98. Tag, South Lake Tahoe, Meile 1090.8, Höhe 1895m

D-Hiker und ich sind um 6.30 los heute Morgen. Extra nicht zu früh, damit der Schnee mich zu hart oder sogar gefroren ist. Es waren nur noch 2 Meilen bis zum Dicks Pass. Ca. 1 Meile vorher begann es mit den Schneefeldern. Teilweise konnten wir sie ohne Spikes überschreiten. Sobald es steiler wurde haben wir sie aber abgezogen. Man kann damit einfach  besser laufen auf dem Schnee. Wir mussten teilweise auch um Schneefelder rumklettern. Dabei bemerkte ich wie stark meine Füße und Beine mittlerweile geworden sind. Das sind teilweise echt steile Hänge. Wir fanden den Weg mit dem GPS problemlos. Manchmal haben wir die Serpentinen einfach ausgelassen und sind gerade den Berg hochgeklettert. Wenn es Schnee hat nimmt man es nicht mehr so genau damit jede PCT Meile zu laufen. Es geht einfach darum hoch oder runter zu kommen und den Trail wieder zu finden. 

Oben angekommen hatten wir eine umwerfende Aussicht! Wir hatten einen wunderschönen Frühstücksplatz auf einem Felsen😊. Ich bin so glücklich endlich zurück zu sein in der Sierra! Ich habe gesagt ich komme zurück als wir nach Ashland geflippt sind und da bin ich! 

Es ging dann meistens schneefrei den Berg hinunter. Wir haben ständig Hiker getroffen, z.B.  2 Brüder aus der Schweiz aus Aarau, mit denen haben wir uns mind. eine halbe Stunde unterhalten. Uns waren eine Zeitlang nur noch Tageshiker und Touristen entgegengekommen und als die zwei Brüder kamen sagte ich, dass sind PCT Hiker auf Schweizerdeutsch. Postwendend kam natürlich die Antwort😂. Das war lustig, was für eine kleine Welt das doch ist. 

Dann traf ich noch Happy Feet. Dies ist ein Hiker der PCT Class von 2016. Er sah mich und sagte: „You hiked last year!“ Ich erkannte ihn sofort,er war einer von den ehemaligen PCT Hikern, die am Scissors Crossing Trail Magic gemacht haben. Das beste Trail Magic auf meinem bisherigen Weg! Ich habe Happy Feet damals mit Fragen gelöchert über den Weg in der Wüste und die Mojavi. Wir mussten damals glaube ich zum ersten Mal Wasser für ca. 15 Meilen buckeln. Dies waren bei mir 5lt! Damals hat er mir erzählt, dass sie in der Mojavi 10lt Wasser schleppen mussten letztes Jahr. Mir ist die Kinnlade runtergeklappt und ich war mir sicher, die Mojavi nicht zu schaffen. Was natürlich nicht der Fall war😉. 

Auf jeden Fall war es ein sehr schönes Wiedersehen auf dem Trail! Schade habe ich mal wieder vergessen ein Foto zu machen. Wir machten High Five auf dem Trail, dies ist das Abklatschen zw. Hikern. Es ist eine Anerkennung dessen wie weit ich schon gekommen bin. Vor allem von jemandem, der ganz genau weiß was es dazu braucht. 

Ich bin dann beflügelt und leichten Schrittes die Geröllhalde hinunter geflogen. An all den Touristen und Tageshikern vorbei, die mir alle schnell aus dem Weg gingen. Happy Feet hat uns hinter vorgehaltener Hand noch den Typ gegeben, dass es unten am Echo Lake ein Water Taxi gebe, welches uns direkt zum Echo Lake Chalet bringen würde wo es Eiscreme für D-Hiker und Pepsi und Chips für mich gibt😉. Hinter vorgehaltener Hand weil ein PCT Hiker ja eigentlich jede einzelne Meile laufen sollte. Uns musste man dies auf jeden Fall nicht 2x sagen. Wir hatten genug von der Geröllhalde! 

Wir genossen eine rasante Fahrt auf dem Echo Lake und saßen bald schon mit Glace und Cola auf einer kleinen Mauer. Von hier aus mussten wir noch 1.5 Meilen bis zum Highway 50 laufen wo uns dann Leilani, ein Trail Angel, nach South Lake Tahoe mitgenommen hat. 

Es war Samstag und leider war das Mellow Mountain Hostel ausgebucht. Wir fanden auch kein zahlbares Hotelzimmer. Wir waren nicht bereit, 350$ für eine Nacht auszugeben. Wir durften im Mellow Mountain Hostel duschen, unsere Wäsche waschen und bis 22.00 aushängen. Um 21.00 waren wir mit der Wäsche fertig und beschlossen erst Male essen zu gehen bevor wir uns um unser Schlafproblem kümmern. So entspannt sind wir mittlerweile, dass uns dies nicht weiter kümmerte. 

Wir gingen mexikanisch essen und es war perfekt außer dass sie keine Margeritas hatten. Big Sky stürmte auch noch an uns vorbei ohne uns zu sehen. D-Hiker hatte kein Befürfnis ihn zu rufen…

Als das Restaurant nach 22.00 schloss beschlossen wir uns ein Yellow Cab zu bestellen und zum Campground in the Lake zu fahren. Zuerst versuchten wir an der Straße eines anzuhalten aber dies funktioniert scheinbar nur in den Movies. Ein Passant meinte wir sollten besser anrufen. 

Beim Camping stand auch „no Vacancies“ aber wir ließen uns dadurch nicht aufhalten und stellten irgendwo im Dunkeln unser Zelt auf. Endlich konnten wir unsere müden Häupter niederlegen und uns dem Schlaf überlassen. Lustig war noch, dass wir das Gefühl hatten etwas verbotenes zu tun. 

Am nächsten Morgen realisierten wir, dass wir direkt gegenüber der Camp Hosts gecampt hatten, die Gottseidank abwesend waren. Überhaupt war dieser Campingplatz nur für Wohnwagen, wir fanden auch keine sanitären Anlagen aber diese braucht ein PCT Hiker auch gar nicht😂. 

97. Tag, Dicks Lake Campsite, Meile 1107.6, Höhe 2557m

Heute Morgen bin ich schon mit Kopfschmerzen aufgewacht. Ich wollte auch gar nicht aufstehen denn in meinem Schlafsack war es schön warm und draußen kalt. Ich habe mich dann aber doch überwunden und um 6.30 war ich startklar. Ein später Start, da ich aber nur 17 oder 18 Meilen bis kurz vor Dicks Pass laufen wollte kein Problem. Kann auch laufen bis es dunkel wird wenn es sein muss😉. 

Dicks Pass liegt mir etwas auf dem Magen. Es geht auf 9350 Fuß hoch und es soll steil sein und natürlich soll es oben auch noch viel Schnee haben. Ich finde es einfacher steile Hänge hochzuklettern als abzusteigen. Es fühlt sich an wie eine riesige Herausforderung und ich bin bereit sie anzunehmen. Dies ist sozusagen die Reifeprüfung ob ich wirklich bereit in das nächste Abenteuer zu starten. In der Sierra werde ich viel höhere Pässe zu bewältigen haben, täglich mindestens einen, Forrester Pass, der höchste liegt auf ca. 13200 Fuß. 

Heute war auch wieder ein sehr schöner Tag. Ich bin jetzt in der Desolation Wilderness und so sieht es teilweise auch aus: Desolat! Es hat soviele tote Bäume und alles liegt kreuz und quer. Falls es hier mal brennen sollte, dann aber richtig, bei all dem alten Holz welches da rumliegt. Es ist aber trotzdem schön, einfach wild. 

Zudem kam ich an einem wunderschönen Bergsee vorbei, der zum Bade einlud. Mir war es aber eindeutig zu kalt😬. 

1.7 Meilen vor dem Dicks Lake habe ich nochmal Wasser zum campen aufgeladen. Ich nehme lieber Wasser aus einem Bach als aus einem See. Ich wollte gerade weiterlaufen als ich jemanden meinen Namen rufen hörte. D-Hiker hatte mich eingeholt. Sie läuft auch wieder alleine, Big Sky wurde ihr wohl zu anhänglich😉. Wir sind dann das letzte Stück bis zum Dicks Lake zusammen gelaufen und haben uns auch über die letzte Zeit ausgesprochen. Das war gut. 

Wir werden nun morgen Dicks Pass zusammen in Angriff nehmen, dass finde ich sogar sehr gut. Meine Gebete wurden erhört😊. 

96. Tag, N. Fork Blackwood Creek, Meile 1127.1, Höhe 2426m

Was für ein wunderschöner, aufregender Tag! Die Strecke von Truckee bis South Lake Tahoe ist das schönste was ich bisher gesehen habe! Man merkt es, ich bin wieder in der Sierra auch wenn sie offiziell erst in South Lake Tahoe beginnen soll. 

Zuerst ging es heute Morgen über ein Schneefeld. Zur Sicherheit habe ich die Mikrospikes angezogen. Dann ging es immer weiter den Berg hinauf bis auf fast 9000 feet bis zum Tinker Knob. Ich bin die ganze Zeit auf der Ridge (Krete) gelaufen. Da es  ziemlich der Sonne ausgesetzt war  da oben, Gottseidank schneefrei. 

Dann ging es wieder steil hinunter und an einem sonnigen Plätzchen voller Wildblumen ass ich mein Frühstück. Ist übrigens ein himmelweiter Unterschied, wenn ich meinen Kaffee habe oder nicht. Ohne komme ich kaum den Berg hinauf. 

Ich lief in der „Granite Chief Wilderness“durch ein Blumenmeer immer weiter den Berg hinauf. Von weitem konnte ich schon die Squaw Valley Ski Station sehen. Da lag noch viel Schnee und ich dachte nur hoffentlich muss ich nicht da durch. Ich musste immer mehr über Schnee steigen und zeitweise auch mit dem GPS navigieren. Am Fluss  unten traf ich einen Hiker und fragte ihn ob es noch viel Schnee hätte er meinte nein, nur bis über den Berg. Ich lief weiter und stand plötzlich vor einem Schneeberg. Wo ist denn bitte hier der Trail? Ich habe die Spuren der Hiker gesehen die den Berg auf dem Hosenboden heruntergerutscht sind. Gut, Mikrospikes an und dann bin ich den Berg hinaufgeklettert. Ich bin einfach den Spuren gefolgt und ab und zu habe ich auf dem GPS nachgeschaut. Auf jeden Fall stand ich plötzlich wieder auf dem Trail😜. Ich musste noch ein Stück hochklettern und dann war ich auf der anderen Seite des Berges und da war alles grün. Mikrospikes weggepackt und stolz wie ein Pfau bin ich den Berg wieder runter gelaufen. Big Sky gab mir immer das Gefühl ein Whimpy girl zu sein weil ich am Anfang Angst hatte bei den Schneetraversen. Aber seit heute weiß ich, ich bin ein Tough girl! Ich hatte richtige Glücksgefühle und fühlte mich absolut frei😍.  

Beim runter laufen ist mir Pickles entgegengekommen. Letztes Mal als ich ihn gesehen habe lief er noch Southbound wie ich. In der Zwischenzeit ist er nach Mammoth gefahren und ist einen Teil der Sierra gelaufen. Pickles ist so ein synphatischer junger Mann und man hält sich gerne in seiner Nähe auf. Ich hoffe wirklich, dass ich alle wieder in Oregon antreffe auch ihn. 

Übrigens habe ich heute irgendwann wirklich die Hälfte des Weges hinter mich gebracht 😊. 

Ich musste heute noch mehrmals in und um Schneefelder herum den Weg suchen und auch noch mal den Berg hochklettern. Aber es ging alles gut und hat mir sogar richtig Spaß gemacht. 

Am Ende des Tages war ich aber todmüde und am Rücken bin ich langsam wund gescheuert. Meine Beckenknochen stehen hinten raus weil ich so dünn bin und der Rucksack kommt genau auf diese Stelle weil ich den Hüftgurt nicht mehr enger schnallen kann. Morgen werde ich versuchen meine Merinojacke über den Hüften zu tragen, vielleicht nützt das ja etwas. 

Ich schlafe heute alleine am Fluss an einer schönen Tentsite. Es ist kalt und ich habe die Rain Fly drauf gemacht. Übrigens kriege ich bald ein neues Moskitonetz zugeschickt, dann ist dieses Problem auch bald gelöst. 

Ich sah einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Lake Tahoe. 

Ich war froh als ich gegessen und abgewaschen hatte, dass ich endlich in mein Zelt kriechen und mich hinlegen konnte.