13.10.2021 Unterstmatt – 22 km

Heute stand alles irgendwie unter Lothar, der Sturm der am 26,12.1999 über Teile Europas hinweggebraust ist und hier im Schwarzwald mit ca. 200km/h rüber gefegt ist. Man hat hier extra einen Weg angelegt und genau dort bin ich heute Morgen gestartet. Am Lotharpfad. Aber vorher muss ich euch noch erzählen wie es mir im Schwarzwaldhof Kniebis ergangen ist.

Aussicht vom Panoramaweg

Als ich ins Bett bin letzte Nacht habe ich noch etwas Musik gehört und als ich schlafen wollte habe ich die Kopfhörer oberhalb des Bettes auf ein Brett gelegt. Oder ich wollte sie da hinlegen aber ganz hinten war ein Spalt an der Wand und dann sind sie durch den Spalt gefallen. Oh nein meine Kopfhörer! Ich bin dann nochmals aufgestanden und habe versucht sie unter dem Bett zu finden. Wie gesagt die Einrichtung ist ziemlich veraltet und irgendwie waren die Möbel wie aus einem Stück😱. Es gab kein unter dem Bett da war einfach ein Brett! Irgendwie ist bei meinen Versuchen die Kopfhörer wieder zu finden noch etwas runtergefallen aber ich wusste nicht was. Ich habe es dann aufgegeben und habe mich schlafen gelegt.

Grenzstein mit Wappen

Am nächsten Morgen habe ich nochmals überlegt wie ich an die Kopfhörer kommen könnte, habe dann aber beschlossen mir einfach neue zu kaufen. Ich habe meine Sachen eingepackt. Wo ist meine Brille??? Dann ist mir bewusst geworden, dass das zweite das heruntergefallen war meine Brille gewesen ist. Jetzt waren meine Alarmlampen auf dunkelrot, denn ohne meine Brille bin ich ein blindes Huhn! Nicht mit mir! In einem Anfall von Energie habe ich das ganze Zimmer auseinander genommen. Zuerst habe ich das Brett entfernt, welches oben drauf lag, es war sauschwer. Dann habe ich das eine Möbel rausgezogen und hoffte so Zugang hinter das Bett zu kriegen. Das klappte auch und ich ertastete meine Brille und meine Kopfhörer💪💪💪. Und sonst noch ein paar Kleinigkeiten, ich war glaube ich nicht die erste der das passiert ist. Dann musste ich alles wieder so hinstellen wie es war. Das Brett war wirklich sauschwer. Als ich um 8.00 zum Frühstück ging war ich völlig Ko und gleichzeitig erleichtert meine verlorenen Dinge wieder zu haben. Wenn der Herr des Hauses wüsste, dass ich gerade das Zimmer auseinander genommen habe. Ich fragte ihn nach einem richtigen Messer um die Brötchen zu schneiden,Ich glaube er hatte Angst vor mir. Es ist mir wirklich ein Rätsel wie man mit einem Buttermesser ein Brötchen halbieren soll. Der Tochter musste ich übrigens noch ganz genau sagen was und wieviel ich frühstücken wolle. Wie wenn ich das im Voraus so genau wüsste. Irgendwie war ich froh, aus diesem merkwürdigen Hotel verschwinden zu können.

Mein Irrweg durch das Gras

Ich habe 6.5 km des Weges übersprungen und bin zwei Stationen mit dem Bus bis zum Lotharpfad gefahren. 28 km waren mir einfach zu viel und zu anstrengend. Ich hatte Mühe den Einstieg zu finden am heutigen Tag. Zuallererst habe ich den falschen Weg genommen weil es nicht klar gekennzeichnet war. Ich landete auf einem Pfad voller Gräser und ich dachte noch ich sollte die Regenhose anziehen. Was ich dann aber nicht tat und in kürzester Zeit war ich völlig durchnässt. Ehrlich gesagt hatte ich Mühe positiv zu bleiben. Ich sah, dass der Weg später wieder mit dem Westweg zusammenkommen würde deshalb kehrte ich nicht um.

Blick auf die Hornisgrinde

Als ich wieder auf dem Westweg war hatte ich das Panorama vom Panoramaweg leider zum grössten Teil verpasst. Sei’s drum! Habe ich schon erwähnt, dass schönes Wetter war? Es ging dann auf den Schliffkopf und da wurde das Wetter wieder schlechter. Von der Landschaft her war es aber sehr schön wie in der Heide.

Auf dem Schliffkopf

Leider fing meine Druckstelle am linken Knöchel wieder an zu Schmerzen. Ich weiß jetzt auch warum ich dieses Problem nicht kenne. Ich bin die letzten Jahre nur mit normal hohen Schuhen gelaufen, keine Wanderschuhe sondern Trail Runner. Ich habe eine zweite Socke als Druckstellenpflaster verwendet, dass hat etwas geholfen aber schlussendlich musste ich Ibuprofen nehmen. Nach dem Ibuprofen ging es für ein paar Stunden besser. Es war ein schwieriger Tag heute vor allem der Morgen.

West Tor beim Mummelsee

Ich kam dann zur Darmstädter Hütte wo ich mir eine Erbsensuppe und ein Radler gönnte. Bier soll ja sehr gut für die Muskeln sein😉. Leider habe ich kein Foto gemacht von der Hütte, die war wirklich sehr schön mit den rot/weißen Fensterläden.

Oben auf der Hornisgrinde

Anschließend ging es einen steinigen, nassen, teilweise sehr schlammigen Weg hinauf auf eine Anhöhe wo man zur Erinnerung an den Sturm Lothar ein großes Stück Land so belassen hat wie der Sturm es zurückgelassen hat. Das war sehr beeindruckend, die Wucht des Sturmes zu sehen und was für Schäden er angerichtet hat. Die Bäume lagen teilweise kreuz und quer und ich musste mir einen Weg hindurch bahnen. Auch über Bäume klettern. Es ist wie ein riesiger Friedhof eines früher hier existierenden Waldes.

Lothar hinterlässt ein Schlachtfeld
Gespenstisch
Eine kleine Tanne ist gewachsen

Den Berg runter war der Weg miserabel beschriftet und ich war nicht sicher auf dem richtigen Weg zu sein. Vor mir sah ich aber die Hornisgrinde, ein Berg von 1162m den ich noch hochklettern musste, und so wusste ich, dass die Richtung stimmte.

Lebendiger Wald

Es ging dann noch am touristischen Mummelsee vorbei hoch zur Hornisgrinde. Mein Knöchel fing jetzt wieder an zu Schmerzen und ich nahm nochmals ein Ibuprofen, Vitamin I wie die Amerikaner sagen. Auf dem Berg fing es dann an zu regnen und es wurde richtig ungemütlich. Ich glaubte sogar Schnee zu sehen oder besser Schneeregen. Zum Ochsenstall, wo ich heute übernachte, war es aber nicht mehr weit und ich lief zügig runter. Die 1.5 km von der Hornisgrinde kamen mir aber sehr lange vor und ich hatte bereits Angst, daran vorbeigelaufen zu sein. Aber es war alles gut und um 16.30 war ich im Ochsenstall. Dies ist ein Wander und Ski Heim mit Massenlagern aber ich habe ein Zimmer ganz für mich alleine😉. Es ist aber saukalt hier 4 Grad Celsius und meine Heizung läuft auf Hochtouren. Erst nach dem Abendessen wurde mir wirklich warm.

Blick auf den Mummelsee von der Hornisgrinde