Jaca, 15.06.2010 (31 km)

„Es geht wenn man geht“

Gestern hatte ich ja wirklich eine gemütliche Wanderung wenn ich es mit heute vergleiche. Bin erst um 17.45 hier in der Albergue angekommen und wieder einmal fix und fertig nach fast 31 km. Die grossen Etappen machen mir einfach immer noch sehr zu schaffen. Für diese habe ich immer noch zuviel Gewicht auf dem Rücken. Als ich 2008 durch Spanien bin hatte ich nur noch 8 kg Gepäck und dann waren Etappen von 30 km kein Problem.
Gestern Abend habe ich noch gut gegessen zusammen mit Tina und irgendwie beneide ich sie ja, dass sie alle Zeit der Welt hat für ihren Camino. Sie ist bereits seit 5 Monaten unterwegs und scheinbar muss sie auch nicht aufs Geld schauen die Glückliche. Sie macht immer nur kurze Etappen, heute ist sie in Villanua geblieben und dann macht sie einen Ruhetag in Jaca. Werde sie wahrscheinlich nicht mehr antreffen. Schade, es ist immer wieder schön mit jemandem
Kontakt zu haben der den ganzen Weg von zu Hause läuft.
Ich bin heute um 7.30 ohne Frühstück und nach einer eher schlaflosen Nacht los vom Col du Somport. Als ich aufgestanden bin war alles noch in tiefstem Nebel aber als ich dann los bin war der Nebel weg und das Wetter gar nicht so schlecht. Man konnte in der Ferne auf jeden Fall schon einen blauen Streifen am Horizont ausmachen.
Die Strecke runter nach Canfranc Estacion war wunderschön und der Abstieg gar nicht so schlimm. Die Strecke runter nach Roncesvalles habe ich schlimmer in Erinnerung, nur ist man da ja auch den ganzen Weg erstmal hinaufgestiegen. War schon gut, den Auf- und Abstieg auf zwei Tage zu verteilen.
In Canfranc Estacion habe ich mir dann erstmal zwei Cafes con leche und ein Bocadillo con jamon gegönnt bevor ich weitergegangen bin. Bis Villanua war das Wetter gut und da hatte ich auch schon die Hälfte der langen Etappe geschafft. Musste heute nicht so gegen meinen Verstand ankämpfen, ich wusste, dass ich es schaffe auch wenn ich abends dann fix und fertig bin.
In Villanua musste ich zum ersten Mal seit ich in Auch gestartet bin den Weg suchen. Ein spanischer Pilger ist auch mit suchendem Blick rumgelaufen und wir haben dann nach dem Weg gefragt. Sonst ist in Spanien ja alles sehr gut gekennzeichnet mit den gelben Pfeilen und wenn man mal keinen sieht kommt es einem gleich spanisch vor…;-).
In Castillo de Jaca hatte ich eigentlich schon genug für heute aber leider gab es da keine Albergue. Deshalb musste ich mich noch 6.5 km weiterschleppen, anders kann man das nicht nennen. Das letzte Stück hat sich endlos in die Länge gezogen und ich habe es mal wieder nur mit Singen geschafft die letzten Reserven aus mir rauszuholen.
So mehr mag ich heute gar nicht schreiben. Werde mal Bernard in der Bar aufsuchen und mit ihm noch ein Gläschen Wein trinken und Fussball-WM kucken. Hoffe, dass ich heute ganz tief schlafen kann und morgen wieder fit bin. Es ist mir manchmal wirklich ein Rätsel wie man am nächsten Tag dann doch wieder weiterlaufen kann.
Die Albergue hier in Jaca ist übrigens ziemlich speziell. Es hat alles so kleine 2er Abteile man kann aber bei allen anderen reinschauen. Habe ich noch nie so gesehen in Spanien. Aber es ist ok, schliesslich bin ich totmüde und Hauptsache ich habe ein Bett wo ich mich hinlegen kann.

Übernachtung: Gute Albergue Municipal, die Abteile sind etwas gewöhnungsbedürftig, habe ich so nie gesehen auf dem CF. Schade hätte ein Foto machen sollen…;-).






Col du Somport, 14.06.2010 (18 km)

„Ich bin nicht alleine auf dem Weg“

Hurra…, nun bin ich in Spanien, direkt nach der Grenze auf dem Somport, in meiner ersten spanischen Albergue. Tina ist auch hier, Bernard ist noch ein Stück weitergelaufen, er möchte heute Abend unbedingt die Weltmeisterschaft am Fernseher sehen, es hat hier zwar auch einen aber…;-).
Das Wetter war wie bei meiner letzten Pyrenäenüberquerung nass, kalt und neblig. Hier im Gite wird sogar geheitzt. Habe einfach kein Glück beim überqueren der Pyrenäen, d. h. aber nur, dass ich sie noch ein drittes Mal überqueren muss.
Bin heute Morgen ca. um 8.30 los nachdem ich in der Bar noch einen letzten französischen Kaffee und ein Croissant gegessen habe. Habe über Nacht beschlossen doch zu laufen und nicht den Bus zu nehmen. Es ist immer besser, seine eigenen Erfahrungen zu machen und wie so oft „es wird nicht so heiss gegessen wie gekocht“. So schlimm war es gar nicht und überlebt habe ich auch.
Bernard hat sich dann doch noch entschlossen mit mir zu kommen und so sind wir los und schon bald hat es natürlich angefangen zu regnen. Wir sind an der Nationalstrasse entlang gelaufen und die Wege welche gemäss Miam Miam Do Do neben der Strasse verlaufen haben wir nicht gefunden oder sie sind nicht mehr markiert. Es gab einzelne Stellen wo es sehr eng war und man wirklich aufpassen musste vor allem wenn sich zwei Lastwagen an der gleichen Stelle kreuzen wird es sehr eng. Die Lastwagen sind aber Gottseidank vor allem von der spanischen Seite her runtergefahren und so sind wir vor allem rechts geblieben. Manchmal habe ich vor einer Kurve auch die Seite gewechselt aber im Grossen und Ganzen ging es ganz gut.
Mehrere Kilometer nach Urdos kam dann eine Abzweigung zum alten Weg nach Spanien und ich musste Bernard erst mal überzeugen damit wir endlich von der Strasse runterzukommen. Es ging vor allem durch den Wald und wir mussten viele kleine Bäche überqueren. In der Gegend hier regnet es scheinbar schon seit einer Woche und deshalb ist natürlich alles sehr aufgeweicht und es hat viel Wasser welches die Hänge runterkommt und kleine Bäche bildet. Der Weg ist nur spärlich gekennzeichnet aber an den wichtigen Stellen hatte es immer eine Wegmarkierung. Hatte immer ein gutes Gefühl und darauf kann ich mich meistens verlassen. Wenn ich mich verlaufe meldet sich meine innere Stimme ziemlich schnell. Der Weg, ich nehme an es ist ein alter Handelsweg, ist auf jeden Fall wunderschön und der Nationalstrasse vorzuziehen vor allem wenn es dazu noch neblig ist und einem die Autofahrer nicht gut sehen können. Hatte mich eigentlich darauf eingestellt, die letzten 8 km nur auf der Strasse zu laufen und dann kam alles anders.
Als wir hier ankamen hat uns Tina schon von weitem aus dem Restaurant gewunken. Sie ist gestern bis Urdos weitergelaufen. Habe gleich beschlossen hier zu bleiben und mir Eier, Schinken und Patatos fritas bestellt. Dazu ein Gläschen Rotwein und danach einen Cafe con leche….Was ist das doch für eine Freude wieder in Spanien zu sein. Da muss man doch ein bisschen feiern.
Ich habe ja für meinen i-Pod das falsche Kabel zum Laden mitgenommen und hatte daher seit ca. einer Woche keine Musik mehr. Tina hat auch einen i-Pod und jetzt konnte ich ihn endlich laden. Habe mich gleich mal in meinen Schlafsack gelegt und 1 – 2 Stunden Musik gehört. Mann ich war schon lange nicht mehr so glücklich! Was so ein kleines bisschen Musik doch ausmacht.
Jetzt bin ich so richtig drin im Camino und ich weiss schon jetzt, dass es mir ziemlich schwer fallen wird aufzuhören. Na ja ist bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich auf dem Camino unterwegs sein werde. Er macht nämlich süchtig..;-).
Morgen soll das Wetter etwas besser sein gemäss der Hospitalera heute Morgen gibt es sogar ein klein wenig Sonne. Ich werde versuchen bis Jaca zu laufen, dies sind zw. 28 – 30 km je nach Führer. Es geht aber vor allem runter und mein Knie macht mir schon lange keine Probleme mehr. Eigentlich habe ich es nur am ersten Tag gespürt.
So ich werde jetzt Schluss machen und den Feierabend geniessen…;-).

Übernachtung: Ich habe auf der spanischen Seite im Refuge Aysa übernachtet. Gute Albergue, mit viel Betten und schöner Aussicht auf die Strecke die man am nächsten Tag runterläuft. Die Preise sind etwas höher als auf dem Camino Frances. Hier habe ich meine erste Cerveza con limon getrunken…;-).









Borce, 13.06.2010 (22 km)

„Pilger! Nicht du sollst den Weg machen. Lass zu, dass der Weg dich macht“

Heute Morgen habe ich mein letztes Stück Brot gegessen und bin dann kurz vor 8.00 Richtung Borce gestartet. Bald kam mir schon Tine entgegen und sagte sie würde die Strasse nehmen da der Weg zu schwierig sei und man zu grosse Schritte machen müsse. Dazu muss man sagen, dass sie mit einem riesigen Rucksack von 14 kg rumläuft. Weiss nicht wie sie das schafft die gute Frau. Dachte mir, dass ich es trotzdem versuchen will. Es ging zügig voran auf einem ähnlichen Weg wie gestern aber dann war plötzlich auf ca. 2 – 3 m Länge der Weg eingebrochen und ein Durchkommen war unmöglich. Es wäre schlicht und einfach zu gefährlich gewesen und ich bin nicht ängstlich aber leichtsinnig bin ich auch nicht. Der Weg sah aus als könnte noch mehr einbrechen wenn man einen Fuss darauf setzt. Und darunter war auch wieder ein Abhang. Habe dann beschlossen umzukehren und der Nationalstrasse entlang zu laufen. Bald schon ist mir Bernard entgegengekommen und ich habe ihm gesagt, dass der Weg nicht passierbar sei. Wir sind dann den ganzen Tag zusammen weitergelaufen und es ging oft der Nationalstrasse entlang was nicht sehr lustig war, da man immer aufpassen muss wegen den schnell fahrenden Autos. Aber die Umgebung war mal wieder überwältigend und es gab auch schöne kleine Wege abseits der Strasse.

So um 15.00 sind wir in Borce angekommen und wieder in einem sehr schönen Dorf und tollem Gite. Werden jetzt dann gleich Pasta kochen und uns eine Flasche Rotwein genehmigen.

So ihr Lieben jetzt seid ihr wieder auf dem neuesten Stand und ich werde jetzt aufhören weil ich mir in diesem Steinhaus den Arsch abfriere. Es ist saukalt hier drin. Werde mich mal kurz in den Schlafsack legen um mich aufzuwärmen.

Weiss noch nicht ob ich Morgen den Bus bis zum Somport nehmen soll, da es anscheinend gefährlich sei weil der Weg vor allem der Nationalstrasse entlang gehe. Ja und Morgen ist Montag und dann kommen die ganzen Lastwagen. Bernard wird auf jeden Fall den Bus nehmen und Tine ist gleich bis Urdos weitergelaufen. Na ja werde noch mal darüber schlafen.

Übernachtung: In Borce gibt es den Accueil pèlerin Hospitalet Saint Jacques (Gîte communal) mit nur 6 Betten aber eigener Kapelle. Der Gîte ist ganz am Anfang des Dorfes. Unbedingt zu empfehlen! Ein absolutes Juwel!!!

Dann gibt es noch einen privaten Gîte mit Bar, Epicerie und Internetanschluss. Ist auch gut aber kein Vergleich mit dem anderen kleinen Juwel.













Sarrance, 12.06.2010 (21.5 km)

„Ich setze den Fuss voller Achtsamkeit auf die Erde, im Wissen, dass ich auf einer wunderbaren Erde gehe“

Heute Morgen habe ich ausgeschlafen, gut gefrühstückt mit dem was ich von Tine und Bernard bekommen habe. Der neue Gite von Oloron ist übrigens klasse, es gibt alles 2er Zimmer und ich hatte den Raum für mich alleine. Kurz vor 9.00 bin ich dann los, habe mir in der Bäckerei noch eine Ficelle gekauft und dann ging der Spiessrutenlauf los durch Oloron. Es ist gar nicht so einfach aus dieser Stadt rauszukommen. Man hat das Gefühl, dass man im Kreis rumläuft. Ich habe dann noch eine Abkürzung genommen die mir Tine vorgeschlagen hat. Trotzdem hat es ca. 45 Min. gedauert um aus der Stadt rauszukommen. Ich war mal wieder völlig begeistert von der Umgebung. Teilweis ist es wirklich märchenhaft. Die Farbe Grün scheint hier richtig zu explodieren, natürlich vor allem wegen dem vielen Regen. Eine Frau in einem Cafe meinte jetzt würden wir den Frühling von Bearn kennenlernen. Ich liebe das Baskenland.
Einmal bin ich an einer grösseren Schafherde vorbeigekommen und da kam ich mir vor wie der böse Wolf. Die ganze Herde ist vor mir davongerannt auf die Strasse und hat sie natürlich blockiert. Die Autos mussten dann warten bis sich die Schafe wieder beruhigt haben. Das war ja lustig. Es war so schön heute ich kann es kaum in Worte fassen, einfach bezaubernd.
Nach Escot ging es über eine Brücke und dann fing ein abenteuerlicher Weg an der teilweise sogar gefährlich war. Es war ein schmaler Waldpfad der sich am Abgrund entlang schlängelte. Ein falscher Schritt und man wäre runter gesegelt. Teilweise hatte es auch entwurzelte Bäume und der Weg war teilweise zerstört. Aber es war immer so, dass man weiterlaufen konnte. Da war einerseits die Faszination des Weges, denn er war mal wieder märchenhaft schön und andererseits war man sich der Gefahr bewusst. Aber ich hatte immer ein gutes Gefühl und bin einfach zügig vorwärts gelaufen. Am Ende des Weges wo er wieder etwas breiter war standen plötzlich zwei Esel quer auf dem Pfad. Ich habe gut auf sie eingeredet, dass sie sich doch ein paar Zentimeter bewegen sollen damit ich an ihnen vorbeikomme aber nichts zu machen. Habe dann den einen Esel gestossen bis er sich ein paar Zentimeter bewegt hat und ich mich an ihm vorbeiquetschen konnte. Ich liebe Esel und habe überhaupt keine Angst vor ihnen. Ich fand es im Gegenteil total lustig.
Am Ende des Weges stand ein Schild, dass man aufpassen solle weil man jetzt die Nationalstrasse überquere. Habe dann nur gedacht, na den Weg den ich gerade gelaufen bin war gefährlicher.
Bin wieder mit Tine und Bernard im gleichen Gite und zudem sind noch zwei Kanadier hier. Soviele Pilger habe ich noch gar nie aufs mal gesehen. Ist ja schon richtig voll hier.
Sarrance ist wunderschön und ich bin im Gite vom Kloster untergekommen. Es ist sehr einfach aber der Gite ist wirklich toll. Wir haben uns zu dritt eine Flasche Rose gekauft und zusammen Apero getrunken. Anschliessend sind wir zusammen essen gegangen und das war richtig lecker. Dann gab es nicht mehr viel zu tun ausser einem kleinen Spaziergang, Tagebuch schreiben und früh ins Bett zu gehen. Na ich hoffe doch, dass ich mit sovielen Leuten im gleichen Raum schlafen kann.

Übernachtung: Accueil Notre-Dame im Kloster. Toller, altertümlicher, urchiger Gîte! Nicht verpassen! Um den Eingang zu finden muss man in den Kreuzganz, aussen ist absolut nichts angeschrieben!










Oloron, 11.06.2010 (32.5 km)

„Manchmal ist viel Schmerz und Ermüdung nötig, damit man an seinen Körper glauben kann“

Ich habe es tatsächlich geschafft, von Lescar bis Oloron zu laufen. Dies sind doch stolze 32 km. Ich bin am Morgen bereits um 6.30 los und die ersten Stunden sogar ganz ohne Regen. Ich habe riesige Wälder durchquert und in strömendem Regen auch noch einen Weg wie einen Acker. Hatte richtige Stollen unter den Schuhen. Bei Estialescq, wo ich eigentlich übernachten wollte und es aber leider keinen Platz hatte, habe ich mich im strömenden Regen an einen Picknicktisch gesetzt und ganz erschöpft in den Regen gestarrt. Ein Bild für Götter wenn mich den jemand gesehen hätte. Ich musste auf jeden Fall gleich mal Lachen und das hat gut getan.
Damit ich den langen Weg schaffen konnte musste ich jegliche negativen Gedanken aus meinem Kopf verbannen. Ich musste meinen Verstand konstant kontrollieren und immer wenn ich das Gefühl hatte nicht mehr zu können habe ich gesungen. Dies war eine sehr gute Uebung. Ich habe meinem Verstand ab und zu auch einfach gesagt, dass er die Klappe halten soll. Schon lustig da ist man plötzlich zu zweit.
Ich habe mir immer nur kleine Ziele vorgenommen wie z.B. bis zu dem nächsten Hügel oder diesen Wald durchqueren usw. Ich habe mir verboten in Kilometern zu denken. Mich hat mal eine Frau gefragt, wie man das schafft soweit zu laufen und ich habe lachend gemeint, dass sei ganz einfach, immer einen Schritt nach dem anderen. So schafft man es z.B. von Basel nach Finisterre zu laufen.
Ich bin dann um 17.30 völlig erschöpft im Gite von Oloron angekommen und wie das auf diesem Weg manchmal so ist, war da Tine eine Holländerin die mich zum Essen eingeladen hat. Sie meinte sie hätte eh zuviel und das würde locker reichen für zwei. Ich war unendlich dankbar, ich hätte echt nichts mehr geschafft an diesem Abend. Von Oloron habe ich nicht viel gesehen, soll eine sehr schöne Stadt sein aber um 21.30 war ich schon im Bett. Total erschöpft aber glücklich angekommen zu sein.

Übernachtung: Toller neuer Gîte Le Relais du Bastet. Alles neu, gute sanitäre Anlagen, grosse Küche und Zweierzimmer!





Lescar, 10.06.2010 (20 km)

„Pilgern heisst mit den Füssen beten“

Heute war es sehr schwierig, weiss nicht warum bin von Anfang an nicht in die Gänge gekommen und der Rucksack fühlte sich an wie 100 kg. So blieb es leider den ganzen Tag. Wollte eigentlich 26 km laufen aber habe heute gerade mal knapp 20 geschafft. Meine Füsse haben seit Beginn noch nie so geschmerzt. Musste den ganzen Tag gegen negative Gedanken ankämpfen und manchmal musste ich einfach singen damit mein Verstand mich nicht völlig fertig gemacht hat.
Gestern Abend bin ich übrigens doch noch einem Pilger begegnet, Michel aus der Bretagne. Er ist sehr sportlich und läuft auch Marathon. Heute ist er direkt nach Oloron gelaufen, dass sind 50 km, richtig deprimierend für mich. Er hat den ganzen Weg 2007 gemacht und den Uebernamen Gazelle erhalten weil er so schnell läuft. Habe ihn heute Morgen noch kurz in Aktion erlebt als er an mir vorbeigespurtet ist als ich schon schlapp am Wegesrand sass.
Vom Wetter her war es sehr schön und nicht zu heiss. Habe sogar die Pyrenäen gut gesehen, sie schienen mir ganz nah. Die Pyrenäengegend ist wunderschön und wie schon 2008 finde ich, man sollte hier mal Ferien machen oder was ich noch lieber machen würde ist, den Pyrenäen entlang zu laufen von Hendaye bis runter ans Mittelmeer auf dem GR 10. Dies sind ca. 850 km…Irgendwann werde ich vielleicht auch diesen Weg in Angriff nehmen..;-).
Ich bin auch wieder durch einen wunderschönen Märchenwald gelaufen wo ich etwas Energie auftanken konnte. Stelle mir immer vor dass es im Wald ganz viele Feen und Waldwesen hat und ich mich deshalb so gut fühle.
Der Gite von Lescar ist wunderschön und auch der alte historische Teil der Stadt ist sehr pittoresk. Es ist auch wieder ein Pilger hier dieses Mal heisst er Marius und kommt aus Holland. Er läuft den Weg auch in Gegenrichtung, dies muss wohl an der Nationalität liegen. Michel hat Stephen übrigens in Pouylebon getroffen auf dem Campingplatz. Hatte ihm ja gesagt, dass wenn er eine holländische Nacht verbringen will er dort hingehen soll. Michel hat im gleichen Wohnwagen geschlafen wie ich.
So ich werde jetzt für Marius und mich Pasta kochen. Meine Lieblingspasta mit Tomatensauce, Thunfisch, Oliven und Kapern. Ein Festessen um einen eher schlechten Tag noch gut abzuschliessen.

Übernachtung: Toller Gîte communal in Lescar.




Morlaas, 09.06.2010 (15 km)

„Ich bin mit jedem Schritt am richtigen Ort“

Heute bin ich also in Morlaas und es hat mal wieder Internet und somit kann ich meinen Blog aktualisieren.
Habe heute Morgen ausgeschlafen, da ein Regentag angesagt war und ich zwecks Mangel an Herbergen nur 17 km gelaufen bin. Der Monsieur hat mir das Fruehstueck schon am Abend vorher gebracht und so konnte ich fruehstuecken wann ich wollte. Es hatte sogar eine Kaffeemaschine und ich habe extra schon vorher den Kaffee aufgegossen damit es gut duftet…
Bin so um 8.30 los und habe den ganzen Tag auf den Regen gewartet der nicht kam ausser ein paar vereinzelten Tropfen. Es hat sich nicht mal gelohnt, die Regenpellerine anzuziehen. Als es angefangen hat zu troepfeln hatte ich mich gerade fuer eine kleine Pause in der Wiese hingesetzt und die paar einzelnen Tropfen genossen. Es hat mich nicht daran gehindert sitzen zu bleiben.
Pilger sind mir heute keine begegnet und auch im Gite auf dem Campingplatz bin ich ganz alleine. Es ist aber ok auch wenn Gesellschaft natuerlich schoen waere. Der Gite ist sehr einfach aber heute habe ich keine Lust noch zu wechseln oder in ein Hotel zu gehen. Ok, es sieht so aus als muesste ich aufhoeren die haben jetzt hier einen Kurs und brauchen die Computer. Das Internet ist hier gratis das finde ich auch noch einen Hit. Gehe heute Abend wohl in eine Pizzeria. Habe uebrigens heute wieder die Pyrenaen gesehen und trotz den Wolken waren sie ganz nah. In einer Woche bin ich dann wohl in Spanien…

Übernachtung: Also den Refuge pèlerin auf dem Campingplatz kann ich nicht empfehlen vor allem wenn man alleine dort ist wie ich, er ist nämlich echt trostlos. Ja, ja ich übertreibe schon wieder da war nämlich noch ein süsser schwarzer Hund der mir das Herz erwärmt hat und überhaupt schläft man ja nur eine Nacht da.



Anoye, 08.06.2010 (23 km)

„Geh, wohin dein Herz dich trägt“

Mein Abendessen mit meinen Gastgebern war ganz lustig wenn man einfach alle Vorurteile wie etwas zu sein hat auf der Seite laesst. Als ich runterkam lief der Fernseher und Monsieur guckte gerade eine Ratesendung mit einer richtigen Blondine sowie man sich das vorstellt. Alle Blondinen mögen mir diese Bemerkung verzeihen. Clothilde sein Frau machte immer irgendwelche giftigen Bemerkungen und ich habe einfach entspannt und die Show im Fernsehen genossen. Es gab Butternudeln und Ente, Tomatensalat und zum Schluss noch ein riesiges Stueck Kuchen. Ich bin fast geplatzt, war wohl keine gute Idee vor dem Essen noch was zu essen.
Bin dann mit vollem Bauch ins Bett und habe mir erneut einen Vortrag von Eckhart Tolle angehoert. Wohl meine letzte, denn ich habe ja kein Ladekabel für meinen i-Pod. Irgendwann werde ich einen Pilger mit Ladekabel treffen..;-). Vorsichtshalber habe ich eine Schlaftablette genommen und mir Oropax in die Ohren gestossen, den der Gite lag direkt an einer stark befahrenen Strasse.
Morgens bin ich dann frueh los und vom Weg gibt es eigentlich nicht viel zu berichten ausser dass es viel rauf und runter ging und die Strecke sehr schoen war. Habe von weitem 2 Pilger gesehen und sie dann auch getroffen, da sie umgekehrt sind da sie meinten auf dem falschen Weg zu sein. Aber es war alles richtig und so sind wir ein Stueck zusammengelaufen bis ich mich habe zurueckfallen lassen da sie ein viel schnelleres Tempo drauf hatten wie ich. Habe dann gemeint, dass sie nicht auf mich warten sollen. War mir eigentlich sicher sie abends im Gite von Anoye zu treffen aber da waren sie nicht. Sind wohl bis Morlaas durchgelaufen. Schlappe 41 km. Wuerde ich nur machen wenn ich absolut keine andere Wahl haette und ich wuerde wohl auf allen vieren ankommen wenn ueberhaupt. Heute waren es 23 km und das reicht mir voll und ganz. War nicht mal so fertig abends und das heisst, dass ich jetzt eingelaufen bin und ich durchschnittlich 25 km laufen kann pro Tag. Das sind doch gute Nachrichten. Die Etappenlaenge haengt aber auch von den Herbergen ab und von denen hat es auf der Via Tolosana nicht so viele. Man muss entweder sehr lange Etappen machen oder eben kurze.
Zweimal war es so richtig sumpfig und ich musste aufpassen nicht auszurutschen aber verglichen mit der Etappe nach Lectoure 2008 konnte mich dies nicht wirklich erschuettern.
In Anoye war ich zuerst im Gite communal und der war total leer. Hatte keine Lust da zu bleiben vor allem auch weil ich wusste, dass es noch einen anderen Gite gibt in einem wunderschoenen Landhaus. Bin richtig froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe und bei Monsieur Cahuzacan gelandet bin. Dies war mal wieder das absolute Highlight auf meinem bisherigen Weg. Ein wunderschoenes, grosses Landhaus mit weiss nicht wie vielen Hektaren Land, wunderschoenem Garten und einem separaten Gite denn ich ganz fuer mich alleine hatte. Richtig tolle Atmosphaere. Mein Gastgeber hat mir gleich mal 2 Bier ruebergebracht und ich fuehlte mich vom ersten Moment an richtig gut aufgehoben. Das Abendessen war hervorragend und dazu habe ich mich auch noch gut mit dem Monsieur unterhalten. Er hat ein Pferd mit welchem er noch ausgeritten ist vor dem Abendessen, 2 Esel (in den einen habe ich mich gleich verknallt und beschlossen das naechste Mal mit einem Esel nach Santiago zu wandern), 3 Hunde und scheinbar auch eine Ehefrau aber die habe ich nicht gesehen. Ich habe aber die Vermutung, dass sie das wunderbare Essen gekocht hat denn ich habe ihn immer mal wieder mit jemandem sprechen hoeren. Vielleicht hatte sie keine Lust auf Kontakt mit Pilgern. Dafuer hat sich der Monsieur ganz toll um mich gekuemmert. Sollte jemand von euch je hier durchkommen, leistet auch die 29 Euro und geht zu Monsieur Cahuzac. Es lohnt sich auf jeden Fall und ist gut fuer die Pilgerseele.
Nach dem Essen fing es an zu regnen und ich habe mich ins grosse Doppelbett gekuschelt, Tagebuch geschrieben und meine Sachen fuer den naechsten Tag vorbereitet. Dann habe ich noch dem Regen gelauscht und bin rundum gluecklich und zufrieden eingeschlafen.

Übernachtung: Dies ist wohl mein Highlight von meiner diesjährigen Pilgerwanderung: Der private Gîte von Mr. Cahuzac „La Collinière“. Das erste Haus (blau) wenn man in Anoye reinkommt. Hier kann man die Pilgerseele baumeln lassen…;-).






Maubourguet, 07.06.2010 (18 km)

„Es gibt keine Zufälle und Unfälle in der Schöpfung, nur Geschenke“

Heute war wieder ein sonniger Tag und ich bin erst um 8.00 los, was vielleicht ein Fehler war denn es war heiss. Als ich aus Marciac rausgelaufen bin habe ich bald schon bemerkt, dass ein Pilger hinter mir laeuft aber ich war immer noch damit am hadern, dass Stephen jetzt in die andere Richtung geht. Hatte in diesem Moment noch keine Lust auf neue Begegnungen und habe deshalb auch nicht angehalten. Ich wusste, dass ich zuerst loslassen muss. Habe dann angefangen vor mich her zu singen und irgendwelche Texte zu erfinden. Das hat geholfen und ich bin beschwingt weiter. Irgendwann habe ich dann eine Pause gemacht und Helmut kennengelernt. Wir sind dann ein Stueck zusammengelaufen und dann haben sich unsere Wege auch wieder getrennt. Er ist auch schon den ganzen Weg von zu Hause aus gelaufen und jetzt geht er bis Puenta la Reina.
Ich habe es heute gemuetlich genommen, da ich wusste dass es heute nur eine kurze Etappe wird. Der Gite den ich heute hinwollte ist naemlich geschlossen und deshalb bin ich nun in Maubourguet gelandet. Ich mag es in kleinen Ortschaften zu sein da hat es wenigstens Internet und man kann unter Menschen sein auch wenn man nicht immer mit jemandem redet.
Heute bin ich privat untergekommen und werde auch noch bekocht, da freue ich mich doch drauf. Bin mal wieder die einzige Pilgerin weit und breit aber ich werde jetzt dann gleich irgendwo ein schoenes kuehles Bier trinken und eine Kleinigkeit essen. Wer weiss wer mir heute noch ueber den Weg laeuft.
Auf jeden Fall geht es mir sehr gut und ich geniesse fast jeden Moment wo ich unterwegs bin. Ich fuehle mich von Tag zu Tag leichter und irgendwann werde ich dann wieder sein wie ein Schmetterling. Es ist als wuerde man die ganze Zeit irgendwelchen Ballast loslassen auch wenn man gar nicht genau weiss was.
So ihr Lieben, dass wars jetzt wieder fuer den Moment. Ich weiss nicht wann ich das naechste Mal dazukomme zu schreiben aber sicher bald.

Übernachtung: Ich war in einem privaten Gîte wo man auch essen konnte, weiss aber nicht mehr wie er hiess. Wurde mir vom Office de Tourisme empfohlen. Das Chalet pelerin auf dem Camping soll aber sehr gut sein habe ich mir von anderen Pilgern sagen lassen.



Marciac, 06.06.2010 (15 km)

„Schritt für Schritt“

Gestern bin ich ja von Pouylebon gestartet, ich habe im Wohnwagen eine ziemlich schlaflose Nacht verbracht. Die Matratze war total hart und meine angespannten und schmerzenden Muskeln konnten sich einfach nicht entspannen. Gegen Morgen ist dann ein Gewitter gekommen und ich habe dem Regen zugehoert wie er auf das Dach prasselt. Habe nur gehofft, dass es aufhoert bis ich aufstehe. Warum habe ich dem Monsieur vom Campingplatz auch nur gesagt, dass ich um 7.00 fruehstuecken moechte. Waere nach meiner schlaflosen Nacht gerne laenger liegen geblieben. Meine Motivation war auf dem Nullpunkt und um 6.45 habe ich mich aechzend zu den sanitaeren Anlagen geschleppt und habe mir schnell das Gesicht gewaschen und die Zaehne geputzt. Dann habe ich schnell gefruehstueckt und den lauwarmen Kaffee, der geschmeckt hat als sei er von Gestern, lustlos herunter gespuelt.
Bin dann los und da hat es eigentlich nur noch genieselt. Habe dann meine negative Einstellung losgelassen und beschlossen, dass heute ein guter Tag ist um meine neue Regenausruestung zu testen.
Liebe Pilger, dies ist jetzt speziell fuer euch, die Regenpellerine von Ferrino ist einfach klasse! Man muss sie naemlich nicht ueber den Kopf stuelpen sondern kann sie wie einen Mantel einfach ueberziehen. Wenn es nur noch leicht nieselt oder man Luft braucht kann man vorne den Reissverschluss aufmachen. Zudem hat sie Luftschlitze unter den Armen und an der Vorderseite. Bin absolut begeistert!
Der Weg ging dann durch einen richtigen Maerchenwald und ich fuehlte mich ploetzlich total gluecklich. In meinem vorherigen Bericht habe ich doch von Eckhart Tolle berichtet und seinem Zitat „jede Zelle deines Koerpers ist voller Leben und Freude“ und genauso habe ich mich in diesem Moment gefühlt. Es hat mich am ganzen Koerper gekribbelt und ich habe die Arme ausgebreitet und bin lachend durch den Wald gelaufen. Dies sind die Momente warum ich mir diese ganzen Strapazen antue, es sind diese kurzen Momente wo ich mit mir total im Reinen bin und mich mit Gott verbunden fuehle. Nichts ist mehr im Weg was mich trennen wuerde.
In Saint-Christaud habe ich mich dann in die Kirche gesetzt um etwas auszuruhen, zu trocknen und ich habe dann auch noch gebetet. Fuer meinen Weg, dass Gott mich begleitet und dass er mir hilft meine Negativitaet loszulassen. Zudem habe ich ihn darum gebeten mir zu helfen die Sachen so zu nehmen wie sie sind und mich dem was auf mich zukommt nicht dagegenzustellen. Na Gott wollte mich auf jeden Fall gleich mal testen. Ich hoerte von weitem 2 lachende, plappernde Frauen kommen und habe beschlossen, dass es Zeit ist weiterzugehen. Ich wollte gerade raus und da kamen sie rein. Es waren Einheimische und voellig begeistert in ihrer Kirche eine Pilgerin anzutreffen. Sie haben mich dann gefragt, ob ich nicht zum Gottesdienst bleiben und gleichzeitig einen Teil der Messe vorlesen wolle. Innerlich habe ich nur gedacht, oh mein Gott raus hier! Habe dann den enttaeuschten Frauen mitgeteilt, dass ich lieber gleich weiterlaufen wolle. Sie haetten mich anschliessend auch mit dem Auto bis Marciac gefahren aber ich wollte nur weg. So tief ist meine Verbindung mit der Kirche nun auch wieder nicht. Ich halte mich zwar gerne in Kirchen auf und bete auch darin aber damit hat es sich auch schon wieder. Zu Gott kann ich nur sagen, tut mir leid habe klaeglich versagt aber gleich die Messe vorzulesen ist auch ein bisschen viel verlangt. Dass muss Gott doch einsehen oder? Auf jeden Fall hat er auf meinem weiteren Weg saemtliche Gebete fuer ein trockenes Plaetzchen wo ich mich einen Moment hinsetzen koennte ignoriert. Ich bin praktisch 11 km am Stueck durchgelaufen ohne wirklich anzuhalten. Die Franzosen wissen glaube ich nicht, was ein trockenes Plaetzchen fuer einen mueden Pilger bedeutet wenn es die ganze Zeit regnet.
Habe dann beschlossen in Marciac anzuhalten da ich mich zu diesem Zeitpunkt kaum noch auf den Beinen halten konnte. Dann ist mir auch noch in den Sinn gekommen, dass ja heute Sonntag ist und an diesem Tag der Final von Roland Garros stattfindet. Habe dann beschlossen mir zur Feier des Tages ein Hotel mit Fernseher im Zimmer zu leisten und mir liegend im Bett den Final zw. Nadal und Soederling reinzuziehen. Diese Idee hat mich dann so begeistert, dass meine ganze Muedigkeit verflogen war und ich gut aufgelegt in Marciac ankam.
Habe mich dann gleich in eine Bar gesetzt und eine Quiche gegessen. Mann, habe ich es genossen endlich, endlich gemuetlich sitzen zu koennen. Und dann kam auch schon das naechste Highlight des heutigen Tages. Von weitem sah ich ein Pilger! Wow! ! ! Am dritten Tag meiner Wanderschaft sollte es endlich soweit sein. Er ist dann vorbeigelaufen und ich habe ihn freundlich gegruesst und er ist einfach weitergelaufen! Ich habe bei mir gedacht das kann doch nicht sein und in dem Moment ist er umgekehrt und zu mir an den Tisch gekommen und hat mich gefragt ob ich hier einen Gite wuesste. Habe ihm dann gleich meinen Miam Miam Do Do zur Verfuegung gestellt und schon waren wir mitten in einem interessanten Gespraech. Er ist in Hendaye gestartet, dann entlang den Pyrenaen bis Lourdes und dann auf die Via Tolosana. Er laeuft den Weg praktisch in Gegenrichtung. Ich fand ihn auf Anhieb symphatisch und war so happy endlich einem Pilger zu begegnen.
Anschliessend bin ich dann ins Hotel, habe heiss geduscht und mich ins Bett gekuschelt und mir den Final reingezogen. Ach war das gut. Nadal hat natuerlich gewonnen, wen wunderts. Dann habe ich bemerkt, dass ich meine Stoecke in der Bar liegengelassen habe und beschlossen zurueck zu gehen und gleich noch ein Bier zu trinken. Ich sass kaum da kam auch schon wieder mein Pilger und hat sich mit Stephen vorgestellt. Wir hatten ziemlich schnell einen guten Draht miteinander und gemerkt, dass wir ueber vieles aehnlich denken. Es war total lustig und auch spannend. Dann ist er auch noch Hugenotte wie ich. Habe ihm gesagt, dass er deshalb wohl ein Rebell sei und den Weg in Gegenrichtung laufen wuerde. Wir sind dann noch zusammen Essen gegangen und der Abend war viel zu schnell vorbei. Stephen hat mich dann noch zum Hotel begleitet und da haben wir uns noch herzlich umarmt, einander einen guten Weg gewuenscht und das wars. Schade, er fuehlte sich wirklich an wie ein verwandte Seele und ich haette gerne mehr Zeit mit ihm verbracht. Aber so ist das halt auf dem Pilgerweg man muss immer wieder loslassen. Nichts ist einem so bewusst wie die Vergaenglichkeit. Ich weiss aber auch, dass man lieb gewonnene Menschen unterwegs immer wieder loslassen muss und dann hat man wieder neue Begegnungen aber schade ist es trotzdem. Wuerde manchmal gerne etwas laenger festhalten.

Übernachtung: Ich habe mir hier ein Hotel geleistet aber Stephen war im Gîte – Refuge Le Grenier Saint Jean und hat gemeint er wäre gut.