Col du Somport, 14.06.2010 (18 km)

„Ich bin nicht alleine auf dem Weg“

Hurra…, nun bin ich in Spanien, direkt nach der Grenze auf dem Somport, in meiner ersten spanischen Albergue. Tina ist auch hier, Bernard ist noch ein Stück weitergelaufen, er möchte heute Abend unbedingt die Weltmeisterschaft am Fernseher sehen, es hat hier zwar auch einen aber…;-).
Das Wetter war wie bei meiner letzten Pyrenäenüberquerung nass, kalt und neblig. Hier im Gite wird sogar geheitzt. Habe einfach kein Glück beim überqueren der Pyrenäen, d. h. aber nur, dass ich sie noch ein drittes Mal überqueren muss.
Bin heute Morgen ca. um 8.30 los nachdem ich in der Bar noch einen letzten französischen Kaffee und ein Croissant gegessen habe. Habe über Nacht beschlossen doch zu laufen und nicht den Bus zu nehmen. Es ist immer besser, seine eigenen Erfahrungen zu machen und wie so oft „es wird nicht so heiss gegessen wie gekocht“. So schlimm war es gar nicht und überlebt habe ich auch.
Bernard hat sich dann doch noch entschlossen mit mir zu kommen und so sind wir los und schon bald hat es natürlich angefangen zu regnen. Wir sind an der Nationalstrasse entlang gelaufen und die Wege welche gemäss Miam Miam Do Do neben der Strasse verlaufen haben wir nicht gefunden oder sie sind nicht mehr markiert. Es gab einzelne Stellen wo es sehr eng war und man wirklich aufpassen musste vor allem wenn sich zwei Lastwagen an der gleichen Stelle kreuzen wird es sehr eng. Die Lastwagen sind aber Gottseidank vor allem von der spanischen Seite her runtergefahren und so sind wir vor allem rechts geblieben. Manchmal habe ich vor einer Kurve auch die Seite gewechselt aber im Grossen und Ganzen ging es ganz gut.
Mehrere Kilometer nach Urdos kam dann eine Abzweigung zum alten Weg nach Spanien und ich musste Bernard erst mal überzeugen damit wir endlich von der Strasse runterzukommen. Es ging vor allem durch den Wald und wir mussten viele kleine Bäche überqueren. In der Gegend hier regnet es scheinbar schon seit einer Woche und deshalb ist natürlich alles sehr aufgeweicht und es hat viel Wasser welches die Hänge runterkommt und kleine Bäche bildet. Der Weg ist nur spärlich gekennzeichnet aber an den wichtigen Stellen hatte es immer eine Wegmarkierung. Hatte immer ein gutes Gefühl und darauf kann ich mich meistens verlassen. Wenn ich mich verlaufe meldet sich meine innere Stimme ziemlich schnell. Der Weg, ich nehme an es ist ein alter Handelsweg, ist auf jeden Fall wunderschön und der Nationalstrasse vorzuziehen vor allem wenn es dazu noch neblig ist und einem die Autofahrer nicht gut sehen können. Hatte mich eigentlich darauf eingestellt, die letzten 8 km nur auf der Strasse zu laufen und dann kam alles anders.
Als wir hier ankamen hat uns Tina schon von weitem aus dem Restaurant gewunken. Sie ist gestern bis Urdos weitergelaufen. Habe gleich beschlossen hier zu bleiben und mir Eier, Schinken und Patatos fritas bestellt. Dazu ein Gläschen Rotwein und danach einen Cafe con leche….Was ist das doch für eine Freude wieder in Spanien zu sein. Da muss man doch ein bisschen feiern.
Ich habe ja für meinen i-Pod das falsche Kabel zum Laden mitgenommen und hatte daher seit ca. einer Woche keine Musik mehr. Tina hat auch einen i-Pod und jetzt konnte ich ihn endlich laden. Habe mich gleich mal in meinen Schlafsack gelegt und 1 – 2 Stunden Musik gehört. Mann ich war schon lange nicht mehr so glücklich! Was so ein kleines bisschen Musik doch ausmacht.
Jetzt bin ich so richtig drin im Camino und ich weiss schon jetzt, dass es mir ziemlich schwer fallen wird aufzuhören. Na ja ist bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich auf dem Camino unterwegs sein werde. Er macht nämlich süchtig..;-).
Morgen soll das Wetter etwas besser sein gemäss der Hospitalera heute Morgen gibt es sogar ein klein wenig Sonne. Ich werde versuchen bis Jaca zu laufen, dies sind zw. 28 – 30 km je nach Führer. Es geht aber vor allem runter und mein Knie macht mir schon lange keine Probleme mehr. Eigentlich habe ich es nur am ersten Tag gespürt.
So ich werde jetzt Schluss machen und den Feierabend geniessen…;-).

Übernachtung: Ich habe auf der spanischen Seite im Refuge Aysa übernachtet. Gute Albergue, mit viel Betten und schöner Aussicht auf die Strecke die man am nächsten Tag runterläuft. Die Preise sind etwas höher als auf dem Camino Frances. Hier habe ich meine erste Cerveza con limon getrunken…;-).









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