39. Tag, Tentsite, Meile 510.8, Höhe 1158m

Heute war es den ganzen Tag bedeckt und es hat sogar ein wenig geregnet. Stimmt also nicht: „it never rains in California“! Es war total angenehm kühl und nach zwei heißen Tagen wussten wir dies durchaus zu schätzen. Das Laufen war leicht auch wenn es immer noch recht anstieg. Da sieht man was die Hitze doch ausmacht.

Wir sind heute an der 500 Meilen Marke vorbeikommen, dies sind 800 Km😜. Auf dem Camino hätte ich bereits ganz Spanien durchquert! Nicht schlecht oder? 

Wir mussten heute Wasser aus einem Guzzler nehmen. Dies ist Regenwasser welches in einem Tank gesammelt wird. Oben hat es einen Deckel und dann kann man das Wasser rausschöpfen. Es war erstaunlich klar und nach den filtern schmeckte es sehr gut. 

Ich bin mit D-Hiker (Christine) und Hungry-G (Julia) am campen, Mermaid hat sich entschlossen noch bis Hikertown zu laufen. Das war mir zu weit, dies sind mehr als 38km. Sie will am Samstag vor 14.00 in Tehachapi sein damit sie auf der Post noch ihr Paket abholen kann. 

Morgen Abend werden wir alle zusammen die Mojavi in Angriff nehmen. 17 Meilen ohne Wasser, fast 28km! Ich glaube kaum, dass es morgen wieder bedeckt ist, der Himmel ist momentan absolut klar. 

38. Tag, Upper Shake Campground, Meile 493.4, Höhe 1378m

Erstens, ich musste nachts nicht zum pinkeln raus. Ich glaube meine Nieren haben aufgehört zu arbeiten. Es ist manchmal erschreckend wenn man den ganzen Tag Wasser trinkt und nur einmal pinkeln muss. 

Zweitens, ich hatte keinen Hangover und war in besserer Verfassung als gestern. Heute hat Mermaid ihren schlechten Tag eingezogen und die Schuld dafür hat sie bei dem einem Bier gesucht, welches sie getrunken hat. Ich hatte drei und fühlte mich blendend! 

Es war wieder sehr heiss und ich lief meistens vorne weg. Gegen Mittag kamen wir zu einer kleinen Quelle die direkt aus der Wand kam. Dahinter gab es etwas Schatten den Weg entlang. Genau da haben wir unsere Siesta abgehalten. Die anderen Hiker mussten über uns drüber steigen und haben sich gleich hinten angehängt. Schatten war Mangelware heute und man müsste nehmen was sich anbietet. Ich habe sogar ein kurzes Nickerchen gemacht und dabei übersehen, dass es an der Wand Poison Oak hatte. Dies ist eine fiese Pflanze, die Ausschläge und Blasen macht. Jetzt habe ich rund um den  Bauchnabel einen Ausschlag und 2 kleine Blasen die jucken und eine weitere Stelle am Mittelfinger. Könnte schlimmer sein…

Ich bin dann vor Mermaid gestartet weil es ihr immer noch zu heiss war. Es war schön wieder mal alleine unterwegs zu sein, in meinem Rhythmus zu laufen und anzuhalten wann ich will. Wir hatten eigentlich abgemacht, dass ich an der Verzweigung zur Campsite warte aber dann wurde ich so von Fliegen und Moskitos belästigt, dass ich beschloss schon mal runter zu gehen um Wasser zu holen. Nun war der Weg runter aber viel länger und steiler als ich gedacht hatte und ich fragte mich ob ich auf dem richtigen Weg bin. Da gibt es oft keine Schilder sondern man muss sich auf das GPS und die App von Guthook verlassen. Das tönt dann so: at mile 393.5 walk 0.5 mile north down a side trail… Was hilfreich ist sind die Fussspuren der anderen Hiker und denen bin ich gefolgt. Auf halbem Weg kam mir Hunter entgegen, der war auf dem Rückweg zum PCT. Ich bat ihn Mermaid zu informieren, dass ich schon nach unten gegangen war. Unten angekommen waren schon andere Hiker da und zusammen suchten wir die Wasserquelle. Es ging noch mal einen steilen Fusspfad runter bis wir endlich am Wasser waren. Auf dem Rückweg kam mir schon Mermaid entgegen und wir entschlossen gleich hier zu campen. Eigentlich eine sehr schöne Tentsite wenn auch verlassen, dieser Campingplatz wird nur noch von wassersuchenden PCT Hikern benutzt. Es gibt Campingtische, Toiletten und Trash Pins die nicht mehr geleert werden. Wir haben unseren Abfall deshalb auch wieder mitgenommen. 

37. Tag, Casa de Luna, Green Valley, Meile 478.2, Höhe 884m

Nach unserer wunderschönen Campsite auf dem Pass, sind wir am Morgen Richtung Quelle losgelaufen. Wir mussten 4lt Wasser filtern, die Quelle lieferte nur noch einen schwachen Strahl und es brauchte viel Zeit. In wenigen Tagen oder Wochen werden hier wohl alle Quellen versiegen. Es ist Zeit, dass wir die Wüste hinter uns bringen. 

Ich hatte einen schwierigen Tag, es war sehr heiß und ich fühlte mich extrem schlapp. Am liebsten hätte ich mich in den Schatten gelegt und geschlafen. Nur wenn man sich hinlegte und ausruhen wollte fielen die Fliegen und Moskitos über einen her. Mermaid hat sich in das Moskitonetz ihres Zeltes gelegt um ihre Ruhe zu haben und ich hatte ein Moskitonetz auf dem Kopf. Es war aber gar nicht entspannend und so haben wir uns weitergeschleppt. Wir hätten wohl noch mehr Wasser mitnehmen müssen. Ich musste mich beherrschen nicht das ganze Wasser auf einmal hinunter zu stürzen. 

Ich habe heute sogar eine Fliege verschluckt, die ist mir einfach in den Mund geflogen und zwar so weit hinten, dass ich nur noch schlucken konnte. Diese Fliegen sind wirklich lästig. Sie wollen in deine Nase, Augen, Ohren und Mund. 

Nach 16 Meilen sind wir zum Trailhead gekommen und haben gehitched bis zur Casa de Luna. Dies ist ein richtiger Hippiort, chaotisch aber sympathisch. Wir durften im riesigen Manzanitawald hinter dem Haus unser Zelt aufschlagen. Die Dusche haben wir ausgelassen, wir hatten ja erst am Vortag geduscht und dann haben wir uns den Bauch vollgeschlagen und Bier getrunken. 

Da in Amerika Memorial Day ist haben noch zwei Bands gespielt. Ich habe mich total wohl gefühlt und war völlig entspannt. Wenn man hier ankommt kriegt man ein Hawaiihemd, dass soll scheinbar auch helfen zur Entspannung und wenn nicht trink noch ein Bier😉. 

Eigentlich hätte ich hier mein Bandana der PCT Class of 2017 erhalten sollen aber dafür hätte ich vor Terry Anderson tanzen müssen, dass war mir dann doch zu anstrengend. Kann es ja auch im Internet bestellen…

So um 22.00, Hiker Midnight war schon lange vorbei, habe ich dann mit der Taschenlampe, im dunklen Manzanitawald, mein Zelt gesucht. War gar nicht so einfach und ich war nicht die Einzige die im Dunkeln rumgeirrt ist. 

Jetzt wo ich im Zelt liege, frage ich mich gerade,  ob es wohl eine gute Idee gewesen war 3 Bier zu trinken in Anbetracht dessen, dass ich am nächsten Morgen wieder um 5.00 aufstehe und einen heißen Tag vor mir habe. Ich habe den ganzen Abend kein Wasser getrunken. Mein Verstand belehrt mich gerade, dass das gar nicht gut ist! Ok, ok aber Bier besteht größtenteils aus Wasser, dann kann es wohl nicht so schlimm sein oder? Bestimmt muss ich heute Nacht nochmal zum Pinkeln raus😳. Das mache ich gar nicht gerne, man weiß ja nie wer oder was da draußen rum schleicht. 

GUTE NACHT!😴 

36. Tag, Tentsite, Meile 462.3, Höhe 1365m

Letzte Nacht habe ich sehr gut geschlafen unter dem Sternenhimmel im Hiker Heaven. Es ist ja auch beruhigend, wenn 50 andere Hiker um einen rum schlafen😉. Am Morgen bin ich genüsslich liegen geblieben bis die Sonne und die frei herumlaufenden Hühner mich aus dem Zelt getrieben haben. Ich bin dann in die Küche und habe von einem Hiker eine Tasse Kaffee in die Hand gedrückt bekommen, besser hätte mein Tag gar nicht starten können😊. Anschließend gab es eine warme Dusche nachdem die letzte auf dem Campingplatz in Acton KOA kalt gewesen war😬. 

Um 9.30 ging es zu RAI wo ich eine neue Hose und Schuhe für die Sierra gekauft habe. Die Schuhe habe ich direkt nach Kennedy Meadows geschickt. Im Moment sieht es zwar so aus, dass wir die Sierra skippen müssen. Es hat einfach zuviel Schnee und ich möchte nicht unnötig mein Leben riskieren. Es kann sein, dass wir zuerst nach Nordkalifornien oder Oregon gehen werden oder auch dass wir eine Strecke von Norden nach Süden also southbound laufen. Heidi hat bereits entschieden, dass sie nach South Lake Tahoe gehen wird und die Sierra erst im August läuft. Jetzt müssen wir aber erst mal die Mojave überstehen, das ist der heißeste Teil der Wüste. Wir werden abends starten und nachts laufen weil es tagsüber einfach zu heiss ist und wir nicht soviel Wasser schleppen wollen. Wird bestimmt eine interessante Erfahrung. Wir werden mit Stirnlampen unterwegs sein und da sieht man gemäß Berichten immer wieder 👀 von Tieren aufblitzen. Uhhhhh😳. 

Um 15.00 sind wir runter nach Agua Dulce gefahren worden wo wir zuerst etwas gegessen haben. Danach ging es bei großer Hitze zunächst der Straße entlang. Die Mutter von Stefanie hat mit dem Auto angehalten und uns in ihrem Auto zum Trailhead gefahren. Sie ist Deutsche lebt aber seit langer Zeit in Amerika. Somit mussten wir nicht so lange auf der Straße laufen. 

Nach 8 Meilen anstrengendem Aufstieg kamen wir genau richtig für den Sonnenuntergang. Wir entschieden sogleich hier oben zu campieren und das war eine seht gute Entscheidung! Wir haben uns zuerst hingesetzt, den Sonnenuntergang genossen und erst dann das Zelt aufgebaut. Dann war es schon bald 20.30 und wir mussten im Dunkeln essen. Es war einer der ersten warmen Abende wo man einfach draußen sitzen konnte.