26.02.2019 Ankunft in Rishikesh

Sommersprosse ist nicht nach Westen sondern wieder mal nach Osten unterwegs. Ja und die Reise ist dieses Mal nicht eine äußerliche sondern es geht mehr nach innen.

Ich werde die nächsten 2 Wochen am Satsang von Mooji Baba teilnehmen. Für jene die Mooji nicht kennen, er ist ein erleuchteter Meister oder einfach jemand der erkannt hat wer er wirklich ist und diese Wahrheit mit anderen teilt.

Aber jetzt mal von Anfang an, denn die abenteuerliche Reise hierher möchte ich euch ja nicht vorenthalten.

Es ging mal wieder früh los aber verglichen mit 3.00h morgens aufstehen war es dieses Mal fast schon human. Erst um 5.20 musste ich aus den Federn.

Es ging mit dem Zug in 3 Std. nach Frankfurt und dann mit Lufthansa in 7 Std. nach Dehli. Mit Lufthansa zu fliegen ist wirklich ein Genuss wenn man es mit EasyJet vergleicht. Man kriegt sogar noch heiße Tücher um sich zu erfrischen. Ich hatte auch eine 4er Reihe praktisch für mich alleine. Ich hätte mich hinlegen können, nur war ich leider nicht müde am Nachmittag oder frühen Abend.

Um 1.10 in der Früh waren wir dann bereits in Dehli (Zeitverschiebung 4.5 Std.). Wir mussten noch geschlagene 40 Min. im Flugzeug warten bis wir endlich ans Gate fahren konnten.

Bis hierher verlief meine Reise eigentlich ganz entspannt. Wenn man davon absieht, dass ich in Frankfurt einen absoluten Anfängerfehler machte und das Wasser zu früh kaufte. Bei der Kontrolle wurde es mir dann wieder abgenommen und ich musste noch einen Sprengstoff-Test über mich ergehen lassen. Das teuerste Wasser welches ich je auf einem Flughafen gekauft habe😲.

Auf dem Flughafen von Dehli, gab es so viele Menschen und ich schaffte es auch noch mich zuerst in die falsche Reihe einzureihen. Ich war in der Fastlane der Business- und Firstclass gelandet. Als ich dann meinen Irrtum bemerkte und in die andere Halle wechselte, traf mich fast der Schlag, da war eine schier endlose Schlange von wartenden Menschen. Mein Mut sank und ich sah das bestellte Taxi bereits ohne mich abfahren. Da wusste ich noch nicht, dass ich noch sehr lange würde auf das besagte Taxi warten müssen… Ich bemerkte, dass die Leute am anderen Schalter weniger lange warten mussten und wechselte rüber. Gottseidank war dieser Beamte in einem weniger meditativen Zustand als der Vorherige und benötige nicht 20 Min. pro Passagier und so ging es dann etwas schneller vorwärts.

Mein Gepäck war auch angekommen und jetzt musste ich nur noch Geld wechseln. Auf dem Flughafen kriegt man zwar einen miserablen Kurs aber ich musste ja irgendwie das Taxi bezahlen. Dieses fehlte mir nun noch zu meinem Glück. Als ich bei dem verabredeten Ausgang raus kam und mich wie abgemacht zur Säule 15 begab war leider kein Taxifahrer mit meinem Namensschild da. Ich hatte natürlich auf dem Handy kein Empfang und in das WLAN kam ich auch nicht. Ich war ziemlich ratlos was ich jetzt tun sollte. Ein anderer, sehr hilfsbereiter Taxifahrer, der auch nach Rishikesh fuhr, hat dann für mich dort angerufen. Der Fahrer war verspätet und ich musste nochmals 30 Min. warten. Als wir endlich losfuhren war es 4.30 morgens! Ich versuchte mit dem Fahrer zu sprechen aber er konnte kein Wort Englisch. Das einzige was er konnte, war nach 100 Rupies zu fragen als man einen Straßenzoll zahlen musste. Es war eine sehr wortkarge Fahrt dafür um so abenteuerlicher. Wer noch nie in Indien war würde wohl einen Herzinfarkt kriegen. Sie überholen links, rechts und das auch noch sehr knapp. Man quetscht sich dann einfach schnell zwischen zwei Autos wenn einem ein anderes entgegenkommt. Wer jetzt meint es sei nur dieser Fahrer, weit gefehlt, dies ist der übliche Fahrstil in Indien. Nichts für schwache Nerven!

So gegen 10.00 waren wir dann endlich da. Und in der Zwischenzeit war ich nervlich so am Ende, dass ich am liebsten gleich wieder umgekehrt wäre. Ich dachte nur noch, ich bin zu alt für Indien, für dieses Chaos, all den Dreck und die vielen Menschen. Mein Fahrer musste dann noch mehrmals nach dem Weg fragen. Am Schluss hat er mich auch noch übers Ohr gehauen aber ich war zu müde um mich zu wehren. Mann war ich froh, als ich endlich hier war und mich hinlegen konnte.

Ich habe ein Zimmer mit eigenem Bad in einem Bungalow. Die Dusche ist leider nicht fertig installiert worden aber ich habe einen Boiler und somit heißes Wasser. Ich weiß gar nicht, wann ich meine letzte Bucket Dusche hatte. Muss wohl auf meiner Asienreise in den 80igern gewesen sein. Aber das stört mich nicht. Ich bin mitten im Zentrum von Rishikesh und dafür ist es ziemlich ruhig für indische Verhältnisse.

Der Regen prasselt auf das Wellblechdach und ich versuche mich gerade dazu zu überwinden etwas essen zu gehen. Es ist auch ziemlich frisch am Fuße des Himalayas und im Bett ist es soooo gemütlich. Aber der Hunger treibt mich raus und es ist auch erst 18.00.

03.08.2018, Heimreise

Ich bin um 5.45 aufgewacht und habe angefangen meine Sachen im Zelt zusammenzulesen. Zuerst kommen immer die Sachen dran, die ich aus dem Bett aus erledigen kann. Dann drehe ich mich um und mache Frühstück. Heute war das ein Snicker, ein Stück Brot und das wichtigste: Kaffee. Der Gaskocher wird „immer“ außerhalb des Zeltes angezündet, da ich nicht das Zelt abfackeln will. Es gibt durchaus Ausnahmen wie bei schrecklich nassem und kaltem Wetter wie in Washington. Da habe ich auch manchmal im Zelt den Gaskocher benutzt. Sollte man natürlich nicht tun😉. Anschließend lasse ich die Luft aus meiner Luftmatratze. Fertig mit Gemütlichkeit! Dann packe ich meinen Rucksack, natürlich im Zelt, wie ich das auf dem PCT gelernt habe als es zum ersten Mal schneite. Zahnbürste, Zahnpasta und das Handtuch kommen oben in den Deckel da ich diese Sachen noch brauche. Wenn der Rucksack fertig ist schmeiße ich ihn aus dem Zelt, Geldgurt und Hut hinterher. Jetzt warten die hoffentlich trockenen Schuhe unter dem Vordach meines Zeltes. Ja und dann stehe ich auf oder ich probiere es zumindest. Es sieht meistens nicht so graziös aus aus dem Zelt zu kriechen. Wahrscheinlich kriegen das Jüngere besser hin wie ich. Meistens tut ja auch immer etwas weh oder man hat Muskelkater. Ja und jetzt heißt es Zelt abbauen. Wenn man Glück hat ist es trocken wie heute Morgen, wenn nicht feucht oder tropfnass wie in SJPDP. Und erst wenn alles erledigt ist gehe Zähne putzen und aufs Klo. Anschließend Stretching und Abmarsch😉. So sieht ein Morgen in meinem Hikerleben aus. Nur falls es euch interessiert, wenn nicht Abschnitt überspringen😂.

Ich hätte heute easy länger schlafen können aus irgendeinem Grund war ich heute Morgen besonders müde.Um 7.25 fuhr der Bus nach Lourdes. Die Fahrt habe ich nur im Dämmerzustand mitgekriegt. In Lourdes habe ich mit kurz die Kathedrale angesehen, zu mehr war ich leider nicht zu gebrauchen, hatte aber auch nur 1 Std. Aufenthalt. Ich habe ja Lourdes vor Jahren ausführlich besichtigt. Dann ging es mit dem TGV nach Bordeaux und da bin ich nun seit Mittag. Hier ist es 36 Grad heiß und meine Stadtbesichtigung wird wohl etwas kürzer ausfallen. Ich bin jetzt gerade in der Altstadt und Bordeaux ist durchaus eine Reise wert.

Ich habe es wirklich nicht lange ausgehalten. Nachdem ich auf dem Platz mit der Basilika eine kalte Limonade und einen Kaffee getrunken hatte, habe ich meine Stadtbesichtigung noch ein kleines Stück fortgesetzt aber dann war Schluss. Ich bekam Probleme mit meinem tiefen Blutdruck und schlich möglichst im Schatten zurück zum Bahnhof. Im Bahnhof setzte ich mich auf einen Stuhl und wartete, dass ich etwas abkühlen würde. Der Schweiß ist mir nur so runter gelaufen. Um 16.30 machte ich mich dann auf den Weg zum Flughafen. Im Bus war es angenehm kühl und ich stellte sämtliche Luftdüsen direkt auf mich zum trocknen. Leider dauerte die Fahrt nur eine halbe Stunde und dann musste ich wieder raus in die Hitze. Ich war viel zu früh, mein Flug war noch nicht mal ausgeschrieben. Ich hatte keinen Hunger wegen der Hitze und deshalb setzte ich mich einfach apathisch irgendwo hin und wartete. Um 18.00 erschien mein Flug auf dem Board und ich machte mich mit Flip Flops auf den Weg zum Terminal. Ich musste dann aber bald die Schuhe wechseln, schwerer Rucksack und Flip Flops das geht nur für ein paar Meter. Da war wieder eine riesige Schlange wartender Reisender. Als ich genau hinsah, bemerkte ich aber, dass die alle für Ryan Air anstanden und bei Easy Jet war alles leer. Ich lief dann an allen vorbei und spürte die neidischen Blicke der Ryan Air Reisenden auf mir. Es lohnt sich also durchaus, 3 Std. vorher einzuchecken😉. Endlich befreit vom Rucksack ging ich ins Restaurant und gönnte mir einen Salat und anschließend eine Glace. Richtig Hunger hatte ich immer noch nicht. Die Billigflieger haben hier sogar ein eigenes Terminal mit dem passenden Namen Billi😂. Es gab viel zu wenig Sitzplätze und deshalb saßen viele auf dem Boden, ich auch. Mann war ich froh als wir endlich ins Flugzeug steigen konnten, trotz Flugangst. Ich habe nicht einmal ein Xanax benötigt. Ich glaube ich war viel zu müde um Angst zu haben. Ich bekam sogar einen Fensterplatz! Als Alleinreisende ist das eher selten und sehr zum Leidwesen meiner Sitznachbarn. Es war aber sowieso gleich dunkel und außer den Lichtern der Städte sah man nicht viel. Ein Gewitter habe ich aus der Ferne beobachtet, dass war beeindruckend. Gottseidank nur aus der Ferne! Als ich dann in Basel ausstieg hatte es hier auch noch knapp 30 Grad um 22.45h! Oje hier ist also auch eine Hitzewelle! Nicht gerade was ich mir gewünscht hatte. Ich bin dann auf dem schnellste Weg nach Hause und bin völlig fertig ins Bett gesunken. Mein Bett😉. Für das nächste Mal werde ich meine Reisen wieder etwas intelligenter planen. Keine Flüge am Morgen früh und auch nicht abends spät! Vielleicht besser mit dem Zug auch wenn es teurer ist. So das wars, bis zum nächstenMal…

02.08.2018, Cauterets

Heute bin ich nochmal auf 2300m aufgestiegen aber nicht zu Fuß sondern wie ein richtiger Tourist mit Gondel- und Sesselbahn. Die Sesselbahn ging so steil hinauf da wurde es mir direkt mulmig und ich hatte schweißnasse Hände. Sie fuhr zudem sehr langsam, wahrscheinlich weil es so steil war und es dauerte ewig. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie froh ich war als ich endlich oben ankam, in einem Stück und nicht zerschmettert auf einem Felsen.

Als ich oben war, war es bereits nach 11.00 und bereits ziemlich heiß. Ich ging nochmal zum Col d’Illhéou, da ich vorgestern wegen dem Nebel nicht viel gesehen habe. Jetzt zeigte sich der Pass in seiner ganzen Pracht. Dann ging es nochmals an den See wo ich eine Pause einlegte und eine Cola trank. Die erinnerten sich da sogar noch an mich😉. Leider war es viel zu heiss und es gab nirgends Schatten. Ich musste mit meiner Windjacke immer wieder den Nacken und die Schultern schützen.

Nach einer Stunde machte ich mich wieder auf den Rückweg zur Crête de Lys, von wo aus die Sesselbahn und die Gondel runterfuhren.

Der Rückweg ging bergauf und es war verdammt heiss. Bei einer kleinen Almhütte habe ich mich dann praktisch in die Brennnesseln gesetzt um etwas Schatten abzubekommen. Mein Sternzeichen habe ich dann auch noch getroffen: Ich nehme jetzt einfach mal an, dass der Widder ein Schafsbock ist. Ihr könnt mich aber gerne eines besseren belehren.

Danach ging es das letzte Stück hinauf zur Krete. Da oben genoss ich dann nochmal so richtig die Aussicht. Auf einer Karte waren alle Berge und Pässe aufgeführt und auch der GR 10. Ich kann also schon mal davon träumen weiterzugehen. Vielleicht nächstes Jahr? Wir werden sehen.

Ich fuhr dann mit der Sesselbahn runter und beruhigte meinen Magen etwas indem ich auf einem Stück Brot rumkaute. In der Gondel war es dafür stickig heiss aber ansonsten angenehmer.

Jetzt bin ich wieder auf dem Zeltplatz und werde mich mit einer Dusche runter kühlen. Ja und anschließend vielleicht ein Bier. Momentan ist es mir aber auch dafür zu heiss.

01.08.2018, Cauterets, Camping, 8km, 0km⬆️, 1100m⬇️, höchster Punkt Refuge d’Illhéou 1988m

Heute Nacht war es richtig kalt auf knapp 2000m. Es ist erst das zweite Mal, dass ich den Schlafsack zumachen musste. Sonst habe ich mich immer nur locker zugedeckt.

Da wir gestern früh im Zelt verschwinden mussten, war nichts mit ausschlafen. Irgendwann tut mir alles weh vom vielen Liegen und ich muss aufstehen. Um 6.00 war es soweit, ich hielt es nicht mehr aus und musste aufstehen. Ich habe dann langsam meine Sachen zusammengepackt und bin zum Refuge d’Illhéou zurückgelaufen. Ich hatte für 7.30 Frühstück bestellt. Da ich zu früh war, habe ich den wunderschönen Sonnenaufgang genossen. Das Refuge ist wirklich an einem sehr schönen Platz, genauso wie das Refuge d’Ayous am Lac Gentau (Pic du Midi d’Ossau).

Letzte Nacht habe ich die Dusche ausgelassen und mich nach PCT-Manier mit feuchten Tüchern abgerieben. Vor dem Frühstück nutzte ich die Chance noch schnell mein Gesicht und meine Hände auf der Toilette zu waschen.

Um 7.30 gab es dann Frühstück, oder sollte es geben, denn die Dame des Hauses war alleine und etwas überfordert. Ich war ja nicht in Eile, der Abstieg nach Cauterets würde knapp 3 Std. dauern. Ich aß dann mit Ann Frühstück. Sie wollte die Zeit hier oben nutzen und vor dem Abstieg eine kleine Tour machen. Ann kommt aus Banff im Kanada, das ist die Region wo alle Touristen hingehen. Sie wohnt mitten in der Natur und hat ein Kanu praktisch vor der Haustür.

Als ich losging kamen Thierry und Pascale vom Aire de Bivouac (Camping) und so gingen wir mehr oder weniger zusammen runter nach Cauterets. Ich habe es nochmal so richtig genossen. Der Rucksack fühlte sich so leicht an, dass ich anhielt und kontrollierte ob ich nicht etwas vergessen hätte. Aber ich hatte nur 1lt Wasser dabei und fast kein Essen mehr.

Zur Mittagszeit waren wir in Cauterets wo wir uns zugleich ein Bier genehmigten. Dann gingen wir noch zusammen Pizza essen und schon kam der Moment des Abschiedes. Sie werden heute noch zum Pont d’Espagne laufen.

Ich ging dann in einen Park um etwas auszuruhen und meine Rückreise zu organisieren. Anschließend ging ich zu Intersport und kaufte mir ein neues T-Shirt. Mein Merinoshirt ist do dünn geworden, dass es fast durchsichtig ist. Ich kann es aber nicht wegwerfen, denn damit habe ich den PCT gemacht zumindest teilweise. Es wird mir zu Hause als Pyjama dienen😉.

Ich bin jetzt auf dem Camping La Prairie und habe gleich für zwei Nächte gebucht. Zuerst wollte ich mir ein Hotel nehmen aber Cauterets ist so teuer bzw. touristisch, dass ich mich als Wanderer auf dem Campingplatz wohler fühle.

31.07.2018, Lac d’Illhéou, 20km, 1600m⬆️, 500m⬇️, höchster Punkt Col d’Illhéou 2242m

Heute war mein letzter schwerer Aufstieg. Morgen geht es nur noch runter bis Cauterets und dann ist mein Pyrenäenabenteuer vorerst zu Ende. Ich komme aber bestimmt wieder😉. Es ist der richtige Moment aufzuhören, denn ab morgen wird es unerträglich heiß. Um die 35 Grad und mehr…

Ich habe mal wieder miserabel geschlafen aber da mich dies nicht am laufen hindert rege ich mich gar nicht darüber auf. Um 7.10 verließ ich den Campingplatz, der etwas außerhalb lag. Ich benötigte 20 Min. um zum Startort zu gelangen.

Der Weg führte heute bis zum Lac d’Estaing viel der Straße entlang. Dann gab es mehr oder weniger sinnvolle Abkürzungen um wieder auf die Straße zu gelangen. Wenn ich die Karte angeschaut hätte, wäre ich wohl ab und zu auf der Straße geblieben. Vor allem wenn sie einem unnötig steile Wege hinauf und herunter jagen.

Ab dem Lac d’Estaing ging es dann steil den Wald hinauf. Dort traf ich einen Mountainbikefahrer, der aus dem Jura kam. Ich habe bereits an seinem Französisch erkannt, dass er aus der Schweiz kommt.

Oberhalb des Waldes kamen wir in eine pastorale Zone wo Kühe, Pferde und Schafe frei herumlaufen. Einen Pattou, der Pyrenäenhund welche die Schafherden bewacht, habe ich schon wieder nicht gesehen. Was ja im Nebel auch keine Kunst ist aber gehört habe ich auch keinen und wir liefen mitten durch die Schafherde. Wir hatten mal wieder einen Anstieg von 1600m zu bewältigen und gegen Schluss ging das wieder nur mit Willenskraft. Leider hatten wir wegen dem Nebel keine Sicht und dann machst du so einen Aufstieg und kriegst nicht mal eine schöne Aussicht. Das ist schon etwas deprimierend. Auf dem Col d’Illhéou lichtete sich der Nebel etwas aber wir sahen trotzdem nicht viel.

Vom Pass mussten wir dann noch ca. 300m runterlaufen bis wir am See waren. Dort gab es ein kleines, total süßes Refuge direkt am See. Wir haben dort als erstes ein Bier getrunken und ich habe mir dann noch eine Omelette genehmigt. Ich habe dann noch ein Bier gekauft, welches ich dann an der Campsite trinken werde.

Wir haben unsere Zelte am See aufgestellt. Draußen ist es leider total neblig und man sieht nicht viel. Es ist auch kalt weil die Sonne verdeckt ist. Jetzt sitzen wir halt in unseren Zelten, anstatt draußen am See zu sein. Ich trinke mein Bier, aktualisiere meinen Blog und mache es mir gemütlich. Manchmal drückt die Sonne durch und dann wird es sogleich warm. Dummerweise habe ich das Zelt so aufgestellt, dass ich den See nicht sehe aber man sieht so oder so nicht viel.

30.07.2018, Arrens-Marsous, Camping, 15km, 900m⬆️, 1300m⬇️, höchster Punkt Col de Tortes 1799m

Heute war fast schon ein Erholungstag. Auf meinem Plan war eigentlich der Lac d’Estaing aber nach dem gestrigen harten Tag wollte ich es gemütlicher angehen. Habe gut geschlafen letzte Nacht und bin heute Morgen erst um 8.00 losgelaufen. Meine Füße schmerzten zwar immer noch aber es war viel besser als gestern Abend. Ja und sobald ich die Wanderschuhe anhabe kann ich auch wieder laufen😉.

In meinem Reiseführer stand etwas von leichter Etappe aber der Weg den Berg hinauf war schon wieder recht heftig und man musste teilweise klettern. Natürlich war ich noch müde von gestern und deshalb war der Aufstieg besonders schwer. Kurz vor dem Col de Tortes, ich war bereits 1.5 Std. unterwegs, hatte ich plötzlich das Gefühl auf dem falschen Weg zu sein. Ich sah zwar die rot/weißen Markierungen aber es hätte ja auch ein andere GR sein können. Ich war schon bereit zum Umkehren, da kamen mir Ritchard, Paul und Ann entgegen. Die haben dann nochmals auf dem GPS kontrolliert, es war alles in bester Ordnung. Vor allem war ich froh, dass ich nicht 1.5 Std. vergebens den Berg hochgeklettert bin.

Kurze Zeit später waren wir auf dem Pass und genossen die Aussicht. Auf dem Weg hinunter schmerzten mich wieder meine Füße und Knie und ich beschloss heute mehr Pausen einzulegen. Ich ließ Ritchard und Paul ziehen und machte es mir gemütlich. Ich aß Brot und Chorizo. Später gesellte sich noch Ann dazu und teilte ihre Cavaillon Melone mit mir. Hmmm lecker😜.

Unten kamen wir auf die Straße und ich beschloss eine Abkürzung zu nehmen und auf der Strasse zu laufen. Der GR führte runter ins Tal um auf der anderen Seite wieder aufzusteigen. Ich beschloss, dass ich heute Ruhetag habe. Thierry und Pascale hatten sich auch für die Straße entschieden. Was ich nicht bedacht hatte war, dass es auf der Straße Tunnels haben könnte und die hatte es nämlich zwei. Beim ersten habe ich tapfer meine Stirnlampe angezogen und bin durch den Tunnel marschiert. Am Ende habe ich sogar noch einen Velofahrer erschreckt, der meinte wohl es kommt ihm etwas entgegen. Beim zweiten Tunnel habe ich kurzerhand ein Auto angehalten und gefragt ob sie mich durch den Tunnel mitnehmen würden. Das haben sie dann auch getan und mich kurz vor Thierry und Pascale wieder raus gelassen.

Es ging dann noch ein kurzes Stück der Straße entlang und dann zweigte der GR 10 ab zum nächsten Pass. Ich beschloss vorher noch eine Pause im Schatten zu machen. Als ich mich dann kurze Zeit später wieder auf den Weg machte, hatte sich eine ganze Kuhherde in Bewegung gesetzt und stand mitten im Weg auf dem Pass. Ich habe mich dann durch sie durch geschlängelt. Eigentlich wollte ich auf dem Pass Wasser nachfüllen aber die Wasserstelle war von den Kühen beschlagnahmt. Da bin ich dann doch lieber weitergegangen. Meine Angst vor Kühen hat sich ziemlich gelegt. Ich musste auf diesem Weg schon soviel an Kühen vorbei, dass ich mich langsam daran gewöhnt habe.

Es folgte noch der Abstieg nach Arrens-Marsous, der gegenüber gestern recht einfach war. Unterwegs hielten wir an einem Bach an um die Füße zu baden und zu essen. Ritchard und Paul kamen den Hang hinunter und waren ganz erstaunt, dass wir schon da waren. Die Straße war eindeutig schneller als der GR😂.

In Arrens-Marsous mussten wir uns bei einem Bier von Ritchard und Paul verabschieden, die heute die letzte Etappe gelaufen sind.

Ich bin auf dem Campingplatz und freue mich endlich wieder einmal im Zelt zu schlafen. Thierry und Pascale sind auch hier gleich nebenan. Heute gab es Cous Cous mit Chorizo und Emmentaler. War echt lecker😊.

29.07.2018, Gourrette, Gîte d’Etape, 23km, 1500m ⬆️, 1200m ⬇️, höchster Punkt Hourquette d’Arre 2465m

Das war wirklich ein Tag heute. Ich war 11 Std. unterwegs und meine Füße schmerzen tierisch. Trotzdem war es ein wunderschöner Tag mit Wahnsinnsausichten.

Heute Morgen ist mir beim Zusammenpacken der Deckel meines Gaskochers hinter die Heizung gefallen. Ich habe alles probiert ihn da wieder rauszuholen aber nichts hat funktioniert. Ich bin dann zum Frühstück runter und habe von meinem Malheur erzählt. Jean Marc ist dann hochgegangen und hat ihn mit einer Art Staubwedel wieder rausgeholt. Ich war total happy, denn ich hatte ihn bereits abgeschrieben.

Um 7.15 bin ich dann los. Es startete gleich mit einem ziemlich steilen und anstrengenden Anstieg. Nach 1.5 Std. kam ich zu der berüchtigten Corniche de Alhas. Dies ist ein schmaler Pfad, der sich an der steil abfallenden Bergflanke entlang schlängelt. Es gibt auch ein Seil wo man sich daran festhalten kann. Ich fand es nicht sehr beängstigend da ich schwindelfrei bin. Danach ging es einen alten Minenweg hinauf, der absolut steil und steinig war. Als ich endlich oben an der überhängenden Felsklippe ankam war ich fix und fertig. Ich machte da erst mal Pause und aß ein Snicker. Ich hoffte, dass es mir danach wie in der Werbung ergehen würde. Voller Energie! Es ging dann etwas einfacher weiter und bei der Verzweigung zum Col de Hourquette d’Arre traf ich Thirrry und Pascale. Sie machten da gerade Pause. Der Monsieur im Hotel hatte ihnen gesagt, dass der Hourquette d’Arre nur mit Steigeisen begehbar wäre und sie hatten deshalb geplant, hier an der Verzweigung den Alternativweg zu nehmen. Dann sind ihnen junge Hiker begegnet, die meinten der Pass sei passierbar. Jean-Marc hatte mir gestern Abend das gleiche gesagt, dass es nicht mehr viel Schnee hätte. Er meinte auch, dass der Monsieur im Hotel die Wanderer nicht besonders möge und öfters sagen würde er sei ausgebucht. Ritchard, Paul und Ann hatten deshalb den Bus nach Gourette genommen und eine sagenhaft schöne, wenn auch sehr anstrengende Etappe verpasst. Thierry, Oascale und ich haben dann den Pass zusammen in Angeiff genommen und ich war sehr dankbar, diesen Pass nicht alleine besteigen zu müssen. Es gab ein paar heikle Stellen, die ich alleine nur schwer gemeistert hätte. Es gab eine Stelle am Hang, wo ich Angst hatte abzurutschen und nicht wusste wie ich meine Füße setzen sollte. Thierry und Pascale sind sehr bergerfahren und zeigten mir wie ich rüberkomme. Wir mussten auch zwei Schneefelder queren aber dass war nicht wirklich ein Problem. Das letzte Stück bis zum Col war sehr, sehr hart. Wir, vor allem Pascale und ich waren am Ende unsere Kräfte. Wir mussten unsere allerletzten Reserven mobilisieren um auf diesen Pass zu kommen. Am Schluss ist es dann die Willensstärke, die einem hochbringt nicht der Körper. Oben angekommen machten wir zuerst einmal Pause und genossen die grandiose Aussicht auf beide Seiten.

Danach kam der nicht minder schwierige Abstieg nach Gourrette. Auf dem Pass standen 2.45h, ich habe fast 4.00h gebraucht. Das Problem war, dass der Aufstieg schon meine ganze Kraft verbraucht hatte und meine Beine fühlten sich an wie Pudding. Keine gute Voraussetzung um einen schwierigen Abstieg über Geröll zu machen. Ich musste sehr langsam gehen weil ich Angst hatte umzuknicken oder zu stürzen. Zudem hatte ich beim Aufstieg zu viele getrocknete Aprikosen gegessen und beim Lac d’Anglas hatte ich dann ziemlich starke Bauchschmerzen und Krämpfe. Ich hatte Durchfall und es ist ja nicht immer einfach in den Bergen eine geschützte Stelle zu finden. War mir dann aber ziemlich egal und ich nahm was ich vorfand. Ich musste noch zwei weiter Male das „Örtchen“ aufsuchen. Dies hat meinem Abstieg ins Tal auch nicht gerade beschleunigt. Ich fühlte mich aber nicht krank, das war schon mal gut.

Wie näher ich Gourrette kam wie mehr Touristen waren unterwegs. Die liefen mit verzückten Gesichtern rum und machten ein Foto nach dem anderen. Ich wollte nur noch eins, runter vom Berg und die Schönheit der Pyrenäen war mir jetzt gerade ziemlich egal.

Ich sah Gourrette schon von weit oben aber der Weg war oder schien immer noch weit. Es ging durch einen Wald und jetzt stieg auch der Nebel wieder hoch. Plötzlich hatte ich das Gefühl, schon an Gourrette vorbeigelaufen zu sein aber dann war ich plötzlich oberhalb des Tennisplatzes.

Ich stand dann vor dem Refuge wo man anrufen musste. Ich suchte noch den Campingplatz und dann kamen mir bereits Thierry und Pascale entgegen. Ich ging dann mit ihnen ins Refuge, sie hatten bereits angerufen. Der Campingplatz war 3km außerhalb.

Wir machten dann zusammen Spaghetti und dann ab ins Bett.