50. Tag, Fox Mill Spring Tentsite, Meile 683.1, Höhe 1986m

Heute ist ein trauriger Tag. Mermaid und ich mussten uns trennen, da mir klar war, dass ich meinen Fuß schonen muss. Ich kann im Moment mit meinem verstauchten Knöchel keine 20 Meilen laufen. Das ist einfach eine Tatsache und ich kann es nicht ändern. Was ich aber kann ist problemlos kürzere Strecken zurücklegen. Heute bin ich 14.5 Meilen gelaufen. 

Mermaid und ich sind heute Morgen zusammen gestartet und mir war schnell klar, dass ich langsamer laufen muss. Vor allem muss ich mehr Pausen machen und meinen Fuß ausruhen. Wir haben noch zusammen gefrühstückt und dann hat Mermaid mir noch ein paar Sachen zum Essen gegeben. Ja und dann mussten wir uns verabschieden und das hat uns beide zum weinen gebracht. Wir waren seit Big Bear zusammen unterwegs ca. 4 Wochen. 

Mermaid ging los und ich musste noch Sonnencreme auftragen und meine Fassung wieder finden. Ich ging dann seit langem wieder mal alleine los. Zuerst war es komisch aber bald schon fühlte ich mich erleichtert, da ich Pause machen konnte genau dann wenn ich es brauchte. Auch war der Druck weg viele Meilen schaffen zu müssen weil Mermaid einen engen Zeitplan hat. Sie will nur eine Nacht in Kennedy Meadows bleiben und dann nach Lone Pine weiter wandern. Von da nimmt sie den Bus Richtung Chester. Ich werde meine definitive Entscheidung betreffend der High Sierra, wie bereits schon erwähnt, in Kennedy Meadows treffen. Eigentlich würde ich es gerne probieren und wenn ich merke dass es nicht geht kann ich immer noch umkehren. Klar ist, dass ich die High Sierra nur mit einer Gruppe von Hikern überqueren werde und ganz sicher nicht alleine. Sollte es nicht möglich sein die Sierra jetzt zu laufen werde ich auch nach Chester fahren und einen Teil von Nordkalifornien bis Ashland in Oregon laufen. Dieser Teil ist zum größten Teil schneefrei. 

Ich wollte am Chimney Creek Mittagessen und auf dem Weg dahin kamen mir 2 Hikerinnen entgegen. Sie fragten mich ob ich Mermaid kenne und ich sagte: „Ja, sie war bis heute Morgen meine Hikingpartnerin“. Mermaid ließ mir ausrichten, dass ich das schaffen werde. Das hat mich so gerührt, dass sie die beiden Mädels beauftragt hatte zu sehen wie es mir geht. Das hat mir wieder Auftrieb gegeben und ich bin zum Chimney Creek weiter gewandert. Als ich um 14.00 ankam war Mermaid noch da und ich habe mich total gefreut. Sie meinte dann ich müsse die paar Meter zurück zum Fluss gehen. Ich meinte warum? Sie hat gemeint geh einfach. Ich bin dann zu der Stelle zurück gegangen wo der Fluss den Trail kreuzt und da hing ein ZipLok Bag am Baum wo drauf stand:

Trail magic for Françoise. Please don’t take it if you are not Françoise! Hi Françoise, enjoy and stay safe. You might want to camp at the next campsite and we thought you might need some extra food.  

Mermaid hatte gesehen, dass nach der Foxmill Spring Campsite für 12.6 nichts zum campen kommt und das ich das nicht schaffen werde. Deshalb hat sie bei anderen Hikern nach Essen für mich gefragt und jeder hat eine Kleinigkeit gegeben. Das ist einfach sooo caring! Jetzt kann ich morgen auch einen kürzeren Tag machen wenn es sein muss. Ich kann es easy nehmen da ich genug zu essen habe. Ich liebe diesen Trail und seine Trail family!😘. 

Anfangs war ich ganz alleine auf dieser Tentsite aber mittlerweile hat sich der Platz gut gefüllt. Ich fühle mich ein wenig alleine unter all den Hikern. Ich habe keine Hikingpartnerin mehr und bin auch in einer neuen Bubble von Hikern. Ich habe noch keine Lust neue Bekanntschaften zu machen, muss zuerst noch etwas trauern…

49. Tag, Spanish Needle Creek Campsite, Meile 668.7, Höhe 1556m

Es ging mal wieder hinauf und der Wind durfte auch nicht fehlen! Es ging lange bis wir endlich einen Spot fanden, der windstill war. Dann gab es endlich Frühstück! Wir saßen am Hang und haben vorbeigehende Hiker erschreckt weil sie uns nicht gesehen haben und wir sie mit einem lauten Good Morning begrüßt haben😂. 

Dann kam ein steiniger Weg voller Geröll und das war leider zuviel für meinen angeschlagenen Knöchel. Ich musste Ibuprofen nehmen und fiel immer mehr zurück. Mermaid hat auf mich gewartet zum schauen was los ist. Ich habe dann den ganzen Tag versucht irgendwelche Techniken zu finden damit es nicht weh tut. Am späten Nachmittag musste ich Mermaid dann sagen, dass mein Knöchel völlig überfordert ist und ich nicht mehr weit laufen kann. Immerhin bin ich 17 Meilen gelaufen! Wir haben dann vorzeitig am Spanish Needle Creek unser Camp aufgeschlagen. Wir beschlossen zu schauen wie es am nächsten Tag aussieht. Falls es nicht besser ist würde Mermaid mir von ihrem Essen da lassen damit ich kürzere Etappen laufen kann um meinen Fuss zu entlasten. Sie würde einfach schneller laufen. Es macht ja irgendwie keinen Sinn, wenn wir beide kein Essen mehr haben und helfen kann sie mir auch nicht. 

Hoffe einfach, dass es morgen wieder besser ist. Es wäre schade, wenn wir uns so kurz vor Kennedy Meadows trennen müssten. 

 48. Tag, Walkerpass Campground, Meile 651.3, Höhe 1561m

Wir verbrachten eine sehr windige Nacht auf dem Birds Spring Pass aber mit Ohropax und Blindfolds habe ich erstaunlich gut geschlafen.  

Am Morgen stürmte es immer noch und ich hatte absolut keine Lust aufzustehen und mich dem Wetter auszusetzen. Um 5.30 habe ich mich dann aufgerafft aber nur weil ich nicht wollte, dass Mermaid all zu lange auf mich warten muss. Um 6.00 stand Mermaid zum Abmarsch bereit vor meinem Zelt und ich war immer noch am Zusammenpacken😬. Sie hat dann die Wartezeit genutzt um für uns beide Kaffee gekocht👍. 

Ich hatte immer noch genug Wasser, da ich mich gestern ja geweigert hatte mein hart erarbeitetes Wasser abzugeben, und habe mir nur einen Energieriegel aus der Trail Magic Box genommen. Die Trail Angels schauen wirklich, dass wir nicht verhungern😘. 

Dann ging es wieder den Berg hinauf und erneut musste ich gegen Katzensand und Wind ankämpfen aber kein Vergleich zu gestern. Zur Belohnung für den Aufstieg sahen wir zum ersten Mal die verschneiten Berge der High Sierra. Wir waren sehr euphorisch und hatten das Gefühl etwas großes erreicht zu haben. 

Dann ging es stetig bergab und ich lief meistens voraus. Gegen Ende waren wir beide so fertig, dass wir anfingen rumzualbern wie wir den normalen Besuchern des Zeltplatzes Essen abluchsen könnten. Das nennt man auf dem Trail Yogying😂. Das geht dann etwa so: Man kommt zu Leuten die gerade am Essen sind und sagt: „Oh mein Gott Kartoffelsalat! Ich weiß gar nicht wann ich das zum letzten Mal gegessen habe. Auf dem Trail gibt es ja nur getrocknete Nahrung, kein Vergleich zu richtigen Essen.“ Dazu muss man dann noch bemitleidenswert aussehen und mit hungrigen Augen die Leute anschauen. Meistens wird man dann zum Essen eingeladen oder darf was mitnehmen. Wir haben uns gekugelt vor Lachen. Ich musste noch einen ätzenden Husten üben😂. Aber, es hatte gar keine normalen Camper und das war auch nicht nötig denn auf einem großen Tisch stand ganz viel Trail Magic! Ich hatte als wir rumgealbert hatten beim Universum ein Bier bestellt und das habe ich dann auch bekommen😜. Ich bin dann ganz happy mit meinem Bier und einem Honeybun (so ähnlich wie eine Zimtschnecke) zu meinem Zelt. Wir haben heute  Zelt gegessen da es draußen am Picknicktisch einfach zu kalt war. Dazu habe ich mein Bier getrunken und war glücklich und zufrieden. Auf der einen Seite meines Zeltes Sonnenuntergang und auf der anderen der noch ziemlich volle Mond. Was will man mehr?

47. Tag, Tentsite, Meile 630.8, Höhe 1641m

Heute Nacht bin ich aufgewacht und meinte zu hören wie etwas an meinem Zelt knabbert. Wenn ich mich bewegt habe hat es aufgehört und sobald ich still war ging es weiter. Ich habe vorsichtig über den Sichtschutz des Moskitonetzes geschaut aber nichts gesehen. Vor meinem Zelt stehen nur meine Schuhe und Trkkingstöcke, der ganze Rest inkl. Rucksack ist im Zelt. Habe dann beschlossen, dass es wohl der Wind war… 

Als ich so wach lag überkam mich plötzlich die Angst, dass wir zu wenig Wasser dabei haben. Gemäß Waterreport kommt nach 8 Meilen die Willow Spring wo es einen Wasserhahn geben soll. Was wenn der Wasserhahn abgeschaltet ist? Dann müssten wir die ganzen 11 Meilen bis zum Landers Camp zurück laufen und hätten nicht genug Wasser. Ja solche Sachen sollte man besser nicht nachts überdenken, dass endet nur in Alpträumen. Am Morgen habe ich meine Bedenken mit Mermaid besprochen und wir haben im Water Report gesehen, dass es auch noch andere Möglichkeiten gibt sollte der Wasserhahn abgedreht sein. Jeweils mit Umwegen verbunden aber verdursten werden wir nicht. Zudem ist uns das Wetter gut gesinnt, es ist kühler als die letzten Tage. 

Wir sind dann zuversichtlich losmarschiert und haben eine Stunde später unser obligates Frühstück abgehalten. Als wir um eine Kurve bogen war es mit den Bäumen plötzlich vorbei. Wir schauten mal wieder in die schattenlose Wüste. Das hatten also die weißen Seiten auf den Karten zu bedeuten, hmmm🤔. 

Wir kamen leicht und beschwingt den Berg hinunter und kamen zur Kelso Road wo traditioneller Weise ein Water Cache sein soll. Ja und tatsächlich da standen viele, viele Gallonen mit Wasser😍. Meine Ängste von zu wenig Wasser konnte ich nun endgültig begraben. Ich habe wieder auf 3.5lt aufgefüllt und es konnte weiter gehen. Vielen, vielen Dank liebe Trail Angels, die ihr selbstlos uns Hikern helft ohne uns überhaupt zu kennen. Ohne euch wäre dies alles nicht möglich🙏🙏🙏! Wahrscheinlich würden etliche Skelette von verdursteten Hikern auf dem Trail liegen wenn es keine Trail Angels geben würde. Es sterben auch so Hiker, zwei sind am 31. Mai im Gebiet des White Water an Dehydrierung gestorben als es so heiss war. Das war der Tag nach der Casa de Luna wo ich drei Bier getrunken hatte und Mermaid unbedingt aus der Sonne raus wollte. Ich hoffe sie sind im PCT Hiker Heaven und können den Trail dort beenden oder wir beenden den Trail für sie…

Bei der Abzweigung zur Willow Spring entschieden wir uns den abenteuerlichen Weg durch das Bachbett zu nehmen. Der Weg war kürzer und er sollte im Großen und Ganzen gut zu begehen sein außer 2-3 Stellen wo irgendetwas mit großen Felsen stand. Tia es war ziemlich abenteuerlich und wir mussten unsere Kletterfähigkeiten auspacken. Zuerst kam eine Stelle wo wir den Rucksack runterfallen lassen mussten. Eine meiner Wasserflaschen verabschiedete sich bei diesem Unterfangen und rollte das Bachbett hinunter. Dann mussten wir oben am Hinderniss vorbei klettern und das alles mit einem Fuß den ich vor zwei Tagen verstaucht hatte😖. Es kamen noch mehrere Stellen wo unsere Kletterfähigkeiten getestet wurden aber wir meisterten sie alle bravourös. Endlich kamen wir zur Dove Canyon Road wo wir erst einmal falsch abbogen. Nach Konsultation des Waterreports wurde dieser Fehler aber gleich korrigiert. Der Wasserhahn war an und lieferte frisches kühles Wasser! Wir haben Unmengen von Wasser gefiltert und gleich hier Mittagspause abgehalten. Von hier aus sind es 25 Meilen bis zum nächsten Wasser und wir werden ca. 5lt Wasser buckeln müssen. 

Wir mussten auf einem sandigen Weg 1.6 Meilen zum PCT zurücklaufen. Natürlich ging es den Berg hinauf😖 mit 5lt Wasser auf dem Buckel. Es ging immer weiter hinauf auch als wir wieder auf dem PCT waren. Der Trail war voller Sand und zwar in der Konsistens von Katzensand. Ich glaube ich habe noch nicht erwähnt, dass ich es hasse auf Sand zu laufen und dann noch den Berg hinauf. Ich kam kaum vorwärts. Es war so anstrengend und die Muskeln in meiner Wade und meinem Oberschenkel fingen an zu schmerzen. Wir trafen Airplane Mode, sie hatte von Hunter erfahren, dass es auf dem Bird Spring Pass, wo wir zu zelten gedenkten, viele Gallonen Wasser hatte. Mermaid hat gleich mit 2lt des  gefilterten Wassers die Pflanzen bewässert. Ich hatte Mühe das Wasser, welches ich mit einem Umweg von 3.2 Meilen, mühsam gefiltert und den Berg hinauf getragen hatte, einfach so wegzuwerfen. Ja und deshalb kämpfte ich mich mühsam im Sand den Berg hinauf. Ich wusste ich sollte Wasser ausgießen, da es auf dem Pass welches gab aber ich konnte es einfach nicht. Irgendwie war ichvauch stinkig weil wir das Wasser auch ganz einfach auscdem letzten Water Cache an der Kelso Road hätten nehmen können sowie alle anderen es auch getan hatten. Mermaid wartete auf mich damit wir zusammen Abendessen konnten. Es hatte angefangen stark zu winden und deshalb war es nicht all zu gemütlich. Nachdem mir alles weh tat war ich nun endlich bereit, etwas von meinem Wasser auszuleeren aber ich hatte immer noch 3.5lt…

Der Wind blies extrem stark fast schon wie ein Sturm und jetzt hatte ich nicht nur mit dem Katzensand zu kämpfen sondern auch gegen den Wind. Es war echt die Hölle und extrem anstrengend. Darüber schien der Vollmond still und wunderschön. 

Gegen 22.00 hatten wir uns endlich durch den Sturm gekämpft und wollten auf dem Pass campen. Wir versuchten gerade vergebens im starken Wind unsere Zelte aufzubauen. Da waren andere Hiker Cowboy Camping. Da kam ein junger Hiker und ich glaubte schon r wolle uns unterstützen. Aber nein, er erklärte uns nur dasss er einen sehr leichten Schlaf habe und Bedenken hatte wegen dem Lärm der Rain Fly unseres Zeltes. Wir hatten uns gerade ein paar Meilen durch einen Sturm gekämpft und waren völlig erschöpft. Wir haben unsere Sachen gepackt und sind runter zum Pass gelaufen. Dort fanden wir eine bessere Stelle und sanken erschöpft in unsere Schlafsäcke. Ich hoffe Mr. Super Special hatte eine angenehme Nachtruhe!

 

46. Tag, Tentsite, Meile 612, Höhe 1964m

Heute Morgen war es echt hart. Als wir gestartet sind konnte ich kaum laufen. Mein linker Fuß war steif und tat weh. Mermaid ist voraus gelaufen und ich bin hinterher gehinkt. Es war das erste Mal, dass ich auf dem PCT geheult habe. Es ging durch einen wunderschönen Wald und ich habe einfach geheult. Da war einerseits mein verstauchter Fuß aber der hat gar nicht mehr so geschmerzt nach dem Ibuprofen, ich spürte, dass da noch ein anderer Schmerz war, ein seelischer. Ich musste viel an meine Mama denken und wie schön es gewesen wäre wenn wir uns näher gestanden wären. Jetzt ist sie tot und ich kann nichts mehr ändern. Meine Mama und ich hatten eine schwierige Beziehung aber bevor sie gestorben ist, konnten wir uns gegenseitig verzeihen. Heute spürte ich, dass es Zeit ist mir selber zu verzeihen und das dies der schwierigste Teil ist. Es ist Zeit all diese Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle sowie auch die falschen Erwartungen loszulassen. Ich habe all diese negativen Gefühle und Gedanken bewusst dem wunderschönen Wald überlassen und bin um einiges leichter weitergewandert. 

Von da an ging es auch meinem Fuß stetig besser und das Laufen fiel mir leichter. 

Bei der Robin Bird Spring haben wir 4 Std. Mittagspause gemacht. Ich habe mein Innenzelt aufgestellt um vor den Fliegen meine Ruhe zu haben. Dummerweise stand das Zelt leicht abschüssig und es war nicht wahnsinnig bequem. Zudem wurde es darin ziemlich warm. 

Um 16.30 sind wir wieder losmarschiert oder besser wollten wir, denn dann macht man ein Schwätzchen mit Airplanemode und Renée und vorher mit Salty J. Aber dann ging es los und wir waren um einiges besser drauf als gestern. Es ging zügig voran und kurz vor dem Wassertank war ein Trairegistervund wir konnten sehen, dass D-Hiker und Hungry-G am gleichen Tag vorbeigekommen sind. Wir folgten den Fussspuren von D-Hiker. Mit der Zeit weiß man welcher Schuhabdruck zu welchem Hiker gehört😂. 

Beim Register war eine kleine Bank und wir beschlossen gleich da zu Essen. Wann kann man als Hiker schon auf einer Bank sitzen😉? 

Als wir beim Landers Camp ankamen um unser Wasser aufzufüllen war es bereits dunkel. Am Wegesrand lagen schlafende Hiker💤. Wir haben 3 lt Wasser gefiltert und haben uns bei fast vollem Mond wieder auf den Weg gemacht. Es ging zunächst durch einen schönen Wald und dann leider wieder durch ein abgebranntes Waldstück. Manchmal haben wir die Taschenlampen ausgemacht und das Licht vom Mond zeigte uns eine Mondlandschaft. Es war unwirklich schön. Das interessante ist, dass ich absolut keine Angst habe nachts mit Stirnlampe durch Wälder zu streifen, im Gegenteil es ist irgendwie schön. 

Die Tentsite war im Dunkeln nicht ganz einfach zu finden aber zuletzt haben wir auch das noch geschafft. Um 10.45 lag ich im Bett und ich musste meinen Buff über die Augen legen weil der Mond so hell schien. 

45. Tag, Tentsite, Meile 592.9, Höhe 1535

Seit Tehachapi sind wir in der Sierra, noch nicht die High Sierra aber dennoch. 

Heute war kein guter Tag für mich. Ich bin gleich am Morgen gestürzt und habe mir den Knöchel verstaucht. Jetzt habe ich ein dickes Hämatom am linken Knöchel und natürlich schmerzt es auch! Und das ausgerechnet auf der Strecke wo es fast kein Wasser gibt und ich soviel schleppen muss. 

Wir sind um 6.00 los und ich fühlte mich gut. Wahrscheinlich bin ich etwas zu übermütig den Berg runter. Es hatte natürlich lose Steine auf dem sandigen Boden, mein Gewicht war hinten und schon bin ich gestürzt. Das ausrutschen ist nicht schlimm nur hat es mir dieses Mal auch den Knöchel verstaucht und das hat ziemlich weh getan. 

Ich bin dann so gut es ging weitergehumpelt und mit der Zeitging es auch etwas besser. Vitamin I (Ibuprofen) sei Dank! An der Golden Oaks Spring habe ich dann den geschwollenen Knöchel ins kalte Wasser getaucht und ihn anschließend hoch gelagert. Hunter ist vorbei gekommen und hat mir KT Tape gebracht. Er hat sich vor kurzem auch den Knöchel verstaucht und konnte mir deshalb genau sagen wie ich es anbringen muss. Das habe ich dann auch getan unter seiner Anleitung😉. Danach fühlte es sich schon besser an und ich war zuversichtlicher, dass ich die nächsten 10 Meilen bis zur Tentsite schaffen würde. Wir sind ca. 5 Std. an der Golden Oak Spring geblieben. Richtig lange Siesta! 

Um 16.00 ging es dann weiter aber ich fühlte mich gar nicht gut und Mermaid war der Rucksack zu schwer mit den 4.5lt Wasser. Da ich eigentlich immer zuviel Wasser habe, habe ich dieses Mal „nur“ 4lt genommen auch im Hinblick auf meinen Fuß. Das muss reichen für die nächsten 19 Meile!

Wir haben viele kleine Pausen gemacht und um 18.00 haben wir zu Abend gegessen damit wir genug Energie haben für die nächsten 3-4 Std. Wir wollten spätestens um 22.00 im Bett sein und das haben wir auch geschafft. Ich habe es nicht mal mehr geschafft meinen Blog zu schreiben, war zu müde. Fürcwas gibt es auch lange Siestas😁. 

44. Tag, Tentsite, Meile 575.1, Höhe 1847m

Es ist 22.50, ich liege im Zelt, der zunehmende Mond scheint ins Zelt hinein. Mermaid und ich sind um 22.30 an der Tentsite angekommen. 9 Meilen haben wir geschafft mit einem extrem schweren Rucksack. Ich habe Essen dabei für eine Woche und beim Start 4.4lt Wasser. Der Sack mit dem Essen wiegt zw. 5 und 6kg. Wahnsinn oder? Das heißt ich bin mit einem Anfangsgewicht von ca. 18kg gestartet. Ich hätte nicht gedacht, dass ich soweit komme mit meinem Monster Rucksack aber wir fühlten uns beide gut und das Night hiken machte zum ersten Mal so richtig Spaß. 

Mermaid ist heute Morgen die fehlenden 8 Meilen gelaufen und ich habe ca. 2 Std. auf der Post verbracht. Ich saß in der Post auf einer Bank und hatte alle Sachen aus meiner Bouncebox um mich verteilt. Ich habe Medikamente, Gesichtscreme, Sonnencreme und Zahnpasta aufgefüllt und die neuen Karten rausgenommen. In Tehachapi sind sie sich PCT Hiker gewohnt, da hat kaum einer blöd gekuckt. Am Schluss musste ich mich aber noch umziehen, das war etwas kniffliger. Dazu habe ich mich zu den Postfächern zurückgezogen😉. Die neuen Hosen, die ich gekauft habe sind nämlich viel zu warm!Ich laufe jetzt in meinem Jupe und wenn es frisch ist Leggings. Sehr angenehm. 

Am Nachmittag sind wir dann nochmal Sushi essen gegangen und das war so lecker😊. Die halbe PCT Gemeinde war wieder mal anwesend und die drei Schweizer Patrick, Jan und Manu sind auch angekommen. Diese Jungs sind echt nett! Um 16.00 hat uns Legend, ein Trail Angel zum Trailhead gebracht. Er ist eine ganz spezielle Persönlichkeit. 6 Monate im Jahr kümmert er sich um die Hiker und macht Trailmagic. Er fährt mit seinem Wohnwagen entlang des Trails und erfreut die Hikerherzen mit Essen und Getränken. Er lebt von den Donations und dem Essen welches er immer wieder von Hikern kriegt. Wir werden ihn wohl in Kennedy Meadows wieder sehen. Ich habe am 13. Juni um 16.00 eine Verabredung zum Kaffee trinken mit ihm😉. 

Um 17.00 sind wir los und haben uns mit unseren schweren Rucksäcken den Berg hinaufgequält. Mermaid wurde heute von einer Biene gestochen. Autsch! Der Weg führte direkt durch mehrere Bienenstöcke und die Biester waren gar nicht erfreut. Bei Sonnenuntergang haben wir zu Abend gegessen um für den Rest des Weges gestärkt zu sein. Es war extrem windig und teilweise wurden wir fast vom Trail geblasen. Wir wollten erst auf der anderen Seite des Berges campen und hofften, dass es dort windstill sein würde. 

David startet erst Morgen wieder. Ziemlich sicher sehe ich ihn entweder in Lake Isabella oder auch erst in Kennedy Meadows. Romana ist übrigens bereits in Kennedy Meadows. Sie nimmt die High Sierra in Angriff. Scheinbar sei es möglich bis Independence zu laufen. Das heißt man geht über den Forrester Pass auf knapp 4000m. Bin gespannt was sie erzählt! Mermaid wird nach Long Pine laufen, dies ist 50 Meilen von Kennedy Meadows, und wird von dort aus nach Chester in Nordkalifornien fahren. 

So ich muss jetzt schlafen. Gute Nacht💤💤💤. 

Titelbild: Hunter und Legend

43. Tag, Tehachapi

Heute habe ich meine Ausrüstung wieder mal up to date gebracht, das heißt alles gewaschen außer dem Rucksack. Mermaid wollte heute Morgen die fehlenden 8 Meilen von 558 bis 566 laufen aber mit dem Trail Angel hat es leider nicht geklappt und um 8.00 war sie bereits wieder im Best Western. Zudem hatte sie ihren Sonnenhut vergessen, vielleicht besser, dass es nicht geklappt hat. 

Wir sind dann zusammen im Hotel frühstücken gegangen und das war besser als erwartet. Irgendwann musste ich mich dann aufraffen um das Essen für die nächsten 7 Tage bis Kennedy Meadows einzukaufen. Der Supermarkt ist eine Meile außerhalb und ich habe 25 Min. gebraucht um da hinzulaufen. Auf dem Rückweg hat mich Gottseidank ein Autofahrer, zumindest einen Teil der Strecke mitgenommen. 

David ist auch angekommen im Best Western. Wir sind zusammen Abendessen gegangen. Es war ein schöner Abend. Er ist etwas traurig weil all seine Freunde die Sierra umgehen. Ich bin ehrlich gesagt noch unentschlossen. Die definitive Entscheidung fälle ich in Kennedy Meadows. Meine Wintersachen sind dort nur habe ich kein Essen dorthin geschickt aber das könnte ich auch dort noch kaufen. Es ist schon schade, dass wir ein Jahr mit übermäßig viel Schnee erwischt haben aber dafür war/ist die Wüste für uns einfacher. In den letzten 6 Jahren der Trockenheit mussten die Hiker viel mehr Wasser schleppen als wir, da die Wasserquellen ausgetrocknet waren. 

Aber jetzt geht es erst mal nach Kennedy Meadows und das ist eine Herausforderung der anderen Art. Dieses letzte Stück ist dafür berühmt sehr trocken zu sein. Wir fangen gleich mal an mit 17 Meilen ohne Wasser. Wir werden am Nachmittag starten und ca. bis 23.00 hiken, 6 Std. schlafen und dann wieder früh aufstehen und laufen bis es zu heiss wird. Lange Siesta machen und gegen Abend weiterwandern bis wir zu müde sind. Dies ist der Plan. 

Auf dem Titelbild sieht man die lackierten Zehennägel der Schweizer Jungs Patrick, Manu und Jan😉. 

42. Tag, Tehachapi, Best Western Mountain Inn, Meile 566.4, Höhe 1195m

Wir hatten nicht mit der Sonne gerechnet! Um 6.30 war an Schlaf nicht mehr zu denken. Es wurde bereits heiss, deshalb hieß es nach 5 Stunden Schlaf bereits wieder aufstehen. Hungry-G ging als erste los, sie wollte aus der Sonne raus und im Schatten frühstücken. Nach einer Meile kamen wir zu der Campsite wo es Trail Magic gab. Es gab Wasser und Fruchtsäfte. Der Watercache war mit Campingstühlen ausgestattet und so konnten wir uns ganz zivilisiert hinsetzen und frühstücken. Reneé war auch hier, eine Amerikanerin mit französischem Namen. Wir beschlossen bereits bei Meile 558 den Trail zu verlassen, da man von da aus besser nach Tehachapi hitchen kann als Meile 566 wo es einen Highway gibt, der sich schlecht zum hitchen eignet. Zudem wollte ich es unbedingt am Samstagnachmittag nach Tehachapi schaffen, da Mermaid für 2 Nächte ein Hotel reserviert hat. 

Am Trailhead gab es nochmal Trailmagic von Legend, der dort seinen Wohnwagen stehen hat. Er selber war nicht dort aber ein Kühler mit Sodas (in Amerika nennt man alle Getränke wie Limonade oder Cola Sodas).  

Dann stellten wir uns an die Straße und hielten den Daumen raus. Keine 5 Min. später hielten zwei ältere Damen an die gerade von einer Anti Trump Demonstration zurück kehrten. Die waren sehr nett und wir übten mit der einen ein bisschen französische Konversation. Kurze Zeit später war ich im Best Western und wollte im Santa Fee Motel meine Bounce Box abholen, die mal wieder nicht angekommen ist. Vermutlich ist sie wieder auf dem Post Office gelandet und dieses öffnet erst wieder montags um 9.00h. Grrrrr😖. Das nervt und ich war total frustriert! Jetzt muss ich Morgen zum Post Office, welches 1.5 Meilen außerhalb der Stadt liegt und dies gleich zweimal… Ja und ich kann wieder einmal all meine Goodies aus der Box nicht benutzen. LOSLASSEN IST WIEDER EINMAL ANGESAGT!

Ich bin heute Abend mit Mermaid Sushi essen gegangen und dies war das beste Essen bisher!!! 

41.Tag, Teil 2, Tentsite, Meile 548, Höhe 1838m

Um 17.30 ging es wieder los, es war immer noch heiss aber zum aushalten. Ja und ich habe ja meinen Schirm, den ich aufspannen kann wenn es zu heiss wird. Fertig war es mit dem gemütlichen geradeaus gehen auf ebenem Trail. Es wurde schnell wieder bergig und ging vor allem den Berg hinauf. 

Im Tayler Horse Canyon wurde es bereits dunkel bevor wir zur Quelle kamen und unser Wasser auffüllen konnten. Ich habe 4.5lt Wasser gefiltert, mit diesen weichen Platypusflaschen manchmal eine Herausforderung weil sie nicht von alleine stehen. Prompt ist mir die 2lt Flasche umgekippt und ich konnte mit dem filtern von vorne anfangen. Grrrr😖. Natürlich folgte nach dem Wasser aufladen der steile Aufstieg, wie kann es auch anders sein. Jetzt benötigten wir die Stirnlampen wirklich, denn der Weg war um einiges anspruchsvoller als am gestrigen Tag. Es ging auf einem sandigen ausgewaschenen Pfad den Berg hinauf.  Meine Stirnlampe war ziemlich schwach und nachdem ich eine Weile rumgestolpert und geschwankt bin, meinte Hungry-G ob ich nicht die Batterien wechseln wolle. Wir haben in Hikertown extra noch Batterien gekauft. Gute Idee, die Batterien zu wechseln, denn jetzt konnte ich sogar den Trail sehen. Mein Schritt ist aber nachts dennoch unsicherer als am Tag, da ich die Unebenheiten des Trails nicht richtig sehe. 

Um 23.00h aßen wir nochmals etwas, ich thailändische Nudeln, die ätzend schmeckten. Aber ich brauchte die Kalorien um die letzten 3.9 Meilen steil den Berg hinauf zu schaffen. Ehrlich gesagt war es eine Qual und wir waren alle am Limit. Wir gingen an schlafenden Hikern vorbei und ich hätte mich am liebsten dazugelegt. D-Hiker ging meistens voraus weil sie die beste Bergaufläuferin ist aber mit 4lt Wasser auf dem Rücken hatte sogar sie Mühe. Plötzlich blieb sie abrupt stehen weil eine Baby Klapperschlange auf dem Weg lag. Nur weil sie klein sind heißt das keineswegs, dass sie nicht gefährlich sind! D-Hiker hat zuerst ein bisschen rumgetrampelt und dann hat sie die Schlange kurzer Hand mit ihrem Stock aufgehoben und vom Trail geworfen. Sie hat gemeint, wir hätten keine Zeit zu warten bis die Schlange sich gnädigst vom Trail bewegt. Ich glaube sie war müde und wollte schnell ins Bett. Bei der nächsten Kurve hat sie dann um Haaresbreite eine Schlange knapp verfehlt. Die Schlange konnte gerade noch flüchten bevor D-Hiker auf sie getreten wäre. Von da an waren die Schlangen vorgewarnt und es sind uns keine mehr begegnet. 

Es gab immer wieder schöne Ausblicke ins Tal. Man sah die vielen Lichter verschiedener kleiner Städte und die roten blinkenden Lichter der Windräder. 

Wir waren alle ziemlich müde und ich musste mich richtig konzentrieren damit ich nicht den Abhang runter gekullert bin. Ihr müsst euch vorstellen, dass der Pfad ca. 40cm breit ist, auf der einen  Seite geht es hoch und auf der anderen herunter und das teilweise ziemlich steil. Eine Meile vor der Campsite kam eine flache Stelle und ich fragte die Girls ob sie wirklich noch eine Meile weiterlaufen wollen, worauf D-Hiker ihren Rucksack auf den Boden geworfen hat und dezidiert gerufen hat: NEIN!!! Die Sache war schnell entschieden und um 1.30 morgens waren wir endlich im Bett. Wir lbeschlossen zu schlafen bis wir aufwachen. Wir wollten nur eins: SCHLAFEN!