Barran, 04.06.2010 (17 km)

„Was ich suche, trage ich in mir und jeder Schritt, ist ein weiterer Schritt in die Tiefe meines eigenen Ich“. Diese Karte habe ich fuer Heute aus meiner spirituellen Pilgerapotheke gezogen. Wie immer finde ich den Spruch sehr passend.

Bin im Acceuil Jacquaire von Barran angekommen nachdem mich Madame Cocco, die Herbergsmutter fast in Grund und Boden geredet hat und ich mich irgendwann mit der Entschuldigung dringend duschen zu müssen davon gestohlen habe. Der Gîte ist wirklich sehr einfach und hätte mal eine Generalrenovation nötig um es gelinde auszudrücken. Auf französisch würde man jetzt ironischerweise sagen „c’est vraiment très chouette“! Vielleicht sollte ich eine kleine Spende hinterlassen…
Bin ca. um 9.30 in Auch gestartet und es war ganz schön heiss. Als ich zur Kirche hoch gelaufen bin hat sich schon mein Knie bemerkbar gemacht und ich habe mich gefragt wie weit ich wohl kommen werde auf diesem Weg.
Wusste gar nicht mehr wie einsam Frankreich sein kann, es hat keine Pilger weit und breit. Was mich in Frankreich beeindruckt ist die Weite des Landes und dass man unterwegs selten jemandem begegnet. Sogar die Dörfer wirken teilweise wie ausgestorben und eine Bar sucht man meist vergebens. Es erinnert mich ein wenig an den Weg von Cluny nach Le Puy.
Hier in Barran ist absolut tote Hose, man kann nicht einmal irgendwo ein Bier trinken gehen. Das einzige Restaurant im Ort ist leider geschlossen. Glücklicherweise hat es aber eine Epicerie und so konnte ich mir etwas für die Mikrowelle kaufen und es gab sogar gekühltes Bier.
So sitze ich nun in meiner etwas schäbigen Unterkunft am Tisch, esse mein Essen aus der Mikrowelle und trinke allein mein Bier. Anstatt meine Ferien wie alle anderen am Strand zu verbringen laufe ich mir hier die Fuesse platt und verbringe den Abend alleine in dieser renovierungsbedurftigen Herberge. Mir kommen schon die ersten Zweifel und ich frage mich mal wieder warum ich mir das eigentlich antue? Irgendwie ist mir die Antwort momentan abhanden gekommen aber ich weiss es hat einen tieferen Grund…Na ja wird mir schon wieder einfallen…;-).
Die Strecke heute war relativ kurz aber anstrengend für meine Füsse da ich den grössten Teil auf Asphalt gelaufen bin. Gemäss Miam Miam Do Do sieht es aber für Morgen besser aus…;-).
Die Leute hier sind sehr offen gegenüber Pilgern, ich wurde mehrmals angesprochen und auch schon zum Kaffee eingeladen. Die Herbergen sind auf diesem Weg nicht ganz so zahlreich und ich plane für Morgen auf dem Campingplatz zu übernachten.
Ich kann mittlerweile gut alleine sein und doch wünsche ich mir andere Pilger zu treffen mit denen ich mich austauschen könnte. Ich möchte auch Spass haben auf diesem Weg und nicht immer alleine sein.
Der Fokus meines Gebetes ist all meine Negativität loszulassen und meinen Verstand zu kontrollieren. Das heisst wenn negative Gedanken auftreten sie nicht zuzulassen oder sie sofort beiseite zu schieben.
Bin heute körperlich schon ziemlich an meine Grenzen gestossen, da ich natürlich wieder einmal völlig unvorbereitet und untrainiert losgegangen bin. Mein linkes Knie habe ich heute vor allem beim runterlaufen gespürt und die Sehne hat sich auch schon gemeldet. Ich werde Morgen auch noch meine Kniegelenkstütze anziehen und versuchen ob das was hilft.
Leider habe ich für meinen i-Pod das falsche Kabel mitgenommen und jetzt kann ich es nicht mehr aufladen. Hoffe darauf andere Pilger zu treffen und vielleicht hat ja jemand das Kabel dabei.
Morgen soll es noch heisser werden wie heute, muss mehr Wasser mitnehmen, heute hat es nur knapp gereicht und soviele Möglichkeiten zum Auffüllen gab es auch nicht.

Übernachtung: Acceuil pélerins, sehr einfacher Gîte auf Spendenbasis. Ich fand es deprimierend hier, das lag aber vielleicht eher daran, dass es mein erster Abend und ich alleine hier war. Zu zweit ist es hier sicher zum aushalten…;-).