23.07.2021 Rennes – 7.2 km💪

Wer sich jetzt fragt wie ich zu diesen 7.2 km komme, soviel bin ich heute Morgen in Rennes rumgelaufen als ich die Kathedrale besichtigt habe😂.

Kathedrale Saint-Pierre

Heute Abend habe ich mich dann daran erinnert, dass Rennes ja eine Metro hat😉. 3 Stationen und schon sitze ich in der Innenstadt, an der Place Saint Anne und trinke ein belgisches Bier bevor ich dann essen gehe.

Place Saint-Anne
Place Saint-Anne

Hier gab es gerade ein Spektakel, vier Männer haben nur mit klatschen auf ihren Körper Musik gemacht. Gegen Schluss haben sie dann noch die Kleider vom Leibe gerissen und weiter auf die nackte Haut geklatscht. Also die Unterhose haben sie doch angelassen🤣. Ihre Körper waren ganz rot von den vielen Ohrfeigen. Ja es ist ganz unterhaltsam hier.

Außer die Kathedrale zu besichtigen, die wirklich sehr schön ist, und durch die Innerstadt zu flanieren, habe ich es wirklich sehr ruhig genommen heute. Ich habe auf ARTE sogar ein Film über Patagonien angesehen, schön bequem vom Bett aus mit einem Kaffee in der einen und einem Pain aux Chocolat et Amandes in der anderen Hand. Die größte Anstrengung war das Bett nicht zu versauen😜.

So dies ist nun das Ende meiner Dokumentation dieser Wanderung. Ich hoffe ich konnte euch ein wenig mitnehmen und vielleicht bekommt ihr ja Lust auch in die Bretagne zu reisen. Es lohnt sich wirklich. Es gibt ja auch weniger anstrengende Möglichkeiten wie meine😉. A toute à l’heure😘.

22.07.2021 Paimpol – 7 km

Ich habe mich entschieden, nur noch bis Paimpol zu laufen und dann nach Hause zu fahren. Der Weg war zuletzt sehr anstrengend und ich möchte meine letzte Ferienwoche etwas ruhiger angehen.

In Paimpol werde ich um 16.15 den Zug nach Rennes nehmen und dort einen Ruhetag einlegen. Möchte unbedingt die Kathedrale besuchen, die vor allem von innen sehr schön sein soll.

Da ich wusste, dass es nur 7 km sind bis Paimpol und der Zug erst um 16.15 fährt, habe ich es sehr gemütlich genommen am Morgen. Bin erst gegen 10.30 los.

An der ersten schönen Stelle, wo es eine Bank gab, habe ich mein Zelt getrocknet. Es war mal wieder ziemlich nass. Bei Regen ist es außen nass und ansonsten von innen, da ich meistens auf Rasen campiere. Nur ein einziges Mal konnte ich das Zelt trocken verräumen. Ich glaube das war in Binic. Ansonsten habe ich es immer nass in die hintere Netztasche gestopft. Ist aber kein Problem, im Laufe des Tages kann man es irgendwann trocknen.

Ich liebe dieses Ritual das Zelt zu trocknen. Heute hatte es ja wieder Wind und dann fühlt es sich an wie einen Drachen steigen zu lassen. Nur dass ich das Zelt nicht loslassen darf, sonst muss ich ihm hinterher rennen🤣. Einmal habe ich das Zelt in der Nähe einer Klippe getrocknet, wenn ich es da losgelassen hätte, hätte auch hinterherrennen nichts mehr genutzt…

Der Weg war sehr leicht heute. Fast schon ein Spaziergang der Küste entlang. Es fühlte sich an wie ein Naherholungsgebiet der Bretonen. Mit Kinderspielplatz, Fitnessgeräten und einem Pool aus Meerwasser. Das Wasser des Swimmingpools wird garantiert 2x täglich erneuert durch Ebbe und Flut😉. Ich habe heute nochmals die zwei Französinnen getroffen und konnte mich gleich noch verabschieden.

Fitness a la Bretagne

Einmal musste ich eine Zwangspause einlegen weil eine Migräne im Anmarsch war. Merke das immer wenn ich eine Aura kriege und Zackenbilder sehe. Habe schnell 2 Schmerztabletten eingeworfen und gewartet bis die Aura vorbei war. Ich sehe dann nämlich nicht besonders gut und ich wollte an meinem letzten Wandertag keinen Stolpersturz verursachen.

Zwangspause

Um 13.30 war ich bereits in Paimpol, ein hübsches bretonisches Städtchen direkt am Meer. Ich hatte Zeit um Mittag zu essen und genehmigte mir deshalb nochmals Moule marinière aber dieses Mal mit Salat nicht mit Pommes Frites.

Das öffentliche Schwimmbad

Der Bahnhof von Paimpol ist wirklich erbärmlich, man kann sich nirgends in den Schatten setzen. Die einzigen 2 Bänke stehen in der prallen Sonne. Ich habe mich dann hinter einem Haus auf meinen Rucksack gesetzt und in der Wartezeit an meinem Blog weiter geschrieben. Die Reise dauert etwas mehr als 2 Stunden. Das Gute ist, dass ich dann am Samstag weniger lang im Zug sitze.

Auf dem Weg zur Pointe de Guilben

Ich habe ein Hotel direkt am Bahnhof genommen, das praktische ist, die Innerstadt ist auch nicht weit weg und zum Bahnhof muss ich nur über den Platz👍. So ich werde jetzt was essen gehen. Nach all den Muscheln brauche ich mal ein Stück Fleisch💪.

21.07.2021 Kerity – 19 km

Von meinem Camp hinter dem Maisfeld bin ich bereits um 7.00h los. Ich habe nicht all zu gut geschlafen. Es ist ein riesiger Unterschied ob man in der wilden Natur übernachtet oder in der Nähe von Häusern wo man die Menschen in der Umgebung hört.

Nicht so schlecht mein Campspot

Der Lohn war auf jeden Fall der Sonnenaufgang am Morgen. Ich war gerade dabei das klitschnasse Zelt zusammenzupacken. Ein magischer Moment. So früh war ich sonst nie wach.

Mein einziger Sonnenaufgang auf dieser Wanderung

Ich lief durch das noch schlafende Bréhec und fragte einen Frühaufsteher wo ich den hier Wasser finden könnte. Er meinte am Strand gebe es eine Dusche für die Badenden. Super es konnte weitergehen.

Hafen und Strand von Bréhec

Am Strand schliefen 3 junge Wanderer und machten Cowboycamping🤠. Das wäre auch eine Möglichkeit gewesen, ist mir aber überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Auch habe ich in der Bretagne gerne einen Wetterschutz über dem Kopf😉.

Von da an ging es nur noch steil hoch und runter. Und wieder diese elenden Treppen. Ich habe mal mitgezählt: ca. 160 Stufen!!! Ja und ich bin bereits genauso viele auf der anderen Seite herunter gekommen😵‍💫.

Ihr müsst das Bild vergrößern um die Stufen zu sehen

Es war sehr anstrengend und zudem sehr heiss. Heute und gestern wehte überhaupt kein Wind. Es war schweißtreibend🥵. Immer wenn es etwas Schatten gab machte ich eine kurze Pause.

Austernbänke

Zudem hatte ich immer noch Mühe mit den neuen Schuhen. Meine Füße waren total heiß und ich hatte bereits 4 Blasen. Ansonsten habe ich nie Blasen nur wenn es heiss ist. Ich musste anhalten und meine Füße pflegen und pflastern. Dann ging es etwas besser aber das Brennen ging nicht weg.

Ich wollte mal wieder über den Strand abkürzen weil Ebbe war. Der GR 34 verlief hoch über mir. Wahrscheinlich habe ich mir wieder etliche Auf- und Abstiege erspart. Nach 2 Strandabschnitten bin ich dann wieder über Treppen🥵 zum GR 34 hochgeklettert.

Die Hitze hat mich richtig fertig gemacht und ich musste ein Nickerchen machen. Mein Körper war einfach noch müde von gestern. Dieser Tag hat Substanz gekostet. Ich fand ein wunderschönes Plätzchen mit vielen, vielen Hortensien. Habe noch nie soviele auf einmal gesehen.

Siesta bei den Hortensien

Schließlich kam ich zum ehemaligen Kloster von Beauport und dann ging es nur noch der wunderschönen Küste entlang bis zum Camping.

Abbey de Beauport
Irgendwie ist immer Ebbe

20.07.2021 in der Nähe von Bréhec (Wildcamp) – 31 km

So sieht ein voller Strand im Norden aus

Oh mein Gott, was für ein Tag. Ich wollte eigentlich nicht so lange laufen aber ich habe es mal wieder vermasselt. Ich wollte zum Camping von Kerjean gehen der leider nicht mehr existiert. Ich habe zwar angerufen und die haben auch gesagt kein Problem aber leider war es wieder einmal der falsche Campingplatz. Im Süden der Bretagne gibt es scheinbar auch einen Ort der so heisst. Ziemlich dumm gelaufen und natürlich habe ich es erst gemerkt als es bereits zu spät war um umzukehren.

Ich wollte eigentlich auf den Campingplatz von Lanloup aber als ich um 21.00h ankam war alles schon geschlossen. Und ich wusste auch nicht wer der drei derjenige war, der Wanderer aufnahm. Telefonisch konnte ich niemanden mehr erreichen.

Denkmal welches an den Widerstand erinnert

Ich fühlte mich total verloren und hatte keine Ahnung wo ich hin soll. Total alleine und heimatlos, fühlte ich mich wie ein Hobo, jemand der auf der Strasse lebt. Ich bin herumgeirrt und wusste einfach nicht wo ich mein Zelt aufstellen könnte. Hier ein Platz zum zelten zu finden ist unheimlich schwer. Der Weg ist ca. 30 – 40 cm breit, auf einer Seite geht es runter und auf der anderen Seite ist dichtes Gebüsch damit man ja nicht auf die Idee kommt zu verweilen, dahinter könnte man teilweise schon zelten. Zudem ist immer alles mit Stacheldraht abgesperrt. Die Franzosen sind echt extrem mit ihrem Privatbesitz. Nur schon zu pinkeln ist schwierig geschweige man müsste ein anderes Geschäft verrichten. Dies weiss ich aber schon von meinen früheren Pilgerreisen in Frankreich.

Ich war verzweifelt, völlig erschöpft und wollte mich nur noch hinlegen. Tränen liefen mir die Wangen runter und dann endlich hinter einem Acker fand ich eine Stelle, wo man sogar noch eine schöne Sicht aufs Meer hatte. Zuerst bin ich einfach da gesessen, habe gegessen und erst so um 22.00 das Zelt aufgestellt. Habe gedacht wenn mich bis dann niemand verjagt wird es wohl gut sein. Ganz wohl ist mir nicht aber ich bin einfach froh ausruhen zu können.

Plage de Bonaparte

Morgens bin ich um 8.15 los. Beim Ausgang stand der Bäckerbus und da musste ich natürlich noch Croissants kaufen.

Es ging auch wieder viel der Strasse entlang und immer wieder hoch und runter. Dazu diese Treppenstufen, die machen mich wirklich fertig. Ich habe heute auf meinem Schrittzähler nachgesehen: 32 Stockwerke bin ich hoch und runter😵‍💫. Es war richtig hart heute und dummerweise die Strecke lang da es nicht viele Campingplätze gibt, die Hiker aufnehmen.

Der Ort an dem ich eigentlich übernachten wollteQ

Ich bin beim Denkmal vorbeigekommen vom zweiten Weltkrieg. Das steht da schön wie ein Obelisk.

An Strand von Bonaparte brauchte ich dringend Wasser, nur leider war auch der Bach abgesperrt mit einer Mauer und klettern wollte ich nicht. Weiter oben fand ich dann eine Stelle wo ich Wasser nehmen konnte. Die Wasserflasche mit eingebautem Filter ist wirklich praktisch vor allem wenn es Bäche hat. Die ersten 10 Tage habe ich ja keinen Bach gesehen… Da war es aber auch nicht heiß und ein Liter reichte immer.

Als mir klar war dass ich mich mit dem Campingplatz geirrt hatte, nahm ich es noch gelassen erst als ich merkte, dass ich es nicht vor 20.00 auf den Camping schaffe wurde es ungemütlich.

Um 15.00 habe ich Gottseidank noch zu Mittag gegessen und mir ein Panache gegönnt. Da wusste ich noch nicht, dass es ein sehr langer Tag werden würde.

Um 20.00 war ich an einer sehr schönen Stelle wo ich gerne gezeltet hätte. Leider kamen da aber zu viele Leute vorbei. Ich war whs. einfach zu früh. Vielleicht hätte ich einfach abwarten sollen.

So bin ich dann aber weitergegangen und schlussendlich hinter dem Maisfeld gelandet. War aber schlussendlich auch eine gute Erfahrung. Einfach um mich daran zu erinnern, dass es immer eine Lösung gibt.

19.07.2021 Blinic – 18 km

Heute bin ich erst um 12.00h los und habe doch noch 18 km geschafft. Nicht schlecht oder?

Ich bin um 8.00h aufgestanden und Sophie und Dom waren noch nirgends zu sehen oder zu hören. Ich habe mir dann erst einmal eine grosse Tasse Kaffee gemacht und bei der zweiten Tasse habe ich dann gefrühstückt.

Um 9.00 sind sie dann eingetrudelt sie hatten komplett verschlafen. Ich nahm es entspannt, ich wusste dass ich nicht vor 12.00 starten würde. Ich habe in der Zwischenzeit meinen Rucksack so gut es geht gepackt, ich musste ja noch Essen und Gas einkaufen.

Sophie und ich sind dann einkaufen gegangen. Ich habe alles gefunden ausser Papiernastücher, da konnte mir aber Sophie aushelfen. Ich hatte bereits die neuen Schuhe angezogen um sie etwas einzulaufen. Ich habe aber nie gross Probleme mit neuen Schuhen. Als ich damals 2008 mit neuen Schuhen die Pyrenäen überquerte hatte ich eine klitzekleine Blase am Zeh.

Mein Rucksack war gepackt und Sophie hat mich nach St. Laurent de la Mer gefahren. Ich habe mir so ca. 8 km auf Asphalt erspart. Wir haben dann noch ein Selfie zum Abschied gemacht, da wir vergessen hatten ein Foto zu machen.

Sophie aka Kimby und Dr. Fly aka Françoise

Dann bin ich losmarschiert. Ich freue mich eigentlich immer nach einem Ruhetag wieder loszulaufen. Irgendwann habe ich mich genügend ausgeruht und möchte weiter.

Der Weg ging wieder schön der Küste entlang und ca. eine halbe Stunde nach Start habe ich Valerie und Marie-Lynn getroffen. Wir sind uns das erste Mal vor dem Cap Fréhel begegnet. Sie haben mich eingeladen mit ihnen Pause zu machen und das habe ich gerne getan, wenn auch nur wegen ihrer Gesellschaft. Sie sind heute auch in Binic in einem Hotel aber ich habe sie noch nicht gesehen.

Der Strand von St. Martin, hier ist Sophie geboren

Leider ging es öfter auch der Strasse entlang und dies war sehr anstrengend vor allem weil es heute zum ersten Mal richtig heiss war. Ich habe jedes Mal wenn es Schatten gab eine kurze Pause eingelegt um mich abzukühlen.

Binic aus der Ferne

Ein Stück des Weges war gesperrt wegen Steinschlag und scheinbarer Todesgefahr. Ich habe bereits auf dem PCT gelernt, dass es besser ist selber kurz nachzuschauen ob der Weg passierbar ist oder nicht. Ich muss ehrlich sagen ich habe nichts gefunden das gefährlich aussah und auch die Sperre am Schluss konnte ich locker umgehen. Keine Ahnung warum der Weg gesperrt war. Es hat mir auf jeden Fall einen grossen Umweg auf der Strasse erspart.

Der Strand und Anfang vom Hafen von Blinic

Es hat eindeutig mehr Touristen und es sind auch mehr Hiker unterwegs. Die Strände sind für nordische Verhältnisse richtig voll.

Hafen von Binic

Ich plane ja wenn ich pensioniert bin einen Campingbus zu kaufen und erst einmal auf Tour zu gehen. Meine erste Reise wird auf jeden Fall in den Norden gehen. Ich werde die französische und spanische Küste runterfahren. Immer mal wieder eine Wanderung auf dem GR 34 oder dem Camino del Norte unternehmen. Falls ihr noch nie an der Nordküste wart, es ist wirklich sehr zu empfehlen.

Ebbe und grüne Algen

Um 18.00h bin ich dann endlich beim Campingplatz von Binic angekommen. Die Schuhe sind super bequem und wie erwartet habe ich eine kleine Blase an der linken kleinen Zehe. Pflaster drauf und gut ist.

Hafen und Binic im Hintergrund

Ich habe eine Parzelle auf dem Camping erhalten die einfach uneben ist. Ich habe lange überlegt, wie ich das Zelt am besten aufstellen soll. Ich habe keine Ebene Stelle gefunden. Das wichtigste war mir, dass der Kopf beim Schlafen nicht unten ist, sonst bekomme ich Kopfschmerzen. Ich habe alle meine Habseligkeiten auf die linke Seite des Zeltes getan und hoffe, dass dies mein Abrutschen etwas aufhalten wird. Ich hatte aber auch schon schlimmere Campspots.

Der Leuchtturm

Jetzt sitze ich am Hafen und habe eine Galette gegessen und 2 Bier getrunken🤪. Die Galette ist eine Spezialität der Bretagne und ist eine Crêpe mit Käse, Schinken, Ei und Salat. Es gibt sie natürlich in verschiedenen Versionen. Sehr, sehr lecker😋.

Die Sonne ist weg

Ich werde jetzt noch einen kleinen Spaziergang durch Binic unternehmen und dann ist es schon bald Hiker Midnight, wie wir auf dem PCT sagten.

18.07.2021 Saint Brieuc – Ruhetag

Ich habe sehr lange geschlafen bis 8.00 auf einer luxuriöseren Luftmatratze als ich sie im Zelt habe. Vor allem viel breiter. Das Bett welches in diesem Zimmer war wurde bereits gezügelt oder verschenkt. Meine Luftmatratze im Zelt ist so schmal, dass immer irgend ein Teil von mir nicht auf der Matratze liegt. Ich drapiere aber einfach meine ganze Ausrüstung um mich rum und so geht es auch ganz gut.

Ich bin so spät aufgestanden, dass ich alleine frühstückte. Anschliessend bin ich mit Kimby auf den Markt gegangen, Dom musste im Haus arbeiten. Der Markt war ein wildes Durcheinander von Essen, Kleidern, Ramsch und Flohmarkt. Am Schluss haben wir nur Oliven 🫒 gekauft für den Apero. Dann hat mir Kimby den Hafen gezeigt. Sie haben sogar eine drehbare Brücke. Immer wenn ein Schiff rausfährt dreht sie und die Fussgänger müssen warten.

Am Hafen haben wir noch etwas getrunken und dann zeigte sie mir noch den weiteren Weg. Es sind etliche, nicht sehr schöne, Kilometer der Strasse entlang zu meistern. Kimby wird mich deshalb mit dem Auto bis St. Laurent de la mer fahren und so kann ich 8 km auf der Strasse umgehen. Wer mich kennt und meine Wanderungen verfolgt weiss, dass ich es hasse auf der Strasse zu laufen. Deshalb ist mir die Entscheidung sehr leicht gefallen. Ich habe auch schon lange nicht mehr das Bedürfnis, jeden Kilometer laufen zu müssen.

Meine Schuhe, die ich auf dem GR 10 in St. Jean Pied de Port gekauft habe sind mittlerweile hinüber. Es sind Goretex Schuhe aber dicht sind sie nicht mehr. Zudem sind sie viel zu heiss und ich habe eine Druckstelle am linken Mittelfuss. Das brennt höllisch aber von aussen ist es nur etwas gerötet. Vielleicht ist es auch eine Sehne, keine Ahnung.

Auf jeden Fall hat Kimby gemeint, sie hätte noch ein paar Schuhe vom PCT, die sie mir gerne geben würde falls sie mir passen. Ich glaube sie hat eine halbe Schuhnummer grösser wie ich. Ich habe sie probiert und sie sind super bequem. Ich wollte sie ihr abkaufen da sie total neu sind. Aber das wollte sie nicht. Sie ist glücklich mein Trail Angel sein zu dürfen.

Da man erst nach einer Wanderung weiss, ob die Schuhe passen oder nicht, wird sie meine alten Schuhe aufbewahren bis ich ihr sage, dass es ok ist und sie sie wegschmeissen kann. Das ist mal wieder ein Geschenk des Himmels. Aber so war es auf dem PCT auch, man hat irgendwie immer genau das bekommen was man gebraucht hat. „The Trail provides“ war unser Motto.

Morgen werde ich noch ein paar Besorgungen machen und Dann geht es weiter in meinen neuen grünen Wanderschuhen. Und das beste ist, sie sind ohne Goretex👍. Man kriegt zwar nasse Füsse aber es trocknet halt auch schnell. Wenn Goretex Schuhe einmal nass sind braucht es mehrere Tage bis sie wieder trocken sind.

Leider habe ich haute vergessen Fotos zu machen.

17.07.2021 St. Brieuc – 17 km

Heute Morgen war das Zelt komplett nass und zwar von innen. Ich hatte Kleider im Zelt die nicht ganz trocken waren aber die meiste Feuchtigkeit kam vom Rasen.

Um 8.00 habe ich gefrühstückt und meinen Plan den Bus zu nehmen habe ich gleich wieder verworfen. Kimby hatte mir geschrieben ich solle auf keinen Fall den Bus nehmen, denn die nächste Etappe sei sehr schön und ich solle einfach laufen solange ich mag und sie würde mich dann abholen.

Ich bin dann voller Energie losmarschiert und alle Zweifel und Ängste des letzten Tages waren wie verflogen.

Ja und die Strecke war wirklich aussergewöhnlich schön. Es wäre sehr schade gewesen den Bus zu nehmen. Ich kam an eine riesige Bucht, die Baye de St. Brieux. Es war wieder mal Ebbe und die Farben gingen von Türkis zu blau und grün. Am Anfang der Bucht stand eine kleine Kapelle. Sehr idyllisch.

Nein kein Bootsfriedhof, einfach Ebbe

Ein Fluss ergoss sich hier ins Meer und ich musste dem Fluss entlang laufen bis endlich eine Brücke kam und ich auf die andere Seite wechseln konnte.

Auf der anderen Seite ging es dann ziemlich anstrengend zurück zur Bucht. Es ging hoch und wieder runter. Als ich endlich wieder das Meer sehen konnte machte ich erst einmal Pause mit Blick auf das Meer und die Kapelle. Nur dieses Mal von einer anderen Seite.

So sieht ein Strand bei Ebbe aus

Dann ging es weiter oberhalb des Meeres. Überall hatte es Zeichen mit „Algue verte“ nur wusste ich nicht was ich damit anfangen sollte. Kimby erklärte mir dann dies seien grüne Algen die sehr gefährlich sein können. Sie entstehen durch die grossen Schweinezuchten. Die Exkremente der Schweine werden zum Düngen, wie bei den Kühen, wieder auf die Felder verteilt. Durch den Regen wird es dann ins Meer gespült und dadurch entstehen die grünen Algen. Die Algen stossen wenn sie trocknen ein ammoniakhaltiges Gas aus, dass man nicht einatmen sollte, weil man das Bewusstsein verlieren könnte. Es seien bereits Menschen gestorben aber vor allem Pferde. Jetzt weiss ich wenigstens was es damit auf sich hat und ich werde den Strand nicht betreten wenn es diese giftgrünen Algen hat.

Da Ebbe war konnte ich meine Strecke abkürzen und einfach dem Strand entlang gehen. Bei der Plage du bon Abri, kurz vor Hillion, hat mich Kimby dann abgeholt.

Baye de St. Brieuc

Sie wohnt mit Dom ihrem Mann in St. Brieuc aber in zwei Wochen werden sie in den Süden in die Nähe von Toulon ziehen. Im Haus stehen überall Kisten und es gibt immer noch viel zu tun. Kimby möchte wieder Pferde haben. Ein Jahr bevor sie auf den PCT ging ist ihr Pferd gestorben, das Pferd hiess Kimby. Auf dem PCT hat sie sich dann so genannt.

Ich hatte ganz vergessen, dass wir beide am gleichen Tag Geburtstag haben. Wir hatten einen sehr schönen Abend. Wir haben sehr viel über den PCT gesprochen und Erinnerungen ausgetauscht. Sie ist zwei Tage vor mir gestartet und wir haben uns auf dem Weg immer wieder mal getroffen. Ja und in Washington sind wir dann die letzte Woche zusammen gelaufen.

Und von der anderen Seite. Mein Pausenplatz.

Dies ist das erste Mal seit vier Jahren, dass ich mich mit jemandem so richtig über den Trail unterhalten konnte. Wir haben sehr viele gemeinsame Erinnerungen. Das hat richtig gut getan. Jemand der diese Erfahrung nicht gemacht hat, kann nicht wirklich verstehen wie es war den PCT zu laufen. Deshalb habe ich kaum mit jemandem darüber gesprochen.

Ich werde am Sonntag hier bleiben und einen Zero einlegen (heisst 0km). Am Montagmorgen werde ich mit Kimby meine Besorgungen machen und dann gegen Mittag weiterlaufen.

Baye de St. Brieuc

Ich weiss nicht ob ich schon erzählt habe, dass Kimby aka Sophie, daran ist einen Wildnispfad anzulegen der natürlich in St. Brieuc beginnt. Er führt durch die einsamsten Gegenden von Frankreich und er wird so angelegt sein, dass man wild zelten kann. Sie will auch einen digitalen Reiseführer kreieren so wie wir ihn auf dem PCT hatten. Da konnte man schauen wo die nächste Wasserstelle, der nächste Campspot oder die nächste Stadt ist. Ein riesiges Projekt! Der Trail wird 4300 km lang sein also 40 km länger als der PCT😉.

Sie ist zuversichtlich, dass sie den Trail nächstes Jahr im Sommer einweihen werden. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.

Hier sieht man sie gut die grünen Algen

16.07.2021 Le Val André – 12km

Heute war ein schwieriger Tag. Von Anfang an hatte ich Mühe. Ich habe nur eine halbe Etappe geschafft. Ich mache mir immer noch zu viele Sorgen wo ich abends schlafen werde dabei habe ich bisher immer etwas gefunden. Ich habe an mir gezweifelt und wollte den Weg sogar abrechen.

Der Weg war wieder wunderschön Es reiht sich ein Strand an den anderen und einer ist schöner als der andere. Es wird schon fast langweilig😉.

Im Val André habe ich dann beschlossen einen „Nero“ zu machen. Habe nur 12 km geschafft. Ich war eigentlich bereits wieder unterwegs Richtung Jospinet und dann habe ich gemerkt, dass die Luft raus ist und ich keine 11 km mehr schaffe. Ich hatte zu viele negative Gedanken im Kopf und dies frass meine ganze Energie auf.

Ich bin dann ins Office du Tourisme und habe nach einem Camping gefragt der Hiker aufnimmt. Ja und so bin ich im Camping Minihy gelandet. Was für ein Kontrast zu gestern Abend. Hier fühle ich mich wohl und überhaupt nicht deplatziert.

Morgen werde ich den Bus nach St. Brieuc nehmen. Ich brauche dringend eine Pause. Zudem gibt es auf den letzten 40 km keine Zeltplätze. Da werde ich auch entscheiden, ob ich weiter laufe oder heimkehre.

Val André

Hier auf dem Campingplatz hat eine Holländerin ihr Zelt neben meinem aufgebaut. Sie fährt mit dem Velo bis nach Hause. Respekt! Sie ist sehr nett und wir haben uns gut unterhalten. Solche Begegnungen fehlen mir bisher auf dem Zölnerweg.

15.07.2021 Erqui – 29 km

Oh Mann, ich bin auf einem irre lauten Campingplatz mit Animation. Na ja nicht mein Ding aber ich mache einfach meine Ohrstöpsel rein und lege mein Stirnband über die Augen.

Ich bin trotzdem froh, dass ich hier übernachten kann, denn eigentlich ist der Campingplatz nur für Busse. Habe irgendwie am falschen Ort angerufen ob sie Wanderer aufnehmen. Der andere ist irgendwie 250 km von hier entfernt😳. Dafür brauche ich ca. 10 Tage😂.

Heute Morgen bin ich um 7.45h los und zum Cap Fréhel gelaufen und wieder zurück zum Camping. Ich musste gestern ja abrechen weil es einfach zu lang war. Das Cap wollte ich aber unbedingt sehen. Im Reiseführer war die Strecke mit 2.5 km angegeben aber ich habe volle 2 Std. gebraucht. Es hat sich aber gelohnt, der Weg war wunderschön. Eingesäumt von gelben und violetten Blumen. Ich glaube man nennt die violetten Blumen Heidekraut. Es war niemand unterwegs, nur auf dem Rückweg ein paar Jogger. Ich habe den Weg nur mit einem kleinen Tagesrucksack gemacht. Ahhh, was für eine Leichtigkeit😄.

Cap Fréhel

Als ich wider auf dem Camping war, habe ich mein zweites Frühstück gegessen, Pain Chocolat und Kaffee. Beim ersten Frühstück gab es ein Croissant😉. Wir sind ja schließlich in Frankreich 🇫🇷.

Auf dem Rückweg vom Cap

Um 11.00 bin ich dann wieder los. Es ging im gleichen Stil weiter. Ganz viel Heidekraut und darunter das knallblaue Meer. Manchmal führte der Weg auch durch Pinienwälder und das richt dann immer so gut.

Das Heidekraut

Ich war gerade am sinnieren wie schön dieser Weg ist und wie einfach es sich läuft auf dem weichen Waldboden, als eine riesige Explosion den Boden erschütterte. Ich wusste nicht, ob das eine kontrollierte Explosion gewesen war oder ob da wirklich was in die Luft geflogen ist. Ich habe noch geschaut ob ich Rauch sehe aber da waren nur Wolken.

Savoir vivre

Teilweise bin ich am Strand entlang gelaufen, bei Ebbe ist dies meistens die weniger anstrengende Variante. Wenn es oben entlang geht ist es meistens sehr anstrengend weil es immer hoch und runter geht.

Wie Gott in Frankreich

In Saint Michel habe ich mir überlegt anzuhalten aber es war erst 15.00h. Dann habe ich eben den falschen Camping angerufen…

Ein anderes Saint Michel

Auf dem Weg zum Cap Erqui wollte ich besonders schlau sein und zwei Treppen umgehen aber dann bin ich ganz woanders gelandet als ich gedacht hatte. Ja und weil ich die Karte auf dem Handy falsch interpretiert habe, bin ich dann wieder am gleichen Strand gelandet. Habe mich dann entschieden, auf einem anderen Weg nach Erqui zu laufen.

Ja und hier habe ich dann gemerkt, das ich den falschen Camping angerufen habe. Der Monsieur am Telefon meinte noch, dass es nur eine halbe Stunde entfernt sei wenn ich am Strand entlang laufe. Um 18.00 bin ich endlich angekommen.

14.07.2021 Cap Fréher – ca. 28 km

Heute Morgen wollte ich früh los weil ich wusste, das es eine größere Etappe werden könnte. Jean-Paul und Freundin bleiben etwas länger weil Jean-Paul Geburtstag hat. Sie machen dann nur eine halbe Etappe.

Das Haus am Meer

Ich habe mich in der Boulangerie noch eingedeckt und dann ging es auch schon los.

In meinem Reiseführer war die Etappe mit 17.5 km veranschlagt. Tatsächlich waren es am Schluss ca. 10 km mehr. In Port-la-Duq habe ich eine lange Pause gemacht weil ich dachte es ist nicht mehr weit. Es war auch ein super Ort zum Pause machen mit Picknicktischen.

Als ich dann wieder los bin hieß es 3.5 Std. bis zum Cap Fréhel! Wie bitte? Das sind ja noch 14 km und nicht nur 4 km🙈!!! Jetzt weiß ich auch warum das französische Pärchen nur eine halbe Etappe gemacht hat, nicht nur wegen dem Geburtstag von Jean-Paul…

Ich hätte natürlich umkehren können. Ich wusste, dass es in der Nähe von Pléboulle einen Campingplatz gab. Da war auch der Fehler im Reiseführer, da stand 2.5 anstatt 12.5 km. Aber wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann ist es zurückzulaufen.

Und so bin ich halt weitergelaufen wohl wissend, dass ich es whs. nicht schaffen würde. Es gibt aber Gottseidank immer die Möglichkeit über die Strasse abzukürzen oder bei Ebbe über den Strand.

Am Strand fand ich dann die drei Mädels, die auch gerade überlegten wie man die Strecke abkürzen könnte. Wir haben dann die Fischer gefragt ob man über den Strand gehen könnte. Es gab einen Abschnitt um ein Cap, dass man nicht einsehen konnte. Wir entschieden uns dann es zu wagen und bis zum Port-St-Geran zu laufen.

Das erste Stück ging gut aber dann hatte es immer mehr Wasser auf dem Strand. Es war halt nicht ganz Ebbe. Ingrid läuft sowieso in Sandalen und die anderen beiden zogen die Schuhe aus. Meine waren sowieso schon nass deshalb ließ ich die einfach an und lief in PCT-Manier mit den Schuhen durchs Meer. Es gab einfach einen klitzekleinen Unterschied zum PCT. Erstens läuft man nicht mit Goretex-Schuhen und zweitens nicht durchs Meer. Es sollte drei Tage dauern bis sie wieder einigermaßen trocken waren😬. Aber irgendwie hat es auch Spass gemacht

Am Port-St-Geran zog ich meine Schuhe aus, wrang die Socken aus und trocknete sie so gut es ging mit meinem Schweisstuch. Wir redeten mit einem bretonischen Paar und sie fragte mich in breitestem Dialekt woher ich komme, ich hätte einen starken Akzent. Na ja ich dachte nur sie auch😂.

Es war bereits 17.00 und die Mädels entschieden sich auf dem GR 34 weiterzulaufen. Für mich war die Entscheidung gefallen, ich würde das letzte Stück auf der Strasse gehen um abzukürzen und am nächsten Tag zum Cap Fréhel zurücklaufen. Die Strecke soll besonders schön sein.

Wie gemalt

Nach 18.00 war ich auf dem Camping und habe mir gleich noch Moules und Frites bestellt für 19.30. Auf den Campingplätzen kommen oft Foodtracks vorbei, hier musste man aber vorbestellen.

Moules et Frites, Fastfood in der Bretagne

Ich konnte mein Zelt aufstellen wo ich wollte und das hat mich glatt überfordert. Manchmal ist es einfacher, wenn man den Platz zugewiesen bekommt. Vor allem wenn man so müde ist wie ich es war. Deshalb habe ich noch eine extra Runde auf dem Platz gedreht und mich dann für die schlechteste Variante entschieden. Der Boden war zu feucht, das Gras zu lang und zudem im Schatten. Tia wenn ich müde bin fällt mir das Denken schwer. Ich wollte einfach einen möglichst kurzen Weg zu den Sanitäranlagen und zum Foodtrack. Was man sonst noch so beachtet, hatte ich zu diesem Zeitpunkt vergessen.

Der Strand beim Camping Fréher

Um 19.30 holte ich meine Moules und Frites und mampfte sie zufrieden am Eingang meines Zeltes.