05.03.2019 Day off

Heute habe Ich sozusagen frei😉. Was mich nicht davon abhält an einen anderen Satsang zu gehen. Der Ashram von Shanti Mayi ist gleich bei mir um die Ecke und ich habe gehört, dass es sehr schön sein soll. Alles etwas kleiner und intimer als bei Mooji Baba.

Ich habe heute morgen „ausgeschlafen“, 25 Min. meditiert und dann war es bereits Zeit für mein erstes richtiges Frühstück seit ich hier bin. Ich bin in die German Bakery und habe mir das Frühstück des Hauses genehmigt. Gewürzkartoffeln, scrambled Paneer (nein nicht Egs), 2 Toast, Butter, Marmelade und dazu natürlich Kaffee. Leider gab es nur Nescafé, da wieder einmal der Strom ausgefallen war. Das Wasser mussten sie wohl auf dem offenen Feuer erhitzen. Es war sehr lecker und dazu hatte ich noch sehr angenehme Gesellschaft von einem australischen Paar aus Queensland. Sie waren über 25 Jahre ein Paar, heute sind sie beste Freunde und haben zusammen 6 Kinder🤗.

Wir haben uns so gut unterhalten, dass ich bereits beschlossen hatte, nicht an den Satsang von Shanti Mayi zu gehen. Dann kamen sie aber irgendwie darauf zu sprechen und meinten, dass es sehr schön sei. Wobei am Montag und Dienstag mehr Leute da seien weil Mooji dann keinen Satsang abhält. Scheinbar sollte ich also teilnehmen und da es gerade „zufällig“ genau die richtige Zeit war dorthin zu gehen folgte ich der Empfehlung der Australier.

Im ganzen waren hier ca. 200 Leute. Shanti Mayi ist Amerikanerin und kam zu einer Zeit nach Rishikesh wo es hier noch keine Westler gab. Sie war die einzige weiße Frau und durfte den Männern nicht mal in die Augen schauen. Sie fand hier Ihren Meister und gibt nun selber Satsangs im Ashram ihres 2011 verstorbenen Meisters.

Es war total anders als bei Mooji. Ich kann aber nicht sagen wie. Sie ist viel mehr mit der indischen Tradition verbunden. Was mir vor allem gefallen hat war das Chanting, das Singen von Mantras. Sie hat auch Fragen beantwortet aber ich konnte mit den Antworten nicht viel anfangen. Trotzdem fand ich es schön einfach in dieser Energie zu sitzen. Ich habe sowieso das Gefühl, dass die Worte gar nicht so wichtig sind.

Mittagessen gab es heute im Ganga View. Dies ist ein sehr schönes Restaurant direkt am Ganges. Man sitzt auf dem Boden auf Kissen und blickt auf den Ganges. Sehr meditativ und dazu läuft Musik zum chillen (so im Stil von Buddha Bar).

Was mich beeindruckt ist, dass man in diesem chaotischen, lauten, zum Teil stinkenden Indien so gut abschalten kann. Bestimmt ist es auch die Energie des Satsangs die hilft, dass man nicht diesen Drang hat ständig etwas zu tun sondern einfach sein und das Leben sich entfalten lassen kann.

Anschließend bin ich nach Hause, denn ich fühle mich etwas krank. Habe Halsschmerzen, Schnupfen und einen Reizhusten. Nicht weiter verwunderlich bei diesem ständig wechselhaften Wetter. Zudem meldet sich auch mein Darm zum ersten Mal. Ich bin aber auch nicht gerade vorsichtig muss ich sagen, habe schon zweimal Salat gegessen und Smoothies getrunken, was man in Indien natürlich nicht tun sollte… Rishikesh ist aber so eine Blase in Indien, wo es so viele Westler hat und wenn man in ein Restaurant kommt schaut man was die anderen so essen und dann weiß man ziemlich schnell ob es ok ist oder nicht. Aber das Risiko von Montezumas Rache 💩 bleibt natürlich bestehen.

Habe ich schon erwähnt, dass da wo ich wohne ständig die Affen auf dem Wellblechdach hin und her rennen? Die machen einen wahnsinnigen Lärm. Gottseidank halten sie sich an Schlafenszeiten und am Morgen rennen sie meist nicht vor 6.30h rum und dann muss ich sowieso aufstehen. Am Anfang bin ich total erschrocken, da ich keine Ahnung hatte was dieses Gepolter zu bedeuten hatte. Die Hunde mögen die Affen gar nicht und jagen sie auch. Die Affen können dafür sehr aggressiv sein wenn es darum geht einem das Essen aus der Hand zu reißen. Bei der Laxman Jhula Brücke darf man auf keinen Fall Essen dabei haben außer man möchte es loswerden😂.

04.03.2019 Satsang im Parmath Niketan Ashram

Heute war eigentlich ein Mooji freier Tag, da am Montag und Dienstag keine Satsangs in diesem Ashram stattfinden.

Mooji wurde vom Parmath Niketan Ashram eingeladen wo das Int. Yogafestival zum 30. Mal stattfindet. Es ist ein sehr großer und schöner Ashram direkt am Ganges. Viele Westler machen hier ein Yogatraining.

Natürlich pilgerten wir alle dorthin. Da ich früh da war saß ich ziemlich weit vorne und da das fotografieren hier nicht untersagt ist, gibt es im Titelbild ein Foto von Mooji. Er sitzt in der Mitte neben dem kleinen Jungen.

Als Mooji hereinkam und Platz nahm, kamen über ihm beim Zeltdach zwei Affen zum Vorschein, die beide den Vorhang zur Seite schoben, wie um Ihn willkommen zu heißen. Die ganze Satsanghalle brach in Lachen aus weil es einfach zu gut war.

Der Satsang war sehr kurz, nur eine Stunde aber Mooji schaffte es die Essenz seiner Lehre da reinzupacken. Er sagt zwar immer, dass er nichts lehrt sondern nur Hinweise gibt, die zur Wahrheit hinzeigt. Er ist auch nicht daran interessiert Wissen weiterzugeben, davon hätten wir bereits genug, ihm geht es darum uns zur direkten Erfahrung unseres wahren Selbst zu führen.

Ich saß anschließend noch direkt am Ganges bis die Menschenmassen sich etwas gelichtet hatten. Dann machte ich mich auf die Suche nach meinen Sandalen. Ich hatte sie am Zelteingang ausgezogen aber da waren sie nicht mehr. Ich nahm es gelassen, denn ich kenne das schon. Ich fand sie auch bald denn meine Sandalen sind pink und stechen schön raus.

Ich werde immer gelassener und ruhe mehr und mehr in mir selber. Es macht mir auch fast nichts mehr aus alleine in ein Restaurant zu gehen. Es ist sogar ok alleine zu sein. Ich suche nicht nach sozialen Kontakten, wenn es sich ergibt gut, wenn nicht auch gut. Mein Fokus sind die Satsangs mit Mooji und mich darin zu üben zu beobachten und nicht zu identifizieren. Auch versuche ich immer einen Teil meiner Aufmerksamkeit im Körper zu halten, dies hilft mir bei mir selber zu bleiben.

Jetzt bin ich schon eine Woche hier. Was ich bisher gelernt habe? Nichts! Aber ich merke wie ich mich verändere. Es fällt mir einfacher nichts zu tun und einfach zu sein.

03.03.2019

Der Satsang von heute war wirklich sehr berührend und straight to the point! Es ist sozusagen die Essenz von Mooji’s Lehre. Ich kann hier nicht wiedergeben was er erzählt hat aber man kann bei Interesse das Video problemlos auf YouTube anschauen: Mooji Rishikesh 2019. Es wird alles live gestreamed und man kann es auch später noch anschauen.

Ich sass heute ganz vorne in der 4. Reihe direkt vor Mooji. Es war einerseits sehr schön soweit vorne zu sitzen und Mooji so nahe zu sein, andererseits körperlich aber auch eine grosse Herausforderung. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie eng man hier zusammen sitzt. Ich sass anfangs im Schneidersitz aber dann schliefen mir die Füsse ein und ich musste wieder die Position wechseln und dies nicht nur einmal sondern gefühlt 100 Mal. Die Frau vor mir sass praktisch in meinem Schoss und hinter mir fühlte ich die Knie von jemandem in meinem Rücken. Auf der linken Seite konnte ich mein Knie meistens platzieren aber rechts lag mein Knie auf dem Bein eines anderen. Es war echt eine Tortur und trotzdem möchte ich die Erfahrung nicht missen! Sobald Mooji reinkommt entspannt man so gut es geht und hört nur noch auf seine Worte und die habe ich heute aufgesogen wie ein Schwamm.

Manchmal senden Leute Mooji E-Mails oder Briefe, die er dann während dem Satsang beantwortet. Heute tat er dies auch und der Brief war von einer Frau, die anwesend war. Es hat mich total berührt, weil es auch mein Brief hätte sein können und so ging es wohl vielen im Raum. Sie sprach von ihren Ängsten und ihrer Verzweiflung und fast jeder fühlte sich angesprochen.

Nach dem Satsang ging ich wieder auf meinen täglichen Spaziergang entlang des Ganges. Es war zum ersten Mal heiß an der Sonne, ich fühlte mich schlapp und irgendwie verlangsamt. Keine Energie… Ich weiß nicht ob es die Nachwehen des Satsangs waren aber ich nahm es einfach ruhig.

Was hier in Indien auffällt ist, dass es extrem viele Männer gibt und wenig Frauen. Entweder sind die Frauen zu Hause oder es gibt weniger als Männer. Als ich in den 90er Jahren hier war, hieß es, dass weibliche Babies oft ausgesetzt werden nach der Geburt. Wahrscheinlich weil man als Frau in Indien nicht viel wert ist und wohl auch wegen der Mitgift, die die Väter bereitstellen müssen wenn die Tochter heiratet. Ich weiß nicht, ob dies heute auch noch so ist aber es würde auf jeden Fall den Frauenmangel erklären. Man spürt auch viel unterdrückte Sexualität bei den indischen Männern, was wohl auch ein Grund ist, warum Indien als Frau alleine nachts so gefährlich ist. Man sieht viele junge Männer Hand in Hand gehen, wahrscheinlich weil sie mit einer Frau erst zusammen sein dürfen wenn sie verheiratet sind.

Als ich zu Hause war habe ich mir den Satsang von Mooji Baba nochmals angehört und beschlossen nicht mehr raus zu gehen. Zum Abendessen gab es ein kleine Packung Cashewnüsse. Hier findet im Moment ein Fest, Mahashivratri, zu Ehren Shivas Geburtstag statt und ich fühlte mich nicht danach in den Trubel rauszugehen. Ich weiß nicht, ob dies das Holifestival ist, wenn ja werden sie irgendwann anfangen Wasser und Farbe rumzuwerfen. Besser man hat dann nicht seine Lieblingsklotten an, denn die Farbe kriegt man nur schwer wieder weg.

02.03.2019 Rishikesh

Heute hatte ich keine Panikattacken wegen vorgeblich nicht gelöschter Kerzen. Nichts konnte mich heute aufhalten am Satsang teilzunehmen.

Ich scheine mich im Moment immer in die falsche Reihe zu stellen. Ich habe mir aber in der Zwischenzeit ein Kissen gekauft und somit macht es auch nichts aus wenn ich weiter hinten sitze. Ich hatte trotzdem gute Sicht auf Mooji und ich glaube nicht, dass es wichtig ist möglichst weit vorne zu sitzen. Seine Energie erreicht den letzten Winkel😉.

Heute kamen die Fragen vor allem vom Verstand deshalb war es etwas kopflastig. Ich bewundere Mooji wie geduldig er ist und immer versucht jeden der Wahrheit etwas näher zu bringen.

Am Nachmittag ging ich auf meinen üblichen Spaziergang dem Ganges entlang. Täglich finden hier Kremationen statt. Für die Hindus ist der Ganges ein heiliger Fluss. Es gibt auch eine entsprechende Göttin dazu: Ganga. Nach dem Tod hier am Fluss verbrannt zu werden ist wohl der Wunsch jedes Hindus. Die Asche wird dann anschließend in den Ganges geworfen. Leider haben arme Leute meist nicht genug Geld um ausreichend Holz zu kaufen. Deshalb landet oft nicht nur die Asche im Fluss. Er wirkt aber sehr sauber und hat eine schöne Farbe. Die Hindus glauben ja an die reinigende Kraft des Flusses, deshalb Baden sie darin.

Der Ganges entspringt irgendwo im Himalaya und von hier aus gibt es Touren wo man zur Quelle des Ganges wandern kann. Der Satsang endet am 10. März, vielleicht ist das etwas was ich dann unternehmen könnte. Habe aber auch gehört, dass es ziemlich hoch hinauf geht und leider werde ich höhenkrank.

Um 18.30 war ein Konzert von der Gruppe Prem Leela. Diese Gruppe ist innig verbunden mit Mooji Baba und lebt in Monte Sahaja, dies ist der Ort wo Mooji mit der Sangha (Gemeinschaft) lebt. Es war richtig gut und die Menschen haben getanzt und gesungen. In dem Raum war so eine hohe Energie, dass man förmlich mitgerissen wurde. Mooji war übrigens auch da und hat mitgesungen, nein getanzt hat er nicht.

Da ich alleine hierher gekommen war musste ich ein paar andere Leute finden, die mit mir nach Tapovan (Ortsteil wo ich wohne) zurück fuhren. Es ist gefährlich hier nachts alleine unterwegs zu sein, vor allem als Frau. Vor dem Ashram sprach ich dann eine Frau und einen Mann an und hatte Glück. Sie warteten noch auf andere ihrer Gruppe. Ich war auf die Sangha von Estonien gestoßen, dies liegt irgendwo zw. Finnland und Russland. Wir liefen zusammen zurück zur Hauptstraße und nahmen dort ein TukTuk. Der normale Preis ist 10 Rupien habe ich erfahren. Somit habe ich gestern nicht nur 10x soviel bezahlt sondern 30x👿! Na ja die Inder sind Meister im Business und ist ja klar, dass sie von den reichen Westlern mehr nehmen. Man darf einfach nicht sagen, dass man zu Mooji will.

Das letzte Stück bin ich dann alleine gelaufen. War aber ok, es waren noch genug Leute unterwegs um 21.30h. Aber mulmig war es mir schon, vor allem hatte es Abschnitte, die kaum beleuchtet waren.

Ich bin dann noch ins Restaurant da ich seit 13.30h nichts gegessen hatte und ich nicht hungrig ins Bett wollte. Ich habe ja praktisch vor meiner Haustür richtig gute Restaurants😉.

Zuhause gab es dann noch eine Kübeldusche und dann ging es mit vollem Bauch und rundum zufrieden ins Bett😴.

01.03.2019 What I tell you is the Truth, Moojii

Was für ein Tag oder zumindest der Morgen. Der Ablauf am Morgen ist irgendwie bereits zur Routine geworden und alles verlief wie immer bis ich in der Schlange anstand wo die Reihen ausgelost werden, wer zuerst rein darf. Plötzlich kam mir der Gedanke, dass ich vergessen hatte die Kerzen auszublasen als ich das Zimmer heute Morgen verließ. Ich konnte mich beim besten Willen nicht erinnern, ob ich sie ausgeblasen hatte oder nicht. In Gedanken sah ich das Zimmer mit all meinen Sachen, inkl. Geld und Reisepass in Flammen aufgehen. Die Angst war nicht ganz unbegründet, da die Kerzen direkt auf einem Holztisch stehen. Ich stand in der Reihe, wartete darauf, dass wir reingehen konnten und wusste gleichzeitig nicht was ich tun sollte. Ich war regelrecht in Panik und in mir brodelte es. Ein gutes Beispiel dafür was passiert wenn man die Beobachterposition verliert und sich total mit einem Gedanken identifiziert. Einerseits wollte ich unbedingt Mooji sehen und andererseits wusste ich, dass ich keine ruhige Minute haben würde, wenn ich nicht zurück fahren würde. Deshalb beschloss ich schweren Herzens zurück zu gehen und dann den Satsang live von meinem Zimmer über das Internet zu verfolgen. Ich musste ein TukTuk alleine für mich nehmen und war ziemlich genervt weil der Fahrer natürlich möglichst viel rausholen wollte. Am Schluss gab ich einfach nach, da ich so schnell wie möglich zurück wollte und zahlte 10x soviel wie am Morgen früh. Manchmal hasse ich die Inder! In meinem Zimmer musste ich dann feststellen, dass ich mir die ganze Aktion hätte sparen können: Ich hatte die Kerzen ausgeblasen😡! War das nun mein Ego, welches mich davon abhalten wollte am Satsang teilzunehmen? Keine Ahnung aber ich beschloss, dem Ganzen keine Energie zu geben. Ich schaute mir dann den Satsang von Mooji auf dem Internet an, was auch nicht ganz problemlos verlief. Erstens wurde die Verbindung wegen Stromausfall (absolut normal in Indien, da das Netz von allen ständig angezapft wird und völlig überlastet ist) unterbrochen und zweitens dröhnte laute indische Musik durch mein Fenster👿. Irgendwann gab ich es dann auf und ging Mittagessen in ein Restaurant direkt am Ganges, wo ich mich für meine erlittenen Qualen mit einem guten Essen entschädigte.

Um 15.30 zeigten sie im Ashram ein Video wo Mooji mit seinem Betreuerteam spricht. Wie Satsang aber in einem viel kleineren und persönlicherem Rahmen. Ich lief dieses Mal beide Wege. Ich wusste nicht wirklich wo ich zum Ashram abbiegen muss und lief einfach drauf los. Irgendwann hatte ich das Gefühl bereits zu weit gegangen zu sein und wollte bereits umkehren. Da sah ich ein paar Westler und lief Ihnen einfach hinterher. Sie führten mich genau vor den Eingang😉. Es ist schon so, wir werden geführt, wenn wir es zulassen und der Verstand nicht dazwischen funkt. Da ich soviel sitze ist es gut mich zu bewegen und zu laufen. Heute Abend habe ich dann auch noch das beste Thali gegessen. Thali sind verschiedene kleine Gerichte mit Reis und indischem Brot, sehr lecker😋. Wie ihr seht war nur der halbe Tag für die Katz und doch auch lehrreich. Es hat mir gezeigt wie man sich in etwas reinsteigern kann und wie schwer es ist in so einem Moment nur der Beobachter zu sein.

28.02.2019 3. Tag I-Watching

Am Morgen ist es wirklich schrecklich kalt hier 🥶 und es macht das Aufstehen nicht unbedingt einfacher. Ich musste wieder meinen inneren Schweinehund überwinden, dass ich aus dem warmen Bett kam. Morgens hat es hier im Moment 8 Grad und dass ohne Heizung. Das einzige was mich motiviert sind die 2 Std. mit Mooji, die sind alle Widrigkeiten wert und alles was ich im Moment brauche.

Ich ging so kurz nach 7.00 los und musste etliche Mitfahrgelegenheiten ausschlagen. Ich nehme erst oben an der Hauptstraße ein TukTuk (größere Rickshaw) da ich weiß, dass man mit anderen zusammen fahren kann.

Oben angekommen gab es meinen geliebten Chai und dann kaufte ich noch meine obligaten Bananen aus Mangel anderer Alternativen. Habe ich schon erwähnt, dass ich sonst nie Bananen esse😉? Dann konnte es losgehen. Die Fahrt dauert ca. 15-20 Min., man wird ganz schön durchgeschüttelt und es bläst ein kalter Wind. In diesen TukTuks hat es nämlich keine Fenster.

Die Warteschlange war wieder etwa gleich lang wie gestern. Eine Italienerin fragte mich wann es denn anfängt und ich meinte, dass ca. um 7.45h die Tore des Ashrams aufgehen. Es war natürlich schon später und ich meinte, dass Geduld wohl die erste Lektion sei die wir Westler lernen müssen. Das hat sie total getriggert und sie meinte zu ihrem Freund, dass ich bestimmt eine Engländerin sei und sie keine Lust hätte auf meine philosophischen Bemerkungen oder so ähnlich. Ich musste innerlich lachen, weil ich natürlich keine Engländerin bin und außerdem verstanden habe was sie gesagt hat und auch war es interessant zu sehen wie schnell unsere Ego’s doch getriggert werden können. Mein Ego auch kein Zweifel.

Ich hatte heute nicht so viel Glück wie am ersten Tag und kam nicht mit der 1. Reihe rein. Da wo ich saß gab es gar keine Kissen, Gottseidank hatte ich mein Reisekissen dabei. Ich rollte meine Daunenjacke zusammen und benutzte diese als zusätzliches Polster. Neben mir saß ein Inder und vor ihm eine Frau in einem Meditationsstuhl. Dieser hing so durch, dass sie praktisch im Schoß des Inders saß. Ich wollte etwas sagen und tat es dann doch nicht. Für den Inder schien es kein Problem zu sein oder vielleicht wehren sie sich einfach nicht.

Der Satsang war wieder sehr schön und Mooji gab uns die Übung des I-Watching. Wir sollten uns in ein Café setzen und die Menschen beobachten wenn sie miteinander sprechen. Wir sollten darauf achten, von wo aus sie sprechen, von ihrem Ego oder von ihrem wahren Selbst heraus. Dies würde uns helfen, die Stimmen in uns selber auseinander zu halten.

Ich übe mich momentan im Beobachten und mich nicht mit einem Gedanken zu identifizieren. Ich versuche nur der Beobachter zu sein. Ist gar nicht so einfach. Man merkt wie schnell unsere Aufmerksamkeit von etwas angezogen wird und schon sind wir mittendrin in der Geschichte.

Ich bin jetzt voll und ganz in Rishikesh angekommen. Habe mich an das Chaos und die Art der Inder gewöhnt. Der Lärm stresst mich auch nicht mehr. Es fühlt sich fast schon wieder an wie zu Hause. Indien war ja lange meine zweite Heimat von 1989 bis 1998. Damals bin ich regelmäßig für ein paar Monate hierher gekommen.

Nach dem Satsang bin ich wieder zu Fuß zurück gelaufen. Wenn man zügig läuft, hat man ca. 1 Stunde aber ich bin mehr geschlendert. Schließlich musste ich immer wieder anhalten weil es was zu essen gab oder ich einen Tee trinken wollte. Kann man in Rishikesh alles im Vorbeigehen erledigen😉. Es gibt an jeder Ecke einen Foodstand oder einen Chai-Wallah.

Abends bin ich in die German Bakery, wo ich Momos gegessen habe und mit So (so habe ich es verstanden), einer Deutschen die in Südafrika lebt, eine sehr schöne Unterhaltung hatte. Es gibt Menschen, die sind einem sogleich vertraut und man führt die tiefsten Gespräche ohne sich zu kennen.

Sie hat mir was spannendes erzählt. Sie saß in ihrem Hotelzimmer auf dem Bett und hat bei offenem Fenster meditiert. Als sie kurz die Augen öffnete, saß ihr gegenüber ein ziemlich großer Affe. Sie hatte nicht bemerkt wie er rein gekommen war. Sie saßen sich einfach gegenüber und haben sich angeschaut. Sie hatte sogar Essen auf dem Bett aber das hat er nicht angerührt. Sie war absolut ratlos was sie tun sollte. Irgendwann hat sie zu dem Affen gesagt er müsse jetzt gehen. Keine Reaktion. Später hat sie ihm nochmals dezidiert gesagt, dass er jetzt gehen müsste und hat ihn ein bisschen angeschubst. Dann ging er dann wirklich. Er saß dann noch lange vor dem Fenster und hat ihr Geschichten erzählt. Sie meinte, dass er überhaupt nicht aggressiv wirkte, vielleicht wollte er ja nur mit ihr meditieren😂.

27.02.2019 Erster Satsang mit Mooji

Eines vorweg, hier ist es nass und kalt! Ich hätte mehr warme Kleider mitnehmen sollen und am besten Goretex oder meine geliebte Ferrino Regenpellerine. Brrrr! Nicht mal die Inder laufen in ihren geliebten Flip Flops rum oder zumindest nicht ohne Socken😉. Aber es gibt ja nichts was man in Indien nicht kaufen könnte. Der Kleiderstil hier ist sehr hippiemässig aber in der Not verzichtet der Teufel halt auf Prada😂.

Ich war gestern um 21.00 bereits im Bett und habe sogleich geschlafen. Habe nicht einmal Oropax gebraucht. Der Schlaf war dringend nötig nach meiner schlaflosen Nacht während der Anreise.

Um 6.30 bin ich aufgestanden und nachdem ich meine 7 Sachen beieinander hatte Richtung großer Straße aufgebrochen. Irgendwo da oben sollte nämlich der Rickshaw-Stand sein. Mein Plan war unterwegs zu frühstücken, nur gab es leider nichts was um diese Zeit schon offen hatte außer man wollte sich gleich am Morgen früh an einem Straßen-Essensstand den Magen verderben. Auf der Hauptstrasse fand ich dann einen Gemüse- und Früchteladen , wo ich mir 2 Bananen kaufte. Dies scheint das normale Frühstück zu sein für die welche zum Satsang gehen und wahrscheinlich meine Wahl für die nächsten 2 Wochen😉.

Ich fuhr dann im Sammeltaxi für nicht einmal -.50 Rappen 2km bis zum Ashram wo der Satsang stattfand. Unterwegs dahin lernte ich Susanne kennen und sie weihte mich in alles ein was ich wissen musste. Dort angekommen sah man schon eine lange Warteschlange. Susanne meinte aber, dass wir ziemlich weit vorne seien… Während dem Warten wurden wir mit Chai versorgt. In der kleinen Gasse vor dem Ashram, hat es jede Menge kleine Shops wo man sich mit dem Nötigsten versorgen kann. Das ist Indien wie ich es kenne. Anstatt sich über die vielen Westler aufzuregen, verdient man an ihnen und somit ist beiden gedient.

Im Ashram wurden dann unsere Taschen durchsucht und es gab sogar ein kleines Zelt für Leibesvisitationen🤭. Ich meinte es sei das Klo und bin zielstrebig darauf zugesteuert. Ein Ashramit (jemand der in einem Ashram lebt😉) hat mich dann freundlich aber dezidiert zurückgehalten.

Wir mussten uns dann in ca. 10 verschiedene Warteschlangen einreihen. Dann gab es eine Lotterie wo ausgelost wurde, welche Reihe zuerst rein durfte. Damit wollen sie vermeiden, dass die Leute schon um 6.00 anstehen. Das Glück war mir hold und ich war in der Reihe, die als erste rein durfte. Somit konnte ich sitzen wo ich wollte. Ich hätte in der ersten Reihe Platz nehmen können aber das war mir doch etwas zu nahe für meinen ersten Satsang mit Mooji. Aber ich hatte dennoch einen sehr guten Platz😊.

Um 9.15 wurde dann eine Meditation von Mooji gespielt um uns einzustimmen. Wir saßen wirklich sehr eng zusammen und es war auch ziemlich unbequem und schmerzhaft auf diesen kleinen Kissen, vor allem für uns Westler. Aber was macht man nicht alles um der Wahrheit etwas näher zu kommen.

Um 10.00 kam dann Mooji endlich und das war ein sehr spezieller Moment für mich. Letzten Herbst war ich in einem ziemlichen Tief, mir ging es psychisch so schlecht, dass ich nicht mal in die Ferien gefahren bin. Ich war bereits am Telefon mit einem Psychiater und wollte einen Termin abmachen und dann bin ich wie aufgewacht und habe mich gefragt, was ich hier eigentlich mache. Es war mir plötzlich klar, dass ich keinen Psychiater brauche um mein Ego zu verbessern sondern jemanden der erwacht ist und mir hilft zu erfahren wer ich wirklich bin. So bin ich dann nicht in die Bretagne gefahren um wandern zu gehen sondern bin zu Hause geblieben und habe mir auf YouTube Videos von Mooji angeschaut und meditiert. Dies hat mir sehr durch mein Tief geholfen und als ich hörte, dass er in Rishikesh ist wollte ich da hin trotz aller meiner Ängste, welche diese Entscheidung mit sich brachte. Ich bekam dann auch noch unbezahlten Urlaub und hier bin ich.

Ich habe nur gedacht: „Ich bin hier, ich habe es wirklich geschafft, ich bin hier“. Ihn Live sehen und sprechen zu hören ist schon noch etwas anderes als auf den Videos. Es hat mich sehr berührt. Er ist so einfach, direkt und dazu super witzig. Der Satsang war wirklich sehr schön und ich freue mich bereits auf Morgen. Da nimmt man auch das ganze Drumherum in Kauf und das lange Warten.

Nach dem Satsang bin ich dann mit Susanne und knurrendem Magen zu Mother Miracle. Eine Frau aus Amerika, die hier ein Waisenhaus eröffnet hat und mit dem Restaurant das Waisenhaus unterstützt. Das Essen war leider ein bisschen zu sehr auf Westler ausgerichtet und deshalb eher fade.

Anschließend sind wir dem Ganges entlang zurück gelaufen. Das war toll! Wir sind an gefühlt 100 Ashrams und Yogazentren vorbeigekommen. Man nennt Rishikesh nicht nur zufällig die Hochburg des Yogas😉. Anfang März beginnt hier auch noch das jährliche Yogafestival. Es wird also noch voller werden.

Am Ende unseres Spazierganges landeten wir in der German Bakery. Dies war schon in der Zeit als ich in Poona war ein sehr beliebter Ort. Der Ort wird von Nepalis geführt und das ist ein riesiger Unterschied zu Indien. Nepalis sind viel offener, freier und zugänglicher als Inder.