Anoye, 08.06.2010 (23 km)

„Geh, wohin dein Herz dich trägt“

Mein Abendessen mit meinen Gastgebern war ganz lustig wenn man einfach alle Vorurteile wie etwas zu sein hat auf der Seite laesst. Als ich runterkam lief der Fernseher und Monsieur guckte gerade eine Ratesendung mit einer richtigen Blondine sowie man sich das vorstellt. Alle Blondinen mögen mir diese Bemerkung verzeihen. Clothilde sein Frau machte immer irgendwelche giftigen Bemerkungen und ich habe einfach entspannt und die Show im Fernsehen genossen. Es gab Butternudeln und Ente, Tomatensalat und zum Schluss noch ein riesiges Stueck Kuchen. Ich bin fast geplatzt, war wohl keine gute Idee vor dem Essen noch was zu essen.
Bin dann mit vollem Bauch ins Bett und habe mir erneut einen Vortrag von Eckhart Tolle angehoert. Wohl meine letzte, denn ich habe ja kein Ladekabel für meinen i-Pod. Irgendwann werde ich einen Pilger mit Ladekabel treffen..;-). Vorsichtshalber habe ich eine Schlaftablette genommen und mir Oropax in die Ohren gestossen, den der Gite lag direkt an einer stark befahrenen Strasse.
Morgens bin ich dann frueh los und vom Weg gibt es eigentlich nicht viel zu berichten ausser dass es viel rauf und runter ging und die Strecke sehr schoen war. Habe von weitem 2 Pilger gesehen und sie dann auch getroffen, da sie umgekehrt sind da sie meinten auf dem falschen Weg zu sein. Aber es war alles richtig und so sind wir ein Stueck zusammengelaufen bis ich mich habe zurueckfallen lassen da sie ein viel schnelleres Tempo drauf hatten wie ich. Habe dann gemeint, dass sie nicht auf mich warten sollen. War mir eigentlich sicher sie abends im Gite von Anoye zu treffen aber da waren sie nicht. Sind wohl bis Morlaas durchgelaufen. Schlappe 41 km. Wuerde ich nur machen wenn ich absolut keine andere Wahl haette und ich wuerde wohl auf allen vieren ankommen wenn ueberhaupt. Heute waren es 23 km und das reicht mir voll und ganz. War nicht mal so fertig abends und das heisst, dass ich jetzt eingelaufen bin und ich durchschnittlich 25 km laufen kann pro Tag. Das sind doch gute Nachrichten. Die Etappenlaenge haengt aber auch von den Herbergen ab und von denen hat es auf der Via Tolosana nicht so viele. Man muss entweder sehr lange Etappen machen oder eben kurze.
Zweimal war es so richtig sumpfig und ich musste aufpassen nicht auszurutschen aber verglichen mit der Etappe nach Lectoure 2008 konnte mich dies nicht wirklich erschuettern.
In Anoye war ich zuerst im Gite communal und der war total leer. Hatte keine Lust da zu bleiben vor allem auch weil ich wusste, dass es noch einen anderen Gite gibt in einem wunderschoenen Landhaus. Bin richtig froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe und bei Monsieur Cahuzacan gelandet bin. Dies war mal wieder das absolute Highlight auf meinem bisherigen Weg. Ein wunderschoenes, grosses Landhaus mit weiss nicht wie vielen Hektaren Land, wunderschoenem Garten und einem separaten Gite denn ich ganz fuer mich alleine hatte. Richtig tolle Atmosphaere. Mein Gastgeber hat mir gleich mal 2 Bier ruebergebracht und ich fuehlte mich vom ersten Moment an richtig gut aufgehoben. Das Abendessen war hervorragend und dazu habe ich mich auch noch gut mit dem Monsieur unterhalten. Er hat ein Pferd mit welchem er noch ausgeritten ist vor dem Abendessen, 2 Esel (in den einen habe ich mich gleich verknallt und beschlossen das naechste Mal mit einem Esel nach Santiago zu wandern), 3 Hunde und scheinbar auch eine Ehefrau aber die habe ich nicht gesehen. Ich habe aber die Vermutung, dass sie das wunderbare Essen gekocht hat denn ich habe ihn immer mal wieder mit jemandem sprechen hoeren. Vielleicht hatte sie keine Lust auf Kontakt mit Pilgern. Dafuer hat sich der Monsieur ganz toll um mich gekuemmert. Sollte jemand von euch je hier durchkommen, leistet auch die 29 Euro und geht zu Monsieur Cahuzac. Es lohnt sich auf jeden Fall und ist gut fuer die Pilgerseele.
Nach dem Essen fing es an zu regnen und ich habe mich ins grosse Doppelbett gekuschelt, Tagebuch geschrieben und meine Sachen fuer den naechsten Tag vorbereitet. Dann habe ich noch dem Regen gelauscht und bin rundum gluecklich und zufrieden eingeschlafen.

Übernachtung: Dies ist wohl mein Highlight von meiner diesjährigen Pilgerwanderung: Der private Gîte von Mr. Cahuzac „La Collinière“. Das erste Haus (blau) wenn man in Anoye reinkommt. Hier kann man die Pilgerseele baumeln lassen…;-).






Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s