Bilbao, 25.06.2010 (Total 486 km)

„Befreiung vom Ich“

So nun bin ich also in Bilbao, eine Riesenstadt! Habe heute Morgen in aller Ruhe gefruehstueckt. Es gab ein tolles Buffet mit allem was dazugehoert und ich habe so richtig zugeschlagen. Kann ja normalerweise morgens nicht so viel Essen aber wenn ich auf dem Camino bin kann ich essen wie ein Pferd…;-). Habe mir dann noch ein Bocadillo con jamon gemacht fuer die Reise.
Um 9.30 fuhr der Bus und die Fahrt war sehr angenehm. In irgendeiner Stadt unterwegs habe ich ein paar gelbe Pfeile auf dem Boden gesehen und mich gefragt welcher Camino wohl hierdurchgeht. Ich sah Namen wie Santo Domingo de la Calzada und Burgos und habe nur tief geseufzt. Irgendwann werde ich meinen Weg ja in Logrono fortsetzen oder eine andere Route laufen.
In Bilbao bin ich erst einmal orientierungslos rumgelaufen da mich die Grossstadt ziemlich irritiert hat. Dann habe ich mir zuerst einmal eine Bar gesucht, einen Cafe con leche getrunken und ein Bocadillo gegessen. Dann habe ich dieses Internetlokal gesehen und beschlossen meinen Blog up to date zu bringen.
So ich werde jetzt dann den Bus zum Flughafen nehmen und um 17.20 geht mein Flieger ueber Palma di Mallorca nach Basel. Heute Abend werde ich bereits in meinem eigenen Bett schlafen. Wahnsinnig wie schnell das geht, hoffe ich bekomme keinen Schock wenn ich in Basel lande…;-).
Alles Liebe
Françoise

Logrono, 24.06.2010 (22 km)

„Ich vertraue meinem Weg“

Heute Morgen konnte ich direkt ausschlafen da ich von niemandem geweckt wurde. Bin um 6.30 aufgewacht, habe meinen Rucksack gepackt, ein Stueck trockenes Brot gegessen und meinen Nescafe getrunken. Es ist wirklich praktisch diese kleinen Nescafetueten dabeizuhaben da man in Spanien oft nicht fruehstuecken kann. So bekomme ich nie Kaffeentzug…;-).
In Torres del Rio habe ich nach 15 Minuten schon Pause gemacht und einen Cafe con leche bekommen trotzdem dass die Bar noch zu hatte. Die Senora war aber sehr nett und sie hat mir dann noch erzaehlt, dass dieses Jahr gar nicht so viele Pilger unterwegs waeren. Nur halb so viele wie letztes Jahr. Wahrscheinlich haben die meisten Angst wegen dem heiligen Jahr nichts zum Schlafen zu finden. Wie es so ist mit der Angst meistens hat es nichts mit der Realitaet zu tun.
Die Strecke von Torres del Rio nach Viana habe ich so richtig genossen, war ich mir doch bewusst, dass dies mein letzter Tag ist. Bin dann noch 1.5 Std. in Viana rumgehangen und habe die Atmosphaere genossen. Viana hat mir schon beim letzten Mal sehr gut gefallen.
An den Weg von Viana nach Logrono konnte ich mich gar nicht mehr erinnern und das hat auch einen guten Grund; dieser Teil ist einfach nur schrecklich haesslich und oede. Kein Wunder habe ich diesen Teil aus meinem Gedaechtnis gestrichen, werde dies gleich wieder tun. Man laeuft an der Industriezone von Logrono vorbei…
Hatte mich schon auf das Haus von Senora Felisa gefreut wo man so gemuetlich sitzten konnte und Brot, Konfituere, Feigen und Kaffee bekam. Leider wird dieser schöne Brauch nicht mehr fortgefuehrt. Senora Felisa ist 2002 verstorben, dann hat aber ihre Tochter weiter gemacht. Jetzt steht nur noch eine alte Frau an einem kleinen Stand, verkauft Pilgerutensilien und kalte Getraenke und stempelt den Credencial der Pilger mit dem beruehmten Stempel: Figas, Agua i Amor ab. Hat mich ein bisschen traurig gestimmt muss ich sagen
In Logrono habe ich mich zuerst auf die Plaza vor der Kathedrale gesetzt, habe mein uebliches Cerveza con limon getrunken und dazu Oliven gegessen. Letztes Mal als ich hier vorbeikam habe ich die Kathedrale nicht mal gesehen, die liegt naemlich nicht auf dem Pilgerweg. Am Weg liegt die Kirche von Santiago. Dieses Mal habe ich mir auch Logrono angeschaut und auch diese Stadt vibriert nur so vom Leben. Kann es dieses Mal viel mehr geniessen als noch vor 2 Jahren.
Habe mir ein Hotelzimmer in der Naehe der Kathedrale genommen, da ja meine Pilgerreise zu Ende ist und ich nicht in der Albergue absteigen wollte. Schliesslich moechte ich Morgen nicht um 6.00 aufstehen muessen…;-). Morgen gibt es richtiges Fruehstueck mit allem drum und dran. Mein Fenster geht auf eine kleine Gasse und da feiern sie heute irgendein Fest. Habe ich ja wieder richtig gut hingekriegt…;-). Na ja muss ja Morgen nicht frueh aufstehen und werde dann halt einfach mitfeiern.
Heute Abend habe ich mit Pater Norbert und Angelika zusammen gegessen. Wir wussten schon vorher, dass wir alle drei am 24. Juni in Logrono eintreffen und haben schon mal abgemacht. Sie waren auf dem Camino welcher dem Fluss Ebro folgt und es scheint eine ziemlich Herausforderung gewesen zu sein. Es war auf jeden Fall schoen das es geklappt hat und wir einander kennengelernt haben. Ich bin dann ca. um 24.00 Uhr ins Hotel und sie wollten noch in diversen Bars ein paar Stempel fuer ihr Credencial sammeln…;-).
Die Fiesta in meiner Gasse war schon zu Ende ich habe richtig gestaunt, dass sie schon so frueh fertig waren. Habe dann aber trotzdem vorsichtshalber meine Ohropax eingesetzt schliesslich bin ich in einer spanischen Grossstadt und die kommt bestimmt nicht vor 4.00 Uhr morgens zur Ruhe.

Übernachten: Da meine Pilgerwanderung beendet ist bin ich in einem Hotel in der Nähe der Kathedrale abgestiegen.













Sansol, 23.06.2010 (28 km)

„Verzichte auf das Unwesentliche“

Estella ist eigentlich als kleine Stadt gar nicht so uebel wenn man sich denn die Zeit nimmt sie anzuschauen. Bin abends noch auf der Plaza gesessen, habe ein Bierchen getrunken und die spanische Atmosphaere genossen. Die Albergue in Estella war mir fast zuviel. Zu viele Pilger, wahnsinnig laut, ein absolutes Kontrastprogramm zudem was ich bisher gewohnt war. Kam mir irgendwie fehl am Platz vor. Wollte eigentlich noch bis Irache weiter aber dann ist mir ein Problem dazwischen gekommen welches uns Frauen einmal im Monat ueberkommt. Hatte nichts dabei und die Tiendas in Spanien oeffnen erst um 17.00 Uhr. Dann war es auch schon 15.00 Uhr und viel zu heiss um wirklich weiterzuwandern. Na ja guter Moment, um mich an die vielen Peregrinos zu gewoehnen oder?
Bin heute Morgen um 5.45 aufgestanden, laenger schlafen kann man auf dem Camino Frances sowieso meistens nicht, da hier alle sehr frueh aufstehen um der Hitze zu entgehen. Falls man etwas laenger schlafen moechte sollte man jeweils in die kleineren Herbergen zwischen den Staedten gehen. Um 6.00 gab es Fruehstueck bestehend aus Zwieback, Butter und Konfituere und dazu Kaffee. Um 6.30 war Abmarsch, bis 7.00 Uhr muessen alle Pilger die Herberge verlassen haben. Man kann fruehestens um 4.00 Uhr raus….;-). Meine russischen Babuschkas gehen ja meistens um 4.30…;-), waren aber im anderen Zimmer.
Heute bin ich in Villamajor de Monjardin vorbeigekommen und habe alte Erinnerungen aufgefrischt wie z.B. den Tennisfinal von Wimbleden zw. Nadal und Federer welchen wir hier angeschaut haben. Wegen Regenunterbrechungen dauerte er ewig lange und den letzten Satz konnten wir nicht mehr anschauen weil die Senora die Schnauze voll hatte und kurzerhand den Fernseher abgestellt hatte. Habe dann am naechsten Tag in Los Arcos erfahren, dass Nadal gewonnen hatte. Roger, mein temporaerer Weggefaehrte ist waehrend dem Spiel im Sitzen eingeschlafen…;-). Waere schoen, wenn meine Mitstreiter von damals hier waeren.
Die Strecke von Villamajor nach Los Arcos ist sehr schoen und ich habe dazu Musik gehoert und Bajans von Deva Premal gesungen. War richtig meditativ.
Habe immer noch Muehe, mich an die vielen Pilger, vor allem an die Gruppen zu gewoehnen. Es hat eine Gruppe mit jugendlichen Spaniern und wenn die vorbei laufen hat man das Gefuehl es kommt eine Nahkampttruppe. Die haben eine Energie die alles wegfegt. Ich nenne sie nur die Rambos…;-). Hatte beschlossen bis Sansol oder Torres del Rio weiterzulaufen und nicht in Los Arcos da es eine grosse Albergue ist. Im Forum hat mal jemand von der Albergue in Sansol erzaehlt und ich beschloss festzustellen ob sie noch existiert.
Habe in Los Arcos nur kurz Pause gemacht bei der Albergue da es schon 13.15 war und anfing richtig schoen warm zu werden. Konnte mich vom letzten Mal her nicht mehr an die Strecke erinnern und so wusste ich nicht, dass mir knapp 2 Stunden in der bruetend heissen Sonne bevorstanden. Zwei Italiener sassen auf einer Bank in der prallen Sonne, Schatten gab es ja keinen, und haben sich Luft zugefaechelt. Konnte nachvollziehen wie sie sich fuehlen mir ging es naemlich genauso. Habe gesungen und Lieder getextet die alle von einer frischen Brise handelten…;-).
Die letzten 1.5 km waren dann noch auf Asphalt und dies hat mir dann noch den Rest gegeben. Bin mit hochrotem Kopf und nass vom Schweiss in der Albergue von Sansol angekommen. Die Albergue ist nicht mehr Donativo und ich weiss auch nicht ob noch die selben Leute da sind wie frueher. Habe nur im Pilgerbuch gesehen, dass sie im 2008 keine Pilger aufgenommen haben, erst wieder 2009. Jetzt verlangen sie 6 Euro. Der Senor hat uns freundlicherweise mit dem Auto nach Torres del Rio runtergefahren damit wir Essen einkaufen konnten. Habe mir gerade noch den Proviant fuer den morgigen Tag eingekauft.
Heute war mein SOS-Menu faellig. Habe ich im Outdoor-Laden gekauft und man muss nur noch heisses Wasser beifuegen und man hat eine komplette Mahlzeit. Vom Geschmack her war es gar nicht so schlecht wenn auch die Teigwaren etwas knusperig waren.
Morgen ist mein letzter Wandertag und dann bin ich schon in Logrono. Die Zeit ist irre schnell vorbeigegangen und trotzdem habe ich das Gefuehl schon Monate von zu Hause weg zu sein. Es kommt schon ein bisschen Wehmut auf muss ich sagen aber es ist auch ok in Logrono anzuhalten.

Übernachtung: Gute kleine Herberge in Sansol. Ist aber nicht mehr Donativo, verlangen jetzt 6€ ohne Frühstück. Der Hospitalero hat uns aber nach Torres del Rio zur Tienda gefahren zum einkaufen, das war sehr nett.










Estella, 22.06.2010 (25 km)

„Wanderer, deine Spuren sind der Weg, und nichts weiter“

Muss die anderen zwei Tage ein anderes Mal nachtragen. Der Computer ist jetzt gerade frei und ich habe mein Tagebuch gerade nicht mit. Ich habe total Muehe aus dem Kopf zusammenzutragen was an den letzten beiden Tagen gelaufen ist. Mein Kopf bringt alles durcheinander zudem ist es hier sehr laut in der Albergue. Ja die ruhigen Zeiten sind jetzt endgültig vorbei, ich bin wieder auf dem Camino Frances. Der Camino Aragones war da geradezu beschaulich…;-). Ich muss zugeben, dass ich mich erst wieder an die vielen lauten Menschen gewöhnen muss. Als ich 2008 in Roncesvalles angekommen bin habe ich 3 Tage gebraucht um mich an Spanien und die vielen Pilger zu gewoehnen. Dieses Mal braucht es wohl nicht so lange weil ich das Ganze ja schon kenne.
Heute Morgen in der Albergue von Obanos habe ich schon einmal einen Vorgeschmack bekommen was es heisst wieder auf dem Hauptweg zu sein. Eine Gruppe aelterer Russen ist heute Morgen schon um 4.30 aufgestanden und hat ca. 1/2 – 1 Std. gebraucht um ihre Rucksaecke zu packen. Sie haben die ganze Zeit mit der Stirnlampe rumgezuendet und mit Tueten geraschelt ohne Ende. Beinahe waere ich aufgestanden und haette etwas gesagt aber dann habe ich einfach die Ohrstoepsel wieder rein gemacht und die Decke ueber den Kopf gezogen. Bloede Anfaenger habe ich nur gedacht, man kann ja den Rucksack auch am Abend vorher vorbereiten wenn man so frueh los will. Ich brauche keine 10 Minuten wenn es sein muss. Na ja aber dennoch ich muss einfach wieder loslassen. So ist es ab jetzt einfach wieder…
In Puente la Reina musste ich erst einmal lachen als ich die ganzen Pilger gesehen habe mit ihren ueberdimensionalen Rucksaecken und was noch alles daran rumhaengt. Beim einen haengen die Schuhe noch am Rucksack, beim anderen der Schlafsack, der naechste hat noch die Waeschen zum trocknen daran. Schon lustig, habe das schon lange nicht mehr gesehen.
Habe mir in Puente la Reina erst einmal einen guten heissen Cafe con leche gegoennt und ein Schoggibroetchen. Dann bin ich los voller Erwartungen, dass ich ja jetzt auf einem Weg laufe den ich schon gegangen bin. Auf diesem kurzen Stueck ist mir berreits aufgefallen wieviel die Spanier schon wieder verbessert haben am Camino. Das Wegstück nach Puente la Reina, wo man etwas abenteuerlich ein Tal hinaufklettern musste, ziert jetzt ein 2.5 m breiter gekiester Weg. Man kann ganz gemaehlich hoch laufen und es ist weniger anstrengend als ich es in Erinnerung habe. Beim Doerfchen vor Cirauqui, ich glaube es heisst Maneru, wird der Platz wo der Wasserbrunnen war gerade voellig neu gestaltet oder sie bauen etwas anderes hin. 2008 habe ich da voellig von der Hitze erschoepft meinen heissen Kopf unters kalte Wasser gehalten. Heute war es nicht so anstrengend und heiss da noch am Morgen.
In Cirauqui habe ich laenger Pause gemacht. Ich liebe dieses pittoreske Staedtchen auf dem Huegel. Letztes Mal habe ich ja hier in der tollen privaten Albergue bei der Kirche uebernachtet. Habe mich in die Kirche gesetzt und da lief total schoene Musik, mir sind gleich die Traenen runtergelaufen so hat es mich beruehrt. Nicht nur die Musik sondern wieder hier in Cirauqui in der Kirche zu sitzen. Konnte mich fast nicht loesen von diesem Ort und habe noch einen Kaffee getrunken und ein Croissant gegessen. Irgendwann musste ich mich dann doch losreissen da ich ja noch weiter wollte heute. Fuer mich einer der ganz speziellen Orte am Camino…
Dann wurde es langsam richtig heiss. Ich kann mich gar nicht erinnern wann ich den letzten heissen Tag hatte. Waren das die ersten zwei? Das ist verdammt lange her, hatte nicht gerade Glueck mit dem Wetter aber irgendwie hat es mich nur selten gestoert. Zum laufen ist es ja fast noch angenehmer wenn es nicht all zu heiss ist. Trotzdem habe ich die Sonne und die Waerme genossen auf jeden Fall zunaechst noch.
In Lorca habe ich dann wieder angehalten, weil da gibt es auch die tolle Albergue und Bar mit den symphatischen Leuten. Ja und es ist immer noch toll dort, habe mich richtig wohl gefuehlt. Habe meine erste Tortilla gegessen und mein Kas Lemon wiederentdeckt. Der Senor hat mir dann noch das Wasser aufgefuellt und dann habe ich mich wieder auf den Camino gestuerzt und irgendwie habe ich es geschafft mich zu verirren. Ich muss mal die anderen fragen ob sie auch der Nationalstrasse entlang gelaufen sind. Kann mir nicht vorstellen, dass das der richtige Weg war. Irgendwann stand ich dann ziemlich verloren zwischen Autobahnzubringer und Nationalstrasse und wusste nicht mehr in welche Richtung. Da ist ein Motorradfahrer vorbeigefahren und hat mir mit der Hand die Richtung gezeigt. Das fand ich richtig nett und dann war ich wieder auf dem Weg. Bin von Lorca bis Villafuente neben der Nationalstrasse gelaufen und von da an taten mir die Fuesse richtig weh. Konnte mich an dieses Dorf gar nicht mehr erinnern, nicht mal mehr an die Bruecke die da ueber ein Fluesschen geht. Man kann eben nicht alle Eindruecke abspeichern es ist einfach zuviel was da auf einen einstuermt wenn man unterwegs ist.
Die naechste Neuerung die mir aufgefallen ist, ist dort wo die canadische Pilgerin von einem Auto ueberfahren wurde 2002, jetzt neu eine Unterfuehrung gebaut wurde. Ist mir auf jeden Fall letztes Mal noch nicht aufgefallen. Habe der Kanadierin im Stillen gedankt, dass es dank ihr jetzt hier fuer alle anderen Pilger sicherer geworden ist.
Um 15.00 Uhr bin ich in Estella angekommen und habe beschlossen hier zu bleiben. Es war mir einfach zu heiss um weiterzulaufen. Morgen ist eh frueh Tagwache und so kann ich morgen vielleicht eine groessere Etappe bis Sansol laufen. Moechte gerne in die Albergue dort falls es sie noch gibt. Leute im Forum haben davon geschwaermt.
So jetzt werde ich mir Estella ansehen und dann Essen gehen. Ist eigentlich gar nicht so haesslich hier, habe es irgendwie dunkel in Erinnerung aber vielleicht war das damals meine Stimmung.

Übernachtung: Es ist eine gute Albergue auch wenn ich nicht begeistert war da zu sein aber das lag eher an mir, da ich die vielen Pilger nicht mehr gewohnt war.

















Obanos, 21.06.2010 (29 km)

„Wer gehen kann und sich gehen lassen kann, dem geht es gut“

Was für ein langer, langer Tag. Wollte eigentlich in Eunate bleiben aber am Montag ist die Kapelle sowie auch die Albergue geschlossen. Es war mal wieder loslassen angesagt, hatte mich so darauf gefreut an diesem speziellen Ort zu übernachten und vielleicht sogar den Sonnenuntergang hier zu sehen. Aber es hat leider nicht sollen sein und dann bin ich halt bis Obanos weiter geschlichen. Die ganze Energie war verpufft, sie hatte gerade bis Eunate gereicht und durch die Enttäuschung lief es sich auch nicht besser.
Jetzt bin ich halt in Obanos und es auch schön hier. Wollte extra noch vor Puente la Reina und dem grossen Ansturm anhalten um das Ganze noch ein klein wenig hinauszuschieben.
Ab jetzt laufe ich auf Wegen die ich schon einmal begangen habe und es nimmt mich Wunder wie das sein wird. Ich nehme an es wird viele Erinnerungen hervor bringen.

Übernachtung: Schöne private Albergue in Obanos. Grosse Küche und Aufenthaltsraum. Innenhof. Gut um noch vor Puente la Reina anzuhalten. Obanos ist ein sehr hübsches Dorf oder kleines Städtchen.











Monreal, 20.06.2010 (31 km)

„Die längste Reise ist die Reise nach innen“

Heute hatten wir den Oberschnarcher im Dormitorio. Sowas lautes habe ich ja noch gar nie gehoert. Er hat es sogar geschafft die Schallmauer meiner Ohropax zu durchbrechen! In diesen Schlafsaelen ist es so feucht und warm, dass wenn man nicht schon Wallungen haette man sicher welche bekaeme. Habe mal wieder versucht ein Fenster zu oeffnen, bin aber an der Technik gescheitert oder ich war einfach nicht ganz wach.
Bin heute Morgen schon um 7.00 Uhr los da ich wusste, dass 30 km auf mich warten. Da es unterwegs keine Bars gab musste ich die gesamte Verpflegung mitschleppen und das spuert man dann am Gewicht des Rucksacks. Er fuehlte sich dementsprechend schwer an und am Morgen konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass ich 30 km laufen kann heute.
Die Sonne lachte vom Himmel aber es blies wieder dieser eiskalte Wind. Bin heute fast den ganzen Tag mit zugeknoepfter Windjacke rumgelaufen. Die Handschuhe von Tina kamen auch wieder zum Einsatz. Teilweise hat es mich fast vom Kamm geblasen. Von der Landschaft her war es wieder einmalig schoen, teilweise fast wie ein Pastellgemaelde. Die Bergruecken sind voller Windraeder und wenn man nahe genug dran ist hoert man dieses wsch, wsch, wsch der riesigen Windraeder.
Das Laufen ging heute trotz Wind sehr leicht und um 12.30 war ich schon in Izco wo ich geblieben waere falls mir die 30 km doch zuviel geworden waeren. Habe eine Stunde Pause gemacht und oben bei der Kirche mit Weitsicht die Haelfte meines Bocadillos gegessen. Anschliessend gab es noch einen Kaffee in der Albergue. Sergio war auch noch da, er wollte heute auch bis Monreal.
Der Weg ging fast die ganze Zeit geradeaus und dazu blies staendig der Wind von vorne, dies ging mit der Zeit ganz schoen an die Substanz. Als ich in Monreal ankam habe ich mich zuerst einmal ungeduscht und noch in den Laufklamotten auf das Bett gelegt, so fertig war ich. Musste erst einmal Energie tanken um das abendliche Programm durchzuziehen. Sergio lag auch ganz erschoepft auf dem Bett, heute hat er sich nicht verirrt wie es aussieht. Das Programm sieht eigentlich immer gleich aus, Duschen, Pflege von Koerper und Fuessen und anderen angeschlagenen Stellen, Kleider Waschen, Besorgungen machen, evt. Besichtigung, Bier trinken, Essen kochen oder Essen gehen, Rucksack fuer naechsten Tag bereit machen, frueh schlafen gehen und meistens schlecht schlafen. Schlafe selten gut, eigentlich nur wenn ich ab und zu eine Schlaftablette nehme. Fuehle mich aber am Morgen doch immer gut ausgeruht.
Es ist erst 20.00 Uhr und ich freue mich schon aufs Bett. Werde mir das Einschlafen noch mit Musik von meinem i-Pod versuessen.

Übernachten: Gute Albergue in Monreal, grosse Küche. Tienda für die Pilger welche auch am Sonntag offen hat.











Sangueza, 19.06.2010 (22.5 km)

„Geh langsam, du kommst doch immer wieder nur zu dir selbst“

Heute gibt es nicht viel zu berichten, der Weg war sehr einsam und vor allem ueber lange Strecken durch den Wald. Gruen, gruen, gruen. Es ging zuerst endlos hinauf und dann auf der anderen Seite steil hinunter. Es war bitterkalt und ich hatte mein Hemd, die Fleecejacke sowie die Handschuhe an welche mir Tina geschenkt hat um vom Somport runterzulaufen. Bin bis Undues de Lerda ausser einem Spanier niemandem begegnet. Den Spanier habe ich heute Abend wieder in der Albergue getroffen und er hatte sich verirrt. Ich habe ihn getroffen kurz nachdem ich aus Ruesta raus gelaufen bin und dann nicht mehr. Kam mir irgendwie spanisch vor und ich hatte mir schon gedacht, dass er sich verlaufen hat und ich glaube ich weiss auch wo.
In Undues de Lerda gab es nach 3 Stunden zuerst einmal ein ganz koestliches Bocadillo con Chorizo und zwei Cafe con leche.
Heute habe ich Aragon schweren Herzens hinter mir gelassen, es war so wunderschoen und habe Navarra betreten. Die Landschaft hat sich ziemlich rasch veraendert und der Weg ging auf Pisten vor allem geradeaus. Dazu hat es stark gewindet. Es hat mich total an den Alto del Perdon erinnert da hat es auch so gewindet und vor allem sieht man jetzt wieder alle diese Windraeder auf den Bergruecken.
So ich muss mir jetzt etwas zu essen organisieren es ist naemlich schon 20.00 Uhr. Dies braucht immer so viel Zeit wenn ich mehrere Tage keinen Zugang zum Internet hatte.

Übernachtung: Gute Albergue mit Küche und offenem Schlafraum.











Ruesta, 18.06.2010 (27 km)

„Der eigentliche Sinn der Pilgerschaft ist, sein Herz zu öffnen, und nicht in Santiago anzukommen“

Gestern bin ich noch bis zum Sonnenuntergang am Aussichtspunkt von Arres gesessen. Einfach eine Wahnsinnsaussicht. Die Nacht war eher schrecklich, zusammen mit 10 anderen Pilgern in einem kleinen Raum mit geschlossenen Fenstern und Tuere. Hatte das Gefuehl zu ersticken und irgenwann nachts habe ich dann zumindest die Tuere geoeffnet. Gegen die Schnarcher kann man sich ja mit Ohropax schuetzen aber wenn man keine Luft kriegt kann man nur versuchen irgendwie zu entspannen und zu beten dass die Nacht moeglichst schnell rum geht. Habe diese Nacht auch ziemlich schwer getraeumt, habe im Schlaf geschrien und bin dann ziemlich geraedert aus dem Traum erwacht. Der Deutsche oben an mir hat sich staendig gedreht und gewendet und jedes Mal hatte ich das Gefuehl, dass jetzt gleich das Bett zusammenkracht. Habe mir vorgenommen die naechste Nacht das obere Bett zu nehmen…
Heute Morgen bin ich dann bei wunderschoenem Wetter losgelaufen und ich bin kaum vorwaerts gekommen da ich staendig Fotos machen musste. Harrou ist auch nicht vorwaertsgekommen. Ein spanischer Bauer war ganz erbost, weil er auf sein Land eingedrungen ist um Fotos zu machen.
Es war ziemlich eben heute und ich kam gut voran. Die Strecke war wieder wunderschoen, weiss gar nicht wie ich das beschreiben soll. Meine Stimmung war sehr leicht und um 16.00 Uhr bin ich bereits in Ruesta angekommen. Da habe ich mich zuerst im falschen Albergue einquartiert, wahrscheinich sind hier nur die Gruppen und die Senora hat mich dann aufgeklaert, dass ich alles falsch gemacht habe. Na ja sie ist nicht gerade die herzlichste Hospitalera die mir bisher begegnet ist.
Ruesta erinnert mich etwas an Foncebadon, es ist auch eine Ruienenstadt und ausser der Albergue gibt es hier nichts. Dafuer ist es hier ganz schoen teuer fuer Spanien aber ich muss dieses Mal ja nicht aufs Geld schauen. Der Platz ist zauberhaft und Ruesta ist sehr speziell. Ich mag solche Orte wie Foncebadon eben. Harrou ist auch wieder hier und reinigt hoch konzentriert eine seiner zwei Kameras. Er hat eine Digitalkamer dabei und dann noch eine ziemlich schwere mit Filmen, weiss echt nicht wie er das schafft. Er wiegt 55 kg und schleppt einen Rucksack von 25 kg. Versuche ihn immer wieder zu ermuntern etwas zurueckzulassen. Wir sind die zwei peregrinos individualistas…..

Übernachtung: Super geile Albergue in Ruesta! Hat mir irre gut gefallen hier und dann noch die coole Musik….Kochen kann man hier nicht aber dafür gut essen…;-). Man kann anstatt Frühstück auch ein Picknick mitnehmen am Morgen.


















Arres, 17.06.2010 (ca. 18 km)

„Ich bin dankbar für diesen Weg. Er lehrt mich wieder offener zu sein, aufmerksamer zu hören und zu spüren“

Diese lieben Menschen vom Hotel haben mir das Fruehstueck heute Morgen auf den Tisch gestellt damit ich frueh los konnte. Normalerweise gibt es naemlich erst um 8.30 Fruehstueck und das ist mir zu spaet. Sie haben mir sogar noch extra ein Bocadillo con jamon zum mitnehmen bereitgestellt. Ich haette heulen koennen vor Dankbarkeit, es waere sonst naemlich mal wieder ziemlich knapp geworden mit dem Proviant. Habe dann noch einen Zettel hinterlassen und mich bedankt.
Geregnet hat es heute Gott sei Dank nicht mehr aber es war windig, kalt und alles noch ziemlich nass und aufgeweicht. Der Camino gestaltete sich mal wieder abenteuerlich und ging einmal mehr ein Flussbett hinunter. Teilweise ist man nur mit akrobatischen Einlagen oder Klettertouren weitergekommen. Endlich kam ein breiterer Weg und ich glaubte schon das schlimmste hinter mir zu haben aber leider war dem nicht so. Jetzt kam naemlich ein richtiger Schlammpfad wo vorher eine Herde Schafe daruebergelaufen war. Ich hatte solche Stollen unter den Sohlen, dass ich teilweise fast nicht weiterlaufen konnte und staendig ausgerutscht bin. Habe staendig versucht diesen Lehm von meinen Schuhen zu entfernen aber es war natuerlich hoffnungslos. Ich haette mal wieder auf der Strasse laufen sollen. Weiss nicht warum ich immer so eine Abneigung gegen asphaltierte Strassen habe….
Hatte gehofft in Sta. Cilia da Jaca einen Kaffee zu bekommen aber die Bar hatte leider zu.
Irgendwann bekam ich dann so den Koller, fuehlte mich so einsam und verlassen, dass ich bitterlich habe angefangen zu weinen. Die Traenen sind mir nur so heruntergelaufen und die Autos sind an mir vorbeigefahren. Hatte das Gefuehl, dass es niemanden kuemmert wie es mir geht. Meine Familie nicht und meine Freunde auch nicht, die lesen ja nicht einmal meinen Blog. Hatte das Gefuehl von niemandem unterstuezt zu werden und wenn ich gestern in einen Abgrund gestuerzt waere, wen haette es gekuemmert. Da habe ich eine Stimme in mir gehoert und die hat gesagt „mich kuemmerts“ und in dem Moment bin ich durch einen Wald gekommen und da standen ganz viele kleine Steinmännchen welche Pilger hinterlassen hatten. Soviele habe ich glaube ich nicht einmal auf dem Camino Frances gesehen, da gibt es ja auch so eine Stelle. Mitten im Weg war ein riesiges Herz aus Steinen und daneben stand Harrou und war am fotografieren. Da stand ich nun voellig verheult, mitten in diesen Steinmännchen und total gluecklich diesem, mir doch eigentlich voellig fremden Japanaer, zu begegnen. Ich dachte wenn mich in diesem Moment jemand verstehen kann dann ist es er, er der den gleichen Camino duro gemacht hat gestern wie ich. Es hat so gut getan ihn zu treffen und mich mit ihm zu unterhalten. Er hat mich dann gefragt, ob er mich fotografieren duerfe und da war ich schon wieder am Strahlen. Die ganze Traurigkeit und das heulende Elend waren wie weggeblasen. Diese kleine Begegnung hat gereicht, um meinen Tag zu retten und ich bin dann wie ein Schmetterling weitergelaufen.
Es ist wirklich so auf diesem Weg, man kriegt immer genau das wo man braucht und es kommt immer voellig unerwartet.
Habe heute nur 17 km gemacht sozusagen ein Ruhetag und bin in der Albergue von Arres untergekommen. Dieser Ort hier hat eine tolle Athmosphaere und eine grandiose Aussicht.
So jetzt gibt es dann bald zu essen, Harrou ist auch hier, er wollte auch keine 20 km mehr laufen. Die 2 Damen in San Juan de la Pena haben ihn uebrigens mit dem Auto mitgenommen als ihre Schicht an der Kasse vorbei war. Tia, haette vielleicht doch noch etwas laenger warten sollen aber dann haette ich das tolle Hotel in Santa Cruz verpasst, die lieben Menschen und die tolle Aussicht.

Übernachtung: Tolle Albergue donativo mit gemeinsamem Abendessen, nicht verpassen! Und dann diese Aussicht von Arres…;-), Wahnsinn!!! Einziger Wermutstropfen war, dass ich in der Nacht fast keine Luft bekam weil das Fenster und die Tür zu war. Aber man kann halt nicht alles haben.














Santa Cruz de la Seros, 16.06.2010 (ca. 30 km)

„Auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man ein schönes Muster legen“

Dieser Tag geht unter die Rubrik knapp ueberlebt. Nachdem ich schon halb tot in Jaca angekommen bin haette ich es heute eigentlich etwas ruhiger nehmen sollen. Gut wusste ich am Morgen noch nicht was mich erwartet. Hatte mich am Abend vorher im Touristoffice ueber den Weg nach San Juan de la Pena informiert aber die waren nicht gerade hilfreich. Der Senor meinte ich solle der Strasse entlang gehen, es gaebe zwar einen Weg aber der sei bei diesem Wetter nicht zu empfehlen. Den letzten Satz hatte ich irgendwie ueberhoert…
Ich bin dann um 7.30 los und hatte beschlossen, falls Gott will dass ich diesen Weg gehe er mir einen Weg zeigen wuerde. Ja und dann stand ich ploetzlich an der Abzweigung zum Kloster. Der Weg ist als Alternative des GR 653 ausgeschildert und gut gekennzeichnet. Am Schild stand 3.5 Std. und „schwer zu gehen“. Es war gerade 9.00 Uhr und ich beschloss, dass ich das locker schaffe. Der Weg sah von Anfang an etwas abenteuerlich aus wie ein Flussbett dass man hinauflief. Sehr steinig und sehr anstrengend. Hatte schon begonnen meine Entscheidung anzuweifeln und mir ueberlegt ob es wohl nicht besser waere umzukehren aber so schnell gebe ich nicht auf. Habe mich weiter muehsam hoch geschleppt und ploetzlich stand ich oben auf einem Plateau und hatte eine wunderbare Aussicht. Kein Gedanke mehr daran umzukehren. Nun wurde es richtig schoen, nein einfach traumhaft mit Worten gar nicht zu beschreiben. Dann ging es auf der anderen Seite wieder hinunter und ich musste eine Felswand runterrutschen. Habe noch gedacht na hoffentlich muss ich nicht umkehren, habe nämlich meine Bergsteiger-Ausrüstung nicht dabei..
In Attares war ich schneller als ich gedacht hatte und von da aus haetten es dann noch 1.5 Std. sein sollen. Na ich habe mich ja sowas von getaeuscht die 3.5 Std. sollten sich noch endlos in die Laenge ziehen. Von Attares ging es dann bald ziemlich steil und endlos den Berg hinauf. Also wenn ich gewusst haette worauf ich mich einlasse haette ich San Juan de la Pena wohl schweren Herzens links liegen lassen. Als ich total erschoepft oben ankam habe ich zuerst einmal Pause gemacht, die schoene Aussicht genossen und ein paar SMS verschickt. Ich war bester Stimmung und glaubte zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Kloster zu sein.
Ich hatte beschlossen, dass dies ein Tag der Belohnungen werden sollte. Die erste Belohnung war die schoene Aussicht nach dem Aufstieg, die zweite der wunderschoene Weg, die dritte das alte Kloster und die vierte vielleicht eine Uebernachtung in einem tollen Hotel.
Zunaechst musste ich aber noch endlos lang durch den Wald, ueber Baeume klettern welche alle paar Meter im Weg lagen und Baeche ueberqueren. Hatte langsam das Gefuehl, dass das Kloster sich vor mir versteckt. Irgendwann kam dann eine Abzweigung und dann musste ich mich zwischen neuem und altem Kloster entscheiden. Hatte keine Ahnung welchen Weg ich nehmen soll und habe mich fuer das neue entschieden, da das alte wie es aussah auf dem Rueckweg lag. An diesem Punkt fand ich es gar nicht mehr lustig und ich hatte langsam das Gefuehl verarscht zu werden auf diesem Weg. Ich haette laut herausschreien koennen und zu allem Elend fing es jetzt auch noch an zu regnen. Wahrscheinlich war ich an diesem bloeden Kloster schon lange vorbeigelaufen.
Dann kam schon die naechste Verzweigung und ich musste mich zwischen 4 Richtungen entscheiden und auf allen stand San sowieso und San anderswo. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass ich ohne Karten unterwegs bin und nur den Miam Miam Do Do bei mir habe, dies nur falls sich jemand wundern sollte, dass ich so schlecht informiert bin. Ich bin dann einfach geradeaus gelaufen und war ziemlich wuetend und am Punkt alles hinzuschmeissen und aufzugeben. Dann kam ich ploetzlich auf eine Lichtung und ja genau da stand das neue Kloster.
Da standen ein paar Touristen und die haben mich angelotzt wie wenn ich von einem anderen Stern kommen wuerde. Es war nun bereits 15.30 und die 3.5 Std. haben sich gut und gerne 6.5 Std. in die Laenge gezogen.
Ich bin dann zuerst einmal in die Bar und habe einen Kaffee getrunken und ein Bocadillo gegessen. Das neue Kloster besteht vor allem aus einem Museum und das habe ich mir dann angeschaut. Man erfaehrt viel ueber die Geschichte und die Lebensweise der Moenche. Es war ganz interessant. Ich war kaum im Museum hat es wie aus Kuebeln angefangen zu regnen und ich durfte in diesem Moment nicht daran denken, dass ich ja noch den Berg runterlaufen muss. In San Juan de la Pena gibt es ja leider keine Albergue fuer die Peregrinos.
Da war noch eine Ausstellung im Gebaeude daneben und dafuer musste man rausgehen. Habe mir angeschaut von was die Moenche so gelebt haben und was fuer Handwerk sie betrieben haben. Anschliessend wollte ich wieder ins andere Gebauede aber die Tueren waren verschlossen und ich stand im stroemenden Regen. Wenn ihr mein Gesicht gesehen haettet wuesstet ihr was Verzweiflung ist. Es ist ja nicht so, dass gerade Massen von Touristen im Museum waren. Ich habe ziemlich verzweifelt an die Glastueren gehaemmert bis mir ein Spanier die Tuer geoeffnet hat. Er hat mich ziemlich entgeistert angestarrt aber das war mir in diesem Moment voellig egal, war nur froh wieder im Trockenen zu sein. Hatte dann beschlossen, dass das genug war im Museum und ich bin mit dem kleinen Bus 1.5 km runter zum alten Kloster gefahren.
Das alte Kloster ist wirklich sehr schoen und sehenswert, den Rest kann man sich eigentlich schenken (ausser dem Kaffee und dem Bocadillo). Haette mich gerne laenger in dem Kloster aufgehalten aber es war sehr kalt und goss immer noch in Stroemen. Als ich im Kreuzgang stand und auf die Strasse runterschaute sah ich Harrou kommen den japanischen Pilger. Ich haette mir eigentlich denken koennen, dass nur er genauso verrueckt ist wie ich um zu diesem Kloster herzulaufen. Mann habe ich mich gefreut ihn zu sehen, einen Leidensgenossen.
So um 18.00 habe ich dann beschlossen, dass ich nicht weiter warten kann damit der Regen aufhoert, ich musste langsam runter laufen. Habe mich dann missmutig in meine Regenausruestung gestuerzt und mich mit einem grimmigen „singing in the rain“ auf den Weg gemacht. Die Senora hat gemeint auf dem Camino seien es nur noch 4 km bis zum naechsten Ort und nicht 7 wie auf der Strasse. Zunaechst ging es schoen durch den Wald aber dann ging es wieder steil irgendwelche Bachbette hinunter und jetzt waren sie nicht mehr ausgetrocknet. Ich weiss nicht welchen Wahnsinn mich geritten hat diesen Weg zu nehmen und nicht die Strasse runterzulaufen. Ich muss wohl alle meine Schutzengel auf den Plan gerufen haben und sie waren 100% beschaeftigt. Es war steil und es hatte richtige Abgruende aber irgendwie bin ich heil und sicher runtergekommen. Um 19.30 war ich endlich im Hotel, eine Albergue gab es ja hier nicht und irgendwie hatte ich mir diesen schoenen Ort schwer verdient heute. Schliesslich war es immer noch der Tag der Belohnungen. Das Hotel ist wunderschoen und die Leute hier sind sehr nett. Zudem hat das Zimmer eine tolle Aussicht zur antiken Kirche. Konnte das Zimmer sogar heizen und meine Kleider waschen und trocknen. Die Wanderschuhe habe ich auch noch gleich auf die Heizung gestellt aber man muss aufpassen sonst zieht es einem die Sohlen zusammen….
Um 20.30 habe ich dann einen Teller Spaghetti zur Vorspeise verdrueckt und anschliessend gleich noch Huhn mit Patatas fritas. Ich hatte so einen Hunger ich haette eine ganze Kuh essen koennen. Dazu noch Vino tinto und meine kleine Pilgerwelt war schon wieder ganz in Ordnung.
Ich bin an diesem Tag ziemlich an meine Grenzen gekommen und teilweise war es auch ganz schoen gefaehrlich aber meine Schutzengel haben mich den ganzen Tag ueber gut beschuetzt und ich fuehlte mich gluecklich und dankbar in diesem Hotel zu sein. Habe dann auch noch Harrou in mein Gebet eingeschlossen und hoffe, dass er intelligenter war wie ich und die Strasse genommen hat.

Übernachten: In Santa Cruz de la Seros gibt es keine Albergue aber die Hosteleria Santa Cruz. Dieses Hotel mit der wunderschönen Aussicht hat mich gerettet an diesem Abend, wäre keinen Meter weitergekommen.