Santa Cruz de la Seros, 16.06.2010 (ca. 30 km)

„Auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man ein schönes Muster legen“

Dieser Tag geht unter die Rubrik knapp ueberlebt. Nachdem ich schon halb tot in Jaca angekommen bin haette ich es heute eigentlich etwas ruhiger nehmen sollen. Gut wusste ich am Morgen noch nicht was mich erwartet. Hatte mich am Abend vorher im Touristoffice ueber den Weg nach San Juan de la Pena informiert aber die waren nicht gerade hilfreich. Der Senor meinte ich solle der Strasse entlang gehen, es gaebe zwar einen Weg aber der sei bei diesem Wetter nicht zu empfehlen. Den letzten Satz hatte ich irgendwie ueberhoert…
Ich bin dann um 7.30 los und hatte beschlossen, falls Gott will dass ich diesen Weg gehe er mir einen Weg zeigen wuerde. Ja und dann stand ich ploetzlich an der Abzweigung zum Kloster. Der Weg ist als Alternative des GR 653 ausgeschildert und gut gekennzeichnet. Am Schild stand 3.5 Std. und „schwer zu gehen“. Es war gerade 9.00 Uhr und ich beschloss, dass ich das locker schaffe. Der Weg sah von Anfang an etwas abenteuerlich aus wie ein Flussbett dass man hinauflief. Sehr steinig und sehr anstrengend. Hatte schon begonnen meine Entscheidung anzuweifeln und mir ueberlegt ob es wohl nicht besser waere umzukehren aber so schnell gebe ich nicht auf. Habe mich weiter muehsam hoch geschleppt und ploetzlich stand ich oben auf einem Plateau und hatte eine wunderbare Aussicht. Kein Gedanke mehr daran umzukehren. Nun wurde es richtig schoen, nein einfach traumhaft mit Worten gar nicht zu beschreiben. Dann ging es auf der anderen Seite wieder hinunter und ich musste eine Felswand runterrutschen. Habe noch gedacht na hoffentlich muss ich nicht umkehren, habe nämlich meine Bergsteiger-Ausrüstung nicht dabei..
In Attares war ich schneller als ich gedacht hatte und von da aus haetten es dann noch 1.5 Std. sein sollen. Na ich habe mich ja sowas von getaeuscht die 3.5 Std. sollten sich noch endlos in die Laenge ziehen. Von Attares ging es dann bald ziemlich steil und endlos den Berg hinauf. Also wenn ich gewusst haette worauf ich mich einlasse haette ich San Juan de la Pena wohl schweren Herzens links liegen lassen. Als ich total erschoepft oben ankam habe ich zuerst einmal Pause gemacht, die schoene Aussicht genossen und ein paar SMS verschickt. Ich war bester Stimmung und glaubte zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Kloster zu sein.
Ich hatte beschlossen, dass dies ein Tag der Belohnungen werden sollte. Die erste Belohnung war die schoene Aussicht nach dem Aufstieg, die zweite der wunderschoene Weg, die dritte das alte Kloster und die vierte vielleicht eine Uebernachtung in einem tollen Hotel.
Zunaechst musste ich aber noch endlos lang durch den Wald, ueber Baeume klettern welche alle paar Meter im Weg lagen und Baeche ueberqueren. Hatte langsam das Gefuehl, dass das Kloster sich vor mir versteckt. Irgendwann kam dann eine Abzweigung und dann musste ich mich zwischen neuem und altem Kloster entscheiden. Hatte keine Ahnung welchen Weg ich nehmen soll und habe mich fuer das neue entschieden, da das alte wie es aussah auf dem Rueckweg lag. An diesem Punkt fand ich es gar nicht mehr lustig und ich hatte langsam das Gefuehl verarscht zu werden auf diesem Weg. Ich haette laut herausschreien koennen und zu allem Elend fing es jetzt auch noch an zu regnen. Wahrscheinlich war ich an diesem bloeden Kloster schon lange vorbeigelaufen.
Dann kam schon die naechste Verzweigung und ich musste mich zwischen 4 Richtungen entscheiden und auf allen stand San sowieso und San anderswo. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass ich ohne Karten unterwegs bin und nur den Miam Miam Do Do bei mir habe, dies nur falls sich jemand wundern sollte, dass ich so schlecht informiert bin. Ich bin dann einfach geradeaus gelaufen und war ziemlich wuetend und am Punkt alles hinzuschmeissen und aufzugeben. Dann kam ich ploetzlich auf eine Lichtung und ja genau da stand das neue Kloster.
Da standen ein paar Touristen und die haben mich angelotzt wie wenn ich von einem anderen Stern kommen wuerde. Es war nun bereits 15.30 und die 3.5 Std. haben sich gut und gerne 6.5 Std. in die Laenge gezogen.
Ich bin dann zuerst einmal in die Bar und habe einen Kaffee getrunken und ein Bocadillo gegessen. Das neue Kloster besteht vor allem aus einem Museum und das habe ich mir dann angeschaut. Man erfaehrt viel ueber die Geschichte und die Lebensweise der Moenche. Es war ganz interessant. Ich war kaum im Museum hat es wie aus Kuebeln angefangen zu regnen und ich durfte in diesem Moment nicht daran denken, dass ich ja noch den Berg runterlaufen muss. In San Juan de la Pena gibt es ja leider keine Albergue fuer die Peregrinos.
Da war noch eine Ausstellung im Gebaeude daneben und dafuer musste man rausgehen. Habe mir angeschaut von was die Moenche so gelebt haben und was fuer Handwerk sie betrieben haben. Anschliessend wollte ich wieder ins andere Gebauede aber die Tueren waren verschlossen und ich stand im stroemenden Regen. Wenn ihr mein Gesicht gesehen haettet wuesstet ihr was Verzweiflung ist. Es ist ja nicht so, dass gerade Massen von Touristen im Museum waren. Ich habe ziemlich verzweifelt an die Glastueren gehaemmert bis mir ein Spanier die Tuer geoeffnet hat. Er hat mich ziemlich entgeistert angestarrt aber das war mir in diesem Moment voellig egal, war nur froh wieder im Trockenen zu sein. Hatte dann beschlossen, dass das genug war im Museum und ich bin mit dem kleinen Bus 1.5 km runter zum alten Kloster gefahren.
Das alte Kloster ist wirklich sehr schoen und sehenswert, den Rest kann man sich eigentlich schenken (ausser dem Kaffee und dem Bocadillo). Haette mich gerne laenger in dem Kloster aufgehalten aber es war sehr kalt und goss immer noch in Stroemen. Als ich im Kreuzgang stand und auf die Strasse runterschaute sah ich Harrou kommen den japanischen Pilger. Ich haette mir eigentlich denken koennen, dass nur er genauso verrueckt ist wie ich um zu diesem Kloster herzulaufen. Mann habe ich mich gefreut ihn zu sehen, einen Leidensgenossen.
So um 18.00 habe ich dann beschlossen, dass ich nicht weiter warten kann damit der Regen aufhoert, ich musste langsam runter laufen. Habe mich dann missmutig in meine Regenausruestung gestuerzt und mich mit einem grimmigen „singing in the rain“ auf den Weg gemacht. Die Senora hat gemeint auf dem Camino seien es nur noch 4 km bis zum naechsten Ort und nicht 7 wie auf der Strasse. Zunaechst ging es schoen durch den Wald aber dann ging es wieder steil irgendwelche Bachbette hinunter und jetzt waren sie nicht mehr ausgetrocknet. Ich weiss nicht welchen Wahnsinn mich geritten hat diesen Weg zu nehmen und nicht die Strasse runterzulaufen. Ich muss wohl alle meine Schutzengel auf den Plan gerufen haben und sie waren 100% beschaeftigt. Es war steil und es hatte richtige Abgruende aber irgendwie bin ich heil und sicher runtergekommen. Um 19.30 war ich endlich im Hotel, eine Albergue gab es ja hier nicht und irgendwie hatte ich mir diesen schoenen Ort schwer verdient heute. Schliesslich war es immer noch der Tag der Belohnungen. Das Hotel ist wunderschoen und die Leute hier sind sehr nett. Zudem hat das Zimmer eine tolle Aussicht zur antiken Kirche. Konnte das Zimmer sogar heizen und meine Kleider waschen und trocknen. Die Wanderschuhe habe ich auch noch gleich auf die Heizung gestellt aber man muss aufpassen sonst zieht es einem die Sohlen zusammen….
Um 20.30 habe ich dann einen Teller Spaghetti zur Vorspeise verdrueckt und anschliessend gleich noch Huhn mit Patatas fritas. Ich hatte so einen Hunger ich haette eine ganze Kuh essen koennen. Dazu noch Vino tinto und meine kleine Pilgerwelt war schon wieder ganz in Ordnung.
Ich bin an diesem Tag ziemlich an meine Grenzen gekommen und teilweise war es auch ganz schoen gefaehrlich aber meine Schutzengel haben mich den ganzen Tag ueber gut beschuetzt und ich fuehlte mich gluecklich und dankbar in diesem Hotel zu sein. Habe dann auch noch Harrou in mein Gebet eingeschlossen und hoffe, dass er intelligenter war wie ich und die Strasse genommen hat.

Übernachten: In Santa Cruz de la Seros gibt es keine Albergue aber die Hosteleria Santa Cruz. Dieses Hotel mit der wunderschönen Aussicht hat mich gerettet an diesem Abend, wäre keinen Meter weitergekommen.










Jaca, 15.06.2010 (31 km)

„Es geht wenn man geht“

Gestern hatte ich ja wirklich eine gemütliche Wanderung wenn ich es mit heute vergleiche. Bin erst um 17.45 hier in der Albergue angekommen und wieder einmal fix und fertig nach fast 31 km. Die grossen Etappen machen mir einfach immer noch sehr zu schaffen. Für diese habe ich immer noch zuviel Gewicht auf dem Rücken. Als ich 2008 durch Spanien bin hatte ich nur noch 8 kg Gepäck und dann waren Etappen von 30 km kein Problem.
Gestern Abend habe ich noch gut gegessen zusammen mit Tina und irgendwie beneide ich sie ja, dass sie alle Zeit der Welt hat für ihren Camino. Sie ist bereits seit 5 Monaten unterwegs und scheinbar muss sie auch nicht aufs Geld schauen die Glückliche. Sie macht immer nur kurze Etappen, heute ist sie in Villanua geblieben und dann macht sie einen Ruhetag in Jaca. Werde sie wahrscheinlich nicht mehr antreffen. Schade, es ist immer wieder schön mit jemandem
Kontakt zu haben der den ganzen Weg von zu Hause läuft.
Ich bin heute um 7.30 ohne Frühstück und nach einer eher schlaflosen Nacht los vom Col du Somport. Als ich aufgestanden bin war alles noch in tiefstem Nebel aber als ich dann los bin war der Nebel weg und das Wetter gar nicht so schlecht. Man konnte in der Ferne auf jeden Fall schon einen blauen Streifen am Horizont ausmachen.
Die Strecke runter nach Canfranc Estacion war wunderschön und der Abstieg gar nicht so schlimm. Die Strecke runter nach Roncesvalles habe ich schlimmer in Erinnerung, nur ist man da ja auch den ganzen Weg erstmal hinaufgestiegen. War schon gut, den Auf- und Abstieg auf zwei Tage zu verteilen.
In Canfranc Estacion habe ich mir dann erstmal zwei Cafes con leche und ein Bocadillo con jamon gegönnt bevor ich weitergegangen bin. Bis Villanua war das Wetter gut und da hatte ich auch schon die Hälfte der langen Etappe geschafft. Musste heute nicht so gegen meinen Verstand ankämpfen, ich wusste, dass ich es schaffe auch wenn ich abends dann fix und fertig bin.
In Villanua musste ich zum ersten Mal seit ich in Auch gestartet bin den Weg suchen. Ein spanischer Pilger ist auch mit suchendem Blick rumgelaufen und wir haben dann nach dem Weg gefragt. Sonst ist in Spanien ja alles sehr gut gekennzeichnet mit den gelben Pfeilen und wenn man mal keinen sieht kommt es einem gleich spanisch vor…;-).
In Castillo de Jaca hatte ich eigentlich schon genug für heute aber leider gab es da keine Albergue. Deshalb musste ich mich noch 6.5 km weiterschleppen, anders kann man das nicht nennen. Das letzte Stück hat sich endlos in die Länge gezogen und ich habe es mal wieder nur mit Singen geschafft die letzten Reserven aus mir rauszuholen.
So mehr mag ich heute gar nicht schreiben. Werde mal Bernard in der Bar aufsuchen und mit ihm noch ein Gläschen Wein trinken und Fussball-WM kucken. Hoffe, dass ich heute ganz tief schlafen kann und morgen wieder fit bin. Es ist mir manchmal wirklich ein Rätsel wie man am nächsten Tag dann doch wieder weiterlaufen kann.
Die Albergue hier in Jaca ist übrigens ziemlich speziell. Es hat alles so kleine 2er Abteile man kann aber bei allen anderen reinschauen. Habe ich noch nie so gesehen in Spanien. Aber es ist ok, schliesslich bin ich totmüde und Hauptsache ich habe ein Bett wo ich mich hinlegen kann.

Übernachtung: Gute Albergue Municipal, die Abteile sind etwas gewöhnungsbedürftig, habe ich so nie gesehen auf dem CF. Schade hätte ein Foto machen sollen…;-).






Col du Somport, 14.06.2010 (18 km)

„Ich bin nicht alleine auf dem Weg“

Hurra…, nun bin ich in Spanien, direkt nach der Grenze auf dem Somport, in meiner ersten spanischen Albergue. Tina ist auch hier, Bernard ist noch ein Stück weitergelaufen, er möchte heute Abend unbedingt die Weltmeisterschaft am Fernseher sehen, es hat hier zwar auch einen aber…;-).
Das Wetter war wie bei meiner letzten Pyrenäenüberquerung nass, kalt und neblig. Hier im Gite wird sogar geheitzt. Habe einfach kein Glück beim überqueren der Pyrenäen, d. h. aber nur, dass ich sie noch ein drittes Mal überqueren muss.
Bin heute Morgen ca. um 8.30 los nachdem ich in der Bar noch einen letzten französischen Kaffee und ein Croissant gegessen habe. Habe über Nacht beschlossen doch zu laufen und nicht den Bus zu nehmen. Es ist immer besser, seine eigenen Erfahrungen zu machen und wie so oft „es wird nicht so heiss gegessen wie gekocht“. So schlimm war es gar nicht und überlebt habe ich auch.
Bernard hat sich dann doch noch entschlossen mit mir zu kommen und so sind wir los und schon bald hat es natürlich angefangen zu regnen. Wir sind an der Nationalstrasse entlang gelaufen und die Wege welche gemäss Miam Miam Do Do neben der Strasse verlaufen haben wir nicht gefunden oder sie sind nicht mehr markiert. Es gab einzelne Stellen wo es sehr eng war und man wirklich aufpassen musste vor allem wenn sich zwei Lastwagen an der gleichen Stelle kreuzen wird es sehr eng. Die Lastwagen sind aber Gottseidank vor allem von der spanischen Seite her runtergefahren und so sind wir vor allem rechts geblieben. Manchmal habe ich vor einer Kurve auch die Seite gewechselt aber im Grossen und Ganzen ging es ganz gut.
Mehrere Kilometer nach Urdos kam dann eine Abzweigung zum alten Weg nach Spanien und ich musste Bernard erst mal überzeugen damit wir endlich von der Strasse runterzukommen. Es ging vor allem durch den Wald und wir mussten viele kleine Bäche überqueren. In der Gegend hier regnet es scheinbar schon seit einer Woche und deshalb ist natürlich alles sehr aufgeweicht und es hat viel Wasser welches die Hänge runterkommt und kleine Bäche bildet. Der Weg ist nur spärlich gekennzeichnet aber an den wichtigen Stellen hatte es immer eine Wegmarkierung. Hatte immer ein gutes Gefühl und darauf kann ich mich meistens verlassen. Wenn ich mich verlaufe meldet sich meine innere Stimme ziemlich schnell. Der Weg, ich nehme an es ist ein alter Handelsweg, ist auf jeden Fall wunderschön und der Nationalstrasse vorzuziehen vor allem wenn es dazu noch neblig ist und einem die Autofahrer nicht gut sehen können. Hatte mich eigentlich darauf eingestellt, die letzten 8 km nur auf der Strasse zu laufen und dann kam alles anders.
Als wir hier ankamen hat uns Tina schon von weitem aus dem Restaurant gewunken. Sie ist gestern bis Urdos weitergelaufen. Habe gleich beschlossen hier zu bleiben und mir Eier, Schinken und Patatos fritas bestellt. Dazu ein Gläschen Rotwein und danach einen Cafe con leche….Was ist das doch für eine Freude wieder in Spanien zu sein. Da muss man doch ein bisschen feiern.
Ich habe ja für meinen i-Pod das falsche Kabel zum Laden mitgenommen und hatte daher seit ca. einer Woche keine Musik mehr. Tina hat auch einen i-Pod und jetzt konnte ich ihn endlich laden. Habe mich gleich mal in meinen Schlafsack gelegt und 1 – 2 Stunden Musik gehört. Mann ich war schon lange nicht mehr so glücklich! Was so ein kleines bisschen Musik doch ausmacht.
Jetzt bin ich so richtig drin im Camino und ich weiss schon jetzt, dass es mir ziemlich schwer fallen wird aufzuhören. Na ja ist bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich auf dem Camino unterwegs sein werde. Er macht nämlich süchtig..;-).
Morgen soll das Wetter etwas besser sein gemäss der Hospitalera heute Morgen gibt es sogar ein klein wenig Sonne. Ich werde versuchen bis Jaca zu laufen, dies sind zw. 28 – 30 km je nach Führer. Es geht aber vor allem runter und mein Knie macht mir schon lange keine Probleme mehr. Eigentlich habe ich es nur am ersten Tag gespürt.
So ich werde jetzt Schluss machen und den Feierabend geniessen…;-).

Übernachtung: Ich habe auf der spanischen Seite im Refuge Aysa übernachtet. Gute Albergue, mit viel Betten und schöner Aussicht auf die Strecke die man am nächsten Tag runterläuft. Die Preise sind etwas höher als auf dem Camino Frances. Hier habe ich meine erste Cerveza con limon getrunken…;-).









Borce, 13.06.2010 (22 km)

„Pilger! Nicht du sollst den Weg machen. Lass zu, dass der Weg dich macht“

Heute Morgen habe ich mein letztes Stück Brot gegessen und bin dann kurz vor 8.00 Richtung Borce gestartet. Bald kam mir schon Tine entgegen und sagte sie würde die Strasse nehmen da der Weg zu schwierig sei und man zu grosse Schritte machen müsse. Dazu muss man sagen, dass sie mit einem riesigen Rucksack von 14 kg rumläuft. Weiss nicht wie sie das schafft die gute Frau. Dachte mir, dass ich es trotzdem versuchen will. Es ging zügig voran auf einem ähnlichen Weg wie gestern aber dann war plötzlich auf ca. 2 – 3 m Länge der Weg eingebrochen und ein Durchkommen war unmöglich. Es wäre schlicht und einfach zu gefährlich gewesen und ich bin nicht ängstlich aber leichtsinnig bin ich auch nicht. Der Weg sah aus als könnte noch mehr einbrechen wenn man einen Fuss darauf setzt. Und darunter war auch wieder ein Abhang. Habe dann beschlossen umzukehren und der Nationalstrasse entlang zu laufen. Bald schon ist mir Bernard entgegengekommen und ich habe ihm gesagt, dass der Weg nicht passierbar sei. Wir sind dann den ganzen Tag zusammen weitergelaufen und es ging oft der Nationalstrasse entlang was nicht sehr lustig war, da man immer aufpassen muss wegen den schnell fahrenden Autos. Aber die Umgebung war mal wieder überwältigend und es gab auch schöne kleine Wege abseits der Strasse.

So um 15.00 sind wir in Borce angekommen und wieder in einem sehr schönen Dorf und tollem Gite. Werden jetzt dann gleich Pasta kochen und uns eine Flasche Rotwein genehmigen.

So ihr Lieben jetzt seid ihr wieder auf dem neuesten Stand und ich werde jetzt aufhören weil ich mir in diesem Steinhaus den Arsch abfriere. Es ist saukalt hier drin. Werde mich mal kurz in den Schlafsack legen um mich aufzuwärmen.

Weiss noch nicht ob ich Morgen den Bus bis zum Somport nehmen soll, da es anscheinend gefährlich sei weil der Weg vor allem der Nationalstrasse entlang gehe. Ja und Morgen ist Montag und dann kommen die ganzen Lastwagen. Bernard wird auf jeden Fall den Bus nehmen und Tine ist gleich bis Urdos weitergelaufen. Na ja werde noch mal darüber schlafen.

Übernachtung: In Borce gibt es den Accueil pèlerin Hospitalet Saint Jacques (Gîte communal) mit nur 6 Betten aber eigener Kapelle. Der Gîte ist ganz am Anfang des Dorfes. Unbedingt zu empfehlen! Ein absolutes Juwel!!!

Dann gibt es noch einen privaten Gîte mit Bar, Epicerie und Internetanschluss. Ist auch gut aber kein Vergleich mit dem anderen kleinen Juwel.













Sarrance, 12.06.2010 (21.5 km)

„Ich setze den Fuss voller Achtsamkeit auf die Erde, im Wissen, dass ich auf einer wunderbaren Erde gehe“

Heute Morgen habe ich ausgeschlafen, gut gefrühstückt mit dem was ich von Tine und Bernard bekommen habe. Der neue Gite von Oloron ist übrigens klasse, es gibt alles 2er Zimmer und ich hatte den Raum für mich alleine. Kurz vor 9.00 bin ich dann los, habe mir in der Bäckerei noch eine Ficelle gekauft und dann ging der Spiessrutenlauf los durch Oloron. Es ist gar nicht so einfach aus dieser Stadt rauszukommen. Man hat das Gefühl, dass man im Kreis rumläuft. Ich habe dann noch eine Abkürzung genommen die mir Tine vorgeschlagen hat. Trotzdem hat es ca. 45 Min. gedauert um aus der Stadt rauszukommen. Ich war mal wieder völlig begeistert von der Umgebung. Teilweis ist es wirklich märchenhaft. Die Farbe Grün scheint hier richtig zu explodieren, natürlich vor allem wegen dem vielen Regen. Eine Frau in einem Cafe meinte jetzt würden wir den Frühling von Bearn kennenlernen. Ich liebe das Baskenland.
Einmal bin ich an einer grösseren Schafherde vorbeigekommen und da kam ich mir vor wie der böse Wolf. Die ganze Herde ist vor mir davongerannt auf die Strasse und hat sie natürlich blockiert. Die Autos mussten dann warten bis sich die Schafe wieder beruhigt haben. Das war ja lustig. Es war so schön heute ich kann es kaum in Worte fassen, einfach bezaubernd.
Nach Escot ging es über eine Brücke und dann fing ein abenteuerlicher Weg an der teilweise sogar gefährlich war. Es war ein schmaler Waldpfad der sich am Abgrund entlang schlängelte. Ein falscher Schritt und man wäre runter gesegelt. Teilweise hatte es auch entwurzelte Bäume und der Weg war teilweise zerstört. Aber es war immer so, dass man weiterlaufen konnte. Da war einerseits die Faszination des Weges, denn er war mal wieder märchenhaft schön und andererseits war man sich der Gefahr bewusst. Aber ich hatte immer ein gutes Gefühl und bin einfach zügig vorwärts gelaufen. Am Ende des Weges wo er wieder etwas breiter war standen plötzlich zwei Esel quer auf dem Pfad. Ich habe gut auf sie eingeredet, dass sie sich doch ein paar Zentimeter bewegen sollen damit ich an ihnen vorbeikomme aber nichts zu machen. Habe dann den einen Esel gestossen bis er sich ein paar Zentimeter bewegt hat und ich mich an ihm vorbeiquetschen konnte. Ich liebe Esel und habe überhaupt keine Angst vor ihnen. Ich fand es im Gegenteil total lustig.
Am Ende des Weges stand ein Schild, dass man aufpassen solle weil man jetzt die Nationalstrasse überquere. Habe dann nur gedacht, na den Weg den ich gerade gelaufen bin war gefährlicher.
Bin wieder mit Tine und Bernard im gleichen Gite und zudem sind noch zwei Kanadier hier. Soviele Pilger habe ich noch gar nie aufs mal gesehen. Ist ja schon richtig voll hier.
Sarrance ist wunderschön und ich bin im Gite vom Kloster untergekommen. Es ist sehr einfach aber der Gite ist wirklich toll. Wir haben uns zu dritt eine Flasche Rose gekauft und zusammen Apero getrunken. Anschliessend sind wir zusammen essen gegangen und das war richtig lecker. Dann gab es nicht mehr viel zu tun ausser einem kleinen Spaziergang, Tagebuch schreiben und früh ins Bett zu gehen. Na ich hoffe doch, dass ich mit sovielen Leuten im gleichen Raum schlafen kann.

Übernachtung: Accueil Notre-Dame im Kloster. Toller, altertümlicher, urchiger Gîte! Nicht verpassen! Um den Eingang zu finden muss man in den Kreuzganz, aussen ist absolut nichts angeschrieben!










Oloron, 11.06.2010 (32.5 km)

„Manchmal ist viel Schmerz und Ermüdung nötig, damit man an seinen Körper glauben kann“

Ich habe es tatsächlich geschafft, von Lescar bis Oloron zu laufen. Dies sind doch stolze 32 km. Ich bin am Morgen bereits um 6.30 los und die ersten Stunden sogar ganz ohne Regen. Ich habe riesige Wälder durchquert und in strömendem Regen auch noch einen Weg wie einen Acker. Hatte richtige Stollen unter den Schuhen. Bei Estialescq, wo ich eigentlich übernachten wollte und es aber leider keinen Platz hatte, habe ich mich im strömenden Regen an einen Picknicktisch gesetzt und ganz erschöpft in den Regen gestarrt. Ein Bild für Götter wenn mich den jemand gesehen hätte. Ich musste auf jeden Fall gleich mal Lachen und das hat gut getan.
Damit ich den langen Weg schaffen konnte musste ich jegliche negativen Gedanken aus meinem Kopf verbannen. Ich musste meinen Verstand konstant kontrollieren und immer wenn ich das Gefühl hatte nicht mehr zu können habe ich gesungen. Dies war eine sehr gute Uebung. Ich habe meinem Verstand ab und zu auch einfach gesagt, dass er die Klappe halten soll. Schon lustig da ist man plötzlich zu zweit.
Ich habe mir immer nur kleine Ziele vorgenommen wie z.B. bis zu dem nächsten Hügel oder diesen Wald durchqueren usw. Ich habe mir verboten in Kilometern zu denken. Mich hat mal eine Frau gefragt, wie man das schafft soweit zu laufen und ich habe lachend gemeint, dass sei ganz einfach, immer einen Schritt nach dem anderen. So schafft man es z.B. von Basel nach Finisterre zu laufen.
Ich bin dann um 17.30 völlig erschöpft im Gite von Oloron angekommen und wie das auf diesem Weg manchmal so ist, war da Tine eine Holländerin die mich zum Essen eingeladen hat. Sie meinte sie hätte eh zuviel und das würde locker reichen für zwei. Ich war unendlich dankbar, ich hätte echt nichts mehr geschafft an diesem Abend. Von Oloron habe ich nicht viel gesehen, soll eine sehr schöne Stadt sein aber um 21.30 war ich schon im Bett. Total erschöpft aber glücklich angekommen zu sein.

Übernachtung: Toller neuer Gîte Le Relais du Bastet. Alles neu, gute sanitäre Anlagen, grosse Küche und Zweierzimmer!





Lescar, 10.06.2010 (20 km)

„Pilgern heisst mit den Füssen beten“

Heute war es sehr schwierig, weiss nicht warum bin von Anfang an nicht in die Gänge gekommen und der Rucksack fühlte sich an wie 100 kg. So blieb es leider den ganzen Tag. Wollte eigentlich 26 km laufen aber habe heute gerade mal knapp 20 geschafft. Meine Füsse haben seit Beginn noch nie so geschmerzt. Musste den ganzen Tag gegen negative Gedanken ankämpfen und manchmal musste ich einfach singen damit mein Verstand mich nicht völlig fertig gemacht hat.
Gestern Abend bin ich übrigens doch noch einem Pilger begegnet, Michel aus der Bretagne. Er ist sehr sportlich und läuft auch Marathon. Heute ist er direkt nach Oloron gelaufen, dass sind 50 km, richtig deprimierend für mich. Er hat den ganzen Weg 2007 gemacht und den Uebernamen Gazelle erhalten weil er so schnell läuft. Habe ihn heute Morgen noch kurz in Aktion erlebt als er an mir vorbeigespurtet ist als ich schon schlapp am Wegesrand sass.
Vom Wetter her war es sehr schön und nicht zu heiss. Habe sogar die Pyrenäen gut gesehen, sie schienen mir ganz nah. Die Pyrenäengegend ist wunderschön und wie schon 2008 finde ich, man sollte hier mal Ferien machen oder was ich noch lieber machen würde ist, den Pyrenäen entlang zu laufen von Hendaye bis runter ans Mittelmeer auf dem GR 10. Dies sind ca. 850 km…Irgendwann werde ich vielleicht auch diesen Weg in Angriff nehmen..;-).
Ich bin auch wieder durch einen wunderschönen Märchenwald gelaufen wo ich etwas Energie auftanken konnte. Stelle mir immer vor dass es im Wald ganz viele Feen und Waldwesen hat und ich mich deshalb so gut fühle.
Der Gite von Lescar ist wunderschön und auch der alte historische Teil der Stadt ist sehr pittoresk. Es ist auch wieder ein Pilger hier dieses Mal heisst er Marius und kommt aus Holland. Er läuft den Weg auch in Gegenrichtung, dies muss wohl an der Nationalität liegen. Michel hat Stephen übrigens in Pouylebon getroffen auf dem Campingplatz. Hatte ihm ja gesagt, dass wenn er eine holländische Nacht verbringen will er dort hingehen soll. Michel hat im gleichen Wohnwagen geschlafen wie ich.
So ich werde jetzt für Marius und mich Pasta kochen. Meine Lieblingspasta mit Tomatensauce, Thunfisch, Oliven und Kapern. Ein Festessen um einen eher schlechten Tag noch gut abzuschliessen.

Übernachtung: Toller Gîte communal in Lescar.




Morlaas, 09.06.2010 (15 km)

„Ich bin mit jedem Schritt am richtigen Ort“

Heute bin ich also in Morlaas und es hat mal wieder Internet und somit kann ich meinen Blog aktualisieren.
Habe heute Morgen ausgeschlafen, da ein Regentag angesagt war und ich zwecks Mangel an Herbergen nur 17 km gelaufen bin. Der Monsieur hat mir das Fruehstueck schon am Abend vorher gebracht und so konnte ich fruehstuecken wann ich wollte. Es hatte sogar eine Kaffeemaschine und ich habe extra schon vorher den Kaffee aufgegossen damit es gut duftet…
Bin so um 8.30 los und habe den ganzen Tag auf den Regen gewartet der nicht kam ausser ein paar vereinzelten Tropfen. Es hat sich nicht mal gelohnt, die Regenpellerine anzuziehen. Als es angefangen hat zu troepfeln hatte ich mich gerade fuer eine kleine Pause in der Wiese hingesetzt und die paar einzelnen Tropfen genossen. Es hat mich nicht daran gehindert sitzen zu bleiben.
Pilger sind mir heute keine begegnet und auch im Gite auf dem Campingplatz bin ich ganz alleine. Es ist aber ok auch wenn Gesellschaft natuerlich schoen waere. Der Gite ist sehr einfach aber heute habe ich keine Lust noch zu wechseln oder in ein Hotel zu gehen. Ok, es sieht so aus als muesste ich aufhoeren die haben jetzt hier einen Kurs und brauchen die Computer. Das Internet ist hier gratis das finde ich auch noch einen Hit. Gehe heute Abend wohl in eine Pizzeria. Habe uebrigens heute wieder die Pyrenaen gesehen und trotz den Wolken waren sie ganz nah. In einer Woche bin ich dann wohl in Spanien…

Übernachtung: Also den Refuge pèlerin auf dem Campingplatz kann ich nicht empfehlen vor allem wenn man alleine dort ist wie ich, er ist nämlich echt trostlos. Ja, ja ich übertreibe schon wieder da war nämlich noch ein süsser schwarzer Hund der mir das Herz erwärmt hat und überhaupt schläft man ja nur eine Nacht da.



Anoye, 08.06.2010 (23 km)

„Geh, wohin dein Herz dich trägt“

Mein Abendessen mit meinen Gastgebern war ganz lustig wenn man einfach alle Vorurteile wie etwas zu sein hat auf der Seite laesst. Als ich runterkam lief der Fernseher und Monsieur guckte gerade eine Ratesendung mit einer richtigen Blondine sowie man sich das vorstellt. Alle Blondinen mögen mir diese Bemerkung verzeihen. Clothilde sein Frau machte immer irgendwelche giftigen Bemerkungen und ich habe einfach entspannt und die Show im Fernsehen genossen. Es gab Butternudeln und Ente, Tomatensalat und zum Schluss noch ein riesiges Stueck Kuchen. Ich bin fast geplatzt, war wohl keine gute Idee vor dem Essen noch was zu essen.
Bin dann mit vollem Bauch ins Bett und habe mir erneut einen Vortrag von Eckhart Tolle angehoert. Wohl meine letzte, denn ich habe ja kein Ladekabel für meinen i-Pod. Irgendwann werde ich einen Pilger mit Ladekabel treffen..;-). Vorsichtshalber habe ich eine Schlaftablette genommen und mir Oropax in die Ohren gestossen, den der Gite lag direkt an einer stark befahrenen Strasse.
Morgens bin ich dann frueh los und vom Weg gibt es eigentlich nicht viel zu berichten ausser dass es viel rauf und runter ging und die Strecke sehr schoen war. Habe von weitem 2 Pilger gesehen und sie dann auch getroffen, da sie umgekehrt sind da sie meinten auf dem falschen Weg zu sein. Aber es war alles richtig und so sind wir ein Stueck zusammengelaufen bis ich mich habe zurueckfallen lassen da sie ein viel schnelleres Tempo drauf hatten wie ich. Habe dann gemeint, dass sie nicht auf mich warten sollen. War mir eigentlich sicher sie abends im Gite von Anoye zu treffen aber da waren sie nicht. Sind wohl bis Morlaas durchgelaufen. Schlappe 41 km. Wuerde ich nur machen wenn ich absolut keine andere Wahl haette und ich wuerde wohl auf allen vieren ankommen wenn ueberhaupt. Heute waren es 23 km und das reicht mir voll und ganz. War nicht mal so fertig abends und das heisst, dass ich jetzt eingelaufen bin und ich durchschnittlich 25 km laufen kann pro Tag. Das sind doch gute Nachrichten. Die Etappenlaenge haengt aber auch von den Herbergen ab und von denen hat es auf der Via Tolosana nicht so viele. Man muss entweder sehr lange Etappen machen oder eben kurze.
Zweimal war es so richtig sumpfig und ich musste aufpassen nicht auszurutschen aber verglichen mit der Etappe nach Lectoure 2008 konnte mich dies nicht wirklich erschuettern.
In Anoye war ich zuerst im Gite communal und der war total leer. Hatte keine Lust da zu bleiben vor allem auch weil ich wusste, dass es noch einen anderen Gite gibt in einem wunderschoenen Landhaus. Bin richtig froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe und bei Monsieur Cahuzacan gelandet bin. Dies war mal wieder das absolute Highlight auf meinem bisherigen Weg. Ein wunderschoenes, grosses Landhaus mit weiss nicht wie vielen Hektaren Land, wunderschoenem Garten und einem separaten Gite denn ich ganz fuer mich alleine hatte. Richtig tolle Atmosphaere. Mein Gastgeber hat mir gleich mal 2 Bier ruebergebracht und ich fuehlte mich vom ersten Moment an richtig gut aufgehoben. Das Abendessen war hervorragend und dazu habe ich mich auch noch gut mit dem Monsieur unterhalten. Er hat ein Pferd mit welchem er noch ausgeritten ist vor dem Abendessen, 2 Esel (in den einen habe ich mich gleich verknallt und beschlossen das naechste Mal mit einem Esel nach Santiago zu wandern), 3 Hunde und scheinbar auch eine Ehefrau aber die habe ich nicht gesehen. Ich habe aber die Vermutung, dass sie das wunderbare Essen gekocht hat denn ich habe ihn immer mal wieder mit jemandem sprechen hoeren. Vielleicht hatte sie keine Lust auf Kontakt mit Pilgern. Dafuer hat sich der Monsieur ganz toll um mich gekuemmert. Sollte jemand von euch je hier durchkommen, leistet auch die 29 Euro und geht zu Monsieur Cahuzac. Es lohnt sich auf jeden Fall und ist gut fuer die Pilgerseele.
Nach dem Essen fing es an zu regnen und ich habe mich ins grosse Doppelbett gekuschelt, Tagebuch geschrieben und meine Sachen fuer den naechsten Tag vorbereitet. Dann habe ich noch dem Regen gelauscht und bin rundum gluecklich und zufrieden eingeschlafen.

Übernachtung: Dies ist wohl mein Highlight von meiner diesjährigen Pilgerwanderung: Der private Gîte von Mr. Cahuzac „La Collinière“. Das erste Haus (blau) wenn man in Anoye reinkommt. Hier kann man die Pilgerseele baumeln lassen…;-).






Maubourguet, 07.06.2010 (18 km)

„Es gibt keine Zufälle und Unfälle in der Schöpfung, nur Geschenke“

Heute war wieder ein sonniger Tag und ich bin erst um 8.00 los, was vielleicht ein Fehler war denn es war heiss. Als ich aus Marciac rausgelaufen bin habe ich bald schon bemerkt, dass ein Pilger hinter mir laeuft aber ich war immer noch damit am hadern, dass Stephen jetzt in die andere Richtung geht. Hatte in diesem Moment noch keine Lust auf neue Begegnungen und habe deshalb auch nicht angehalten. Ich wusste, dass ich zuerst loslassen muss. Habe dann angefangen vor mich her zu singen und irgendwelche Texte zu erfinden. Das hat geholfen und ich bin beschwingt weiter. Irgendwann habe ich dann eine Pause gemacht und Helmut kennengelernt. Wir sind dann ein Stueck zusammengelaufen und dann haben sich unsere Wege auch wieder getrennt. Er ist auch schon den ganzen Weg von zu Hause aus gelaufen und jetzt geht er bis Puenta la Reina.
Ich habe es heute gemuetlich genommen, da ich wusste dass es heute nur eine kurze Etappe wird. Der Gite den ich heute hinwollte ist naemlich geschlossen und deshalb bin ich nun in Maubourguet gelandet. Ich mag es in kleinen Ortschaften zu sein da hat es wenigstens Internet und man kann unter Menschen sein auch wenn man nicht immer mit jemandem redet.
Heute bin ich privat untergekommen und werde auch noch bekocht, da freue ich mich doch drauf. Bin mal wieder die einzige Pilgerin weit und breit aber ich werde jetzt dann gleich irgendwo ein schoenes kuehles Bier trinken und eine Kleinigkeit essen. Wer weiss wer mir heute noch ueber den Weg laeuft.
Auf jeden Fall geht es mir sehr gut und ich geniesse fast jeden Moment wo ich unterwegs bin. Ich fuehle mich von Tag zu Tag leichter und irgendwann werde ich dann wieder sein wie ein Schmetterling. Es ist als wuerde man die ganze Zeit irgendwelchen Ballast loslassen auch wenn man gar nicht genau weiss was.
So ihr Lieben, dass wars jetzt wieder fuer den Moment. Ich weiss nicht wann ich das naechste Mal dazukomme zu schreiben aber sicher bald.

Übernachtung: Ich war in einem privaten Gîte wo man auch essen konnte, weiss aber nicht mehr wie er hiess. Wurde mir vom Office de Tourisme empfohlen. Das Chalet pelerin auf dem Camping soll aber sehr gut sein habe ich mir von anderen Pilgern sagen lassen.