30.04.14 Monte do Gozo, 25km

Ich stehe vor den Toren von Santiago, ganze 4.7km muss/darf ich Morgen noch zur heiligen Stadt laufen. Heute schlafe ich zum letzten Mal in der Albergue, morgen ist ja Parador angesagt… Diese Herberge hier kann 3’000 Pilger aufnehmen, man stelle sich das mal vor, unglaublich… Ist wie eine kleine Stadt hier mit diversen Shops zum Einkaufen, Wäscherei, Krankenstation, Cafeteria und Restaurant. Ich bin in einem Zimmer untergebracht mit 8 Pilgern, alles Frauen. Habe mal wieder alle meine Mitpilger verloren, bin unter Fremden und versinke in der Anonymität. Fühle mich aber sehr gut und befreit. Habe vor ein paar Tagen einen Pilger am Straßenrand sitzen sehen, hat ausgesehen als würde er etwas vermessen oder filmen. Habe ihn daraufhin angesprochen und gefragt was er denn mache. In dem Moment habe ich gesehen, dass er nur SMS schreibt und die Frage eigentlich völlig daneben und lächerlich ist. Ich bin dann selber am Straßenrand gesessen und habe an meinem Blog geschrieben, er ist dann vorbeigelaufen und hat lachend gefragt: „what are you doing“? Ich glaube er fand mich irgendwie komisch oder lächerlich…  Ich habe dann gedacht ist ja eigentlich völlig egal was andere Menschen von einem denken. Es ist auch überhaupt nicht wichtig ob einem jemand mag oder nicht. Es gibt Menschen da stimmt die Chemie und bei anderen halt nicht. Dies hatte etwas unheimlich befreiendes…

Man läuft immer wieder an Gedenkstätten von Pilgern vorbei, die am Weg gestorben sind. Eine Pilgerin von 52 Jahren lief den Camino zweimal und als sie das zweite Mal in Santiago ankam ist sie dort sanft entschlafen…

La Concha…
Da legen sie extra Wege an für die Pilger und was machen die? Sie laufen drum herum da wo es weniger hart ist. Ich bin auch so Eine…

Diese Konstruktion hier wünscht den Pilgern einen guten Weg und macht außerdem Werbung für eine Pension und Restaurant die „Porta de Santiago“ in San Paio . Clever oder? Ja Pilger sind begehrt hier, vor allem die, die Geld in der Tasche haben… Habe da übrigens ein Bier getrunken, sehr freundlich waren sie aber nicht…
Es ist wie wenn man eine Kathedrale betritt…

Hier wären noch ein paar Sandalen zu vergeben…
Tut mir leid wenn ich euch langweile aber ich liebe diesen Wald. Ich werde den würzigen Duft nach Eukalyptus vermissen…

Einfach toll oder?
Der Wegstein wurde etwas misshandelt, sieht aber trotzdem toll aus…

Dieser dünne Streifen oberhalb des Grases ist übrigens die Start- und Landebahn des Flughafens Labacolla von Santiago. Übermorgen werde ich selber im Flugzeug sitzen. Vielleicht sehe ich dann ein paar Pilger und kann ihnen zuwinken…

Pilgern mal anders. Dieser Pilger hat den Schirm irgendwie befestigt, dass er ihn nicht halten muss. Und das lohnt sich, denn alle paar Minuten gehen die Schleusen auf und zu… Habe heute gefühlte 100x den Poncho an- und ausgezogen. 
Da ist man eigentlich schon fast in Santiago…

Alles Kreuze die von frommen Pilgern montiert wurden. Sieht toll aus!
Die kleine Kirche von San Paio. 

Hier am Fluss bei Labacolla haben sich die Pilger in früheren Zeiten nochmals gewaschen bevor sie in Santiago ankamen. An diesem Brauch wird heute nicht mehr festgehalten. Schließlich gibt es ja Duschen…

Da stehen sie in Reih und Glied. 

Das Friedensdenkmal auf dem Monte de Gozo. Monte de Gozo bedeutet Berg der Freude, da man von hier aus nach langer Pilgerschaft erstmals Santiago sieht. Man soll auch die Kathedrale sehen von hier aus aber dass habe ich auch im zweiten Anlauf nicht geschafft. 

Muss unbedingt noch die Herberge fotografieren…
Das ist der Restaurantteil…

Eine Barracke nach der anderen, drinnen ist es aber sehr modern. 
Sieht aus wie in einer Kaserne…

29.04.14 Salceda, 33km

Heute war der erste richtige Regentag! Es hat praktisch den ganzen Tag genieselt oder geregnet. Aber trotzdem war es wunderschön, teilweise wie im Märchen. In diesen alten Wäldern würde es mich nicht wundern Elfen oder Feen zu sehen. Leider ist mir keine von beiden begegnet… aber gespürt habe ich sie, da bin ich mir ganz sicher. Wenn ich will kann ich morgen in Santiago sein, es kann aber auch sein, dass ich meine Ankunft noch einen Tag hinauszögere. Es ist nämlich schön am Morgen früh anzukommen. Falls es Platz hat werde ich mir wahrscheinlich noch mal eine Nacht im Parador leisten. Das Hotel steht nämlich direkt bei der Kathedrale und war früher ein Pilgerhospiz. Auch heute noch werden täglich 10 Pilger gratis verköstigt. 

Schöner Picknickplatz nur leider regnet es in Strömen…

Die Monolithen sind mehr und mehr verziert und sehen teilweise aus wie ein kleiner Altar. Meistens werden von Pilgern Steine oben drauf gelegt aber oft auch Blumen oder persönliche Dinge. 

Das ist schon sehr aufmerksam von den Leuten die den Camino betreuen, dass sie uns jetzt direkt am Weg ein WC hinstellen… Stelle mir gerade vor ich würde darauf sitzen und die Pilger defilieren an mir vorbei…

Kleine Bank für müde Pilger…

Ich glaub ich seh ein Schaaf…

Ich liebe diese Wegsteine. Wenn man bedenkt, dass man anhand von gelben Pfeilen und eben diesen Monolithen halb Europa durchqueren kann ohne sich zu verirren, ist das schon verrückt oder?

Dieser Wald war einfach märchenhaft schön, ich konnte mich gar nicht satt sehen. 

Schön bemalter Horreos. 

Das ist die Baustelle der neuen Autobahn …
Schöne Impressionen des Caminos…

Der Altar…

Heute Abend bin ich mal wieder alleine. Sebastian und Pit wollten eigentlich auch hierher kommen. Weiss der Himmel wo sie stecken. Wahrscheinlich treffe ich sie morgen wieder. Teile das Zimmer mit 7 Franzosen, kann ich mal wieder etwas französisch Palavern. Geht auf jeden Fall einfacher als Spanisch…

28.04.14 Sobrado dos Monxes, 26km

 

Die ersten 10km heute waren wahnsinnig schwer. Mir steckte die gestrige Etappe noch in den Knochen und mein Körper war einfach nur müde. Der Rucksack fühlte sich an wie 100kg… 

Erstes Hindernis am Wege, dass es irgendwie zu überwinden gilt. 

Teilweise ist es wie im Märchen… Leider habe ich mich hier nur mühsam dahin geschleppt und hatte nur wenig Freude an der schönen Umgebung. 

Es ging über eine Hochebene…

…und weiter durch den Wald. Durch die vielen Nadeln auf dem Boden war es ganz weich. 

Nach 10km kam dann endlich, endlich eine Bar. Elena hat mir ein riesiges Sandwich zubereitet, mehr als die Hälfte ließ ich mir einpacken. Dieses Bocadillo würde für 3 reichen… Dann gab es noch 2 Cafés con Leche und dann war ich soweit wieder hergestellt, dass ich den weiteren Weg anpacken konnte. Musste noch kurz den Weg suchen, da mich die Muscheln, die seit Galicien in die andere Richtung zeigen, immer noch verwirren. 
Jetzt bin ich bei Dona Celia eingekeht und trinke ein Kas Limon. Habe es nicht eilig heute…
Bald bin ich am höchsten Punkt des Camino del Norte (714m). Man sieht mal wieder in die Weite…
Hier ist das zukünftige Weihnachtsessen zu sehen. Ein riesiger Truthahn…

Diesem Wegweiser ist schlecht geworden, wie mir heute zeitweise auch…

Seit ich in Galicien bin, ist das Wetter kalt, regnerisch und windig. Aber es ist trotzdem sehr schön…

An diesem See habe ich noch mal eine Pause gemacht. Hier kann man doch nicht einfach vorbeilaufen oder?

Um 17.30 bin ich dann endlich im Kloster von Sobrados angekommen. Dafür dass ich schon um 8.00 los bin war das ein sehr langer Tag. 

Erste Nacht die ich auf diesem Weg im Kloster verbringe. Im Zimmer hat es keine Fenster und es ist ziemlich stickig… Na dann Gute Nacht…

26.04.14 Vilalba, 22km

Was für ein wunderschöner, märchenhafter Tag! Und zum krönenden Abschluss leiste ich mir eine Nacht im Parador. Das sind die besten Hotels in Spanien und dieses hier hat 4 Sterne… In den Paradores auf dem Jakobsweg kriegt man als Pilger Vergünstigungen. Ich zahle jetzt für meins 75€, was nichts ist für ein Parador! Du wirst auch nicht schräg angeschaut, für die ist das völlig normal, dass Pilger hier übernachten. Darauf freue ich mich schon seit Tagen…
Das Zimmermädchen hat mir gerade meine frisch gewaschene Wäsche gebracht und ich bin gerade wie eine Wassernixe aus dem Bad gestiegen. Endlich mal wieder etwas gründlichere Körperpflege, was für ein Luxus! Ja und diesen Luxus gönne ich mir…

Heute Morgen sah es nach einem weiteren windigen Regentag aus und ich bin gleich in voller Regenmontur gestartet. Bald konnte ich sie aber ablegen, denn die Sonne kam heraus. Ausser der Kälte Wind, der blieb mir den ganzen Tag erhalten. 

Das Wetter hellt sich auf…

Es geht über wunderschöne Wege Richtung Vilalba. 

Gut, manchmal waren die Pfade auch nicht so toll aber da muss man durch…

Ich lief sehr wenig auf der Strasse heute..
…und immer wieder gab es eine Aufmunterung. 

Es ging durch viele uralte Hohlpfade. 

Santiago ist wirklich nicht mehr weit…

Schöne Wegzeichen an der Hausmauer geben die Richtung an. 

Wunderschöne alte Brücke. Wieviele Pilger da wohl schon drüber gelaufen sind?
Einfach märchenhaft…

Da rennen sie noch nicht vor mir weg. Komme mir manchmal vor wie der böse Wolf…

Manchmal gibt es Hindernisse am Weg…

…aber meistens ist die Lösung des Problems nicht weit weg. 
Der Camino ist nun kaum mehr zu verfehlen, so gut ist er markiert. Ab Galicien werden einem gleich auch noch die zu laufenden Kilometer bis Santiago mitgeteilt. Die kleinen Schilder mit den KM-Angaben fehlen aber auch oft, da sie gerne als Souvenir abmontiert werden…
Hier musste ich schnell aus dem Weg gehen. Sie sind einfach grösser als ich und ich habe Respekt vor Kühen. Bin immer froh, wenn ich keine Weiden überqueren muss. Bisher musste ich nur einmal an Kühen vorbei. 
Ich bin heute an unzähligen so alten Steinmauern vorbeigelaufen. An denen sieht man wie alt diese Wege sind…

Der Friedhof von Goiliz. Sehr speziell sind die grossen markanten Steinkreuze. 

So ich werde jetzt mal mein schönes Zimmer verlassen und schauen ob ich jemanden von meinen Mitpilgern treffe. Wobei die öffentliche Albergue vor Vilalba liegt. Von der morgigen Etappe bin ich schon 2.5km gelaufen…
Mein Zimmer ist übrigens im 2. Stock,  das Eckzimmer rechts…

27.04.14 Miraz, 35km

Was für ein Tag! Eine Mammutetappe von 35km. Ich musste heute oder morgen eine lange Etappe einlegen sonst schaffe ich es nicht nach Santiago. Oder sagen wir es mal so, ich will nicht erst am Freutagabend in Santiago ankommen und am Samstagmorgen gleich abreisen. 

Es ist im Großen und Ganzen recht gut gegangen auch wenn ich jetzt fix und fertig im Bett liege und nicht weiß wie ich Morgen die 26km nach Sobrado des Monxes laufen soll. Aber man soll ja nicht zu weit voraus schauen, jetzt wird erst mal eine Runde geschlafen und den Rest überlassen wir Santiago. Der Heilige Jakob wird es schon richten auch wenn er heute Nacht Überstunden machen muss damit Morgenfrüh wieder alle Pilger fit sind…

 

Um aus Vilalba rauszufinden musste man heute Morgen auf den Boden schauen. 

Das Pferd hat demonstrativ weggeschaut, es wollte einfach nicht in die Kamera kucken. 

Es ging wieder über viele alte Brücken und…

…verlassene Dörfer. Ich frage mich dann immer, was wohl die Geschichte dahinter ist. Warum verließen die Menschen ihre Häuser, wer hat hier wohl gelebt?

Ich kam auch wieder an Friedhöfen vorbei…

…und manchmal war der Weg richtig matschig. Hier hätte man Gummistiefel gebrauchen können. 

 

Die schönste Kunst macht die Natur…
Kleiner Pilgeraltar. 

Abschiedsfoto mit Helene und Marianne aus Dänemark. Sie sind in Baamonde geblieben, Fred die norddeutsche Plaudertasche auch. 

Auf dem Bild ist ein Storch im Nest, weiß nicht ob man es sieht. 

 

Ein Blumenmeer…
Mitten im Wald stand einsam diese Kapelle…

Wunderschöne Wege durch das grüne Galizien…

Kilometerstein 100 habe ich irgendwie verpasst, wahrscheinlich wurde sie geklaut…

Schöner Hof irgendwo im Niemandsland. 

Einfach zauberhaft…

Ein schön bemalter Horreos. 

Verhünerte Hühner…

 

Show me the Way to the next Whiskey Bar… Hier gibt es eine Bar extra für Pilger. 
Die Eukalyptusbäume häuten oder schälen sich…

Einfach schön…

Zu Besuch im Hause eines Bildhauers. Er hat mir meinen Pilgerpass gestempelt und dann noch mit Siegelwachs einen extra Stempel gemacht. 

Endlich angekommen, es war bereits 19.00h. Bin direkt in die Bar und habe dort Sebastian angetroffen. Er ist vorgestern bei Carmen geblieben… Hätte ich auch tun sollen. 
So werde mich jetzt zu meiner wohl verdienten Ruhe begeben. Buenos noches…

25.04.14 Gontan, 25.5km

VWhat a pretty shitty Day…. Ein harter Kampf heute vor allem gegen den sehr starken kalten Wind! 

Da soll einer noch wissen wo es lang geht. Startpunkt bei der Albergue. 

Der Weg geht unter dem Horreos hindurch. 

Die Umgebung hat sich komplett verändert seit ich nicht mehr auf dem Küstenweg bin. 

Kleine Dörfer wie aus einer anderen Zeit. 
Eine der schönsten Kleinstädte auf dem Camino del Norte: Mondoniedo. Hier gab es eine Kaffeepause nach den ersten 9km. 

Die schöne Kirche auf dem Weg hinaus. 

Mondoniedo aus der Ferne…

Da geht das Pilgerherz auf. Zwischenhalt bei Carmen. Sie hat auch den Camino gemacht und dann entschieden ihr Leben komplett zu ändern. Sie kommt ursprünglich aus Madrid und hat ein Haus 2km nach Mondoniedo gekauft. Man kann auch bei ihr übernachten und essen. Alles auf Spendenbasis. Sie hat ihr ganzes Herzblut da drin. 

Wie aus einer anderen Zeit. 

Mann ist das grün hier!

… und es wurde zappenduster…

Kleiner Aufsteller am Wegesrand. Man sieht es nicht auf dem Foto aber ich habe ziemlich zu kämpfen gegen Kälte, Regen und vor allem Wind der meistens von vorne kommt. 

Dieser kleine Unterstand hätte mich fast mein Leben gekostet. Ich wollte mich da einen Moment ausruhen. Da es durch den Wind so laut war, habe ich nicht gehört, dass von hinten ein Auto kommt. Gerade als ich rüberziehen will, braust das Auto an mir vorbei. Uff!!! Scheinbar nicht mein Tag zu sterben… Hurra, ich lebe noch! Noch nicht das Ende der Erfahrung… Man sieht ja oft Erinnerungstafeln von Pilgern die auf dem Weg gestorben sind. Es erinnert einem immer daran, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man in Santiago ankommt. 
So ich werde mich jetzt in die Albergue begeben und hoffentlich heiss duschen. 
Hatte eine super heisse Dusche und habe eine Stunde im warmen Bett gelegen. 

Jetzt habe ich unter der Kleidung meine Skiunterwäsche an und sitzest allen Pilgern in der Bar. Wir überbrücken die Zeit bis zum Essen mit Tapas und Wein. 

In der Bar haben sie für uns frierende Pilger extra ein Feuer angezündet. Uns ist jetzt wohlig warm…
Hier zum Abschluss noch die gesellige Pilgerrumde:

24.04.14 Vilanova de Lourenzo, 28.5km

Heute Morgen ging gerade die Sonne auf als ich zur Albergue raus bin. 

Das ist die Brücke über die ich Gestern von Asturien nach Galicien gelaufen bin. 
Es ging bald bergauf, wir sind ja jetzt wieder in den Bergen, und bald gab es eine schöne Aussicht auf Ribadeo. 

Sebastian hat sich mir angehängt heute und wir sind Teile des Weges zusammen gelaufen. Ist lange her, dass ich zu zweit gelaufen bin aber es war sehr angenehm. 

Die Horreos (Kornspeicher) sind jetzt wieder kleiner, so wie ich sie aus Galizien kenne. 
Das ist ein Novum auf dem Pilgerweg, dass man jetzt überall ein Taxi bestellen kann…

Diese süsse Albergue in Gondan hatte leider zu. 

Der Tag heute war windig, kalt und regnerisch. Ein ganz normaler Tag in Galicien also…

Mit Fred und Sebastian beim wohl verdienten Feierabendbier…

23.04.14 Ribadeo, 22km

UVon Portugalete, da wo ich gestartet bin, sind es 683km bis Santiago. Von diesen 683km bin ich von Deva nach Gijon 8km mit dem Bus gefahren und 40km mit dem FEVE. Das sind stolze 635km die ich zu Fuss unterwegs war und noch bin bis Santiago! Nicht schlecht oder? Besser wäre es natürlich jeden einzelnen Meter des Caminos zu laufen aber dies ist aus Zeitgründen leider nicht möglich. Heute regnet es zum ersten Mal so richtig und ich sitze in der Bar und esse mein Frühstück. Die Spanier scheinen alle in der Bar zu frühstücken bevor sie zur Arbeit gehen aber auch die alten Leute. Es wird palavert und lautstark gestikuliert, die spanische Lebensart fängt mir an zu gefallen…

Habe um 10.15h den Zug genommen und war ¾ Std. später in Tapia de Casariego. Hatte vor eine halbe Etappe bis Ribadeo zu laufen. Klingt doch nach einem gemütlichen Tag oder? Daraus wurde es aber nichts, denn oft kommt es anders als man plant. Der Bahnhof von Tapia lag nämlich 6km ausserhalb. Gut kein Problem, eine alte Frau zeigte mir die Richtung und dann bin ich entlang der Strasse losmarschiert. Dann sah ich plötzlich einen Wegstein des Jakobsweg und habe mich tierisch gefreut, dass ich von der Strasse wegkam. Dummerweise habe ich erst später nachgeschaut und dann las ich, dass es 3 verschiedene Wege gibt. Zwei führen nach Ribadeo und der dritte nicht. Jetzt dürft ihr mal raten auf welchem ich war… Natürlich auf dem Falschen. In einem Ort namens Brul habe ich dann gefragt wie ich nach Tapia komme. Einfach der Strasse lang, es seien nur 3km… Es stimmte aber es ging rauf und runter. Ich habe über 2 Std. gebraucht um hierher nach Tapia zu kommen! Na ja ich werde mich jetzt nicht mehr ärgern und freue mich auf das letzte Stück des Küstenwegs bevor es Morgen nach Galicien ins Landesinnere geht. 

Das ist der schöne Weg wo ich leider falsch abgebogen bin anstatt bis Tapia auf der Strasse zu bleiben. 

Dieses Kalb schläft seelig und muss nicht den Weg suchen wie ich. 
Endlich in Tapia oder besser schon wieder auf dem Weg hinaus. 

Es ist nicht mehr all zu weit…

Das letzte Mal an der Küste, ich kann mich kaum satt sehen. 
Regen im Anmarsch. Musste heute mehrmals die Regenjacke am- und ausziehen aber es kämen jeweils nur ein paar Tropfen. 

Ein Greifvogel aber keine Ahnung was für einer…

Letzter Blick von der langen Brücke nach Ribadeo. Am Ende der Brücke werde ich in Galicien sein und dann geht es wieder in die Berge. 

Mit allen Pilgern aus der Albergue in der Bar. Wir lassen es uns gut gehen nach einem harzigen Start aber ansonsten wunderschönem Küstentag. 

22.04.14 Luarca, 26.5km

Jetzt sitze ich gerade am Hafen von Luarca und geniesse mein Bierchen. Im Hintergrund läuft schöne Musik und es ist warm genug, dass man draussen sitzen kann. Habe zwar meinen Fleecepullover plus Windjacke an…

Habe Quartier gefunden in einer Pension mitten im Städtchen. Die Pension gehört einer alten Dame und ist eigentlich eine riesige Wohnung. Das Mobilar ist sehr alt und mein Bett biegt sich in der Mitte etwas durch aber sonst gefällt es mir sehr gut. Vor meinem Zimmer gibt es eine Art Wintergarten, es stehen auf jeden Fall jede Menge Pflanzen im Raum. 
Heute Morgen stand ich um 8.00 bereits auf der Piste. Das Frühstück, für welches ich 3€ bezahlt habe, bestand aus Café con Leche und Madeleines à discretion. 
Es war wunderschön heute Morgen und ich freute mich regelrecht darauf loszulaufen. 
Diese süsse Katze hat sich mehrmals an meinem Hosenbein entlang hochgestreckt und als ich ein Foto machen wollte, hat sie es natürlich nicht mehr getan…
Kühe und Meer, das passt irgendwie nicht zusammen oder?

Es kam ein abenteuerlicher Weg, wo es in meinem Reiseführer hiess, dass man ihn nur bei guter Sicht und mit einer Portion Abenteuerlust gehen soll, da er nur spärlich markiert sei. Genau das richtige für mich fand ich. Vor allem hatte ich die Schnauze voll davon auf der Nationalstrasse zu laufen. Ich habe die Entscheidung keinen Moment bereut und den Weg fand ich auch. Raimundo hat ihn ja auch sehr gut beschrieben…
Kunst am Weg….

Jeder in seinem Tempo… und ich ein klein wenig schneller. 
Ich wurde wieder mit einer sehr schönen Aussicht auf die Nordküste belohnt. 

Falls ich mich doch noch verirren sollte, hätte ich ja noch diese Möglichkeit…

Achtung Schneckenalarm…! Oder vielleicht ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass man den Weg langsam angehen soll?

Sicht auf Luarca, mein Aufenthaltsort von heute. 
Habe mir überlegt, morgen mit dem FEVE, das ist ein kleiner Schmalspurzug, bis Navia zu fahren. Damit könnte ich 20km einsparen und wäre sicher einen Tag früher in Santiago. Ich werde über Nacht darüber meditieren… Wichtig ist ja nur, dass ich die letzten 100km (ab Vilalba) am Stück pilgere um die Compostela zu erhalten. Man benötigt dann auch 2 Stempel pro Tag im Pilgerpass um zu beweisen, dass man wirklich gelaufen ist. 
So werde jetzt noch zum Leuchtturm laufen und mir dann ein Restaurant suchen wo es Menüs gibt. 
Die Suche nach einem offenen und günstigen Restaurant hat sich noch als schwierig erwiesen. Zuletzt habe ich eine kleine Bar gefunden, die wie es der Zufall so will, direkt neben meiner Pension lag. 
Als ich dann zurück in die Pension wollte, konnte ich die Eingangstür nicht öffnen…
Da stand ich, habe probiert den Schlüssel in alle Richtungen zu drehen, an der Türe gezogen, gedrückt mit aller Kraft gestossen. Ausser Lärm habe ich nicht viel erreicht ausser dass die Dame der Pension plötzlich unten stand und mir Gott sei Dank die Tür öffnet. Eigentlich wäre es ganz einfach gewesen, die Tür war nämlich nicht geschlossen, ich hätte den Schlüssel nur nach rechts drehen und gleichzeitig die Tür aufstossen müssen… Tia bin dann ja doch noch in mein Hängebett gekommen und habe ganz gut geschlafen. 

21.04.14 Santa Marina, 26km

Der einzige Wermutstropfen in der Casa Vitorio war, dass es im Zimmer saukalt war. So kalt, dass meine Wäsche nicht getrocknet ist und ich das Hemd mit dem Föhn bearbeiten musste. Morgens um 7.00 und der Föhn machte einen Höllenlärm… Ich hatte aber einfach keine Lust eine feuchte Bluse anzuziehen. 

Ich habe vom Hausherr ein tolles Frühstück serviert bekommen mit hausgemachter Konfitüre und frisch gepresstem Orangensaft. Dazu ein große Kanne mit Kaffee. Besser geht’s nicht. Sogar das Brot war getostet. 
Dann ging es auch schon an der sehr schönen Kirche von El Pitu vorbei…

… nach Cudilliero. Für das schönste Fischerdorf Asturiens habe ich sogar einen Umweg von 2.5km in Kauf genommen. 

Dann ging es die Strasse steil hinauf und ich wurde mit dieser Aussicht belohnt:
Diese Aussicht war aber auch spektakulär… einfach anders. 

Die spinnen die Spanier… Oben verläuft die neue Autobahn und weiter unten die Nationalstraße. Man traut sich gar nicht zu fragen, mit was für Gelder dies gebaut wurde… Kann verstehen, dass es Europäer gibt, die sich darüber aufregen. Mir als Pilger kann es recht sein, denn da ich oft auf der alten Nationalstraße laufen muss bin ich froh, dass es nicht viel Verkehr hat. Vor allem keine Lastwagen…

Sie sind stolz auf ihren Camino, zurecht finde ich…

Hier muss man sich wieder entscheiden welchen Weg man laufen will. Da der offizielle Camino schlecht ausgeschildert sein soll, habe ich mich für die Variante der Nationalstraße entlang entschieden. 

Deshalb sah der Rest des Weges bis Santa Marina etwa so aus… Habe mir mal wieder die Füße platt gelaufen. Aber was tut man nicht alles um nach Santiago zu gelangen…
Jetzt sitze ich in der gemütlichen Bar der Pension Prada wo ich auch übernachten werde und trinke mein wohl verdientes Cerveza con Limon. Dazu habe ich eine ganze Dose dieser leckeren Oliven verdrückt. Gehe jetzt mal schauen wie das Zimmer aussieht…
So sieht meine schnucklige Pension aus:
Es hat angefangen zu regnen aber ich sitze im Trockenen und habe gerade eine heisse Gemüsesuppe gegessen. Das Wetter meint es bisher sehr gut mit mir. Hatte noch keinen richtigen Regentag aber ich bin ja auch noch nicht in Galicien, denn da regnet es ja soviel…
Habe heute mal meine Etappenplanung überflogen und so wie es aussieht schaffe ich es tatsächlich bis Santiago! Hätte ich echt nicht gedacht aber ist natürlich toll nochmal in Santiago einzulaufen, das ist schon sehr speziell. Nur dieses Mal mache ich es besser als beim ersten Mal und übernachte falls es Platz hat im Parador (5-Stern Hotel!). Das letzte Mal war ich ja Pleite und konnte mir die Nacht nicht leisten. Willi hat mir dann ja lieberweise Geld ausgelehnt, damit ich noch nach Finisterre konnte. 
So aber jetzt bin ich erst in Santa Marina und Santiago ist noch weit weg. Muss da mal wieder in den Moment kommen…