12.10.2021 Kniebis – 20 km

Heute Morgen um 9.00 hat mich Hr. Kempf wieder zurück zur Hark gefahren. Es war ziemlich neblig. Mir kamen zwei Wanderer entgegen mit Regenschirm. Ist jetzt aber etwas übertrieben habe ich gedacht. Aber dann hat es gleich angefangen zu regnen! Ich habe mich unter eine Tanne gestellt und die Regenhose und Hut angezogen sowie den Regenschutz über meinen Rucksack gestülpt. Dann war ich startklar. Es ging durch den Wald und war mystisch schön. Irgendwie mag ich Nebel vor allem im Wald.

Die drei Stühle auf der Hark im Nebel

Bald schon hörte ich wieder die Kreissägen und hoffte noch daran vorbeizukommen aber als ich um die Ecke kam sah ich die Wegweiser und die zeigten genau auf den Westweg der gesperrt war. Ach nein ich wollte mich bereits aufregen, da sagte meine innere Stimme: “Vertraue einfach, es gibt immer eine Lösung“. Gut, dieses Mal gab es aber keinen Parallelweg und ich versuchte mich im Wald entlang des Weges durchzuschlagen. Dann kam mir ein Waldarbeiter mit dem Traktor entgegen und zog Baumstämme hinterher. Der Westweg war komplett zerfurcht. Er sah mich im Wald und hielt an. Er stieg aus und kam zu mir herüber. Ich dachte schon er will mir sagen, dass ich hier nicht durch darf aber nein er kam um mir den Weg zurück zum Westweg zu zeigen! Er ist vorgegangen und hat mich zu einem anderen Weg gebracht. Dann meinte er ich solle diesem Weg folgen und dann links abbiegen. Dort würde ich dann wieder die Wegweiser sehen. Ich war total gerührt, das war super nett. Meine innere Stimme hatte recht, es gibt immer eine Lösung und die kam in Form eines Waldarbeiters (nennt man die eigentlich Förster?).

Apfel Pause in der Littweger Hütte

Gemäß Wetterbericht hätte es eigentlich besser werden sollen gegen 11.00h aber es blieb einfach neblig. Ich störte mich nicht groß daran. Da es hier auf dem Westweg immer wieder Schutzhütten hat, hat man in regelmässigen Abständen ein Plätzchen wo man sich unterstellen und im Trockenen was essen kann. Da könnten die Franzosen noch so einiges lernen. Eine Schutzhütte sucht man dort vergebens und ein Bänkchen wo man sich hinsetzen kann gibt es kaum. Ich bin schon ein richtiger Schwarzwald-Fan.

Wald und Nebel kommt gut

Ich kam zur Lettstädter-Höhe wo ich um 12.30 meine erste richtige Pause machte. Zufällig stand dort gerade wieder eine offene Hütte. Es roch dort zwar nach Rauchwurst aber ich war einfach glücklich im Trockenen zu sein. Es ging dann über eine Hochebene die traumhaft schön war. Im Sommer muss es hier überall lila sein von den Erika Büschen. Dann hat es ganz viele Farne, die sich aber bereits braun verfärben. Links und rechts vom Weg gibt es Bannwald. Hier lässt man den Wald einfach wieder zu Urwald werden. Es wird nichts geforstet, man überlässt den Wald einfach sich selber. Dies machen sie zu wissenschaftlichen Zwecken. Ein Wald der nicht bewirtschaftet wird ist sehr dunkel aber trotzdem sehr schön. In Washington waren die Wälder oft so, man hat einfach eine Schneise für den PCT hindurch gemacht. So wilde Wälder wie dort gibt es hier wohl nicht. Ganz sicher nicht in der Schweiz🇨🇭.

Einer der Westtor-Bogen

Heute bekam ich plötzlich eine neue Druckstelle und zwar am linken Knöchel. Das hatte ich nun wirklich noch nie. Vor allem nachdem ich bereits über eine Woche unterwegs bin. Bei der Hilda Hütte habe ich versucht es zu Pflastern aber das hat nichts genutzt. Dann hat es angefangen zu brennen. Dies ist meist ein Zeichen, dass die Haut verletzt ist. Ich hatte die Socken in Verdacht und habe sie deshalb gewechselt. Ja und es wurde tatsächlich besser. Meine guten alten “Darn Tough” Socken aus Amerika 🇺🇸 sind einfach besser gepolstert. Wenn man in Amerika ist und diese Socken ein Loch kriegen, kann man in den nächsten Outdoor Store gehen und kriegt gratis ein neues Paar! Nicht schlecht oder? Ich habe dies einmal in Anspruch genommen. Im normalen Gebrauch, also wenn man nicht gerade 5 Monate unterwegs ist, sind sie fast unverwüstlich.

Die Hilda Hütte

So langsam hatte ich genug und wollte ins Trockene. Ich lief fast den ganzen Tag mit den Regenhosen, Mütze, Buff und Handschuhen. Wenn man sich nicht bewegte war es recht kalt.

Die Hochebene auf der Lettstädter-Höhe

Kurz vor der Alexanderschanze bog ich ab nach Kniebis, weil ich da im Schwarzwaldhof ein Zimmer reserviert hatte. Sind dann nochmals 3 km extra. Man findet nicht immer etwas zum Schlafen direkt am Weg. Wie gestern auch nicht. Der Weg nach Kniebis war aber nochmal sehr schön. Ich ging über den Heimat- und Grenzpfad. Mit Grenze ist hier die frühere Linie zwischen Baden und Württemberg gemeint. Heute gehört das ja zusammen.

Märchenhaft

Im Schwarzwaldhof angekommen durfte ich erst einmal meine Schuhe ausziehen und jetzt dürfe ich in die Wirtschaft reinkommen. Was? Ohne Schuhe, nur auf Socken? Ja das mache gar nichts. Bis zu dem Zeitpunkt wusste ich auch nicht, dass ich der einzige Gast war. In der Wirtschaft wirkte alles uralt wie aus dem vorletzten Jahrhundert. Die führen das Hotel zu dritt nämlich Vater, Mutter und Tochter. Ich bekam aber immer nur die Tochter zu Gesicht. es herrscht so ein bisschen eine Untergangsstimmung hier. Ich glaube die wissen auch nicht so recht wie es weitergehen soll. Das ist whs. auch Corona zu verdanken.

Heidemoor auf dem Weg nach Kniebis

Die Tochter bat mich dann noch nur wenig Shampoo und Conditioner zu benutzen weil sie und ihre Mutter eine Duftallergie hätten. So langsam hatte ich das Gefühl, an einem merkwürdigen Ort gelandet zu sein. Ja und ich bin der einzige Gast hier😱.

7 Antworten auf „12.10.2021 Kniebis – 20 km

      1. Nee, wir waren in der Kniebishöhe. Aber wir haben im Schwarzwald andere Gasthöfe erlebt, die ebenfalls creepy waren – vor allem auf dem „Ostweg“! 😉

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  1. …Duftallergie…wenig Shampoo und Conditioner…😅🙈…was musste ich grad lachen…herrlicher Input
    ..Deine Naturbilder sind wunderschön!!! Sie machen solche Lust zum Loswandern!
    Alles Liebe

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