Sansol, 23.06.2010 (28 km)

„Verzichte auf das Unwesentliche“

Estella ist eigentlich als kleine Stadt gar nicht so uebel wenn man sich denn die Zeit nimmt sie anzuschauen. Bin abends noch auf der Plaza gesessen, habe ein Bierchen getrunken und die spanische Atmosphaere genossen. Die Albergue in Estella war mir fast zuviel. Zu viele Pilger, wahnsinnig laut, ein absolutes Kontrastprogramm zudem was ich bisher gewohnt war. Kam mir irgendwie fehl am Platz vor. Wollte eigentlich noch bis Irache weiter aber dann ist mir ein Problem dazwischen gekommen welches uns Frauen einmal im Monat ueberkommt. Hatte nichts dabei und die Tiendas in Spanien oeffnen erst um 17.00 Uhr. Dann war es auch schon 15.00 Uhr und viel zu heiss um wirklich weiterzuwandern. Na ja guter Moment, um mich an die vielen Peregrinos zu gewoehnen oder?
Bin heute Morgen um 5.45 aufgestanden, laenger schlafen kann man auf dem Camino Frances sowieso meistens nicht, da hier alle sehr frueh aufstehen um der Hitze zu entgehen. Falls man etwas laenger schlafen moechte sollte man jeweils in die kleineren Herbergen zwischen den Staedten gehen. Um 6.00 gab es Fruehstueck bestehend aus Zwieback, Butter und Konfituere und dazu Kaffee. Um 6.30 war Abmarsch, bis 7.00 Uhr muessen alle Pilger die Herberge verlassen haben. Man kann fruehestens um 4.00 Uhr raus….;-). Meine russischen Babuschkas gehen ja meistens um 4.30…;-), waren aber im anderen Zimmer.
Heute bin ich in Villamajor de Monjardin vorbeigekommen und habe alte Erinnerungen aufgefrischt wie z.B. den Tennisfinal von Wimbleden zw. Nadal und Federer welchen wir hier angeschaut haben. Wegen Regenunterbrechungen dauerte er ewig lange und den letzten Satz konnten wir nicht mehr anschauen weil die Senora die Schnauze voll hatte und kurzerhand den Fernseher abgestellt hatte. Habe dann am naechsten Tag in Los Arcos erfahren, dass Nadal gewonnen hatte. Roger, mein temporaerer Weggefaehrte ist waehrend dem Spiel im Sitzen eingeschlafen…;-). Waere schoen, wenn meine Mitstreiter von damals hier waeren.
Die Strecke von Villamajor nach Los Arcos ist sehr schoen und ich habe dazu Musik gehoert und Bajans von Deva Premal gesungen. War richtig meditativ.
Habe immer noch Muehe, mich an die vielen Pilger, vor allem an die Gruppen zu gewoehnen. Es hat eine Gruppe mit jugendlichen Spaniern und wenn die vorbei laufen hat man das Gefuehl es kommt eine Nahkampttruppe. Die haben eine Energie die alles wegfegt. Ich nenne sie nur die Rambos…;-). Hatte beschlossen bis Sansol oder Torres del Rio weiterzulaufen und nicht in Los Arcos da es eine grosse Albergue ist. Im Forum hat mal jemand von der Albergue in Sansol erzaehlt und ich beschloss festzustellen ob sie noch existiert.
Habe in Los Arcos nur kurz Pause gemacht bei der Albergue da es schon 13.15 war und anfing richtig schoen warm zu werden. Konnte mich vom letzten Mal her nicht mehr an die Strecke erinnern und so wusste ich nicht, dass mir knapp 2 Stunden in der bruetend heissen Sonne bevorstanden. Zwei Italiener sassen auf einer Bank in der prallen Sonne, Schatten gab es ja keinen, und haben sich Luft zugefaechelt. Konnte nachvollziehen wie sie sich fuehlen mir ging es naemlich genauso. Habe gesungen und Lieder getextet die alle von einer frischen Brise handelten…;-).
Die letzten 1.5 km waren dann noch auf Asphalt und dies hat mir dann noch den Rest gegeben. Bin mit hochrotem Kopf und nass vom Schweiss in der Albergue von Sansol angekommen. Die Albergue ist nicht mehr Donativo und ich weiss auch nicht ob noch die selben Leute da sind wie frueher. Habe nur im Pilgerbuch gesehen, dass sie im 2008 keine Pilger aufgenommen haben, erst wieder 2009. Jetzt verlangen sie 6 Euro. Der Senor hat uns freundlicherweise mit dem Auto nach Torres del Rio runtergefahren damit wir Essen einkaufen konnten. Habe mir gerade noch den Proviant fuer den morgigen Tag eingekauft.
Heute war mein SOS-Menu faellig. Habe ich im Outdoor-Laden gekauft und man muss nur noch heisses Wasser beifuegen und man hat eine komplette Mahlzeit. Vom Geschmack her war es gar nicht so schlecht wenn auch die Teigwaren etwas knusperig waren.
Morgen ist mein letzter Wandertag und dann bin ich schon in Logrono. Die Zeit ist irre schnell vorbeigegangen und trotzdem habe ich das Gefuehl schon Monate von zu Hause weg zu sein. Es kommt schon ein bisschen Wehmut auf muss ich sagen aber es ist auch ok in Logrono anzuhalten.

Übernachtung: Gute kleine Herberge in Sansol. Ist aber nicht mehr Donativo, verlangen jetzt 6€ ohne Frühstück. Der Hospitalero hat uns aber nach Torres del Rio zur Tienda gefahren zum einkaufen, das war sehr nett.










2 Antworten auf „Sansol, 23.06.2010 (28 km)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s