25. Tag, Tentsite, Meile 313.4, Höhe 930m

Was für ein schöner Tag! Ich fühle mich sehr dankbar und privilegiert dass ich ein halbes Jahr Auszeit bekommen habe und diesen Weg gehen darf. Es ist zwar tierisch anstrengend aber die Erlebnisse die man hat sind unbezahlbar! Man trifft soviele tolle Menschen, die alle das gleiche Ziel vor Augen haben, nämlich Kanada und das verbindet. 

Wir sind heute den ganzen Tag meist oberhalb des Deep Creek gelaufen durch ein wunderschönes grünes Tal. Immer wieder sahen wir mögliche  Badestellen von oben wo man hätte baden können. Wir dachten immer oh wäre das schön… aber der Weg verlief meist oberhalb. 

2 Meilen vor den heissen Quellen kamen wir dann an ein idyllisches Plätzchen mit kleinem Badesee. Da konnten wir nicht wiederstehen, trotzdem dass wir erst gerade Pause gemacht hatten. Wir haben uns bis auf die Unterwäsche ausgezogen und sind in den See gewatet. Agnes ist ganz rein und hat seitdem ihren Trailnamen: Mermaid! Mir tun die Füße bei kaltem Wasser dermaßen weh, dass ich nicht all zu lange drin bleiben konnte. Es war unheimlich erfrischend und den Füßen hat es gut getan. 

Wir sind dann noch die 2 Meilen bis Deep Creek Hot Springs gelaufen und haben dort zu Mittag gegessen. Die ganze PCT Trailgemeinde war dort versammelt. Man hätte hier in den heissen Quellen baden können aber wir hatten unser erfrischendes Bad ja schon vorher deshalb haben wir darauf verzichtet. 

Es ging dann noch 6 Meilen weiter bis zur nächsten Wasserstelle und dem nächsten River Crossing. Bei den Hot Springs wurde viel über diese Flussüberquerung geredet und man glaubte dass es schwierig werden würde weil es soviel Wasser hat und man einen schmalen Baumstamm überqueren müsse. Als wir dann dort hinkamen war alles nur halb so wild und wir sind beide trocken rüber gekommen. 

Wir sind heute fast 18 Meilen gelaufen und haben direkt nach dem River Crossing campiert.

Jetzt liege ich im Zelt und um mich rum raschelt es die ganze Zeit.  Ich hoffe nur, dass diese Viecher da draußen nicht mein Zelt anknabbern und versuchen an mein Essen zu kommen. 

24. Tag, Tentsite, Meile 295.9, Höhe 1597m

Die letzte Nacht war eisig kalt, bestimmt unter null. Ich hatte aber einigermassen warm, viel kälter hätte es aber nicht sein dürfen. Es kostet ziemlich Ueberwindung am Morgen auscdem warmen Schlafsack zu kriechen und in die kalten Klamotten zu steigen. Es hat heute alles etwas länger gedauert einfach weil es so kalt war. Ich habe einen Müesliriegel gegessen und dann sind wir zügig losmarschiert. Bald kam die Sonne und wir haben sie freudig begrüsst. An einem sonnigen Platz haben wir dann endlich gefrühstückt und die kalte Nacht war bald vergessen. 

Der heutige Tag war lang, wir sind 28km gelaufen, aber relativ einfach. Es ging vor allem runter und das ist nicht so anstrengend. Wir mussten auch wieder Flüsse überqueren und bei einem musste man über einem Baumstamm balancieren. Der war aber nur 20-30 cm breit und deshalb mussten wir unsere Zirkusqualitäten unter Beweis stellen. Wir haben dies aber mit Bravour gemeistert. Ehrlich gesagt hatte ich mich schon im Fluss baden gehen sehen. 

Ich bin jetzt so richtig angekommen und gut drin mit laufen. Mein Körper ist kräftiger geworden und ausser meinem blockierten Ileosacralgelenk tut mir nichts weh. Das ISG hält mich vor allem nachts vom schlafen ab wenn ich mich drehen möchte. Na ja vielleicht wird das ja auch irgendwann besser. 

Ich liege im Zelt und es ist auch wieder kalt aber nicht so kalt wie gestern. Wir sind heute doch ca. 700m abgestiegen und das merkt man extrem. Die nächsten Tage wird es vor allem runtergehen bis El Cajon wo dann der Mac Donalds auf uns wartet. Nach 4 oder 5 Tagen draussen findet man auch Mac Donalds Mega 😎. 

23. Tag, Tentsite, Meile 278.4, Höhe 2211m

Ich habe meine Kreditkarte wieder, Gottseidank! Um 11.15 konnte es endlich losgehen. Agnes und ich stellten uns an die Strasse und streikten den Daumen raus. Ein älterer Herr hinter uns sprach uns an ob wir an den PCT Trailhead müssen. Er habe gerade nichts zu tun und würde uns hochfahren. Yes! Keine 5 Min. hat es gedauert😜. 

Um 11.45 sind wir losmarschiert und es war ziemlich kalt. Wir bewegten  uns immer um die 2200 Höhenmeter. Wir haben an diesem halben Tag knapp 20km geschafft, nicht schlecht oder?

Jetzt liege ich in meinem Schlafsack und versuche irgendwie warm zu bekommen. Dies wird eine sehr kalte Nacht und für Morgen ist sogar Schnee angesagt und dass Mitte Mai🤔. Ich werde meinen Wasserfilter mit in den Schlafsack nehmen, wenn der gefriert funftioniert er nicht mehr. 

So schickt mir bitte etwas Wärme. Gute kalte Nacht. Bibber, binber❄️❄️❄️. 

23.Tag, Big Bear Lake

Eigentlich sollte ich seit 1.5 Std. wieder auf dem Trail sein aber beim bezahlen des Frühstücks habe ich bemerkt, dass meine Kreditkarte fehlt. Ich muss sie wohl im mexikanischen Restaurant liegen gelassen haben. Jetzt muss ich bis 11.00 warten bis das Restaurant aufmacht. Wenn die Karte da ist werde ich mit Agnes hitchen (Autostopp) oder vielleicht fährt uns noch jemand vom Big Bear Hostel zum Trailhead. Falls die Karte nicht da ist muss ich sie sperren und mir eine neue senden lassen. Hoffen wir mal das Beste, sie kann nur im El Jacalito sein. Das Ganze hat mich so gestresst, dass ich eine Migräne bekommen habe. Da sieht man mal, dass Migräne bei mir klar stressbedingt ist.

Aber: ALLES WIRD GUT!

22. Tag, Big Bear Hostel 

Heute war Ruhe- und Ressuply Tag angesagt. Um 8.00 gings zu sechst ins Teddybear zum Frühstück. Frühstück in Amerika ist um einiges deftiger als in Europa außer der Kaffee, der schmeckt wie Abwaschwasser😁. Einfach viel zu dünn. Ich habe eine spanische Omelette bestehend aus drei Eiern gegessen und dazu noch ein paar Toasts. Das war sehr lecker und ich habe es einfach weggeputzt. Ich habe bisher ca. 2.5kg abgenommen und das mag wenn man zu Hause ist super sein aber hier auf dem PCT möchte man das nicht denn der Weg ist noch sehr lang.

Um 10.30 sollte eigentlich vom Big Bear Hostel ein Shuttle zu Vons (Einkaufscenter) gehen aber Agnes und ich möchten nicht warten und haben uns zu Fuß Richtung Outdoor Store aufgemacht. Viele amerikanische Städte sind ganz anders aufgebaut als in Europa. Da gibt es eine Kilometerlange Straße und da reihen sich dann die div. Geschäfte dran. Auf Deutsch heißt das, dass man zu Vons 2.5 Meilen (4km) laufen muss wenn man kein Auto hat.

Beim Outfitter sind dann auch die anderen mit dem Van gekommen und wir konnten zu Vons mitfahren. Wir haben dann Food für die nächsten 6 Tage zusammengesucht und das tönt einfacher als es wirklich ist. Die Wahrheit ist, es ist ein Alptraum! Bin jeweils total überfordert in diesen Warenhäusern und es braucht extrem viel Zeit. Nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung auf dem PCT.

Als wir zurück waren haben wir uns erst einmal die Bäuche voll geschlagen und dann unseren Proviant bereitgestellt. Ich entferne jeweils alle Verpackungen und die jeweiligen Gerichte kommen in ein Ziploc Bag. Man will möglichst kein Verpackungsmaterial rumschleppen. Mein Foodsack wiegt 4kg, Puuuh! Das muss ich dann wieder den Berg hoch schleppen. Mir bricht jetzt schon der Schweiß aus.

Nach dieser Anstrengung musste ich mich erst mal hinlegen. Anschließend bin ich noch mit David in ein Mexikanisches Restaurant. Er bleibt noch einen Tag länger hier um seiner Ferse mehr Zeit zum heilen zu geben. Weiss nicht, wann ich ihn zum nächsten Mal sehen werde😔.

Ich werde morgen wieder losgehen, weiter Richtung Kanada.

21. Tag, Big Bear Lake, Meile 266, Höhe 2056m

Heute Morgen bin ich etwas länger liegen geblieben als sonst aber um 6.45 war ich auf dem Trail. Ich fühlte mich etwas wackelig auf den Beinen nach dem anstrengenden gestrigen Tag. Es war zudem saukalt! Schon das Anziehen im Zelt brauchte etwas Überwindung und ich nehme die Unterwäsche immer zuerst in den Schlafsack bevor ich mich anziehe. Ich bin mit Daumenjacke gestartet. 

Ich wollte möglichst schnell runter laufen und an die Sonne kommen. Vielleicht habe ich mich auch deshalb zum ersten Mal verlaufen. Aber es ist wie auf dem Jakobsweg, meine innere Stimme meldet sich ziemlich schnell wenn ich auf dem falschen Weg bin und so musste ich nur ca. 200m zurück laufen. 

Ich habe nach 3 Meilen an einer wunderschönen Tentsite gefrühstückt, ein kleiner Bach war gleich daneben. So konnte ich gleich wieder Wasser filtern für die letzten 7 Meilen bis zum Trailhead nach Big Bear Lake. Ich habe immer zuviel Wasser dabei aber lieber so als zuwenig. 

Ich war zügig unterwegs und um 12.00 stand ich bereits am Highway 18 wo man Autostopp machen muss wenn man nicht 5 Meilen nach Big Bear laufen will. Jan, Manu und Pascal aus der Schweiz versuchten bereits ihr Glück waren bis anhin aber nicht erfolgreich. Wer will schon schlecht riechende Hiker mitnehmen😁? Es hat sich dann aber doch jemand unserer erbarmt und hat uns ins Big Bear Hostel gefahren. Auffallend ist, dass immer die Fenster im Auto ganz geöffnet sind bei den Leuten die uns mitnehmen. Woran das wohl liegt🤔?

Das erste was man tun will ist duschen wenn man in die Unterkunft kommt und das zweite die schmutzigen, stinkenden Klamotten zu waschen. Wir konnten wieder Kleider ausleihen, wie in Warner Springs, damit wir alles waschen konnten. Ich hatte viel zu grosse Bermudas und ein knalloranges T-Shirt. Ich sah wirklich lächerlich aus aber hier spielt das keine Rolle denn wir sind einfach Hikertrash😁. So nennt man PCT Hiker. 

Als nächstes wollten wir was Essen gehen. Wir hatten Lust auf Salat, Gemüse und Fleisch und haben nach einem guten Restaurant gefragt und auch eines empfohlen bekommen. David war auch gerade angekommen und ich habe ihn gefragt ob er mitkommen will. Er hat dankend abgelehnt mit der Begründung er wolle richtiges amerikanisches Essen, nämlich Burger und nicht sowas gesundes. Ja, ja die Europäer und Amerikaner haben sehr verschiedene Esskulturen. Das Essen war übrigens vorzüglich. 

20. Tag, Arrastre Trail Camp, Mile 256, Höhe 2318m

Heute bin ich meinen ersten 21 Meilen Tag gelaufen😜! Das sind fast 34km! Wahnsinn oder? Und es war keine leichte Etappe, es ging hoch und runter. Die Kunst ist einfach den Kopf auszuschalten, der einem sagen will dass man das nicht kann. Ich bin nach der Mittagspause zusammen mit Agnes gelaufen, einer Deutschen aus Frankfurt. Wir waren ein gutes Team und haben uns gegenseitig gezogen. Wir sind erst nach 20.00h im Arrastre Trail Camp angekommen und wurden mit lautem Applaus begrüßt.  Der Zeltaufbau und das Abendessen fanden im Dunkeln statt. Mittlerweile habe ich das Zelt so oft auf- und abgebaut, dass dies kein Problem mehr ist. Im Dunkeln pinkeln zu gehen finde ich aber immer noch etwas unheimlich… 

Durch den verbrannten Wald zu laufen war traurig aber der Trail war in besserem Zustand als angenommen, denn er ist erst Ende April, 4 Jahre nach dem Waldbrand,  wieder eröffnet worden. Von den 21 Meilen waren 5 Meilen total abgebrannt, da durfte man auch nicht Zelten, da tote Bäume umstürzen können. 

Der Rest der Strecke war aber wunderschön und man hatte immer wieder schöne Ausblicke auch auf Mount San Jacinto, das ist der Berg wo wir noch vor 2 Tagen waren. Es ist verrückt wenn man sieht wo man hergekommen und wieviele Kilometer man schon gelaufen ist. Wir sind heute übrigens an einer 400km Marke aus vielen kleinen Steinen vorbeikommen, nicht schlecht oder? 

So mehr schaffe ich heute nicht. Es ist bereits 21.30 und ich bin todmüde. 

19. Tag, Creek Side Camp, Meile 235.5, Höhe 1868m

Das Schlafen will nicht so gelingen auf dem Trail aber ausruhen tue ich mich glaube ich trotzdem.

Seit ich meinen Rucksack bei Schneefall im Zelt packen musste mache ich das jetzt immer so. Wenn ich aus dem Zelt krieche ist mein Rucksack bereits gepackt😉.

Heute Morgen war ein unglaublicher Sonnenaufgang. Auf der einen Seite ging die Sonne auf, auf der anderen der Vollmond unter. Ich hatte unheimlich Mühe diesen schönen Ort zu verlassen.

Im Moment wo ich angefangen habe zu laufen, habe ich gemerkt, dass meine Beine sich wie Gummi anfühlen und ich habe mich schwach gefühlt. Habe dann früher Pause gemacht und gefrühstückt aber das komische Gefühl wollte einfach nicht weggehen. Schien nicht mein Tag zu sein heute. Es war auch der erste Tag wo es wieder heiss war. Das schöne heute war, dass wir nicht viel Wasser schleppen mussten, da wir die ganze Strecke dem Mission Creek entlang gingen. Man konnte immer wieder mal Wasser auffüllen, Socken und Unterhosen auswaschen oder einfach den Sonnenhut ins Wasser tunken und zur Abkühlung nass aufsetzen.

Es war aber ein zähes Ringen heute und nach knapp 12 Meilen habe ich beschlossen einen Nero auf dem Trail einzulegen. Dies ist ein Tag an dem man nur wenige Kilometer läuft. Um 15.30 war ich bereits im Camp und habe mich ausgeruht.

Campo ein Hiker den ich heute Morgen noch quitschfidel auf dem Trail gesehen hatte lag krank in seinem Zelt. Vielleicht habe ich ja auch irgendeinen Käfer und war deshalb so schlapp und Antriebslos. Vielleicht muss ich aber einfach mehr essen den jetzt ist es langsam soweit dass ich immer Hunger habe. Muss mehr Food mit auf den Trail nehmen und vor allem meine Snacks besser planen.

In 2 Tagen bin ich in Big Bear und dann gibt es wieder einen Zero (Day off).

Heute campieren hier sicher 20 Hiker. Eine richtige Zeltstadt. Es hat damit zu tun, dass das nächste Stück vom Trail durch eine Gegend führt die 2013 abgebrannt ist. Es waren viele verschiedene Infos im Umlauf wo man campieren darf und wo nicht. Auf der Guthook App heisst es 20 Meilen Campverbot und auf dem Waterreport sind es nur 5 Meilen. Da wo ich jetzt bin ist die letzte Campmöglichkeit vor dieser Gegend. Wird bestimmt schwierig morgen denn durch den Brand wurde viel zerstört auch vom Trail.

Hoffe dass ich morgen wieder fit bin.

18. Tag, Tentsite, Mile 223.5, Höhe 1069m

Konnte mal wieder nicht schlafen so habe ich mir um 4.00 morgens einen neuen Regenrock von ZPacks bestellt, da ich meinen ja in Idyllwild verloren habe. Am Freitag ist er bereits im Big Bear Hostel in Big Bear Lake. Am Samstag bin ich dann auch da, hoffentlich.

Das Zusammenpacken am Morgen geht langsam schneller vonstatten und das erst spätere Frühstück nach 4 – 8km hat sich auch bewährt.

Heute bin ich um 6.15 los und es war echt hart. Mir hat die Sehne am Schienbein vom linken Bein geschmerzt vom vielen Abwärtslaufen und das linke Knie auch. Zudem das Kreuz wie immer. Es ist irgendwie schon komisch, dass ich immer alle Beschwerden links habe. Die Blasen waren links, die Infektion am Zeh auch. Rechts habe ich nie Probleme, echt komisch oder? Mit meiner linken Seite stimmt etwas nicht🤔.

Zuerst ging es auf einer asphaltierten Straße den Berg hinunter, dass fand ich gar nicht lustig wo mich doch das Schienbein und das Knie so schmerzte. Ich kam kaum voran bis ich die Entscheidung traf ,einen Gang höher zu schalten und dann ging es schon ein wenig besser. Dann musste ich die Talsohle der Wüste durchqueren, dass war echt ätzend. Erstens hat es furchtbar gewindet und zweitens musste ich im Sand laufen. Das ist doppelte Anstrengung. Und kann mir mal jemand sagen warum der Wind immer von vorne kommen muss? Mit meiner Laune stand es nicht gerade zum Besten. Erst als wir bei der Interstate unten durchlaufen mussten und Trail Angel für uns Hiker Wasser und Bier hingestellt haben, verbesserte sich meine Laune langsam. Es gab da auch Müllsäcke und so konnte ich den ganzen Müll von Burger King entsorgen, den ich von letzter Nacht mitschleppte.

Nach der Interstate habe ich mich kurz verirrt aber mit der GPS App von Guthook schnell den Weg wieder gefunden.

Dann ging es am Mesa Windpark vorbei. Die stellen Hikern gratis Wasser zur Verfügung und sogar ein schattiges Plätzchen. Ich habe eine kleine Donation hinterlassen weil ich es so toll finde was die Leute entlang des Trails alles für Hiker tun.

Da wir gestern alles hinuntergelaufen sind ging es auf der anderen Seite natürlich wieder steil hinauf. David hat mich erst nach 24km eingeholt aber er hatte auch Probleme mit seinem Fuß. Ich glaube er hat es gestern einfach etwas übertrieben mit seinen 20 Meilen (32km). Ich muss jetzt langsam in Meilen denken, deshalb im Titel ab jetzt Meilen😉.

Am Whitewater Creek gab es nasse Füsse beim überqueren. Ich habe vorher die Sohlen aus den Schuhen genommen und bin dann mit den Schuhen durch den Fluss. Meine Schuhe zum Flüsse überqueren sind bereits aussortiert worden. Anschliessend habe ich die Socken, das T-Shirt und mein Taschentuch ausgewaschen. Auch die Haare wurden ausgespült😉. Dann habe ich das T-Shirt wieder feucht angezogen, herrlich!

David ist am Fluss geblieben, da er seinen Fuss kühlen wollte. Ich bin noch 3 Meilen weiter den Berg hinauf. Ich hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen weil ich David alleine am Fluss zurückgelassen hatte. Ich hätte bei ihm bleiben sollen, bin ein schlechter Buddy. Ich fühlte mich aber einfach so gut und hatte noch mehr Meilen in meinen Beinen.

Ich hatte wieder das Gefühl von einem Mountain Lion (Puma) gestalked (verfolgt) zu werden. Die Vögel haben plötzlich Alarm geschlagen und ich sah etwas braunes wegrennen. Könnte aber auch ein anderes Tier gewesen sein, bin seit meinem letzten Erlebnis einfach etwas sensibilisiert. Ich habe mich ständig umgesehen und gedacht, dass ich wohl doch besser bei David am Fluss geblieben wäre. Dann hätte ich aber die schönste Tentsite seit dem Beginn meines Trails verpasst😉.

Ich kam zu einem Ausichtspunkt mit einer Wahnsinnsaussicht! Da sassen Jim von Australien und Mountain. Ich war sehr erleichtert zu hören, dass Jim auch bis zur nächsten Tentsite will so musste ich nicht alleine campen mit meiner Mountain Lion Phobie😬. Zudem war es der schönste Platz zum campen den ich bisher gesehen habe. Wir hatten eine 360 Grad Panoramasicht! Zudem war Vollmond und der ging gerade orange auf. Es war phänomenal! Zudem hörte man die Koyoten singen!!! Man sah auch die Lichter von Palm Springs. Jim hat einen kleinen Campingstuhl dabei und sein Laptop. Bin ja mal gespannt wie lange er das rumschleppt😉.

Ich habe 18 Meilen geschafft heute, dies sind fast 29km und ich war nicht völlig am Ende wie letztes Mal als ich um 19.30 in Mikes Place eingelaufen bin. Das macht mich jetzt schon ein bisschen stolz😊. Ja und übrigens geben viele in den ersten 200 Meilen auf aber ich bin immer noch da😜.

17. Tag, Snow Canyon Road, Km 331.1, Höhe 527m

Gut geschlafen habe ich nicht aber ich hatte warm. Auf dem West Highland Way in Schottland hatte ich nicht so Mühe zu schlafen, da hat mich aber auch das Kreuz nicht so geschmerzt😬. Ich kann nicht sagen, dass ich um 5.00 aufgewacht bin denn ich war ja schon wach. Um 6.15 ging es los und es war saukalt. Wir haben alle den Weg gesucht und dann gab es auch noch zwei davon. Später haben wir rausgefunden, dass es keine Rolle spielt da beide Wege wieder zusammen kamen. Es ging nur den Berg herunter. Wir sind von 2350 auf 500m abgestiegen in endlosen Serpentinen. Am Morgen früh war es noch schön doch dann kam plötzlich der Nebel vom Tal hoch. Ich mag Nebel beim Wandern, es hat so was mystisches. Ich kam zügig voran. Es ging zwar den Berg hinunter aber nie sehr steil. Dieser Weg wurde ursprünglich für Packtiere angelegt, deshalb die endlosen Serpentinen. Um 16.00 war ich bereits bei Meile 205 und ich wäre gerne noch ein paar Meilen weitergelaufen. Es gab aber für die nächsten 15 Meilen keine Campmöglichkeit, deshalb beschloss ich früher Feierabend zu machen.

Mein Trail Buddy David ist auch hier. Hatte ihm um 16.00 geschrieben dass ich hier bleibe und das hat ihn so motiviert noch einen Zahn zuzulegen, dass er um 18.15 hier war. Ich musste total lachen, als ich ihn den Weg runterrennen sah. Er benutzt scheinbar die gleiche Technik wie ich um den Berg runterzukommen. Sherpatechnik: Man geht tief in die Knie, das Körpergewicht ist vorne und dann rennt man in kleinen Schritten den Berg hinunter. Dies gibt stramme Oberschenkel und schont die Knie😊. Nur sieht es bei ihm aus wie eine Lokomotive die den Berg runter kommt…

Heute gab es Hamburger und Pommes zum Essen. Cabazon eine kleine Stadt liegt ganz in der Nähe, deshalb wurde ein Uber bestellt, schnell nach Cabazon gefahren und für die ganze Hikergemeinde Bürger und Pommes bestellt. Hätte nicht gedacht, dass mir Junkfood mal so schmecken würde😉.

Ich habe heute viel zu wenig gegessen. Habe angefangen zu rationieren da ich nur für 5 Tage Essen dabei habe aber mind. 6 Tage bis Big Bear brauche. Durch den Hamburger heute habe ich wieder eine Mahlzeit mehr. David hat mich auch noch mit Snacks eingedeckt, es kann also nichts schiefgehen.

Morgen hat es nur 24 Grad und das ist gut so, denn wir werden die Wüste ganz unten durchqueren und dies ist im Normalfall ziemlich heiß.

So jetzt fallen mir die Augen zu…