86. Tag, Belden Town Resort, Meile 1284.3, Höhe 674m

Um 6.30 bin ich heute gestartet, es wird immer später. Bin gestern auch erst um 20.15 angekommen, da darf man sich am nächsten Tag schon mehr Zeit lassen. 

Es ging vor allem bergab. Der Weg heute war nicht einfach. Viel Geröll beim hinunter gehen und da muss man immer aufpassen wo man den Fuß hinsetzt. Man rutscht auch aus und stolpert ohne Ende. Zudem war heute der Tag der Flussüberquerungen. Durch einen Fluss bin ich barfuß durchgewatet, anschliessend waren meine Füsse wieder fast sauber. Den größten Fluss musste ich von Stein zu Stein überqueren. Bei einer Stelle war der Abstand zu groß für meine kurzen Beine und dann musste ich springen. Uff, hatte knapp gereicht. Einen nassen Fuß gab es trotzdem. Einen anderen Fluss habe ich auf einem riesigen Baumstamm überquert. Der Durchmesser des Baumes war so groß, dass ich auf der anderen Seite den Rucksack runter lassen musste bevor ich runter klettern konnte. 

Kurz vor Belden ging es dann schattenlos und heiss den Berghang entlang. Gottseidank gab es immer wieder Wasser. Schade, dass mein sonnenreflektierender Schirm in der Bounce Box in Sierra ist. 

Um 18.15 war ich in Belden und habe mir als erstes ein belgisches Bier gegönnt. Blue Moon, einfach köstlich. Es waren noch andere PCT Hiker da und wir saßen auf der Bank und haben uns unterhalten. Spannend ist ja immer, dass sich Nobos und Sobos gegenseitig über den kommenden Trail informieren können. 

Jeff, sein Trailname ist Saidacho oder so ähnlich war auch hier und wir haben dann zusammen auf der Terrasse zu Abend gegessen. War ein richtig schöner Abend, mit guten Gesprächen  und Jeff hat mich sogar eingeladen😊. Er wird heute Abend mit dem Barkeeper mit nach Quincy fahren, der Barkeeper wohnt dort. In Quincy wird er einkaufen und vielleicht noch einen Ruhetag einlegen. Ich werde morgen den Berg hochsteigen und viele Höhenmeter zurücklegen.

Ich habe mir einen neuen Purplerain Skirt und Icebreaker Panties in Größe S (!) zu einem Teailangel hier in Belden schicken lassen. Ja und Mrs. Bratten bringt mir die zwei Pakete morgen früh um 6.00 vorbei. Ich freue mich auf meinen neuen Jupes vor allem muss ich nicht mehr Angst haben den Rock zu verlieren😉. 

Wir campen hinter dem Belden Town Resort direkt am Feather River. Dies ist ein großer Fluss und entsprechend laut. Da ich morgen den Wecker stellen muss gibt es keine Ohropax, sonst höre ich ihn nämlich nicht. 

85. Tag, Cold Spring Tentsite, Meile 1302.9, 1976

Heute war es tierisch anstrengend. Es ging im Grossen und Ganzen nur bergauf. Teilweise über 7000 Fuß. Es hatte auch wieder ein paar Schneefelder aber die waren easy zum drüber laufen. 

Lunch habe ich nach 12 Meilen oberhalb einer Quelle gemacht und prompt kamen D-Hiker und Big Sky auch dahin. Das war ein bisschen komisch für mich. Seabisquit kam aus der anderen Richtung und ich fragte ihn was los sei. Er fühlte sich nicht gut und hatte mehrmals erbrochen. Mittel gegen Uebelkeit hatte er bereits. Habe ihm gesagt er solle viel trinken und wenn möglich Elektrolyte zu sich nehmen. Ansonsten konnte ich ihm nichts anbieten was helfen könnte. Er wollte nach Chester zurück laufen, dies waren 15 Meilen, davon 10 Meilen ohne Wasser. Das ist hart! Am Nachmittag hörte ich dann einen Helikopter und ich fragte mich, ob sie ihn ausgeflogen haben. Gute Besserung Seabisquit! 

Es ging dann wieder ziemlich hoch hinauf aber es war kein Schnee mehr zu sehen. Es kam mir ein leicht lädierter Hiker entgegen, der mich fragte wo die nächste Wasserstelle sei. Er war gestürzt und sein Handy war kaputt. Ohne unsere Guthook App sind wir aufgeschmissen. 

Ich habe beim Aufstieg Musik gehört um mich abzulenken. Kurz bevor ich ganz oben war, war die Luft draußen und ich habe mich nur noch mit meinem Willen den Berg hinauf gekämpft. Mir sind dann zwei junge Hiker begegnet und die haben gemerkt, dass ich am kämpfen war. Sie haben mich ermutigt, dass es nicht mehr weit sei bis zur Campsite. Das war total süß. 

An der Campsite angekommen, hatte ich keine Lust, da alleine zu übernachten. Ich habe dann mein Abendessen eingenommen und bin doch noch die 1,8 Meilen bis zur nächsten  Campsite gelaufen. Kurz davor hörte ich ein Brüllen und habe mich gefragt was für ein Tier das wohl ist. Vielleicht ein Hirsch? Aber nein es waren Kühe! Natürlich ging der Weg direkt an ihnen vorbei. Ein Kalb stand mitten auf dem Weg und alle haben mich angestarrt. Ich habe einen Umweg um sie rum gemacht und als ich am Ende auf den Weg abbiegen wollte sind sie weggerannt. Puh, ich traue diesen Viechern einfach nicht und wie sie einem immer anstarren. 

Die Campsite war gleich um die Ecke und ich hoffte, dass die Kühe nachts nicht vorbeikommen. Ich traf Anne aus Frankreich, sie war gerade dabei sich am Brunnen zu waschen. Sie war auch bei Scout und Frodo als ich dort war. Sie ist einen Tag vor mir gestartet. Sie ist durch die Sierra gegangen, Respekt! Schade, dass sie nach Norden läuft und ich nach Süden, wir waren uns gleich symphatisch. 

Ich bin froh, bin ich die 1.8 Meilen weitergelaufen. Hier war eine sehr schöne Campsite und es ist einfach schön abends nicht alleine campieren zu müssen. 

84. Tag, Soldier Creek Tentsite, Meile 1325.5, Höhe 1667m

Heute habe ich in Chester durch D-Hiker offiziell erfahren, dass Big Sky nicht mehr mit mir laufen will. Eigentlich ist es ja so, dass ich schon seit dem zweiten Tag ab Etna alleine laufe. Er hatte nicht mal den Mut, es mir persönlich zu sagen. Ich müsste lügen wenn ich sagen würde, dass es mir nichts ausmacht. Es tut weh abgelehnt zu werden und nicht mal zu wissen warum. Vielleicht erinnere ich ihn ja an seine Exfrau… Aber es ist besser so, jetzt gibt es einen klaren Schnitt. 

Ich musste nur 15 Meilen bis Chester laufen und war um 14.00 bereits da. Der Trailhead führte zu einem Highway und von da aus konnte man nach Chester hitchen. Ich habe gedacht, dass da bestimmt niemand anhält weil sie so schnell gefahren sind aber nach 10 Min.  saß ich bereits in einem Auto. Der nette ältere Herr fuhr mich auch gleich zur Pizza Factory wo ich mir den Bauch vollschlug und eine große Cola schlürfte. Anschließend wollte ich duschen, es gab eine Dusche wo man Münzen einwerfen konnte, und die Wäscherei befand sich gleich nebenan. Ich stand bereits nackt in der Dusche, hatte meine Kleider auf dem Boden zum waschen und wollte mit dem Prozess beginnen einen schmutzigen PCT-Hiker wieder salonfähig zu machen. Dazu musste ich nur 1/4 Dollar Münzen einwerfen. Der Münzautomat war aber verstopft, vielleicht sollten sie ab und zu die Kasette leeren. Ich war völlig genervt und dann klopfte es auch noch an der Tür weil jemand anders duschen wollte, Arrrghhhh! Also mich wieder anziehen, alles in den Rucksack stopfen und trotzdem schmutzige Kleider waschen. 

Als ich vom einkaufen zurück kam, informierte mich Sherpa, dass man im RV-Park duschen könne. Ich müsse nur im Haus gegenüber 5$ bezahlen. Gesagt, getan und dann stehe ich im RV-Park unter der Dusche und merke, dass ich mein Handtuch vergessen habe🙄. Ich habe mich dann mit der Unterhose (die war sauber😉) abgetrocknet und habe sie dann feucht angezogen. Bei 35 Grad im Schatten sollte dies ja schnell trocknen. 

Dann noch schnell ein paar Energieriegel kaufen, welche es im Dollar General nicht gab und ich war bereit, wieder auf den Trail zurückzukehren. Vor der Laundry war Sherpa im Gespräch mit einer Frau, die sich dann als Vicky vorstellte. Sie arbeitet bei den Fire Fighters. Sie hat ein wunderschönes Büro im Grünen und ihr Job ist es Feuer frühzeitig zu erkennen. Nicky hat mich dann in ihrem Auto zum Trailhead gefahren. Zum Abschied gab sie mir noch getrocknete Bananenchips mit und ein reflektierendes Band der Fire Fighter. Sie war so nett! 

Ich bin dann noch 3 Meilen bis zum Soldier Creek gelaufen. Die Tentsite war komplett überfüllt von Nobos und Sobos! Ich habe mich noch beider Feuerstelle reingequetscht.