108. Tag, Tuolumne Meadows, Camping, Meile 942.5, Höhe 2616m

Seit heute sind wir auf dem atemberaubend schönen John Muir Trail im Yosemite Nationalpark! Dieses Teilstück sticht raus wie ein Diamant auf dem ganzen PCT. Wenn ihr mir nicht glaubt googelt es mal und klickt auf Bilder😜. 
Heute wurde es nichts mit trockenen Füßen und ich nahm auch noch ein unfreiwilliges Bad. Den ersten (kleinen) Fluss haben wir auf einem nassen Baumstamm überquert. Wir haben die Microspikes angezogen, weil Romana mir diesen Tipp gegeben hat. Hat sehr gut funktioniert und wir waren froh immer noch trockene Füße zu haben. Der zweite Fluss, ganz unten im Tal, wo sich das ganze Wasser sammelt war ein ganz anderes Kaliber. Wir liefen zuerst den Fluss hinunter und da wir keine sichere Stelle zum überqueren fanden gingen wir flussaufwärts. Der Fluss verengte sich in eine Schlucht aber leider nicht eng genug, dass wir ihn hätten überspringen können. Wir gingen weiter hoch und fanden endlich eine seichte Stelle wo wir rüber waten konnten. Die Socken habe ich ausgezogen und die Einlagen entfernt. Dann barfuß in die Schuhe und durch den Fluss waten. Das ging ganz gut aber ich war trotzdem froh drüben zu sein wenn ich an die Schlucht dachte, die weiter unten lag. Auf der anderen Seite haben wir die Schuhe so gut es ging ausgewrungen, Einlagen rein,  Goretex Socken anziehen und in nasse Schuhe schlüpfen. Ja ist genau so eklig wie es tönt aber die Goretex Socken helfen wirklich. Nach dieser Anstrengung beschlossen wir gleich noch zu früstücken. 

Wir fanden gleich wieder zurück auf den Trail und wollten grade durchstarten als wir sahen, dass es noch einen zweiten Fluss zu überqueren galt. Oh nein! Am Anfang war  ein schmaler nasser Baumstamm, welchen wir mit Microospikes in Angriff nehmen wollten. Das zweite, seichtere Stück wollten wir wieder durchwaten. Dummerweise bin ich auf dem Baumstamm ausgerutscht und ins Wasser gefallen😱. Ich konnte mich Gottseidank am Baumstamm festhalten und wieder aufrichten. Dann bin ich durch die Strömung rüber gewatet. Auf der anderen Seite haben wir erst mal ein sonniges Plätzchen gesucht damit ich trockene Kleider anziehen konnte. Es war heute nämlich herbstlich kalt. Brrrr! Die nassen Kleider verteilten wir auf unsere beiden Rucksäcke und befestigten sie mit Sicherheitsnadeln damit sie trocknen konnten. 

Uns kamen Nobos entgegen und sie versprachen uns, dass es keine weiteren nassen Füße geben würde für heute. Gottseidank!

Der Trail war heute sehr einfach, er schlängelte sich eben durch grüne Graslandschaften. Wir kamen dementsprechend gut voran. 

Beim Mittagessen musste ich meine Kleider in der Sonne trocknen und auch das Zelt auslegen. Ich hatte heute Nacht sehr viel Kondenswasser im Zelt. Gottseidank hatte ich mein Handy in einem wasserfesten Beutel verstaut. 

107. Tag, Tentsite, Meile 959.4, Höhe 2891m

Heute Morgen waren meine Schihe ziemlich trocken und das sollte möglichst so bleiben! Dummerweise bin ich aber bei einem kleinen Bach auf einem Stein abgerutscht und mein rechter Schuh landete im Wasser. Arrgghh😖! Ok, als ich mit den Schuhen durch den Fluss gelaufen bin waren meine Schuhe und Füsse viel nässer. Wir beschlossen, an diesem Tag keine nassen Füsse zu haben. Bei drei kleineren Flüssen ohne grosse Strömung haben wir die Schuhe und Socken ausgezogen und sind barfuss durchgewatet. Der erste Fluss war eiskalt und es dauerte einen Moment, bis wir wieder warme Füsse hatten aber die waren trocken😊. Andere Flüsse haben wir auf Baumstämmen überquert. Einer war etwas schwierig weil ich über kleine Aststumpfe klettern musste, zudem wurde der Stamm immer schmaler. Ich war froh, als ich drüben war. D-Hiker hat gesehen, dass es schwierig war und ist einfach durchgewatet. 

Wir haben es tatsächlich geschafft, den ganzen Tag trockene Füße zu haben. Wenn man einmal einen ganzen Tag mit nassen Füßen rumgelaufen ist, weiss man dies sehr zu schätzen. 

Wir mussten heute über den Benson Pass und dies hieß über 700m steiler Aufstieg und 500m Abstieg. Der höchste Punkt war bei ca. 3140m. Es war brutal anstrengend und wir haben ziemlich geschnaufft bis wir oben waren. Wir wurden dafür mit einer wunderschönen Bergwelt belohnt. Riesige Felsen, malerische Bergseen, grüne Wiesen und immer wieder kreuzten Rehe unseren Weg. Hier gibt es sogar einen Matterhorn Creek und ein Matterhorn Canyon😉. Oben auf dem Pass lag noch etwas Schnee aber kaum der Rede wert. 

Als wir endlich unten waren und noch einen Fluss barfuß überquert hatten, kam nochmal ein fieser steiler Anstieg von ca. 400m. Oben angekommen haben wir uns bald eine Tentsite gesucht. Wir hatten genug!

Die Anzahl Meilen ist momentan ziemlich runter gekommen. Wir sind froh, wenn wir 15 Meilen schaffen bei diesen vielen Höhenmetern. Wie sagen sie hier: The Sierra will slow you down und das ist verdammt richtig!

106. Tag, Tentsite, Meile 973.5, Höhe 2458m

Das war echt Hardcore heute Morgen! Meine Schuhe waren noch total nass und kalt.  Ich habe trockene Socken angezogen dadurch war es einigermassen erträglich. Das Zelt war vom Regen auch total nass und wir mussten es wohl oder übel so einpacken. Wir sind erst um 6.00 los da wir soviel Zeit brauchten um das nasse Zelt einzupacken und zweitens kämpften wir immer noch damit den Bärenkanister im Rucksack zu verstauen. 

Es ging mal wieder steil den Berg hinauf und als wir fast oben waren zeigte sich endlich die Sonne. Wir suchten uns ein Plätzchen auf den Felsen und legten die nassen Zelte zum trocknen aus. Auch die Socken und die Schuhsohlen konnten etwas Sonne vertragen von den Schuhen ganz zu schweigen. Die Frühstückspause dauerte etwas länger als sonst aber wir wollten abends wieder ein trockenes Zelt haben. 

Wir haben heute drei, zum Teil steile, Aufstiege bewältigt und auf der anderen Seite ging es natürlich wieder hinunter. Jeweils im Tal mussten wir einen Fluss überqueren. Durch einen sind wir knietief durchgewatet und die anderen beiden haben wir auf großen Baumstämmen überquert. 

Beim ersten River Crossing hat Big Sky auf uns gewartet weil er nicht alleine rüber wollte. Das war auch gut so, man sollte dies nicht alleine tun. Anschließend hat er sich bei uns bedankt und ist alleine weiter. 

Mir war etwas mulmig heute Morgen weil ich wusste, dass wir heute den Kerrick River überqueren müssen wo Tree ertrunken ist. Unbewusst hat mich das so belastet, dass ich eine Migräne bekommen habe. Ich habe es aber so früh gemerkt, dass ich gleich die Medikamente einwerfen konnte. 

Das River Crossing ging aber gut, wir wussten, dass 200m den Fluss hinauf ein großer Baumstamm lag. Es scheint leicht zu sein einen Fluss auf einem Baumstamm zu überqueren aber man muss ausblenden können, dass darunter ein reißender Fluss fließt. Man muss die Angst kontrollieren können. 

Heute hat endlich wieder Mal die Sonne den ganzen Tag geschienen und es gab kein Gewitter. Halleluja!

105. Tag, Wide River Tentsite, Meile 987.3, Höhe 2410m

Wir sind heute Morgen etwas später los. Erstens weil es bereits später hell wird und zweitens weil ich Mühe hatte meinen Rucksack mit dem Bärenkanister zu packen. Das bringt mich völlig aus meiner täglichen Routine. Wir müssen den ganzen Food sowie alle Sachen die riechen, wie z.B. Zahnpasta, Sonnencreme, Moskito Repellent, Wet Wipes oder Gesichtscreme, im Bärenkanister aufbewahren. Zudem soll man ihn draußen, mit genügend Abstand zum Zelt, hinstellen. Ich habe bisher meinen Rucksack immer im Zelt gepackt aber das geht nicht mehr. Da ich morgens zuerst raus muss um diesen bescheuerten Bärenkanister zu holen😖. 

Seit wir South Lake Tahoe verlassen haben ist es jeden Tag gewittrig. Heute war es richtig bewölkt und hat sogar geregnet. Ich habe für eine kurze Zeit sogar meine Regenjacke angezogen (zum ersten Mal). Zudem ist hier die absolute Moskitohölle! Die Biester fallen so richtig über einem her. Es hatte heute auch richtig viel Wasser überall. Wir sind durch überflutete Graslandschaften gewandert, durch Schlamm, haben unzählige kleine Bäche überquert und mussten auch durch vier Flüsse durchwaten. Das Wasser war knietief und zum Teil hatte es eine leichte Strömung. Die Flussüberquerungen waren aber alle gut machbar. Wir laufen mit unseren Wanderschuhen durch die Flüsse und deshalb hatten wir den ganzen Tag nasse Füße. Man soll die Flüsse auf keinen Fall barfuß überqueren! Separate Schuhe zum Flüsse überqueren haben wir nicht. Zudem müsste man den ganzen Tag Schuhe wechseln und das ist einfach zu mühsam. Bei den beiden letzten Flüssen habe ich vor dem überqueren die Socken ausgezogen und meine orthopädischen Einlagen rausgenommen. Dies macht die Sache etwas angenehmer. 

Gegen Abend hat sich wieder ein Gewitter angekündigt und nach der letzten Flussüberquerung haben wir gleich eine Tentsite gesucht. 

Ich habe zuerst gegessen, eine heiße Schokolade getrunken, anschließend die Zähne geputzt und dann alles im Bärenkanister versorgt. Dann kam der ätzende Moment, wo ich meine nassen Schuhe wieder anziehen musste um den Bärenkanister draußen zu platzieren. Arrrggghhh!! Das Leben auf dem Trail kann ganz schön hart sein. 

Als ich wieder im Zelt war habe ich schnell die nassen Socken ausgezogen und bin in meine warmen Possum Down Socks geschlüpft. Ahhhh😊. Dann musste ich noch das Moskitonetz mit Sicherheitsnadeln verschließen damit es in meinem Zelt keine Moskitohölle gibt. Endlich Frierabend!

Ja und wisst ihr auf was ich mich morgen früh besonders freue? Genau, die nassen Schuhe wieder anzuziehen😩. 

104. Tag, Tentsite, Meile 1004.4, Höhe 2612m

Wir haben heute Morgen ausgeschlafen und ich habe mir noch ein währschaftes Frühstück im Restaurant gegönnt. Spiegeleier, Bratkartoffeln, Toast und viel Kaffee😊. Anschließend musste ich das Innenzelt, welches mir Big Agnes geschickt hatte, wieder zurück schicken weil es das falsche war😤. Ist aber mein Fehler da ich nicht wusste, dass es zwei verschiedene Versionen gibt. Jetzt muss ich halt weiter mein Moskitonetz mit Sicherheitsnadeln verschließen, das nervt. Bin froh, wenn ich endlich wieder ein funktionierendes Zelt habe. Ich hatte mich so gefreut, als ich das Paket abgeholt hatte und dann das. 

Wir sind dann am späteren Morgen Richtung Highway gelaufen. Das erste Auto hat uns bis zum Highway gefahren und das zweite bis zur Sonora Passstrasse. Um 10.00 waren wir wieder auf dem Trail. Es war richtig frisch und bewölkt. 

Es ging stetig hinauf und wir mussten immer mehr Schneefelder überqueren. Beim dritten haben wir die Microspikes angezogen und das war auch gut so. Wir mussten ziemlich oft um Schneefelder herumklettern und manchmal war es mehr Bergsteigen als Hiken. Es ging aber alles sehr gut. Oben auf dem Pass machten wird erst mal Mittagspause. Wir benutzten einen großen Fels als Windschutz. Das Wetter wurde auch langsam besser und vor allem wärmer. Der höchste Punkt lag bei 3300m. Es ging weiter durch eine teilweise öde Mondlandschaft. Man sah aber auch immer wieder halbgefrorene blaue Seen. 

Um 16.00 machten wir nochmal Pause unter knorrigen alten Föhren. Wir wollten gerade wieder aufbrechen als wir Big Sky sahen, der auf uns zustürmte. Er lief an uns vorbei und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Was ist denn jetzt los? Vielleicht hat ihn, was ich ihm gestern gesagt habe, bewogen nicht aufzugeben, was toll ist aber jetzt versuchte er wieder sich bei uns anzuhängen. Wo hat er bloß seinen Stolz? Er lief voraus, wartete aber immer auf uns wenn das Terrain schwierig wurde. Irgendwie tat er mir leid, D-Hiker war aber richtig genervt. Für mich ist die Sache mit Big Sky geklärt, er hat sich auch bei mir entschuldigt, aber D-Hiker muss wohl noch etwas mit ihm klären oder Klartext reden. Es ist eine ziemlich komische Situation. Er wollte wissen wo wir campen und D-Hiker meinte wir wissen es noch nicht und laufen einfach in den Abend rein. Er hielt dann an und wir gingen noch ein paar Meilen weiter. Morgen wird Big Sky in aller Herrgottsfrüh aufstehen, an uns vorbeistürmen und dann wieder auf uns warten… 

Wir sind jetzt an der Tentsite, haben gegessen und unseren Bärenkanister 30m entfernt in einem toten Baum platziert. Ich hoffe, dass er Morgen noch da ist, sonst haben wir nämlich ein Problem! Ach diese Bären und dabei habe ich noch keinen einzigen gesehen. 

103. Tag, Kennedy Meadows Resort (North), Meile 1016.9, Höhe 2521m

Ich bin total traurig. Wie ich heute von Estefania erfahren habe wurde Tree seit einer Woche vermisst und man hat ihren toten Körper heute im Kerrick Creek gefunden. Tree und ich waren beide bei Scout und Frodo und sind am gleichen Tag gestartet. Sie saß im Auto neben mir… Das letzte Mal sah ich sie in Mount Laguna auf dem Campingplatz. Sie musste eine Pause machen weil sie wie ich eine Infektion am Zeh hatte. Sie hat mir auch noch Antibiotikasalbe in einen kleinen Ziplock abgefüllt damit ich meinen Zeh verarzten konnte. Es tut mir so leid für sie und ihre Familie. 

Sie ist in dem Teilstück verunglückt, welches D-Hiker und ich morgen starten werden. Ich bin im Moment verunsichert. Vielleicht ist es einfach zu gefährlich was wir hier machen. Tree ist nach Strawberry die zweite welche in einem Fluss ertrinkt und beide waren alleine unterwegs. Diese Flussüberquerungen sind wirklich beängstigend…

Trotzdem werden wir morgen starten und uns bei den Flüssen viel Zeit nehmen. Es stimmt einem aber schon sehr nachdenklich. Ich weiß auch wie schnell etwas passieren kann und wie verletzlich wir hier draußen sind. Ich habe heute selber einen Fluss auf einem Baumstamm überquert und bin mit meinem Stock abgerutscht und kurz ins straucheln geraten…

Wir haben heute übrigens nicht wie wir gemeint haben den Sonora Pass überquert, der kommt nämlich erst morgen aber der Pass war trotzdem sehr hoch. Wir waren auf über 3200m. Beim hinauflaufen hatte es ab ca. 2900m Schnee. Wir mussten aber nie die Microspikes anziehen. Beim hinunter gehen gab es eine etwas gefährliche Stelle, wo ein Schneeblock den Weg versperrte. Wir sahen schon von weitem, dass dies eine Herausforderung darstellen würde. Bisher waren wir noch nicht getestet worden. Wir sind unter dem Schneefeld durchgegangen und mussten dazu steil auf brüchigem, sandigem Weg den Berg hinunter. Darunter war eine Schlucht was es auch nicht gerade einfacher machte. Jeder Schritt war eine Gratwanderung und man konnte jeder Zeit abrutschen. Einmal war ich in einer richtig blöden Situation, wo ich nicht vor oder zurück konnte. Ich habe mich dann irgendwie gewendet und mich mit den Händen an den Felsen festgehalten. Mann war ich froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Dies war aber die einzige brenzlige Situation am heutigen Tage. 

Am Mittag waren wir bereits auf der Sonora Pass Straße und wurden nach einer halben Stunde von einem Autofahrer mitgenommen der mit seinem Sohn Urlaub machte. Sein Sohn lebt bei seiner Mutter in Berlin und hatte gerade Sommerferien. Es war sehr angenehm in so einem schönen Wagen mit Ledersitzen, ich glaube es war ein Chevrolet, die Straße hinunter zu fahren. 

Das Kennedy Meadows Resort ist sehr schön und für PCT Hiker gibt es für 35$ ein Bunkbed, eine Dusche und einmal Wäsche waschen. Dazu einen sehr gut ausgestatteten Store für Hiker und ein Restaurant😊. 

Bei meiner Ankunft rief jemand meinen Namen. Es war Estefania (Five Star), welche ich zuletzt am Scissors Crossing gesehen habe. Wir haben die allerersten Schritte auf dem PCT gemeinsam gemacht. Das war eine Freude. Sie ist durch die Sierra gelaufen👍. Hoffe sie in Oregon wieder zu sehen. 

Big Sky hat hier aufgehört und ist Richtung Montana aufgebrochen, sein zu Hause. Er wollte mit uns laufen oder nach Hause fahren. D-Hiker wollte dies aber auf keinen Fall. Ich habe ihm beim Abschied gesagt, dass er nicht aufgeben soll nur weil er verletzt sei und dass er es nicht von einer Person abhängig machen soll ob er den PCT läuft oder nicht. Als ich durch D-Hiker erfuhr, dass Big Sky nicht mehr mit mir laufen wollte, war ich zuerst auch verletzt aber ans Aufgeben habe ich keine Sekunde gedacht. Man muss die Motivation haben den Weg alleine zu gehen, was nicht heißt, dass er alleine durch die Sierra gehen soll. Wenn D-Hiker nicht zu mir gestoßen wäre, wäre ich zum Kennedy Meadows Resort gelaufen und wäre dort ein paar Tage geblieben um auf Southbounder zu warten wo ich mich hätte anhängen können. 

Wir haben übrigens beide in der Hiker Box einen Bärenkanister gefunden. Den brauchen wir ab dem Sonorapass bis zum Kearsage Pass am Ende der Sierra. Vor allem in Yosemite soll es sehr viele Bären haben. Die Bären werden von den Rangern mit Gummigeschossen beschossen damit sie wieder mehr Angst vor den Menschen haben. 

Wir müssen unseren Rucksack völlig anders packen damit dieses Monster von Bärenkanister darin Platz hat. Dieses Teil wiegt 1.2kg!!! Ich weiß noch nicht wie das gehen soll. Schlussendlich habe ich es irgendwie geschafft, jetzt muss ich es nur noch schaffen, dieses Monster von einem Rucksack den Berg hinauf zu bekommen. Dies ist aber Gottseidank erst morgen und deshalb gehe ich jetzt schlafen. 

102. Tag, Tentsite, Meile 1025.9, Höhe 2522m

Morgen geht es auf den Sonora Pass, der ist über 3000m hoch. Bin gespannt wie das gehen wird aber ich bin zuversichtlich, dass ich das meistern kann. Big Sky kommt jetzt doch mit uns aber vorher wollte ich eine Aussprache. Keiner sollte auf so einen hohen Pass mit Schnee alleine gehen. Big Sky wird in Kennedy Meadows North vom Trail gehen und nach Hause fahren. Vielleicht auch weil D-Hiker ihm klar gemacht hat, dass sie die Sierra mit mir laufen wird. Alleine will er nicht weitergehen das mache keinen Spaß. Klar sollte man die Sierra nicht alleine laufen aber man sollte die Motivation haben den Trail alleine zu gehen. Er könnte sich in Kennedy Meadows auch einer anderen Gruppe anschließen. Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir diese Aussprache hatten. Ich glaube wir haben uns einfach gegenseitig die Knöpfe gedrückt. Für mich ist das Ganze jetzt aber erledigt und fühlt sich ok an. 

Wir mussten heute einige Flüsse und Bäche überqueren und es wird immer anspruchsvoller. Aber man wächst ja mir der Aufgabe. Bis jetzt haben wir es immer geschafft, mit trockenen Füßen rüber zu kommen aber dies ist wohl bald vorbei. Vom Sonora Pass bis Tulomne Meadows sollen die schwierigsten Flussüberquerungen zu meistern sein. Wir werden sehr vorsichtig sein und wenn es sein muss laufen wir zuerst eine Meile den Fluss hoch bis wir eine Stelle finden wo wir gefahrlos überqueren können. Die Wasserlevels sind jetzt auch schon viel tiefer als noch vor einem Monat. 

Ich freue mich auf die Sierra und hoffe, dass wir noch mind. 2 gute Leute finden. 

101. Tag, Tentsite, Meile 1047.1, Höhe 2667m

Die Nacht verlief ruhig, es kam kein weiteres Gewitter mehr. Ich ließ den Eingang der Rainfly offen, so zirkuliert die Luft im Zelt besser. Ich hatte bisher nur einmal Kondenswasser in meinem Zelt und das war in Idyllwild als es schneite. 

Als ich aufwachte färbte sich der Himmel draußen gerade rot und es herrschte eine wunderschöne Stimmumg. Ein Sonnenaufgang in den Bergen ist schon speziell schön. Es war auch gar nicht kalt nur der Wind blies ein bisschen. Leider konnte ich mir keinen Kaffee machen, da ich zuwenig Wasser hatte. Die nächste Wasserquelle war aber nur 0.8 Meilen weiter. In der Sierra muss man nicht soviel Wasser schleppen, 1lt reicht. Es hat hier überall Wasser ohne Ende. 

Wir haben heute einen PCT-Hiker getroffen, der mit seinem Hund unterwegs war. Das sieht man sehr selten auf dem Trail. 

Es war heute wieder spektakulär mit diesen Lavafelsen die zu spitzen Bergen estarrt waren und dann immer wieder diese Wildblumenwiesen in allen Farben. 

Wir sind heute Big Sky begegnet. D-Hiker war zuerst oben und hat gemeint, ich sei auch da. Woraufhin Big Sky den Kopf schüttelte und mich mit einer weiteren Ladung Ablehnung überschüttete. Ich bin dann gestürzt und habe mir am Ellbogen ziemlich weh getan. Ich kann mit Ablehnung nicht gut umgehen und es ist sehr verletzend. Ich bin in letzter Zeit nie gestürzt, kaum sehe ich Big Sky, liege ich wieder auf dem Boden. Ich habe dann D-Hiker gesagt, dass sie die Situation schnell klären müsse, denn eines war für mich klar, ich würde mich nicht ein zweites Mal dieser Situation aussetzen. 

Big Sky ist dann voraus gelaufen und hat am Sherrold Lake sein Camp aufgeschlagen. Wir wollten sowieso weiter und haben ihm eine gute Nacht gewünscht. Er tut mir auch leid, denn er ist wahrscheinlich verknallt in D-Hiker und hat jetzt ein gebrochenes Herz. Endlich hatte er was er wollte, er war alleine mit D-Hiker und dann beschloss sie, dass sie wieder mehr alleine laufen wollte und jetzt läuft sie mit mir. 

Übermorgen werden wir den Sonora Pass in Angriff nehmen und das ist dann wirklich eine Herausforderung. Der Sonora Pass ist sozusagen der Eingang in die High Sierra. Er ist auf 10500 feet und ganz sicher werden wir mit viel Schnee zu kämpfen haben. Was ich dabei gar nicht gebrauchen kann ist jemand der mich nicht mag und mich so offensichtlich ablehnt. Ich brauche nämlich einen sicheren Schritt. 

100. Tag, Tentsite, Meile 1067.9, Höhe 2681m

Wir mussten heute schon wieder früher anhalten wegen einem Gewitter! Wir waren gerade auf 2700m, zuoberst wo man eben nicht sein soll. Wir haben dann versucht so schnell wie möglich abzusteigen. Auf einer kleinen Zwischenebene machte der PCT eine lange Rechtskurve und wir wären direkt in das Gewitter hineingelaufen. Deshalb entschlossen wir anzuhalten und unsere Zelte aufzubauen. Das Gewitter ist wieder an uns vorbeigezogen. Da es bereits 18.00 war beschlossen wir hier zu bleiben. 

Wir schaffen im Moment nicht gerade viele Meilen aber es sind auch viele Höhenmeter zu bewältigen und bei Gewitter in den Bergen ist Vorsicht geboten. 

Liege in meinem Zelt und lausche dem Wind. Morgen heißt es wieder früh aufstehen und schnell zum nächsten Wasser laufen, denn ich habe nur noch ca. 200ml. Eigentlich wollten wir zum nächsten Wasser laufen und dann entscheiden wo wir campen. Aber es läuft halt nicht immer alles nach Plan. 

Wir mussten heute einige Schneefelder überqueren aber es war alles ohne Mikrospikes möglich. 

Am Carson Pass wurden wir im Info Center ganz herzlich empfangen und es gab Sodas und Chips. Es arbeiten Freiwillige hier, alles Frauen und sie waren super nett. 

Es hatte ausgesprochen viele Touristen und Dayhikers unterwegs aber beim ersten Flecken Schnee waren alle verschwunden und wir hatten den Trail wieder für uns alleine. Wir sind auch wieder Northboundern begegnet und die meinten, dass die Flüsse jetzt viel besser zu überqueren seien und wir keine Probleme haben sollten. 

In drei Tagen sind wir im Kennedy Meadows North Resort und ich hoffe dass wir eine tolle Gruppe finden um durch die High Sierra zu gehen. Ab da müssen wir auch einen Bärenkanister dabei haben, das Ding wiegt ca. 1.2 kg und ist bei Hikern entsprechend unbeliebt. Wir hoffen, dass wir keinen neuen kaufen müssen sondern wollen einem Northbounder den Bärenkanister abkaufen. Die brauchen ja keinen mehr😉. 

99. Tag, Tentsite, Meile 1085.7, Höhe 2637m

Wir haben uns heute Morgen noch herzlich bei unseren Camp Hosts Donna und Mike bedankt, dass wir hier übernachten „durften“. Macht ja nichts, dass es in deren Abwesenheit war😂. 

Dann sind wir frühstücken gegangen. Das Café machte um 7.00 auf und um 7.02 saßen wir bereits am Tisch😉. Es gab ein deftiges Omelett und dazu einen Kaffee nach dem anderen. Ich finde das echt symphatisch, dass sie einem in Amerika immer wieder nachschenken. Ich habe mich mittlerweile an die dünne Brühe gewohnt und hoffe, dass ich kein Herzflattern kriege wenn ich zurück in Europa bin und richtigen Kaffee trinke. Wir blieben mind. 2 Stunden, das hieß sie mussten oft nachschenken😜. Sie hatten uns schon lange die Rechnung hingelegt, welche wir einfach ignorierten. Ja wir Europäer bleiben einfach länger sitzen🤗. 

D-Hiker hat Probleme mit ihrer Kreditkarte, sie wurde gesperrt weil sie von jemand anderem benutzt wurde. Keine großen Beträge aber sehr unangenehm für sie da sie kein Bargeld beziehen und auch nicht mit Karte bezahlen kann. Sie muss jetzt gaaaanz nett mit mir sein sonst hat sie ein Problem😉. Natürlich passiert sowas immer am Wochenende wenn man niemanden erreichen kann. Auf meiner Karte steht eine Notfallnummer wo ich Tag und Nacht anrufen kann auch am Wochenende. Sie hat aber keine solche Nummer, hat ja auch eine deutsche Karte. 

So um 9.30 machten wir uns auf den Weg. South Lake Tahoe erstreckt sich über mehrere Kilometer der Hauptstraße entlang. Kein guter Ort für Hiker, die kein Auto haben. Wir haben also versucht zu hitchen. Da niemand angehalten hat sind wir einfach weitergelaufen. An einer Ampel hat uns dann ein älterer Herr angesprochen ob wir mitfahren wollen. Jaaaaaa natürlich👍. Er hat uns zum Outdoor Store gefahren wo ich neue Schuhbänder kaufen konnte. Der eine Schuhbändel ist angerissen und ich möchte nicht riskieren, dass er in der Sierra reißt. Außerdem habe ich mir eine neue Sonnenbrille gekauft, da meine komplett verkratzt ist und ich damit nicht mehr gut sehe. 

Dann mussten wir Proviant für 5 Tage kaufen. Langsam komme ich in diesen Supermarkts ganz gut zurecht. Ich habe mir einen Protein- und Kohlenhydrate-Pulver gekauft, welches man normalerweise zum abnehmen zu sich nimmt. Ich benötige es aber als zusätzliche Zufuhr von Protein und Kohlenhydraten. Ich habe extrem an Gewicht verloren, so kann das nicht weitergehen. als ich mich nackt in einem Spiegel gesehen habe, bin ich richtig erschrocken! Ich sehe nur noch Knochen und Rippen die herausstehen. Ich würde mal schätzen ich wiege noch 50kg!!! Kein bisschen Bauchfett ist mehr da…

Das Einkaufen benötigt immer sehr viel Zeit, vor allem weil ich immer alle Verpackungen entferne und alles in Ziplock Beutel umfülle. Als ich endlich fertig war ass ich Guacamole, Chips und eine Pepsi. Dann haben wir unseren Trail Angel Lailani angerufen und sie gefragt, ob sie uns zum Echo Summit Trailhead fahren könne. 10 Min. später war sie bereits da. 

Sie hat uns ganz besorgt gefragt wo wir gestern geschlafen hätten und das sie ein schlechtes Gewissen gehabt hätte, dass sie uns nicht mit nach Hause genommen habe, gestern Abend. Wir haben sie beruhigt, dass es kein Problem gewesen sei sondern ein richtig gutes Erlebnis. Sie hat gestern Nacht noch 3 junge Hiker mit nach Hause genommen, die noch später dran waren wie wir. Sie ist ein herzensguter Mensch und sehr symphatisch. 

Wir sind dann ca. um 14.30 gestartet und es sah nach Gewitter aus. Wir hörten es auch schon rumpeln. Wir sind trotzdem den Berg steil hoch  gestiegen haben aber den Himmel ganz genau beobachtet. Als es dann ganz in unserer Nähe donnerte, beschlossen wir unser Zelt aufzubauen. Es fing dann auch bald an zu regnen aber das Gewitter ist an uns vorbeigezogen. Jetzt haben wir halt nur 5 Meilen geschafft aber das macht nichts. Stehen wir halt morgen früher auf.