01.06.2016 Tyndrum

Jetzt bin ich so richtig angekommen auf dem West Highland Way. Wieder ein traumhaft schöner Tag und es war manchmal sogar richtig heiss. Die dominierende Farbe heute war grün und gesehen habe ich vor allem Schafe. Ich lerne jetzt auch die Leute langsam kennen und habe einen total lustigen Abend mit zwei Kalifornierinnen, Mutter und Tochter sowie Caroline aus Frankreich verbracht. Jetzt muss ich mich entscheiden ob ich morgen eine kurze oder sehr lange Etappe laufen will. 14 oder 30km. Es ist bereits 22.00 und ich habe noch nichts vorbereitet, deshalb fällt mein Bericht heute eher kurz aus. 

Farbe grün und Schafe

Die Hindernisse, die einem immer wieder in den Weg gelegt werden. Da muss man dann mit voller Montur rüber klettern. 

Idyllisches Plätzchen

Mein schöner Rastplatz

Schon wieder ein Hindernis 

Die „hohen“ Berge Schottlands. Die höchsten sind so um 1000m

Alter keltischer Friedhof

Das Hochland ist einmalig schön

Unglaublich oder?

Solche Hütten zum übernachten hintres viele am WHW 

31.05.2016 Inverarnan Beinglas Farm

Die Puuh, habe heute für 10km 4.5 Std. gebraucht. Das war echt anstrengend und Kräfte zerrend. Der Weg war ziemlich abenteuerlich und man musste viel rauf und runter klettern. Teilweise sogar ziemlich gefährlich, ein falscher Tritt und man hätte sich zumindest ein paar Knochen gebrochen. An einer Stelle habe ich fast kapituliert aber Aufgeben liegt nicht drin. Deshalb habe ich allen Mut zusammen genommen und bin irgendwie diese Felswand runter. Alles gut gegangen Gottseidank! Ich bin um 13.00h hier auf der Farm angekommen und habe dann beschlossen gleich hier zu bleiben. Eigentlich wollte ich ja noch bis Crianlarich weiterlaufen aber als ich dann gelesen habe, dass der Campingplatz 10km ausserhalb des Ortes liegt habe ich mir gleich ein Bier bestellt und somit war es entschieden dass ich hier bleibe. 

Es ist wunderschön hier und der Campingplatz ist umgeben von Bergen. 
Habe grosse Kleiderwäsche gemacht und die trocknet jetzt ganz schnell an der Wäscheleine an meinem Zelt. Hoffe dass es nicht alles weggeblasen hat wenn ich zurück komme. 
Heute Morgen bin ich schon besser mit den Midges klargekommen. Bevor ich überhaupt aus dem Zelt raus bin hatte ich bereits mein Moskitonetz auf dem Kopf und hatte mich mit Moskitorepellent eingespart. Es ist wirklich unglaublich wie sich diese Stechmücken auf einen stürzen sobald man das Zelt verlässt. Eine riesige Wolke hat mich begleitet bis ich im Haus war. Das Zusammenpacken war auch eine Herausforderung, da es diese Nacht sehr viel Kondenswasser hatte. Es war auch zum ersten Mal nicht neblig am Morgen früh sondern strahlender Sonnenschein. Habe dann alles zum trocknen aufgehängt und bin frühstücken gegangen. 
Roberto ist wahrscheinlich wieder um 5.00h morgens los da er bis Tyndrum laufen wollte. Habe absolut nichts gehört als er sein Zelt zusammengepackt hat aber ich hatte ja auch Ohropax drin. Bin richtig froh, dass ich genügend Zeit habe. Viele hier machen sich einen riesigen Stress und laufen riesige Etappen. Ich frage mich dann was es eigentlich bringt hier so durchzurennen, es ist eigentlich zu schön dafür. Heute Abend werde ich vor meinem Zelt essen habe keine Lust ins Restaurant zu gehen. Bin richtig happy mit meinem kleinen Campingkocher. 

Mein felsiger Pfad heute 

Dann aber auch wieder meine Lieblingsblumen

Da habe ich das Schlimmste bereis hinter mir

Immer wieder schöne Aussichten

Dosiert eine Schutzhütte von innen aus 

Die Schutzhütte steht an einem sehr idyllischen Ort

Immer noch Loch Lomond

Und dann plötzlich ändert sich die Umgebung 

02.06.2016 Kingshouse

ZWas für ein Tag! Heute bin ich fast 30km gelaufen. Es ist eigentlich ganz gut gegangen nur den letzten Anstieg habe ich nur mit Müh und Not geschafft. 90% der Leute hier lassen sich den Rucksack von einem Hotel zum anderen transportieren und laufen dann leicht und locker an einem vorbei. Heute hätte ich mir gerne ein Zimmer geleistet nach der ganzen Anstrengung hätte ich das auch verdient. Aber leider alles voll, sorry no vacancies. 

So liege ich jetzt ungeduscht im meinem Zelt denn die sanitären Anlagen durften wir auch nicht benutzen. Aber für diese Fälle habe ich Feuchtücher dabei und ein Drama ist das auch nicht wenn man mal nicht duschen kann. 
Heute ging es so richtig durchs schottische Hochland und teilweise fühlte ich mich wie in der Mongolei oder in der Tundra. Nicht dass ich schon dort gewesen wäre aber so stelle ich es mir vor. Es war unglaublich schön. Bin einen großen Teilbdes Weges mit Caroline gelaufen einer 21 jährigem Sudentin aus Aix en Prrovence. Sie hat einen monströsen Rucksack und nachdem sie gestern noch Essen für 3 Tage gekauft hatte (unter anderem Konservendosen) musste sie kapitulieren und den Rucksack nach Kingshouse vorausschicken. Sie kommt mir ein bisschen vor wie Cheryl Straid in dem Film Wild. Cheryl kauft alle Sachen ein die sie braucht. Im Hotelzimmer bevor sie los läuft packt sie alles in den Rucksack und versucht in hochzustemmen aber sie kriegt ihn einfach nicht hoch. Irgendwie schafft sie es dann doch und nennt ihren Rucksack fortan „liebevoll“ Monster. 

Am frühen Morgen, es ist noch niemand unterwegs 

Hier habe ich die erste Pause eingelegt. 

Schöne Aussicht von ganz oben

Von hier an gibt es kein zurück. Für 10 gibt es auf dem Hochplateau keine Schutzhütte, man ist den Elementen komplett ausgesetzt und läuft auf uralten Felsigem Straßen. 

Caroline ruht sich aus, sie läuft heute ohne ihr Monster, da wir fast 30 km zu bewältigen haben. 

Szenenwechsel 

30.05.2016 Inversnaid

Heute bin ich in der Hölle gestartet und irgendwann im Paradies gelandet. In dem Moment als ich heute Morgen aus dem Zelt gestiegen bin, haben mich die Midges ausgefressen. Ich war so genervt und wütend, dass ich nur wild um mich geschlagen habe. Während dem musste ich mein Zelt abbauen und meinen Rucksack packen. Ich bin schier ausgerastet und bald schon hatte ich dieses dämliche Moskitonetz auf dem Kopf worüber ich mich gestern noch köstlich amüsiert habe. Ich war bereit den Bettel hinzuschmeissen und entschied, dass Camping wirklich nicht mein Ding ist. Ich sass dann am Picknicktisch und habe mit dem Netz über dem Kopf mein Frühstück zubereitet. Schwierig würde es dann Alices darum ging zu essen. Ein Englisches Pärchen sass auch am Tisch. Sie ganz entspannt und er auch mit Moskitonetz. Sie kommt ursprünglich aus Schottland. Wahrscheinlich haben die Schotten ein natürliches Antigen im Blut. 

Ich bin dann um 8.15 los und meine Stimmung war ziemlich düster, ich hätte liebsten den nächsten Bus genommen. 
Ich hatte auch das Gefühl nirgendwo zu Hause zu sein und nirgends hinzugehören. Dann habe ich plötzlich gedacht, dass Es messer wäre Zurbrügg denken, dass ich überall zu Hause bin und hingehöre wo ich grease bin. Von da an ging es mir schlagartig besser. Ich habe dann in Rowardennan ein spätes zweites Frühstück zu mir genommen und dann hatte ich das Gefühl endlich hier angekommen zu sein. 
Nach Rowardennan gab es 2 Möglichkeiten für den Weg und ich entschied mich die schwierige jedoch schönere Etappe zu laufen und ich habe es nicht bereut. Dies war bisher die schönste Strecke. In stetigem auf und ab ging es dem See entlang. Dazu ein grüner Märchenwald und lauter violette Blumen. Einen schöneren Zeltplatz nach dem anderen, nur war es zum Campieren leider zu früh. Ich habe dann an einem schönen Platz direkt am See Mittagspause gemacht und mein Zelt und Schlafsack zum trocknen aufgehängt. Am Morgen muss ich die Sachen immer feucht zusammen packen. Sogar einen Kaffee habe ich mir mit meinem Gaskocher gemacht und dann kam auch endlich dieses Gefühl  von Freiheit auf, weil ich mein Zelt und essen dabei habe und einfach anhalten kann wo ich will. Ich habe mir auch noch überlegt in einer dieser Schuzhütten mitten im Wald zu übernachten aber dazu fehlte mir dann schlussendlich der Mut und auch hätte ich zurück laufen müssen weil ich Zuwenig Wasser dabei gehabt hätte. Ich entschloss mich dann bis Inversnaid zu laufen und dort entweder im Hotel oder auf einem kleinen Zeltplatz zu übernachten. Auf den letzten paar Kilometern bin ich dann Roberto begegnet der am Wegesrand sass. Ja und irgendwie hatten wir gleich einen guten Draht und es stellte sich raus, dass er aus Spanien kommt und auch schon den Camino gelaufen ist. Das ist es was ich bisher auf diesem Weg vermisst habe. Eine gewisse Verbundenheit jenseits von Geschlecht, Herkunft und Alter. Wir sind dann den Rest des Weges zusammen gelaufen. Ich habe einen schönen Abend verbracht, bin schon wieder von den Midges gefressen worden und trotzdem restlos glücklich. Roberts und mein Weg werden sich morgen wohl schon wieder trennen und doch war es eine Freude ihn kennengelernt zu haben. Er muss am Freitag bereits in Fort William sein und läuft deshalb sehr lange Etappen. Er ist heute von Drymen gekommen, da war ich vorgestern. Eigentlich müsste ich nochmals raus um das Zelt nachzuspannen aber ich habe keine Lust nochmals von diesen Biestern vernascht zu werden. 

Mein wunderschöner, magische Waldweg

Rhododendron am Wegesrand 

Schöne alte Telefonkabine

In der Jugendherberge von Rowardennan wollte ich eigentlich übernachten aber es war nichts frei

Mittagspause am Loch Lomond

Einfach magisch

El Camivo oder the Path

Rowchoish Bothy wo ich überlegt habe zu übernachten 

Einfach bezaubernd

Blick auf den See

Es braut sich was zusammen