16.10.2021 Pforzheim – 25 km

Und ich habe gemeint, heute sei ein einfacher Tag. Geht ja nur noch runter nach Pforzheim aber dem war nicht so. Auch dieser Tag wollte noch erlaufen werden von Anfang bis Ende.

Die Pension Heidi in Dobel war richtig toll. Sehr herzlich und einladend. Es hatte in jedem Stock einen Kühlschrank wo man rausnehmen konnte was man wollte. Man schrieb es dann auf ein vorgefertigtes Blatt Papier und gab es am Morgen ab.

Gestern Abend war meine Notration fällig: Cous Cous mit Gemüse. Frau Grampart gab mir auch noch eine Tomate, eine Paprika und Petersilie. Das einzige Restaurant, dass in Dobel offen hatte, hatte heute Ruhetag und ich war zu müde um mit dem Bus irgendwohin zu fahren.

Ich genoss es Zeit zu haben und in Ruhe mein Bier zu trinken. Im Zimmer fand ich auch noch Erdnüsse also alles perfekt. Um 19.30 ging ich dann runter und machte meinen Cous Cous. Es war völlig ausreichend und vor allem um einiges verträglicher als die Käsespätzle.

Heute Morgen bin ich wieder um 8.45h los. Dies scheint meine Zeit zu sein wenn es um 8.00h Frühstück gibt und das ist fast überall so. Ausser im Wiedener Eck konnte man bereits um 7.30h frühstücken. Wenn die Etappen lang sind wär es natürlich hilfreich wenn man früher los könnte. Das ist der Vorteil wenn man mit dem Zelt unterwegs ist, man kann los wann man will.

Volzemer Steine kurz nach Dobel

Als ich los bin lag auf den Feldern noch Nebel. Ich liebe das, es gibt einfach eine tolle Stimmung!

Morgenstimmung

Ich bin bei einer Pferderanch vorbeigekommen und die Pferde hier sind total Süss und kleiner als normale Pferde. Vielleicht waren es auch Ponys…

Eher ein Pony oder?

Nach Dobel ging es gleich in den Wald. Dort hat man einen Engelspfad angelegt mit Bildern und Sprüchen von verschiedenen Menschen wie z. B. Herman Hesse. Ich kam auch an einem Totem vorbei und 2 Bildern von Schutzengeln. Passte irgendwie zu diesem Wald. Ja und Schutzengel hatte ich auch auf diesem Wege wieder zur Genüge🙏.

Das Totem am Engelspfad
Die Schutzengel Geborgen und Beschützt

Beim Dreimarkstein kam ich zur Rudolfshütte mit dem grünen Dach. Ich machte nur eine kurz Pause da ich noch keinen Hunger verspürte.

Die Rudolshütte
und die Aussicht dazu…

Bei der Schwanner Warte merkte man, dass man immer mehr zurück in die Zivilisation kam. Das Pinkeln wurde wieder schwieriger weil es ständig Spaziergänger, Jogger und Hundespaziergänger gab😂. Auch verlief der Weg nun oft am Waldrand anstatt mitten durch.

Die kleine Stadt Neuenbürg mit seinem Schloss war dermassen anstrengend, dass ich mich im Schlosshof im Restaurant mit einer Kürbissuppe stärken musste. Zuerst ging es auf der einen Seite extrem runter und dann auf der anderen Seite über ein unangenehmes Kopfsteinpflaster und Treppen wieder steil hinauf. Die Suppe hatte ich mir schwer verdient.

Hier gönnte ich mir eine Kürbissuppe

Es kam ein langer eintöniger Weg dem Fluss Enz entlang. So richtig Naherholungsgebiet mit vielen Montainbikern. Meine Motivation sank in den Keller und plötzlich hatte ich keine Energie mehr. Ich realisierte, dass keine Energie nur ein Gedanke ist an den ich glaube und deshalb hatte ich auch keine mehr. Ich beschloss den Gedanken zu ignorieren und siehe da es lief wieder wie geschmiert. Wir müssen nicht alles glauben was unser Kopf uns sagt.

Nichtsdestotrotz war es eine lange und anstrengende Etappe. Meine Füsse schmerzten von den vielen Schotterwegen und von den mehr und mehr asphaltierten Wegen. Meinen Knöchel hatte ich heute mit einer zusätzlichen Socke gut im Griff, ganz ohne Ibuprofen.

Das letzte Stück Weg zum Kupferhammer

Ab Dillweissenstein ging es nochmals über viele, viele Treppen hinauf. Ich konnte es nicht fassen, dass die mich jetzt noch diesen Berg hochjagten wo man doch einfach entlang der Enz hätte laufen können. Als ich oben war musste ich aber zugeben, dass es ein sehr schöner Weg war. Zuerst ging es an Schrebergärten vorbei und dann ging es nochmals so richtig in den Wald. Der Aufstieg hatte sich wirklich gelohnt.

Das ist ein Ahorn mit blühendem Efeu! Habe ich so noch nie gesehen.

Es kam das letzte Stück bis Kupferhammer, dies ist das offizielle Ende oder der Anfang vom Westweg. Dort kommt man dann zur goldenen Pforte, wo das letzte oder erste Westweg-Tor steht. Ich war richtig happy es geschafft zu haben. Leider war niemand da der ein Foto von mir hätte machen können aber ich habe ein Selfie gemacht. Zugegebenermassen bin ich nicht sehr gut darin.

Die goldene Pforte von Pforzheim
I did it👍👍👍!

Ich nahm dann den Bus bis zum Hauptbahnhof wo ich mir ein Zimmer reserviert hatte weil ich keine Lust hatte noch am gleichen Abend nach Hause zu fahren. Die Gegend hier am Bahnhof ist etwas zwielichtig es hängen komische Gestalten hier rum. Das Hotel riecht auch total verraucht in den Gängen aber Gottseidank mein Zimmer nicht. Ich hätte mir was besseres gewünscht für meinen letzten Abend aber jetzt ist es halt so. Dafür ist der Hauptbahnhof genau gegenüber und frühstücken kann man bereits ab 7.00h. Anschliessend nehme ich dann gleich den Zug nach Basel.

15.10.2021 Dobel – 27 km

Heute war vor allem eines: lang. Die Etappe ist mit 26.5 km ausgeschrieben. Mein Schrittzähler sagt 29.8 km. Und so füllt es sich auch an. War ich gestern in einem Natur- und Fotorausch, hieß es heute vor allem durchhalten. Außer dem ersten Anstieg auf den Latschigfelsen, war die Etappe auch nicht besonders schwer. Es ging Kilometerlang auf Forst- und Schotterwegen. Etwas schwierig für die Motivation aber Gottseidank kamen immer wieder kleine Waldabschnitte, schöne Aussichten, merkwürdige Steine, viele Hütten und Hochsitze die sehr schön waren. Ansonsten lasse ich heute die Fotos für mich sprechen. Bin zu müde für viele Worte😴.

Die alte Holzbrücke von Forbach
Blick zurück auf Forbach
Natürlich hat auch Forbach seinWestweg-Tor
Da hat es noch ein funktionierendes Wasserrad
Die kleinen Hütten wurden früher als Heuspeicher genutzt
Aussicht vom Latschigfelsen
Wasser Lilien
Erste Pause bei der Draberg Hütte
Kaiser-Wilhelm-Turm auf der Hohloh
Hohlohsee
Hohlohsee und Hochmoor
Mein Badezimmer-Teppich😂
Die Kreuzlehütte
Ein fahrbarer Hochstand😉
Hochstand mit Tarnmantel
Ein verwachsener Weg
Die Schweizer Hütte
Aussicht von der Schweizer Hütte
Beeindruckender Stein, evt. keltischen Ursprungs?
Die Steine sind besonders oder?
Noch einer…
Vermooste Hütte kurz vor Dobel
Traumhafter Waldweg vor Dobel
Jedes Land welches in der EU ist oder wahr hat eine Bank in ihren Farben
Einfach schön
Natürlich hat Dobel auch sein Tor

14.10.2021 Forbach – 22 km

Heute war ein wunderschöner Tag. Richtig schönes Herbstwetter. Wenn auch sehr kalt zu Beginn nämlich 2 Grad. Brrrrrrr🥶.

Morgenstimmung beim Ochsenstall

Als ich den Ochsenstall verließ war im Zwischenraum ein Vogel eingesperrt, er flog immer wieder gegen die Scheibe wo das Licht von der Sonne herkam. Ich ging dann nochmals rein und informierte den Chef. Er kam dann raus und fixierte die Aussentüre. Schwupp und schon war der kleine Vogel wieder in der Freiheit.

Alles fast zugewachsen

Es begann für mich mit einem Abstieg nach Unterstmatt. Der Weg war sehr schön einfach bezaubernd. Wenn ich heute Mühe hatte vorwärts zu kommen, lag es nicht an irgendwelchen Schmerzen sondern an der Schönheit der Natur.

Kunst in der Natur

Ich hatte mir heute Morgen mit einer Kompresse ein Druckstellenpflaster gebastelt aber bereits beim Aufstieg zum Hochkopf musste ich es wieder entfernen. Es machte das Ganze nur noch schlimmer. Ich nahm dann ein Ibuprofen und das war’s dann auch. Der Knöchel gab Ruhe. Auf jeden Fall solange ich den Fuß gerade absetzte.

Schöne Aussicht

Auf dem Hochkopf machte ich meine erste kleine Pause. Ich genoss die Sonne und die Aussicht auf die Hornisgrinde. Jetzt bei schönem Wetter. Die Vegetation war die einer Bergheide, man nennt das hier Grinden.

Nach der Kälte ein Sonnenbad
Auf dem Hochkopf mit Hornisgrinde im Hintergrund

Das größte Highlight heute war aber die Badener Höhe. Hier haben 1990 die Stürme Vivian und Wiebke bereits großen Schaden angerichtet. Aber erst der Orkan Lothar 1999 vernichtete die Föhrenwälder fast komplett auf der Badener Höhe. Jetzt wächst hier seit über 20 Jahren ein neuer junger Wald. Man wollte wieder mehr auf Mischkulturen setzen und pflanzte Föhren, Kiefern, Tannen, Birken und Buchen.

Der Friedrichsturm auf der Badener Höhe

Es ist eine sehr spezielle Landschaft. Man sieht immer noch die toten Föhren. Ein paar stehen noch, viele liegen am Boden. Manchmal sieht man nur das Skelett der Wurzeln oder nur einen Stamm. Und was mich am meisten freute war der neue Wald dazwischen. Es ist wie wenn das Alte weichen musste um dem Neuen Platz zu machen. Ich glaube inzwischen wissen wir nur all zu gut, dass Monokulturen nicht gut sind. Im Schwarzwald gab es früher viele Föhrenwälder aber jetzt sieht man immer mehr Mischkulturen. Es bringt auch mehr Licht in den Wald und der Boden wird auch begrünt mit Büschen, Farn und Moos.

Badener Höhe

Ich bin heute total begeistert durch diese Landschaft gelaufen und musste immer wieder fotografieren. Ich weiß auch nicht warum dieser Wald hier so eine Faszination auf mich ausübt.

Alt und Neu

Dann kam ich zur Schwarzenbachtalsperre, was einfach ein Stausee war. Dort machte ich Pause auf einer Bank in der Sonne. Es war einfach nur göttlich. Ich liebe es im Herbst wenn man einfach in der Sonne sitzen kann ohne Angst haben zu müssen, dass man sich verbrennt oder zu heiss hat.

Die Schwarzenbachtalsperre

Von da an ging es dann nur noch runter nach Forbach. Nicht so steil wie der Abstieg nach Hausach aber trotzdem nahrhaft. Um 17.00 war ich im Hotel am Mühlbach, das Hotel kann ich wirklich wärmstens empfehlen. Ich benutze immer Google Maps und die Navigation um meinen Übernachtungsort zu finden und das klappt einwandfrei.

Zauberwald

Im Hotel haben sie heute nicht gekocht und deshalb haben sie für mich im Hotel Adler einen Tisch reserviert. Ich wollte mal die Käsespätzle probieren. Ich habe ca. ein Drittel des Tellers geschafft😵‍💫. Weiß nicht, wie ein normaler Mensch so eine Portion essen kann. Da hat es ja eine Tonne Käse drin. Habe kapituliert sogar nach 22 km Fußmarsch!

Forbach

13.10.2021 Unterstmatt – 22 km

Heute stand alles irgendwie unter Lothar, der Sturm der am 26,12.1999 über Teile Europas hinweggebraust ist und hier im Schwarzwald mit ca. 200km/h rüber gefegt ist. Man hat hier extra einen Weg angelegt und genau dort bin ich heute Morgen gestartet. Am Lotharpfad. Aber vorher muss ich euch noch erzählen wie es mir im Schwarzwaldhof Kniebis ergangen ist.

Aussicht vom Panoramaweg

Als ich ins Bett bin letzte Nacht habe ich noch etwas Musik gehört und als ich schlafen wollte habe ich die Kopfhörer oberhalb des Bettes auf ein Brett gelegt. Oder ich wollte sie da hinlegen aber ganz hinten war ein Spalt an der Wand und dann sind sie durch den Spalt gefallen. Oh nein meine Kopfhörer! Ich bin dann nochmals aufgestanden und habe versucht sie unter dem Bett zu finden. Wie gesagt die Einrichtung ist ziemlich veraltet und irgendwie waren die Möbel wie aus einem Stück😱. Es gab kein unter dem Bett da war einfach ein Brett! Irgendwie ist bei meinen Versuchen die Kopfhörer wieder zu finden noch etwas runtergefallen aber ich wusste nicht was. Ich habe es dann aufgegeben und habe mich schlafen gelegt.

Grenzstein mit Wappen

Am nächsten Morgen habe ich nochmals überlegt wie ich an die Kopfhörer kommen könnte, habe dann aber beschlossen mir einfach neue zu kaufen. Ich habe meine Sachen eingepackt. Wo ist meine Brille??? Dann ist mir bewusst geworden, dass das zweite das heruntergefallen war meine Brille gewesen ist. Jetzt waren meine Alarmlampen auf dunkelrot, denn ohne meine Brille bin ich ein blindes Huhn! Nicht mit mir! In einem Anfall von Energie habe ich das ganze Zimmer auseinander genommen. Zuerst habe ich das Brett entfernt, welches oben drauf lag, es war sauschwer. Dann habe ich das eine Möbel rausgezogen und hoffte so Zugang hinter das Bett zu kriegen. Das klappte auch und ich ertastete meine Brille und meine Kopfhörer💪💪💪. Und sonst noch ein paar Kleinigkeiten, ich war glaube ich nicht die erste der das passiert ist. Dann musste ich alles wieder so hinstellen wie es war. Das Brett war wirklich sauschwer. Als ich um 8.00 zum Frühstück ging war ich völlig Ko und gleichzeitig erleichtert meine verlorenen Dinge wieder zu haben. Wenn der Herr des Hauses wüsste, dass ich gerade das Zimmer auseinander genommen habe. Ich fragte ihn nach einem richtigen Messer um die Brötchen zu schneiden,Ich glaube er hatte Angst vor mir. Es ist mir wirklich ein Rätsel wie man mit einem Buttermesser ein Brötchen halbieren soll. Der Tochter musste ich übrigens noch ganz genau sagen was und wieviel ich frühstücken wolle. Wie wenn ich das im Voraus so genau wüsste. Irgendwie war ich froh, aus diesem merkwürdigen Hotel verschwinden zu können.

Mein Irrweg durch das Gras

Ich habe 6.5 km des Weges übersprungen und bin zwei Stationen mit dem Bus bis zum Lotharpfad gefahren. 28 km waren mir einfach zu viel und zu anstrengend. Ich hatte Mühe den Einstieg zu finden am heutigen Tag. Zuallererst habe ich den falschen Weg genommen weil es nicht klar gekennzeichnet war. Ich landete auf einem Pfad voller Gräser und ich dachte noch ich sollte die Regenhose anziehen. Was ich dann aber nicht tat und in kürzester Zeit war ich völlig durchnässt. Ehrlich gesagt hatte ich Mühe positiv zu bleiben. Ich sah, dass der Weg später wieder mit dem Westweg zusammenkommen würde deshalb kehrte ich nicht um.

Blick auf die Hornisgrinde

Als ich wieder auf dem Westweg war hatte ich das Panorama vom Panoramaweg leider zum grössten Teil verpasst. Sei’s drum! Habe ich schon erwähnt, dass schönes Wetter war? Es ging dann auf den Schliffkopf und da wurde das Wetter wieder schlechter. Von der Landschaft her war es aber sehr schön wie in der Heide.

Auf dem Schliffkopf

Leider fing meine Druckstelle am linken Knöchel wieder an zu Schmerzen. Ich weiß jetzt auch warum ich dieses Problem nicht kenne. Ich bin die letzten Jahre nur mit normal hohen Schuhen gelaufen, keine Wanderschuhe sondern Trail Runner. Ich habe eine zweite Socke als Druckstellenpflaster verwendet, dass hat etwas geholfen aber schlussendlich musste ich Ibuprofen nehmen. Nach dem Ibuprofen ging es für ein paar Stunden besser. Es war ein schwieriger Tag heute vor allem der Morgen.

West Tor beim Mummelsee

Ich kam dann zur Darmstädter Hütte wo ich mir eine Erbsensuppe und ein Radler gönnte. Bier soll ja sehr gut für die Muskeln sein😉. Leider habe ich kein Foto gemacht von der Hütte, die war wirklich sehr schön mit den rot/weißen Fensterläden.

Oben auf der Hornisgrinde

Anschließend ging es einen steinigen, nassen, teilweise sehr schlammigen Weg hinauf auf eine Anhöhe wo man zur Erinnerung an den Sturm Lothar ein großes Stück Land so belassen hat wie der Sturm es zurückgelassen hat. Das war sehr beeindruckend, die Wucht des Sturmes zu sehen und was für Schäden er angerichtet hat. Die Bäume lagen teilweise kreuz und quer und ich musste mir einen Weg hindurch bahnen. Auch über Bäume klettern. Es ist wie ein riesiger Friedhof eines früher hier existierenden Waldes.

Lothar hinterlässt ein Schlachtfeld
Gespenstisch
Eine kleine Tanne ist gewachsen

Den Berg runter war der Weg miserabel beschriftet und ich war nicht sicher auf dem richtigen Weg zu sein. Vor mir sah ich aber die Hornisgrinde, ein Berg von 1162m den ich noch hochklettern musste, und so wusste ich, dass die Richtung stimmte.

Lebendiger Wald

Es ging dann noch am touristischen Mummelsee vorbei hoch zur Hornisgrinde. Mein Knöchel fing jetzt wieder an zu Schmerzen und ich nahm nochmals ein Ibuprofen, Vitamin I wie die Amerikaner sagen. Auf dem Berg fing es dann an zu regnen und es wurde richtig ungemütlich. Ich glaubte sogar Schnee zu sehen oder besser Schneeregen. Zum Ochsenstall, wo ich heute übernachte, war es aber nicht mehr weit und ich lief zügig runter. Die 1.5 km von der Hornisgrinde kamen mir aber sehr lange vor und ich hatte bereits Angst, daran vorbeigelaufen zu sein. Aber es war alles gut und um 16.30 war ich im Ochsenstall. Dies ist ein Wander und Ski Heim mit Massenlagern aber ich habe ein Zimmer ganz für mich alleine😉. Es ist aber saukalt hier 4 Grad Celsius und meine Heizung läuft auf Hochtouren. Erst nach dem Abendessen wurde mir wirklich warm.

Blick auf den Mummelsee von der Hornisgrinde

12.10.2021 Kniebis – 20 km

Heute Morgen um 9.00 hat mich Hr. Kempf wieder zurück zur Hark gefahren. Es war ziemlich neblig. Mir kamen zwei Wanderer entgegen mit Regenschirm. Ist jetzt aber etwas übertrieben habe ich gedacht. Aber dann hat es gleich angefangen zu regnen! Ich habe mich unter eine Tanne gestellt und die Regenhose und Hut angezogen sowie den Regenschutz über meinen Rucksack gestülpt. Dann war ich startklar. Es ging durch den Wald und war mystisch schön. Irgendwie mag ich Nebel vor allem im Wald.

Die drei Stühle auf der Hark im Nebel

Bald schon hörte ich wieder die Kreissägen und hoffte noch daran vorbeizukommen aber als ich um die Ecke kam sah ich die Wegweiser und die zeigten genau auf den Westweg der gesperrt war. Ach nein ich wollte mich bereits aufregen, da sagte meine innere Stimme: “Vertraue einfach, es gibt immer eine Lösung“. Gut, dieses Mal gab es aber keinen Parallelweg und ich versuchte mich im Wald entlang des Weges durchzuschlagen. Dann kam mir ein Waldarbeiter mit dem Traktor entgegen und zog Baumstämme hinterher. Der Westweg war komplett zerfurcht. Er sah mich im Wald und hielt an. Er stieg aus und kam zu mir herüber. Ich dachte schon er will mir sagen, dass ich hier nicht durch darf aber nein er kam um mir den Weg zurück zum Westweg zu zeigen! Er ist vorgegangen und hat mich zu einem anderen Weg gebracht. Dann meinte er ich solle diesem Weg folgen und dann links abbiegen. Dort würde ich dann wieder die Wegweiser sehen. Ich war total gerührt, das war super nett. Meine innere Stimme hatte recht, es gibt immer eine Lösung und die kam in Form eines Waldarbeiters (nennt man die eigentlich Förster?).

Apfel Pause in der Littweger Hütte

Gemäß Wetterbericht hätte es eigentlich besser werden sollen gegen 11.00h aber es blieb einfach neblig. Ich störte mich nicht groß daran. Da es hier auf dem Westweg immer wieder Schutzhütten hat, hat man in regelmässigen Abständen ein Plätzchen wo man sich unterstellen und im Trockenen was essen kann. Da könnten die Franzosen noch so einiges lernen. Eine Schutzhütte sucht man dort vergebens und ein Bänkchen wo man sich hinsetzen kann gibt es kaum. Ich bin schon ein richtiger Schwarzwald-Fan.

Wald und Nebel kommt gut

Ich kam zur Lettstädter-Höhe wo ich um 12.30 meine erste richtige Pause machte. Zufällig stand dort gerade wieder eine offene Hütte. Es roch dort zwar nach Rauchwurst aber ich war einfach glücklich im Trockenen zu sein. Es ging dann über eine Hochebene die traumhaft schön war. Im Sommer muss es hier überall lila sein von den Erika Büschen. Dann hat es ganz viele Farne, die sich aber bereits braun verfärben. Links und rechts vom Weg gibt es Bannwald. Hier lässt man den Wald einfach wieder zu Urwald werden. Es wird nichts geforstet, man überlässt den Wald einfach sich selber. Dies machen sie zu wissenschaftlichen Zwecken. Ein Wald der nicht bewirtschaftet wird ist sehr dunkel aber trotzdem sehr schön. In Washington waren die Wälder oft so, man hat einfach eine Schneise für den PCT hindurch gemacht. So wilde Wälder wie dort gibt es hier wohl nicht. Ganz sicher nicht in der Schweiz🇨🇭.

Einer der Westtor-Bogen

Heute bekam ich plötzlich eine neue Druckstelle und zwar am linken Knöchel. Das hatte ich nun wirklich noch nie. Vor allem nachdem ich bereits über eine Woche unterwegs bin. Bei der Hilda Hütte habe ich versucht es zu Pflastern aber das hat nichts genutzt. Dann hat es angefangen zu brennen. Dies ist meist ein Zeichen, dass die Haut verletzt ist. Ich hatte die Socken in Verdacht und habe sie deshalb gewechselt. Ja und es wurde tatsächlich besser. Meine guten alten “Darn Tough” Socken aus Amerika 🇺🇸 sind einfach besser gepolstert. Wenn man in Amerika ist und diese Socken ein Loch kriegen, kann man in den nächsten Outdoor Store gehen und kriegt gratis ein neues Paar! Nicht schlecht oder? Ich habe dies einmal in Anspruch genommen. Im normalen Gebrauch, also wenn man nicht gerade 5 Monate unterwegs ist, sind sie fast unverwüstlich.

Die Hilda Hütte

So langsam hatte ich genug und wollte ins Trockene. Ich lief fast den ganzen Tag mit den Regenhosen, Mütze, Buff und Handschuhen. Wenn man sich nicht bewegte war es recht kalt.

Die Hochebene auf der Lettstädter-Höhe

Kurz vor der Alexanderschanze bog ich ab nach Kniebis, weil ich da im Schwarzwaldhof ein Zimmer reserviert hatte. Sind dann nochmals 3 km extra. Man findet nicht immer etwas zum Schlafen direkt am Weg. Wie gestern auch nicht. Der Weg nach Kniebis war aber nochmal sehr schön. Ich ging über den Heimat- und Grenzpfad. Mit Grenze ist hier die frühere Linie zwischen Baden und Württemberg gemeint. Heute gehört das ja zusammen.

Märchenhaft

Im Schwarzwaldhof angekommen durfte ich erst einmal meine Schuhe ausziehen und jetzt dürfe ich in die Wirtschaft reinkommen. Was? Ohne Schuhe, nur auf Socken? Ja das mache gar nichts. Bis zu dem Zeitpunkt wusste ich auch nicht, dass ich der einzige Gast war. In der Wirtschaft wirkte alles uralt wie aus dem vorletzten Jahrhundert. Die führen das Hotel zu dritt nämlich Vater, Mutter und Tochter. Ich bekam aber immer nur die Tochter zu Gesicht. es herrscht so ein bisschen eine Untergangsstimmung hier. Ich glaube die wissen auch nicht so recht wie es weitergehen soll. Das ist whs. auch Corona zu verdanken.

Heidemoor auf dem Weg nach Kniebis

Die Tochter bat mich dann noch nur wenig Shampoo und Conditioner zu benutzen weil sie und ihre Mutter eine Duftallergie hätten. So langsam hatte ich das Gefühl, an einem merkwürdigen Ort gelandet zu sein. Ja und ich bin der einzige Gast hier😱.

11.10.2021 Riersbach – 21 km

Also Brummbär hätte auf dem Pacific Crest Trail Grumpy Old Bear geheißen. Heute Morgen kam ich runter und musste fast an die Scheibe klopfen bis er endlich von seinem Video aufgeschaut hat. Ich habe ihn 3x angesprochen, immer lauter bis er endlich reagiert hat. Vermute mal er ist ein kleines bisschen schwerhörig. Da ich gestern Abend nichts ausgefüllt habe, habe ich ihn gefragt, ob er mir den Zettel jetzt geben wolle, dann würde ich ihn schnell ausfüllen damit ich die Konuskarte erhalte. Er meinte das hätte ich gestern Abend sagen müssen, dass ich die Konuskarte brauche, jetzt sei die Dame die das macht beim Zahnarzt. Und da ich wandere brauche ich sie ja sowieso nicht. Wer, wenn nicht die Fußgänger, profitiert denn von den gratis ÖV? Die Autofahrer? Ich bin dann ohne Karte gegangen, war mir zu blöd.

Neben dem Hotel gab es einen LIDL da habe ich zum ersten Mal auf meiner Reise den Proviant aufgestockt. Das gute wenn man im Hotel übernachtet ist, dass man sich immer noch ein Brötchen machen kann zum mitnehmen. Ich mache das immer sehr diskret aber neben mir im Frühstücksraum, hat ein Wanderer seinen Rucksack mit Essen vollgestopft. Das finde ich dann etwas unverfroren.

Es war mal wieder ziemlich kalt am Morgen früh aber da es gleich mit einem Anstieg losging hatte ich bald so warm, dass ich den Pullover ausziehen musste. Heute ging es vor allem hinauf, das Gegenteil von gestern. Richtig anstrengend waren vor allem die ersten 6 km. Dann ging es immer hoch und runter.

Ich hörte plötzlich eine Kettensäge ganz in meiner Nähe. Ich kann dieses Geräusch nicht ausstehen wenn sie Bäume fällen auch wenn es whs. durchaus seine Berechtigung hat. Na auf jeden Fall war der Westweg gesperrt und parallel verlief ein anderer Weg. Ich betrat vorsichtig diesen Weg und sah dann auch schon bald den Waldarbeiter. Er rief irgendwas, hoffentlich nicht “Baum fällt “ und ich machte mich dann ganz schnell bemerkbar. Er meinte ich solle mich hinter den großen Baum stellen und dort bleiben. Im nächsten Moment krachte ein riesiger Baum auf dem Boden. Wummmmms!!! Was für ein Aufprall. Ich dachte nur: “Das war einmal ein Baum”. Ich bin noch nie so nahe gestanden wenn ein Baum gefällt wurde. Der Waldarbeiter war die Ruhe in Person und meinte ich könne jetzt weitergehen, der Weg würde später wieder auf den Westweg treffen. Na jetzt war ich ganz sicher wach!

Ich kam an der schönsten Hütte bisher vorbei die Lochenhütte. Also hier würde ich auch übernachten. Die Hütte sieht aus wie ein Boothie in England oder Schottland. Es gab auch noch eine größere Hütte die war aber verschlossen. Ich habe hier meine erste Pause eingelegt und die schöne Aussicht genossen.

Die Lochenhütte

Mitten im Wald kam ich an einen wunderschönen mystischen Platz mit Picknicktisch, Jesus Kreuz und dann ging da auch noch ein Jakobsweg vorbei. Muss mal googeln welche Jakobswege im Schwarzwald durchgehen, habe irgendwie das Gefühl, dass ich nicht zum letzten Mal hier war.

Es gibt Orte die haben was magisches

Als ich auf die Verzweigung beim Hirzwasen zulief hörte ich bereits von weitem die Kettensägen der Holzfäller. Oh nein dachte ich nicht schon wieder. Der Weg wo ich durchwollte war mal wieder gesperrt. Ich hatte auch einen Plan, wie ich nach Riersbach gelangen konnte, der war jetzt auch hinfällig. Die Wegweiser waren auch fast nicht zu erkennen weil ein Bauwagen davor stand. Ich erkannte dann, dass es eine Westweg Variante gab und einen Westweg und konnte den Weg ganz normal fortsetzen. Das lustige ist, dass ich wenn der Weg nicht gesperrt gewesen wäre ganz sicher die Variante genommen hätte und damit einen Umweg von 1.5 Std. gemacht hätte. Erst als ich die Schilder genauer betrachtete, sah ich dass es zwei Wege gab. Die Essenz von der Geschichte? Eine höhere Macht musste den Weg sperren so dass ich den richtigen Weg nahm😂.

Die zweite große Pause machte ich auf dem Kreuzsattel. Hier gibt es eine weitere tolle Hütte mit gleichem Namen, die auch ein Opfer von Corona wurde. Sie wird bereits die zweite Saison nicht bewirtschaftet wie soviele auf dem Weg. Das ist schon traurig 😞.

Kreuzsattelhütte

Bald schon war ich auf dem Harkhof wo ich gerne übernachtet hätte aber leider haben sie am Montag Ruhetag. Ich hätte mich hier von der Pension Kempfenhof abholen lassen können aber es war so schönes Wetter, dass ich beschloss die 4.5 km bis Riersbach weiterzulaufen. Habe es nicht bereut, es war ein sehr schöner Weg. Die Schwarzwälder lieben das Arbeiten mit Holz, überall kann man irgendein Kunstwerk bewundern. Sei es eine Bank, eine Schaukel, irgendein Wicht, Tier oder ein lachendes Gesicht.

Schwarzwälder Holzschaukel

Das erste Mal, dass ich nicht da essen konnte wo ich geschlafen habe. Somit musste ich ins Dorf laufen. Der Rückweg war dann ein bisschen Spooky weil beim letzten Stück zum Hof überhaupt kein Licht brannte. Ich habe mir wohlweislich den Weg gut gemerkt, so bin ich wohlbehalten zurück gekehrt. Ich hatte auch meine Stirnlampe dabei nur müsste ich da mal die Batterien wechseln. Das Licht war total schwach, es hat gerade gereicht um das Schlüsselloch zu finden😬.

Die drei Stühle beim Harkhof

Wenn man wandert geht die Zeit extrem schnell rum. Die Tage verfliegen nur so. Man ist kaum gestartet und schon kommt man wieder an. Ich weiß auch nicht warum das so ist. Vielleicht weil man mehr im Moment ist?

10.10.2021 Hausach – 21 km

Ich bin heute Morgen etwas ängstlich und vorsichtig gestartet weil ich nicht wusste, ob meine Zehen mitmachen würden. Es war wunderschönes Wetter aber bitterkalt. Es hatte sogar eine dünne Schicht Raureif. Es ging rauf und runter und immer wenn es runterging testete ich meine Zehen. Ich war jenseits von meinem normalen Gang oder Wandertempo. Mit der Zeit merkte ich, dass ich meine Zehen zwar spürte aber es nicht schlimmer wurde. Beim Hinuntergehen blieb ich aber vorsichtig und schnürte meine Schuhe etwas fester.

Das Tot zu Nirgendwo

Um 9.30 war ich bereits bei der „Schönen Aussicht“. Der Moment der Entscheidung. Ich sah, dass es später auch noch eine Möglichkeit gab mit dem Bus abzukürzen und lief deshalb weiter. Ich war immer noch vorsichtig aber meine Zuversicht stieg.

Beim Fährlefelsen traf ich auf einen Wanderer der mit einem Wanderwagen unterwegs war. Kurz vor dem Felsen hat er übernachtet. Er schläft unter einem Tarp, Brrrrr! Das ist noch weniger als ein Zelt. Er ist gestern Abend bereits in der Vesperstube Silberberg vorbeigekommen und wollte eine Apfelschorle trinken. Meine Gastgeberin hat aber kein öffentliches Restaurant mehr sondern betreut nur noch Hausgäste. Er ist dann wieder von dannen gezogen.

Eines der vielen Bänkle

Er möchte nächstes Jahr eine größere Reise nach Spanien machen mit diesem Wanderwagen, dieser Trail sei eine Vorbereitung dafür. Ich weiß nicht, wie er diesen Wagen über den felsigen Grund bis zum Fährlefelsen ziehen will und danach auf felsigem Grund steil abwärts. Da bin ich schon lieber mit Rucksack unterwegs. Ich wünschte ihm auf jeden Fall viel Glück 🍀.

Ich bin dann noch auf den Felsen hochgeklettert, man hatte eine richtig schöne Aussicht. Ich machte meine erste Znünipause da oben. Als ich oben war merkte ich, dass ich den Rucksack immer noch anhatte. Den hätte ich doch lieber unten lassen, denn ich musste ja wieder runterklettern. Es ging aber ganz gut es hatte auch extra ein Geländer damit man sich festhalten konnte.

Steinmännchen im Wald

Dann kam die erste richtige Herausforderung für meine Füße, es ging steil auf steinigem Boden hinunter. Wenn es so steil ist gehe ich meist in kleinen Serpentinen runter, so kann man den steilen Abstieg etwas entschärfen. Als auch das gut ging war ich richtig happy.

Man hat richtig gemerkt heute , dass Sonntag ist, soviele Menschen habe ich die ganze letzte Woche nicht gesehen. Ja und es war halt richtig schönes Wetter.

Hausach

Ich kam an vielen Windrädern vorbei, ist schon eindrücklich. Im Winter ist der Weg auf dieser Strecke teilweise gesperrt weil die Windräder Eis abwerfen können. Das möchte ich lieber nicht erleben.

Es ging dann nochmals steil hinauf zur Hasemannhütte wo ich in der Sonne badete und mich mit einem deutschen Pärchen unterhielt. Für sie sind wir immer noch das Vorzeigeland wo alles besser ist außer, dass man sich das Leben in der Schweiz nicht leisten kann😂. Vor allem um die direkte Demokratie beneiden sie uns. Ja die direkte Demokratie ist toll nur wird selten so abgestimmt wie ich es gerne hätte. Aber trotzdem liebe ich meine Heimat ♥️.

Jetzt folgte noch der 4 km lange, steile Abstieg nach Hausach. Vor dem hatte ich mich gefürchtet und deshalb wollte ich die Tour auch abkürzen. Die Frau Fischer von der Vesperstube Silberberg hatte mir richtig Angst gemacht. Es ging aber alles gut. Ich ging es einfach langsam an und machte immer wieder Pause. Im Schwarzwald gibt es auch so viele Bänkle, dass einem dies gar nicht schwer fällt.

Kurz vor 17.00 war ich im Gasthaus Blume wo ich von einem unmotivierten älteren Brummbär empfangen wurde. Ich musste nicht einmal etwas ausfüllen. Er hat mir einfach den Zimmerschlüssel in die Hand gedrückt und fertig. Ich war trotzdem froh angekommen zu sein.

09.10.2021 Silberberg – 4 km

Ja der erste wunderschöne sonnige Herbsttag ist etwas anders verlaufen als ich mir das gewünscht hätte aber ich sitze in der Vesperstube auf dem Silberberg bei einem Bier an meinem nächsten Etappenziel. Das heißt auch, ich bin immer noch auf dem Weg.

Dummerweise kommt morgen ein Riesen Abstieg von ca. 1100m was für meine Zehen nicht gerade förderlich ist. Ich werde die Etappe wohl abkürzen und nur bis « Schöne Aussicht » gehen und dann runter nach Hornberg laufen. Da werde ich wieder den Bus nach Hausach nehmen.

Irgendwie hatte ich gemeint, nach dem Feldberg alle grösseren Höhenunterschiede bereits geschafft zu haben, erst meine Gastgeberin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass jetzt der anstrengendste Abstieg bevorstünde. Ich habe es gestern Abend auch verpasst, die nächste Etappe vorzubereiten weil ich völlig damit beschäftigt war ob ich am nächsten Tag weiterlaufen kann oder nicht. Aber ich mache jetzt einfach das beste daraus und nehme es wie es kommt.

Blick zurück auf Schonach

Das praktische ist, dass man bei jeder Übernachtung eine Konus Karte erhält. Mit der kann man gratis Bus, Zug und S-Bahn fahren. Habe ich heute ziemlich ausgenutzt da ich am Morgen von der Kalten Herberge bis zum Helios Klinikum in Titisee Neustadt gefahren bin. Die Fahrzeit betrug nur 30 Min.

Dort hat ein Arzt meine Zehen besichtigt und gemeint, es sei alles nicht so schlimm, den Nagel würde ich halt verlieren. Mit dem bisschen Eiter käme mein Körper gut zurecht. Ich solle einfach darauf achten, wenn sich eine rote Linie bilde oder wenn ich plötzlich hoch Fieber bekäme mich wieder im Spital oder bei einem Arzt zuvmelden. Er hat meine Zehen verbunden, mir Antibiotikasalbe und ein paar Pflaster mitgegeben. Das wars schon. Ich musste auch überhaupt nicht lange warten und meine Schweizer Krankenkassenkarte wurde auch problemlos toleriert.

Habe mich daraufhin entschieden mit dem Bus nach Schonach zu fahren und dann musste ich bis zur Vesperstube noch 4 km laufen. Das ging ganz gut aber ich laufe halt sehr vorsichtig und nicht in meinem normalen Tempo. Kurz vor der Vesperstube ging es steil hinunter und da merkte ich schon, dass da keine Freude aufkommt.

Der Wege Wart

Hier ist es wirklich wunderschön und ich bin noch eine ganze Stunde draußen an der Sonne gesessen und habe mich mit der Hausherrin und einem anderen Gast unterhalten.

Irgendwie hat die Frau Fischer meine Bestätigungs-E-Mail nicht erhalten und jetzt war mein Zimmer leider vergeben. Aber macht nichts, ich schlafe unter dem Dach in einem großen Massenlager mit nur einem Bett drin, nämlich meines😂. Daneben habe ich ein riesiges Bad nur für mich alleine. Damit kann ich gut leben.

Morgen werde ich meine Zehen extra gut verpacken und hoffen, dass es gut geht. Wird schon werden! Bin einfach froh, überhaupt noch auf dem Weg zu sein.

08.10.2021 Kalte Herberge – 27 km

Kann es wirklich sein, dass ich wegen Blasen an meinen Zehen den Weg abbrechen muss? Vor allem der eine Zeh hat wie einen Umlauf und der Nagel wird sich wohl lösen. Wenn ich es nicht schaffe den Eiter da raus zu kriegen dann war’s das. Ich habe so gut es geht versucht die beiden Zehen zu verarzten. Mal schauen wie es morgen aussieht. Das gleiche hatte ich einmal auf dem PCT. Damals habe ich in der Wildnis mit einer Kanüle alles aufgestochen und den ganzen Eiter entfernt. War ziemlich schmerzhaft aber es hat funktioniert. Dieses Mal habe ich keine Kanüle dabei, nicht einmal eine Sicherheitsnadel🤭. Ich musste die Blasen mit meinem Sackmesser aufstechen😱. Gottseidank habe ich zumindest daran gedacht Desinfektionsmittel mitzubringen und ein wenig Verbandsmaterial.

Hinterzarten
Waldbodengefühl

Ich habe es die letzten zwei Tage wohl übertrieben. Vor allem der Abstieg gestern vom Feldberg nach Hinterzarten hat meine Zehen gekillt. Dummerweise war ich gestern so erledigt, dass ich die Füße nicht genau angeschaut habe, whs. hätte man da schon die Blasen gesehen und ich hätte sie einfach aufstechen können. Heute Morgen habe ich sie einfach getaped aber das war scheinbar das Falsche.

Wenn es morgen nicht besser ist kann ich auch den Bus nach Schonach nehmen. Würde meinen Füßen einen Tag geben sich zu erholen anstatt gleich ganz abzubrechen. Vielleicht finde ich da ja auch eine Apotheke.

Tittisee

Ansonsten war es ein harter Tag heute. Ich war immer noch müde von gestern und meine Zehen schmerzten von Anfang an. Normalerweise fühle ich mich am Morgen frisch, ausgeruht und die Füße haben sich über Nacht erholt, dem war heute leider nicht so. Ich habe mich dahin geschleppt und irgendwann eine Schmerztablette genommen. Die Füße wurden irgendwann besser und mein Plan sich abends um sie zu kümmern rächte sich dann später.

Wer ganz genau schaut sieht die Sprungschanze

Heute musste ich außerdem viel auf Asphalt laufen was auch nicht gerade hilfreich war. Zudem hatte ich Mühe positiv zu bleiben. Das Mentale ist so wichtig und ich versuchte immer wieder in den Moment zu kommen und aufkommender Negativität keine Energie zu geben. Es ist ja für mich nichts Neues, dass man sich manchmal einfach beschissen fühlt wenn man auf einer Fernwanderung ist. Ich probiere dann den Gefühlen Platz zu geben und einfach präsent zu bleiben. Nicht zu kommentieren, nicht zu bewerten und nicht in eine Geschichte zu gehen. Einfach nur da sein.

Mein neues Weekend Häusle

Was das Ganze noch erschwerte war, dass ein bissig kalter Wind wehte und ich teilweise fror. Wenn ich den Pullover drunter anzog hatte ich heiss, wenn ich ihn abzog kalt. Irgendwann behielt ich einfach alles an weil es sowieso alle 10 Min. änderte.

Mein Pausenplatz

Im Wald vor Thurner stand eine Gedenktafel für zwei Schwestern die 1928 hier brutal ermordet wurden. Sie waren auch auf einer Wanderung und der Mörder hatte ihnen aufgelauert. Der Mord wurde nie aufgeklärt. Das gibt einem dann doch ein mulmiges Gefühl. Ich habe keine Angst im Wald und auch nicht vor Tieren aber vor Menschen schon.

Moos

Wusstet ihr das es in Hinterzarten eine riesige Sprungschanze für Skispringer gibt? Leider war sie gerade abgebaut da sie komplett renoviert wird. Nur die kleine Schanze stand.

Die Rinde eines Baumes

Um 17.00 war ich in der Kalten Herberge und so glücklich angekommen zu sein. Beim Abendessen habe ich einen jungen Deutschen kennengelernt, der auch am Montag von Basel gestartet ist. Schön wenn man sich mal mit jemandem austauschen kann. Er macht jetzt aber eine Pause von Weg und fährt seine Familie besuchen in Tittisee.

Dramatisch

Drückt mir die Daumen damit ich morgen weiter kann. Guets nächtle😴

07.10.2021 Hinterzarten – 28 km

Ich liege im Hotelbett in Hinterzarten und zum ersten Mal tun mir meine Füße richtig weh. Sie wurden auch sehr beansprucht heute, viel zu lange. Aber nun der Reihe nach.

Am Morgen auf dem Wiedener Eck

Heute Morgen gab es leckeres Frühstück im Wiedener Eck. Alles was das Herz begehrt, einfach nur lecker. Ich nehme immer noch ein Brötchen und eine Butter mit für mein zweites Frühstück unterwegs. Nur leider ging das heute nicht, weil die Butter offen war. Aber ein Silserbrötchen habe ich doch mitgehen lassen. Finde das eigentlich ok, weil ich immer sehr wenig frühstücke da es mir einfach zu früh ist um zu essen.

Das Hotel

Es war richtig schön heute Morgen, etwas Nebel verhangen aber man konnte den blauen Himmel sehen. Um 8.15 stand ich bereits auf der Piste um Richtung Feldberg zu marschieren.

Auf dem Weideland

Es war wieder ziemlich kalt und ich war froh um den extra Pullover. Zuerst ging es durch einen dunklen, dunklen Wald wo es von den Bäumen tropfte. Dann über offenes Weideland. Offen ist zwar übertrieben denn der Westweg zog sich ca. einen halben Meter eingezäunt durch das Land. War mir aber ganz recht, denn so waren die Kühe immer schön hinter dem Zaun.

Meine Hose war total nass weil das Gras auf der Seite hoch war. Hätte meine Regenhose anziehen sollen aber im Verlauf des Tages würde das schon wieder trocknen.

Die Tiere die ich gerne hinter dem Haag weiß

Nach einer Stunde kam ich bei einer Hütte vorbei und traf zwei Mädels die darin übernachtet haben. Habe sie gefragt ob sie nicht kalt hatten aber sie meinten mit dem richtigen Schlafsack gehe es. Bin trotzdem froh habe ich mich entschieden das Zelt zu Hause zu lassen. Es fühlt sich sehr entspannt an wenn man bereits weiß wo man schlafen wird. Purer Luxus!

Leider ging es sehr viel über Forstwege und nicht wirklich durch den Wald. Vor Stübenwasen war ein ganzer Abschnitt einfach abgesperrt wegen Holzfällern. Wobei ich keine Sägen und gar nichts hörte. Der Weg war auch durch die Traktoren komplett zerstört und nicht begehbar. Ich sah einen kleinen Weg für Mountainbiker der parallel verlief und schaute auf der Karte nach wo der hinging. Ja und es passte! So eine Karte mit GPS auf dem Handy ist schon Gold wert. Musste zwar über schlammige Wege jonglieren aber darin habe ich mittlerweile sehr viel Übung. War richtig happy, als ich wieder auf dem Westweg stand.

Pause beim Hochmoor

Schon bald konnte ich den Feldberg sehen und es sah gar nicht mehr so hoch aus. Es war richtig kalt und es blies ein kalter Wind. Dies hielt mich aber nicht davon ab, ganz hinauf zu steigen. Das Wetter ließ es nicht zu, dass man sich lange oben aufhielt und so langsam musste ich eine Entscheidung treffen. Nach Felsberg Ort und den Bus nehmen oder Richtung Hinterzarten weiterlaufen.

Sieht doch lecker aus

Ich war bereits um 13.30 bei der Abzweigung und entschied weiterzulaufen. Ich fühlte mich gut und meine Füße schmerzten noch nicht all zu sehr. Es war windig und kalt, deshalb ging ich zügig bergab. Ich bin von 1460m auf 880m abgestiegen, dass ging ganz schön in die Beine.

Erster Blick auf den Feldberg

Ich kam zu einer wunderschönen Hütte wo ich nochmals eine Pause einlegte. Da schmerzten meine Füße schon ziemlich und ich massierte sie bevor ich mich an die letzten 7.5 km machte.

Aussicht von oben

Die Strecke inspirierte mich auch nicht besonders weil ich vor allem auf Forstwegen unterwegs war. Jedes Mal wenn es in den Wald ging freute ich mich total.

Der Humboldt Turm auf dem Feldberg

Es kommt ein Punkt wo der Körper nicht mehr mag und es nur noch das Mentale ist was einem weiterzieht. Mir ist dann mein Monsterabstieg in den Pyrenäen in den Sinn gekommen wo ich fast auf allen Vieren angekommen bin. Da war das heute nichts dagegen, ich war immer noch aufrecht😂

Die Rufenhütte, mein Rastplatz

Als ich die ersten Häuser von Hinterzarten sah war ich echt erleichtert. Jetzt musste ich nur noch das Hotel finden. Ich habe kurz jemanden gefragt und dann war ich auch schon dort.

Hier könnte man auch schlafen

Im Hotel habe ich mich einfach aufs Bett gelegt und habe mich ausgeruht bevor ich auch nur ans Duschen und Haare waschen denken konnte. Ich war froh, dass ich im Hotel essen und nirgendwohin mehr gehen musste.

Hoffe meine Füße erholen sich über Nacht denn morgen sind es auch wieder 26 km. Der große Unterschied ist aber, dass es viel weniger Höhenmeter sind die “großen” Berge liegen hinter mir.