74. Tag, Mount Shasta, Travel Inn, Meile 1498.7, Höhe 1096m

Wir sind um 5.30 los und im Stechschritt den Berg runter marschiert. Wir mussten nur 9.5 Meilen bis Castella laufen. Es ging durch einen trockenen Laubwald und da hat es immer tausende dieser kleinen Fliegen, welche einem in die Augen, Ohren und die Nase fliegen wollen. Ja und wenn man Pech hat fliegen sie einem auch in den Mund. Ätzende kleine Viecher. Ich nehme an, dass dies Eintagsfliegen sind und vielleicht steht bei ihnen an oberster Stelle, einmal in ihrem kurzen Leben, einem Menschen ins Auge zu fliegen und zu sterben. Selten dämlich!

In Castella sind wir direkt in den Ammiratis Market wo meine Bounce Box auf mich wartete und ein Rückenpolster für meinen Rucksack, den ich irgendwie an meinen Rucksack annähen muss. Dadurch gewinne ich vielleicht 1-2 cm wodurch ich den Hüftgurt wieder enger ziehen kann und das Gewicht nicht mehr auf meinen Schultern liegt. Dummerweise kann ich den Hüftgurt meines Rucksacks nicht auswechseln und ich habe nun mal ca. 10kg abgenommen😬. 

Natürlich musste ich gleich eine Cola und Chips haben für mein Wohlbefinden😉. 

Die Bounce Box konnte ich schon von weitem sehen aber mein Paket von ZPacks war nicht da. Ich habe dann mit der Sendungsnummer rausgefunden, dass es am heutigen Tag ankommen müsste. Ja und das Paket war dann auch auf der Post. 

Castella besteht eigentlich nur aus einer Tankstelle und einem kleinen Markt. Auf dem Rasen neben der Tankstelle habe ich dann meine Bounce Box geleert und alles aufgefüllt. Von meinem Wüsten-Sonnenschutz-Shirt musste ich mich nach fast 1000 Meilen auch verabschieden. Der Gestank war nicht mehr auszuhalten und sauber wurde es auch nicht mehr. Jetzt laufe ich wieder in meinem Merinowolle T-Shirt😊. Ich werde aber die Kapuze vermissen, das war schon praktisch auch wenn es windet. 

Als ich fertig war ging meine Bounce Box wieder auf die Reise nach Chester. Dies sind ca. 300 Meilen.  

Wir trafen E-Game und Valley und mit ihnen zusammen fuhren wir nach Mount Shasta. Wir haben unseren Rucksack schnell im Motelzimmer deponiert und dann war es Zeit für den Lunch. Uns war das Seven Suns wärmstens empfohlen worden und es war wirklich sehr lecker! Ich hatte einen mexikanischen Salat mit Avocados und Poulet. Mmmmmhh! Was ich am meisten vermisse auf dem Trail ist Salat. 

Neben dem Restaurant war ein Coiffeurgeschäft und ich fragte mal an ob sie Einen Platz frei hätte und um 15.00 hatte ich meinen Termin. Als ich im Motel in den Spiegel geschaut hatte, dachte ich nur: „Oh mein Gott!“

Jetzt habe ich wieder eine richtige Frisur😊. Anschließend hieß es Ausrüstung ersetzen, Resupply einkaufen, Kleider für die Sierra nach Sierra City senden, alle Verpackungen entfernen und das Essen in Ziplockbeutel abfüllen. Bis ich fertig war, warmes bereits 19.30! Ich legte mich aufs Bett und genoss mein FAT TIRE (Bier aus Belgien), Humus, Emmentaler und Chips. Mmmmh😊. 

73. Tag, Disappearing Creek Tentsite, Meile 1508.6, Höhe 1087m

Heute sind wir wieder gemeinsam los. Eine Stunde später gabs Frühstück und dann war ich auch schon wieder alleine. 

Die Trinity Alps sind wunderschön! Es war eine Freude hier durchzulaufen. Weite Ausblicke und Mount Shasta ganz nahe. Dieser Berg ist wirklich fotogen, ich weiß gar nicht wieviele Aufnahmen ich davon gemacht habe. Morgen werden wir in der gleichnamigen Stadt sein. Mount Shasta ist ein hoher Berg, den man auch Besteigen kann aber das lass ich lieber. Konnte mir seit zwei Wochen anschauen wieviel Schnee noch auf dem Berg liegt. Da kann man noch Ski fahren! Nein danke! 

Wir haben momentan das schlimmste hinter uns, mit Schnee müssen wir erst wieder nach Belden und Sierra City rechnen. Ich werde wohl meine Eisaxt nach Belden senden lassen. In Mount Shasta muss ich mir noch eine Handschlaufe kaufen womit man die Eisaxt befestigen kann. Wahrscheinlich wird es nicht nötig sein sie dabei zu haben, da ich jetzt aber meistens alleine unterwegs bin möchte ich gewappnet sein. 

An der Campsite musste man das Wasser suchen, Disappearing Creek eben😉. Man hörte es aber plätschern und man musste die Felsen im Flussbett hochklettern. Am Bach angekommen gab es einen richtigen Mermaidpool wo ich ein Spongebad (Katzenwäsche) genommen habe. Mermaid hätte da sicher ein Vollbad genommen😉. 

72. Tag, Porcupine Lake Tentsite, Meile 1528.8, Höhe 2224m

Ich habe mal wieder sehr schlecht geschlafen. Mein Rücken macht mir Probleme, das linke ISG ist total blockiert und wenn ich mich drehen will ist das immer mit Schmerzen verbunden. Ich war ja vor dem Trail schon in Behandlung aber mein Chiropraktiker hat es nicht hingekriegt das Gelenk zu lösen. Ja und auf dem Trail wird es leider auch nicht besser. 

Ich bin heute erst um 5.00 aufgestanden und um 5.50 bereits losmarschiert. Ich werde schneller am Morgen😉. Ich war wieder alleine unterwegs und fühlte mich sehr wohl. Mein Frühstück nahm ich auf einem Felsen ein, der oben schön flach war, direkt an einem großen Bach, den ich anschließend überqueren musste. Es war so friedlich. Ich versuche auch einen Zeitplan einzuhalten, in der Regel laufe ich 2 Std. und dann mache ich Pause. Wenn aber ein besonders schönes Plätzchen wie dieses kommt, darf es auch mal ein bisschen früher sein😉. 

Anschließend habe ich den Bach überquert, da stelle ich mich generell geschickter an als wandern im Schnee mit Mikrospikes. Ich bin auf jeden Fall noch nie reingefallen. Nasse Füße hatte ich auch schon aber ausgerutscht bin ich noch nie. 

Es waren auch heute nicht all zu viele Höhenmeter zu bewältigen außer einmal ging es auf 2500m hoch und oben lag natürlich noch eine Schneekappe. Ich habe die Mikrospikes angezogen, mehr als Sicherheitsgefühl für mich weil ich alleine war, als das es wirklich nötig gewesen wäre. Ich habe in den letzten Wochen einiges darüber gelernt wie man mit Mikrospikes auf Schnee läuft deshalb hatte ich nicht all zu große Angst. Der Schnee war weich aber sehr griffig und dann war ich auch schon drüber. Auf der anderen Seite konnte ich sie gleich wieder ausziehen. Jetzt ging es nur noch hinunter und man konnte den Toad Lake von oben sehen. Man sah Zelte und Leute mit Luftmatratzen auf dem See. Wir hatten gestern abgemacht heute nur 14 Meilen bis zum Porcupine Lake zu laufen und dann einen Nero (wenn man nur wenige Meilen läuft) einzulegen. 

Ich bin um 13.30 angekommen, D-Hiker und Big Sky waren schon seit 11.45 dort (die Angeber😉). Habe mich auch nicht sehr beeilt. Ich habe zuerst mein Zelt aufgebaut und dann bin ich im See schwimmen gegangen, in meiner schicken schwarzen Hikerunterwäsche😂. D-Hiker hat ein Foto von mir gemacht und da sehe ich richtig dünn aus. Schätze das ich noch 52kg wiege. In letzter Zeit habe ich aber nicht mehr abgenommen, ich esse auch mehr als vorher. Morgens nach dem Aufstehen gibt es einen Energieriegel und einen Kaffee. Nach ca. 1-1.5 Std. gibt es Frühstück mit Oatmeal (Haferflocken) und Kaffee. Zweite Pause am Morgen eine Tortilla und Thunfisch. Zum Mittagessen Ramen (Suppe mit Nudeln). Am Nachmittag einen Energieriegel und abends Pasta, Reis oder Cous Cous. Wenn ich einen besonders harten Tag hatte gibt es vor dem Zubettgehen noch eine heisse Schokolade😋. 

Nach dem Bad war das Mittagessen fällig und dann habe ich ein Nickerchen im Zelt gemacht. Es war faulenzen angesagt😉. Zwischendurch habe ich noch Unterwäsche, Socken und mein Shirt ausgewaschen. Das Wasser zum Trinken haben wir aus dem See genommen. Nicht meine erste Wahl aber es schmeckt ganz ordentlich. Ich hoffe einfach, es hat niemand rein gepinkelt😂. Na ja es ist ja gefiltert. 

Es ist ein wunderschöner Sommerabend. Leider muss man wegen den Moskitos aber trotzdem früh ins Zelt. Es sind noch späte Hiker angekommen und die reden glaube ich Israeli.

I call it a day and go to sleep. 

71. Tag, Chilcoot Campsite, Meile 1543.4, Höhe 2019m

Heute Morgen habe ich verschlafen. Hatte wohl keine Lust aufzustehen. Um 5.00 bin ich aufgewacht, den Wecker habe ich nicht gehört. Ich musste mich so beeilen, dass es kein Frühstück gab, kein Zähneputzen gar nichts. Ich war nicht mal auf dem Klo. Wir liefen bis zur Frühstückspause zusammen, die dank D-Hiker etwas früher war als normal, anschliessend ging ich alleine weiter. 

Es ging mir heute schon viel besser und ich fand bald meinen Rhythmus. Ich traf D-Hiker und Big Sky nochmals an der Quelle zum Wasser aufüllen und dann nicht mehr bis abends an der Campsite. Das fühlt sich für mich jetzt viel stimmiger an. Ich war auch nicht mehr so erschöpft wie noch gestern und habe heute auch wieder 20 Meilen geschafft. 

Es war ein wunderschöner Tag, nicht so viele Höhenmeter zu bewältigen, viel Wald, Wiesen und Seen. Es kamen mir soviele Hiker entgegen, die in Chester gestartet sind, vor allem auch viele Schweizer! Hoffe, dass ich bald Mermaid begegne. Sie wollte diese Sektion zwar auslassen wegen den Schnee aber diese hier ist ganz sicher nicht die schlimmste. Den Schnee kann man umlaufen oder auch auf einem anderen Trail umgehen. Wenn ich Empfang hätte könnte ich ihr die Infos schicken. Ich hoffe es reicht noch wenn ich in Castella bin. 

Morgen werde ich ausschlafen, denn wir machen morgen nur 14 Meilen und werden den Nachmittag an einem See verbringen. 

70. Tag, Tentsite Mosquito Lake, Meile 1563.6, Höhe 1919m

Ich mochte kaum aufstehen, ich muss um 4.15 aufstehen damit ich um 5.30 Abmarsch bereit bin. 

Es ging gleich mal über ein kurzes aber  sehr steiles Eisfeld. Ich sagte mir immer bloß nicht runterschauen. Einfach einen Schritt nach dem anderen bis auf die andere Seite. Als wir drüben waren ging gerade die Sonne auf. Winderschön! Auf der anderen Seite wartete ein Pärchen. Gottseidank haben wir uns nicht in der Mitte der Ueberquerung getroffen sonst hätte eine Gruppe umkehren müssen😱. 

Dies war das letzte große Schneefeld in dieser Sektion. D-Hiker und Big Sky legten den vierten Gang ein und ich rannte mal wieder hinterher. Ich hatte Hunger aber sie hielten einfach nicht an. Das geht nämlich genau nach Zeitplan. Endlich sah ich sie am Hang sitzen und das erste was Big Sky sagte ist: „Break over!“. Dieser Witz wir auch langsam alt.  Sie hatten sich einen steilen Hang ausgesucht und mein Rucksack steht  leider nicht von alleine. Irgendwann ist er den Berg runter gekullert und meine Wasserflasche hat sich auch verabschiedet. Ich war total genervt! Und es ist nicht weil der Rucksack den Berg runtergefallen ist, ich hatte  einfach genug davon den beiden hinterher zu rennen und nicht Pause machen zu können wenn ich müde bin oder Hunger habe. Ich wollte endlich wieder selber entscheiden können. HYOH !!! (Hike your own hike). D-Hiker und Big Sky sind ein Team aber ich bin irgendwie wie das Sand im Getriebe, das Rädchen welches leider nicht ganz passt, da ich langsamer laufe wie sie. 

Ich habe deshalb beschlossen wieder alleine zu laufen. Dann habe ich nicht mehr das Gefühl, den  beiden hinterher zu rennen. Ich laufe jetzt wieder in meinem eigenen Rhythmus und mache Pause wann und wo ich will. 

Als ich um 19.00 ziemlich fertig im Camp angekommen bin, sah mich Big Sky und fragte: „What are you doing here?“ Ich habe mich dann gefragt, ob ein: „Hey, great you made it“ nicht passender gewesen wäre. Ich werde irgendwie nicht warm mit ihm.  

Ich vermisse Mermaid, wir waren ein gutes Team und das ohne viele Worte. Wir mussten auch nicht alles so straff organisieren. Jetzt ist halt wieder alles anders aber ich nehme einfach an, dass es gut kommt. 

Auf dem Titelbild ist übrigens kein grünes Monster zu sehen, das ist der Trail begraben unter einem Baum. Wir mussten uns auf allen vieren durchzwängen. 

69. Tag, Tentsite, Meile 1583.6, Höhe 2202m

Wir waren um 7.00 startklar. Vorher gab es im Motelzimmer noch einen Kaffee aus der Mikrowelle und einen Energieriegel. Dann machten wir uns auf den Weg Richtung Hiker Hut denn von dort sollte man am einfachsten einen Hitch erhalten. Es hatte kaum Verkehr und doch hat uns nach ca. 15 Min. ein Ehepaar mit einem schwarzen Pick up mitgenommen. Wir saßen hinten auf der Ladefläche und wurden gut durchgelüftet. Nicht das es nötig gewesen wäre wir hatten am Vorabend nochmal geduscht😉. 

Um 8.00 standen wir am Trailhead und es konnte losgehen. Da ich um 6.30 einen Energieriegel gegessen hatte, hatte ich bald schon wieder Hunger. Big Sky meinte Break sei erst um 10.00! Ich habe ihm dann klar gemacht, dass ich unmöglich 3.5 Std. nur von einem Energieriegel zehren könne. Man hatte dann Erbarmen mit mir und es gab Frühstück. 

Wir waren nicht so fit nach 2 Tagen Pause, der Körper befand sich immer noch im Relaxmodus. Wir haben uns mühsam den Berg hochgeschleppt. Das beste heute waren die Pausen. Es war kein sehr schwieriger Tag, nur einmal mussten wir die Mikrospikes anziehen um über ein Schneefeld zu kommen. In diesem Abschnitt des PCT hat es viele Bergseen und das Wasser war gar nicht sooo kalt. Wir haben aber trotzdem auf ein Bad verzichtet, da wir uns noch gar nicht so schmutzig fühlten. 

Vor der Mittagspause habe ich endlich Heidi und Felix getroffen. Wir haben uns total gefreut, es ist das erste Mal dass wir uns auf dem Trail begegnen. Leider will sie aufhören, ich nehme an es hängt unter anderem auch damit zusammen, dass ihre Trailbuddies Andy und Felix aufhören. Andy hat ja schon vorher aufgehört. Sie hätte eine sehr gute Zeit gehabt und es sei ok für sie nach Hause zu fahren. Wir mussten uns bald schon wieder verabschieden, da wir ja in unterschiedliche Richtungen laufen. Schade, dass sie nicht gestern Abend im Etna angekommen sind, dann hätten wir zusammen essen gehen können.

Hey Sandy, du kannst schon mal ein paar Touren organisieren, Heidi will in der Schweiz weiter wandern. Dann könnt ihr dann auf mein Wohl einen Kaffee mit Baileys und Schlagrahm trinken😘. 

Am Nachmittag habe ich aus der Ferne wieder Rauch gesehen. Es scheint wieder ein neues Feuer im Gange zu sein. Es ist schrecklich durch wieviele abgebrannte Wälder wir laufen. Ich habe mit einem Dayhiker gesprochen, der meint, dass dies eine natürliche Regulation des Waldes sei. Sie hätten halt soviel Wald und der werde nicht kultiviert. Teilweise lasse der Forrest Service einen Waldbrand auch einfach runterbrennen ohne dass man überhaupt versuche es zu löschen. Eine ganz andere Philosophie…

Ich habe es dann doch noch auf die Tentsite in der Russian Wilderness geschafft. Essen, die Beine mit Wet Wipes abwischen und dann ab ins Bett. Ich bin todmüde.