67. Tag, Etna

Ausschlafen war heute angesagt und dann amerikanisches Frühstück bestehend aus 2 Spiegeleier, Speck und Bratkartoffeln. Mein Lieblingsfrühstück in Amerika! 

Dann Ressuply (siehe Bild) für die nächsten 6 Tage bis Castella. Mann wird das wieder schwer! Dafür muss ich nur 1.4lt Wasser schleppen. Ruhetage sind immer sehr anstrengend, viel zu tun und zu erledigen. Zuerst muss man einkaufen, dann alles in Ziplocks umfüllen und irgendwie in den Foodsack reinbekommen. Dann muss man Ausrüstung ersetzen, neue bestellen, oft über das Internet da es nicht an jedem Ort einen Outfitter hat. Alles sehr zeitaufwändig. Deshalb bin ich froh, dass wir Morgen auch noch hier bleiben, dies ist dann wirklich ein freier Tag. Es gibt hier eine Health Clinic, vielleicht werde ich da mal vorbeischauen und fragen was ich betreffend meinem Rücken tun kann. Falls ich überhaupt einen Termin erhalte. Das mit dem Gesundheitssystem ist hier alles viel komplizierter als bei uns. Ich würde auch gerne meine Haare nachschneiden lassen aber im ersten Coiffeursalon habe ich keinen Termin erhalten. Es soll aber noch zwei weitere geben. 

Übrigens bin ich heute wieder einmal gestürzt! Ich hatte zum Einkaufen meine Wanderschuhe an und dann hat sich der Schuhbändel in einem der oberen Häkchen verheddert und ich machte eine elegante Rolle über den Bordstein aus Gras. Weiss auch nicht was los ist, das ich so oft stürze. Ich scheine aber eine sehr gute Falltechnik entwickelt zu haben, da ich mich nie verletze. Ausser als ich mir den linken Fuss verstaucht habe.

Heute Abend haben wir die Resten von Gestern gegessen. Die Portionen hier sind ja monströs gross, das reicht für zweimal. Hier hat es ja oft eine Mikrowelle im Zimmer und im Supermarkt hat D-Hiker Emmentaler gefunden. Ich habe die restlichen French Fries in den Becher meines JetBoils gefüllt, dann eine Scheibe Emmentaler darüber und 1 Min. in die Mikrowelle. Ahhhh war das gut😊. Dazu der Rest von meinem Hamburger Steak. 

Wir haben heute im Supermarkt Kimby getroffen, die Französin welche mit Bullfrog unterwegs ist. Sie ist auf dem letzten Abschnitt bevor Etna ca. 30m den Hang runter gerutscht. Glücklicherweise wurde sie in ihrem Fall von zwei Bäumen gebremst sonst wäre sie in den See gefallen. Sie hat sich Gottseidank nicht gross verletzt aber der Schock war so gross, dass sie mit dem Helikopter ausgeflogen werden musste. Den Helikopter den wir gestern gehört haben. Trotzallem wollen sie morgen weiterlaufen. Ich habe ihr gesagt, dass es für den nächsten Abschnitt eine Alternative gibt, wo man den höchsten Teil des Weges umgehen kann. Wir werden dies wohl auch tun. Ich will mich nicht unnötig in Gefahr begeben. Überhaupt werde ich wenn es mir zu gefährlich wird einfach umkehren. 

66. Tag, Etna, Meile 1597.2, Höhe 883m

Wir sind heute Morgen frohen Mutes los und meinten alle schwierigen Sachen bereits hinter uns zu haben. Der Körper hatte sich schon in den Relaxmodus begeben, da wir wussten, dass es heute zurück in die Zivilisation geht. Man träumt dann davon was man Essen und Trinken will, von der Dusche und dass man endlich die stinkenden Kleider waschen kann. Man ist bereits halb in der Stadt und nicht mehr ganz auf dem Trail. Der Weg brachte uns aber bald dazu wieder aufzuwachen. Es war noch nicht die Zeit um zu relaxen. Es kamen weitere Schneefelder, grrrrrr! Sie waren nicht sehr gross aber zum Teil sehr steil. Es war also wieder volle Konzentration gefordert! Teilweise konnten wir die Schneefelder auch auf den Steinen umlaufen aber das war auch nicht so einfach denn sie waren zum Teil lose. Einmal war ich fast schon um das Schneefeld rumgeklettert, es fehlte noch ein Schritt zurück auf den Trail. In meinem Gesicht könnte man schon die Freude sehen, dass ich es geschafft hatte und dann Rumms, rutschte ich auf einem losen Stein um und fiel auf den Rücken. Ich lag da wie ein Käfer auf dem Rücken. Ich musste den Rucksack ausziehen um wieder aufstehen zu können. Irgendwie habe ich aber immer Glück, da ich mich nicht gross verletze. Meistens nur eine blaue Beule… Es lehrt einem aber, dass man die Konzentration bis zum letzten Schritt halten muss. 

Nach den Schneefeldern ging es auf Schotter und Steinen runter zum Parkplatz wo wir noch 10 Meilen nach Etna hitchen mussten. Kein einfaches Unterfangen auf einer wenig befahrenen Strasse. Es kamen einige Fahrzeuge vom Forrest Service mit Feuerwehrmännern. Als wir zu Mittag gegessen haben, hatten wir schon gesehen, dass es hinter uns auf der gegenüberliegenden Seite ein kleines Feuer hat. Leider dürften sie uns nicht mitnehmen aber die Autos waren sowieso voll. Endlich hielt ein Auto an und es waren Indianer, die uns mitnahmen, zumindest zwei davon. Sie waren gerade unterwegs zu einer Demonstration gegen eine neue Gaspipeline, die durch ein Wasserschutzgebiet führt. Das Auto war ziemlich voll aber sie schafften es soviel Platz frei zu schaufeln, dass wir alles Platz hatten. Die Rucksäcke wurden einfach auf dem Dach festgezurrt. Als wir alle drin waren bekamen wir sogar noch ein Bier in die Hand gedrückt bevor es losging. Wir schwebten im 7. Himmel und als wir in Etna ausstiegen war ich schon ziemlich angeheitert😜. Als wir ausstiegen bekamen wir noch frische Pflaumen in die Hand gedrückt und noch eine herzliche Umarmung mit auf den Weg. Dies war bisher der sympathischste Hitch in die Stadt. Ich hoffe, dass sie es schaffen,  dass die Pipeline nicht gebaut wird. Die Chancen stehen gut, denn die Pipeline ist illegal! GOOD LUCK! 

In Etna musste natürlich als Erstes die Eiscreme her, dann ging es zum Motel Etna wo wir 3 Nächte bleiben werden. D-Hiker ist ein Stück vom Zahn rausgebrochen und sie bekam erst am Donnerstag einen Termin beim Zahnarzt. Etna ist ein guter Ort um sich zu erholen und meinem Rücken tut es sicher auch gut, denn der schmerzt wie verrückt. Hoffe nicht, dass er mich zum aufgeben zwingt…

So es ist Zeit was richtiges Essen zu gehen. Ich habe Lust auf ein richtig gutes Steak nach all diesen Anstrengungen.