21. Tag, Big Bear Lake, Meile 266, Höhe 2056m

Heute Morgen bin ich etwas länger liegen geblieben als sonst aber um 6.45 war ich auf dem Trail. Ich fühlte mich etwas wackelig auf den Beinen nach dem anstrengenden gestrigen Tag. Es war zudem saukalt! Schon das Anziehen im Zelt brauchte etwas Überwindung und ich nehme die Unterwäsche immer zuerst in den Schlafsack bevor ich mich anziehe. Ich bin mit Daumenjacke gestartet. 

Ich wollte möglichst schnell runter laufen und an die Sonne kommen. Vielleicht habe ich mich auch deshalb zum ersten Mal verlaufen. Aber es ist wie auf dem Jakobsweg, meine innere Stimme meldet sich ziemlich schnell wenn ich auf dem falschen Weg bin und so musste ich nur ca. 200m zurück laufen. 

Ich habe nach 3 Meilen an einer wunderschönen Tentsite gefrühstückt, ein kleiner Bach war gleich daneben. So konnte ich gleich wieder Wasser filtern für die letzten 7 Meilen bis zum Trailhead nach Big Bear Lake. Ich habe immer zuviel Wasser dabei aber lieber so als zuwenig. 

Ich war zügig unterwegs und um 12.00 stand ich bereits am Highway 18 wo man Autostopp machen muss wenn man nicht 5 Meilen nach Big Bear laufen will. Jan, Manu und Pascal aus der Schweiz versuchten bereits ihr Glück waren bis anhin aber nicht erfolgreich. Wer will schon schlecht riechende Hiker mitnehmen😁? Es hat sich dann aber doch jemand unserer erbarmt und hat uns ins Big Bear Hostel gefahren. Auffallend ist, dass immer die Fenster im Auto ganz geöffnet sind bei den Leuten die uns mitnehmen. Woran das wohl liegt🤔?

Das erste was man tun will ist duschen wenn man in die Unterkunft kommt und das zweite die schmutzigen, stinkenden Klamotten zu waschen. Wir konnten wieder Kleider ausleihen, wie in Warner Springs, damit wir alles waschen konnten. Ich hatte viel zu grosse Bermudas und ein knalloranges T-Shirt. Ich sah wirklich lächerlich aus aber hier spielt das keine Rolle denn wir sind einfach Hikertrash😁. So nennt man PCT Hiker. 

Als nächstes wollten wir was Essen gehen. Wir hatten Lust auf Salat, Gemüse und Fleisch und haben nach einem guten Restaurant gefragt und auch eines empfohlen bekommen. David war auch gerade angekommen und ich habe ihn gefragt ob er mitkommen will. Er hat dankend abgelehnt mit der Begründung er wolle richtiges amerikanisches Essen, nämlich Burger und nicht sowas gesundes. Ja, ja die Europäer und Amerikaner haben sehr verschiedene Esskulturen. Das Essen war übrigens vorzüglich. 

20. Tag, Arrastre Trail Camp, Mile 256, Höhe 2318m

Heute bin ich meinen ersten 21 Meilen Tag gelaufen😜! Das sind fast 34km! Wahnsinn oder? Und es war keine leichte Etappe, es ging hoch und runter. Die Kunst ist einfach den Kopf auszuschalten, der einem sagen will dass man das nicht kann. Ich bin nach der Mittagspause zusammen mit Agnes gelaufen, einer Deutschen aus Frankfurt. Wir waren ein gutes Team und haben uns gegenseitig gezogen. Wir sind erst nach 20.00h im Arrastre Trail Camp angekommen und wurden mit lautem Applaus begrüßt.  Der Zeltaufbau und das Abendessen fanden im Dunkeln statt. Mittlerweile habe ich das Zelt so oft auf- und abgebaut, dass dies kein Problem mehr ist. Im Dunkeln pinkeln zu gehen finde ich aber immer noch etwas unheimlich… 

Durch den verbrannten Wald zu laufen war traurig aber der Trail war in besserem Zustand als angenommen, denn er ist erst Ende April, 4 Jahre nach dem Waldbrand,  wieder eröffnet worden. Von den 21 Meilen waren 5 Meilen total abgebrannt, da durfte man auch nicht Zelten, da tote Bäume umstürzen können. 

Der Rest der Strecke war aber wunderschön und man hatte immer wieder schöne Ausblicke auch auf Mount San Jacinto, das ist der Berg wo wir noch vor 2 Tagen waren. Es ist verrückt wenn man sieht wo man hergekommen und wieviele Kilometer man schon gelaufen ist. Wir sind heute übrigens an einer 400km Marke aus vielen kleinen Steinen vorbeikommen, nicht schlecht oder? 

So mehr schaffe ich heute nicht. Es ist bereits 21.30 und ich bin todmüde. 

19. Tag, Creek Side Camp, Meile 235.5, Höhe 1868m

Das Schlafen will nicht so gelingen auf dem Trail aber ausruhen tue ich mich glaube ich trotzdem.

Seit ich meinen Rucksack bei Schneefall im Zelt packen musste mache ich das jetzt immer so. Wenn ich aus dem Zelt krieche ist mein Rucksack bereits gepackt😉.

Heute Morgen war ein unglaublicher Sonnenaufgang. Auf der einen Seite ging die Sonne auf, auf der anderen der Vollmond unter. Ich hatte unheimlich Mühe diesen schönen Ort zu verlassen.

Im Moment wo ich angefangen habe zu laufen, habe ich gemerkt, dass meine Beine sich wie Gummi anfühlen und ich habe mich schwach gefühlt. Habe dann früher Pause gemacht und gefrühstückt aber das komische Gefühl wollte einfach nicht weggehen. Schien nicht mein Tag zu sein heute. Es war auch der erste Tag wo es wieder heiss war. Das schöne heute war, dass wir nicht viel Wasser schleppen mussten, da wir die ganze Strecke dem Mission Creek entlang gingen. Man konnte immer wieder mal Wasser auffüllen, Socken und Unterhosen auswaschen oder einfach den Sonnenhut ins Wasser tunken und zur Abkühlung nass aufsetzen.

Es war aber ein zähes Ringen heute und nach knapp 12 Meilen habe ich beschlossen einen Nero auf dem Trail einzulegen. Dies ist ein Tag an dem man nur wenige Kilometer läuft. Um 15.30 war ich bereits im Camp und habe mich ausgeruht.

Campo ein Hiker den ich heute Morgen noch quitschfidel auf dem Trail gesehen hatte lag krank in seinem Zelt. Vielleicht habe ich ja auch irgendeinen Käfer und war deshalb so schlapp und Antriebslos. Vielleicht muss ich aber einfach mehr essen den jetzt ist es langsam soweit dass ich immer Hunger habe. Muss mehr Food mit auf den Trail nehmen und vor allem meine Snacks besser planen.

In 2 Tagen bin ich in Big Bear und dann gibt es wieder einen Zero (Day off).

Heute campieren hier sicher 20 Hiker. Eine richtige Zeltstadt. Es hat damit zu tun, dass das nächste Stück vom Trail durch eine Gegend führt die 2013 abgebrannt ist. Es waren viele verschiedene Infos im Umlauf wo man campieren darf und wo nicht. Auf der Guthook App heisst es 20 Meilen Campverbot und auf dem Waterreport sind es nur 5 Meilen. Da wo ich jetzt bin ist die letzte Campmöglichkeit vor dieser Gegend. Wird bestimmt schwierig morgen denn durch den Brand wurde viel zerstört auch vom Trail.

Hoffe dass ich morgen wieder fit bin.

18. Tag, Tentsite, Mile 223.5, Höhe 1069m

Konnte mal wieder nicht schlafen so habe ich mir um 4.00 morgens einen neuen Regenrock von ZPacks bestellt, da ich meinen ja in Idyllwild verloren habe. Am Freitag ist er bereits im Big Bear Hostel in Big Bear Lake. Am Samstag bin ich dann auch da, hoffentlich.

Das Zusammenpacken am Morgen geht langsam schneller vonstatten und das erst spätere Frühstück nach 4 – 8km hat sich auch bewährt.

Heute bin ich um 6.15 los und es war echt hart. Mir hat die Sehne am Schienbein vom linken Bein geschmerzt vom vielen Abwärtslaufen und das linke Knie auch. Zudem das Kreuz wie immer. Es ist irgendwie schon komisch, dass ich immer alle Beschwerden links habe. Die Blasen waren links, die Infektion am Zeh auch. Rechts habe ich nie Probleme, echt komisch oder? Mit meiner linken Seite stimmt etwas nicht🤔.

Zuerst ging es auf einer asphaltierten Straße den Berg hinunter, dass fand ich gar nicht lustig wo mich doch das Schienbein und das Knie so schmerzte. Ich kam kaum voran bis ich die Entscheidung traf ,einen Gang höher zu schalten und dann ging es schon ein wenig besser. Dann musste ich die Talsohle der Wüste durchqueren, dass war echt ätzend. Erstens hat es furchtbar gewindet und zweitens musste ich im Sand laufen. Das ist doppelte Anstrengung. Und kann mir mal jemand sagen warum der Wind immer von vorne kommen muss? Mit meiner Laune stand es nicht gerade zum Besten. Erst als wir bei der Interstate unten durchlaufen mussten und Trail Angel für uns Hiker Wasser und Bier hingestellt haben, verbesserte sich meine Laune langsam. Es gab da auch Müllsäcke und so konnte ich den ganzen Müll von Burger King entsorgen, den ich von letzter Nacht mitschleppte.

Nach der Interstate habe ich mich kurz verirrt aber mit der GPS App von Guthook schnell den Weg wieder gefunden.

Dann ging es am Mesa Windpark vorbei. Die stellen Hikern gratis Wasser zur Verfügung und sogar ein schattiges Plätzchen. Ich habe eine kleine Donation hinterlassen weil ich es so toll finde was die Leute entlang des Trails alles für Hiker tun.

Da wir gestern alles hinuntergelaufen sind ging es auf der anderen Seite natürlich wieder steil hinauf. David hat mich erst nach 24km eingeholt aber er hatte auch Probleme mit seinem Fuß. Ich glaube er hat es gestern einfach etwas übertrieben mit seinen 20 Meilen (32km). Ich muss jetzt langsam in Meilen denken, deshalb im Titel ab jetzt Meilen😉.

Am Whitewater Creek gab es nasse Füsse beim überqueren. Ich habe vorher die Sohlen aus den Schuhen genommen und bin dann mit den Schuhen durch den Fluss. Meine Schuhe zum Flüsse überqueren sind bereits aussortiert worden. Anschliessend habe ich die Socken, das T-Shirt und mein Taschentuch ausgewaschen. Auch die Haare wurden ausgespült😉. Dann habe ich das T-Shirt wieder feucht angezogen, herrlich!

David ist am Fluss geblieben, da er seinen Fuss kühlen wollte. Ich bin noch 3 Meilen weiter den Berg hinauf. Ich hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen weil ich David alleine am Fluss zurückgelassen hatte. Ich hätte bei ihm bleiben sollen, bin ein schlechter Buddy. Ich fühlte mich aber einfach so gut und hatte noch mehr Meilen in meinen Beinen.

Ich hatte wieder das Gefühl von einem Mountain Lion (Puma) gestalked (verfolgt) zu werden. Die Vögel haben plötzlich Alarm geschlagen und ich sah etwas braunes wegrennen. Könnte aber auch ein anderes Tier gewesen sein, bin seit meinem letzten Erlebnis einfach etwas sensibilisiert. Ich habe mich ständig umgesehen und gedacht, dass ich wohl doch besser bei David am Fluss geblieben wäre. Dann hätte ich aber die schönste Tentsite seit dem Beginn meines Trails verpasst😉.

Ich kam zu einem Ausichtspunkt mit einer Wahnsinnsaussicht! Da sassen Jim von Australien und Mountain. Ich war sehr erleichtert zu hören, dass Jim auch bis zur nächsten Tentsite will so musste ich nicht alleine campen mit meiner Mountain Lion Phobie😬. Zudem war es der schönste Platz zum campen den ich bisher gesehen habe. Wir hatten eine 360 Grad Panoramasicht! Zudem war Vollmond und der ging gerade orange auf. Es war phänomenal! Zudem hörte man die Koyoten singen!!! Man sah auch die Lichter von Palm Springs. Jim hat einen kleinen Campingstuhl dabei und sein Laptop. Bin ja mal gespannt wie lange er das rumschleppt😉.

Ich habe 18 Meilen geschafft heute, dies sind fast 29km und ich war nicht völlig am Ende wie letztes Mal als ich um 19.30 in Mikes Place eingelaufen bin. Das macht mich jetzt schon ein bisschen stolz😊. Ja und übrigens geben viele in den ersten 200 Meilen auf aber ich bin immer noch da😜.

17. Tag, Snow Canyon Road, Km 331.1, Höhe 527m

Gut geschlafen habe ich nicht aber ich hatte warm. Auf dem West Highland Way in Schottland hatte ich nicht so Mühe zu schlafen, da hat mich aber auch das Kreuz nicht so geschmerzt😬. Ich kann nicht sagen, dass ich um 5.00 aufgewacht bin denn ich war ja schon wach. Um 6.15 ging es los und es war saukalt. Wir haben alle den Weg gesucht und dann gab es auch noch zwei davon. Später haben wir rausgefunden, dass es keine Rolle spielt da beide Wege wieder zusammen kamen. Es ging nur den Berg herunter. Wir sind von 2350 auf 500m abgestiegen in endlosen Serpentinen. Am Morgen früh war es noch schön doch dann kam plötzlich der Nebel vom Tal hoch. Ich mag Nebel beim Wandern, es hat so was mystisches. Ich kam zügig voran. Es ging zwar den Berg hinunter aber nie sehr steil. Dieser Weg wurde ursprünglich für Packtiere angelegt, deshalb die endlosen Serpentinen. Um 16.00 war ich bereits bei Meile 205 und ich wäre gerne noch ein paar Meilen weitergelaufen. Es gab aber für die nächsten 15 Meilen keine Campmöglichkeit, deshalb beschloss ich früher Feierabend zu machen.

Mein Trail Buddy David ist auch hier. Hatte ihm um 16.00 geschrieben dass ich hier bleibe und das hat ihn so motiviert noch einen Zahn zuzulegen, dass er um 18.15 hier war. Ich musste total lachen, als ich ihn den Weg runterrennen sah. Er benutzt scheinbar die gleiche Technik wie ich um den Berg runterzukommen. Sherpatechnik: Man geht tief in die Knie, das Körpergewicht ist vorne und dann rennt man in kleinen Schritten den Berg hinunter. Dies gibt stramme Oberschenkel und schont die Knie😊. Nur sieht es bei ihm aus wie eine Lokomotive die den Berg runter kommt…

Heute gab es Hamburger und Pommes zum Essen. Cabazon eine kleine Stadt liegt ganz in der Nähe, deshalb wurde ein Uber bestellt, schnell nach Cabazon gefahren und für die ganze Hikergemeinde Bürger und Pommes bestellt. Hätte nicht gedacht, dass mir Junkfood mal so schmecken würde😉.

Ich habe heute viel zu wenig gegessen. Habe angefangen zu rationieren da ich nur für 5 Tage Essen dabei habe aber mind. 6 Tage bis Big Bear brauche. Durch den Hamburger heute habe ich wieder eine Mahlzeit mehr. David hat mich auch noch mit Snacks eingedeckt, es kann also nichts schiefgehen.

Morgen hat es nur 24 Grad und das ist gut so, denn wir werden die Wüste ganz unten durchqueren und dies ist im Normalfall ziemlich heiß.

So jetzt fallen mir die Augen zu…

16. Tag, Fuller Ridge Tentsite, Km 306.6, Höhe 2350m

Ich habe so gut geschlafen letzte Nacht im weichen Bett in Idyllwild Inn. Es ist mir fast etwas schwer gefallen aufzustehen. Habe leider meinen Regenrock verloren, wahrscheinlich in der Laundry als ich mein Zelt zum Trocknen aufgehängt habe. Habe noch nachgefragt aber leider haben sie nichts gefunden. Das hat mich gestresst, denn wenn es regnet habe ich für die Beine keinen Schutz. Jetzt muss ich mir nach Big Bear einen neuen schicken lassen.

Habe sehr gut gefrühstückt außer der Kaffee in Amerika der ist einfach zu dünn, sogar mit Double Espresso schmeckt er immer noch wie Abwaschwasser. Um 9.00 musste ich dann meine Bounce Box auf die Post bringen und 300km weiter den Trail hinaufschicken und um 9.45 konnte ich endlich loslegen.

Ich bin den Deer Springs Trail hinaufgegangen, der ist kürzer als der offizielle Weg. Ich wusste, dass ich es sonst nicht bis Meile 190 schaffen werde. Dort ist der erste Zeltplatz wo man ohne Permit campen darf. Ich hatte im Vorfeld ziemliche Aengste betreffend dieser Etappe weil Fuller Ridge berühmt berüchtigt ist für verschneite und vereiste Wege auf der Nordseite. Gottseidank hatte ich meine Mikrospikes dabei. Zuerst musste ich aber den Anfang des Deer Spring Trails finden und meine Navigationskenntnisse lassen doch sehr zu wünschen übrig. Ich hatte immer das Gefühl in die falsche Richtung zu laufen, bis ich dann endlich zwei Hiker traf die mir bestätigten auf dem richtigen Weg zu sein. Das Problem war eigentlich nur, dass ich in meinem GPS nur den Anfangspunkt des Trails eingegeben hatte….

Es ging über 1000m hoch und irgendwann spürte ich dann auch die Höhe. Musste immer wieder stehen bleiben aber es ging nicht nur mir so. Ich bin um 9.45 gestartet und um 19.00 abends angekommen. Ich bin ca. 12 Meilen gelaufen, das sind ca. 19km. Eigentlich nicht viel aber mit den vielen Höhenmetern extrem anstrengend. Die Aussicht und Natur waren aber umwerfend! Füller Ridge war wirklich sehr rutschig und nachdem ich lange genug rumgerutscht bin habe ich dann die Mikrospikes angezogen. Warum um Himmelswillen habe ich nur so lange damit gewartet. Ich fühlte mich sogleich viel sicherer.

Ich habe heute übrigens meinen ersten etwas schwierigeren Fluss überquert. Musste über einen Baumstamm und über Felsen und am Schluss bin ich doch noch mit einem Fuß rein. Gar nicht so einfach das Ganze.

Um 19.00 bin ich endlich angekommen und es reichte gerade noch um etwas zu essen, in die Büsche zu gehen und dann ab ins Zelt zum Aufwärmen. Es war bitter kalt auf 2350m. Hatte mal wieder alles an was ich dabei hatte. Bin froh um das wärmere Inlet welches ich mir gekauft habe. Meine Oberschenkel und das Gesäß brauchen immer extra lange bis sie warm werden. Habe zuerst gedacht der Schlafsack sei da dünner aber es liegt daran dass diese Stellen wahrscheinlich nicht so sehr durchblutet werden. Bin natürlich auch zum Essen am Picknicktisch gesessen und habe mir den A….. abgefroren.

So morgen geht es nur noch runter bis auf den Talboden der Wüste. Sollte lockerer sein als heute.

15. Tag, Idyllwild 

Ich habe nicht gefroren aber ihr hättet sehen sollen was ich alles anhatte. Ich musste während der Nacht sogar meine warmen Socken ausziehen weil ich so heiße Füße hatte. In der Nacht und am Morgen hat es geschneit und es scheint den ganzen Tag so weiter zu gehen. Im Moment sitze ich gerade mit Santa in der Laundry und wir warten bis seine Wäsche fertig ist. Ich werde meine Wäsche dann im Hotel waschen lassen. Was freue ich mich darauf frisch geduscht oder vielleicht sogar gebadet auf einem frisch bezogenen Bett zu liegen😊. Habt ihr schon mal ein Zelt bei starkem Schneefall abgebaut? Ich bisher auch nicht aber es ist eine ziemlich nasse Angelegenheit. Ich habe es jetzt in der Laundry zum trocknen aufgehängt damit es zumindest etwas abtropfen kann bevor ich ins Idyllwild Inn gehe. 

Heute habe ich nicht mehr viel zu tun, ich kann einfach ausruhen. Vielleicht meine Sachen noch etwas reinigen. Morgen geht es weiter und es wird eine Bergetappe mit Schnee. Drückt mir die Daumen, dass ich mich nicht verirre. Gottseidank habe ich GPS!

14. Tag, Idyllwild

Heute hatte ich einen richtigen Durchhänger. Es war mir alles zuviel und alles fühlte sich so kompliziert an. Auch fühlte ich mich ziemlich alleine und der Aufgabe nicht gewachsen. Ich habe mich ca. bis 8.00 in meinem Zelt verkrochen und mich dann aufgerafft frühstücken zu gehen. Von da an ging es mir gleich besser. Habe andere Hiker getroffen und die Amerikaner sind einfach anders als wir Europäer, man kommt gleich mit ihnen ins Gespräch. Wir mögen dies als oberflächlich ansehen aber es macht es soviel einfacher in Kontakt zu kommen und alleine in ein Restaurant zu gehen.

Ich habe Food für die nächsten 5 Tage eingekauft, mir ein Zimmer für Morgen im Idyllwild Inn organisiert, eine Karte für Mount San Jacinto (jetzt geht es in den Schnee), meine Pakete die ich in San Diego aufgegeben habe auf der Post abgeholt und alle meine Sachen aufgefüllt.

Morgen wenn ich im Hotel bin werde ich alle meine Sachen durchgehen und reinigen. Damit dann alles wieder schön schmutzig werde kann 😁.

Als ich von der Post zurück kam stand Santa (David) da, er hat sein Zelt unwissentlich direkt neben meinem aufgestellt. Die Freude war beiderseits groß wie haben uns seit Mikes Place nicht mehr gesehen. Er wird morgen auch ins Idyllwild Inn ziehen und am Montag weiterlaufen. Habe ihm noch schnell gezeigt wo die Post ist damit er sein Paket abholen konnte und dann sind wir ein Bier trinken gegangen und haben auf unsere ersten 176 Meilen angestoßen.

So ich werde mich jetzt langsam in meine Tiefkühltruhe begeben und alles anziehen was ich zur Verfügung habe. Draussen ist es nass und neblig. Brrrrrrrr❄️❄️❄️.

13. Tag, Idyllwild, Km 243.0, Höhe 1671m

Letzte Nacht als ich im Zelt lag habe ich gemeint ein Knurren gehört zu haben. Ich habe sofort an einen Puma gedacht aber es damit abgetan, dass es wohl der Wind gewesen war. Vorsichtshalber habe ich den Reißverschluss des Vorzelts zugezogen, wie wenn das bei einem Angriff eines Pumas was nützen würde😬. Ich hatte aber nicht groß Angst, habe meinen Blog weiter geschrieben und mich dann schlafen gelegt.

Als ich am nächsten Morgen zusammen gepackt habe, habe ich klar die Spuren eines Pumas vor meinem Zelt gesehen. Auweia! Habe ich mir das Knurren doch nicht eingebildet. Die Spuren folgten vor mir den Trail hinauf und um das Ganze noch auszureizen hat die große Katze noch mitten auf den Trail gekackt. Ganz frisch! Ich habe mich die ganze Zeit umgeschaut und vor allem bei Felsen hochgeschaut. Pumas fallen einem ja am liebsten von oben an und haben es auf das Genick abgesehen. Mein Genick ist Gottseidank gut durch den Rucksack geschützt. Na ja habe mich damit getröstet, dass der Mensch nicht zu oberst auf dem Menuplan des Pumas steht und bin tapfer den Pfad entlang gegangen.

Es ging ziemlich den Berg hinauf und ich war froh, nur noch knapp 3lt Wasser bei mir zu haben und nicht mehr 5lt meines leckeren Wassers. Auf einem Schild stand Water Cache in 1 Meile. Habe mich total gefreut, denn dies hieß, dass ich frühstücken konnte. Kaffee und Müesli benötigt einiges an Wasser, deshalb musste ich dies auslassen. Das Wasser musste ja noch 20km reichen. Als ich beim Cache ankam war der aber leider leer und so gab es halt nur einen Kaffee und einen Müesliriegel. Als ich dort saß kamen Peach, Long Carry, Mac Man und Mark vorbei, die ich gestern vermisst habe. Sie waren wirklich bei dem älteren Hiker, Tumbleweed, geblieben. Sie sind mit ihm noch bis zur Straße gegangen und Peach hat dann den Helikopter gerufen. Tumbleweed hatte vor nicht all zu langer Zeit eine offene Herzoperation. Es ging ihm gar nicht gut. Bin froh dass ich meinen SPOT GPS Locator dabei habe. Nicht nur für mich sondern auch wenn man anderen helfen muss. Ist doch irgendwie beruhigend zu wissen, dass ich nur eine Knopf auf meinem SPOT lange genug drücken muss und dann kommt ein Helikopter.

Nach 8 Meilen kamen wir beim Walden Cache an wo es nicht nur Wasser in einem Tank hatte sondern auch gekühlte Getränke in einer Kühlbox. Ich träume ja seit 2 Tagen von einer eisgekühlte Cola. Nicht dass ich sonst Cola trinken würde..,

Das Wasser von der gestrigen Quelle haben wir großzügig benutzt um unsere Hände, Arme und Gesicht zu waschen. Mann war ich froh, dass ich dieses gelbliche Wasser nicht mehr trinken musste!

Es ging dann wieder steil hinauf und war Sau heiß. Mir ist bald die Puste ausgegangen und ich beschloss Pause zu machen. Es ist nicht nur schwierig Schatten zu finden sondern noch schwerer einen Platz wo man sich hinlegen kann. Die meisten Plätze sind irgendwie in Schräglage so dass man sich nicht wirklich entspannen kann.

Um 14.00 war ich dann endlich im Paradise Valley Café, ein Highlight für jeden Hiker! Dort habe ich mir den Jose Burger mit Pommes gegönnt und 2 Riesengläser eisgekühltes Coca Cola😜. Beim Burger hatte es sogar Schweizer Käse, Speck, Avocados und Tomaten dabei. War lecker! Das Schaumgummibrot habe ich einfach links liegen lassen😉.

Dann war mein erster Hitch nach Idyllwild fällig. Ich hatte 3 Hiker schon seit längerem bei ihrem Versuch beobachtet und dachte mir schon, dass wird wohl nicht ganz so einfach. Ich habe mich dann etwas weiter hinten hingestellt und 5 Min. später hielt ein Auto aber leider bei den anderen. Ich durfte dann aber auch noch mitfahren, die freundliche Dame hatte ein riesiges Auto voller Hundefutter😉.

Jetzt bin ich auf dem Campingplatz Mount Jacinto. Für Morgenabend und Sonntag ist ein Schneesturm vorhergesagt und ich fürchte mich bereits vor dem Frieren in meinem Zelt. Die Temperatur wird tagsüber auf 6 Grad runtergehen und nachts auf Nullgrad. Nachdem wir die letzten Tage ca. 39 Grad hatten. Brrrrr! Schickt mir doch bitte eure wärmsten Wünsche😘.

12.Tag, Tentsite, Km 225, Höhe 1069m

Heute Morgen war es sehr schwer. Bin gestern über meine Grenzen und körperlichen Ressourcen gegangen. Hatte kaum Zeit mich in der kurzen Zeit zu erholen, zudem habe ich wieder schlecht geschlafen. Um 5.00 bin ich aufgestanden und um 6.00 war Abmarsch. Ich hatte 3.5lt Wasser gebuckelt und mich den Hang hinauf gequält😩. Ich hatte echte Zweifel, ob das Ganze nicht eine Nummer zu groß für mich ist. Nach zwei Kilometern musste ich bereits pausieren um zu frühstücken und neue Energie zu tanken. Danach war ich wie ausgewechselt und es lief wie geschmiert. Es ging natürlich auch vor allem runter oder geradeaus😀. Keine Gedanken mehr aufzugeben. Gegen 12.00 war ich bei der „Tule Spring“ die zu den sicheren Wasserquellen gehört. Heute hatten wir Eisengeschmack mit einem leichten Hauch von Schwefel auf dem Programm😂. Die Quelle ist aber geflossen deshalb mussten wir das Wasser nur filtern. Ich bin fast 3 Std. an der Quelle geblieben mit allen anderen. Wir haben geredet, gegessen, geschlafen und darauf gewartet, dass es nicht mehr so heiss ist. Um 14.45 habe ich mich dann mit 5lt (!!!) Wasser auf den Weg gemacht. Die nächsten 24km gibt es kein sicheres Wasser und ich musste auch noch trocken Campen. Nur schon den Rucksack auf den Rücken zu schwingen ist ein immenser Kraftakt. Ich bin dann losgetorkelt. Gottseidank ging es nicht steil den Berg hinauf. Habe jede Stunde eine Pause machen müssen, am Nachmittag geht mir immer die Energie aus. Um 17.30 habe ich dann beschlossen „to call it a day“. Bin an einer wunderschönen, wenn auch etwas windigen Stelle. Als ich am Zelt aufbauen war, ist der Helikopter über mir durchgeflogen und ich wusste sogleich, dass sie einen Hiker rausfliegen. Zuerst hatte ich Angst, dass ich unabsichtlich den Knopf auf meinem SPOT gedrückt habe. Julia, eine Kanadierin aus Vancouver, hatte mir erzählt, dass ein älterer Mann wegen der Hitze Erbrechen musste und ich nehme schwer an, dass sie ihn rausgeflogen haben. Auch sind meine vier amerikanischen Hikerfreunde, Peach, Long Carry, Mac Man und Mark nicht bei mir aufgetaucht und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie bei dem älteren Herrn geblieben sind. So funktioniert die Hikergemeinschaft, man schaut zueinander.
Ich habe jetzt für morgen noch ca. 3lt Wasser, dies muss für 20km reichen. Wenn ich Glück habe gibt es noch einen Water Cache der bestückt ist. Das Problem ist, dass bei immer mehr Hikern die Trail Angel gar nicht mehr nachkommen mit auffüllen. Deshalb heißt es auch immer wieder, dass man sich nicht auf diese Caches verlassen soll. Dies kann wirklich lebensbedrohlich sein und ich möchte eigentlich nicht meinen SPOT benützen müssen weil mir das Wasser ausgegangen ist.
Dann ist mir beim Zeltaufbau auch noch ein Malheur passiert. Ich hatte meinen Wasserbeutel hingestellt und der Deckel war nicht ganz zu. Es kam was kommen musste, nämlich ein Windstoß und ein Teil meines köstlichen Eisen/Schwefelwassers ist im Boden versickert. Na ja what to do, habe hoffentlich noch genug für morgen.