1. Tag Espelette, 24.5 km

Ach ist das schön nach einem veregneten Tag trocken und frisch geduscht auf einem grossen Bett zu liegen. Das habe ich mir wahrlich verdient! Weiss jetzt auch warum die Pilgerherberge hier in Espelette zu hat, sie haben Bettwanzen! Eine echte Plage und fast nicht wegzubekommen. Falls es Holzbetten sind müssen die komplett abgeschliffen werden, die Böden auch. Ein Fall du den Kammerjäger… Wie bin ich doch hier in diesem schönen Haus gut aufgehoben😊. 

Ich habe heute Morgen um 7.30 das Hotel verlassen. Draussen war es noch dunkel und es regnete bereits. Das Gewitter war aber Gottseidank schon vorbei, da lag ich noch im Bett als es gerumpelt hat. Habe mühsamst meine Regenausrüstung installiert, nur um gleich wieder alles abzunehmen weil ich am Markt einen Kaffee und ein Gipfeli zu mir genommen habe. Hätte ich mir wirklich sparen können aber dies ist so typisch wenn man den ersten Tag unterwegs ist, es klappt noch nicht alles so reibungslos und manchmal verhält man sich einfach noch zu kompliziert. Heute war Markttag in Bayonne und der wird entlang der Nive (Fluss) aufgebaut. Es herrschte bereits ein geschäftiges Treiben und ich bin dann um 8.00 endgültig gestartet. Es ging alles der Nive entlang und die Etappe verlief grösstenteils auf gepflasterten Strassen. Spätestens in Ustaritz nach 14 km taten mir die Füsse so richtig weh. Wollte nicht schon wieder in eine Bar gehen und habe mich auf eine Bank vor der Kirche gesetzt wo ich ausgiebig Pause machen wollte bevor ich den Weg fortsetzen wollte. Der Regen hatte aber etwas anderes vor und kaum hatte ich was gegessen ging es auch schon wieder los. Um in eine Bar zu gehen hätte ich umkehren müssen und das ist etwas das jedem Pilger zutiefst gegen den Strich geht. Zurück laufen? Niemals, da müsste schon ein Sturm oder Gewitter im Anmarsch sein. Man denkt dann immer es wird schon noch eine Bar kommen aber dem war leider nicht so und so musste ich meine Pause in einem Bushäuschen verbringen. OHNE KAFFEE!!! Na ja so schlimm war es auch wieder nicht, eigentlich ganz gemütlich und ich konnte mir auch die vielen geistreichen und weniger geistreichen Einritzungen auf der Holzbank zu Gemüte führen. Was den Leuten so einfällt…
Ich fand meine 24.5km für den ersten Tag ganz schön ambitioniert aber im grossen und ganzen ist es eigentlich ganz gut gegangen. Nach Espelette habe ich eine Abkürzung durch den verregneten Wald genommen und da ist mir ein Mann entgegengekommen. Der war irgendwie ein bisschen komisch und ich habe mich ein paar Mal diskret umgeschaut ob er mir folgt aber er ist tatsächlich in die andere Richtung. Man hat halt manchmal komische Gedanken. 
Passt auch zum ersten Tag. In Espelette bin ich gleich mal in die erste Bar und habe mir ein heisses Panini und 2 Stangen gegönnt. Man hat das gut getan! Es gibt doch nichts besseres als ein Bier nach einem anstrengenden und langen Wandertag. Espelette ist bekannt für seine Paprikaschoten. Man sieht ganze Felder und jedes Jahr im Oktober gibt es ein Fest nur für die Paprikaschoten. Die Häuser werden auch damit geschmückt. Es ist ein sehr schönes baskisches Dorf. Ich sollte aufstehen und was essen gehen, mal schauen ob ich mich dazu überwinden kann, im Bett ist es gerade so gemütlich. 

Sie wollten leider nicht mitkommen. 

Da kommt die nächste Ladung auf mich zu. 
Habe leider nicht sehr viele Fotos gemacht aber daran ist der Regen schuld!

2. Tag Ariskun, 27.5km

Auf dem Pass Oxtondo

Habe gestern Abend aus Essen verzichtet und mich mit Picknick aus meinem Rucksack begnügt. Frage mich gerade wann ich zum letzten Mal was richtiges gegessen habe. Madame hat mir heute Morgen ein tolles Frühstück gemacht und um 8.00 habe ich mich auf den alternativen Weg gemacht, den mir Madame vorgeschlagen hat. Als ich schon ein Stück gelaufen war habe ich gemerkt, dass ich meine Ohrringe auf dem Nachttisch habe liegen lassen. Habe sie augenblicklich losgelassen und gehofft, dass sich jemand anders daran erfreut. Mir ist ein Pilger entgegengekommen der nach Irun unterwegs war, gestartet ist er in Belgien👏. Plötzlich hatte ich das Gefühl in die falsche Richtung zu laufen. Manchmal wäre es halt schon besser eine Karte dabei zu haben, vor allem wenn man Alternativrouten läuft. Bin dann umgekehrt und zurückgelaufen. Ja genau das was Pilger so hassen😁. Da kam mir ein Auto entgegen und ich habe die Hand rausgehalten um es anzuhalten. Dann habe ich gesehen, dass es Mme. Maddirena von der Pension in Espelette war. Sie ist mir extra nachgefahren um mir die vergessenen Ohrringe zu bringen. Dabei hatte ich sie doch bereits losgelassen. Ich hätte sie am liebsten umarmt, nicht nur wegen den Ohrringen sonder auch weil sie mir versichert hat auf dem richtigen Weg zu sein. Und wieder einmal habe ich Hilfe bekommen, genau dann als ich sie gebraucht habe. Irgendwann bin ich dann zum Pass gekommen und habe den Jakobsweg wieder gefunden. Um 13.00 war ich bereits in Urdax, habe dort zu Mittag gegessen und beschlossen noch bis Amaiur weiterzulaufen. Ach, wenn ich gewusst hätte was mich erwartet wäre ich wohl in der wunderschönen Herberge vom Kloster geblieben. Es folgte nämlich ein absolut steiler Aufstieg zum Pass von Oxtondo! Der Pass liegt auf 610m und gestartet bin ich bei ca. 50m😬. Ich habe mehrmals gezweifelt ob dies wohl die richtige Entscheidung war auch weil ich die Albergue in Amaiur nicht erreichen konnte. Das Touristen Büro wusste nicht ob die Albergue offen ist und die Bar in Amaiur auch nicht. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass sie geschlossen ist. Es stand aber das es noch eine Pension geben soll… Um 17.30 war ich endlich in Amaiur und die Albergue existierte nicht mehr und eine Pension gab es auch nicht. Zudem war die Bar zu wo ich mich noch für den weiteren Weg hätte stärken können. Das ganze Dorf schien aber an der Beerdigung zu sein die in der Kirche stattfand. Als das „Worst case Szenario“ schlussendlich wirklich eingetroffen ist war es eigentlich gar nicht so schlimm. Ich musste halt nochmal 4 km ins nächste Dorf weiterlaufen. War schon hart denn ich war hundemüde. Ja und was lerne ich daraus? 1.  Gehe nie mit der Angst, es gibt immer eine Lösung oder 2. Immer schön vorher anrufen damit ich auf der sicheren Seite bin. Muss ich sagen, dass ich die erste bevorzuge? Wenn man auf dem Pilgerweg unterwegs ist muss man immer wieder Unsicherheit aushalten und man sollte lernen zu vertrauen, dass es immer eine Lösung gibt. 

Jetzt bin ich in der Pension Exteberria untergekommen, habe gut gegessen und bin an meinem zweiten Bier. Ich werde wohl früh ins Bett gehen weil mir alles weh tut und ich fix und fertig bin. Dennoch fühle ich mich rundum zufrieden. 

Typische baskische Landschaft

So viele Wegweiser in Ainhoa

Wunderschönes baskisches Haus

Extragrosses Wegweiser und den gelben Pfeil übersah ich trotzdem. 

Bei den Brunnen steht immer gleich such ein Glas damit man weiss, dass es Trinkwasser ist. 

Damit ihr mal seht wie gefährlich dieser Weg ist. Ich glaube das ist eine Würgeschlange. 

Das Restaurant in Urdax wo ich zu Mittag gegessen habe und die alte Mühle. 

Auf dem Pass Oxtondo

Blaue Schafe, Achtung sie rennen gleich weg… Ich brauche nur Huh zu sagen.