16. Tag, Fuller Ridge Tentsite, Km 306.6, Höhe 2350m

Ich habe so gut geschlafen letzte Nacht im weichen Bett in Idyllwild Inn. Es ist mir fast etwas schwer gefallen aufzustehen. Habe leider meinen Regenrock verloren, wahrscheinlich in der Laundry als ich mein Zelt zum Trocknen aufgehängt habe. Habe noch nachgefragt aber leider haben sie nichts gefunden. Das hat mich gestresst, denn wenn es regnet habe ich für die Beine keinen Schutz. Jetzt muss ich mir nach Big Bear einen neuen schicken lassen.

Habe sehr gut gefrühstückt außer der Kaffee in Amerika der ist einfach zu dünn, sogar mit Double Espresso schmeckt er immer noch wie Abwaschwasser. Um 9.00 musste ich dann meine Bounce Box auf die Post bringen und 300km weiter den Trail hinaufschicken und um 9.45 konnte ich endlich loslegen.

Ich bin den Deer Springs Trail hinaufgegangen, der ist kürzer als der offizielle Weg. Ich wusste, dass ich es sonst nicht bis Meile 190 schaffen werde. Dort ist der erste Zeltplatz wo man ohne Permit campen darf. Ich hatte im Vorfeld ziemliche Aengste betreffend dieser Etappe weil Fuller Ridge berühmt berüchtigt ist für verschneite und vereiste Wege auf der Nordseite. Gottseidank hatte ich meine Mikrospikes dabei. Zuerst musste ich aber den Anfang des Deer Spring Trails finden und meine Navigationskenntnisse lassen doch sehr zu wünschen übrig. Ich hatte immer das Gefühl in die falsche Richtung zu laufen, bis ich dann endlich zwei Hiker traf die mir bestätigten auf dem richtigen Weg zu sein. Das Problem war eigentlich nur, dass ich in meinem GPS nur den Anfangspunkt des Trails eingegeben hatte….

Es ging über 1000m hoch und irgendwann spürte ich dann auch die Höhe. Musste immer wieder stehen bleiben aber es ging nicht nur mir so. Ich bin um 9.45 gestartet und um 19.00 abends angekommen. Ich bin ca. 12 Meilen gelaufen, das sind ca. 19km. Eigentlich nicht viel aber mit den vielen Höhenmetern extrem anstrengend. Die Aussicht und Natur waren aber umwerfend! Füller Ridge war wirklich sehr rutschig und nachdem ich lange genug rumgerutscht bin habe ich dann die Mikrospikes angezogen. Warum um Himmelswillen habe ich nur so lange damit gewartet. Ich fühlte mich sogleich viel sicherer.

Ich habe heute übrigens meinen ersten etwas schwierigeren Fluss überquert. Musste über einen Baumstamm und über Felsen und am Schluss bin ich doch noch mit einem Fuß rein. Gar nicht so einfach das Ganze.

Um 19.00 bin ich endlich angekommen und es reichte gerade noch um etwas zu essen, in die Büsche zu gehen und dann ab ins Zelt zum Aufwärmen. Es war bitter kalt auf 2350m. Hatte mal wieder alles an was ich dabei hatte. Bin froh um das wärmere Inlet welches ich mir gekauft habe. Meine Oberschenkel und das Gesäß brauchen immer extra lange bis sie warm werden. Habe zuerst gedacht der Schlafsack sei da dünner aber es liegt daran dass diese Stellen wahrscheinlich nicht so sehr durchblutet werden. Bin natürlich auch zum Essen am Picknicktisch gesessen und habe mir den A….. abgefroren.

So morgen geht es nur noch runter bis auf den Talboden der Wüste. Sollte lockerer sein als heute.

15. Tag, Idyllwild 

Ich habe nicht gefroren aber ihr hättet sehen sollen was ich alles anhatte. Ich musste während der Nacht sogar meine warmen Socken ausziehen weil ich so heiße Füße hatte. In der Nacht und am Morgen hat es geschneit und es scheint den ganzen Tag so weiter zu gehen. Im Moment sitze ich gerade mit Santa in der Laundry und wir warten bis seine Wäsche fertig ist. Ich werde meine Wäsche dann im Hotel waschen lassen. Was freue ich mich darauf frisch geduscht oder vielleicht sogar gebadet auf einem frisch bezogenen Bett zu liegen😊. Habt ihr schon mal ein Zelt bei starkem Schneefall abgebaut? Ich bisher auch nicht aber es ist eine ziemlich nasse Angelegenheit. Ich habe es jetzt in der Laundry zum trocknen aufgehängt damit es zumindest etwas abtropfen kann bevor ich ins Idyllwild Inn gehe. 

Heute habe ich nicht mehr viel zu tun, ich kann einfach ausruhen. Vielleicht meine Sachen noch etwas reinigen. Morgen geht es weiter und es wird eine Bergetappe mit Schnee. Drückt mir die Daumen, dass ich mich nicht verirre. Gottseidank habe ich GPS!

14. Tag, Idyllwild

Heute hatte ich einen richtigen Durchhänger. Es war mir alles zuviel und alles fühlte sich so kompliziert an. Auch fühlte ich mich ziemlich alleine und der Aufgabe nicht gewachsen. Ich habe mich ca. bis 8.00 in meinem Zelt verkrochen und mich dann aufgerafft frühstücken zu gehen. Von da an ging es mir gleich besser. Habe andere Hiker getroffen und die Amerikaner sind einfach anders als wir Europäer, man kommt gleich mit ihnen ins Gespräch. Wir mögen dies als oberflächlich ansehen aber es macht es soviel einfacher in Kontakt zu kommen und alleine in ein Restaurant zu gehen.

Ich habe Food für die nächsten 5 Tage eingekauft, mir ein Zimmer für Morgen im Idyllwild Inn organisiert, eine Karte für Mount San Jacinto (jetzt geht es in den Schnee), meine Pakete die ich in San Diego aufgegeben habe auf der Post abgeholt und alle meine Sachen aufgefüllt.

Morgen wenn ich im Hotel bin werde ich alle meine Sachen durchgehen und reinigen. Damit dann alles wieder schön schmutzig werde kann 😁.

Als ich von der Post zurück kam stand Santa (David) da, er hat sein Zelt unwissentlich direkt neben meinem aufgestellt. Die Freude war beiderseits groß wie haben uns seit Mikes Place nicht mehr gesehen. Er wird morgen auch ins Idyllwild Inn ziehen und am Montag weiterlaufen. Habe ihm noch schnell gezeigt wo die Post ist damit er sein Paket abholen konnte und dann sind wir ein Bier trinken gegangen und haben auf unsere ersten 176 Meilen angestoßen.

So ich werde mich jetzt langsam in meine Tiefkühltruhe begeben und alles anziehen was ich zur Verfügung habe. Draussen ist es nass und neblig. Brrrrrrrr❄️❄️❄️.

13. Tag, Idyllwild, Km 243.0, Höhe 1671m

Letzte Nacht als ich im Zelt lag habe ich gemeint ein Knurren gehört zu haben. Ich habe sofort an einen Puma gedacht aber es damit abgetan, dass es wohl der Wind gewesen war. Vorsichtshalber habe ich den Reißverschluss des Vorzelts zugezogen, wie wenn das bei einem Angriff eines Pumas was nützen würde😬. Ich hatte aber nicht groß Angst, habe meinen Blog weiter geschrieben und mich dann schlafen gelegt.

Als ich am nächsten Morgen zusammen gepackt habe, habe ich klar die Spuren eines Pumas vor meinem Zelt gesehen. Auweia! Habe ich mir das Knurren doch nicht eingebildet. Die Spuren folgten vor mir den Trail hinauf und um das Ganze noch auszureizen hat die große Katze noch mitten auf den Trail gekackt. Ganz frisch! Ich habe mich die ganze Zeit umgeschaut und vor allem bei Felsen hochgeschaut. Pumas fallen einem ja am liebsten von oben an und haben es auf das Genick abgesehen. Mein Genick ist Gottseidank gut durch den Rucksack geschützt. Na ja habe mich damit getröstet, dass der Mensch nicht zu oberst auf dem Menuplan des Pumas steht und bin tapfer den Pfad entlang gegangen.

Es ging ziemlich den Berg hinauf und ich war froh, nur noch knapp 3lt Wasser bei mir zu haben und nicht mehr 5lt meines leckeren Wassers. Auf einem Schild stand Water Cache in 1 Meile. Habe mich total gefreut, denn dies hieß, dass ich frühstücken konnte. Kaffee und Müesli benötigt einiges an Wasser, deshalb musste ich dies auslassen. Das Wasser musste ja noch 20km reichen. Als ich beim Cache ankam war der aber leider leer und so gab es halt nur einen Kaffee und einen Müesliriegel. Als ich dort saß kamen Peach, Long Carry, Mac Man und Mark vorbei, die ich gestern vermisst habe. Sie waren wirklich bei dem älteren Hiker, Tumbleweed, geblieben. Sie sind mit ihm noch bis zur Straße gegangen und Peach hat dann den Helikopter gerufen. Tumbleweed hatte vor nicht all zu langer Zeit eine offene Herzoperation. Es ging ihm gar nicht gut. Bin froh dass ich meinen SPOT GPS Locator dabei habe. Nicht nur für mich sondern auch wenn man anderen helfen muss. Ist doch irgendwie beruhigend zu wissen, dass ich nur eine Knopf auf meinem SPOT lange genug drücken muss und dann kommt ein Helikopter.

Nach 8 Meilen kamen wir beim Walden Cache an wo es nicht nur Wasser in einem Tank hatte sondern auch gekühlte Getränke in einer Kühlbox. Ich träume ja seit 2 Tagen von einer eisgekühlte Cola. Nicht dass ich sonst Cola trinken würde..,

Das Wasser von der gestrigen Quelle haben wir großzügig benutzt um unsere Hände, Arme und Gesicht zu waschen. Mann war ich froh, dass ich dieses gelbliche Wasser nicht mehr trinken musste!

Es ging dann wieder steil hinauf und war Sau heiß. Mir ist bald die Puste ausgegangen und ich beschloss Pause zu machen. Es ist nicht nur schwierig Schatten zu finden sondern noch schwerer einen Platz wo man sich hinlegen kann. Die meisten Plätze sind irgendwie in Schräglage so dass man sich nicht wirklich entspannen kann.

Um 14.00 war ich dann endlich im Paradise Valley Café, ein Highlight für jeden Hiker! Dort habe ich mir den Jose Burger mit Pommes gegönnt und 2 Riesengläser eisgekühltes Coca Cola😜. Beim Burger hatte es sogar Schweizer Käse, Speck, Avocados und Tomaten dabei. War lecker! Das Schaumgummibrot habe ich einfach links liegen lassen😉.

Dann war mein erster Hitch nach Idyllwild fällig. Ich hatte 3 Hiker schon seit längerem bei ihrem Versuch beobachtet und dachte mir schon, dass wird wohl nicht ganz so einfach. Ich habe mich dann etwas weiter hinten hingestellt und 5 Min. später hielt ein Auto aber leider bei den anderen. Ich durfte dann aber auch noch mitfahren, die freundliche Dame hatte ein riesiges Auto voller Hundefutter😉.

Jetzt bin ich auf dem Campingplatz Mount Jacinto. Für Morgenabend und Sonntag ist ein Schneesturm vorhergesagt und ich fürchte mich bereits vor dem Frieren in meinem Zelt. Die Temperatur wird tagsüber auf 6 Grad runtergehen und nachts auf Nullgrad. Nachdem wir die letzten Tage ca. 39 Grad hatten. Brrrrr! Schickt mir doch bitte eure wärmsten Wünsche😘.

12.Tag, Tentsite, Km 225, Höhe 1069m

Heute Morgen war es sehr schwer. Bin gestern über meine Grenzen und körperlichen Ressourcen gegangen. Hatte kaum Zeit mich in der kurzen Zeit zu erholen, zudem habe ich wieder schlecht geschlafen. Um 5.00 bin ich aufgestanden und um 6.00 war Abmarsch. Ich hatte 3.5lt Wasser gebuckelt und mich den Hang hinauf gequält😩. Ich hatte echte Zweifel, ob das Ganze nicht eine Nummer zu groß für mich ist. Nach zwei Kilometern musste ich bereits pausieren um zu frühstücken und neue Energie zu tanken. Danach war ich wie ausgewechselt und es lief wie geschmiert. Es ging natürlich auch vor allem runter oder geradeaus😀. Keine Gedanken mehr aufzugeben. Gegen 12.00 war ich bei der „Tule Spring“ die zu den sicheren Wasserquellen gehört. Heute hatten wir Eisengeschmack mit einem leichten Hauch von Schwefel auf dem Programm😂. Die Quelle ist aber geflossen deshalb mussten wir das Wasser nur filtern. Ich bin fast 3 Std. an der Quelle geblieben mit allen anderen. Wir haben geredet, gegessen, geschlafen und darauf gewartet, dass es nicht mehr so heiss ist. Um 14.45 habe ich mich dann mit 5lt (!!!) Wasser auf den Weg gemacht. Die nächsten 24km gibt es kein sicheres Wasser und ich musste auch noch trocken Campen. Nur schon den Rucksack auf den Rücken zu schwingen ist ein immenser Kraftakt. Ich bin dann losgetorkelt. Gottseidank ging es nicht steil den Berg hinauf. Habe jede Stunde eine Pause machen müssen, am Nachmittag geht mir immer die Energie aus. Um 17.30 habe ich dann beschlossen „to call it a day“. Bin an einer wunderschönen, wenn auch etwas windigen Stelle. Als ich am Zelt aufbauen war, ist der Helikopter über mir durchgeflogen und ich wusste sogleich, dass sie einen Hiker rausfliegen. Zuerst hatte ich Angst, dass ich unabsichtlich den Knopf auf meinem SPOT gedrückt habe. Julia, eine Kanadierin aus Vancouver, hatte mir erzählt, dass ein älterer Mann wegen der Hitze Erbrechen musste und ich nehme schwer an, dass sie ihn rausgeflogen haben. Auch sind meine vier amerikanischen Hikerfreunde, Peach, Long Carry, Mac Man und Mark nicht bei mir aufgetaucht und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie bei dem älteren Herrn geblieben sind. So funktioniert die Hikergemeinschaft, man schaut zueinander.
Ich habe jetzt für morgen noch ca. 3lt Wasser, dies muss für 20km reichen. Wenn ich Glück habe gibt es noch einen Water Cache der bestückt ist. Das Problem ist, dass bei immer mehr Hikern die Trail Angel gar nicht mehr nachkommen mit auffüllen. Deshalb heißt es auch immer wieder, dass man sich nicht auf diese Caches verlassen soll. Dies kann wirklich lebensbedrohlich sein und ich möchte eigentlich nicht meinen SPOT benützen müssen weil mir das Wasser ausgegangen ist.
Dann ist mir beim Zeltaufbau auch noch ein Malheur passiert. Ich hatte meinen Wasserbeutel hingestellt und der Deckel war nicht ganz zu. Es kam was kommen musste, nämlich ein Windstoß und ein Teil meines köstlichen Eisen/Schwefelwassers ist im Boden versickert. Na ja what to do, habe hoffentlich noch genug für morgen.

11. Tag, Mikes Place, Km 203.7, Höhe 1548m

Heute war ich bereits um 6.00h auf dem Trail. Ich bin eine halbe Stunde schneller wenn ich nicht frühstücke bevor ich losziehe. Habe dann nach ca. 5 km eine Frühstückspause eingelegt. Es war sogar viel angenehmer auf dem Trail bei Sonnenschein zu Essen als am Morgen früh im Dunkeln vor dem Zelt.

Am Morgen war ich ganz flott unterwegs da ich nur ca. 1.4lt Wasser mit mir trug. Ich wusste gemäß Waterreport, dass es in den nächsten 6 Meilen 3 verlässliche Wasserquellen gibt. Wasser frisch von einem Bach oder Fluss ist die beste Wasserquelle. Da wusste ich noch nicht mit was für Wasser ich mich am Nachmittag würde auseinandersetzen müssen😬. Es ging stetig bergauf und um 8.00 hatte man schon das Gefühl, dass es heiss ist. Ich bin ja sowas von froh, dass ich meinen Hitze reflektierenden Schirm dabei habe. Außer bei Wind kann man ihn nicht gebrauchen aber dann braucht man ihn auch nicht.

Gegen 12.00 kam ich zur Tentsite wo der Weg zur Wasserquelle „Last Spring“ abgeht. Da lagen dann alle PCT Hiker zusammengebüschelt unter dem spärlichen Schatten. Auch da ist mein Schirm von unschätzbarem Wert. Ich kann ihn über einem Busch oder an einem Ast befestigen und schon ist es kühler. Ich habe mich ca. 1 Std. ausgeruht und mich dann mit Wasserfilter und Wasserflaschen auf den Weg zur Wasserstelle begeben. Ach schade habe ich kein Foto gemacht, das hättet ihr sehen sollen. Da war so ein Felsentrog mit Wellblech abgedeckt und darin war Wasser. In dem Wasser schwamm allerhand Getier herum und das kühle Nass roch ganz schrecklich nach Schwefel. Ich habe tapfer das Wasser gefiltert und dann noch zur Sicherheit Aqua Mira Tropfen beigefügt (Chlor). Das Wasser roch echt übel und es kostete schon Ueberwindung sowas zu trinken. Aber die Alternative ist zu verdursten deshalb trinkt man es wenn auch wiederwillig. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie sehr ich von einer eiskalten Cola träume oder einem Bier🙄. Ich habe das übelriechende Wasser dann noch mit Nuun Tbl. (Elektrolyte) aufgepeppt und anfangs war es fast genießbar. Im Laufe der Zeit ist dann immer mehr der Schwefelgeruch wieder durchgekommen und von den 2lt die ich gefiltert habe konnte ich schätzungsweise einen halben Liter trinken. Einfach ätzend.

Um 18.00 war ich bei einer wunderschönen Tentsite und spielte mit dem Gedanken zu bleiben, ich war nudelfertig. Beim Gedanken mein Essen mit diesem Schwefelwasser anrichten zu müssen ist mir aber gleich der Appetit vergangen. Ich hatte von 2 anderen Hikern gehört, dass es beim Trail Angel Mike Pizza und Bier gebe. Dies und auch da ich wusste dass alle anderen Hiker dort sind hat mich dann motiviert weiterzugehen. Kurz vor Sonnenuntergang um 19.30 bin ich dann bei Mike angekommen. Es gab keine Pizza dafür Tacos und anstatt Bier frisches Wasser. Ich war aber trotzdem froh weitergegangen zu sein, nur schon weil David auch hier war. Habe im Dunkeln mein Zelt einräumen müssen und dann war es auch schon Zeit zu schlafen 😌.

10. Tag, Warner Springs, Ruhetag

Heute war Waschtag! Habe endlich alle meine Kleider waschen können. Man kriegt vom Resource Center sogar Kleider ausgeliehen, sodass man nicht nackt rumlaufen muss😂.  Die sind echt so nett hier, alles ist auf Hiker ausgerichtet. Man kann seine elektronischen Geräte laden, eine Bucket Dusche nehmen (habe ich ehrlich gesagt seit meiner Zeit in Indien nicht mehr gemacht), Kleider waschen, Essen und Getränke kaufen und vor allem: AUSRUHEN!

Der Reißverschluss von meinem Zelt schließt nicht so richtig und ich glaube es kommt vom Staub und Dreck. Werde jetzt versuchen, das Ganze mit Seife oder Öl etwas zu schmieren. Solche Sachen findet man in der Hiker Box. Das ist eine Box wo man Sachen deponieren kann die man nicht mehr braucht.  Z. B. Essen aber auch Toilettenartikel und Ausrüstung. Ich glaube ich probiere es mit der Seife, Oel und Staub ist irgendwie keine gute Mischung.

Es ist sehr heiss heute und ich bin froh in einem klimatisierten Raum zu sitzen und Mountain Dew (Limonade) zu trinken😊.

Habe heute Morgen, nach einer weiteren schlaflosen Nacht wegen meinem Rücken etwas gezweifelt ob ich mir nicht zuviel zumute mit dem PCT. Ich finde einfach keine komfortable Position wie ich meinen Rücken entspannen könnte. Aber vielleicht wird mein Rücken ja auch stärker mit der Zeit. Dieser Weg ist die größte Herausforderung bisher in meinem Leben er wird mich noch ein paar Mal an meine Grenzen bringen. Jetzt werde ich ein wenig Stretching für meinen armen Rücken machen sodass er Morgen wieder einsatzbereit ist.

9. Tag, Warner Springs, Km 176.2, Höhe 925m

Habe heute beschlossen das Frühstück zu streichen, ich muss einfach schneller werden beim Zusammenpacken. Ich bin heute Morgen um 5.00 aufgestanden und erst um 6.30 aufgebrochen, anderthalb Stunden sind einfach zu lange! Ich bin heute auch zum ersten Mal 28km gelaufen, war aber ziemlich fertig als ich um 18.00 in Warner Springs angekommen bin. Dummerweise hat das Resource Center auch um 18.00 zu gemacht und so gab keine kühlen Getränke mehr und die alte Dame vom Center meinte auch keine Dusche. Ich war so deprimiert, dass ich fast in Tränen ausgebrochen bin. Habe auf dem Rasen mein Zelt aufgeschlagen und dann hat mir eine Deutsche gesagt ich solle einfach hinters Haus gehen und mir einen Eimer mit Wasser füllen. Ich hatte zwar kein Handtuch und musste mich mit einem Bandana abtrocknen. Die Luft hier ist aber so trocken, dass sowieso alles schnell trocknet.

Habe heute übrigens die 100 Meilen Marke geknackt, dies sind 160km!

Morgen werde ich entweder erst am späten Nachmittag loslaufen oder vielleicht bleibe ich auch eine Nacht länger. Ich glaube ich habe mir eine kleine Pause verdient😉.

8. Tag, Tentsite after 3. Gate, Km 150.1, Höhe 1230m

Heute war ein sehr anstrengender Tag nach der ausgelassenen Party gestern auf Meile 77. Durch das viele Bier musste ich abends nochmals raus was ich sonst nie muss. Es war die erste richtig klare Nacht und am Himmel waren Millionen von Sternen. Bin dann im Dunkeln etwas rumgestolpert bis ich ein Plätzchen unter dem Sternenzelt gefunden habe wo ich das viele Bier ablassen konnte.

Den Wecker habe ich auf 5.00 gestellt da ich spätestens um 6.30 los wollte. Ich wusste, dass es anstrengend und vor allem sehr heiss werden würde. Dazu gab es für ca. 24km kein Wasser. Ich habe 4.5 lt Wasser den Berg hinauf getragen. Mein Rucksack wog schätzungsweise 14 bis 15kg. Mein Kreuz schmerzt dementsprechend heute Abend und ich musste Ibuprofen nehmen.

Vom Scissors Crossing ging es auf einem schmalen Pfad in endlosen Serpentinen den Berg hinauf. Ich bin heute zum ersten Mal gestürzt und zwar bin ich auf losem Geröll ausgerutscht und auf meine rechte Seite auf einen Stein gestürzt. Zudem war da noch ein Kaktus wo ich mit meinem Arm gelandet bin. Gar nicht lustig und vor allem ziemlich schmerzhaft, ich musste mir mühsamst alle Stacheln aus dem Arm und aus der Hand ziehen. Ich werde wohl ein riesiges Hämatom an meinem Oberschenkel bekommen wo ich auf den Stein gefallen bin. Ich hatte aber Glück 🍀 im Unglück, denn wäre ich auf die linke Seite gefallen hätte wohl mein PCT-Abenteuer ein vorzeitiges Ende genommen. Da ging es nämlich steil hinunter..,

Von den 4.5lt Wasser durfte ich auch nur 2.5lt trinken, denn es war nicht sicher, ob der Water Cache (Wasser welches von freiwilligen Helfern mühsamst mit einem Laster hochgefahren wird) auch gefüllt war. Man darf sich nicht auf diese Water Caches verlassen, denn die können auch immer mal wieder leer sein. Ich habe von einem anderen Hiker erfahren, dass der Cache gestern Nachmittag leer war und heute neu bestückt wurde. Ich habe dan gleich mal 1lt Wasser mit Elektrolyten getrunken. In den ganzen 8 Std. die ich unterwegs war hätte ich das Wasser am liebsten im vollen Zügen geleert aber ich musste mich beherrschen. Ich musste mir immer wieder sagen, immer nur 2 Schlucke auf einmal trinken. Als ich ankam hatte ich noch 2lt aber der Cache war Gottseidank gut bestück. Wenn es kein Wasser gehabt hätte, hätte ich mit meinen 2lt nochmal 16km bis zur nächsten Wasserstelle weiterlaufen müssen. Das wären Schlappe 30km gewesen. Das Problem ist, dass man auch immer noch Wasser zum trocken Campen braucht, sonst gibt es kein warmes Abendessen und auch kein Frühstück am nächsten Morgen.

Heute campiere ich zum ersten Male alleine und irgendwie ist das schon etwas komisch aber wirklich Angst habe ich nicht. Sitze vor meinem Zelt und höre den Vögeln zu, dies ist mein Abendprogramm und viel besser als fernsehen. Jetzt noch schnell Zähne putzen und ab ins Bett.