103. Tag, Kennedy Meadows Resort (North), Meile 1016.9, Höhe 2521m

Ich bin total traurig. Wie ich heute von Estefania erfahren habe wurde Tree seit einer Woche vermisst und man hat ihren toten Körper heute im Kerrick Creek gefunden. Tree und ich waren beide bei Scout und Frodo und sind am gleichen Tag gestartet. Sie saß im Auto neben mir… Das letzte Mal sah ich sie in Mount Laguna auf dem Campingplatz. Sie musste eine Pause machen weil sie wie ich eine Infektion am Zeh hatte. Sie hat mir auch noch Antibiotikasalbe in einen kleinen Ziplock abgefüllt damit ich meinen Zeh verarzten konnte. Es tut mir so leid für sie und ihre Familie. 

Sie ist in dem Teilstück verunglückt, welches D-Hiker und ich morgen starten werden. Ich bin im Moment verunsichert. Vielleicht ist es einfach zu gefährlich was wir hier machen. Tree ist nach Strawberry die zweite welche in einem Fluss ertrinkt und beide waren alleine unterwegs. Diese Flussüberquerungen sind wirklich beängstigend…

Trotzdem werden wir morgen starten und uns bei den Flüssen viel Zeit nehmen. Es stimmt einem aber schon sehr nachdenklich. Ich weiß auch wie schnell etwas passieren kann und wie verletzlich wir hier draußen sind. Ich habe heute selber einen Fluss auf einem Baumstamm überquert und bin mit meinem Stock abgerutscht und kurz ins straucheln geraten…

Wir haben heute übrigens nicht wie wir gemeint haben den Sonora Pass überquert, der kommt nämlich erst morgen aber der Pass war trotzdem sehr hoch. Wir waren auf über 3200m. Beim hinauflaufen hatte es ab ca. 2900m Schnee. Wir mussten aber nie die Microspikes anziehen. Beim hinunter gehen gab es eine etwas gefährliche Stelle, wo ein Schneeblock den Weg versperrte. Wir sahen schon von weitem, dass dies eine Herausforderung darstellen würde. Bisher waren wir noch nicht getestet worden. Wir sind unter dem Schneefeld durchgegangen und mussten dazu steil auf brüchigem, sandigem Weg den Berg hinunter. Darunter war eine Schlucht was es auch nicht gerade einfacher machte. Jeder Schritt war eine Gratwanderung und man konnte jeder Zeit abrutschen. Einmal war ich in einer richtig blöden Situation, wo ich nicht vor oder zurück konnte. Ich habe mich dann irgendwie gewendet und mich mit den Händen an den Felsen festgehalten. Mann war ich froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Dies war aber die einzige brenzlige Situation am heutigen Tage. 

Am Mittag waren wir bereits auf der Sonora Pass Straße und wurden nach einer halben Stunde von einem Autofahrer mitgenommen der mit seinem Sohn Urlaub machte. Sein Sohn lebt bei seiner Mutter in Berlin und hatte gerade Sommerferien. Es war sehr angenehm in so einem schönen Wagen mit Ledersitzen, ich glaube es war ein Chevrolet, die Straße hinunter zu fahren. 

Das Kennedy Meadows Resort ist sehr schön und für PCT Hiker gibt es für 35$ ein Bunkbed, eine Dusche und einmal Wäsche waschen. Dazu einen sehr gut ausgestatteten Store für Hiker und ein Restaurant😊. 

Bei meiner Ankunft rief jemand meinen Namen. Es war Estefania (Five Star), welche ich zuletzt am Scissors Crossing gesehen habe. Wir haben die allerersten Schritte auf dem PCT gemeinsam gemacht. Das war eine Freude. Sie ist durch die Sierra gelaufen👍. Hoffe sie in Oregon wieder zu sehen. 

Big Sky hat hier aufgehört und ist Richtung Montana aufgebrochen, sein zu Hause. Er wollte mit uns laufen oder nach Hause fahren. D-Hiker wollte dies aber auf keinen Fall. Ich habe ihm beim Abschied gesagt, dass er nicht aufgeben soll nur weil er verletzt sei und dass er es nicht von einer Person abhängig machen soll ob er den PCT läuft oder nicht. Als ich durch D-Hiker erfuhr, dass Big Sky nicht mehr mit mir laufen wollte, war ich zuerst auch verletzt aber ans Aufgeben habe ich keine Sekunde gedacht. Man muss die Motivation haben den Weg alleine zu gehen, was nicht heißt, dass er alleine durch die Sierra gehen soll. Wenn D-Hiker nicht zu mir gestoßen wäre, wäre ich zum Kennedy Meadows Resort gelaufen und wäre dort ein paar Tage geblieben um auf Southbounder zu warten wo ich mich hätte anhängen können. 

Wir haben übrigens beide in der Hiker Box einen Bärenkanister gefunden. Den brauchen wir ab dem Sonorapass bis zum Kearsage Pass am Ende der Sierra. Vor allem in Yosemite soll es sehr viele Bären haben. Die Bären werden von den Rangern mit Gummigeschossen beschossen damit sie wieder mehr Angst vor den Menschen haben. 

Wir müssen unseren Rucksack völlig anders packen damit dieses Monster von Bärenkanister darin Platz hat. Dieses Teil wiegt 1.2kg!!! Ich weiß noch nicht wie das gehen soll. Schlussendlich habe ich es irgendwie geschafft, jetzt muss ich es nur noch schaffen, dieses Monster von einem Rucksack den Berg hinauf zu bekommen. Dies ist aber Gottseidank erst morgen und deshalb gehe ich jetzt schlafen. 

102. Tag, Tentsite, Meile 1025.9, Höhe 2522m

Morgen geht es auf den Sonora Pass, der ist über 3000m hoch. Bin gespannt wie das gehen wird aber ich bin zuversichtlich, dass ich das meistern kann. Big Sky kommt jetzt doch mit uns aber vorher wollte ich eine Aussprache. Keiner sollte auf so einen hohen Pass mit Schnee alleine gehen. Big Sky wird in Kennedy Meadows North vom Trail gehen und nach Hause fahren. Vielleicht auch weil D-Hiker ihm klar gemacht hat, dass sie die Sierra mit mir laufen wird. Alleine will er nicht weitergehen das mache keinen Spaß. Klar sollte man die Sierra nicht alleine laufen aber man sollte die Motivation haben den Trail alleine zu gehen. Er könnte sich in Kennedy Meadows auch einer anderen Gruppe anschließen. Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir diese Aussprache hatten. Ich glaube wir haben uns einfach gegenseitig die Knöpfe gedrückt. Für mich ist das Ganze jetzt aber erledigt und fühlt sich ok an. 

Wir mussten heute einige Flüsse und Bäche überqueren und es wird immer anspruchsvoller. Aber man wächst ja mir der Aufgabe. Bis jetzt haben wir es immer geschafft, mit trockenen Füßen rüber zu kommen aber dies ist wohl bald vorbei. Vom Sonora Pass bis Tulomne Meadows sollen die schwierigsten Flussüberquerungen zu meistern sein. Wir werden sehr vorsichtig sein und wenn es sein muss laufen wir zuerst eine Meile den Fluss hoch bis wir eine Stelle finden wo wir gefahrlos überqueren können. Die Wasserlevels sind jetzt auch schon viel tiefer als noch vor einem Monat. 

Ich freue mich auf die Sierra und hoffe, dass wir noch mind. 2 gute Leute finden. 

101. Tag, Tentsite, Meile 1047.1, Höhe 2667m

Die Nacht verlief ruhig, es kam kein weiteres Gewitter mehr. Ich ließ den Eingang der Rainfly offen, so zirkuliert die Luft im Zelt besser. Ich hatte bisher nur einmal Kondenswasser in meinem Zelt und das war in Idyllwild als es schneite. 

Als ich aufwachte färbte sich der Himmel draußen gerade rot und es herrschte eine wunderschöne Stimmumg. Ein Sonnenaufgang in den Bergen ist schon speziell schön. Es war auch gar nicht kalt nur der Wind blies ein bisschen. Leider konnte ich mir keinen Kaffee machen, da ich zuwenig Wasser hatte. Die nächste Wasserquelle war aber nur 0.8 Meilen weiter. In der Sierra muss man nicht soviel Wasser schleppen, 1lt reicht. Es hat hier überall Wasser ohne Ende. 

Wir haben heute einen PCT-Hiker getroffen, der mit seinem Hund unterwegs war. Das sieht man sehr selten auf dem Trail. 

Es war heute wieder spektakulär mit diesen Lavafelsen die zu spitzen Bergen estarrt waren und dann immer wieder diese Wildblumenwiesen in allen Farben. 

Wir sind heute Big Sky begegnet. D-Hiker war zuerst oben und hat gemeint, ich sei auch da. Woraufhin Big Sky den Kopf schüttelte und mich mit einer weiteren Ladung Ablehnung überschüttete. Ich bin dann gestürzt und habe mir am Ellbogen ziemlich weh getan. Ich kann mit Ablehnung nicht gut umgehen und es ist sehr verletzend. Ich bin in letzter Zeit nie gestürzt, kaum sehe ich Big Sky, liege ich wieder auf dem Boden. Ich habe dann D-Hiker gesagt, dass sie die Situation schnell klären müsse, denn eines war für mich klar, ich würde mich nicht ein zweites Mal dieser Situation aussetzen. 

Big Sky ist dann voraus gelaufen und hat am Sherrold Lake sein Camp aufgeschlagen. Wir wollten sowieso weiter und haben ihm eine gute Nacht gewünscht. Er tut mir auch leid, denn er ist wahrscheinlich verknallt in D-Hiker und hat jetzt ein gebrochenes Herz. Endlich hatte er was er wollte, er war alleine mit D-Hiker und dann beschloss sie, dass sie wieder mehr alleine laufen wollte und jetzt läuft sie mit mir. 

Übermorgen werden wir den Sonora Pass in Angriff nehmen und das ist dann wirklich eine Herausforderung. Der Sonora Pass ist sozusagen der Eingang in die High Sierra. Er ist auf 10500 feet und ganz sicher werden wir mit viel Schnee zu kämpfen haben. Was ich dabei gar nicht gebrauchen kann ist jemand der mich nicht mag und mich so offensichtlich ablehnt. Ich brauche nämlich einen sicheren Schritt. 

100. Tag, Tentsite, Meile 1067.9, Höhe 2681m

Wir mussten heute schon wieder früher anhalten wegen einem Gewitter! Wir waren gerade auf 2700m, zuoberst wo man eben nicht sein soll. Wir haben dann versucht so schnell wie möglich abzusteigen. Auf einer kleinen Zwischenebene machte der PCT eine lange Rechtskurve und wir wären direkt in das Gewitter hineingelaufen. Deshalb entschlossen wir anzuhalten und unsere Zelte aufzubauen. Das Gewitter ist wieder an uns vorbeigezogen. Da es bereits 18.00 war beschlossen wir hier zu bleiben. 

Wir schaffen im Moment nicht gerade viele Meilen aber es sind auch viele Höhenmeter zu bewältigen und bei Gewitter in den Bergen ist Vorsicht geboten. 

Liege in meinem Zelt und lausche dem Wind. Morgen heißt es wieder früh aufstehen und schnell zum nächsten Wasser laufen, denn ich habe nur noch ca. 200ml. Eigentlich wollten wir zum nächsten Wasser laufen und dann entscheiden wo wir campen. Aber es läuft halt nicht immer alles nach Plan. 

Wir mussten heute einige Schneefelder überqueren aber es war alles ohne Mikrospikes möglich. 

Am Carson Pass wurden wir im Info Center ganz herzlich empfangen und es gab Sodas und Chips. Es arbeiten Freiwillige hier, alles Frauen und sie waren super nett. 

Es hatte ausgesprochen viele Touristen und Dayhikers unterwegs aber beim ersten Flecken Schnee waren alle verschwunden und wir hatten den Trail wieder für uns alleine. Wir sind auch wieder Northboundern begegnet und die meinten, dass die Flüsse jetzt viel besser zu überqueren seien und wir keine Probleme haben sollten. 

In drei Tagen sind wir im Kennedy Meadows North Resort und ich hoffe dass wir eine tolle Gruppe finden um durch die High Sierra zu gehen. Ab da müssen wir auch einen Bärenkanister dabei haben, das Ding wiegt ca. 1.2 kg und ist bei Hikern entsprechend unbeliebt. Wir hoffen, dass wir keinen neuen kaufen müssen sondern wollen einem Northbounder den Bärenkanister abkaufen. Die brauchen ja keinen mehr😉. 

99. Tag, Tentsite, Meile 1085.7, Höhe 2637m

Wir haben uns heute Morgen noch herzlich bei unseren Camp Hosts Donna und Mike bedankt, dass wir hier übernachten „durften“. Macht ja nichts, dass es in deren Abwesenheit war😂. 

Dann sind wir frühstücken gegangen. Das Café machte um 7.00 auf und um 7.02 saßen wir bereits am Tisch😉. Es gab ein deftiges Omelett und dazu einen Kaffee nach dem anderen. Ich finde das echt symphatisch, dass sie einem in Amerika immer wieder nachschenken. Ich habe mich mittlerweile an die dünne Brühe gewohnt und hoffe, dass ich kein Herzflattern kriege wenn ich zurück in Europa bin und richtigen Kaffee trinke. Wir blieben mind. 2 Stunden, das hieß sie mussten oft nachschenken😜. Sie hatten uns schon lange die Rechnung hingelegt, welche wir einfach ignorierten. Ja wir Europäer bleiben einfach länger sitzen🤗. 

D-Hiker hat Probleme mit ihrer Kreditkarte, sie wurde gesperrt weil sie von jemand anderem benutzt wurde. Keine großen Beträge aber sehr unangenehm für sie da sie kein Bargeld beziehen und auch nicht mit Karte bezahlen kann. Sie muss jetzt gaaaanz nett mit mir sein sonst hat sie ein Problem😉. Natürlich passiert sowas immer am Wochenende wenn man niemanden erreichen kann. Auf meiner Karte steht eine Notfallnummer wo ich Tag und Nacht anrufen kann auch am Wochenende. Sie hat aber keine solche Nummer, hat ja auch eine deutsche Karte. 

So um 9.30 machten wir uns auf den Weg. South Lake Tahoe erstreckt sich über mehrere Kilometer der Hauptstraße entlang. Kein guter Ort für Hiker, die kein Auto haben. Wir haben also versucht zu hitchen. Da niemand angehalten hat sind wir einfach weitergelaufen. An einer Ampel hat uns dann ein älterer Herr angesprochen ob wir mitfahren wollen. Jaaaaaa natürlich👍. Er hat uns zum Outdoor Store gefahren wo ich neue Schuhbänder kaufen konnte. Der eine Schuhbändel ist angerissen und ich möchte nicht riskieren, dass er in der Sierra reißt. Außerdem habe ich mir eine neue Sonnenbrille gekauft, da meine komplett verkratzt ist und ich damit nicht mehr gut sehe. 

Dann mussten wir Proviant für 5 Tage kaufen. Langsam komme ich in diesen Supermarkts ganz gut zurecht. Ich habe mir einen Protein- und Kohlenhydrate-Pulver gekauft, welches man normalerweise zum abnehmen zu sich nimmt. Ich benötige es aber als zusätzliche Zufuhr von Protein und Kohlenhydraten. Ich habe extrem an Gewicht verloren, so kann das nicht weitergehen. als ich mich nackt in einem Spiegel gesehen habe, bin ich richtig erschrocken! Ich sehe nur noch Knochen und Rippen die herausstehen. Ich würde mal schätzen ich wiege noch 50kg!!! Kein bisschen Bauchfett ist mehr da…

Das Einkaufen benötigt immer sehr viel Zeit, vor allem weil ich immer alle Verpackungen entferne und alles in Ziplock Beutel umfülle. Als ich endlich fertig war ass ich Guacamole, Chips und eine Pepsi. Dann haben wir unseren Trail Angel Lailani angerufen und sie gefragt, ob sie uns zum Echo Summit Trailhead fahren könne. 10 Min. später war sie bereits da. 

Sie hat uns ganz besorgt gefragt wo wir gestern geschlafen hätten und das sie ein schlechtes Gewissen gehabt hätte, dass sie uns nicht mit nach Hause genommen habe, gestern Abend. Wir haben sie beruhigt, dass es kein Problem gewesen sei sondern ein richtig gutes Erlebnis. Sie hat gestern Nacht noch 3 junge Hiker mit nach Hause genommen, die noch später dran waren wie wir. Sie ist ein herzensguter Mensch und sehr symphatisch. 

Wir sind dann ca. um 14.30 gestartet und es sah nach Gewitter aus. Wir hörten es auch schon rumpeln. Wir sind trotzdem den Berg steil hoch  gestiegen haben aber den Himmel ganz genau beobachtet. Als es dann ganz in unserer Nähe donnerte, beschlossen wir unser Zelt aufzubauen. Es fing dann auch bald an zu regnen aber das Gewitter ist an uns vorbeigezogen. Jetzt haben wir halt nur 5 Meilen geschafft aber das macht nichts. Stehen wir halt morgen früher auf. 

98. Tag, South Lake Tahoe, Meile 1090.8, Höhe 1895m

D-Hiker und ich sind um 6.30 los heute Morgen. Extra nicht zu früh, damit der Schnee mich zu hart oder sogar gefroren ist. Es waren nur noch 2 Meilen bis zum Dicks Pass. Ca. 1 Meile vorher begann es mit den Schneefeldern. Teilweise konnten wir sie ohne Spikes überschreiten. Sobald es steiler wurde haben wir sie aber abgezogen. Man kann damit einfach  besser laufen auf dem Schnee. Wir mussten teilweise auch um Schneefelder rumklettern. Dabei bemerkte ich wie stark meine Füße und Beine mittlerweile geworden sind. Das sind teilweise echt steile Hänge. Wir fanden den Weg mit dem GPS problemlos. Manchmal haben wir die Serpentinen einfach ausgelassen und sind gerade den Berg hochgeklettert. Wenn es Schnee hat nimmt man es nicht mehr so genau damit jede PCT Meile zu laufen. Es geht einfach darum hoch oder runter zu kommen und den Trail wieder zu finden. 

Oben angekommen hatten wir eine umwerfende Aussicht! Wir hatten einen wunderschönen Frühstücksplatz auf einem Felsen😊. Ich bin so glücklich endlich zurück zu sein in der Sierra! Ich habe gesagt ich komme zurück als wir nach Ashland geflippt sind und da bin ich! 

Es ging dann meistens schneefrei den Berg hinunter. Wir haben ständig Hiker getroffen, z.B.  2 Brüder aus der Schweiz aus Aarau, mit denen haben wir uns mind. eine halbe Stunde unterhalten. Uns waren eine Zeitlang nur noch Tageshiker und Touristen entgegengekommen und als die zwei Brüder kamen sagte ich, dass sind PCT Hiker auf Schweizerdeutsch. Postwendend kam natürlich die Antwort😂. Das war lustig, was für eine kleine Welt das doch ist. 

Dann traf ich noch Happy Feet. Dies ist ein Hiker der PCT Class von 2016. Er sah mich und sagte: „You hiked last year!“ Ich erkannte ihn sofort,er war einer von den ehemaligen PCT Hikern, die am Scissors Crossing Trail Magic gemacht haben. Das beste Trail Magic auf meinem bisherigen Weg! Ich habe Happy Feet damals mit Fragen gelöchert über den Weg in der Wüste und die Mojavi. Wir mussten damals glaube ich zum ersten Mal Wasser für ca. 15 Meilen buckeln. Dies waren bei mir 5lt! Damals hat er mir erzählt, dass sie in der Mojavi 10lt Wasser schleppen mussten letztes Jahr. Mir ist die Kinnlade runtergeklappt und ich war mir sicher, die Mojavi nicht zu schaffen. Was natürlich nicht der Fall war😉. 

Auf jeden Fall war es ein sehr schönes Wiedersehen auf dem Trail! Schade habe ich mal wieder vergessen ein Foto zu machen. Wir machten High Five auf dem Trail, dies ist das Abklatschen zw. Hikern. Es ist eine Anerkennung dessen wie weit ich schon gekommen bin. Vor allem von jemandem, der ganz genau weiß was es dazu braucht. 

Ich bin dann beflügelt und leichten Schrittes die Geröllhalde hinunter geflogen. An all den Touristen und Tageshikern vorbei, die mir alle schnell aus dem Weg gingen. Happy Feet hat uns hinter vorgehaltener Hand noch den Typ gegeben, dass es unten am Echo Lake ein Water Taxi gebe, welches uns direkt zum Echo Lake Chalet bringen würde wo es Eiscreme für D-Hiker und Pepsi und Chips für mich gibt😉. Hinter vorgehaltener Hand weil ein PCT Hiker ja eigentlich jede einzelne Meile laufen sollte. Uns musste man dies auf jeden Fall nicht 2x sagen. Wir hatten genug von der Geröllhalde! 

Wir genossen eine rasante Fahrt auf dem Echo Lake und saßen bald schon mit Glace und Cola auf einer kleinen Mauer. Von hier aus mussten wir noch 1.5 Meilen bis zum Highway 50 laufen wo uns dann Leilani, ein Trail Angel, nach South Lake Tahoe mitgenommen hat. 

Es war Samstag und leider war das Mellow Mountain Hostel ausgebucht. Wir fanden auch kein zahlbares Hotelzimmer. Wir waren nicht bereit, 350$ für eine Nacht auszugeben. Wir durften im Mellow Mountain Hostel duschen, unsere Wäsche waschen und bis 22.00 aushängen. Um 21.00 waren wir mit der Wäsche fertig und beschlossen erst Male essen zu gehen bevor wir uns um unser Schlafproblem kümmern. So entspannt sind wir mittlerweile, dass uns dies nicht weiter kümmerte. 

Wir gingen mexikanisch essen und es war perfekt außer dass sie keine Margeritas hatten. Big Sky stürmte auch noch an uns vorbei ohne uns zu sehen. D-Hiker hatte kein Befürfnis ihn zu rufen…

Als das Restaurant nach 22.00 schloss beschlossen wir uns ein Yellow Cab zu bestellen und zum Campground in the Lake zu fahren. Zuerst versuchten wir an der Straße eines anzuhalten aber dies funktioniert scheinbar nur in den Movies. Ein Passant meinte wir sollten besser anrufen. 

Beim Camping stand auch „no Vacancies“ aber wir ließen uns dadurch nicht aufhalten und stellten irgendwo im Dunkeln unser Zelt auf. Endlich konnten wir unsere müden Häupter niederlegen und uns dem Schlaf überlassen. Lustig war noch, dass wir das Gefühl hatten etwas verbotenes zu tun. 

Am nächsten Morgen realisierten wir, dass wir direkt gegenüber der Camp Hosts gecampt hatten, die Gottseidank abwesend waren. Überhaupt war dieser Campingplatz nur für Wohnwagen, wir fanden auch keine sanitären Anlagen aber diese braucht ein PCT Hiker auch gar nicht😂. 

97. Tag, Dicks Lake Campsite, Meile 1107.6, Höhe 2557m

Heute Morgen bin ich schon mit Kopfschmerzen aufgewacht. Ich wollte auch gar nicht aufstehen denn in meinem Schlafsack war es schön warm und draußen kalt. Ich habe mich dann aber doch überwunden und um 6.30 war ich startklar. Ein später Start, da ich aber nur 17 oder 18 Meilen bis kurz vor Dicks Pass laufen wollte kein Problem. Kann auch laufen bis es dunkel wird wenn es sein muss😉. 

Dicks Pass liegt mir etwas auf dem Magen. Es geht auf 9350 Fuß hoch und es soll steil sein und natürlich soll es oben auch noch viel Schnee haben. Ich finde es einfacher steile Hänge hochzuklettern als abzusteigen. Es fühlt sich an wie eine riesige Herausforderung und ich bin bereit sie anzunehmen. Dies ist sozusagen die Reifeprüfung ob ich wirklich bereit in das nächste Abenteuer zu starten. In der Sierra werde ich viel höhere Pässe zu bewältigen haben, täglich mindestens einen, Forrester Pass, der höchste liegt auf ca. 13200 Fuß. 

Heute war auch wieder ein sehr schöner Tag. Ich bin jetzt in der Desolation Wilderness und so sieht es teilweise auch aus: Desolat! Es hat soviele tote Bäume und alles liegt kreuz und quer. Falls es hier mal brennen sollte, dann aber richtig, bei all dem alten Holz welches da rumliegt. Es ist aber trotzdem schön, einfach wild. 

Zudem kam ich an einem wunderschönen Bergsee vorbei, der zum Bade einlud. Mir war es aber eindeutig zu kalt😬. 

1.7 Meilen vor dem Dicks Lake habe ich nochmal Wasser zum campen aufgeladen. Ich nehme lieber Wasser aus einem Bach als aus einem See. Ich wollte gerade weiterlaufen als ich jemanden meinen Namen rufen hörte. D-Hiker hatte mich eingeholt. Sie läuft auch wieder alleine, Big Sky wurde ihr wohl zu anhänglich😉. Wir sind dann das letzte Stück bis zum Dicks Lake zusammen gelaufen und haben uns auch über die letzte Zeit ausgesprochen. Das war gut. 

Wir werden nun morgen Dicks Pass zusammen in Angriff nehmen, dass finde ich sogar sehr gut. Meine Gebete wurden erhört😊. 

96. Tag, N. Fork Blackwood Creek, Meile 1127.1, Höhe 2426m

Was für ein wunderschöner, aufregender Tag! Die Strecke von Truckee bis South Lake Tahoe ist das schönste was ich bisher gesehen habe! Man merkt es, ich bin wieder in der Sierra auch wenn sie offiziell erst in South Lake Tahoe beginnen soll. 

Zuerst ging es heute Morgen über ein Schneefeld. Zur Sicherheit habe ich die Mikrospikes angezogen. Dann ging es immer weiter den Berg hinauf bis auf fast 9000 feet bis zum Tinker Knob. Ich bin die ganze Zeit auf der Ridge (Krete) gelaufen. Da es  ziemlich der Sonne ausgesetzt war  da oben, Gottseidank schneefrei. 

Dann ging es wieder steil hinunter und an einem sonnigen Plätzchen voller Wildblumen ass ich mein Frühstück. Ist übrigens ein himmelweiter Unterschied, wenn ich meinen Kaffee habe oder nicht. Ohne komme ich kaum den Berg hinauf. 

Ich lief in der „Granite Chief Wilderness“durch ein Blumenmeer immer weiter den Berg hinauf. Von weitem konnte ich schon die Squaw Valley Ski Station sehen. Da lag noch viel Schnee und ich dachte nur hoffentlich muss ich nicht da durch. Ich musste immer mehr über Schnee steigen und zeitweise auch mit dem GPS navigieren. Am Fluss  unten traf ich einen Hiker und fragte ihn ob es noch viel Schnee hätte er meinte nein, nur bis über den Berg. Ich lief weiter und stand plötzlich vor einem Schneeberg. Wo ist denn bitte hier der Trail? Ich habe die Spuren der Hiker gesehen die den Berg auf dem Hosenboden heruntergerutscht sind. Gut, Mikrospikes an und dann bin ich den Berg hinaufgeklettert. Ich bin einfach den Spuren gefolgt und ab und zu habe ich auf dem GPS nachgeschaut. Auf jeden Fall stand ich plötzlich wieder auf dem Trail😜. Ich musste noch ein Stück hochklettern und dann war ich auf der anderen Seite des Berges und da war alles grün. Mikrospikes weggepackt und stolz wie ein Pfau bin ich den Berg wieder runter gelaufen. Big Sky gab mir immer das Gefühl ein Whimpy girl zu sein weil ich am Anfang Angst hatte bei den Schneetraversen. Aber seit heute weiß ich, ich bin ein Tough girl! Ich hatte richtige Glücksgefühle und fühlte mich absolut frei😍.  

Beim runter laufen ist mir Pickles entgegengekommen. Letztes Mal als ich ihn gesehen habe lief er noch Southbound wie ich. In der Zwischenzeit ist er nach Mammoth gefahren und ist einen Teil der Sierra gelaufen. Pickles ist so ein synphatischer junger Mann und man hält sich gerne in seiner Nähe auf. Ich hoffe wirklich, dass ich alle wieder in Oregon antreffe auch ihn. 

Übrigens habe ich heute irgendwann wirklich die Hälfte des Weges hinter mich gebracht 😊. 

Ich musste heute noch mehrmals in und um Schneefelder herum den Weg suchen und auch noch mal den Berg hochklettern. Aber es ging alles gut und hat mir sogar richtig Spaß gemacht. 

Am Ende des Tages war ich aber todmüde und am Rücken bin ich langsam wund gescheuert. Meine Beckenknochen stehen hinten raus weil ich so dünn bin und der Rucksack kommt genau auf diese Stelle weil ich den Hüftgurt nicht mehr enger schnallen kann. Morgen werde ich versuchen meine Merinojacke über den Hüften zu tragen, vielleicht nützt das ja etwas. 

Ich schlafe heute alleine am Fluss an einer schönen Tentsite. Es ist kalt und ich habe die Rain Fly drauf gemacht. Übrigens kriege ich bald ein neues Moskitonetz zugeschickt, dann ist dieses Problem auch bald gelöst. 

Ich sah einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Lake Tahoe. 

Ich war froh als ich gegessen und abgewaschen hatte, dass ich endlich in mein Zelt kriechen und mich hinlegen konnte. 

95. Tag, Tentsite, Meile 1147.8, Höhe 2497m

Mein Schlafsack war heute Morgen etwas feucht, hätte wohl die Rainfly auf das Zelt machen sollen. Aber es ist einfach so schön wenn man in den Sternenhimmel schauen kann. Die Luftmatratze hat gehalten, ich musste nie aufpumpen. 

Als erstes ging es zur Peter Grubb Hut heute Morgen. Das ist eine Skihütte wo PCT Hiker übernachten können. Ich habe dort mit anderen Hikern gefrühstückt und Mac Man dort getroffen. Er ist Tscheche und macht täglich ein Video seines Weges. Ich verstehe zwar kein Wort aber es war spannend zu schauen als er in der Sierra war. 

We ging dann weiter hoch und runter und auch wieder über Schnee. Das letzte Stück bis zum Highway nach Truckee war sehr felsig und Mann musste auch klettern. Als ich Pause machte kamen mir Marc und Nick entgegen.  March hat mir ein Video gezeigt von einer Flussüberquerung in der Sierra. Sie mussten rüber schwimmen! Das Wasser ist übrigens eiskalt! 

Am Trailhead bekam ich schnell einen Hitch nach Truckee. Ich würde gleich im Einkaufscenter abgesetzt. Zuerst bin ich in den Outdoorstore und habe meine Darmtough Socken ausgetauscht. Auf diese Socken hat man lebenslange Garantie und wenn man ein Loch hat kann man sie einfach gegen ein neues Paar eintauschen. Nicht schlecht oder? Zudem kaufte ich eine Gaskartusche und DEET zur Abwehr der Blutsauger. 

Dann musste ich mich stärken und zwar in einem asiatischen Restaurant. Gestärkt bin ich dann zum Safeway und habe Food gekauft. Habe mich dann davor gesetzt und alles in Ziplock Beutel umgefüllt. Die Verpackungen wiegen alle viel zu schwer. 

Dann war ich schon wieder ready für den Trail und habe mich zum hitchen an die Straße gestellt. Zuerst war es etwas harzig aber so nach 20 Minuten hat mich ein netter älterer Herr mitgenommen und mich am Donnerpass abgesetzt. Er wusste genau wo der Trail wieder anfängt und hat mich gleich dahin gebracht. 

Ich wollte noch ca. 6 Meilen bis zur nächsten Csmpsite laufen. Es galt mal wieder einen Schneehang zu überqueren und da es ganz schön steil war habe ich die Microspikes angezogen. Es war aber nicht all zu schwer. Ich schlafe auf 2500m und es ist ganz schön kalt. So meine Finger sind eingefroren. Gute Nacht. 

94. Tag, Tentsite, Meile 1164.4, Höhe 2312m

Na ich hatte ja eine tolle Nacht. Ca. alle 2 Std. musste ich meine Luftmatratze wieder aufblasen. Zudem konnte ich in Sierra City keinen Nescafé kaufen und an diesem Morgen hätte ich echt einen gebrauchen können nach dieser schlaflosen Nacht. Das Campinggas ist mir auch ausgegangen mittlerweile, es wird Zeit, dass ich nach Truckee komme. 

Ich habe nicht gut geplant, sonst wäre ich nämlich direkt nach South Lake Tahoe gelaufen. Man muss einfach immer soviel denken🙄. 

Heute habe ich viele alte Freunde wiedergetroffen. Mit Hunter und Airplanemode habe ich zu Mittag gegessen und andschliessend kamen mir noch Julia und Opi entgegen. Mit ihnen gab es ein Schwätzchen auf dem Trail. 

Die Umgebung war unheimlich schön, wahnsinns Aussicht! Ich musste aber auch viel über Schnee laufen und zeitweise sogar mit meinem GPS den Weg suchen. Außerdem hatte es Millionen von Moskitos. Es hat auch wahnsinnig viele Tümpel, Flüsse und dann kommt noch die Schneeschmelze dazu, ein Eldorado für diese Plagegeister. Muss mir in Truckee unbedingt einen Moskitorepellent kaufen mit 100% DEET! Pures Gift aber das einzige was bei diesem Blutsaugern wirklich etwas nützt. 

Gegen Abend kam ich an einen wunderschönen Fluss wo man auch campen konnte. Die Moskitos haben aber dafür gesorgt, dass ich die Flucht ergriffen habe. Ein Hiker hat mir von seinem DEET abgeboten, dass war echt nett. Außerdem hat er mir geholfen, das Loch in meiner Luftmatratze zu finden. Ich habe ein Reperaturkit dabei und so konnte ich die defekte Stelle flicken. Hurra! Hoffentlich hält es. 

Ich bin dann noch 2.9 Meilen weiter gelaufen bis zur nächsten Moskitohölle. Ich habe mein Innenzelt aufgebaut, meinen Rucksack hinterher geworfen, noch schnell aufs Klo und ab ins Zelt! Das Moskitonetz musste ich teilweise mit Sicherheitsnadeln verschließen. Ich habe im Zelt gekocht (sollte man eigentlich nicht) und gegessen. 

Die Luftmatratze scheint zu halten, es ist keine Luft mehr rausgegangen.