05.04.2022 Guillena – 11.3km

Ich habe den ersten Tag gut überstanden und was für einer das war, machte sich alle Ehre als Erster. Viele Fotos habe ich leider nicht denn es hat die meiste Zeit geregnet.

Ich bin ca. um 7.15 aufgestanden und habe als erstes meinen Rucksack gepackt. Habe gemerkt, dass mir die Routine wieder fehlt aber das kommt schon wieder. Ich hatte bereits alles gepackt als ich gemerkt habe, dass ich noch die Scheere und das Silktape brauche um meine Zehen zu verpflastern. Ich mache ja immer Blasen unter den Zehen, deshalb verbinde ich sie vorsichtshalber. Dieses Mal habe ich auch Antibiotikasalbe dabei sollte ich wieder einen eitrigen Umlauf kriegen. Also wieder auspacken und dann das Ganze von vorne. Ich bin auch immer aufgeregt und nervös an meinem ersten Tag. Man muss sich zuerst wieder an das unterwegs sein gewöhnen. Zu dem ist der erste Schritt immer der Schwierigste. Es plagen einem Ängste und Sorgen, dass man z.B. nichts zum übernachten findet. Dieses Mal habe ich gleich reserviert, dass macht das Ganze etwas einfacher.

Ich bin dann frühstücken gegangen und habe gleich die erste Pilgerin getroffen. Sehr gesprächig war sie zwar nicht aber war auch ok. Als ich zurück ins Hotel bin habe ich ihr noch ein Buen Camino gewünscht.

Ich bin dann zur Estacion de autobus gelaufen, der gleiche Weg den ich vorgestern gekommen bin. Ich konnte also einfach meinem Handy folgen. So gut das ging im Regen😬. Dort angekommen hätte ich einfach gleich fragen sollen von wo der Bus fährt aber ich wollte es ja unbedingt selber rausfinden und habe deshalb fast den Bus verpasst. Beim Eingang habe ich dann eine Frau gefragt und die schickte mich prompt in die falsche Richtung. Dabei hatte ich auf dem Fahrplan doch gesehen, dass er vom Gate 41 fährt. Ich dachte nur sie kommt von hier und muss es wohl wissen. Ich habe dann nochmals gefragt und der Busfahrer schickte mich dann in die andere Richtung. Na ja Gottseidank hatte der Bus ein paar Minuten Verspätung, sonst hätte ich ihn wohl verpasst. Im Bus konnte ich dann vorerst entspannen. In Santiponce drehte der Bus plötzlich um und fuhr wieder Richtung Sevilla. Das kann doch nicht wahr sein! Ich wollte bereits den Busfahrer ansprechen aber dann sah ich das Zeichen zu den Ruinen von Italica. Ja und da wollte ich ja hin😉.

Die überdachten Gänge oder Katakomben

In Italica habe ich am Eingang gefragt ob ich den Rucksack hier deponieren könne und es kam ein trockenes: No! Na dann bin ich halt mit dem Rucksack zum Amphitheater gelaufen. Dort habe ich ihn in einem der überdachten Gänge abgestellt. Erinnerte mich ein bisschen an das Colosseum in Rom. Hier wurden auf jeden Fall auch Kämpfe ausgetragen.

Das Amphitheater

Dann habe ich mir noch kurz die Ruinen der ehemaligen Stadt angeschaut. Stadt ist zwar sehr übertrieben denn eigentlich ist es mehr ein Steinhaufen😂. Die allgemeine Latrine war noch recht gut erhalten und ich habe mir vorgestellt wie die alten Römer dort auf dem Gemeinschaftsklo saßen und plauderten. Da war das noch nicht so eine private Angelegenheit wie heute😉.

So verrichtete man das Geschäft früher
Was davon übrig blieb

Ich hatte meinen Rucksack hinter einem Baum deponiert so lange ich mir die Ruinen der Stadt ansah. Da kam eine Angestellte von Italica und ich sah wie sie auf meinen Rucksack zusteuerte. Die wird doch wohl jetzt nicht meinen Rucksack mitnehmen wollen? Doch genau das hatte sie vor. Ich habe dann sehr schnell aufgehört über die WC-Gewohnheiten alter Kulturen nachzudenken und bin rufend zu meinem Rucksack zurückgerannt. Die gute Frau hat dann auf spanisch auf mich los geredet, dass ich den Rucksack hätte unten lassen sollen und dass es hier Leute gebe die Rucksäcke mitnehmen würden. Ich sah eigentlich nur sie! Habe noch nie erlebt, dass jemand einem Pilger den Rucksack klauen würde.

Ruinen der ehemaligen Stadt

Mir war dann die Lust auf Besichtigung vergangenen, zudem hatte ich unten gefragt und ein dezidiertes Nein erhalten😡. Das war’s dann mit Italica. Habe mich in die nächste Bar verkrümelt und gleich ein zweites Frühstück bestellt.

Noch mehr Steine

Der Weg ging vor allem eines: Geradeaus! Zuerst der Nationalstraße entlang und dann über Felder. Kann mich nicht erinnern je so lange geradeaus gelaufen zu sein. Vielleicht 2008 in der Meseta auf dem Camino Frances?

Es geht geradeaus und dass für 11 km!

Die erste Schwierigkeit war die Überquerung eines Baches auf einem Stahlträger der vielleicht 30 cm breit war. Habe mich mit den Stöcken problemlos rüber balanciert. Dies kann doch einen alten PCT-Hiker nicht erschüttern💪.

Die Bachüberquerung. Peanuts!

Kurz danach gönnte ich mir dann auf einem runden Betonblock eine Pause und dann kamen sie plötzlich die Pilger. Zuerst kam ein Franzose aus Nimes, dann ein Deutscher und zuletzt Miriam aus der Schweiz🇨🇭. Sie kommt aus dem Aargau und hat 16 Jahre in Basel gelebt. Zufälle gibts! Wir sind auch in der gleichen Pension abgestiegen und treffen uns wieder zum Abendessen welches erst um 19.30 stattfindet. Habe jetzt schon Hunger.

Bevor wir angekommen sind gab es aber noch eine größere Herausforderung zu meistern als die Bachüberquerung. Wir kamen auf einen Weg wo einem die Erde wie Lehm an den Sohlen kleben blieb. Ich hatte gefühlsmäßig an jedem Schuh ca. 5 kg kleben. Ich konnte nicht mehr laufen weil es mir fast die Schuhe auszog. Der Franzose hatte das gleiche Problem aber er ist souverän weitergelaufen. Ich musste mich erst mühsam vom Lehm befreien und dann bin ich durchs Gras weitergelaufen. Meine Füße waren bisher trotz Regen immer noch ziemlich trocken aber das Gras gab ihnen den Rest. Arrrgh! Ich war froh, als wir in Guillena ankamen und wieder auf der Strasse gehen konnten. Ich war so verdreckt und meine Schuhe waren Jenseits von gut und böse.

Auf der Strasse traf ich Miriam wieder und wir gingen zusammen zur Pension Frances. Zuerst genehmigten wir uns gleich ein Bier nach der Anstrengung.

Mein Rücken und mein Ischias halten sich ganz gut im Moment. Ich habe einfach Kreuzschmerzen und die Füße tun weh aber das ist fast schon normal für einen ersten Tag.

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