119. Tag, Palisade Creek Tentsite, Meile 826.3, Höhe 2560m

Wir sind heute nach 6.00 los. D-Hiker wollte eigentlich erst um 6.20 wenn die Sonne aufgeht. Sie hatte Angst im Dunkeln laufen zu müssen.  Dabei war es schon ziemlich hell als wir los sind. Es war eine kalte Nacht und am Morgen war das Zelt innen klitschnass vom Kondenswasser und außen von der Feuchtigkeit vom See. Ich hatte aber mollig warm in meinem Schlafsack, nur gegen Morgen habe ich noch die Daunenjacke zusätzlich angezogen. 

Wir sind dann los Richtung Muir Pass. Es ging über Stock und Stein und immer wieder war der Trail ein Bach dem wir ausweichen mussten. Es gab auch viele breite, flache Flüsse zu überqueren. War aber einfach da soviele Steine und Felsen rumlagen. Im Gegensatz zu D-Hiker macht mir die Höhe gar nichts mehr aus. Ich habe keine Atemnot mehr wenn ich den Berg hochgehe und auch keine Beine die sich anfühlen wie Blei. 

Um 7.15 war ich bei der Muir Hut, dies ist eine Schutzhütte auf dem Pass für Hiker. Man kann da auch übernachten und wenn D-Hiker nicht so Kopfschmerzen gehabt hätte, wären wir vielleicht auch in die Muir Hut. Ich habe mich auf die Stufen in die Sonne gesetzt und habe auf D-Hiker gewartet. In der Hütte hat jemand übernachtet und ich wollte nicht stören deshalb bin ich nicht hinein. Der Hiker hat sich aber bald geregt und hat die Tür geöffnet. Die Hütte ist wirklich schön und ganz aus Stein. Innen ist sie ganz spartanisch, es hat eine Steinbank wo man seine Luftmatratze ausbreiten könnte. Es gibt sogar eine Feuerstelle, die ist aber zugemauert. Macht ja auch keinen Sinn, denn da oben gibt es kein Holz und da kommt nur die Kälte hinein. Wir haben auf den Stufen vor der Hütte gefrühstückt und zur Feier des Tages gab es Rührei und Schinken von Mountain House, echt lecker😋. Wir wollten da gar nicht mehr weg, es war so schön da oben. 

Irgendwann mussten wir aber den langen Weg nach unten antreten. Es hatte mehr Schnee als beim Hinaufgehen aber nichts was wir nicht meistern konnten. Wir kamen an vielen, teilweise noch gefrorenen Bergseen vorbei. Einer leuchtete wie ein Malachit, dunkelgrün. 

Seit gestern laufe ich meistens voraus da D-Hiker nicht so fit ist. Sie hat Mühe mit der Höhe und eine Zerrung unter dem Arm vom Rucksack hochheben. 

Bei der zweiten Frühstückspause hat sie mir dann mitgeteilt, dass sie vom Trail runter will. Sie vertrage die Höhe einfach nicht und habe überall Schmerzen. Ich war leicht geschockt, denn mir war nicht bewusst, dass es so schlimm war. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und hatte nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich gehe auch vom Trail oder ich laufe alleine weiter. Für mich kam es nicht in Frage jetzt aufzuhören und es war ja auch nicht so, dass ich sie hätte nach Bishop begleiten müssen. Das heißt für mich, dass ich die zwei schwierigsten Pässe alleine meistern muss: Mather Pass und Glen Pass. Mather Pass steht schon Morgen an… Ich traue es mir aber mittlerweile zu und werde einfach Schritt für Schritt gehen. 

D-Hiker hat mir noch Essen dagelassen damit ich vielleicht auch noch Forrester Pass machen kann. Ich habe Essen für 5 Tage dabei. Spätestens am nächsten Donnerstag muss ich in Bishop sein, denn am Freitag fliegen D-Hiker und ich nach Portland. Wir werden dann Washington in Angriff nehmen…

Ich bin seit langem wieder einmal alleine an einer Tentsite aber es ist ok. Draussen rauscht der Palisade Creek und jetzt gerade fängt es an zu regenen. Hoffe dass es Morgen wieder schön ist wie immer. Denn Morgen werde ich den Mather Pass in Angriff nehmen. Hoffe, dass alle meine Schutzengel die Hand über mich halten. 

118. Tag, Wanda Lake Tentsite, Meile 840.5, Höhe 3495m

Ich liege in meinem warmen Schlafsack im Zelt. Es ist bitte kalt auf knapp 3500m. Ich bin total eingemummelt nur die Nase und die Hände sind kalt weil ich schreibe. Wir sind 2 Meilen vor dem Muir Pass. Um ca. 15.00 haben wir am Evolution Lake angehalten und unsere Zelte aufgebaut weil es so aussah, dass ein Gewitter direkt auf uns zukommt. Der Evolution Lake ist einer der schönsten Bergseen bisher. Wir sind ca. eine Stunde am See rumgehangen und als sich die Gewitterwolken langsam verzogen haben, haben wir unsere Zelte wieder eingepackt und sind noch 3.5 Meilen bis zum Wanda Lake weiter gelaufen. Es war immer noch bedrohlich grau/schwarz und in der Ferne hörte man es rumpeln. Just als wir am Wanda Lake ankamen fing es an zu tröpfeln. Ich kann mittlerweile sehr schnell mein Zelt aufbauen und bevor es richtig anfing war ich bereits im Trocknen. Der Regen dauerte aber nicht lange und bald konnte ich mein Zelt wieder aufmachen und die schöne Aussicht genießen. Die Sonne hat sich auch noch kurz gezeigt und es hatte eine wunderschöne Stimmung am Himmel. Eigentlich wollten wir heute über den Muir Pass aber der unfreiwillige Stopp am Nachmittag wegen dem nahenden Gewitter kostete uns zu viel Zeit. Außerdem hatte D-Hiker Kopfschmerzen, wahrscheinlich von der Höhe. Hoffentlich geht es ihr morgen besser. 

Heute Morgen sind wir um 5.45 los und es war etwas heller als gestern da wir nicht im Wald waren. Wir werden jetzt unseren Start auf 6.00 verschieben, da wir keine Lust haben mit Stirnlampe zu laufen. Wir sind das schöne Tal ganz nach hinten gelaufen und es ging langsam  und stetig hinauf. Nach 5km kamen wir an den Evolution Creek, der zweite der potentiell gefährlichen Flüsse. Dieses Mal haben wir aber nicht lange gefackelt sondern haben die Schuhe ausgezogen, alle warmen Kleider wasserdicht verpackt, mein Jupes wurde zum Supermini und dann sind wir rüber gewatet. Das Wasser kam mir bis zur Mitte des Oberschenkels. In der Mitte des Flusses war die Strömung schon etwas stärker aber ich hatte nie Angst den Halt zu verlieren. Es ist eigentlich wie im Schnee wenn es steil ist, man schaut immer dass man mit einem Bein und den beiden Trekkingstöcken einen guten Halt hat und erst dann macht man den nächsten Schritt. Der Evolution Creek war überhaupt nicht schwierig und wieder mal beglückwünschten wir uns, zur Entscheidung nach Ashland gereist zu sein und Southbound zu laufen. Für die High Sierra ist jetzt der beste Zeitpunkt. 

117. Tag, Piute Creek Tentsite, Meile 855.9, Höhe 2477m

Was für ein Tag! Wir sind um 5.45 los und da wir im Wald gecampt hatten, war es noch stockdunkel. Vor dem großen Bear Creek mussten wir noch zwei andere Flüsse überqueren. Manchmal schauen wir aber einfach zu weit oder wir sind immer noch darauf fixiert möglichst mir trockenen Füßen rüber zu kommen. Die Sucherei nach einer sicheren Stelle kostet uns auch immer viel Zeit. In diesem Fall wäre es am einfachsten gewesen die Schuhe auszuziehen, Flussschuhe an und rüber waten. Was wir schlussendlich auch getan haben. Das Wasser war irre kalt und die Außentemperatur war frostig. Brrrrrr! Schnell die Füsse trocknen, Socken und Schuhe anziehen und schnell weiterlaufen. Für die Flussüberquerung hatte ich die Leggings und die warme Jacke ausgezogen damit sie nicht nass werden im Falle ich rein falle. Da ich wusste, dass wir Bear Creek noch überqueren mussten, habe ich die warmen Sachen nicht wieder angezogen. Mir war ziemlich kalt und ich lief so schnell ich konnte. 

Als wir nach 3 Meilen endlich am Bear Creek ankamen fanden wir, dass er doch eigentlich gar nicht so schlimm aussieht. Er war ungefähr knietief wenn auch sehr breit. Pegasus hatte uns gesagt, dass wir diesen Fluss nicht überqueren sondern auf der gleichen Seite bleiben sollten. Er würde sich dann teilen und wir können die Seitenarme überqueren. Hätten wir doch nur auf unsere innere Stimme gehört, die uns sagte, dass wir hätten durchwaten können wo der Trail durchging. Aber wir hörten immer noch Pegasus in unseren Ohren und natürlich kommen uns in diesen Situationen jeweils Strawberry und Tree in den Sinn. So sind wir flussaufwärts gelaufen und haben schlussendlich 4 Flüsse überqueren müssen und einer davon war sogar ziemlich gefährlich. Wir sind mit Microspikes über nasse Stämme… Es ist alles gut gegangen, Gottseidank aber wir müssen besser auf uns selber hören und die Situation immer wieder neu beurteilen. Überhaupt ist die Situation der Flüsse anders als noch vor 3-4 Wochen. 

Selden Pass war dafür sehr einfach und dazu atemberaubend schön. Da fühlte man sich gleich wieder entschädigt für all die Strapazen. Den Rest des Tages ging es dann vor allem runter. 
Wir sind an einer Campsite direkt am Piute Creek und der Fluss donnert am Zelt vorbei. Ach bin ich froh, dass es hier eine Brücke gibt! 

116. Tag, Bear Creek Tentsite, Meile 872.2, Höhe 2735m

Heute Morgen sind wir ca. 1 Meile, bis zur Anlegestelle für die Fähre nach Vermillion Valley Resort, gelaufen. Wir waren zu früh und deshalb gab es nochmals Frühstück. Anschließend habe ich im See noch ein paar Sachen ausgewaschen und dann nur noch die Sonne und den See genossen. Um 9.45 ging es dann mit der Fähre nach VVR.  Leider war das Restaurant für die nächsten 2 Tage geschlossen weil sie irgendeinen Schaden zu beheben hatten. Die Hiker Box in VVR ist der Hammer! Wir konnten praktisch unseren ganzen Resupply aus dieser Box machen. Vielen herzlichen Dank an die JMT Hiker (John Muir Trail)! Da fand man nur das Beste vom Besten wie z. B.  Mountain House Dinners😍. Wir haben unser Essen auf 7 Tage aufgestockt bis Bishop. Wir hoffen das reicht und vor allem, dass wir wieder etwas schneller vorwärts kommen. 

Das Mittagessen haben wir auch gleich aus der Hiker Box genommen. Ich hatte Cous Cous, Gemüse und Rindfleisch. Etwas fade gewürzt aber ich habe mit Salz nachgeholfen. Dazu ein kühles Bier welches erst noch vom Resort gesponsert war. So günstig haben wir noch nie gegessen und Ressuply gemacht😉. 

Um 12.30 haben wir uns zum Trailhead vom Bear Ridge Trail fahren lassen und sind die 5.7 Meilen zum PCT zurückgelaufen. Die Fähre wäre erst wieder um 16.00 gefahren und so lange wollten wir nicht warten. 

Der Bear Ridge Trail war sehr steil und ging nur in eine Richtung nämlich hinauf. Es war heiss und es braute sich ein Gewitter zusammen. Es hat auch ein bisschen geregnet aber das Gewitter ist wieder einmal in eine andere Richtung abgezogen. 

D-Hiker hat in VVR ihr Footprint (Zeltunterlage) liegen lassen welches sie zum trocknen ausgelegt hatte. Ein Hiker hat sich bereit erklärt in VVR anzurufen und das Footprint nach Bishop senden zu lassen unser nächster Zwischenhalt. Er hat es mit seiner Kreditkarte bezahlt und wollte kein Geld von D-Hiker. Er sei reich hat er gemeint…

Wir campen heute Nacht neben dem Bear Creek. Dies ist einer der drei gefährlichen Flüsse die wir queren müssen. Er donnert ganz schön und wir konnten uns bereits von seiner Größe und von der starken Strömung beeindrucken lassen. Wir wissen von Pegasus, einer Amerikanerin, dass wir ihn nicht queren sollen wenn er den Trail kreuzt sondern erst weiter unten wenn er sich teilt. Dann müssen wir zwei Flüsse überqueren aber dafür nicht mehr so große. 

115. Tag, Tentsite, Meile 879.7, Höhe 2455m

Heute war ein anstrengender Tag. Die Meilen ziehen sich irgendwie dahin in der Sierra. Wir haben heute Silver Pass gemeistert. Der Anstieg war eigentlich nur 3.5 Meilen aber es kam mir viel länger vor. Um 13.00 waren wir endlich oben.  Wir mussten nur ein paar Schneefelder überqueren. Es war wirklich sehr schön heute mit imposanten Felsformationen und wunderschönen Bergseen. 

Beim Mittagessen sahen wir, dass es nur noch 6.5 Meilen bis Vermillion Valley Resort waren. Wir beschlossen nur kurz Mittagspause zu machen und dann schnell runterzusteigen. Um 16.45 fuhr eine Fähre zum Resort und die wollten wir unbedingt erreichen. Der Abstieg war aber so verdammt hart, dass wir einfach zu müde waren. Um 15.00 realisierten wir, dass wir es nicht schaffen würden. Wir beschlossen deshalb unsere Siesta nachzuholen. Wir waren so müde, dass wir uns einfach auf dem Boden legten und eine Runde schliefen. 

Um 16.00 sind wir dann weiter aber der Abstieg wurde nicht einfacher. Viele Felsen, viele hohe Tritte und dazwischen hunderte von Steinen. Gegen Abend mussten wir dann noch einen größeren Fluss überqueren. Es sah nicht einfach aus. Zuerst liefen wir den Fluss hinunter weil er sich da teilte aber wir fanden keine Stelle wo man sicher überqueren konnte. Das gleiche Flussaufwärts, die Srömung war einfach zu stark. Schlussendlich haben wir unsere Schuhe ausgezogen und ich habe meine Vivo Barefoot angezogen. Diese Schuhe habe ich extra dabei um Flüsse zu überqueren, nur waren sie bis anhin in meiner Bounce Box. Wir fanden eine knietiefe, relativ seichte Stelle und sind hinübergewatet. Meine Flussschuhe haben sich bestens bewährt😊. Ich hatte guten Halt und bin nicht gerutscht auf den Steinen. 

Wir sind dann noch 2 Meilen weiter bis zu einer Tentsite oberhalb eines Flusses. Ich musste noch Wasser holen, da ich nicht genug dabei hatte zum Zelten. Zuerst habe ich es querfeldein versucht, da ich da Wasser Rauschen hörte. Schlussendlich musste ich aber doch auf dem Trail die 0.2 Meilen bis zum Fluss laufen. Morgen können wir ausschlafen, da die nächste Fähre zum Resort erst um 9.45 fährt und wir nur etwa 2.5 Meilen zu laufen haben. 

114. Tag, Tentsite, Meile 895.5, Höhe 3131m

Heute Morgen konnten wir ausschlafen da die Post sowieso erst um 8.00 aufmachte. Ich musste noch meinen Bounce Bucket nach Bishop senden. Wir haben letzte Nacht mit 4 Italienern gecampt und das war richtig lustig. Es gab natürlich Vino Rosso und da sage ich nie nein. 

Auf dem Weg zur Post schauten wir noch bei der Bäckerei vorbei und bestellten einen Cappuccino und ein Croissant. Diese Bäckerei war sehr speziell denn sie hatte erstens guten Kaffee und zweitens Buttercroissants😍. 

Ich bin dann auf die andere Straßenseite und habe auf der Post mein Paket aufgegeben. In der Post traf ich noch Papa Homey, welchen ich schon sehr lange nicht gesehen hatte. Es hat mich gefreut, dass er immer noch unterwegs war, denn er hatte so Probleme mit seinen Füßen. 

D-Hiker musste dann noch wegen ihrer Kreditkarte telefonieren und ich wegen meinem Zelt. Wenn wir Glück haben hat D-Hiker in Bishop wieder Zugang zu Geld und ich habe hoffentlich wieder ein funktionierendes Moskitonetz. D-Hiker konnte sich aber Geld überweisen lassen, die Lage hat sich doch schon etwas entspannt. 

Anschließend gingen wir zur Busstation und fuhren mit 3 verschiedenen Bussen zurück nach Reds Meadow. Zwei davon waren sogar gratis😊. Touristenorte haben auch Vorteile. 

Um 11.00 waren wir endlich wieder an unserem Startpunkt und da alles so lange gedauert hatte, mussten wir zuerst noch essen. Ich habe mir noch eine Familienpackung Pommes  Chips gekauft und in meinen Rucksack gestopft. Hat viele, viele Kalorien😉. 

Dann gingen wir endlich los. Es ging vor allem bergauf und mein Rucksack fühlte sich an, als wären Steine drin. Wir trugen Essen für 6 Tage plus 1.5lt Wasser. Dies sind ca. 7.5kg nur für Proviant. Mein Rucksack wiegt schätzungsweise 16kg!!! Ich bin dementsprechend langsam den Berg hinauf gestampft. Der erste Tag nach Ruhetagen ist immer besonders schwer und dann noch mit schwerem Rucksack!

Wir haben aber trotzdem 11.5 Meilen geschafft aber die Schultern tun mir echt weh. Morgen geht es wieder auf einen Pass. Ich freue mich darauf! Dann sind es nämlich nur noch sechs 😉. Ich schlafe auf über 3100m und es könnte eine kalte Nacht geben. 

111. Tag, Mammoth Lakes, Meile 906.6, Höhe 2405m

Meine Nacht war ganz ok wenn man bedenkt, dass ich auf einem kleinen Hügel lag und jeweils von der Luftmatratze runterrutschte. 

Ich bin um 5.45 los und sagte D-Hiker, dass ich weiter vorne in die Büsche gehen würde um mich zu erleichtern. Als ich gerade hinter einem Baum war ist sie an mir vorbeigestürmt und hat meinen Rucksack wohl nicht gesehen. Ich bin ihr dann hinterher, musste aber immer wieder anhalten um Fotos vom See beim Sonnenaufgang zu machen. Es ging dann über eine Baumstammbrücke und danach bin ich falsch links abgebogen. Ich bin über die Felsen gelaufen und nach ca. 80m sagte mir meine innere Stimme, dass ich mich verirrt hatte. Ich habe auf der App nachgeschaut und musste zur Brücke zurück laufen. Der Weg ging rechts dem See entlang. Ich bin dann zügig den Berg hinauf mit der Vorstellung, dass D-Hiker vor mir ist. Ich habe nach den Fussspuren von ihr gesucht aber nicht gefunden. So langsam dämmerte mir, dass sie hinter mir sein musste. Ich informierte eine andere Hikerin im Falle, dass sie sie sehen würde und beschloss an einem sonnigen Ort auf sie zu warten. Ich hatte mich gerade eingerichtet als sie schnellen Schrittes auf mich zu kam. D-Hiker hatte sich genau an der gleichen Stelle verirrt wie ich, nur hatte sie es erst später bemerkt und war deshalb hinter mir. Nach diesen Verirrungen brauchten wir erst einmal Frühstück. 

Man konnte den Rauch vom Waldbrand sehen und riechen was sehr unangenehm war. Die Luft fühlte sich auch komplett ausgetrocknet an und ich hatte ständig eine trockene Kehle. Zudem bekam ich Nasenbluten weil die Luft so trocken war. Sehr unangenehm, es fühlte sich an wie in der Wüste. Ich musste an einem Fluss nochmals Wasser holen weil ich das Gefühl hatte zu verdursten. 

Danach ging es zum Reds Meadows Resort wo ich zu meinem Bier und Chips kam. Von hier aus gibt es einen gratis Bus der regelmäßig nach Mammoth fährt. Unser Bus fuhr leider nicht ins Village sondern nur zum Ski Resort. Von dort sollte es einen weiteren Bus geben der ins Village fährt nur standen wir leider auf der falschen Straßenseite und verpassten ihn deshalb. Ich wollte endlich ins Hotel kommen und stellte mich deshalb an die Straße um zu hitchen. Bald schon hielt eine Frau an und fuhr uns direkt in die Travel Lodge. D-Hiker hatte abgemacht, dass wir bar bezahlen weil es billiger ist und die Frau an der Reception meinte, dass es reicht wenn wir dies am nächsten Morgen tun. Wir sind dann essen gegangen, sehr lecker😊. 

Als wir zurück ins Hotel gekommen sind, ready uns in die Horizontale zu legen, gönnten wir uns in der Lobby noch eine heisse Schokolade zum Abschluss. Dies hätten wir wohl besser bleiben lassen, denn jetzt kam der Manager und wollte das wir das Zimmer zahlen. Der hat so Stress gemacht, dass zwei Männee von der Waldbrandbekämpfung uns anboten, uns zum Geldautomat zu fahren. Das taten wir dann auch aber ich konnte nicht mehr als 100$ raus holen. Ich habe dem Manager dann die 175$ für die erste Nacht gegeben und wollte die zweite Nacht mit der Kreditkarte zahlen. Dann hat er gesagt das Zimmer koste mit Gebühren 200$ und wir müssten Cash bezahlen. Ich hätte ihn auf der Stelle erwürgen können. Der Typ war so ein A…h, dazu ein indischer👹! Soll er doch den Sheriff holen, ich gehe jetzt ins Bett!!!

110. Tag, Tentsite Garner Lake, Meile 921.3, Höhe 

Wir kommen kaum vorwärts! Heute haben wir gerade Mal 12 Meilen geschafft. Ist das die Höhe oder die dünne Luft? Ich muss auf jeden Fall etwas mit meinem Rucksack ändern denn ich habe starke Rückenschmerzen. In Mammoth gibt es einen Outfitter, vielleicht können die mir einen Rat geben oder ich kaufe einen neuen Rucksack. In Mammoth werden wir auf jeden Fall einen Zero (Ruhetag) einlegen bevor es in die High Sierra geht. 

Heute Morgen, ich war gerade am frühstücken, kam D-Hiker ganz aufgeregt zu meinem Zelt: Die Bärenkanister mit unserem Essen seien weg! Das würde bedeuten, dass wir nach Tuolumne hätten zurückkehren müssen. Ich habe nur gedacht, das fängt ja schon gut an heute Morgen! Ich bin erstaunlich ruhig geblieben und habe gedacht, die werden wir schon wieder finden. Öffnen können die Bären sie ja nicht aber es soll schon vorgekommen sein, dass ein Bär den Kanister irgendwo runter geworfen hat damit er kaputt geht. Die Bärenkanister sind dann tatsächlich wieder zum Vorschein gekommen, D-Hiker hatte einfach am falschen Ort geschaut😂. Sie schuldet mir jetzt ein Bier👍. 

Wir sind dann etwas verspätet losgelaufen und es ging gleich los mit dem Aufstieg zum Donahue Pass. Es ging eigentlich ganz gut außer, dass mein Rücken tierisch schmerzte und ich Ibuprofen nehmen musste. Als wir mehr als die Hälfte des Aufstiegs geschafft hatten, haben wir an einem Fluss, den wir noch überqueren mussten Frühstückspause gemacht. Wir beschlossen, dass wir keine nassen Schuhe und Füße wollten und haben einen andern Weg gesucht. Zuerst sind wir über die zum Teil sehr nasse Wiese gelaufen, dann über Felsbrocken geklettert, dann haben wir auf teilweise abenteuerliche Weise 3 kleinere Flüsse überquert und am Schluss mussten wir zurück zum Trail finden. Hatte sich der ganze Aufwand gelohnt? Jaaaaa! Wir hatten nur leicht feuchte Füße vom Gras und das trocknete schnell. 

Oben auf dem Pass war es windig und kalt. Dies war unser vierter Pass in der Sierra und er war gar nicht so schwierig. Auf der anderen Seite ging es natürlich wieder hinunter. Es waren viele Tagestouristen und JMT Hikers unterwegs. Da können wir gut sehen wie fit wir sind. Sie schnaufen und stampfen und wir laufen locker an ihnen vorbei aber nur wenn es nicht all zu steil ist. 

Wir hatten dann noch einen kleineren Pass zu bewältigen und danach war bei mir die Luft draußen. Die Campsite am Garner Lake kam gerade richtig. Einziges Problem der Boden war zu steinig, wir bekamen die Heringe nicht rein. Ich war total müde und mit der Situation überfordert. D-Hiker half mir einen anderen Platz zu finden und auch das Zelt aufzubauen. Wir mussten teilweise große Steine nehmen wenn wir die Heringe nicht in den Boden bekamen. Zu guter letzt stand aber mein Zelt wenn auch auf unebenem Grund und mit leichter Abwärtsneigung. Das wirdir ja eine Nacht…

109. Tag, Tentsite, Meile 933.6, Höhe 2709m

Wir haben heute einen Nero gemacht (Tag mit nur wenig Meilen) und sind erst um 7.30 aufgestanden. Um 8.00 ging der Shop auf und ich hoffte auf ein Frühstück im Imbiss nebenan. Tatsächlich gab es Rührei, Speck und Bratkartoffeln. Mmmhhhhh🤗. Ich war im siebten Himmel. Anschließend mussten wir unseren Bärenkanister mit Essen für 3 Tage füllen. Ich brauche mehr Food wie D-Hiker da ich möglichst zu- und nicht abnehmen sollte. Der Shop hatte alles was wir brauchten wenn auch etwas teuer aber was solls. Auf dem Campingplatz haben wir dann alle Verpackungen entfernt und in Ziplockbeutel umgefüllt. Mammoth Lakes ist nur ca. 36 Meilen entfernt. Es gilt aber den Donahue Pass zu bewältigen und der liegt auf 11000 Fuß. Ich schätze Mal das sind ca. 3350m. Es wird bestimmt Schnee haben aber ich mache mir da nicht mehr so einen Kopf. Wir laufen einfach den Pass hinauf und setzen uns mit der Situation auseinander wenn sie kommt. Es bringt nämlich nichts sich im Voraus sorgen zu machen. Es ist wie Eckhart Tolle sagt: Mit dem jetzigen Moment kann man immer umgehen, mit Zukunftsängsten nicht. 
Wir blieben dann noch bis 13.30 in Tuolumne auch weil wir noch auf die Post warteten. D-Hiker wartet immer noch auf die neue Kreditkarte und ich auf mein Moskitonetz für das Zelt. Beide Sachen waren natürlich nicht da. Es ist total schwierig irgendetwas zu organisieren wenn man nie ein Netz und kein Internet hat. Auf der Straße vor dem Shop gab es ein Payphone aber das funktionierte auch nicht😩. Ich muss die Moskito verseuchte Sierra ohne funktionierendes Moskitonetz machen. Arrgghhh! Na ja das Problem von D-Hiker ist schlimmer, sie hat seit South Lake Tahoe kein Geld! Gottseidank hat sie mich😁!

Wir sind dann um 13.30 gestartet, ich mit Eiscreme im Bauch. Der Rucksack fühlte sich wieder sinnlos schwer an. Mein Rücken schmerzte und ich musste Vitamin I (Ibuprofen) nehmen. 

Der John Muir Trail ist wunderschön wenn auch sehr touristisch. Wir wurden zum ersten Mal von einem Ranger auf einem Pferd angehalten und mussten unser PCT Longdistance Permit zeigen. Meines war noch etwas feucht von meinem unfreiwilligen Bad im Fluss. Der Ranger ließ uns dann gehen und wir setzten unseren Weg fort. Hier im Yosemite National Park hat es einen Waldbrand aber der PCT ist bisher nicht betroffen. Man sieht es aber weil es so diesig ist und manchmal, je nach Wind, kann man es auch riechen. Ich hoffe sehr, dass es uns nicht tangieren wird. Wir liefen durch ein wunderschönes Tal einem Fluss entlang. Von weitem können wir die Schneeberge sehen und wir fragen uns, welcher wohl der Donahue Pass ist. 

Wir sind heute nur 8.8 Meilen gelaufen und campen in der Nähe eines Bachs. Die Bärenkanister haben wir in einem toten Baum versteckt und mit Steinen beschwert. Man soll es den Bären schließlich nicht zu einfach machen.