11.03.2019 Just floating around

Heute habe ich mal wieder ausgeschlafen und dann im Bett zu einer geführten Meditation von Mooji meditiert.

Anschließend genoss ich mein zweites ausgezeichnetes Frühstück in der German Bakery. Ich hatte Glück und es gab Strom somit kam ich in den Genuss von zwei Cappuccinos😋. Ich bin ja ein Kaffeejunkie, wenn ich bis 11.00 keinen Kaffee getrunken habe, kriege ich Kopfschmerzen. Dies ist doch mal ein wunderbares Beispiel dafür wie unsere Glaubenssysteme zur Realität werden😂.

Es ist für mich so einfach geworden hier zu sein. Schade, dass es so bald schon zu Ende geht. Langsam geht mir auch das Geld aus und ich muss wohl meine Kreditkarten testen um Geld aus dem Automaten zu bekommen. Ich glaube ich mache das besser bevor ich meine große Einkaufstour plane😉.

Ich bin heute wieder zu Shanti Mayi zum Satsang gegangen. Was ich hier so liebe sind die Bhajans. Singen hilft mir mein Herz zu öffnen und ich möchte zu Hause einen Weg finden um dies weiterzuführen. Ich werde auch mit der Mooji Community in Zürich Kontakt aufnehmen um dran zu bleiben, es hilft mir mit Gleichgesinnten zusammen zu kommen. In Basel gibt es leider nichts.

Ich habe am Ganges ein neues Restaurant entdeckt, das New Lucky Café. Es ist wunderbar hier außer, dass ich zum ersten Mal von irgendwelchen Viechern gestochen werde. Für Moskitos ist es eigentlich zu windig. Ich habe bisher meinen Antimoskito-Spray nicht mal ausgepackt.

So ich werde jetzt mal zurück zu meinem Zimmer gehen bevor das Gewitter losbricht.

In einem meiner früheren Beiträge habe ich erzählt, wie ich gewohnt hatte als ich 1989 in Poona angekommen bin. Very basic. Was ich euch nicht erzählt habe war mein rasanter Aufstieg in eine Luxuswohnung. Ich habe damals als der Monsun kam und alle nach Hause gingen durch Zufall einen Job im Ashram übernommen. Ich war zuständig für die Finanzen. Die Leute zahlten bei mir wenn sie an spirituellen Gruppen, Meditationen oder anderen Kursen teilnahmen. Ich bekam dafür das Essen und Wohnen gratis. Dies war sehr selten, dass man bezahlt wurde wenn man im Ashram arbeitete, nur bei gaaaaanz wichtigen Jobs😉. Die meisten arbeiteten gratis (wie ich meistens), in Indien nennt man das Seva (selbstloses Dienen). Ist praktisch in jedem Ashram so. Ja und ich wohnte in einem Palast verglichen zu vorher. Die Böden, das Bad und große Teile der Küche waren aus Marmor! Ich dachte nur, ach so kann man hier also auch wohnen. Später fand ich dann raus, dass praktisch alle sich eine Wohnung teilten und Marmor gehörte hier zur Standardausstattung. Sagen wir mal für diese Art von Wohnungen, die sich nur Touristen oder Reiche leisten konnten…

Ich bin jeden Tag mit meinem Roller durch die Slums gefahren. Das war nicht angenehm und vor allem schockierend. Wir haben keine Ahnung wie gut es uns geht in Europa und vor allem in der Schweiz. In Indien spielt sich fast alles öffentlich ab. Es wird nichts beschönigt alles ist wie es ist und alle leben, meist friedlich, nebeneinander her. Es wird auch nichts versteckt, nicht die Armut, nicht das Elend und vor allem nicht der Tod. Bei uns ist der Tod auch heute noch ein schwieriges Thema und findet meist hinter geschlossenen Türen statt, in Indien ist es der Sex der unterdrückt wird. Wenn ich am Ganges entlang zurück laufe, finden täglich mehrere Kremationen statt. Meist kommt eine lange Reihe von Männern die das Holz transportieren. Dann wird ein Scheiterhaufen aufgestapelt und der Leichnam, der meist in eine Decke gewickelt und mit Blumen dekoriert ist, obendrauf gelegt. Wenn die Leute genug Geld haben, wird auch noch Sandelholz verwendet. Ja und dann wird der Stapel angezündet und die Angehörigen bleiben meist bis der Stapel ganz runtergebrannt ist. Dies dauert sehr lange und wahrscheinlich wechseln sich die Angehörigen ab. Wenn nur noch die Asche übrig ist wird sie dem Ganges übergeben. Was mir hier aufgefallen ist, ist dass bei den Verbrennungen, die ich gesehen habe, nur Männer anwesend waren. Weiß nicht ob das so üblich ist.

Ich komme gerade zurück vom Abendessen. Ich hatte einen sehr leckeren Pastasalat mit viel rohem Gemüse. Mal schauen ob ich das Morgen auch noch so toll finde oder ob mich doch noch Montezumas Rache einholt🤭.

10.03.2019 Letzter Satsang mit Mooji

Heute Morgen musste ich etwas improvisieren, da ich ja meinen Rucksack nicht hatte. Ich habe dann die Hülle meines Sitzkissens als Tasche genommen und anstatt Daunenjacke kam meine Meditationsdecke zum Einsatz. Am Morgen ist es immer noch recht kühl und wenn ich zur Hauptstraße hoch laufe bläst immer ein unangenehmer Wind.

Ich aß meine obligaten Bananen und verfütterte die Schalen an eine heilige Kuh🐮 oder vielleicht war es auch ein Bulle, habe ehrlich gesagt nicht so genau hingeschaut😉. Es erstaunt mich immer wieder, wie normal es hier ist, dass überall Kühe rumlaufen. Sie werden auch von allen gefüttert sogar in den Tempeln. Das Leben der Kühe hier ist gar nicht so schlecht, na gut vielleicht hätten sie doch lieber eine saftige grüne Wiese😉.

Ich saß heute so weit hinten wie noch nie aber es war ok, dafür hatte ich 2 cm mehr Platz, ist doch auch etwas😂. Es war total voll, alle wollten am letzten Satsang dabei sein.

Vor mir saß ein junges Pärchen, vielleicht 16 oder 17 Jahre alt. Es fühlte sich nach erster Liebe an. Sie klebte an ihm wie eine Klette. Sie konnte kaum die Finger von ihm lassen. Sie war total fixiert auf ihren Freund, ich glaube nicht, dass sie viel von dem mitbekommen hat was Mooji gesagt hat. Er versuchte Mooji zu folgen und wurde aber immer wieder von ihr abgelenkt. Ich dachte nur auweia Mädchen, wie lange kann das gut gehen bis er total genervt sein wird.

Ich habe mich heute nochmal so richtig mit Satsangenergie aufgefüllt. Es mag der letzte Satsang in Rishikesh gewesen sein aber die innere Reise geht weiter. Was ich aus dieser Zeit mit Mooji mitnehme, ist vor allem ein großes Vertrauen in das Leben, in Gott, und in mich selber. Wenn wir es schaffen als Individuum immer mehr aus dem Weg zu gehen, kümmert sich das Leben um das Leben und das viel besser als wir es mit unserem Ego hinkriegen würden.

Vor dem Ashram kaufte ich mir eine Kokosnuss, es gibt nichts besseres gegen den Durst. Dort traf ich eine der jungen Frauen aus Estland, mit denen ich nach dem Konzert von Prem Leela zurück nach Tapovan gefahren bin. Ich sprach sie an und wir fingen an zu reden. Sie fragte mich ob ich schon zu Mittag gegessen hätte, denn sie wäre auf dem Weg zu einem anderen Ashram wo man gratis essen könne (man gibt eine Spende).

Wir hatten einen guten Platz auf dem Balkon mit wunderbarer Sicht auf den Ganges. Das Mädchen aus Estland (ich erwähne ihren Namen extra nicht), schüttete mit ihr Herz aus. Sie hat einen 5 jährigen Sohn, der zur Zeit bei seinem Vater ist. Sie lebt getrennt von ihrem Mann und fühlt sich nicht stark genug die Verantwortung für ihr Kind alleine zu tragen. Was sie auch nicht muss, da der Vater und die Großeltern auch noch da sind. Sie will die Zeit hier nutzen um innere Stärke zu finden und unabhängiger zu werden. Gleichzeitig hat sie das Gefühl von der Situation mit ihrem Sohn davon zu laufen. Ich konnte mich in ihr sehr gut wieder erkennen. Ich bin auch lange Zeit vor mir selber davon gerannt, nur bringt es leider nichts weil wir uns selber immer mitnehmen wohin wir auch gehen. Wir könnten uns komplett isolieren, der Welt entsagen und im Schrank verstecken, trotzdem gibt es kein Entrinnen von dem was in uns vorgeht. Der bessere Weg ist stehen zu bleiben und seine Ängste direkt anzuschauen. Dann lösen sie sich meistens in Luft auf, denn sie existieren nur in unserem Kopf. Ich bin oft im meinem Leben über meine Ängste hinausgewachsen, sonst hätte ich keine einzige meiner Reisen gemacht, schon gar nicht alleine.

Wir haben den ganzen Nachmittag zusammen verbracht und sie hat mein Herz berührt. Ich wünsche ihr, dass sie hier findet was sie sucht und das das Leben ihr die Unterstützung gibt die sie braucht.

Ich bin dann nach Hause und hatte keine Lust mehr irgendwo essen zu gehen. Deshalb gab es nur eine Mango zum Abendessen und dazu habe ich mir die Bhajans vom Samstag angehört.