27.07.2018, Etsaut, Gîte d’Etape, 16km, ⬆️800m, ⬇️ 1200m, höchster Punkt Col de Barrancq 1601m

Heute Nacht hatte es geregnet und das hiess wieder einmal Zelt nass zusammenpacken. Aber ich habe ja langsam Erfahrung damit😉. Ich hatte heute Null Energie und war nicht wirklich motiviert auf 1600m hinaufzusteigen. Auf dem Weg nach Lehrs habe ich mich anfangs ziemlich abgequält. Wenn es nur ein wenig hinaufging ging mir die Luft aus. Wahrscheinlich waren dies die Nachwehen vom gestrigen anstrengenden Tag.

Es ging mal wieder durch einen vernebelten Märchenwald und dort konnte ich etwas Energie auftanken. Auf dem Campingplatz von Lehrs trank ich einen Kaffee und aß ein Müesliriegel da man da ohne Bestellung nichts zu essen erhielt. Damit hoffte ich genügend Energie für den Aufstieg zum Col de Barrancq zu tanken. Der 800m lange Anstieg war endlos und teilweise sehr steil. Ich musste viele Male anhalten, den Schweiß abwischen und vor allem viel trinken bis ich endlich oben war. Oben auf dem Pass habe ich dann die lang ersehnte Pause eingelegt. Auf dem Pass war es waldig und angenehm kühl. Anne, die Kanadierin, hat gleich mal ihre Hängematte aufgehängt. Sah sehr entspannend aus. Auf der anderen Seite kam ich auf ein Plateau, wo ich als erstes mein Zelt trocknete. Mit Wind und Sonne dauerte das knapp 10 Min. Wir wurden auch zum erstme Mal auf die Pattous aufmerksam gemacht. Dies sind die riesigen Pyrenäenhunde, welche die Schafherden bewachen. Man sollte möglichst einen großen Umweg um die Schafherde machen und die Pattous nicht reizen. Auch soll man ihnen nicht direkt in die Augen schauen. Mit all diesen Infos gewappnet bin ich dann weitergewandert und Gottseidank keinen Schafherden sowie ihren Bewachern begegnet. Normalerweise halten mich Schafe ja für den bösen Wolf und rennen davon. Hier könnte ich diejenige sein, die dies tut. Wobei rennen soll man auch nicht wenn einer dieser großen Hunde vor einem steht.

Der Abstieg nach Borce war sehr lange und teilweise sehr steil. Mir Taten die Füße und auch die Knie weh. In Borce traf ich dann die ganze Bande wieder, die schon fröhlich am Bier trinken war. Bier ist ja auch besonders gut für die Muskeln. Habe mir überlegt, in Borce zu bleiben. Auch aus nostalgischen Gründen, da ich hier 2010 auf der Via Tolosana übernachtet hatte. Und im Übrigen ist Borce viel hübscher als Etsaut. Da aber Pierre und Marie-Andrée ihren letzten Abend hatten, beschloss ich auch mit den anderen nach Etsaut zu laufen. Im Gîte hatte es noch Platz und da ich früh dran war konnte ich sogar noch meine Wäsche waschen. Ich durfte auch nach 5 Tagen meine erste richtige warme Dusche genießen und konnte endlich meine Haare waschen. Die letzte warme Dusche hatte ich in Les Chalets d‘ Iraty. Nachdem alles erledigt war ging ich mit den beiden English Men (Bob und Ritchard) ein Bier trinken und anschließend mit den Franzosen essen. Das Abschiedsessen von Marie-Andrée und Pierre. Es gab einen leckeren César Salat und hier in Frankreich wissen sie auch wie man ihn zubereitet, nicht wie letztes Jahr in Amerika wo ich einen halben Salatkopf mit Sauce und ein paar Pouletstreifen serviert bekam. Jetzt liege ich in einem von der Sonne aufgeheizten Dortoire (unter dem Dach!) und wünsche mir in meinem Zelt zu sein. Ich bin einfach nicht mehr Gîte tauglich. So ich muss jetzt endlich schlafen. Während ich das hier schreibe fällt mir nämlich ständig das iPhone aus der Hand.

26.07.2018, Camping Lauzart, 400m⬆️, 1000m ⬇️, höchster Punkt Pas de l’Osque 1922m

Das Zelt war heute Morgen komplett trocken. Dies ist erst das zweite Mal auf dem GR 10 ansonsten misste ich das Zelt jeweils nass einpacken.

Heute war ein wunderschöner aber auch herausfordernder Tag. Wir sind definitiv in den Hochpyrenäen angekommen. Dies war eine richtige Bergetappe und ich war sehr dankbar, das ich bei den schwierigen Stellen nicht alleine war.

Ich bin wieder um 7.20 los und vor mir liefen Pascale und Thierry. Es kam ein Schild, wo wir darauf hingewiesen wurden irgendein Plateau zu besteigen und es hier Murmeltiere gibt. Im gleichen Moment sah und hörte ich auch schon das erste Murmeltier. Gleich um die Ecke sah ich wieder ein Murmeltier und dieses blieb wie eine Statue stehen bis wir es fotografiert hatten. Hat nicht mal einen Euro dafür verlangt😂.

Es wurde dann schnell ziemlich alpin und wir mussten uns durch viele Steinwege kämpfen. Auch klettern war wieder angesagt, rauf und runter. Oben kamen wir bei einer Skipiste raus wo man sich wirklich fragen muss wie man die Natur derart verschandeln kann. Logischerweise war der Weg dementsprechend schwer zu finden. Plötzlich sah und hörte ich Thierry, der mir zeigte wo der Weg durchging. Dafür war ich echt dankbar. Ich konnte dann dafür Pierre und Marie-Andrée helfen, die auch ziemlich ziellos rumliefen und den Weg suchten. Dann warmes eine zeitlang gut signalisiert bis ich merkte, dass Thierry und Pascale viel weiter oben waren. Der Weg verlief teilweise über Geröllhalden bis ganz oben zum Pass. Das letzte Stück war eine echte Herausforderung denn musste hochklettern und sich an Seilen festhalten. Und dies mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Auf dem Pas de l’Osque mussten wir uns deshalb einen Moment ausruhen. Auf der anderen Seite ging es zunächst auf einen schmalen Pfad der Bergflanke entlang. Höchste Konzentration war wieder einmal angesagt und vor allem nicht runterschauen.

Dann ging es auf etwas einfacheren Wegen bis zur Cabane du Cap de la Baitch. Dort gab es wieder Käse zu kaufen, was wir natürlich auch taten. Lecker😜.

Mir Taten langsam die Füße weh vom ewigen Abwärtslaufen. Im nächsten Refuge, welches vor allem von Gruppen gesucht wird, könnte man kalte Getränke kaufen. Ich hatte vorher gerade von einer eiskalten Cola geträumt.

Es ging dann weiter bis Lescun wo wir hörten, dass der Campingplatz geschlossen sei. Im Lescun selber war nichts mehr frei und so entschieden wir uns weiterzulaufen. In der Bar hatte man uns gesagt, dass man trotzdem dort Zelten könne und es einfach keine Dusche gebe aber dafür WC und Trinkwasser. In Lescun konnte ich auch endlich wieder einmal meinen Proviant auffüllen, mein Foodsack war ziemlich leer. Wir machten uns dann beladen mit Proviant, Bier und Wein auf den Weg zum Campingplatz. Bevor wir dort ankamen mussten wir aber noch einen steilen Steinweg hinauf. Der Schweiß ist mir aus allen Poren geronnen. Endlich waren wir oben und auf dem Campingplatz. Es gab sogar eine Open Air Dusche mit kaltem Wasser.

Wir haben dann das Zelt aufgestellt, geduscht, Kleider gewaschen, ich habe noch mein Essen in ZipLocks verpackt und dann sind wir alle zusammen gesessen und haben Apero getrunken und zu Abend gegessen. Es war auch der Abschiedsabend von Pierre und Marie-Andrée. Sie hören morgen in Etsaut auf.

25.07.2018, La Pierre-Saint-Martin, Refuge Jeandel, 20km, höchster Punkt Col de La Pierre-Saint-Martin 1760m

Heute Morgen bin ich etwas später los als sonst. War ja auch ok wenn ich denke, dass ich 12 Std. unterwegs war. Meine Füße haben richtig geschmerzt gestern und auch während der Nacht. Ich war aber richtig happy mit meiner Zeltplatzwahl. Keine Kühe oder anderen Tiere sind nachts vorbeigekommen und auch sonst niemand. Ich fühlte mich sicher und geborgen in meinem mobilen Zuhause.

So gegen 8.00 ging es dann los nachdem ich mein nasses Zelt versorgt hatte. Das nasse Zelt ist eigentlich kein Problem solange man es während dem Tag irgendwann trocknen kann.

Es fing gleich mal mit einem nassen, dunklen Hohlweg an wo man aufpassen musste nicht auszurutschen. Meine Spitze des zweiten Wanderstockes verabschiedet sich auch langsam. Das ist schlecht weil ich keinen guten Halt mehr habe und abrutsche. Aber es gibt leider nichts was ich tun kann, denn es gibt bis Cauterets keinen Outdoor-Laden. Der in SJPDP hatte ja auch keine Trekkingstockspitzen. Na ja ich muss halt vorsichtig sein.

Bis St. Engrace ging es vor allem auf der Straße runter und um 10.00 war ich bereits dort. Ich wollte dort frühstücken und Kaffee trinken aber leider hatte das Restaurant zu. Ich habe mich dann vor den Gîte gesetzt und aus meinem Rucksack gegessen. Dazu noch einen Kaffee, ich habe ja alles dabei. Habe auch noch ein paar Spätstarter getroffen, die beiden Engländer und Bernd aus Deutschland. Die ich seit 2 Tagen nicht mehr gesehen hatte.

Um 11.00 startete ich die nächste Etappe, nach siehe oben (komplizierter Name). Es ging mal wieder rutschige Hohlwege hinauf. Vor allem die Steine sind sehr rutschig. Ich bin dann auch prompt gestürzt und war gar nicht erfreut. Bin aber mit dem Schrecken davon gekommen, es war alles noch ganz.

Es ging dann eine wunderschöne Schlucht hinauf. Alles vermost und märchenhaft. An so einem Ort müssen Elfen, Trolle und Gnome leben. Ich konnte mich nicht satt sehen. Leider bog der GR 10 dann links ab.

Heute habe ich das Baskenland hinter mir gelassen und die Region Béarn betreten. And der Grenze gibt es einen Wärter aus Stein Le Gurdian. Es ging immer weiter hinauf bis auf zum Col Pierre-Saint Martin auch 1760m. Ich musste an vielen Kühen vorbei aber es macht mir nicht mehr so Angst. Ich singe wenn ich an ihnen vorbei muss oder ich rede mit ihnen.

Auf dem Pasx habe ich noch Käse gekauft, sehr lecker. Bei der Farm lag ein riesiges Schwein in einer kleinen Badewanne und ließ es sich gut gehen. Ich ging dann auf der Straße runter und unter einem Skilift durch. Dann verlor ich wieder den Weg und lief vor und zurück bis ich den Weg wieder fand.

Oben genannter Ort ist ein Skiresort und Potthässlich. Im Gîte hatte es leider kein Bett mehr frei und ich habe im Garten mein Zelt aufgestellt. Abendessen war auch ausgebucht und ich musste kalt duschen. So hetzt muss ich schlafen gähn.

24.07.2018, Wild Camp, ca. 25 km, höchster Punkt Col d’Anhaou 1383m

Ich habe nicht gut geschlafen letzte Nacht. Es lag aber nicht daran, dass immer wieder wilde Pferde in der Nähe meines Zeltes durchgerannt sind. Vom vielen Laufen ist mein Körper irgendwie überdreht und ich habe einfach Mühe runter zu schalten. Ich habe mich bestimmt 100 Mal von einer Seite auf die andere gedreht. Gottseidank ist dieses Mal mein ISG nich blockiert wie auf dem Pacific Crest Trail.

Eigentlich wollte ich um 4.30 aufstehen und um 6.00 loslaufen. Abe dann war es draußen noch stockdunkel und ich hatte keine Lust aufzustehen. So um 5.45 habe ich es dann geschafft als es draußen zu dämmern anfing. Als ich das Zelt zusammenpackte ist eine Stute mit ihrem Fohlen mit lautem wiehern vorbei gerannt. Das war echt schön. Auf der anderen Seite des Berges hat gerade ein Schäfer seine Schafherde zur nächsten Weide getrieben. Es war eine wunderschöne Morgenstimmung. So etwas kriegt man nicht wenn man im Gîte schläft.

Ich habe mich dann um 7.10 auf den Weg runter nach Logibar gemacht. Ich hatte die ganze Nacht total Durst und durfte nicht trinken weil ich nicht genug Wasser hatte. Den Kaffee am Morgen gab es aber trotzdem, ist ja schließlich auch Flüssigkeit. Mir blieb noch 1lt für einen 3-Stündigen Abstieg. Am Morgen ist es aber meist kühl, zwar nicht für lange, aber ich trinke meistens weniger als am Nachmittag wenn die Sonne knallt.

Zu Beginn musste ich im Wald gleich mal den Weg suchen und musste bis zum letzten Wegzeichen zurücklaufen. Das passiert einem öfters auf dem GR 10, vor allem oben in den Bergen, da wo es wirklich drauf ankommt, ist es oft nur spärlich bezeichnet. So in der Hälfte kam ich an einer Wasserquelle vorbei und wollte zum ersten Mal meinen Filter benutzen. Dummerweise passt er nicht auf französische Wasserflaschen und ich hätte einen Adapter mitnehmen müssen. Habe das Wasser dann ungefiltert getrunken denn ich hatte einfach Durst. Bis jetzt habe ich kein Durchfall aber etwas Bauchschmerzen😬. Vielleicht habe ich aber auch einfach zuviel Cous Cous gegessen, denn ich hatte tierisch Hunger.

Um 10.15 war ich in Logibar und der letzte Teil war nochmal so richtig steil und ich kam gab schön ins schwitzen. Ich genehmigte mir in der Auberge ein zweites Frühstück und überlegte ob ich hier bleiben oder doch die nächste Etappe Richting St. Engrace starten sollte. Es waren Gewitter gemeldet und da ich den Aufsieg spät starten würde war die Chance natürlich größer, dass es einem erwischt. Der Betreiber der Auberge hat mir die Entscheidung dann abgenommen, denn er war dermaßen unfreundlich, dass ich keinerlei Lust verspürte da zu bleiben. Um 11.10 machte ich mich auf den Weg. Natürlich hiess das wieder den Aufstieg in der größten Hitze zu bewältigen. Der erste Teil war sehr touristisch weil es hier eine der längsten Hängebrücken gibt. Deshalb kämpften sich auch andere mit mir den Berg hinauf. Die Brücke war beeindruckend und ich überquerte sie etwas schwankend. Danach wurden die Touristen weniger aber der Aufstieg ging weiter. Den höchsten Punkt erreichte ich erst um 17.00h. Klar gab es dazwischen immer wieder gerade Stücke aber es ging vor allem bergauf. Ich musste eine riesige Schlaufe laufen, denn dies ist auch ein Rundweg der nach Logibar zurückführt, bevor der GR 10 nach rechts abbog. Dann kam nochmal ein fieser Aufstieg in der prallen Sonne und ich glaubte jetzt dann gleich zusammenzubrechen wenn ich nicht endlich in den Schatten komme. Es kamen immer mehr Wolken und das Wetter wurde zunehmend schlechter. Es gab aber keine Gewitteranzeichen, deshalb setzte ich meinen Weg fort. Es war jetzt teilweise auch neblig und die Sicht wurde schlechter. Ich hatte mir vorgenommen soweit zu laufen wie ich kann und dann mein Zelt aufzustellen sofern ich eine geeignete Stelle finde.

Es gab viele Unsicherheiten betreffend wo der Weg durchgeht aber schlussendlich habe ich ihn immer gefunden. Gegen 18.00 wollte ich endlich ankommen aber ich fand einfach keine passende Stelle. Die meisten Stellen waren voller Kuhfladen und das ist nicht gerade einladend. Zudem habe ich auch keine Lust, nachts von einer Kuh besucht zu werden. Pferde, Schafe und Ziegen sind mir lieber. Wobei ich mein Zelt auch nicht in der Nähe einer Schafherde aufstellen würde.

Es war jetzt bald 19.00 und mir taten die Füße schrecklich weh. Ich war seit 12.00 Std. unterwegs. Und dann plötzlich fand ich mein zu Hause für heute Nacht mit sehr schöner Aussicht.

Auf dem letzten Abschnitt des Weges wurde ich fast von Rossbrämen gefressen. Irgendwann hatte ich genug und schmierte mich mit DEET ein. Dann ließen sie mich einigermaßen in Ruhe.

So ich werde jetzt noch meine Zähne putzen und dann hoffentlich gut schlafen. Meine Füße pulsieren so sehr, dass ich nicht weiß ob sie sich bis morgen erholen werden. Morgen steht eine kurze Etappe an und so bin ich dann wieder im Fahrplan. Ich muss ja noch die Etappe von heute fertig laufen. Und dass alles nur weil ich einmal nicht richtig geguckt habe, weil ich mir so sicher war😬. Na ja kann passieren.

23.07.2018, Wild Camp, ca. 23km, höchster Punkt Pic des Escaliers 1423m

Was für ein Tag. Ich habe mehr Km gemacht als die Etappe eigentlich hatte und bin doch nicht am Ziel in Logibar angekommen.

Ich habe heute Morgen aus irgendeinem Grund, wahrscheinlich habe ich noch geschlafen, den falschen Weg genommen.

Ich bin um 7.20 los und gleich ging es steil den Berg hinauf. Ich kam auf eine Krete und die Aussicht war einfach gigantisch. Ich habe mich beschwingt auf den Weg gemacht. Die Ausschilderung war sehr spärlich und „irgendwie“ stimmten die Wegbeschreibungen nicht. Kein Wunder ich war ja auf dem falschen Weg. An einem Pass bin ich vor und zurück und habe die Wegweiser gesucht. Dann habe ich zwei Wanderer gesehen und angenommen, dass der Weg dort entlang geht. Komischerweise habe ich niemanden der GR 10 Wanderer getroffen. Dafür hatte es wieder die rot/weißen Markierungen. Sicher auf dem richtigen Weg zu sein bin ich weiter gelaufen. Ich kam dann zu einem weiteren Pass und da war ein großer Wegweiser. Freude herrschte! Nur kam mir kein Ort bekannt vor der da drauf stand. Mir dämmerte langsam, dass ich einem falschen Weg gefolgt war. Ich habe dann noch Autofahrer gefragt, auf einem Pass gibt es immer eine Straße, und ein Baske konnte mir dann endlich sagen wo ich bin, nämlich komplett auf dem falschen Dampfer oder eben Weg. Es war nun mittlerweile 10.30 und zurück zu den Chalets von Iraty waren es 7.6km oder knapp 2 Std. Der Baske hatte mir gesagt, ich solle auf der Straße bleiben, dass ginge schneller und so würde ich sicher zurück finden. Das ist mir echt noch nie passiert, das ich komplett in die falsche Richtung gehe. Um 11.50 war ich zurück und ging direkt zum Wegweiser. Da stand es klar und deutlich: GR 10 Logibar nach links und nicht steil den Berg hinauf. Hmmm, da brauchte ich erst mal ein Bier und ging schnurstracks ins Restaurant. Ich habe einen Salat zu Mittag gegessen und ein Panache getrunken. Ich überlegte mir noch einmal eine Nacht hier zu bleiben aber ich hatte keine Lust zurück zur Rezeption zu laufen, die ist 700m weit weg und der Camping ist sogar 2 km weit weg. Ich habe dann beschlossen weiterzulaufen und einfach zu sehen wie weit ich komme.

Um 12.45 habe ich den Aufstieg zum Pic des Escaliers in Angriff genommen natürlich in der größten Hitze. Heute ist der erste richtig schöne Tag. Weiss jetzt gar nicht ob ich mich darüber freuen soll😬. Ich hatte aber genug Wasser und die Aussicht war gigantisch. Auf der anderen Seite ging es wieder hinunter zum Col d’Ugatze. Von da an folgte der Weg einer Bergflanke entlang. Es war heiss, heiss, heiss. Ich betete für Schatten oder ein Lüftchen. Der Schatten kam in Form eines Waldes der total verschlammt war. Scheint ein Trampelpfad der Tiere zu sein. Ich habe ständig versucht, dem Schlamm auszuweichen aber einmal bin ich ausgerutscht und stand mit beiden Füßen mittendrin. Es ist sogar oben hineingelaufen😖. Ich habe geschimpft wie ein Rohrspatz. Vorher war ich auch schon gestürzt und zwar mitten in die Brombeerranken. Autsch! Nach 4 Std. auf diesem Weg war Schluss, ich beschloss wild zu campen. Wenn ich weitergelaufen wäre, wäre ich frühestens um 20.00 in Logibar angekommen.

Jetzt liege ich gemütlich im Zelt und pflege meine Wunden. Meine Beine sind total verkratzt. Mann bin ich froh, dass ich heute nicht mehr laufen muss. Um mich rum blöken Schafe und ich höre ganz viele Kuhglocken. Ich hoffe einfach, dass sie nachts nicht hierher kommen und mich in Ruhe lassen.

22.07.2018, Les Chalets d’Iraty, 20km, 1400⬆️, 700⬇️, höchster Punkt Sommet d’Occabé 1456m

Heute Morgen ging es um 7.10 los. Olivier wollte gestern Abend noch etwas weiterlaufen, da er nicht im Gîte übernachten wollte. Ich habe ihn aber nirgends gesehen und bin dann alleine weitergezogen.

Es fing gleich mal mit einem kurzen Anstieg an und oben angekommen war ich bereits im Nebel. Ich habe mich dann auch prompt verlaufen. Anstatt links abzubiegen bin ich geradeaus gelaufen. Ich bin dann auf der Straße gleich zwei Autofahrern begegnet und die haben mich wieder auf den richtigen Weg gebracht. Es ging dann auf einer nicht befestigten Straße leicht aber stetig hinunter. Ich bin an mehreren Wildzeltern vorbeigekommen aber Olivier war nicht darunter.

Dann ging es steil hinauf zum Col d’Irau. Es war ziemlich anstrengend und aufpassen musste man auch da es auf der rechten Seite steil hinunterging. Stolpern verboten! Wenigstens war die Sicht gut und es hatte keinen Nebel. Vom Col d’Irau ging es weiter den Berg hinauf und dieser Teil war wieder im Nebel versunken. Man musste gut auf die rot/weißen Zeichen achten. Habe mich da kurz gefragt, ob ich nicht doch besser die Straße hätte nehmen sollen. Sich im Nebel zu verirren ist nämlich keine besonders gute Idee. Ich habe dann beschlossen, solange ich die Zeichen sehe weiterzulaufen und wenn nicht abzuwarten bis sich der Nebel etwas lichtet. Wie mehr ich hoch kam, wie mehr sah ich von der Umgebung und jetzt war ich richtig froh, nicht die Strasse genommen zu haben. Es war wunderschön und teilweise hatte ich richtig gute Sicht. Ich kam an uralten Steinkreisen vorbei und an alten Steingräbern. Über allem kreisten wie immer die Geier.

Ich fühle mich von Tag zu Tag besser, zuversichtlicher und auch stärker. Kein Gedanke mehr daran aufzugeben.

Ich kam in den Wald von Iraty und da begann auch der Abstieg. Der Weg war ziemlich verschlammt durch den vielen Regen und meine Schuhe fühlten sich ca. ein Kilo schwerer an. Unten kam ich auf die Straße und zum Chalet Pedro. Dort traf ich Pierre und Marie-Andrée und ich genehmigte mir ein Panache.

Ich hatte noch zwei Auf- und Abstiege zu bewältigen bevor ich bei den Chalets von Iraty ankam. Ich musste auch an mehreren Kuhherden vorbei heute fühlte mich aber nicht so ängstlich. Ich rede einfach immer mit den Kühen. Im Sinne von ich tue euch nichts und ihr tut mir nichts😉. In der Zwischenzeit hatte ich auch noch mein Zelt getrocknet aber ich beschloss dann doch in den Gîte zu gehen. Der Campingplatz wäre in der anderen Richtung gewesen und dann hätte ich am nächsten Tag mehr laufen müssen. Zudem sah es gewittrig aus

Ich habe dann in der Gîte meinen Cous Cous gegessen und eine heisse Schokolade getrunken. Hier war es am Abend empfindlich kühl und ich musste meine Daunenjacke anziehen. Ich habe ein Zweierzimmer ganz für mich alleine für 15 Euro. Das heißt ich kann morgen in aller Ruhe Zusammenpacken und störe niemanden.

So das wars für heute. Ich werde mich in mein Bett verkrümeln und meine Ohren mit Ohropax verschließen weil sie hier ständig die Türen schletzen.

21.07.2018, Kaskoleta, Gîte/Camping, 17km, 900m⬆️, 400m⬇️, höchster Punkt Gîte Kaskoleta 615m

Heute Morgen bin ich um 6.40 aufgestanden da ich um 8.00 mit Olivier beim Gîte communal abgemacht hatte. Es hatte sogar aufgehört zu regnen und erst als ich das Zelt abbauen wollte fing es wieder an. Wenn ich nicht abgemacht hätte, wäre ich einfach im Zelt geblieben und hätte gewartet bis es wieder aufhört. Ich hätte Olivier auch eine SMS senden können, dass es später wird. Aber nein, mein Hang zur schweizerischer Pünktlichkeit hat mich dazu getrieben, mein Zelt im strömenden Regen abzubauen und tropfnass in meinem Rucksack zu verstauen. Mein Rücken war bald durchnässt vom nassen Zelt. Arrrgghh, manchmal macht man wirklich bescheuerte Dinge! Ich war aber pünktlich um 8.00 im Gîte wie ein Schweizer Uhrwerk😬 wo mich Olivier, schön trocken, bereits erwartete. Na ja ich bekam dafür noch einen Kaffee…

Auf der Treppe saß ein demoralisierter übergewichtiger deutscher junger Mann. Er ist am Tag zuvor die ganze Etappe über die Pyrenäen gelaufen. Er hatte dazu 16 Std gebraucht und war völlig fertig. Zudem komplett dehydriert. Er beschloss abzubrechen und nach St. Jean-Pied-de-Port zurückzukehren um von hier aus nach Hause zu fahren. Ich habe versucht, ihm gut zuzureden, dass er es doch nochmal probieren solle. Er könne ja auch erst nach den Pyrenäen anfangen oder die erste Etappe in Orisson unterbrechen. Aber er meinte er müsse zuerst abnehmen und trainieren, dann könne er es nochmals probieren. Ich habe ihm alles Gute gewünscht. Es tut mir immer leid, wenn Leute aufgeben müssen und vor allem wenn es eigentlich vermeidbar gewesen wäre mit einer besseren Organisation. Die erste Etappe des Camino Frances ist die härteste vom ganzen Camino und trotzdem versuchen die meisten sie in einem Tag zu laufen dabei kann man sie nach 8km in Orisson unterbrechen und muss dann am folgenden Tag weniger laufen.

Olivier und ich sind dann um 8.15 losgelaufen und schon bald fing es wieder an zu regnen. Und so ging es auch bis ca. 14.00 weiter. Es war eine kurze und einfache Etappe jedoch mit nahrhaften Anstiegen. Einmal haben wir uns auch kurz verlaufen. Wenn ich die Regenpellerine anhabe sehe ich nicht sehr viel da mein Radius ziemlich eingeschränkt ist. Wir haben dann aber sehr bald gemerkt, dass etwas nicht stimmt weil es plötzlich keine Wegzeichen mehr gab und vorher warmes richtig gut ausgeschildert. Es sind uns dann noch zwei weitere GR 10 Hiker entgegengekommen, welche die Abzweigung auch nicht gesehen hatten. Wir machten uns dann gemeinsam auf die Suche nach dem richtigen Weg.

Der Ruhetag in SJPDP hatte mir richtig gut getan und ich bin schon lange nicht mehr so gut den Berg hochgekommen. Ich bin richtig davon gezogen, Olivier kam mir gar nicht nach. Um 12.15 war ich bereits in Estérençuby und da gab es eine Auberge mit Restaurant. Der Monsieur war gerade daran auf der Terasse rauszustuhlen. Ich habe mir dann dis Tagessuppe und ein Panache bestellt. Mittlerweile ist Olivier auch angekommen und hat das gleiche genommen. Die Suppe war einfach köstlich. Wir haben dann noch zwei Schweizer aus Genf getroffen, welche den ganzen Weg bereits gelaufen sind.

Von der Auberge aus ging es in einer guten Stunde steil hinauf bis Kaskoleta. Auch diesen Anstieg habe ich gut gemeistert. Ich muss kaum mehr anhalten weil mir die Luft ausgeht, sowie das anfangs noch der Fall war. Um 15.00 war ich bereits da und habe mir Halbpension gegönnt, nachdem ich am letzten Tag nur Cous Cous gegessen habe.

So ich werde jetzt mein müdes Haupt hinlegen und hoffentlich gut schlafen. Morgen steht mir ein harter langer Tag bevor. Aber zumindest soll das Wetter besser sein als die letzten zwei Tage.