11. Tag, Mikes Place, Km 203.7, Höhe 1548m

Heute war ich bereits um 6.00h auf dem Trail. Ich bin eine halbe Stunde schneller wenn ich nicht frühstücke bevor ich losziehe. Habe dann nach ca. 5 km eine Frühstückspause eingelegt. Es war sogar viel angenehmer auf dem Trail bei Sonnenschein zu Essen als am Morgen früh im Dunkeln vor dem Zelt.

Am Morgen war ich ganz flott unterwegs da ich nur ca. 1.4lt Wasser mit mir trug. Ich wusste gemäß Waterreport, dass es in den nächsten 6 Meilen 3 verlässliche Wasserquellen gibt. Wasser frisch von einem Bach oder Fluss ist die beste Wasserquelle. Da wusste ich noch nicht mit was für Wasser ich mich am Nachmittag würde auseinandersetzen müssen😬. Es ging stetig bergauf und um 8.00 hatte man schon das Gefühl, dass es heiss ist. Ich bin ja sowas von froh, dass ich meinen Hitze reflektierenden Schirm dabei habe. Außer bei Wind kann man ihn nicht gebrauchen aber dann braucht man ihn auch nicht.

Gegen 12.00 kam ich zur Tentsite wo der Weg zur Wasserquelle „Last Spring“ abgeht. Da lagen dann alle PCT Hiker zusammengebüschelt unter dem spärlichen Schatten. Auch da ist mein Schirm von unschätzbarem Wert. Ich kann ihn über einem Busch oder an einem Ast befestigen und schon ist es kühler. Ich habe mich ca. 1 Std. ausgeruht und mich dann mit Wasserfilter und Wasserflaschen auf den Weg zur Wasserstelle begeben. Ach schade habe ich kein Foto gemacht, das hättet ihr sehen sollen. Da war so ein Felsentrog mit Wellblech abgedeckt und darin war Wasser. In dem Wasser schwamm allerhand Getier herum und das kühle Nass roch ganz schrecklich nach Schwefel. Ich habe tapfer das Wasser gefiltert und dann noch zur Sicherheit Aqua Mira Tropfen beigefügt (Chlor). Das Wasser roch echt übel und es kostete schon Ueberwindung sowas zu trinken. Aber die Alternative ist zu verdursten deshalb trinkt man es wenn auch wiederwillig. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie sehr ich von einer eiskalten Cola träume oder einem Bier🙄. Ich habe das übelriechende Wasser dann noch mit Nuun Tbl. (Elektrolyte) aufgepeppt und anfangs war es fast genießbar. Im Laufe der Zeit ist dann immer mehr der Schwefelgeruch wieder durchgekommen und von den 2lt die ich gefiltert habe konnte ich schätzungsweise einen halben Liter trinken. Einfach ätzend.

Um 18.00 war ich bei einer wunderschönen Tentsite und spielte mit dem Gedanken zu bleiben, ich war nudelfertig. Beim Gedanken mein Essen mit diesem Schwefelwasser anrichten zu müssen ist mir aber gleich der Appetit vergangen. Ich hatte von 2 anderen Hikern gehört, dass es beim Trail Angel Mike Pizza und Bier gebe. Dies und auch da ich wusste dass alle anderen Hiker dort sind hat mich dann motiviert weiterzugehen. Kurz vor Sonnenuntergang um 19.30 bin ich dann bei Mike angekommen. Es gab keine Pizza dafür Tacos und anstatt Bier frisches Wasser. Ich war aber trotzdem froh weitergegangen zu sein, nur schon weil David auch hier war. Habe im Dunkeln mein Zelt einräumen müssen und dann war es auch schon Zeit zu schlafen 😌.

10. Tag, Warner Springs, Ruhetag

Heute war Waschtag! Habe endlich alle meine Kleider waschen können. Man kriegt vom Resource Center sogar Kleider ausgeliehen, sodass man nicht nackt rumlaufen muss😂.  Die sind echt so nett hier, alles ist auf Hiker ausgerichtet. Man kann seine elektronischen Geräte laden, eine Bucket Dusche nehmen (habe ich ehrlich gesagt seit meiner Zeit in Indien nicht mehr gemacht), Kleider waschen, Essen und Getränke kaufen und vor allem: AUSRUHEN!

Der Reißverschluss von meinem Zelt schließt nicht so richtig und ich glaube es kommt vom Staub und Dreck. Werde jetzt versuchen, das Ganze mit Seife oder Öl etwas zu schmieren. Solche Sachen findet man in der Hiker Box. Das ist eine Box wo man Sachen deponieren kann die man nicht mehr braucht.  Z. B. Essen aber auch Toilettenartikel und Ausrüstung. Ich glaube ich probiere es mit der Seife, Oel und Staub ist irgendwie keine gute Mischung.

Es ist sehr heiss heute und ich bin froh in einem klimatisierten Raum zu sitzen und Mountain Dew (Limonade) zu trinken😊.

Habe heute Morgen, nach einer weiteren schlaflosen Nacht wegen meinem Rücken etwas gezweifelt ob ich mir nicht zuviel zumute mit dem PCT. Ich finde einfach keine komfortable Position wie ich meinen Rücken entspannen könnte. Aber vielleicht wird mein Rücken ja auch stärker mit der Zeit. Dieser Weg ist die größte Herausforderung bisher in meinem Leben er wird mich noch ein paar Mal an meine Grenzen bringen. Jetzt werde ich ein wenig Stretching für meinen armen Rücken machen sodass er Morgen wieder einsatzbereit ist.

9. Tag, Warner Springs, Km 176.2, Höhe 925m

Habe heute beschlossen das Frühstück zu streichen, ich muss einfach schneller werden beim Zusammenpacken. Ich bin heute Morgen um 5.00 aufgestanden und erst um 6.30 aufgebrochen, anderthalb Stunden sind einfach zu lange! Ich bin heute auch zum ersten Mal 28km gelaufen, war aber ziemlich fertig als ich um 18.00 in Warner Springs angekommen bin. Dummerweise hat das Resource Center auch um 18.00 zu gemacht und so gab keine kühlen Getränke mehr und die alte Dame vom Center meinte auch keine Dusche. Ich war so deprimiert, dass ich fast in Tränen ausgebrochen bin. Habe auf dem Rasen mein Zelt aufgeschlagen und dann hat mir eine Deutsche gesagt ich solle einfach hinters Haus gehen und mir einen Eimer mit Wasser füllen. Ich hatte zwar kein Handtuch und musste mich mit einem Bandana abtrocknen. Die Luft hier ist aber so trocken, dass sowieso alles schnell trocknet.

Habe heute übrigens die 100 Meilen Marke geknackt, dies sind 160km!

Morgen werde ich entweder erst am späten Nachmittag loslaufen oder vielleicht bleibe ich auch eine Nacht länger. Ich glaube ich habe mir eine kleine Pause verdient😉.

8. Tag, Tentsite after 3. Gate, Km 150.1, Höhe 1230m

Heute war ein sehr anstrengender Tag nach der ausgelassenen Party gestern auf Meile 77. Durch das viele Bier musste ich abends nochmals raus was ich sonst nie muss. Es war die erste richtig klare Nacht und am Himmel waren Millionen von Sternen. Bin dann im Dunkeln etwas rumgestolpert bis ich ein Plätzchen unter dem Sternenzelt gefunden habe wo ich das viele Bier ablassen konnte.

Den Wecker habe ich auf 5.00 gestellt da ich spätestens um 6.30 los wollte. Ich wusste, dass es anstrengend und vor allem sehr heiss werden würde. Dazu gab es für ca. 24km kein Wasser. Ich habe 4.5 lt Wasser den Berg hinauf getragen. Mein Rucksack wog schätzungsweise 14 bis 15kg. Mein Kreuz schmerzt dementsprechend heute Abend und ich musste Ibuprofen nehmen.

Vom Scissors Crossing ging es auf einem schmalen Pfad in endlosen Serpentinen den Berg hinauf. Ich bin heute zum ersten Mal gestürzt und zwar bin ich auf losem Geröll ausgerutscht und auf meine rechte Seite auf einen Stein gestürzt. Zudem war da noch ein Kaktus wo ich mit meinem Arm gelandet bin. Gar nicht lustig und vor allem ziemlich schmerzhaft, ich musste mir mühsamst alle Stacheln aus dem Arm und aus der Hand ziehen. Ich werde wohl ein riesiges Hämatom an meinem Oberschenkel bekommen wo ich auf den Stein gefallen bin. Ich hatte aber Glück 🍀 im Unglück, denn wäre ich auf die linke Seite gefallen hätte wohl mein PCT-Abenteuer ein vorzeitiges Ende genommen. Da ging es nämlich steil hinunter..,

Von den 4.5lt Wasser durfte ich auch nur 2.5lt trinken, denn es war nicht sicher, ob der Water Cache (Wasser welches von freiwilligen Helfern mühsamst mit einem Laster hochgefahren wird) auch gefüllt war. Man darf sich nicht auf diese Water Caches verlassen, denn die können auch immer mal wieder leer sein. Ich habe von einem anderen Hiker erfahren, dass der Cache gestern Nachmittag leer war und heute neu bestückt wurde. Ich habe dan gleich mal 1lt Wasser mit Elektrolyten getrunken. In den ganzen 8 Std. die ich unterwegs war hätte ich das Wasser am liebsten im vollen Zügen geleert aber ich musste mich beherrschen. Ich musste mir immer wieder sagen, immer nur 2 Schlucke auf einmal trinken. Als ich ankam hatte ich noch 2lt aber der Cache war Gottseidank gut bestück. Wenn es kein Wasser gehabt hätte, hätte ich mit meinen 2lt nochmal 16km bis zur nächsten Wasserstelle weiterlaufen müssen. Das wären Schlappe 30km gewesen. Das Problem ist, dass man auch immer noch Wasser zum trocken Campen braucht, sonst gibt es kein warmes Abendessen und auch kein Frühstück am nächsten Morgen.

Heute campiere ich zum ersten Male alleine und irgendwie ist das schon etwas komisch aber wirklich Angst habe ich nicht. Sitze vor meinem Zelt und höre den Vögeln zu, dies ist mein Abendprogramm und viel besser als fernsehen. Jetzt noch schnell Zähne putzen und ab ins Bett.

7. Tag, Scissors Crossing, Km 124.1, Höhe 678m

Jetzt habe ich gerade den gesamten Blogeintrag verloren und muss noch mal vorne beginnen😖.

Bin heute Morgen bereits um 7.00h gestartet. Dank David musste ich nicht noch einmal die 2 Meilen zur Quelle runterlaufen. Als ich gerade loswollte sah ich wie er Wasser aus dem Tank abfüllte und ich habe dann auch noch 1.5lt rausbekommen aber der Tank ist sozusagen leer. Dies ist ein Wassertank den sie zum Löschen von Waldbränden benötigen also sollte es jetzt besser kein 🔥 geben.

Um 7.00 bin ich dann beschwingt los, trotz meinen 3.5lt Wasser auf dem Buckel. Die 15km bis Scissors Crossing gingen bei der wunderschönen Landschaft ganz schnell vorbei. Sobald ich in Warner Springs bin werde ich eine Ladung Fotos auf Instagram hochladen, versprochen😉.

Beim Scissors Crossing, wo über 100 Gallonen Wasser für die Hiker, also auch für mich😉, gelagert werden, wurde ich mit lautem Hallo empfangen. Ich habe mich zuerst umgeschaut ob die wirklich mich meinen und habe dann einfach zurück gewunken. Mir wurde gleich ein Gatorade und eine Banane in die Hand gedrückt. Da gab es Hot Dogs, Pasta, Kuchen, Früchte, Chips und vor allem Tonnen von Bier😍. Alles was das Hikerherz begehrt und noch mehr. Ich musste noch Food kaufen und wurde zusammen mit David in die Stadt nach Julian gefahren. In Julian haben wir schnell unsere Einkäufe erledigt und sind dann zu Moms Pie wo PCT Hiker Gratiskuchen mit Schlagrahm oder Eiscreme und ein Getränk erhalten. Man muss einfach sein PCT Longdistance Permit zeigen. Anschließend wurden wir von Trail Angeln wieder zurück zum Scissors Crossing gefahren. Und ich hatte mir zuvor Sorgen gemacht wegen meinem ersten Hitchhike.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich hier hängengeblieben bin. Ich hatte drei Bier, meine ersten überhaupt auf dem Trail. Die Leute, die diese Party hier organisiert haben, sind Teil der PCT Class von 2016. Es ist ihre Art zurück zu geben was sie auf dem Weg erhalten haben. Sie wollen auch kein Geld, wir sollen einfach unseren Mithikern helfen wenn sie Hilfe benötigen. Das ist der Spirit vom PCT und die Trail Comunity. Ich bin jetzt schon völlig Fan von diesem Weg, nicht nur von der Wahnsinns Landschaft sondern auch von den Menschen hier. They are just AWESOME!

Tag 6, Rodriguez Spring Road, Km 109.4, Höhe 1113m

Ich war in meinem Leben noch nie so schmutzig. Ich sehe einem Vagabund oder jemandem der auf der Straße lebt immer ähnlicher. Das beste am Ganzen ist aber, dass interessiert hier draußen kein Schwein. Es sind alle gleich versifft. Habe heute Morgen ganz erstaunt festgestellt, dass ich zwei Tage vergessen habe meine Zähne zu putzen. Ja Sauberkeit und Hygiene verlieren ihre Wichtigkeit hier auf dem Trail, es ist auch gar nicht möglich, ihr solltet mal meine Hände und Füße sehen😁😁😁. Morgen geht es nach Julian und dann hat dieses Lotterleben vorübergehend sein Ende. Muss Proviant kaufen für die nächsten drei Tage und dann gibt es auch noch Gratiskuchen für jeden PCT Hiker!

Es war ein total schöner Tag heute und es gab für ca. 17 km kein Wasser. Deshalb musste ich 3.5lt (!) Wasser schleppen. Puuuhhhh! Ich bin aber schon stärker geworden und der Rucksack wird dann ja während des Tages immer leichter. Eigentlich wollte ich noch weiter heute Abend aber der Wassertank hier war leer und so musste ich noch 1.5 km hin und zurück laufen bis zur nächsten Quelle. Deshalb bin ich dann gleich hier geblieben.

Zum Nachtessen gibt es Suppe (Ramen) oder Kartoffelstock. Kann mich gar nicht entscheiden bei soviel Auswahl😉.

Tag 5, Tentsite Oriflamme Canon, Km 90.3, Höhe 1585m

Ei, ei,ei. Das war vielleicht eine Nacht und dazu eine schlaflose. Mein neues Zelt wurde vom Wind umtost und ich habe einfach gehofft, dass es nicht gerade in der ersten Nacht in Stücke gerissen wird. Als ich mein Zelt aufgebaut hatte, habe ich eigentlich das Zelt in den Wind gestellt, so wie man es tun sollte,  nur hat der Wind dann leider gedreht und kam von der Seite. Es hat immer die linke Zeltwand eingedrückt. Ich habe mich beim Blogschreiben konstant verschrieben weil ich immer wieder einen Windstoss von links abbekam. Grosse Angst hatte ich nicht, aber was unangenehm war, war der Lärm des Windes. Ich habe dann irgendwann meine Ohropax reingestopft und gedacht, falls das Zelt zusammenklappt kann ich sowieso nichts daran ändern und merken tue ich das dann früh genug. An Schlaf war aber leider trotzdem nicht zu denken. Um 5.30 habe ich deshalb bereits meine Sachen gepackt und bin Richtung nächste Wasserquelle losmarschiert.  Denn das ist das einzige was wichtig ist: WASSER! Gegen Mittag haben sich dann alle auf einem schönen schattigen Picknickplatz getroffen und sind zusammen ausgehangen. Man trifft schon tolle Leute hier auf dem Trail. „Jerks“ sind mir noch keine begegnet. Eine Amerikanerin hat mich gefragt, ob ich die grosse Klapperschlange gesehen hätte? Nein hatte ich nicht, bis jetzt habe ich nur zwei Baby Klapperschlangen gesehen. Die kleinen seien aber auch gefährlich weil sie erstens noch nicht klappern können und zweitens ihr Gift nicht kontrollieren können. Das heisst sie lassen gleich das ganze Gift raus. Bin gar nicht unglücklich, dass ich noch von keiner ausgewachsenen Klapperschlange erschreckt wurde.

Ich wollte mir am frühen Nachmittag bereits eine Tentsite suchen, sodass ich Zeit gehabt hätte zum gemütlichen Kaffee trinken und vor allem Stretching. Aber es kam mal wieder alles ganz anders. Um15.30 war ich an der perfekten Stelle zum campen. Wahnsinns Aussicht! Es hatte nur einen kleinen Haken, als mein Zelt bereits stand fing es wieder tierisch an zu winden. Ich habe es dann noch an einer anderen Stelle probiert aber da konnte ich nicht mal das Zelt aufstellen. Ich war völlig entnervt 😒! Nichts mit gemütlich und so… Es kamen einige Hiker vorbei die hofften, dass es mich nicht davon blasen würde. Um 17.30 hatte ich genug und habe mein Zelt wieder zusammengepackt. Ich bin nur ein paar Meter weitergelaufen und da waren Helen und Trump Solo. Sie haben mich eingeladen mit Ihnen zu campen und ich verbrachte noch einen sehr angenehmen Abend mit ihnen. Und das ohne Sturmböen😆.

Tag 4, Tentsite after Mount Laguna, Km 72.7, Höhe 1778m

Heute Nacht habe ich zum ersten Mal gefroren. Es war bitterkalt und ich hatte alles an was ich dabei hatte. Muss wohl nicht erwähnen, dass ich kaum ein Auge zu getan habe😖. Hätte wohl doch den wärmeren Schlafsack kaufen sollen. Ich bin dann am Morgen mit verquollenen Augen aufgewacht und als ich aus dem Zelt kam war da Valeska die genau so ein verquollenes Gesicht hatte. Wir haben dann nur lakonisch gemeint Gottseidank haben wir keinen Spiegel dabei.

Um 7.00 sind bereits ganze Scharen von Hikern an uns vorbeigerauscht und wir haben noch ganz verschlafen unsere Sachen zusammengepackt. Wir gehören eher zur Schildkrötenliga als zu den Ferraris auf dem Trail. Aber warum sollen wir uns auch beeilen? Es nützt uns nichts wenn wir bereits Ende Mai in Kennedy Meadows (High Sierra) sind, die Berge sind frühestens Mitte Juni passierbar.

Ich habe es heute gemütlich genommen und bin 6km bis Mount Laguna gelaufen. Dort habe ich dann auch Romana getroffen, die hatte mich am frühen Morgen bereits überholt als ich noch im Zelt war. Sie macht viel grössere Etappen wie ich, 32km sind für sie kein Problem. Wir haben dann zusammen gefrühstückt, endlich mal wieder richtiges Essen! Ich hatte eine Tortilla, die war super lecker. Romana ist dann bald schon weiter gezogen und ich bin zum Outdoorladen und habe mir ein neues Zelt gekauft. Der Weg ist einfach zu lang um mich mit einem Zelt rumzuschlagen mit dem ich nicht zurechtkomme. Ich musste dann noch Essen für 4 Tage bis Warner Springs besorgen.

Ja und am Schluss kam das Beste: Die erste Dusche nach bald 4 Tagen! Einfach göttlich😁. Zuerst musst ich aber noch Seife besorgen. Ein anderer Hiker, David, hatte das gleiche Problem und so sind wir zusammen runter gelaufen bis zum Outdoorstore wo wir Seife kaufen konnten. Dann ging es zurück zum Campground und direkt zur Dusche. Endlich mal wieder frische Unterwäsche! In der Dusche musste man Münzen einwerfen und für einen Dollar konnte man ganze 4 Min. (!) duschen. Ich hatte 2 Dollar und wollte gleich noch einen Teil meiner Kleider waschen. Da muss man richtig erfinderisch sein und vor allem bereit, denn sobald man das Geld einwirft fliesst das Wasser. Zuerst habe ich den Plastikmülleimer umfunktioniert und meine schmutzigen Kleider darin eingeweicht. Dann habe ich mich geduscht und eingeseift. Der erste Dollar war bereis weg. Dann habe ich die Kleider gewaschen, das Seifenwasser ausgeschüttet und den zweiten Dollar eingeworfen. Schnell abduschen und dann den Eimer wieder mit Wasser füllen. Puuuhhhh, war das stressig aber ich habe es irgendwie hinbekommen. Draussen habe ich dann meine frisch gewaschenen Kleider ausgebreitet und antrocknen lassen denn ich wollte noch 4km bis zur nächsten Campsite laufen. Um 16.30 bin ich dann losmarschiert. Es war so ein tolles Gefühl sauber zu sein. Habe das Gefühl auf dem Trail angekommen zu sein und fühle mich so frei. Als ich bei der Campsite ankam waren schon zwei Jungs da, die Namen habe ich schon wieder vergessen (Jan und Manu). Ratet mal woher die kamen? Aus Zürich!

Jetzt liege ich in meinem neuen Zelt und draussen stürmt es. Hoffe das es hält, fühle mich aber sehr wohl darin. Die Jungs haben mir geholfen es aufzubauen, da sie das gleiche haben! Bin an einem irre schönen Ort wo man einen Wahnsinnsausblick auf die Wüste hat. So werde jetzt meine Ohropax reinstecken und hoffen dass mein Zelt nicht kaputt geht bei diesem Wind. Wäre irgendwie bescheuert wenn es die erste Nacht nicht überleben würde… Falls es zusammen krachen sollte werde ich das ja früh genug merken, trotz den Ohropax!

Tag 3, Tentsite among the dead trees, Km 60.57, Höhe 1657m

Heute ging es vor allem in eine Richtung nämlich hinauf. Es war teilweise wieder atemberaubend schön. Manchmal kam es mir vor wie im wilden Westen und es hätte mich nicht gewundert, wenn ein paar Indianer hinter einem Felsen hervorgeschaut hätten. 

Ansonsten geht es bei mir eher langsam vorwärts denn ich habe eine Infektion am Zeh. Sieht aus wie ein Umlauf. Gar nicht gut auf dem Trail wo man immer dem Dreck ausgesetzt ist. Muss in Mount Laguna Antibiotika Salbe kaufen und kann nur hoffen das es besser wird sonst werde ich aussetzen müssen bis die Infektion abgeheilt ist. Sonst habe ich körperlich keine großen Probleme. 

Gegen Abend kam ich zur oben erwähnten Campsite.  Da saßen schon zwei junge Männer. Ich habe sie begrüßt und gefragt ob dies die Campsite bei den toten Bäumen sei. Woraufhin sie gemeint haben, dass sie weiterziehen und nicht mit mir hier campieren würden. War irgendwie komisch vielleicht hatten sie Angst, dass ich mich an Sie anhängen wollte. Ich habe dann nur gemeint, dass es ja Platz für alle hätte und dass ich auf jeden Fall hier bleiben würde. Tia, es hat halt auch komische Käuze auf dem Trail. 

Ich hatte mich schon darauf eingestellt meine erste Nacht alleine zu campieren und war darüber auch nicht sonderlich beunruhigt. Dann haben sich bald aber noch 2 Paare dazugesellt und schließlich kamen auch noch Valeska und Hinrich, die Deutschen mit denen ich bisher jeden Abend zusammen war. Die beiden sind total nett und wir hatten es richtig lustig. Um 20.00 haben wir uns dann in die div. Zelte zurück gezogen denn es war richtig kalt. Bis ich im Zelt alles organisiert habe und bereit bin für ins Bett vergeht meistens noch eine Stunde. Um Hikermidnight, dies ist um 21.00 h ist dann aber endgültig Schluss. 

Tag 2, Bolder Oaks Campground, Km 41.9, Höhe 970m

Ich habe wunderbar geschlafen in meinem Zelt trotz schwierigem Aufbau. Mit Froschgequake eingeschlafen und mit Vogelgezwitscher aufgewacht. Zum Frühstück gabs Haferflocken und Kaffee. Das Abbauen des Zeltes und Packen des Rucksacks dauert noch ziemlich lange. Habe fast 2 Std. gebraucht. Dies wird bestimmt noch besser werden. Dann kam der steile Aufstieg Richtung Lake Morena und ich hatte überhaupt keine Energie. Wahrscheinlich war ich noch müde von Gestern. Aber an Schönheit ist dieser Trail kaum zu übertreffen. Es ist einfach grandios! Ich habe es mir viel karger vorgestellt, nicht so vielseitig und grün. In Lake Morena sind wir zum ersten Mal mit Trail Magic überrascht worden. Auf dem Campingtisch stand eine Kühlbox mit Cola, Bier und sogar etwas Gras lag gekühlt dabei😉. Daneben lag noch ein leckeres Mountain House Dinner was ich mir gleich fürs Abendessen mitgenommen habe. Man hatte sogar den Rand angeschnitten um es leichter zu machen. So dachte ich auf jeden Fall, denn als ich abends mein leckeres Essen vorbereiten wollte musste ich feststellen, dass sich in dem Beutel nur Abfall befand. Krass oder? Musste dann halt mein Menü auf Cous Cous umstellen😖.

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Wir mussten heute auch unsere ersten Flüsse überqueren. Das heißt Schuhe aus, Wasserschuhe an und möglichst ohne umzufallen den Fluss oder Bach durchqueren. Ein richtiger Thru Hiker zieht die Schuhe nicht aus sondern läuft in seinen Trailrunnern ohne mit der Wimper zu zucken einfach durch. Vielleicht werde ich ja auch noch so tough und cool😉.

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Wir sind jetzt auf einem Campground. Man wählt sich einfach eine Stelle aus und wirft dann am nächsten Tag einen Briefumschlag mit dem Geld in den Kasten. Was wir übrigens heute Morgen vergessen haben😬.

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Ich hatte übrigens wieder einen Kampf mit meinem Zelt. Zu meiner Entlastung muss ich aber sagen, dass es tierisch gewindet hat. Schon mal probiert ein Zelt bei starkem Wind aufzustellen? Eben. Zudem war der Boden an der einen Stelle zu weich und an der anderen zu hart. Ich habe 3 Anläufe genommen und immer wieder die Stelle gewechselt. Es war zum verzweifeln! Ich muss aufpassen, dass mein PCT Name nicht „die mit dem Zelt kämpft heißt“. Es ist so ein Brauch auf diesem Trail, dass man einen Trailnamen erhält…

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So ich werde jetzt ins Zelt gehen, es steht noch, und ein Spongebad nehmen. Das heißt den Schweiß mit einem feuchten Bandana abwischen, so gut es geht, damit man dann in seine Schlafkleider steigen kann.