51., 52. + 53. Tag, Kennedy Meadows, Meile 702.2, Höhe 1884m

Ich bin in Kennedy Meadows!!! Die Wüste liegt hinter mir und ich stehe am Tor zur Sierra Nevada. Wow! Das fühlt sich gerade ziemlich unwirklich an. Ich bin 1124km durch die Wüste gelaufen ohne zu verdursten😉 und zudem war es viel schöner und abwechslungsreicher als erwartet. 

Heute Nacht war ich froh, dass ich die Rain fly auf das Zelt gemacht hatte, denn es war bitterkalt und mit Rain fly ist es im Zelt gleich ein paar Grad wärmer. Um 6.30 bin ich los, seit langem wieder mal alleine,  und wie immer hatte ich zunächst Startschwierigkeiten. Nach 1.5 Meilen habe ich bereits an einem sonnigen Plätzchen gefrühstückt. Mein Gas war fast alle und es hat ein bisschen länger gedauert bis es gekocht hat aber ich bekam doch noch ein warmes Frühstück. Der Trail war mit wenigen Ausnahmen recht einfach und ich kam gut voran. Mein Knöchel schmerzte auch nicht, der hat scheinbar nur Probleme mit schwierigem Gelände wie losem Geröll. 

Als ich am Manter Creek ankam war es erst 12.30. Unicorn meinte es seien nur noch 8 Meilen bis Kennedy Meadows und da ich mich gut fühlte beschloss ich bis KM durchzulaufen. Vorher machte ich aber noch eine Stunde Mittagspause.  Da ich soviel Essen bekommen hatte, ass ich Kartoffelstock zum Mittagessen😊. Dann konnte ich wieder voller Energie loslegen. Es motivierte mich natürlich Mermaid nochmal zu treffen. Ich kam an einem richtigen Fluss vorbei, einer der von der Schneeschmelze angeschwollen war und ich überlegte wo ich ihn überqueren würde wenn ich müsste. Denn in der Sierra Nevada gibt es nur wenige Brücken und viele Flüsse müssen durchquert werden. Ich weiß nicht ob ich mich getraut hätte denn er hatte sehr viel Wasser. Genau deshalb werde ich die High Sierra wohl auf später verschieben müssen. 

Um 18.00 bin ich in Kennedy Meadows eingelaufen. Es ist hier Tradition, dass jeder Hiker mit frenetischem Applaus der Fellowhikers empfangen wird. Mein Applaus war besonders groß da viele mitbekommen haben, dass ich einen verstauchten Knöchel habe und alle haben sich mit mir gefreut, dass ich es trotzdem geschafft habe. Ich war mal wieder den Tränen nahe und außerdem sehr stolz hier zu sein. Ich habe jetzt ein Viertel des Weges zurückgelegt und außerdem die Wüste hinter mir gelassen. 

Mermaid wird morgen Richtung Lone Pine aufbrechen, das Mädel hat es immer so eilig, aber ich werde sie wahrscheinlich am Freitag in Lone Pine sehen. Eine Gruppe von uns wird am Donnerstag Richtung Chester fahren. Wir haben beschlossen die High Sierra auf später zu verschieben. Es hat einfach noch zuviel Schnee und das wahre Problem sind die Flussüberquerungen mit dem Hochwasser. Ich möchte nämlich nicht mein Leben riskieren dafür ist es im Moment zu aufregend😉.

52. Tag: 

Heute morgen bin ich um 7.00 aufgestanden und habe mich schnell angezogen da ich wusste, dass um 7.45 ein Shuttle zu Grumpy Bears geht für das Frühstück. Legend war auch da und er hat uns schon um 7.30 zu Grumpys gefahren. Als wir ankamen war noch geschlossen und wir mussten warten, bis Mr. Grumpy bereit war. Ja und was für ein Frühstück wir dann bekamen! Zuerst ein Teller mit 2 Spiegeleier, Kartoffeln und Speck, da hatte ich eigentlich schon genug! Dann kam aber noch ein Pancake so groß wie eine Pizza und ca. 4cm dick!!! Die spinnen die Amis! Ich habe vielleicht ein 1/8 von dem Monster gegessen. Dann gab es noch eine Pancake Challenge, das Ding war dann etwa 3x so groß wie unser Pancake! Ich weiß nicht ob der junge Mann es geschafft hat aber mir wurde nur schon beim Anblick schlecht🤢! Wenn du es schaffst musst du die Rechnung nicht bezahlen. 

Dann ging es zurück zum General Store wo wir hinter dem Haus campen dürfen. Der offizielle Campingplatz wäre nämlich nochmal 2.5 Meilen weiter. Ich holte meine Mailboxes mit den Wintersachen für die Sierra ab und meine neuen Schuhe. Ich habe die gleichen wie vorher aber mit höherem Schaft. Kommt mir gerade recht mit meinem verstauchten Knöchel. Ja und dann kam die lange ersehnte heiße Dusche! Endlich! Nach mehr als einer Woche in der Wildnis kann man sagen, dass es sich gelohnt hat😜. Ich habe meine Haare und meinen Körper 2x eingeseift und trotzdem waren meine Füße immer noch nicht sauber. Ich könnte eine Bürste gebrauchen😬. Aber es fühlte sich himmlisch an! Anschließend habe ich meine dreckige Wäsche in die Waschmaschine geworfen und 2x soviel Waschpulver reingetan damit es auch ja gut riecht😉. 

Als alles erledigt war habe ich mich auf die Terrasse gesetzt und ein Bier getrunken. Es kommen laufend neue Hiker an und dann wird wieder gejubelt und geklatscht. Einige kennt man viele hat man noch nie gesehen. 

D-Hiker und Hungry-G sind auch angekommen. Hungry-G ist gehitched, sie wird den PCT hier beenden. Sie hat einerseits Probleme mit dem Fuß und andererseits möchte sie einfach in Amerika herumreisen. Schaaaade! David ist noch nicht hier, er soll sich langsam beeilen sonst sehe ich ihn nicht mehr. 

Scheinbar ist ein Junger Bär kurz vor Kennedy Meadows sehr aktiv gewesen. Dem einen Hiker hat er während dem Lunch den Foodsack gestohlen und ist damit abgehauen  und bei einem anderne, der unterwegs war hat er von hinten den Rucksack gepackt. Der Mann hat sich gewehrt und konnte den Bär vertreiben. D-Hiker hat ihn gerade nach dem Kampf mit dem Bär getroffen und der Hiker war völlig fertig. Er scheint sich bei dem kleinen Bach 1.9 Meilen vor Kennedy Meadows im Gebüsch  rumzutreiben. Wahrscheinlich wir der Bär bald erschossen, da es sich um einen Problembären handelt. Ich bin mir sicher, dass er von Touristen gefüttert wurde und so auf den Geschmack kam. Mir ist er Gottseidank nicht begehnet. 

53. Tag: Ich werde doch nicht nach Chester fahren sondern nach Ashland in Oregon. Schade dass Mermaid so schnell weiter ist sonst hätte ich das Ganze noch mit ihr besprechen können. Ich kann sie auch nicht via WhatsApp erreichen da ich in Kennedy Meadows keinen Empfang habe. 

Hungry-G, Greg und ich würden von einer älteren Dame namens Carry zu sich nach Hause eingeladen für Salat und Spaghetti. Da konnten wir natürlich nicht nein sagen😊. Sie wohnt in einem schönen Haus ganz in der Nähe. Wir stiegen in ihren alten Pick up und führen zu Carrys schönen zu Hause. Als wir mit einem Glas Weißwein auf dem Balkon saßen ging schon bald die Sonne unter. Greg durfte sogar eine Dusche nehmen. Wir hatten erst am gestrigen Tag geduscht und fühlten uns sauber genug. Bis das Essen bereit war dauerte es ziemlich lange und das Einzige was mich stresste war, dass ich am nächsten Tag raus hiken würde und deshalb früh aufstehen musste. D-Hiker und Big Sky werden schon um 5.00 losgehen und das ist mir eindeutig zu früh. Ich weiß wo die beiden campieren werden und werde am Abend zu ihnen stossen. Greg habe ich erst heute kennengelernt aber er ist sehr symphatisch und hatte viele Geschichten zu erzählen z.B. über die Schildkröten in der Mojavi Wüste wo er zuletzt gearbeitet hat. Die Zeit bis zum Essen war deshalb sehr kurzweilig und wir genossen es auf dem Balkon zu sitzen und Weißwein zu trinken wie zivilisierter Menschen das so tun und nicht wie der Hikertrash, der wir momentan sind. Das Essen war ausgezeichnet und wir hatten ein richtiges Candle Night Dinner mit interessanten Gesprächen z.B. über Trump. Ich habe noch keinen Amerikaner getroffen der mit dem jetzigen Präsidenten zufrieden gewesen wäre. Alle meinten er müsse gehen und zwar bald! Auch dass sich in Amerika viel ändern müsse. Um 22.30 fuhr uns Carry zurück zum General Store. Als einziger Dank wünscht sie sich eine Weihnachtskarte von uns. Das lässt sich machen😊. 

Ich habe im Dunkeln mit der Taschenlampe mein Zelt nicht auf Anhieb gefunden. Ich habe meinen Wecker auf 5.00 gestellt aber Ichbewusstsein echt nicht ob ich es schaffe aufzustehen…🙄. 

4 Antworten auf „51., 52. + 53. Tag, Kennedy Meadows, Meile 702.2, Höhe 1884m

  1. Hey Françoise, ich muss mich einfach schnell melden bei dir, möchte dir gratulieren für deine tolle Leistung durch die Wüste. So schön, wieder von dir zu lesen. Bei mir geht im Moment einiges drunter und drüber und dann lenkt es mich ab, wenn ich von dir höre, was du so alles erlebst. Danke dafür, dass ich die Möglichkeit habe, ein klein wenig bei deinem Abenteuer mit dabei zu sein.
    Gib weiter auf dich Acht und ganz herzliche Grüsse…Ruth

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  2. liebe francoise
    auch wenn es gerade nicht so läuft im wörtlichen sinn,
    ich bin froh von dir zu lesen wie es weiter geht und das es weiter geht.
    das du eine freundin ziehen lassen musst ist eine entscheidung, was draus wird, wird sich finden. du musst auf dich achten, das ist richtig.

    wünsche ich dir von herzen das du weiter deinen weg gehen kannst, wenn nötig langsam, aber stetig.
    drücke dich ganz fest und wünsche dir weniger schmerzen an fuß und herz.
    ganz lieben Gruss

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  3. Ganz herzliche Gratulation zur Wüstendurchquerung. Ist ja eine tolle Leistung!!!!
    Herzliche Grüsse und mit den besten Wünschen für die Fortsetzung,
    Stephan Schmidlin

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