21.07.2018, Kaskoleta, Gîte/Camping, 17km, 900m⬆️, 400m⬇️, höchster Punkt Gîte Kaskoleta 615m

Heute Morgen bin ich um 6.40 aufgestanden da ich um 8.00 mit Olivier beim Gîte communal abgemacht hatte. Es hatte sogar aufgehört zu regnen und erst als ich das Zelt abbauen wollte fing es wieder an. Wenn ich nicht abgemacht hätte, wäre ich einfach im Zelt geblieben und hätte gewartet bis es wieder aufhört. Ich hätte Olivier auch eine SMS senden können, dass es später wird. Aber nein, mein Hang zur schweizerischer Pünktlichkeit hat mich dazu getrieben, mein Zelt im strömenden Regen abzubauen und tropfnass in meinem Rucksack zu verstauen. Mein Rücken war bald durchnässt vom nassen Zelt. Arrrgghh, manchmal macht man wirklich bescheuerte Dinge! Ich war aber pünktlich um 8.00 im Gîte wie ein Schweizer Uhrwerk😬 wo mich Olivier, schön trocken, bereits erwartete. Na ja ich bekam dafür noch einen Kaffee…

Auf der Treppe saß ein demoralisierter übergewichtiger deutscher junger Mann. Er ist am Tag zuvor die ganze Etappe über die Pyrenäen gelaufen. Er hatte dazu 16 Std gebraucht und war völlig fertig. Zudem komplett dehydriert. Er beschloss abzubrechen und nach St. Jean-Pied-de-Port zurückzukehren um von hier aus nach Hause zu fahren. Ich habe versucht, ihm gut zuzureden, dass er es doch nochmal probieren solle. Er könne ja auch erst nach den Pyrenäen anfangen oder die erste Etappe in Orisson unterbrechen. Aber er meinte er müsse zuerst abnehmen und trainieren, dann könne er es nochmals probieren. Ich habe ihm alles Gute gewünscht. Es tut mir immer leid, wenn Leute aufgeben müssen und vor allem wenn es eigentlich vermeidbar gewesen wäre mit einer besseren Organisation. Die erste Etappe des Camino Frances ist die härteste vom ganzen Camino und trotzdem versuchen die meisten sie in einem Tag zu laufen dabei kann man sie nach 8km in Orisson unterbrechen und muss dann am folgenden Tag weniger laufen.

Olivier und ich sind dann um 8.15 losgelaufen und schon bald fing es wieder an zu regnen. Und so ging es auch bis ca. 14.00 weiter. Es war eine kurze und einfache Etappe jedoch mit nahrhaften Anstiegen. Einmal haben wir uns auch kurz verlaufen. Wenn ich die Regenpellerine anhabe sehe ich nicht sehr viel da mein Radius ziemlich eingeschränkt ist. Wir haben dann aber sehr bald gemerkt, dass etwas nicht stimmt weil es plötzlich keine Wegzeichen mehr gab und vorher warmes richtig gut ausgeschildert. Es sind uns dann noch zwei weitere GR 10 Hiker entgegengekommen, welche die Abzweigung auch nicht gesehen hatten. Wir machten uns dann gemeinsam auf die Suche nach dem richtigen Weg.

Der Ruhetag in SJPDP hatte mir richtig gut getan und ich bin schon lange nicht mehr so gut den Berg hochgekommen. Ich bin richtig davon gezogen, Olivier kam mir gar nicht nach. Um 12.15 war ich bereits in Estérençuby und da gab es eine Auberge mit Restaurant. Der Monsieur war gerade daran auf der Terasse rauszustuhlen. Ich habe mir dann dis Tagessuppe und ein Panache bestellt. Mittlerweile ist Olivier auch angekommen und hat das gleiche genommen. Die Suppe war einfach köstlich. Wir haben dann noch zwei Schweizer aus Genf getroffen, welche den ganzen Weg bereits gelaufen sind.

Von der Auberge aus ging es in einer guten Stunde steil hinauf bis Kaskoleta. Auch diesen Anstieg habe ich gut gemeistert. Ich muss kaum mehr anhalten weil mir die Luft ausgeht, sowie das anfangs noch der Fall war. Um 15.00 war ich bereits da und habe mir Halbpension gegönnt, nachdem ich am letzten Tag nur Cous Cous gegessen habe.

So ich werde jetzt mein müdes Haupt hinlegen und hoffentlich gut schlafen. Morgen steht mir ein harter langer Tag bevor. Aber zumindest soll das Wetter besser sein als die letzten zwei Tage.

20.07.2018, SJPDP, Ruhetag

Heute Morgen hatte ich ein Schoggiweggli vor dem Zelt von Sarah, Benoit und Philippe. Das war so süß in jeder Beziehung. Habe mir dann gleich noch einen Kaffee dazu gemacht und das Frühstück war perfekt.

Anschließend habe ich meinen Blog aktualisiert und dann ging es zu Maya Sport um neue Schuhe zu kaufen. Habe ein paar Salomon gefunden, leider auch wieder mit Goretex. Ich mache jetzt dann mal einen Kurztrip nach Amerika und decke mich mit Schuhen ein. Dann gab es noch Flip Flops und neue Batterien für meine Stirnlampe. Eine neue Spitze für meinen Trekkingstock hatten sie leider nicht. Ich habe auch noch ein paar Sachen nach Hause geschickt, habe viel zu viele warme Klamotten dabei. Ja und dann musste ich noch das Essen für die nächsten Tage einkaufen.

Als ich fertig war überlegte ich mir ob ich Olivier eine WhatsApp schicken soll um zusammen ein Bier trinken zu gehen. In dem Moment lief er mir aber gerade über den Weg und er hatte die gleiche Idee. Ich werde nicht ganz schlau aus Olivier. Er hat ein Geldproblem und zwar kann er nur mit Karte bezahlen und kein Geld ziehen oder erst wieder am 30. Juli wenn er seinen Lohn erhält. Ich frage mich einfach wie er die nächsten 10 Tage finanzieren will? Mich hat er auch schon angepumpt. Wir laufen morgen zusammen los um 8.00h und jetzt frage ich mich ob er mit mir laufen will weil er kein Geld hat. Na ja wir werden sehen, ein bisschen misstrauisch bin ich aber schon.

So ich werde jetzt schlafen. Hier hat es schon wieder geregnet, mein Zelt wird morgen wieder nass sein.

19.07.2018, St. Jean-Pied-de-Port, Camping municipal, 20km, 900m⬆️, 900m⬇️, höchster Punkt Munhoa 1021m

Heute war wieder einmal ein einfacher Tag aber auch ein trauriger. Sarah, Benoit und Philippe hören hier auf und alle anderen außer Olivier laufen morgen bereits weiter. Ich werde hier einen Ruhetag einlegen, der dringend nötig ist. Ich muss neue Schuhe kaufen und auch dünnere Socken wie auch eine neue Spitze für meinen Wanderstock. Außerdem möchte ich andere Sachen nach Hause schicken.

Ich bin um 7.20h los und im Zentrum von St. Etienne-de-Baigorry gab es mein erstes Buttercroissant😊. Es fing gleich mal mit einem ziemlich happigen Aufstieg an. Der Schweiß ist mir in Strömen hinuntergelaufen. Ich kann mich echt nicht erinnern, dass ich je so geschwitzt hätte.

Dies war der bisher längste Anstieg und teilweise auch wieder sehr steil. Aber für mich ist alles ok solange es keine ausgesetzten Kletterpartien mit schwerem Rucksack zu meistern gilt. Ich fühlte mich richtig gut heute und außer meinen schmerzenden Füßen gab es nichts zu beklagen.

Auf dem Gipfel des Monhoa machte ich Pause in Gesellschaft einer kleiner Herde Pferde. Ich nutzte die Gelegenheit mein Zelt zu trocknen. Anschließend folgte ein etwas steiler und vor allem heißer Abstieg nach St. Jean-Pied-de-Port. In Lasse gab es noch ein Panache bevor es beschwingt weiter zum Ende der Etappe ging.

Wir sind nochmal alle zusammen Essen gegangen und haben uns anschließend verabschiedet. Sarah, Benoît und Philippe nehmen morgen den Zug nach Bayonne. Die anderen laufen morgen weiter. Für mich ist erst mal ausruhen angesagt und and aufhören denke ich nicht mehr😉.

18.07.2018 St. Etienne de Bigorry, 16km, 1300m⬆️, 1300m⬇️, höchster Punkt Pic d’Iparla 1044m

Heute Morgen sind wir früh los. Um 5.30h hat bereits der Wecker geklingelt. Um 7.10 war Abmarsch. Wir wussten, dass uns eine schwierige Etappe bevorsteht. Für 17km waren 8.5 Std. Laufzeit veranschlagt, 1300m rauf und genauso viele wieder runter! Beim ersten Anstieg war schon schnell klar, dass Philippe die Etappe nicht wird laufen können. Er hatte Schmerzen im Oberschenkel. Wir haben es mit Magnesium versucht, Elektrolyten, Ibuprofen und Schmerzsalbe aber es wollte nicht besser werden. Deshalb musste er leider umkehren und nachdem ich die Etappe gelaufen bin, zumindest teilweise, kann ich nur sagen Gottseidank! Der Aufstieg war schon mal sehr anstrengend und das mit 3lt Wasser auf dem Rücken! Teilweise musste man an ausgesetzten Stellen wieder klettern und es hatte Drahtseile am Fels. Ist teilweise schon grenzwertig und vor allem gefährlich. Meine Beine waren immer noch müde vom Abstieg von gestern und ich hatte das Gefühl nicht genug Kraft zu haben. Zudem habe ich so extrem Muskelkater, dass ich aus der Hocke kaum aufstehen kann. Ich hatte noch nie soviele Blasen an meinen Füßen und dies verdanke ich meinen alten Goretex Wanderschuhen. Sie sind erstens zu klein und zweitens zu warm vor allem mit Merino-Wandersocken. Dies ist das letzte Mal, dass ich in Goretex Schuhen laufe!

In St. Jean-Pied-de-Port werde ich mir einige Gedanken machen müssen. Vor allem muss ich mir überlegen, ob ich den Weg überhaupt weiter laufen möchte. Ich komme teilweise recht an meine Grenzen und es ist eine riesige Herausforderung. Gestern hätte ich auch zu Tode stürzen können, wenn ich ausgerutscht, gestolpert oder gestürzt wäre. Ich musste alle meinen Gedanken, vor allem die negativen, zur Seite schieben und mich immer nur auf den nächsten Schritt konzentrieren. Ohne meine Wanderstöcke hätte ich es gar nicht geschafft. Teilweise war der Abstand zum nächsten Felsen für mich zu groß und ich musste mich auf meine Stöcke stützen um runter zu kommen. Klar war es auch eine Herausforderung und in dem Moment als ich den Abstieg begann habe ich diese angenommen.

Jetzt nochmal zu heute. Bei der ausgesetzten Kletterstelle bekam ich Unterstützung von Olivier, einem Franzosen aus Toulouse. Er hat gemerkt, dass ich Mühe hatte und auch Angst und ist bei mir geblieben und hat mir gezeigt wie ich die schwierigen Stellen am besten schaffen kann. Wir sind dann auch nachher mehr oder weniger zusammen gelaufen.

4 Std. habe ich für die 4km gebraucht bis ich endlich am Pic d’Iparla auf 1000m war. Ich bin somit 4km also 1km pro Std. gelaufen. Wie demoralisierend ist das denn? Dafür wurde ich mit einer Wahnsinns Aussicht belohnt, echt der Hammer! Es hat viele Pferde, Schafe und Geier. Die letzteren warten wohl auf ihre nächste Mahlzeit, die ich hoffentlich nicht sein werde😉. Weiter ging es auf der Krete über weitere 2 Pics und dann runter zum Col d’Harietta. Dort haben wir nach heißen, schweißtreibenden, weiteren 2 Std. im Schatten Pause gemacht. Dann hat das Wetter ganz schnell umgeschlagen und ein Gewitter war im Anzug. Wir überlegten was wir tun sollten. Die eine Möglichkeit war das Gewitter im Wald abzuwarten oder den Fluchtweg nach Urdos zu nehmen. Da ich in meinen Beinen kaum mehr Kraft hatte, vor allem nicht für weitere 4 Std. von rauf und runter und uns zudem auch das Wasser langsam ausging, entschlossen wir uns für das Zweite.

Es ging dann zügig runter Richtung Urdos während das Gewitter über uns nieder ging. Ich bin unterwegs 3x gestürzt oder habe mich unfreiwillig auf mein Hinterteil gesetzt. Es war am Anfang extrem rutschig. In Urdos haben wir uns zuerst einmal hingesetzt und haben verspâtet zu Mittag gegessen. Ich konnte da auch noch mein Zelt trocknen. Anschließend sind wir zur Departementale gelaufen und haben dort Autostop gemacht um nach St. Etienne de Bigorry zu gelangen. Nachdem wir das Zelt aufgestellt hatten ging bereits das zweite Gewitter über uns nieder.

Ich hoffe nun, dass ich mich bis morgen wieder erholen werde damit ich nach St. Jean Pied de Port laufen kann.

17.07.2018, Bidarray, Gîte/Camping, 21km, 800m⬆️, 800m⬇️, höchster Punkt Col de Méhatché 716m

Ich bin heute Morgen um 8.15 mit Sarah, Benoit und Philipe gestartet. Es gab einen Kurzen aber steilen Anstieg zu den drei Kreuzen. Es war sehr anstrengend und Die Luftfeuchtigkeit war bei gefühlten 100%. Ich habe geschnauft wie eine alte Dampflokomotive. Nach nicht ganz drei Std. musste ich mich von den Franzosen trennen da ich eine Pause benötigte. Ich musste mich dringend um meine Blasen kümmern, mich mit Sonnencreme versorgen und vor allem Essen. Danach habe ich mich fast verlaufen aber ich habe im richtigen Moment jemanden getroffen den ich fragen konnte. Am Col des Veaux hatte ich die drei Bretonen wieder eingeholt. Dummerweise hatte ich bei der Ferme d’Esteban kein Wasser geholt, weil ich glaubte dies später auf der spanischen Seite tun zu können. Leider waren die Ventas geschlossen und ich musste zurück zur Farm laufen. Ich habe damit eine Stunde verloren und musste dann den gefährlichen Abstieg nach Bidarray alleine machen. Kurz vor dem steilen Abstieg habe ich meine Füße nochmals verpflegt. Bei der Schäferhütte musste ich dann entscheiden, on ich oben schlafe oder den steilen Abstieg alleine wage. Da ich zum Wasser holen auch hätte absteigen müssen entschied ich mich gleich runter zu gehen. Es war wirklich sehr steil und gefährlich. Es erforderte höchste Konzentration bei jedem Schritt, da ein Ausrutschen, Stolpern oder Stürzen schwerwiegende Folgen hätte haben können. Der PCT war teilweise auch schwierig aber Kletterpartien mit steilen Abstiegen hatten wir keine. Dies soll übrigens der schwierigste Abstieg vom ganzen GR 10 sein. Über mir kreisten ständig die Geier und die Bergziegen meckerten mich an. Ich beneidete sie um ihre Kletterfähigkeiten. Als ich das gröbste hinter mir hatte machte ich Pause bei einem Wasserfall wo ich mich erfrischen und meine weichen Knie etwas erholen konnte. Danach ging es weiter runter und auch wenn der Weg etwas einfacher war musste ich sehr aufpassen nicht zu stürzen denn meine Beine fühlten sich an wie Pudding. Ich kam dann endlich auf eine Straße wo mich andere Wanderer ein Stück im Auto mitnahmen. So konnte ich mir eine lange Strecke auf der Straße ersparen. Um 18.30 war ich endlich im Gîte wo ich alle wieder traf. Nach diesem Wahnsinnstag gönnten wir uns einen Burger und für mich 2 Bier. Das hatte ich mir redlich verdient. Wir verbrachten einen lustigen und geselligen Abend bevor wir uns um unsere Zelte zurück zogen.

16.07.2018 Ainhoa, Gîte Étape, 21km, 700m⬆️, 700m⬇️, höchster Punkt Col des Trois Fontaines 563m

Heute Nacht gab es ein Gewitter nach dem anderen. Mein Zelt hat Gottseidank dicht gehalten denn es hat wie aus Eimern gegossen. An Schlaf war trotzdem nicht zu denken vor allem nicht ab 3.00 morgens. Wie es in einer Nacht so oft gewittern kann ist mir ein Rätsel. Kaum war eines vorbei kam das nächste. Du liegst dann im Zelt und zählst wieviele Sek. zw. dem Blitz und dem Donner vergehen. Irgendwann habe ich es aufgegeben und mir ein T-Shirt über die Augen gelegt und einfach gehofft, dass es nicht einschlägt. Ich konnte dann doch noch etwas schlafen. Am Morgen wollte ich eigentlich um 6.30 aufstehen aber diesen Plan habe ich gleich wieder verworfen als es wieder wie aus Kübeln goss. Ich habe dann erst mal im Zelt gefrühstückt und mich dann wieder hingelegt. Um 8.00 habe ich eine kurze Regenpause genutzt um pinkeln zu gehen und um zu schauen, ob Alissa bereits wach ist. Sie reagierte aber nicht als ich sie rief. Ich habe dann langsam meinen Rucksack im Zelt zusammen gepackt und schon fing es wieder an zu schütten. Ich hatte es verpasst die Zelttüre rechtzeitig zu schließen und schnell eine kleine Lache am Eingang. Ich wartete dann ab bis der Regen nachließ und transportierte den Rucksack auf die Veranda. Jetzt hiess es klitschnasses Zelt abbauen, nass in den Rucksack stopfen und dann darauf hoffen, dass ich es irgendwann während des Tages trocknen kann. Der Wetterbericht meldete aber, wenig aufbauend, dass es den ganzen Tag regnen würde. Great!Um 9.30 ging es dann endlich los zusammen mit Alissa und drei jungen Franzosen aus der Bretagne, Sarah, Benoit und Philippe. Die Franzosen sind bald davon gezogen und Alissa wollte ihre langen Hosen anziehen wegen der Bremsen oder Brämen (weiss nie wie diese grässlichen Viecher heißen) Auf jeden Fall war ich dann alleine unterwegs. Kurz vor dem Pass fing es an zu donnern und ich überlegte was ich tun soll. Ich entschied mich dann so schnell wie möglich über den Pass zu gehen und auf der anderen Seite gleich wieder runter zu laufen. Das Gewitter kam aber nie näher dafür regnete es immer wieder wie wenn jemand die Schleusen auf- und zu dreht. Auf dem Pass habe ich mich dann fast verlaufen aber dann habe ich die Wegmarkierung gerade noch rechtzeitig gesehen. Es kam dann ein kleiner Wald wo ich mich entschied Pause zu machen und auf Alissa zu warten. Sie hatte gestern Probleme mit dem Schienbein und den Füßen und ich wollte sicher sein, dass sie ok ist. Ich sah sie dann auch schon bald auf dem Pass wo sie den falschen Weg einschlug. Ich habe gerufen und gewunken aber sie hörte mich einfach nicht. Dann sah ich die drei Franzosen kommen, welche eigentlich vor mir hätten sein sollen aber sie hatten sich auch verirrt. Alissa klagte über Schmerzen am ganzen Körper und es sah nicht gut aus. Wir machten uns dann alle zusammen an den Abstieg nach Sare wo wir völlig durchnässt ankamen. In Sare kam dann plötzlich die Sonne und es windete, sodass ich ganz schnell mein Zelt einigermaßen trocknen konnte. Wir sind dann ins Restaurant und haben uns erst mal die Bäuche voll geschlagen. Es kam was kommen musste Alissa entschied sich in Sare zu bleiben und einen Ruhetag einzulegen. Wir zogen dann zu viert weiter und mussten uns durch überflutete Waldwege kämpfen. Die Goretex Schuhe waren komplett durchnässt wie alles andere auch. Der schlimmste Regenguss stand uns aber noch bevor nämlich als wir in Ainhoa ankamen. Da hat es sintflutartig geregnet und nässer könnte man nun wirklich nicht mehr werden. Um 18.30 schafften wir es endlich zum Gîte und ich beschloss, mein Zelt im Rucksack zu lassen und in einem Bett schlafen. Das Wetter hat sich mittlerweile beruhigt und morgen soll es besser werden. Gottseidank!

15.07.2018 Olhette, Gîte/Camping, 21km, 1200m⬆️, 1100m⬇️, höchster Punkt 574m

Mit Schlafen wurde es leider nichts letzte Nacht, ich hatte bis 3.00h morgens Kopfschmerzen. Ich bin dann nochmal zur Toilette und habe anschliessend das dritte Vitamin I (Ibuprofen) eingeworfen. Ich konnte dann noch 2-3 Std. schlafen. Am Morgen war ich dementsprechend müde und schaffte es erst um 6.30 aufzustehen. Ich habe das Zusammenpacken am ersten Morgen in 1Std. und 15Min. geschafft. Nicht schlecht oder? Am ersten Morgen auf dem PCT hatte ich dafür noch 2 Std. gebraucht. Es ist also doch noch was hängen geblieben trotz neuem Rucksack.

Um 7.45 war ich auf der Piste und wusste bereits, dass es eine feuchte und heisse Angelegenheit werden würde. So eine feuchte schwüle Hitze habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Ich habe geschwitzt wie ein Schwein. Wieso sagt man das eigentlich? Schwitzen Schweine überhaupt😂🐷?

Der Rucksack fühlte sich sehr schwer an und ich fragte mich mal wieder warum ich mir das eigentlich antue. Auch hatte ich große Zweifel, ob der GR 10 nicht eine Nummer zu groß ist für mich. Das ist richtig bergig und ganz schön steil. Keine sanften Serpentinen wie auf dem PCT, nein es geht direkt zur Sache oder besser auf den Pass. Bei meiner ersten Rast habe ich Alissa kennengelernt. Sie kommt aus der Schweiz und plant den ganzen Weg bis zum Mittelmeer zu laufen. Chappeau! Sie kommt aus Genf und ist gerade 30 geworden. Wir haben uns immer wieder getroffen und sind dann das letzte Stück zusammengelaufen.

Es war teilweise richtig hart heute, von wegen sanfte Hügel im Baskenland, teilweise hatte ich das Gefühl, im nächsten Moment zu kollabieren. Es ging in der prallen Sonne steil hinauf bei einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 100%. Wahrlich kein Vergnügen sondern harte Arbeit.

Ich habe Probleme mit meinen Wanderschuhen. Erstens sind es Gortexschuhe und viel zu heiss, zweitens zu klein. Meine Füße scheinen seit dem PCT größer geworden zu sein. Ich hoffe, dass es in St. Jean-Pied-du-Port ein Sportgeschäft gibt denn ich brauche dringend neue Schuhe.

Wir waren heute auch einmal auf der spanischen Seite und haben uns mit Tapas verwöhnen lassen. Spanien ist um einiges billiger als Frankreich.

Jetzt liege ich im Zelt und lausche dem Regen, der auf das Zeltdach prasselt. Ich hoffe es hält dicht😬. Morgen werde ich wieder ein nasses Zelt zusammen packen müssen, Arrrgghh. Hier im Gîte hat es 6 weitere GR 10 Hiker und es war ein geselliger Abend. So es ist bereits 23.00 und ich brauche meinen Schönheitsschlaf.

14.07.2018 Hendaye, Campingplatz, 0km

Was für ein Tag! Angefangen hat er damit, dass ich um 3.30h aufstehen musste. Ich schwöre mir jedes Mal, nie wieder einen Flug so früh am Morgen zu nehmen und tue es doch immer wieder. Ich habe meinem Taxifahrer mein Leid geklagt und er meinte ganz trocken: „Nur die Billigflüge seien so früh“. Na ja stimmt der Flug war günstig. Am Flughafen angekommen, hatte ich das Glück, dass gerade vor mir eine grosse Busladung Billigflieger angekommen war😉. Ich kann mich nicht erinnern, je so eine lange Schlange gesehen zu haben. Mein Abflug rückte immer näher und als ich schon fast ganz vorne war hiess es, dass der Schalter, für den Flug nach Bordeaux gleich schliessen würde und dass wir sofort zum Schalter 43 kommen sollen. Gesagt, getan nur war dann die Schlange vom Schalter 43 3x so lange wie vorher. Grrrrrr, ich war gar nicht amused und das ist nur das Vorwort. Schlussendlich haben wir es aber doch noch alle in den Flieger geschafft und das Flugzeug hatte nur 15 Min. Verspätung. Mit Rückenwind waren wir aber trotzdem pünktlich in Bordeaux.

Von da ging es mit dem Flughafenbus nach Hendaye und dann mit einem weiteren Bus an den Strand bis zum Casino wo der Startpunkt des GR 10 liegt. Ich hatte die leise Hoffnung, dass das Office de Tourisme offen haben würde aber das konnte ich mir leider abschminken: 14. Juli💥. Hochheiliger Feiertag in Frankreich. Ich hatte nämlich noch nichts zum übernachten und wusste nicht so recht wohin. Ich habe mich dann zuerst einmal mit einem Panini gestärkt und mit einem ½ Liter Wass abgekühlt. Hier ist es nämlich irre heiss und feucht. Ich habe mich dann nach dem Campingplatz erkundigt und da sie es nicht genau wussten, einfach die Richtung eingeschlagen wo ich annahm wo er sein müsste.

Ich sah dann auch schon bald die Zeichen und folgte diesen. Natürlich musste ich bei dieser Affenhitze dann noch auf der Asphaltstrasse den Berg hoch. Ich bin ziemlich fertig oben angekommen und hatte bereits ziemliche Kopfschmerzen. Ja und dann musste ich noch ein Panache trinken, ganz, ganz schlecht.

Jetzt geht gerade das erste baskische Gewitter über mir nieder aber ich sitze in meinem schnuggeligen Zelt. Das Kopfweh ist leider, nach 2 Ibuprofen, immer noch nicht weg. Der heutige Tag war trotz 0km gelaufen einfach zuviel. Kann ja nur besser werden. Werde früh ins Bett gehen und dann richtig früh aufstehen. Aber sicher nicht um 3.30h! Guets Nächtle😴.

Auf dem Creux du Van

Gestern war ich mit Sandy und Julia auf dem Creux du Van. Dies war echt ein Hammertag! Ich war bereits mehrere Male dort oben aber ich glaube noch nie bei so schönem Wetter.

Das letzte Mal als ich auf dem Creux du Van war, war 2008 als ich auf dem Jura Höhenweg von Basel nach Genf gelaufen bin, auf meiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela. Es war die gleiche Jahreszeit, nämlich Ende April, aber der Tag damals war grau und kalt. Ich bin morgens um 6.45 mit einem etwas mulmigen Gefühl alleine die 14 Serpentinen zum Felsenkessel hochgestiegen. Am Nachmittag hatte es dann auch noch angefangen zu stürmen und der Schnee liess auch nicht lange auf sich warten. Ich beschloss dann den Weg abzukürzen und in La Combat den Bus zu nehmen. Es fuhr aber leider keiner oder ich konnte einfach nicht rausfinden wann, da nichts angeschlagen war. Deshalb beschloss ich auf der Strasse Richtung Ste. Croix zu laufen, in der Hoffnung, dass ein Auto vorbeikommen und mich mitnehmen würde. Schlussendlich hat mich dann ein Vater mit seinem Sohn aufgelesen und bis Ste. Croix mitgenommen, wo ich die teuerste Uebernachtung meines gesamten Weges bis Spanien verbracht habe. Aber wen kümmert es schon, was es kostet, wenn es draussen schneit und stürmt und man die Möglichkeit hat die Nacht im Trockenen zu verbringen.

Heute war es doch um einiges angenehmer, wenn auch schweisstreibend und heiss! Ich bin den Anstieg langsam aber stetig angegangen. Mittlerweile achte ich beim Anstieg darauf, generell durch die Nase zu atmen und mich auf meinen Atemrhythmus zu konzentrieren. Wenn man das Gefühl hat zu wenig Sauerstoff zu bekommen, kann man die Nasenflügel aufblähen damit mehr Luft reinkommt. Habe ich 2011 im Himalay gelernt..;-). Durch den Mund zu atmen sollte man generell vermeiden, es heisst meistens auch, dass man einfach zu schnell läuft.
Beim Berg hochlaufen habe ich einen jungen Hiker überholt, welcher einen riesigen Rucksack trug. Habe ihn angesprochen wo er den hinwolle, das riesige Teil wog bestimmt zw. 20 und 25kg. Er komme aus Amerika und wolle ca. 6 Tage auf dem Jura Höhenweg laufen. Bei der Grösse seines Rucksacks hätte ich eher darauf getippt, dass er gleich bis Spanien läuft. Er meinte aber leider keine Zeit dafür zu haben..;-). 3lt Wasser hatte er gebuckelt, habe ihm gesagt, dass dies hier nicht nötig sei, da man nie weit weg von der Zivilisation sei und überall nachfüllen könne. Ich selber hatte einen Liter dabei, was ehrlich gesagt bei der grossen Hitze etwas knapp war aber es hat gereicht.

Sobald man die letzte der 14 Serpentinen geschafft hat, steht man auch schon am Rande des Felsenkessels und hat eine atemberaubende Aussicht. Spätestens jetzt weiss man, dass es jeden Schweisstropfen wert war hier hoch zu laufen.

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Nach dem anstrengenden Aufstieg gab es hier eine kleine Snackpause und die erste unserer vielen Fotosessions. Sandy braucht immer wieder neue Fotos für ihre Wander-Webseite (http://www.wander-vogel.ch/)

Dann ging es entlang des Felsenkessels bis ans andere Ende. Dies hat einige Zeit gedauert, da wir immer wieder stehen bleiben und Fotos machen mussten. Wie gerne hätte ich mein Zelt hier oben aufgestellt, den Sonnenuntergang von hier aus genossen und in dieser tollen Umgebung übernachtet. Es ist leider verboten hier zu campen da es ein Naturschutzgebiet ist. Nicht nur der Pacific Crest Trail hat einiges zu bieten, nein auch die Schweiz hat Wahnsinnsaussichten. Ich muss diesen Sommer einfach mehr Zeit in den Bergen verbringen.

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Unser Dreamteam…

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Wir mussten sogar Schneefelder überqueren! Dies hat mich so an letztes Jahr erinnert.

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Ganz vorne auf dem Felsen mussten wir natürlich nochmals Pause machen bevor wir uns an den steilen Abstieg gewagt haben. Nicht dass wir sehr müde gewesen wären…

Der Abstieg war dann auch sehr steil und anstrengend. Es war teilweise sehr rutschig, da die Schneeschmelze noch in vollem Gange war und an einzelnen Stellen hatte es auch noch Schnee was das Absteigen zusätzlich erschwerte. Wir haben es aber alle drei unfallfrei runter geschafft und sind anschliessend in der symphatischen Ferme Robert (http://www.ferme-robert.ch/gegend/) eingekehrt wo ich mir ein Bier und anschliessend noch einen Kaffee gegönnt habe. Dementsprechend entspannt ging es dann auf dem letzten Stück zurück nach Noiraigue wo wir die langwierige Heimreise angetreten haben. Die Verbindung nach Neuchâtel ist leider seit meiner Kindheit bis heute nicht schneller geworden.

FAZIT: Absoluter Traumtag! Ja und wandern ist einfach gut für die Seele…

6 Monate nach meinem großen Abenteuer…

Jetzt bin ich schon seit sechs Monaten wieder zu Hause und so langsam habe ich das Gefühl in der mir fremd gewordenen aber doch vertrauten Welt anzukommen. Kein einfacher Weg und auch der Grund, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe.

Heute habe ich eine unerwartet schöne Wanderung gemacht. Eigentlich wollte ich von Mariastein nach Kleinlützel laufen, dies war auf meinem Weg nach Santiago de Compostela (2008) meine 2. Etappe, als Zubringer zum Jura Höhenweg. Es sollte eine kleine Nostalgietour werden aber wie so oft kam es dann ganz anderst. Ich habe nämlich den Weg nicht gefunden, er war entweder nicht gut ausgeschildert oder ich war einfach nicht gut vorbereitet. Aber immerhin hatte ich eine Wanderkarte dabei..;-). Ich bin dann in einer grossen Schlaufe wieder zurück zur Jugendherberge in der Rotburg gelaufen. Hier hatte ich damals meine erste Nacht verbracht und war am ersten Abend bereits damit beschäftigt gewesen, meine Hosen von meinem ersten Sturz auszuwaschen. Grrrrr!

Von dort aus entschied ich unspektakulär nach Aesch zu laufen, ich hatte bereits beschlossen, dass meine heutige Tour ein absoluter Reinfall wird. Dann kam ich aber zu einer Abzweigung und da konnte man durch die Chälengrabenschlucht zum Blauenpass laufen. Dies tat ich dann auch und dies war eine richtig gute Entscheidung! Schon die Schlucht war spektakulär! Ich musste zwar immer wieder schmunzeln, wie gesichert hier in der Schweiz alles ist. Es gibt Geländer, Treppen und Brücken…;-), so gar nicht wie auf dem PCT.
An einer schönen Stelle mitten in der Schlucht gab es einen Picknicktisch und da wollte ich endlich wieder einmal meinen JetBoil in Betrieb nehmen. Als PCT Thru Hiker Crack (Ok eigentlich kein Thru Hiker da ich Oregon ja noch nicht gelaufen bin), habe ich gleich mal das Wasser in meinen JetBoil gegossen und vergessen den Brenner rauszunehmen! Kann ja wohl nicht wahr sein!!! Jetzt war ich letztes Jahr 5 Monate auf dem PCT, habe draussen gelebt und täglich meinen Gaskocher benutzt und dann ertränke ich beim ersten Versuch, ihn wieder in Gebrauch zu nehmen, den Brenner im Wasser… Na ja, Gottseidankes hat es niemand gesehen und ich habe das Wasser ausgeschüttet und noch mal von vorne begonnen. Natürlich musste ich zuerst meinen ertränkten Brenner trocknen, habe nur gehofft, dass der eingebaute Starter trotzdem funktioniert da ich kein Feuerzeug dabei hatte. Aber der Starter hat mich nicht im Stich gelassen und so konnte ich doch noch meine Frühstücksflocken und einen halben Kaffee geniessen. Dummerweise ist mein Messbecher vom JetBoil, welchen ich als Tasse benutze, nicht mehr ganz dicht (habe es mit Duct Tape notdürftig geflickt) und deshalb gab es leider nur einen halben Kaffee, der Rest bekam der Tisch..;-). Als ich zu Hause war habe ich das Teil gleich weggeschmissen, also nur den Messbecher! Der JetBoil ist und bleibt mein absolutes Lieblings Ausrüstungsstück!

So gestärkt ging es weiter bis zur Hofstettermatte wo ich getrost das Restaurant ausgelassen habe. Dann ging es über eine ziemlich aufgeweichte Wiese, ich nehme an dass hier bald wieder Kühe grasen werden, bis ganz hinauf zum Blauenpass. Oben angekommen ging es auf dem Blauenkamm weiter. Ja und als ich da so auf dem Kamm lief habe ich immer wieder nach Stellen Ausschau gehalten wo ich mein Zelt aufstellen könnte, nicht das ich es dabei gehabt hätte. Es war das erste Mal seit langem, dass mir das Wandern wieder richtig Spass gemacht hat, ich mich wohl fühlte in meiner Haut und das Ganze geniessen konnte. Das Wetter war zwar wechselhaft aber die Sonne hat sich immer wieder mal gezeigt und ausser ein paar Tropfen Regen gegen Ende meiner Tour bin ich nicht wirklich nass geworden.
Es ging leicht den Kamm hinunter und ich konnte meine Beine einfach laufen lassen. Es hat sich so gut angefühlt, mein Körper fühlte sich wieder mal in seinem Element. Ich bin letztes Jahr mehr gelaufen als gesessen als ich auf dem PCT war und jetzt ist es leider umgekehrt. Ja und genau das ist es was mir gefehlt hat. Die Freude an der Bewegung, die Freude daran unterwegs zu sein, die Sonne, den Wind und den Regen auf meiner Haut zu spüren. Das Vogelgezwitscher zu hören und sogar Rehe habe ich gesehen. Die sind hier um einiges ängstlicher als auf dem PCT.

Es ist ja nicht so, dass ich im letzten halben Jahr nie unterwegs gewesen wäre, im Gegenteil, ich versuchte immer wieder mich zu motivieren, einen Spaziergang zu machen oder wandern zu gehen aber es war einfach nicht dasselbe. Es tat zwar meinem Körper gut aber mein Geist und meine Seele fühlten sich leer und nicht richtig anwesend an. Es wollte einfach keine Freude aufkommen.
Ich meine, der Pacific Crest Trail ist der absolute Wahnsinn, man geht durch soviele verschiedene Klimazonen, unterschiedlichste Regionen, ein Nationalpark reiht sich an den anderen, ein Höhepunkt jagt den anderen, ich glaube nicht dass ich je soviele atemberaubende Aussichten gesehen habe. Und es ist ja nicht nur die Natur, sondern es sind auch die Abenteuer die man gemeinsam erlebt und besteht. Die Entscheidungen, die man tagtäglich treffen muss und die sogar über Leben und Tod entscheiden können. Ich bin mindestens 2 oder 3x in richtig gefährliche Situationen gekommen. Im Nachhinein kann ich es manchmal nicht fassen wenn ich an diese Ereignisse denke und es wird mir Angst und Bange. Dann trifft man alle diese tollen Hiker, man fühlt sich verbunden mit ihnen weil man den gleichen Traum lebt. Als ich zurück kam, war ich erstmal auf Entzug. So ähnlich wie eine Heroinsüchtige oder ein Adrenalinjunkie. Ein Monat nachdem ich zu Hause war bin in eine ziemlich tiefe Depression gefallen. Es gibt sogar einen Namen dafür: Post Trail Depression. Am liebsten wäre ich einfach im Bett liegen geblieben und gar nicht mehr aufgestanden. Ich hatte nicht mal die Kraft dazu um Hilfe zu fragen oder zum Arzt zu gehen. Ausserdem habe ich mich geschämt, dass ich mich nach so einem Wahnsinnsabenteuer so beschissen fühle.

Das erste was mir Mühe machte als ich zurückkam war der Lärm, die Hektik und die vielen Menschen. Zu Beginn wäre ich am liebsten mit Ohropax rumgelaufen. Als ich auf dem Trail war und in eine Stadt reinkam, konnte man die Zivilisation und den Highway jeweils schon von weitem hören und es hörte sich an wie ein grosses und ziemlich lautes Ungeheuer. Ich war am nächsten Tag jeweils froh zurück in die Natur zu können und den Lärm sowie die vielen hektischen Menschen hinter mir zu lassen. Wenn du zurück bist, kannst du nicht einfach deinen Rucksack packen und wieder zurück auf den Trail gehen, du musst dich dem Ungeheuer stellen, ob du willst oder nicht.

Ich konnte anfangs nicht einmal normal laufen, ich lief wie auf Eiern. Man muss sich erst daran gewöhnen, keinen Rucksack mehr zu tragen. Auch sind alle Bänder und Sehnen überdehnt und müssen erst wieder ihre normale Länge finden. Ich fühlte mich total unsicher auf den Beinen, dies hat sicher zwei Wochen angedauert.
Dann war ich unterernährt, ich hatte ja ca. 16kg abgenommen und dadurch fühlte ich mich auch ziemlich dünnhäutig. Als ich zurückkam habe ich Heidi, sie war ja auch auf dem PCT, in der Stadt getroffen, wir haben ein Selfie gemacht und da bin ich richtig erschrocken, denn ich sah völlig ausgemergelt aus. Ich fühlte mich absolut nicht mehr wohl in meiner Haut. Mein Bauchfett war komplett weg, mein früher berühmtes Hinterteil nicht mehr existent, die Hautlappen hingen nur so an mir runter. Ich fühlte mich wie ein leerer Sack mit Knochen. Das war aber ehrlich gesagt mein kleinstes Problem, denn das Zunehmen ging ziemlich schnell vonstatten. Jetzt ein halbes Jahr später bin ich bereits wieder 10kg schwerer und es klappert nicht mehr.

Seit dem Sommer 2014, als ich arbeitslos war und das erste Mal vom PCT gehört habe, war ich damit beschäftigt mein grosses Abenteuer zu planen. Ich habe soviel Zeit und Geld investiert, habe Excel Tabellen erstellt für meinen Resupply, die Ausrüstung, das Rucksackgewicht usw. Ich brauchte ein USA Visum, einen neuen Pass, ein Canada Entry Visum, ein Fire Permit, ein Long Distance Permit usw., usw. Dann war es endlich soweit und ich habe meinen Traum gelebt. Es ging natürlich viel zu schnell vorbei und was bleibt sind all die schönen Erinnerungen, die vielen Eindrücke, die gelebten Abenteuer, eine grosse Sehnsucht nach der Trailcommunity und eine riesige LEERE in meinem Herzen.
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an mein zurückliegendes Abenteuer denke oder mich an etwas erinnere. Ich vermisse das knirschende Geräusch des Gehens unter meinen Füssen, das Schlafen unter dem Sternenhimmel, das Aufwachen im Zelt, das Unterwegs sein in immer neuer Umgebung, das sich fragen was wohl nach der nächsten Kurve, Hügel oder Bergkuppe kommt, die wunderschönen Aussichten und Bergseen, die tollen Menschen und das Gefühl der Verbundenheit untereinander. Ich vermisse auch das Einssein mit der Natur, ich war zwar oft alleine fühlte mich aber selten einsam. Das Leben war so einfach und simpel auf dem Trail: EAT, WALK, SLEEP, REPEAT…
Deshalb war ich heute auch so glücklich, weil ich zum ersten Mal wieder diese Verbundenheit mit der Natur und das gute Gefühl in meinem Körper zu sein gespürt habe. Es hat so gut getan einfach unterwegs zu sein und zu spüren wie mein Körper sich bewegt wie eine gut geölte Maschine ohne sich zuviele Gedanken zu machen.

Ja es ist nicht einfach nach solanger Zeit in der Wildnis, wo ich mich frei und ungebunden gefühlt hatte, wieder in den Alltag zurückzufinden. Ich musste mich wieder an die ewig gleichen Abläufe und Routinen des Arbeitslebens  gewöhnen und ehrlich gesagt war ich ziemlich unmotiviert. Es fühlte sich an, wie wenn ich mich wieder in eine alte Schablone pressen musste und die wollte einfach nicht mehr passen. Ich war aus ihr herausgewachsen oder besser herausgelaufen. Mittlerweile wachse ich in meine Arbeit wieder hinein. Neue Situation, neue Kollegin, neue Herausforderung, gleiche Arbeitsstelle.

Hat es sich gelohnt? Würde ich es wieder tun? Auf jeden Fall!!! Denn diese Erfahrung fast den ganzen Weg (3500km) von Mexiko nach Kanada gelaufen zu sein, kann mir niemand mehr wegnehmen. Ich habe gestern Abend Videos von Nick angeschaut, einem PCT-Hiker, der auch letztes Jahr unterwegs war. Ich konnte so den ganzen Weg nochmals virtuell ablaufen, das war so sagenhaft schön, so viele Erinnerungen und bekannte Gesichter! Da ist mir erst bewusst geworden was ich eigentlich geschafft habe: Ich habe fast ganz Amerika zu Fuss durchquert (ausser die 400 Meilen von Oregon). Wir hatten ein sehr schwieriges Jahr, 2017 war das Jahr vom Schnee (wegen dem Jahrhundertwinter) und vom Feuer (in Oregon und Washington) und nur die wenigsten PCT-Hiker haben es am Stück geschafft. Aber das schmälert unsere Leistung in keiner Weise, es ist einfach ein Grund eines Tages zurückzukehren.