06.10.2021 Wiedener Eck – 22.5 km

Als ich heute Morgen aufstand und zum Fenster raus sah sah ich nur dichten Nebel. Sofort sah ich Bilder von mir wie ich im Nebel herumirre, den Weg nicht finde und mich verlaufe. Der Verstand ist schon extrem gut darin mich in Angst und Panik zu versetzen. Gottseidank habe ich immer noch eine andere vernünftige Stimme in mir die mich wieder runterholt. Die sagt mir dann Sachen wie: jetzt gehen wir erst mal frühstücken und dann schauen wir die Karte an was es für Möglichkeiten gibt. Meine grösste Angst war, dass ich den Weg gar nicht finde, die Wegzeichen sind doch relativ klein. Auf der Karte sah ich dann, dass ich den Weg gar nicht suchen sondern einfach die Straße runterlaufen muss und dort automatisch auf den Westweg stoße. So einfach ist das und meine Nerven waren beruhigt. Manchmal wundere ich mich wie schnell ich noch immer aus der Fassung gerate andererseits beruhige ich mich meist auch schnell wieder wenn mein pragmatischer Denker zum Einsatz kommt.

Die Egerten Hütte wo ich die erste Rast einlegte

Ich ging dann frühstücken war aber 4 Min. zu früh und musste noch warten😂. Um Punkt 8.00 kam der Chef rein und stellte die Kaffeemaschine an. Zuerst kam der Cappuccino ohne Milch raus, dann hatte ich zwar Milchschaum aber fast kein Kaffee drin😖. Leider hatte er den ersten Kaffee bereits abgeräumt, sonst hätte ich ihn mischen können😂. Dann gab es keine Teller, habe mir mit einer Schale geholfen. Beim 3 Min. Ei fragte ich nach Salz, da kam er mit einer riesigen Salzmühle daher und Pfeffer gleich noch dazu. Eine Familie hat den Betrieb hier übernommen aber sie scheinen nicht viel Ahnung vom Hotelfach zu haben.

Ich wollte dann bezahlen aber ich konnte nichts sehen weil kein Licht brannte. Dann hat er mir nur das Zimmer verrechnet aber nicht das opulente Mahl vom Abend vorher. Habe mir wirklich überlegt, ob ich nichts sagen soll aber dann dachte ich, dass sie es halt einfach noch nicht im Griff haben. Er musste dann nochmals ins Restaurant und den Mitarbeiter fragen und ich zahlte halt nochmal. Ich hoffe wirklich, dass dies nur Anfangsschwierigkeiten sind und sie es bald in den Griff bekommen. Es ist nämlich wirklich ein sehr schöner Ort mit wunderschöner Aussicht.

Kleine Kapelle am Weg

Ich bin dann in voller Regenmontur plus extra Pulli los gestapft, es hatte 9 Grad🥶. Aber während dem Laufen habe ich schnell warm bekommen. Es ging durch einen wunderschönen Märchenwald und durch den Nebel wurde er noch etwas magischer. Ich hätte schreien können vor Freude weil es einfach so schön war. Und wieder hat mich die Stille des Waldes beeindruckt. Ich fühlte mich voller Energie und getragen vom Weg.

Alte Grenzmauer

Die meisten Wanderer laufen den Westweg in umgekehrter Richtung also von Norden nach Süden. Deshalb kommen mir immer wieder Wanderer entgegen. Dies kann durchaus praktisch sein wenn man z. B. herausfinden will ob das Belchenhaus auf dem Belchen geöffnet ist. Vor allem wenn man sich beim Aufstieg gerade den Hintern abfriert und drohende Regenwolken über einem kreisen.

Auf in den Wald

Der Aufstieg zum Belchen war ganz schön anstrengend und beim letzten Stück kamen mir sogar Zweifel ob ich nicht umkehren sollte. Es war windig, kalt und sah so aus als würde es bald regnen. Ich ging dann aber trotzdem weiter und beschloss den Aufstieg so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Nachdem mir die Wanderin, welche mir entgegenkam, mitteilte, dass das Belchenhaus offen habe, war bei mir die Welt wieder in Ordnung. als ich fast oben war schien sogar die Sonne und ich konnte mich auf einer Bank aufwärmen.

Fast oben auf dem Belchen kommt die Sonne

Oben angekommen ging ich ins Restaurant und aß Kaffee und Kuchen. Das Wetter schien sich zu verschlechtern und deshalb machte ich mich bald an den Abstieg. Zuerst nahm ich noch den falschen Weg weil es manchmal einfach schön ist jemandem hinterher zu laufen. Nur war der nette ältere Herr auf dem Belchenweg unterwegs und nicht auf dem Westweg.

Abstieg vom Belchen

Kaum war ich auf dem richtigen Weg fing es an zu tröpfeln. Ich habe dann schnell meine Regenmontur angezogen und bin zügig weitergelaufen. Gottseidank ging es in den Wald, da ist man gleich etwas geschützter. Der Regen war aber harmlos und bald schon konnte ich die Regenklamotten wieder versorgen.

Hier tut man was für Wanderer

Der Rest des Weges war relativ einfach und ich kam zügig vorwärts. Um 16.45 traf ich im Wiedener Eck sein. Das Hotel kann ich wirklich wärmstens empfehlen. Habe mir sogar ein heisses Bad gegönnt, das war klasse.

Herbst Wald

Morgen geht es auf den Feldberg. Das Wetter soll trocken sein. Die nächste Etappe ist 28km und ich habe keine Ahnung wie ich das schaffen und noch bei Tageslicht ankommen soll. Ja manchmal bereue ich es im Voraus reserviert zu haben. Ich habe aber einen Back up Plan. Zuerst mal zum Feldberg laufen, das sind bereits 15 km. Wenn ich bereits müde bin laufe ich zum Ort Feldberg und nehme dort den Bus. Falls ich noch fit bin laufe ich die restlichen 13 km.

Kurz vor dem Wiedener Eck
Wiedener Eck

05.10.2021 Blauen – 14 km

Die Frau Golda hat mir heute Morgen ein super Frühstück serviert. Überhaupt habe ich mich hier sehr wohl gefühlt, es war sehr familiär. Als ich auf das Essen gewartet habe, hat mir die Tochter des Hauses eine Zeitschrift gebracht. Ich fand das sehr aufmerksam, weil es ja nicht immer einfach ist alleine am Tisch zu sitzen. Ich kam dann aber ziemlich schnell mit dem Stammtisch ins Gespräch und ich habe frisch und fröhlich mit ihnen politisiert wo ich doch eigentlich keine große Ahnung habe. Aber es war auf jeden Fall lustig.

Ich bin dann frohen Mutes losmarschiert, es hat nämlich nicht geregnet. Wobei man im Wald trotzdem nass wurde weil es ständig von den Bäumen tropfte. Ich liebe den Schwarzwald mit seinen dunklen grünen Wäldern, der Geruch nach Herbst und die Frische. Der Wald hat für mich immer etwas belebendes, er lädt meine Batterien auf.

Ich kam an einen Platz, der Hexenplatz hieß, ich setzte mich dort hin und lauschte der Stille. Die Bäume waren so still, sie waren einfach da. Wir Menschen können viel von ihnen lernen nämlich einfach zu sein anstatt immer nur zu tun.

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich nicht Angst hätte alleine im Wald. Wenn ich ehrlich bin gibt es keinen anderen Ort wo ich mich wohler fühle. Es ist so friedlich hier.

Einmal kam sogar die Sonne richtig raus und ich konnte mich auf eine Bank legen und 15 Min. Sonne tanken. Das hat richtig gut getan.

Beim Hexenhäuschen lag leider ein ganzer Sack Abfall, den Tiere schon aufgerissen hatten. Ich weiß wirklich nicht was manche Menschen denken, dass mitten im Wald die Müllabfuhr vorbeikommt? Jeder soll doch bitte alles was er in den Wald reinbringt wieder mit rausnehmen. Leave no trace heißt es so schön auf englisch. Hinterlasse keine Spuren.

Hexenhäuschen

Es gibt entlang des Weges auch immer wieder Schutzhütten wo man wenn das Wetter schlecht ist reingehen kann. Zur Not könnte man wohl auch darin schlafen. Ich finde es auf jeden Fall toll, dass es diese Hütten gibt, gibt einem ein gutes Gefühl. Eine davon haben Vandalen abgefackelt aber sie wird mit Spendengeldern wieder aufgebaut.

So um 15.30 bin ich dann auf dem Blauen angekommen. Das Blauenhaus stand lange leer aber seit August hat es einen neuen Besitzer und wurde wieder eröffnet. Es liegt auf 1165m und hat eine traumhafte Lage. Man sieht bis nach Basel sogar die Rochetürme sieht man. Leider war dann die Sonne ganz schnell weg und es fing an zu regnen und zu winden. Es wurde auch ganz schön kalt, habe sogar die Heizung angestellt auf meinem Zimmer.

Das Blauenhaus

Um 19.00 bin ich runter und wollte etwas essen. Ich scheine der einzige Gast zu sein und der Patron war nicht gerade erfreut mich noch versorgen zu müssen. Ich habe immerhin eine Kürbissuppe und einen Salat erhalten. Sie könnten bei der Buchung ja auch sagen, dass man das Essen besser selber mitbringen soll. Na ja es hat ja trotzdem noch geklappt und eine hungrige Wanderin konnte gerade noch besänftigt werden😜.

Morgen scheint es vor allem kalt zu sein und leichter Regen ist auch vorausgesagt aber ich hoffe einfach wieder Glück zu haben wie heute. Morgen werde ich nämlich über den Belchen wandern, den zweithöchsten Berg im Schwarzwald. Der Höchste folgt übermorgen😉.

04.10.2021 Hammerstein – 3km

So meine Lieben, ich bin mal wieder unterwegs. Dieses Mal laufe ich den Westweg und zwar von Basel nach Pforzheim oder schauen wir mal wie weit ich komme. Ich werde ohne Zelt unterwegs sein und reserviere meine Etappen im Voraus. Wenn das nicht entspannend ist. Ein absolutes Novum für mich.

Heute gab es schon mal eine Programmänderung, da ich keine Lust hatte im Regen zu laufen. Bin schließlich auch schon etwas älter und dieses Mal mache ich eher eine Genusstour und dass es keinen Spaß macht den ganzen Tag im Regen zu laufen muss ich euch ja nicht erzählen. Ich habe deshalb um 15.20 den Bus genommen nach Wollbach und bin dann gemütlich durch die Reben nach Hammerstein gelaufen. Zum Einlaufen sozusagen.

Hier bin ich im Landgasthof Bahnhöfli gelandet und bin der einzige Gast. Am Wochenende hätten sie sehr viel zu tun gehabt. Deshalb gehe ich auch immer erst am Montag😉. Jetzt gibt es dann auch schon bald Abendessen und so wie es hier riecht ist das sicher Schnitzel/Pommes Frites😂. Ist mir egal ich habe Hunger!

Morgen geht es dann Richtung Blauen ca 750 Höhenmeter hinauf. Die Etappe ist nur 13km aber es soll steil hinaufgehen. Ich hoffe, dass der Wettergott mir gut gesinnt ist und es nicht all zu viel regnet.