4. Tag Lantz, 16km

Sitze in der Bar Posada und trinke ein gutes Glas Vino tinto della Casa. Der Wirt ist zwar die Ausgeburt der Unhöflichkeit aber das Menü war ausgezeichnet und der Rotwein hervorragend. Der Wirt tut glaube ich nur so ruppig, der ist glaube ich gar nicht so. Hat ihn wohl genervt, dass er von seinem gemütlichen Stammtisch weg musste und einer hungrigen Pilgerin was zu essen kochen musste.
Der Tag heute war wunderschön aber auch sehr anstrengend und am Schluss gab es auch noch eine Umleitung wegen Baumschlag. Da haben sie mich noch mal kreuz und quer durch die Pampa gehetzt und am Anfang 3.5km der Nationalstrasse entlang. Dafür kam ich wegen der Umleitung in den Genuss eines Biers, Pinchos und eines Kaffees. Es hat alles auch seine gute Seiten. 
Der Durchhänger von gestern ist überwunden und ich habe das Gefühl endlich angekommen zu sein. Es ist schon so, die ersten drei Tage muss man irgendwie überstehen. Es kommt mir manchmal so vor, als müsste man erst durch die Dunkelheit durchbrechen, die sich im Alltag so ansammelt und die man mit sich rumschleppt. Die Albergue in Lantz hatte natürlich offen und ich habe heute keinen einzigen Gedanken daran verschwendet. 
Ich bin heute über die Pyrenäen gelaufen, der höchste Punkt war auf 950m. Ganz schön anstrengend! Ich habe für 9km bis auf den Pass 4 Std. gebraucht! Normalerweise läuft man in einer Stunde ca. 4km! Es gab auch keine Bar, auf jeden Fall keine die offen hatte, auf dem ganzen Weg zum Pass. Die Pyrenäenüberquerung ist hier schon weniger spektakulär wie z.B. auf dem Camino Frances aber es war trotzdem sehr schön. Man geht viel durch Laubwälder aber steil ist es trotzdem. Ich glaube meine Kondition könnte auch noch etwas besser sein…😁. 
Oben auf dem Pass war eine Kapelle die früher auch noch als Schutzhütte für die Pilger gedient hat. Etwas weiter unten findet man das Hispital Santa Maria wo früher die Pilger übernachten konnten. Von da an kam leider die Umleitung wegen dem Holzschlag. Hatte mich schon auf den weiteren Weg im Wald gefreut und dann durfte ich 3.5 der Nationalstrasse entlang laufen. Aber es gab ja dann ein Bier….
Bin wieder alleine in der Albergue aber es ist ok. Morgen bin ich in Pamplona und dann werde ich mich nach der Ruhe und der Einsamkeit des Baztan Weges zurück sehnen. 

Wieder ein Esel der nicht mitkommen wollte. 

Damit es auch wirklich klar ist wo man entlang laufen muss. 

Es geht durch den Wald zum Pass. Die einzigen die mir begegnen sind Leute die Pilze sammeln. 

Die Schafe flüchten vor mir. 

Vielleicht ein altes Grab?

Damit man auch im Wald weiss wo es lang geht. Auf jeden Fall so lange kein Schnee liegt…

Endlich auf dem Pass. 

Col de Bejate

Wegzeichen auf dem Pass. 

Santiagozeichen vor der Kapelle. 

Die Kapelle auf dem Pass. 

Huhh, ich bin der böse Wolf. 

3. Tag Berroeta, 14km

Ich sitze in der Küche der ersten Albergue die offen hat, ganz alleine. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass ich bisher keinen einzigen Pilger getroffen habe? Ich scheine die einzige zu sein, die hier rumstiefelt. Die Senora hat gemeint ich sei die erste Schweizerin😉. Fühle mich manchmal schon alleine und es wäre schön mit einem Gleichgesinnten reden zu können. Der einzige Camino, der auch so einsam war, war die Strecke von Cluny nach St. Jean-Pied-de-Port. Da habe ich einmal eine Pilgerin gesehen aber leider nur von hinten. In St. Jean-Pied-de-Port hatte es dafür dann mehr als genug Pilger, nur musste ich dann nach Hause. 

Habe heute Morgen oft gezweifelt warum ich das überhaupt mache. Warum laufe ich ganz alleine in der Pampa rum? Warum tu ich mir das an? Warum will ich überhaupt den PCT laufen? Ist doch alles nur tierisch anstrengend und alles tut einem weh. Hatte das Gefühl nicht stark genug zu sein für den PCT. Zweifel, Zweifel, Zweifel..😠. Auch ist diese Unsicherheit ob man etwas zum schlafen findet manchmal etwas zermürbend. Ehrlich gesagt war es noch nie so schwierig. Habe es schon mehrmals bereut das Zelt nicht dabei zu haben, man fühlt sich einfach unabhängiger. Habe heute Morgen zweimal versucht die Albergue hier anzurufen und es hat niemand abgenommen. Dann hatte ich von einem anderen Reiseführer eine andere Nummer wo man mir dann Gottseidank die richtige Nr. gegeben hat.  
Ich glaube die Senora hat es mir angehört wie erleichtert ich war, dass die Albergue offen ist. Morgen weiss ich es schon wieder nicht. Die Albergue in Olagüe, wo ich eigentlich hin wollte ist geschlossen und die in Lanz habe ich nicht erreicht. Es hat aber bisher immer geklappt und ich musste auf all meinen Caminos noch nie auf der Strasse schlafen. Es wird schon werden, im schlimmsten Fall muss ich 40km bis Pamplona laufen. Ein Klacks oder? Man sollte sich einfach keine Sorgen machen und sich um die Probleme kümmern wenn sie wirklich anstehen. Ich verbringe soviel Zeit damit mich zu sorgen und schlussendlich war es meistens unnötig. Aber ich bin halt immer noch am lernen zu vertrauen und manchmal fällt es mir einfacher und manchmal eben nicht. Der Gedanke kein Dach über dem Kopf zu haben, kein Platz wo man sich zurückziehen kann, kein Bett zum schlafen, da geht es bei mir ans Eingemachte. Da kommen Urängste hoch und das sitzt ganz tief. Ich weiss noch wo ich von zu Hause aus nach Santiago gelaufen bin, da habe ich 2 Nächte im Voraus gebucht, da ich die Unsicherheit nicht aushalten konnte. Wie länger ich unterwegs war, wie entspannter wurde ich und in Spanien war ich richtig glücklich, dass man nicht reservieren konnte. Heute ertrage ich die Unsicherheit auch wenn es mir immer noch schwer fällt und vor allem lasse ich mich von meiner Angst nicht mehr aufhalten. Und vielleicht ist dass ja der Grund warum ich immer wieder auf dem Camino bin: Um zu lernen Unsicherheit zu ertragen, um das zu tun was ich will auch wenn ich Angst habe. Mut ist wenn man es trotzdem tut und jedes Mal wenn ich ein kleines Stück über meine Angst hinausgehe bin ich wieder ein bisschen freier. Denn um das geht es doch schlussendlich oder?

Die Kirche hätte ich eigentlich gerne besichtigt denn sie soll eine Darstellung des Matamoros (St. Jakob soll ja auch die Mauren getötet haben und als Maurentöter heisst er Matamoro). Unter Franco hat man ihm aber das Schwert wegenommen und die Mauren wurden auch weggemalt. Die Kirche öffnete aber erst um 11.00h…

Die baskischen Dörfer sind allesamt sehr pittoresk. Dies ist Elizondo, die Hauptstadt des Baztan Tales. 

Elizondo

Irgendwo unterleg nach Berroeta. 

Falls die Albergue zu ist hat es hier ein paar Telefonnummern. 

Das sehr schöne Dorf Ziga. 

Im Garten dieser Casa rural (Hotel/Pension) durfte ich eine Cerveza con Limon trinken und auf dem Liegestuhl ausruhen da die Bar zu war. Ganz nette Leute hier. 

Aussicht vom Liegestuhl. 

Meine Aussicht aus der Albergue in Berroeta. 

1. Tag Espelette, 24.5 km

Ach ist das schön nach einem veregneten Tag trocken und frisch geduscht auf einem grossen Bett zu liegen. Das habe ich mir wahrlich verdient! Weiss jetzt auch warum die Pilgerherberge hier in Espelette zu hat, sie haben Bettwanzen! Eine echte Plage und fast nicht wegzubekommen. Falls es Holzbetten sind müssen die komplett abgeschliffen werden, die Böden auch. Ein Fall du den Kammerjäger… Wie bin ich doch hier in diesem schönen Haus gut aufgehoben😊. 

Ich habe heute Morgen um 7.30 das Hotel verlassen. Draussen war es noch dunkel und es regnete bereits. Das Gewitter war aber Gottseidank schon vorbei, da lag ich noch im Bett als es gerumpelt hat. Habe mühsamst meine Regenausrüstung installiert, nur um gleich wieder alles abzunehmen weil ich am Markt einen Kaffee und ein Gipfeli zu mir genommen habe. Hätte ich mir wirklich sparen können aber dies ist so typisch wenn man den ersten Tag unterwegs ist, es klappt noch nicht alles so reibungslos und manchmal verhält man sich einfach noch zu kompliziert. Heute war Markttag in Bayonne und der wird entlang der Nive (Fluss) aufgebaut. Es herrschte bereits ein geschäftiges Treiben und ich bin dann um 8.00 endgültig gestartet. Es ging alles der Nive entlang und die Etappe verlief grösstenteils auf gepflasterten Strassen. Spätestens in Ustaritz nach 14 km taten mir die Füsse so richtig weh. Wollte nicht schon wieder in eine Bar gehen und habe mich auf eine Bank vor der Kirche gesetzt wo ich ausgiebig Pause machen wollte bevor ich den Weg fortsetzen wollte. Der Regen hatte aber etwas anderes vor und kaum hatte ich was gegessen ging es auch schon wieder los. Um in eine Bar zu gehen hätte ich umkehren müssen und das ist etwas das jedem Pilger zutiefst gegen den Strich geht. Zurück laufen? Niemals, da müsste schon ein Sturm oder Gewitter im Anmarsch sein. Man denkt dann immer es wird schon noch eine Bar kommen aber dem war leider nicht so und so musste ich meine Pause in einem Bushäuschen verbringen. OHNE KAFFEE!!! Na ja so schlimm war es auch wieder nicht, eigentlich ganz gemütlich und ich konnte mir auch die vielen geistreichen und weniger geistreichen Einritzungen auf der Holzbank zu Gemüte führen. Was den Leuten so einfällt…
Ich fand meine 24.5km für den ersten Tag ganz schön ambitioniert aber im grossen und ganzen ist es eigentlich ganz gut gegangen. Nach Espelette habe ich eine Abkürzung durch den verregneten Wald genommen und da ist mir ein Mann entgegengekommen. Der war irgendwie ein bisschen komisch und ich habe mich ein paar Mal diskret umgeschaut ob er mir folgt aber er ist tatsächlich in die andere Richtung. Man hat halt manchmal komische Gedanken. 
Passt auch zum ersten Tag. In Espelette bin ich gleich mal in die erste Bar und habe mir ein heisses Panini und 2 Stangen gegönnt. Man hat das gut getan! Es gibt doch nichts besseres als ein Bier nach einem anstrengenden und langen Wandertag. Espelette ist bekannt für seine Paprikaschoten. Man sieht ganze Felder und jedes Jahr im Oktober gibt es ein Fest nur für die Paprikaschoten. Die Häuser werden auch damit geschmückt. Es ist ein sehr schönes baskisches Dorf. Ich sollte aufstehen und was essen gehen, mal schauen ob ich mich dazu überwinden kann, im Bett ist es gerade so gemütlich. 

Sie wollten leider nicht mitkommen. 

Da kommt die nächste Ladung auf mich zu. 
Habe leider nicht sehr viele Fotos gemacht aber daran ist der Regen schuld!

2. Tag Ariskun, 27.5km

Auf dem Pass Oxtondo

Habe gestern Abend aus Essen verzichtet und mich mit Picknick aus meinem Rucksack begnügt. Frage mich gerade wann ich zum letzten Mal was richtiges gegessen habe. Madame hat mir heute Morgen ein tolles Frühstück gemacht und um 8.00 habe ich mich auf den alternativen Weg gemacht, den mir Madame vorgeschlagen hat. Als ich schon ein Stück gelaufen war habe ich gemerkt, dass ich meine Ohrringe auf dem Nachttisch habe liegen lassen. Habe sie augenblicklich losgelassen und gehofft, dass sich jemand anders daran erfreut. Mir ist ein Pilger entgegengekommen der nach Irun unterwegs war, gestartet ist er in Belgien👏. Plötzlich hatte ich das Gefühl in die falsche Richtung zu laufen. Manchmal wäre es halt schon besser eine Karte dabei zu haben, vor allem wenn man Alternativrouten läuft. Bin dann umgekehrt und zurückgelaufen. Ja genau das was Pilger so hassen😁. Da kam mir ein Auto entgegen und ich habe die Hand rausgehalten um es anzuhalten. Dann habe ich gesehen, dass es Mme. Maddirena von der Pension in Espelette war. Sie ist mir extra nachgefahren um mir die vergessenen Ohrringe zu bringen. Dabei hatte ich sie doch bereits losgelassen. Ich hätte sie am liebsten umarmt, nicht nur wegen den Ohrringen sonder auch weil sie mir versichert hat auf dem richtigen Weg zu sein. Und wieder einmal habe ich Hilfe bekommen, genau dann als ich sie gebraucht habe. Irgendwann bin ich dann zum Pass gekommen und habe den Jakobsweg wieder gefunden. Um 13.00 war ich bereits in Urdax, habe dort zu Mittag gegessen und beschlossen noch bis Amaiur weiterzulaufen. Ach, wenn ich gewusst hätte was mich erwartet wäre ich wohl in der wunderschönen Herberge vom Kloster geblieben. Es folgte nämlich ein absolut steiler Aufstieg zum Pass von Oxtondo! Der Pass liegt auf 610m und gestartet bin ich bei ca. 50m😬. Ich habe mehrmals gezweifelt ob dies wohl die richtige Entscheidung war auch weil ich die Albergue in Amaiur nicht erreichen konnte. Das Touristen Büro wusste nicht ob die Albergue offen ist und die Bar in Amaiur auch nicht. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass sie geschlossen ist. Es stand aber das es noch eine Pension geben soll… Um 17.30 war ich endlich in Amaiur und die Albergue existierte nicht mehr und eine Pension gab es auch nicht. Zudem war die Bar zu wo ich mich noch für den weiteren Weg hätte stärken können. Das ganze Dorf schien aber an der Beerdigung zu sein die in der Kirche stattfand. Als das „Worst case Szenario“ schlussendlich wirklich eingetroffen ist war es eigentlich gar nicht so schlimm. Ich musste halt nochmal 4 km ins nächste Dorf weiterlaufen. War schon hart denn ich war hundemüde. Ja und was lerne ich daraus? 1.  Gehe nie mit der Angst, es gibt immer eine Lösung oder 2. Immer schön vorher anrufen damit ich auf der sicheren Seite bin. Muss ich sagen, dass ich die erste bevorzuge? Wenn man auf dem Pilgerweg unterwegs ist muss man immer wieder Unsicherheit aushalten und man sollte lernen zu vertrauen, dass es immer eine Lösung gibt. 

Jetzt bin ich in der Pension Exteberria untergekommen, habe gut gegessen und bin an meinem zweiten Bier. Ich werde wohl früh ins Bett gehen weil mir alles weh tut und ich fix und fertig bin. Dennoch fühle ich mich rundum zufrieden. 

Typische baskische Landschaft

So viele Wegweiser in Ainhoa

Wunderschönes baskisches Haus

Extragrosses Wegweiser und den gelben Pfeil übersah ich trotzdem. 

Bei den Brunnen steht immer gleich such ein Glas damit man weiss, dass es Trinkwasser ist. 

Damit ihr mal seht wie gefährlich dieser Weg ist. Ich glaube das ist eine Würgeschlange. 

Das Restaurant in Urdax wo ich zu Mittag gegessen habe und die alte Mühle. 

Auf dem Pass Oxtondo

Blaue Schafe, Achtung sie rennen gleich weg… Ich brauche nur Huh zu sagen.