wohnwagen. Dabei werden alle anderen Hiker auch verwöhnt. Der Hitch nach Wrightwood war easy und bald schon saßen wir beim Frühstück. Ich hatte ein Omelett mit Hashbrowns, ähnlich wie Rösti und dazu ca. 4 Tassen Kaffee.

Wir mussten bis 15.00 warten bis wir unser Zimmer beziehen konnten, deshalb erledigten wir gleich unseren Einkauf und tranken anschliessend Kambucha, sehr gesund! Anschliessend wollte ich im Mountain Hardware Store meine Bounce Box abholen und freute mich bereits auf all die guten Sachen die da drin sind wir Shampoo, Duschgel, Bodylotion, Nagelscheere und Townkleider. Aber wie das so ist meine Boxwar nicht da und jetzt muss ich bis Montag warten und hoffen, dass mein Eimer auf der Post ist. Das war ein Bummer aber ich habe recht schnell losgelassen. Das Kleiderwaschen wurde auch noch abenteuerlich, weil die Waschmaschine so ein kleines Campingmodell war. Dauerte nur 9 Min. und ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass unsere schmutzigen Kleider in so wenigen Minuten nicht sauber wurden. Na ja dann waschen wir halt in Aqua Dulce gründlicher, dies ist unser nächster Stopp in 5 Tagen.

Mein Zehennagel hat sich nun endgültig verabschiedet und am Anfang konnte ich gar nicht hinschauen. Werde ihn jetzt einfach mit einem Pflaster abdecken, weh tut es überhaupt nicht.

So wir gehen jetzt mexikanisch Essen. David ist auch hier, er wollte wohl doch nicht mit 10k gFood und Wasser den Berg hinauf klettern.