119. Tag, Palisade Creek Tentsite, Meile 826.3, Höhe 2560m

Wir sind heute nach 6.00 los. D-Hiker wollte eigentlich erst um 6.20 wenn die Sonne aufgeht. Sie hatte Angst im Dunkeln laufen zu müssen.  Dabei war es schon ziemlich hell als wir los sind. Es war eine kalte Nacht und am Morgen war das Zelt innen klitschnass vom Kondenswasser und außen von der Feuchtigkeit vom See. Ich hatte aber mollig warm in meinem Schlafsack, nur gegen Morgen habe ich noch die Daunenjacke zusätzlich angezogen. 

Wir sind dann los Richtung Muir Pass. Es ging über Stock und Stein und immer wieder war der Trail ein Bach dem wir ausweichen mussten. Es gab auch viele breite, flache Flüsse zu überqueren. War aber einfach da soviele Steine und Felsen rumlagen. Im Gegensatz zu D-Hiker macht mir die Höhe gar nichts mehr aus. Ich habe keine Atemnot mehr wenn ich den Berg hochgehe und auch keine Beine die sich anfühlen wie Blei. 

Um 7.15 war ich bei der Muir Hut, dies ist eine Schutzhütte auf dem Pass für Hiker. Man kann da auch übernachten und wenn D-Hiker nicht so Kopfschmerzen gehabt hätte, wären wir vielleicht auch in die Muir Hut. Ich habe mich auf die Stufen in die Sonne gesetzt und habe auf D-Hiker gewartet. In der Hütte hat jemand übernachtet und ich wollte nicht stören deshalb bin ich nicht hinein. Der Hiker hat sich aber bald geregt und hat die Tür geöffnet. Die Hütte ist wirklich schön und ganz aus Stein. Innen ist sie ganz spartanisch, es hat eine Steinbank wo man seine Luftmatratze ausbreiten könnte. Es gibt sogar eine Feuerstelle, die ist aber zugemauert. Macht ja auch keinen Sinn, denn da oben gibt es kein Holz und da kommt nur die Kälte hinein. Wir haben auf den Stufen vor der Hütte gefrühstückt und zur Feier des Tages gab es Rührei und Schinken von Mountain House, echt lecker😋. Wir wollten da gar nicht mehr weg, es war so schön da oben. 

Irgendwann mussten wir aber den langen Weg nach unten antreten. Es hatte mehr Schnee als beim Hinaufgehen aber nichts was wir nicht meistern konnten. Wir kamen an vielen, teilweise noch gefrorenen Bergseen vorbei. Einer leuchtete wie ein Malachit, dunkelgrün. 

Seit gestern laufe ich meistens voraus da D-Hiker nicht so fit ist. Sie hat Mühe mit der Höhe und eine Zerrung unter dem Arm vom Rucksack hochheben. 

Bei der zweiten Frühstückspause hat sie mir dann mitgeteilt, dass sie vom Trail runter will. Sie vertrage die Höhe einfach nicht und habe überall Schmerzen. Ich war leicht geschockt, denn mir war nicht bewusst, dass es so schlimm war. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und hatte nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich gehe auch vom Trail oder ich laufe alleine weiter. Für mich kam es nicht in Frage jetzt aufzuhören und es war ja auch nicht so, dass ich sie hätte nach Bishop begleiten müssen. Das heißt für mich, dass ich die zwei schwierigsten Pässe alleine meistern muss: Mather Pass und Glen Pass. Mather Pass steht schon Morgen an… Ich traue es mir aber mittlerweile zu und werde einfach Schritt für Schritt gehen. 

D-Hiker hat mir noch Essen dagelassen damit ich vielleicht auch noch Forrester Pass machen kann. Ich habe Essen für 5 Tage dabei. Spätestens am nächsten Donnerstag muss ich in Bishop sein, denn am Freitag fliegen D-Hiker und ich nach Portland. Wir werden dann Washington in Angriff nehmen…

Ich bin seit langem wieder einmal alleine an einer Tentsite aber es ist ok. Draussen rauscht der Palisade Creek und jetzt gerade fängt es an zu regenen. Hoffe dass es Morgen wieder schön ist wie immer. Denn Morgen werde ich den Mather Pass in Angriff nehmen. Hoffe, dass alle meine Schutzengel die Hand über mich halten. 

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