17.07.2021 St. Brieuc – 17 km

Heute Morgen war das Zelt komplett nass und zwar von innen. Ich hatte Kleider im Zelt die nicht ganz trocken waren aber die meiste Feuchtigkeit kam vom Rasen.

Um 8.00 habe ich gefrühstückt und meinen Plan den Bus zu nehmen habe ich gleich wieder verworfen. Kimby hatte mir geschrieben ich solle auf keinen Fall den Bus nehmen, denn die nächste Etappe sei sehr schön und ich solle einfach laufen solange ich mag und sie würde mich dann abholen.

Ich bin dann voller Energie losmarschiert und alle Zweifel und Ängste des letzten Tages waren wie verflogen.

Ja und die Strecke war wirklich aussergewöhnlich schön. Es wäre sehr schade gewesen den Bus zu nehmen. Ich kam an eine riesige Bucht, die Baye de St. Brieux. Es war wieder mal Ebbe und die Farben gingen von Türkis zu blau und grün. Am Anfang der Bucht stand eine kleine Kapelle. Sehr idyllisch.

Nein kein Bootsfriedhof, einfach Ebbe

Ein Fluss ergoss sich hier ins Meer und ich musste dem Fluss entlang laufen bis endlich eine Brücke kam und ich auf die andere Seite wechseln konnte.

Auf der anderen Seite ging es dann ziemlich anstrengend zurück zur Bucht. Es ging hoch und wieder runter. Als ich endlich wieder das Meer sehen konnte machte ich erst einmal Pause mit Blick auf das Meer und die Kapelle. Nur dieses Mal von einer anderen Seite.

So sieht ein Strand bei Ebbe aus

Dann ging es weiter oberhalb des Meeres. Überall hatte es Zeichen mit „Algue verte“ nur wusste ich nicht was ich damit anfangen sollte. Kimby erklärte mir dann dies seien grüne Algen die sehr gefährlich sein können. Sie entstehen durch die grossen Schweinezuchten. Die Exkremente der Schweine werden zum Düngen, wie bei den Kühen, wieder auf die Felder verteilt. Durch den Regen wird es dann ins Meer gespült und dadurch entstehen die grünen Algen. Die Algen stossen wenn sie trocknen ein ammoniakhaltiges Gas aus, dass man nicht einatmen sollte, weil man das Bewusstsein verlieren könnte. Es seien bereits Menschen gestorben aber vor allem Pferde. Jetzt weiss ich wenigstens was es damit auf sich hat und ich werde den Strand nicht betreten wenn es diese giftgrünen Algen hat.

Da Ebbe war konnte ich meine Strecke abkürzen und einfach dem Strand entlang gehen. Bei der Plage du bon Abri, kurz vor Hillion, hat mich Kimby dann abgeholt.

Baye de St. Brieuc

Sie wohnt mit Dom ihrem Mann in St. Brieuc aber in zwei Wochen werden sie in den Süden in die Nähe von Toulon ziehen. Im Haus stehen überall Kisten und es gibt immer noch viel zu tun. Kimby möchte wieder Pferde haben. Ein Jahr bevor sie auf den PCT ging ist ihr Pferd gestorben, das Pferd hiess Kimby. Auf dem PCT hat sie sich dann so genannt.

Ich hatte ganz vergessen, dass wir beide am gleichen Tag Geburtstag haben. Wir hatten einen sehr schönen Abend. Wir haben sehr viel über den PCT gesprochen und Erinnerungen ausgetauscht. Sie ist zwei Tage vor mir gestartet und wir haben uns auf dem Weg immer wieder mal getroffen. Ja und in Washington sind wir dann die letzte Woche zusammen gelaufen.

Und von der anderen Seite. Mein Pausenplatz.

Dies ist das erste Mal seit vier Jahren, dass ich mich mit jemandem so richtig über den Trail unterhalten konnte. Wir haben sehr viele gemeinsame Erinnerungen. Das hat richtig gut getan. Jemand der diese Erfahrung nicht gemacht hat, kann nicht wirklich verstehen wie es war den PCT zu laufen. Deshalb habe ich kaum mit jemandem darüber gesprochen.

Ich werde am Sonntag hier bleiben und einen Zero einlegen (heisst 0km). Am Montagmorgen werde ich mit Kimby meine Besorgungen machen und dann gegen Mittag weiterlaufen.

Baye de St. Brieuc

Ich weiss nicht ob ich schon erzählt habe, dass Kimby aka Sophie, daran ist einen Wildnispfad anzulegen der natürlich in St. Brieuc beginnt. Er führt durch die einsamsten Gegenden von Frankreich und er wird so angelegt sein, dass man wild zelten kann. Sie will auch einen digitalen Reiseführer kreieren so wie wir ihn auf dem PCT hatten. Da konnte man schauen wo die nächste Wasserstelle, der nächste Campspot oder die nächste Stadt ist. Ein riesiges Projekt! Der Trail wird 4300 km lang sein also 40 km länger als der PCT😉.

Sie ist zuversichtlich, dass sie den Trail nächstes Jahr im Sommer einweihen werden. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.

Hier sieht man sie gut die grünen Algen