02.03.2019 Rishikesh

Heute hatte ich keine Panikattacken wegen vorgeblich nicht gelöschter Kerzen. Nichts konnte mich heute aufhalten am Satsang teilzunehmen.

Ich scheine mich im Moment immer in die falsche Reihe zu stellen. Ich habe mir aber in der Zwischenzeit ein Kissen gekauft und somit macht es auch nichts aus wenn ich weiter hinten sitze. Ich hatte trotzdem gute Sicht auf Mooji und ich glaube nicht, dass es wichtig ist möglichst weit vorne zu sitzen. Seine Energie erreicht den letzten Winkel😉.

Heute kamen die Fragen vor allem vom Verstand deshalb war es etwas kopflastig. Ich bewundere Mooji wie geduldig er ist und immer versucht jeden der Wahrheit etwas näher zu bringen.

Am Nachmittag ging ich auf meinen üblichen Spaziergang dem Ganges entlang. Täglich finden hier Kremationen statt. Für die Hindus ist der Ganges ein heiliger Fluss. Es gibt auch eine entsprechende Göttin dazu: Ganga. Nach dem Tod hier am Fluss verbrannt zu werden ist wohl der Wunsch jedes Hindus. Die Asche wird dann anschließend in den Ganges geworfen. Leider haben arme Leute meist nicht genug Geld um ausreichend Holz zu kaufen. Deshalb landet oft nicht nur die Asche im Fluss. Er wirkt aber sehr sauber und hat eine schöne Farbe. Die Hindus glauben ja an die reinigende Kraft des Flusses, deshalb Baden sie darin.

Der Ganges entspringt irgendwo im Himalaya und von hier aus gibt es Touren wo man zur Quelle des Ganges wandern kann. Der Satsang endet am 10. März, vielleicht ist das etwas was ich dann unternehmen könnte. Habe aber auch gehört, dass es ziemlich hoch hinauf geht und leider werde ich höhenkrank.

Um 18.30 war ein Konzert von der Gruppe Prem Leela. Diese Gruppe ist innig verbunden mit Mooji Baba und lebt in Monte Sahaja, dies ist der Ort wo Mooji mit der Sangha (Gemeinschaft) lebt. Es war richtig gut und die Menschen haben getanzt und gesungen. In dem Raum war so eine hohe Energie, dass man förmlich mitgerissen wurde. Mooji war übrigens auch da und hat mitgesungen, nein getanzt hat er nicht.

Da ich alleine hierher gekommen war musste ich ein paar andere Leute finden, die mit mir nach Tapovan (Ortsteil wo ich wohne) zurück fuhren. Es ist gefährlich hier nachts alleine unterwegs zu sein, vor allem als Frau. Vor dem Ashram sprach ich dann eine Frau und einen Mann an und hatte Glück. Sie warteten noch auf andere ihrer Gruppe. Ich war auf die Sangha von Estonien gestoßen, dies liegt irgendwo zw. Finnland und Russland. Wir liefen zusammen zurück zur Hauptstraße und nahmen dort ein TukTuk. Der normale Preis ist 10 Rupien habe ich erfahren. Somit habe ich gestern nicht nur 10x soviel bezahlt sondern 30x👿! Na ja die Inder sind Meister im Business und ist ja klar, dass sie von den reichen Westlern mehr nehmen. Man darf einfach nicht sagen, dass man zu Mooji will.

Das letzte Stück bin ich dann alleine gelaufen. War aber ok, es waren noch genug Leute unterwegs um 21.30h. Aber mulmig war es mir schon, vor allem hatte es Abschnitte, die kaum beleuchtet waren.

Ich bin dann noch ins Restaurant da ich seit 13.30h nichts gegessen hatte und ich nicht hungrig ins Bett wollte. Ich habe ja praktisch vor meiner Haustür richtig gute Restaurants😉.

Zuhause gab es dann noch eine Kübeldusche und dann ging es mit vollem Bauch und rundum zufrieden ins Bett😴.

01.03.2019 What I tell you is the Truth, Moojii

Was für ein Tag oder zumindest der Morgen. Der Ablauf am Morgen ist irgendwie bereits zur Routine geworden und alles verlief wie immer bis ich in der Schlange anstand wo die Reihen ausgelost werden, wer zuerst rein darf. Plötzlich kam mir der Gedanke, dass ich vergessen hatte die Kerzen auszublasen als ich das Zimmer heute Morgen verließ. Ich konnte mich beim besten Willen nicht erinnern, ob ich sie ausgeblasen hatte oder nicht. In Gedanken sah ich das Zimmer mit all meinen Sachen, inkl. Geld und Reisepass in Flammen aufgehen. Die Angst war nicht ganz unbegründet, da die Kerzen direkt auf einem Holztisch stehen. Ich stand in der Reihe, wartete darauf, dass wir reingehen konnten und wusste gleichzeitig nicht was ich tun sollte. Ich war regelrecht in Panik und in mir brodelte es. Ein gutes Beispiel dafür was passiert wenn man die Beobachterposition verliert und sich total mit einem Gedanken identifiziert. Einerseits wollte ich unbedingt Mooji sehen und andererseits wusste ich, dass ich keine ruhige Minute haben würde, wenn ich nicht zurück fahren würde. Deshalb beschloss ich schweren Herzens zurück zu gehen und dann den Satsang live von meinem Zimmer über das Internet zu verfolgen. Ich musste ein TukTuk alleine für mich nehmen und war ziemlich genervt weil der Fahrer natürlich möglichst viel rausholen wollte. Am Schluss gab ich einfach nach, da ich so schnell wie möglich zurück wollte und zahlte 10x soviel wie am Morgen früh. Manchmal hasse ich die Inder! In meinem Zimmer musste ich dann feststellen, dass ich mir die ganze Aktion hätte sparen können: Ich hatte die Kerzen ausgeblasen😡! War das nun mein Ego, welches mich davon abhalten wollte am Satsang teilzunehmen? Keine Ahnung aber ich beschloss, dem Ganzen keine Energie zu geben. Ich schaute mir dann den Satsang von Mooji auf dem Internet an, was auch nicht ganz problemlos verlief. Erstens wurde die Verbindung wegen Stromausfall (absolut normal in Indien, da das Netz von allen ständig angezapft wird und völlig überlastet ist) unterbrochen und zweitens dröhnte laute indische Musik durch mein Fenster👿. Irgendwann gab ich es dann auf und ging Mittagessen in ein Restaurant direkt am Ganges, wo ich mich für meine erlittenen Qualen mit einem guten Essen entschädigte.

Um 15.30 zeigten sie im Ashram ein Video wo Mooji mit seinem Betreuerteam spricht. Wie Satsang aber in einem viel kleineren und persönlicherem Rahmen. Ich lief dieses Mal beide Wege. Ich wusste nicht wirklich wo ich zum Ashram abbiegen muss und lief einfach drauf los. Irgendwann hatte ich das Gefühl bereits zu weit gegangen zu sein und wollte bereits umkehren. Da sah ich ein paar Westler und lief Ihnen einfach hinterher. Sie führten mich genau vor den Eingang😉. Es ist schon so, wir werden geführt, wenn wir es zulassen und der Verstand nicht dazwischen funkt. Da ich soviel sitze ist es gut mich zu bewegen und zu laufen. Heute Abend habe ich dann auch noch das beste Thali gegessen. Thali sind verschiedene kleine Gerichte mit Reis und indischem Brot, sehr lecker😋. Wie ihr seht war nur der halbe Tag für die Katz und doch auch lehrreich. Es hat mir gezeigt wie man sich in etwas reinsteigern kann und wie schwer es ist in so einem Moment nur der Beobachter zu sein.

28.02.2019 3. Tag I-Watching

Am Morgen ist es wirklich schrecklich kalt hier 🥶 und es macht das Aufstehen nicht unbedingt einfacher. Ich musste wieder meinen inneren Schweinehund überwinden, dass ich aus dem warmen Bett kam. Morgens hat es hier im Moment 8 Grad und dass ohne Heizung. Das einzige was mich motiviert sind die 2 Std. mit Mooji, die sind alle Widrigkeiten wert und alles was ich im Moment brauche.

Ich ging so kurz nach 7.00 los und musste etliche Mitfahrgelegenheiten ausschlagen. Ich nehme erst oben an der Hauptstraße ein TukTuk (größere Rickshaw) da ich weiß, dass man mit anderen zusammen fahren kann.

Oben angekommen gab es meinen geliebten Chai und dann kaufte ich noch meine obligaten Bananen aus Mangel anderer Alternativen. Habe ich schon erwähnt, dass ich sonst nie Bananen esse😉? Dann konnte es losgehen. Die Fahrt dauert ca. 15-20 Min., man wird ganz schön durchgeschüttelt und es bläst ein kalter Wind. In diesen TukTuks hat es nämlich keine Fenster.

Die Warteschlange war wieder etwa gleich lang wie gestern. Eine Italienerin fragte mich wann es denn anfängt und ich meinte, dass ca. um 7.45h die Tore des Ashrams aufgehen. Es war natürlich schon später und ich meinte, dass Geduld wohl die erste Lektion sei die wir Westler lernen müssen. Das hat sie total getriggert und sie meinte zu ihrem Freund, dass ich bestimmt eine Engländerin sei und sie keine Lust hätte auf meine philosophischen Bemerkungen oder so ähnlich. Ich musste innerlich lachen, weil ich natürlich keine Engländerin bin und außerdem verstanden habe was sie gesagt hat und auch war es interessant zu sehen wie schnell unsere Ego’s doch getriggert werden können. Mein Ego auch kein Zweifel.

Ich hatte heute nicht so viel Glück wie am ersten Tag und kam nicht mit der 1. Reihe rein. Da wo ich saß gab es gar keine Kissen, Gottseidank hatte ich mein Reisekissen dabei. Ich rollte meine Daunenjacke zusammen und benutzte diese als zusätzliches Polster. Neben mir saß ein Inder und vor ihm eine Frau in einem Meditationsstuhl. Dieser hing so durch, dass sie praktisch im Schoß des Inders saß. Ich wollte etwas sagen und tat es dann doch nicht. Für den Inder schien es kein Problem zu sein oder vielleicht wehren sie sich einfach nicht.

Der Satsang war wieder sehr schön und Mooji gab uns die Übung des I-Watching. Wir sollten uns in ein Café setzen und die Menschen beobachten wenn sie miteinander sprechen. Wir sollten darauf achten, von wo aus sie sprechen, von ihrem Ego oder von ihrem wahren Selbst heraus. Dies würde uns helfen, die Stimmen in uns selber auseinander zu halten.

Ich übe mich momentan im Beobachten und mich nicht mit einem Gedanken zu identifizieren. Ich versuche nur der Beobachter zu sein. Ist gar nicht so einfach. Man merkt wie schnell unsere Aufmerksamkeit von etwas angezogen wird und schon sind wir mittendrin in der Geschichte.

Ich bin jetzt voll und ganz in Rishikesh angekommen. Habe mich an das Chaos und die Art der Inder gewöhnt. Der Lärm stresst mich auch nicht mehr. Es fühlt sich fast schon wieder an wie zu Hause. Indien war ja lange meine zweite Heimat von 1989 bis 1998. Damals bin ich regelmäßig für ein paar Monate hierher gekommen.

Nach dem Satsang bin ich wieder zu Fuß zurück gelaufen. Wenn man zügig läuft, hat man ca. 1 Stunde aber ich bin mehr geschlendert. Schließlich musste ich immer wieder anhalten weil es was zu essen gab oder ich einen Tee trinken wollte. Kann man in Rishikesh alles im Vorbeigehen erledigen😉. Es gibt an jeder Ecke einen Foodstand oder einen Chai-Wallah.

Abends bin ich in die German Bakery, wo ich Momos gegessen habe und mit So (so habe ich es verstanden), einer Deutschen die in Südafrika lebt, eine sehr schöne Unterhaltung hatte. Es gibt Menschen, die sind einem sogleich vertraut und man führt die tiefsten Gespräche ohne sich zu kennen.

Sie hat mir was spannendes erzählt. Sie saß in ihrem Hotelzimmer auf dem Bett und hat bei offenem Fenster meditiert. Als sie kurz die Augen öffnete, saß ihr gegenüber ein ziemlich großer Affe. Sie hatte nicht bemerkt wie er rein gekommen war. Sie saßen sich einfach gegenüber und haben sich angeschaut. Sie hatte sogar Essen auf dem Bett aber das hat er nicht angerührt. Sie war absolut ratlos was sie tun sollte. Irgendwann hat sie zu dem Affen gesagt er müsse jetzt gehen. Keine Reaktion. Später hat sie ihm nochmals dezidiert gesagt, dass er jetzt gehen müsste und hat ihn ein bisschen angeschubst. Dann ging er dann wirklich. Er saß dann noch lange vor dem Fenster und hat ihr Geschichten erzählt. Sie meinte, dass er überhaupt nicht aggressiv wirkte, vielleicht wollte er ja nur mit ihr meditieren😂.

27.02.2019 Erster Satsang mit Mooji

Eines vorweg, hier ist es nass und kalt! Ich hätte mehr warme Kleider mitnehmen sollen und am besten Goretex oder meine geliebte Ferrino Regenpellerine. Brrrr! Nicht mal die Inder laufen in ihren geliebten Flip Flops rum oder zumindest nicht ohne Socken😉. Aber es gibt ja nichts was man in Indien nicht kaufen könnte. Der Kleiderstil hier ist sehr hippiemässig aber in der Not verzichtet der Teufel halt auf Prada😂.

Ich war gestern um 21.00 bereits im Bett und habe sogleich geschlafen. Habe nicht einmal Oropax gebraucht. Der Schlaf war dringend nötig nach meiner schlaflosen Nacht während der Anreise.

Um 6.30 bin ich aufgestanden und nachdem ich meine 7 Sachen beieinander hatte Richtung großer Straße aufgebrochen. Irgendwo da oben sollte nämlich der Rickshaw-Stand sein. Mein Plan war unterwegs zu frühstücken, nur gab es leider nichts was um diese Zeit schon offen hatte außer man wollte sich gleich am Morgen früh an einem Straßen-Essensstand den Magen verderben. Auf der Hauptstrasse fand ich dann einen Gemüse- und Früchteladen , wo ich mir 2 Bananen kaufte. Dies scheint das normale Frühstück zu sein für die welche zum Satsang gehen und wahrscheinlich meine Wahl für die nächsten 2 Wochen😉.

Ich fuhr dann im Sammeltaxi für nicht einmal -.50 Rappen 2km bis zum Ashram wo der Satsang stattfand. Unterwegs dahin lernte ich Susanne kennen und sie weihte mich in alles ein was ich wissen musste. Dort angekommen sah man schon eine lange Warteschlange. Susanne meinte aber, dass wir ziemlich weit vorne seien… Während dem Warten wurden wir mit Chai versorgt. In der kleinen Gasse vor dem Ashram, hat es jede Menge kleine Shops wo man sich mit dem Nötigsten versorgen kann. Das ist Indien wie ich es kenne. Anstatt sich über die vielen Westler aufzuregen, verdient man an ihnen und somit ist beiden gedient.

Im Ashram wurden dann unsere Taschen durchsucht und es gab sogar ein kleines Zelt für Leibesvisitationen🤭. Ich meinte es sei das Klo und bin zielstrebig darauf zugesteuert. Ein Ashramit (jemand der in einem Ashram lebt😉) hat mich dann freundlich aber dezidiert zurückgehalten.

Wir mussten uns dann in ca. 10 verschiedene Warteschlangen einreihen. Dann gab es eine Lotterie wo ausgelost wurde, welche Reihe zuerst rein durfte. Damit wollen sie vermeiden, dass die Leute schon um 6.00 anstehen. Das Glück war mir hold und ich war in der Reihe, die als erste rein durfte. Somit konnte ich sitzen wo ich wollte. Ich hätte in der ersten Reihe Platz nehmen können aber das war mir doch etwas zu nahe für meinen ersten Satsang mit Mooji. Aber ich hatte dennoch einen sehr guten Platz😊.

Um 9.15 wurde dann eine Meditation von Mooji gespielt um uns einzustimmen. Wir saßen wirklich sehr eng zusammen und es war auch ziemlich unbequem und schmerzhaft auf diesen kleinen Kissen, vor allem für uns Westler. Aber was macht man nicht alles um der Wahrheit etwas näher zu kommen.

Um 10.00 kam dann Mooji endlich und das war ein sehr spezieller Moment für mich. Letzten Herbst war ich in einem ziemlichen Tief, mir ging es psychisch so schlecht, dass ich nicht mal in die Ferien gefahren bin. Ich war bereits am Telefon mit einem Psychiater und wollte einen Termin abmachen und dann bin ich wie aufgewacht und habe mich gefragt, was ich hier eigentlich mache. Es war mir plötzlich klar, dass ich keinen Psychiater brauche um mein Ego zu verbessern sondern jemanden der erwacht ist und mir hilft zu erfahren wer ich wirklich bin. So bin ich dann nicht in die Bretagne gefahren um wandern zu gehen sondern bin zu Hause geblieben und habe mir auf YouTube Videos von Mooji angeschaut und meditiert. Dies hat mir sehr durch mein Tief geholfen und als ich hörte, dass er in Rishikesh ist wollte ich da hin trotz aller meiner Ängste, welche diese Entscheidung mit sich brachte. Ich bekam dann auch noch unbezahlten Urlaub und hier bin ich.

Ich habe nur gedacht: „Ich bin hier, ich habe es wirklich geschafft, ich bin hier“. Ihn Live sehen und sprechen zu hören ist schon noch etwas anderes als auf den Videos. Es hat mich sehr berührt. Er ist so einfach, direkt und dazu super witzig. Der Satsang war wirklich sehr schön und ich freue mich bereits auf Morgen. Da nimmt man auch das ganze Drumherum in Kauf und das lange Warten.

Nach dem Satsang bin ich dann mit Susanne und knurrendem Magen zu Mother Miracle. Eine Frau aus Amerika, die hier ein Waisenhaus eröffnet hat und mit dem Restaurant das Waisenhaus unterstützt. Das Essen war leider ein bisschen zu sehr auf Westler ausgerichtet und deshalb eher fade.

Anschließend sind wir dem Ganges entlang zurück gelaufen. Das war toll! Wir sind an gefühlt 100 Ashrams und Yogazentren vorbeigekommen. Man nennt Rishikesh nicht nur zufällig die Hochburg des Yogas😉. Anfang März beginnt hier auch noch das jährliche Yogafestival. Es wird also noch voller werden.

Am Ende unseres Spazierganges landeten wir in der German Bakery. Dies war schon in der Zeit als ich in Poona war ein sehr beliebter Ort. Der Ort wird von Nepalis geführt und das ist ein riesiger Unterschied zu Indien. Nepalis sind viel offener, freier und zugänglicher als Inder.

26.02.2019 Ankunft in Rishikesh

Sommersprosse ist nicht nach Westen sondern wieder mal nach Osten unterwegs. Ja und die Reise ist dieses Mal nicht eine äußerliche sondern es geht mehr nach innen.

Ich werde die nächsten 2 Wochen am Satsang von Mooji Baba teilnehmen. Für jene die Mooji nicht kennen, er ist ein erleuchteter Meister oder einfach jemand der erkannt hat wer er wirklich ist und diese Wahrheit mit anderen teilt.

Aber jetzt mal von Anfang an, denn die abenteuerliche Reise hierher möchte ich euch ja nicht vorenthalten.

Es ging mal wieder früh los aber verglichen mit 3.00h morgens aufstehen war es dieses Mal fast schon human. Erst um 5.20 musste ich aus den Federn.

Es ging mit dem Zug in 3 Std. nach Frankfurt und dann mit Lufthansa in 7 Std. nach Dehli. Mit Lufthansa zu fliegen ist wirklich ein Genuss wenn man es mit EasyJet vergleicht. Man kriegt sogar noch heiße Tücher um sich zu erfrischen. Ich hatte auch eine 4er Reihe praktisch für mich alleine. Ich hätte mich hinlegen können, nur war ich leider nicht müde am Nachmittag oder frühen Abend.

Um 1.10 in der Früh waren wir dann bereits in Dehli (Zeitverschiebung 4.5 Std.). Wir mussten noch geschlagene 40 Min. im Flugzeug warten bis wir endlich ans Gate fahren konnten.

Bis hierher verlief meine Reise eigentlich ganz entspannt. Wenn man davon absieht, dass ich in Frankfurt einen absoluten Anfängerfehler machte und das Wasser zu früh kaufte. Bei der Kontrolle wurde es mir dann wieder abgenommen und ich musste noch einen Sprengstoff-Test über mich ergehen lassen. Das teuerste Wasser welches ich je auf einem Flughafen gekauft habe😲.

Auf dem Flughafen von Dehli, gab es so viele Menschen und ich schaffte es auch noch mich zuerst in die falsche Reihe einzureihen. Ich war in der Fastlane der Business- und Firstclass gelandet. Als ich dann meinen Irrtum bemerkte und in die andere Halle wechselte, traf mich fast der Schlag, da war eine schier endlose Schlange von wartenden Menschen. Mein Mut sank und ich sah das bestellte Taxi bereits ohne mich abfahren. Da wusste ich noch nicht, dass ich noch sehr lange würde auf das besagte Taxi warten müssen… Ich bemerkte, dass die Leute am anderen Schalter weniger lange warten mussten und wechselte rüber. Gottseidank war dieser Beamte in einem weniger meditativen Zustand als der Vorherige und benötige nicht 20 Min. pro Passagier und so ging es dann etwas schneller vorwärts.

Mein Gepäck war auch angekommen und jetzt musste ich nur noch Geld wechseln. Auf dem Flughafen kriegt man zwar einen miserablen Kurs aber ich musste ja irgendwie das Taxi bezahlen. Dieses fehlte mir nun noch zu meinem Glück. Als ich bei dem verabredeten Ausgang raus kam und mich wie abgemacht zur Säule 15 begab war leider kein Taxifahrer mit meinem Namensschild da. Ich hatte natürlich auf dem Handy kein Empfang und in das WLAN kam ich auch nicht. Ich war ziemlich ratlos was ich jetzt tun sollte. Ein anderer, sehr hilfsbereiter Taxifahrer, der auch nach Rishikesh fuhr, hat dann für mich dort angerufen. Der Fahrer war verspätet und ich musste nochmals 30 Min. warten. Als wir endlich losfuhren war es 4.30 morgens! Ich versuchte mit dem Fahrer zu sprechen aber er konnte kein Wort Englisch. Das einzige was er konnte, war nach 100 Rupies zu fragen als man einen Straßenzoll zahlen musste. Es war eine sehr wortkarge Fahrt dafür um so abenteuerlicher. Wer noch nie in Indien war würde wohl einen Herzinfarkt kriegen. Sie überholen links, rechts und das auch noch sehr knapp. Man quetscht sich dann einfach schnell zwischen zwei Autos wenn einem ein anderes entgegenkommt. Wer jetzt meint es sei nur dieser Fahrer, weit gefehlt, dies ist der übliche Fahrstil in Indien. Nichts für schwache Nerven!

So gegen 10.00 waren wir dann endlich da. Und in der Zwischenzeit war ich nervlich so am Ende, dass ich am liebsten gleich wieder umgekehrt wäre. Ich dachte nur noch, ich bin zu alt für Indien, für dieses Chaos, all den Dreck und die vielen Menschen. Mein Fahrer musste dann noch mehrmals nach dem Weg fragen. Am Schluss hat er mich auch noch übers Ohr gehauen aber ich war zu müde um mich zu wehren. Mann war ich froh, als ich endlich hier war und mich hinlegen konnte.

Ich habe ein Zimmer mit eigenem Bad in einem Bungalow. Die Dusche ist leider nicht fertig installiert worden aber ich habe einen Boiler und somit heißes Wasser. Ich weiß gar nicht, wann ich meine letzte Bucket Dusche hatte. Muss wohl auf meiner Asienreise in den 80igern gewesen sein. Aber das stört mich nicht. Ich bin mitten im Zentrum von Rishikesh und dafür ist es ziemlich ruhig für indische Verhältnisse.

Der Regen prasselt auf das Wellblechdach und ich versuche mich gerade dazu zu überwinden etwas essen zu gehen. Es ist auch ziemlich frisch am Fuße des Himalayas und im Bett ist es soooo gemütlich. Aber der Hunger treibt mich raus und es ist auch erst 18.00.

03.08.2018, Heimreise

Ich bin um 5.45 aufgewacht und habe angefangen meine Sachen im Zelt zusammenzulesen. Zuerst kommen immer die Sachen dran, die ich aus dem Bett aus erledigen kann. Dann drehe ich mich um und mache Frühstück. Heute war das ein Snicker, ein Stück Brot und das wichtigste: Kaffee. Der Gaskocher wird „immer“ außerhalb des Zeltes angezündet, da ich nicht das Zelt abfackeln will. Es gibt durchaus Ausnahmen wie bei schrecklich nassem und kaltem Wetter wie in Washington. Da habe ich auch manchmal im Zelt den Gaskocher benutzt. Sollte man natürlich nicht tun😉. Anschließend lasse ich die Luft aus meiner Luftmatratze. Fertig mit Gemütlichkeit! Dann packe ich meinen Rucksack, natürlich im Zelt, wie ich das auf dem PCT gelernt habe als es zum ersten Mal schneite. Zahnbürste, Zahnpasta und das Handtuch kommen oben in den Deckel da ich diese Sachen noch brauche. Wenn der Rucksack fertig ist schmeiße ich ihn aus dem Zelt, Geldgurt und Hut hinterher. Jetzt warten die hoffentlich trockenen Schuhe unter dem Vordach meines Zeltes. Ja und dann stehe ich auf oder ich probiere es zumindest. Es sieht meistens nicht so graziös aus aus dem Zelt zu kriechen. Wahrscheinlich kriegen das Jüngere besser hin wie ich. Meistens tut ja auch immer etwas weh oder man hat Muskelkater. Ja und jetzt heißt es Zelt abbauen. Wenn man Glück hat ist es trocken wie heute Morgen, wenn nicht feucht oder tropfnass wie in SJPDP. Und erst wenn alles erledigt ist gehe Zähne putzen und aufs Klo. Anschließend Stretching und Abmarsch😉. So sieht ein Morgen in meinem Hikerleben aus. Nur falls es euch interessiert, wenn nicht Abschnitt überspringen😂.

Ich hätte heute easy länger schlafen können aus irgendeinem Grund war ich heute Morgen besonders müde.Um 7.25 fuhr der Bus nach Lourdes. Die Fahrt habe ich nur im Dämmerzustand mitgekriegt. In Lourdes habe ich mit kurz die Kathedrale angesehen, zu mehr war ich leider nicht zu gebrauchen, hatte aber auch nur 1 Std. Aufenthalt. Ich habe ja Lourdes vor Jahren ausführlich besichtigt. Dann ging es mit dem TGV nach Bordeaux und da bin ich nun seit Mittag. Hier ist es 36 Grad heiß und meine Stadtbesichtigung wird wohl etwas kürzer ausfallen. Ich bin jetzt gerade in der Altstadt und Bordeaux ist durchaus eine Reise wert.

Ich habe es wirklich nicht lange ausgehalten. Nachdem ich auf dem Platz mit der Basilika eine kalte Limonade und einen Kaffee getrunken hatte, habe ich meine Stadtbesichtigung noch ein kleines Stück fortgesetzt aber dann war Schluss. Ich bekam Probleme mit meinem tiefen Blutdruck und schlich möglichst im Schatten zurück zum Bahnhof. Im Bahnhof setzte ich mich auf einen Stuhl und wartete, dass ich etwas abkühlen würde. Der Schweiß ist mir nur so runter gelaufen. Um 16.30 machte ich mich dann auf den Weg zum Flughafen. Im Bus war es angenehm kühl und ich stellte sämtliche Luftdüsen direkt auf mich zum trocknen. Leider dauerte die Fahrt nur eine halbe Stunde und dann musste ich wieder raus in die Hitze. Ich war viel zu früh, mein Flug war noch nicht mal ausgeschrieben. Ich hatte keinen Hunger wegen der Hitze und deshalb setzte ich mich einfach apathisch irgendwo hin und wartete. Um 18.00 erschien mein Flug auf dem Board und ich machte mich mit Flip Flops auf den Weg zum Terminal. Ich musste dann aber bald die Schuhe wechseln, schwerer Rucksack und Flip Flops das geht nur für ein paar Meter. Da war wieder eine riesige Schlange wartender Reisender. Als ich genau hinsah, bemerkte ich aber, dass die alle für Ryan Air anstanden und bei Easy Jet war alles leer. Ich lief dann an allen vorbei und spürte die neidischen Blicke der Ryan Air Reisenden auf mir. Es lohnt sich also durchaus, 3 Std. vorher einzuchecken😉. Endlich befreit vom Rucksack ging ich ins Restaurant und gönnte mir einen Salat und anschließend eine Glace. Richtig Hunger hatte ich immer noch nicht. Die Billigflieger haben hier sogar ein eigenes Terminal mit dem passenden Namen Billi😂. Es gab viel zu wenig Sitzplätze und deshalb saßen viele auf dem Boden, ich auch. Mann war ich froh als wir endlich ins Flugzeug steigen konnten, trotz Flugangst. Ich habe nicht einmal ein Xanax benötigt. Ich glaube ich war viel zu müde um Angst zu haben. Ich bekam sogar einen Fensterplatz! Als Alleinreisende ist das eher selten und sehr zum Leidwesen meiner Sitznachbarn. Es war aber sowieso gleich dunkel und außer den Lichtern der Städte sah man nicht viel. Ein Gewitter habe ich aus der Ferne beobachtet, dass war beeindruckend. Gottseidank nur aus der Ferne! Als ich dann in Basel ausstieg hatte es hier auch noch knapp 30 Grad um 22.45h! Oje hier ist also auch eine Hitzewelle! Nicht gerade was ich mir gewünscht hatte. Ich bin dann auf dem schnellste Weg nach Hause und bin völlig fertig ins Bett gesunken. Mein Bett😉. Für das nächste Mal werde ich meine Reisen wieder etwas intelligenter planen. Keine Flüge am Morgen früh und auch nicht abends spät! Vielleicht besser mit dem Zug auch wenn es teurer ist. So das wars, bis zum nächstenMal…

02.08.2018, Cauterets

Heute bin ich nochmal auf 2300m aufgestiegen aber nicht zu Fuß sondern wie ein richtiger Tourist mit Gondel- und Sesselbahn. Die Sesselbahn ging so steil hinauf da wurde es mir direkt mulmig und ich hatte schweißnasse Hände. Sie fuhr zudem sehr langsam, wahrscheinlich weil es so steil war und es dauerte ewig. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie froh ich war als ich endlich oben ankam, in einem Stück und nicht zerschmettert auf einem Felsen.

Als ich oben war, war es bereits nach 11.00 und bereits ziemlich heiß. Ich ging nochmal zum Col d’Illhéou, da ich vorgestern wegen dem Nebel nicht viel gesehen habe. Jetzt zeigte sich der Pass in seiner ganzen Pracht. Dann ging es nochmals an den See wo ich eine Pause einlegte und eine Cola trank. Die erinnerten sich da sogar noch an mich😉. Leider war es viel zu heiss und es gab nirgends Schatten. Ich musste mit meiner Windjacke immer wieder den Nacken und die Schultern schützen.

Nach einer Stunde machte ich mich wieder auf den Rückweg zur Crête de Lys, von wo aus die Sesselbahn und die Gondel runterfuhren.

Der Rückweg ging bergauf und es war verdammt heiss. Bei einer kleinen Almhütte habe ich mich dann praktisch in die Brennnesseln gesetzt um etwas Schatten abzubekommen. Mein Sternzeichen habe ich dann auch noch getroffen: Ich nehme jetzt einfach mal an, dass der Widder ein Schafsbock ist. Ihr könnt mich aber gerne eines besseren belehren.

Danach ging es das letzte Stück hinauf zur Krete. Da oben genoss ich dann nochmal so richtig die Aussicht. Auf einer Karte waren alle Berge und Pässe aufgeführt und auch der GR 10. Ich kann also schon mal davon träumen weiterzugehen. Vielleicht nächstes Jahr? Wir werden sehen.

Ich fuhr dann mit der Sesselbahn runter und beruhigte meinen Magen etwas indem ich auf einem Stück Brot rumkaute. In der Gondel war es dafür stickig heiss aber ansonsten angenehmer.

Jetzt bin ich wieder auf dem Zeltplatz und werde mich mit einer Dusche runter kühlen. Ja und anschließend vielleicht ein Bier. Momentan ist es mir aber auch dafür zu heiss.

01.08.2018, Cauterets, Camping, 8km, 0km⬆️, 1100m⬇️, höchster Punkt Refuge d’Illhéou 1988m

Heute Nacht war es richtig kalt auf knapp 2000m. Es ist erst das zweite Mal, dass ich den Schlafsack zumachen musste. Sonst habe ich mich immer nur locker zugedeckt.

Da wir gestern früh im Zelt verschwinden mussten, war nichts mit ausschlafen. Irgendwann tut mir alles weh vom vielen Liegen und ich muss aufstehen. Um 6.00 war es soweit, ich hielt es nicht mehr aus und musste aufstehen. Ich habe dann langsam meine Sachen zusammengepackt und bin zum Refuge d’Illhéou zurückgelaufen. Ich hatte für 7.30 Frühstück bestellt. Da ich zu früh war, habe ich den wunderschönen Sonnenaufgang genossen. Das Refuge ist wirklich an einem sehr schönen Platz, genauso wie das Refuge d’Ayous am Lac Gentau (Pic du Midi d’Ossau).

Letzte Nacht habe ich die Dusche ausgelassen und mich nach PCT-Manier mit feuchten Tüchern abgerieben. Vor dem Frühstück nutzte ich die Chance noch schnell mein Gesicht und meine Hände auf der Toilette zu waschen.

Um 7.30 gab es dann Frühstück, oder sollte es geben, denn die Dame des Hauses war alleine und etwas überfordert. Ich war ja nicht in Eile, der Abstieg nach Cauterets würde knapp 3 Std. dauern. Ich aß dann mit Ann Frühstück. Sie wollte die Zeit hier oben nutzen und vor dem Abstieg eine kleine Tour machen. Ann kommt aus Banff im Kanada, das ist die Region wo alle Touristen hingehen. Sie wohnt mitten in der Natur und hat ein Kanu praktisch vor der Haustür.

Als ich losging kamen Thierry und Pascale vom Aire de Bivouac (Camping) und so gingen wir mehr oder weniger zusammen runter nach Cauterets. Ich habe es nochmal so richtig genossen. Der Rucksack fühlte sich so leicht an, dass ich anhielt und kontrollierte ob ich nicht etwas vergessen hätte. Aber ich hatte nur 1lt Wasser dabei und fast kein Essen mehr.

Zur Mittagszeit waren wir in Cauterets wo wir uns zugleich ein Bier genehmigten. Dann gingen wir noch zusammen Pizza essen und schon kam der Moment des Abschiedes. Sie werden heute noch zum Pont d’Espagne laufen.

Ich ging dann in einen Park um etwas auszuruhen und meine Rückreise zu organisieren. Anschließend ging ich zu Intersport und kaufte mir ein neues T-Shirt. Mein Merinoshirt ist do dünn geworden, dass es fast durchsichtig ist. Ich kann es aber nicht wegwerfen, denn damit habe ich den PCT gemacht zumindest teilweise. Es wird mir zu Hause als Pyjama dienen😉.

Ich bin jetzt auf dem Camping La Prairie und habe gleich für zwei Nächte gebucht. Zuerst wollte ich mir ein Hotel nehmen aber Cauterets ist so teuer bzw. touristisch, dass ich mich als Wanderer auf dem Campingplatz wohler fühle.

31.07.2018, Lac d’Illhéou, 20km, 1600m⬆️, 500m⬇️, höchster Punkt Col d’Illhéou 2242m

Heute war mein letzter schwerer Aufstieg. Morgen geht es nur noch runter bis Cauterets und dann ist mein Pyrenäenabenteuer vorerst zu Ende. Ich komme aber bestimmt wieder😉. Es ist der richtige Moment aufzuhören, denn ab morgen wird es unerträglich heiß. Um die 35 Grad und mehr…

Ich habe mal wieder miserabel geschlafen aber da mich dies nicht am laufen hindert rege ich mich gar nicht darüber auf. Um 7.10 verließ ich den Campingplatz, der etwas außerhalb lag. Ich benötigte 20 Min. um zum Startort zu gelangen.

Der Weg führte heute bis zum Lac d’Estaing viel der Straße entlang. Dann gab es mehr oder weniger sinnvolle Abkürzungen um wieder auf die Straße zu gelangen. Wenn ich die Karte angeschaut hätte, wäre ich wohl ab und zu auf der Straße geblieben. Vor allem wenn sie einem unnötig steile Wege hinauf und herunter jagen.

Ab dem Lac d’Estaing ging es dann steil den Wald hinauf. Dort traf ich einen Mountainbikefahrer, der aus dem Jura kam. Ich habe bereits an seinem Französisch erkannt, dass er aus der Schweiz kommt.

Oberhalb des Waldes kamen wir in eine pastorale Zone wo Kühe, Pferde und Schafe frei herumlaufen. Einen Pattou, der Pyrenäenhund welche die Schafherden bewacht, habe ich schon wieder nicht gesehen. Was ja im Nebel auch keine Kunst ist aber gehört habe ich auch keinen und wir liefen mitten durch die Schafherde. Wir hatten mal wieder einen Anstieg von 1600m zu bewältigen und gegen Schluss ging das wieder nur mit Willenskraft. Leider hatten wir wegen dem Nebel keine Sicht und dann machst du so einen Aufstieg und kriegst nicht mal eine schöne Aussicht. Das ist schon etwas deprimierend. Auf dem Col d’Illhéou lichtete sich der Nebel etwas aber wir sahen trotzdem nicht viel.

Vom Pass mussten wir dann noch ca. 300m runterlaufen bis wir am See waren. Dort gab es ein kleines, total süßes Refuge direkt am See. Wir haben dort als erstes ein Bier getrunken und ich habe mir dann noch eine Omelette genehmigt. Ich habe dann noch ein Bier gekauft, welches ich dann an der Campsite trinken werde.

Wir haben unsere Zelte am See aufgestellt. Draußen ist es leider total neblig und man sieht nicht viel. Es ist auch kalt weil die Sonne verdeckt ist. Jetzt sitzen wir halt in unseren Zelten, anstatt draußen am See zu sein. Ich trinke mein Bier, aktualisiere meinen Blog und mache es mir gemütlich. Manchmal drückt die Sonne durch und dann wird es sogleich warm. Dummerweise habe ich das Zelt so aufgestellt, dass ich den See nicht sehe aber man sieht so oder so nicht viel.

30.07.2018, Arrens-Marsous, Camping, 15km, 900m⬆️, 1300m⬇️, höchster Punkt Col de Tortes 1799m

Heute war fast schon ein Erholungstag. Auf meinem Plan war eigentlich der Lac d’Estaing aber nach dem gestrigen harten Tag wollte ich es gemütlicher angehen. Habe gut geschlafen letzte Nacht und bin heute Morgen erst um 8.00 losgelaufen. Meine Füße schmerzten zwar immer noch aber es war viel besser als gestern Abend. Ja und sobald ich die Wanderschuhe anhabe kann ich auch wieder laufen😉.

In meinem Reiseführer stand etwas von leichter Etappe aber der Weg den Berg hinauf war schon wieder recht heftig und man musste teilweise klettern. Natürlich war ich noch müde von gestern und deshalb war der Aufstieg besonders schwer. Kurz vor dem Col de Tortes, ich war bereits 1.5 Std. unterwegs, hatte ich plötzlich das Gefühl auf dem falschen Weg zu sein. Ich sah zwar die rot/weißen Markierungen aber es hätte ja auch ein andere GR sein können. Ich war schon bereit zum Umkehren, da kamen mir Ritchard, Paul und Ann entgegen. Die haben dann nochmals auf dem GPS kontrolliert, es war alles in bester Ordnung. Vor allem war ich froh, dass ich nicht 1.5 Std. vergebens den Berg hochgeklettert bin.

Kurze Zeit später waren wir auf dem Pass und genossen die Aussicht. Auf dem Weg hinunter schmerzten mich wieder meine Füße und Knie und ich beschloss heute mehr Pausen einzulegen. Ich ließ Ritchard und Paul ziehen und machte es mir gemütlich. Ich aß Brot und Chorizo. Später gesellte sich noch Ann dazu und teilte ihre Cavaillon Melone mit mir. Hmmm lecker😜.

Unten kamen wir auf die Straße und ich beschloss eine Abkürzung zu nehmen und auf der Strasse zu laufen. Der GR führte runter ins Tal um auf der anderen Seite wieder aufzusteigen. Ich beschloss, dass ich heute Ruhetag habe. Thierry und Pascale hatten sich auch für die Straße entschieden. Was ich nicht bedacht hatte war, dass es auf der Straße Tunnels haben könnte und die hatte es nämlich zwei. Beim ersten habe ich tapfer meine Stirnlampe angezogen und bin durch den Tunnel marschiert. Am Ende habe ich sogar noch einen Velofahrer erschreckt, der meinte wohl es kommt ihm etwas entgegen. Beim zweiten Tunnel habe ich kurzerhand ein Auto angehalten und gefragt ob sie mich durch den Tunnel mitnehmen würden. Das haben sie dann auch getan und mich kurz vor Thierry und Pascale wieder raus gelassen.

Es ging dann noch ein kurzes Stück der Straße entlang und dann zweigte der GR 10 ab zum nächsten Pass. Ich beschloss vorher noch eine Pause im Schatten zu machen. Als ich mich dann kurze Zeit später wieder auf den Weg machte, hatte sich eine ganze Kuhherde in Bewegung gesetzt und stand mitten im Weg auf dem Pass. Ich habe mich dann durch sie durch geschlängelt. Eigentlich wollte ich auf dem Pass Wasser nachfüllen aber die Wasserstelle war von den Kühen beschlagnahmt. Da bin ich dann doch lieber weitergegangen. Meine Angst vor Kühen hat sich ziemlich gelegt. Ich musste auf diesem Weg schon soviel an Kühen vorbei, dass ich mich langsam daran gewöhnt habe.

Es folgte noch der Abstieg nach Arrens-Marsous, der gegenüber gestern recht einfach war. Unterwegs hielten wir an einem Bach an um die Füße zu baden und zu essen. Ritchard und Paul kamen den Hang hinunter und waren ganz erstaunt, dass wir schon da waren. Die Straße war eindeutig schneller als der GR😂.

In Arrens-Marsous mussten wir uns bei einem Bier von Ritchard und Paul verabschieden, die heute die letzte Etappe gelaufen sind.

Ich bin auf dem Campingplatz und freue mich endlich wieder einmal im Zelt zu schlafen. Thierry und Pascale sind auch hier gleich nebenan. Heute gab es Cous Cous mit Chorizo und Emmentaler. War echt lecker😊.