73. Tag, Disappearing Creek Tentsite, Meile 1508.6, Höhe 1087m

Heute sind wir wieder gemeinsam los. Eine Stunde später gabs Frühstück und dann war ich auch schon wieder alleine. 

Die Trinity Alps sind wunderschön! Es war eine Freude hier durchzulaufen. Weite Ausblicke und Mount Shasta ganz nahe. Dieser Berg ist wirklich fotogen, ich weiß gar nicht wieviele Aufnahmen ich davon gemacht habe. Morgen werden wir in der gleichnamigen Stadt sein. Mount Shasta ist ein hoher Berg, den man auch Besteigen kann aber das lass ich lieber. Konnte mir seit zwei Wochen anschauen wieviel Schnee noch auf dem Berg liegt. Da kann man noch Ski fahren! Nein danke! 

Wir haben momentan das schlimmste hinter uns, mit Schnee müssen wir erst wieder nach Belden und Sierra City rechnen. Ich werde wohl meine Eisaxt nach Belden senden lassen. In Mount Shasta muss ich mir noch eine Handschlaufe kaufen womit man die Eisaxt befestigen kann. Wahrscheinlich wird es nicht nötig sein sie dabei zu haben, da ich jetzt aber meistens alleine unterwegs bin möchte ich gewappnet sein. 

An der Campsite musste man das Wasser suchen, Disappearing Creek eben😉. Man hörte es aber plätschern und man musste die Felsen im Flussbett hochklettern. Am Bach angekommen gab es einen richtigen Mermaidpool wo ich ein Spongebad (Katzenwäsche) genommen habe. Mermaid hätte da sicher ein Vollbad genommen😉. 

72. Tag, Porcupine Lake Tentsite, Meile 1528.8, Höhe 2224m

Ich habe mal wieder sehr schlecht geschlafen. Mein Rücken macht mir Probleme, das linke ISG ist total blockiert und wenn ich mich drehen will ist das immer mit Schmerzen verbunden. Ich war ja vor dem Trail schon in Behandlung aber mein Chiropraktiker hat es nicht hingekriegt das Gelenk zu lösen. Ja und auf dem Trail wird es leider auch nicht besser. 

Ich bin heute erst um 5.00 aufgestanden und um 5.50 bereits losmarschiert. Ich werde schneller am Morgen😉. Ich war wieder alleine unterwegs und fühlte mich sehr wohl. Mein Frühstück nahm ich auf einem Felsen ein, der oben schön flach war, direkt an einem großen Bach, den ich anschließend überqueren musste. Es war so friedlich. Ich versuche auch einen Zeitplan einzuhalten, in der Regel laufe ich 2 Std. und dann mache ich Pause. Wenn aber ein besonders schönes Plätzchen wie dieses kommt, darf es auch mal ein bisschen früher sein😉. 

Anschließend habe ich den Bach überquert, da stelle ich mich generell geschickter an als wandern im Schnee mit Mikrospikes. Ich bin auf jeden Fall noch nie reingefallen. Nasse Füße hatte ich auch schon aber ausgerutscht bin ich noch nie. 

Es waren auch heute nicht all zu viele Höhenmeter zu bewältigen außer einmal ging es auf 2500m hoch und oben lag natürlich noch eine Schneekappe. Ich habe die Mikrospikes angezogen, mehr als Sicherheitsgefühl für mich weil ich alleine war, als das es wirklich nötig gewesen wäre. Ich habe in den letzten Wochen einiges darüber gelernt wie man mit Mikrospikes auf Schnee läuft deshalb hatte ich nicht all zu große Angst. Der Schnee war weich aber sehr griffig und dann war ich auch schon drüber. Auf der anderen Seite konnte ich sie gleich wieder ausziehen. Jetzt ging es nur noch hinunter und man konnte den Toad Lake von oben sehen. Man sah Zelte und Leute mit Luftmatratzen auf dem See. Wir hatten gestern abgemacht heute nur 14 Meilen bis zum Porcupine Lake zu laufen und dann einen Nero (wenn man nur wenige Meilen läuft) einzulegen. 

Ich bin um 13.30 angekommen, D-Hiker und Big Sky waren schon seit 11.45 dort (die Angeber😉). Habe mich auch nicht sehr beeilt. Ich habe zuerst mein Zelt aufgebaut und dann bin ich im See schwimmen gegangen, in meiner schicken schwarzen Hikerunterwäsche😂. D-Hiker hat ein Foto von mir gemacht und da sehe ich richtig dünn aus. Schätze das ich noch 52kg wiege. In letzter Zeit habe ich aber nicht mehr abgenommen, ich esse auch mehr als vorher. Morgens nach dem Aufstehen gibt es einen Energieriegel und einen Kaffee. Nach ca. 1-1.5 Std. gibt es Frühstück mit Oatmeal (Haferflocken) und Kaffee. Zweite Pause am Morgen eine Tortilla und Thunfisch. Zum Mittagessen Ramen (Suppe mit Nudeln). Am Nachmittag einen Energieriegel und abends Pasta, Reis oder Cous Cous. Wenn ich einen besonders harten Tag hatte gibt es vor dem Zubettgehen noch eine heisse Schokolade😋. 

Nach dem Bad war das Mittagessen fällig und dann habe ich ein Nickerchen im Zelt gemacht. Es war faulenzen angesagt😉. Zwischendurch habe ich noch Unterwäsche, Socken und mein Shirt ausgewaschen. Das Wasser zum Trinken haben wir aus dem See genommen. Nicht meine erste Wahl aber es schmeckt ganz ordentlich. Ich hoffe einfach, es hat niemand rein gepinkelt😂. Na ja es ist ja gefiltert. 

Es ist ein wunderschöner Sommerabend. Leider muss man wegen den Moskitos aber trotzdem früh ins Zelt. Es sind noch späte Hiker angekommen und die reden glaube ich Israeli.

I call it a day and go to sleep. 

71. Tag, Chilcoot Campsite, Meile 1543.4, Höhe 2019m

Heute Morgen habe ich verschlafen. Hatte wohl keine Lust aufzustehen. Um 5.00 bin ich aufgewacht, den Wecker habe ich nicht gehört. Ich musste mich so beeilen, dass es kein Frühstück gab, kein Zähneputzen gar nichts. Ich war nicht mal auf dem Klo. Wir liefen bis zur Frühstückspause zusammen, die dank D-Hiker etwas früher war als normal, anschliessend ging ich alleine weiter. 

Es ging mir heute schon viel besser und ich fand bald meinen Rhythmus. Ich traf D-Hiker und Big Sky nochmals an der Quelle zum Wasser aufüllen und dann nicht mehr bis abends an der Campsite. Das fühlt sich für mich jetzt viel stimmiger an. Ich war auch nicht mehr so erschöpft wie noch gestern und habe heute auch wieder 20 Meilen geschafft. 

Es war ein wunderschöner Tag, nicht so viele Höhenmeter zu bewältigen, viel Wald, Wiesen und Seen. Es kamen mir soviele Hiker entgegen, die in Chester gestartet sind, vor allem auch viele Schweizer! Hoffe, dass ich bald Mermaid begegne. Sie wollte diese Sektion zwar auslassen wegen den Schnee aber diese hier ist ganz sicher nicht die schlimmste. Den Schnee kann man umlaufen oder auch auf einem anderen Trail umgehen. Wenn ich Empfang hätte könnte ich ihr die Infos schicken. Ich hoffe es reicht noch wenn ich in Castella bin. 

Morgen werde ich ausschlafen, denn wir machen morgen nur 14 Meilen und werden den Nachmittag an einem See verbringen. 

70. Tag, Tentsite Mosquito Lake, Meile 1563.6, Höhe 1919m

Ich mochte kaum aufstehen, ich muss um 4.15 aufstehen damit ich um 5.30 Abmarsch bereit bin. 

Es ging gleich mal über ein kurzes aber  sehr steiles Eisfeld. Ich sagte mir immer bloß nicht runterschauen. Einfach einen Schritt nach dem anderen bis auf die andere Seite. Als wir drüben waren ging gerade die Sonne auf. Winderschön! Auf der anderen Seite wartete ein Pärchen. Gottseidank haben wir uns nicht in der Mitte der Ueberquerung getroffen sonst hätte eine Gruppe umkehren müssen😱. 

Dies war das letzte große Schneefeld in dieser Sektion. D-Hiker und Big Sky legten den vierten Gang ein und ich rannte mal wieder hinterher. Ich hatte Hunger aber sie hielten einfach nicht an. Das geht nämlich genau nach Zeitplan. Endlich sah ich sie am Hang sitzen und das erste was Big Sky sagte ist: „Break over!“. Dieser Witz wir auch langsam alt.  Sie hatten sich einen steilen Hang ausgesucht und mein Rucksack steht  leider nicht von alleine. Irgendwann ist er den Berg runter gekullert und meine Wasserflasche hat sich auch verabschiedet. Ich war total genervt! Und es ist nicht weil der Rucksack den Berg runtergefallen ist, ich hatte  einfach genug davon den beiden hinterher zu rennen und nicht Pause machen zu können wenn ich müde bin oder Hunger habe. Ich wollte endlich wieder selber entscheiden können. HYOH !!! (Hike your own hike). D-Hiker und Big Sky sind ein Team aber ich bin irgendwie wie das Sand im Getriebe, das Rädchen welches leider nicht ganz passt, da ich langsamer laufe wie sie. 

Ich habe deshalb beschlossen wieder alleine zu laufen. Dann habe ich nicht mehr das Gefühl, den  beiden hinterher zu rennen. Ich laufe jetzt wieder in meinem eigenen Rhythmus und mache Pause wann und wo ich will. 

Als ich um 19.00 ziemlich fertig im Camp angekommen bin, sah mich Big Sky und fragte: „What are you doing here?“ Ich habe mich dann gefragt, ob ein: „Hey, great you made it“ nicht passender gewesen wäre. Ich werde irgendwie nicht warm mit ihm.  

Ich vermisse Mermaid, wir waren ein gutes Team und das ohne viele Worte. Wir mussten auch nicht alles so straff organisieren. Jetzt ist halt wieder alles anders aber ich nehme einfach an, dass es gut kommt. 

Auf dem Titelbild ist übrigens kein grünes Monster zu sehen, das ist der Trail begraben unter einem Baum. Wir mussten uns auf allen vieren durchzwängen. 

69. Tag, Tentsite, Meile 1583.6, Höhe 2202m

Wir waren um 7.00 startklar. Vorher gab es im Motelzimmer noch einen Kaffee aus der Mikrowelle und einen Energieriegel. Dann machten wir uns auf den Weg Richtung Hiker Hut denn von dort sollte man am einfachsten einen Hitch erhalten. Es hatte kaum Verkehr und doch hat uns nach ca. 15 Min. ein Ehepaar mit einem schwarzen Pick up mitgenommen. Wir saßen hinten auf der Ladefläche und wurden gut durchgelüftet. Nicht das es nötig gewesen wäre wir hatten am Vorabend nochmal geduscht😉. 

Um 8.00 standen wir am Trailhead und es konnte losgehen. Da ich um 6.30 einen Energieriegel gegessen hatte, hatte ich bald schon wieder Hunger. Big Sky meinte Break sei erst um 10.00! Ich habe ihm dann klar gemacht, dass ich unmöglich 3.5 Std. nur von einem Energieriegel zehren könne. Man hatte dann Erbarmen mit mir und es gab Frühstück. 

Wir waren nicht so fit nach 2 Tagen Pause, der Körper befand sich immer noch im Relaxmodus. Wir haben uns mühsam den Berg hochgeschleppt. Das beste heute waren die Pausen. Es war kein sehr schwieriger Tag, nur einmal mussten wir die Mikrospikes anziehen um über ein Schneefeld zu kommen. In diesem Abschnitt des PCT hat es viele Bergseen und das Wasser war gar nicht sooo kalt. Wir haben aber trotzdem auf ein Bad verzichtet, da wir uns noch gar nicht so schmutzig fühlten. 

Vor der Mittagspause habe ich endlich Heidi und Felix getroffen. Wir haben uns total gefreut, es ist das erste Mal dass wir uns auf dem Trail begegnen. Leider will sie aufhören, ich nehme an es hängt unter anderem auch damit zusammen, dass ihre Trailbuddies Andy und Felix aufhören. Andy hat ja schon vorher aufgehört. Sie hätte eine sehr gute Zeit gehabt und es sei ok für sie nach Hause zu fahren. Wir mussten uns bald schon wieder verabschieden, da wir ja in unterschiedliche Richtungen laufen. Schade, dass sie nicht gestern Abend im Etna angekommen sind, dann hätten wir zusammen essen gehen können.

Hey Sandy, du kannst schon mal ein paar Touren organisieren, Heidi will in der Schweiz weiter wandern. Dann könnt ihr dann auf mein Wohl einen Kaffee mit Baileys und Schlagrahm trinken😘. 

Am Nachmittag habe ich aus der Ferne wieder Rauch gesehen. Es scheint wieder ein neues Feuer im Gange zu sein. Es ist schrecklich durch wieviele abgebrannte Wälder wir laufen. Ich habe mit einem Dayhiker gesprochen, der meint, dass dies eine natürliche Regulation des Waldes sei. Sie hätten halt soviel Wald und der werde nicht kultiviert. Teilweise lasse der Forrest Service einen Waldbrand auch einfach runterbrennen ohne dass man überhaupt versuche es zu löschen. Eine ganz andere Philosophie…

Ich habe es dann doch noch auf die Tentsite in der Russian Wilderness geschafft. Essen, die Beine mit Wet Wipes abwischen und dann ab ins Bett. Ich bin todmüde. 

67. Tag, Etna

Ausschlafen war heute angesagt und dann amerikanisches Frühstück bestehend aus 2 Spiegeleier, Speck und Bratkartoffeln. Mein Lieblingsfrühstück in Amerika! 

Dann Ressuply (siehe Bild) für die nächsten 6 Tage bis Castella. Mann wird das wieder schwer! Dafür muss ich nur 1.4lt Wasser schleppen. Ruhetage sind immer sehr anstrengend, viel zu tun und zu erledigen. Zuerst muss man einkaufen, dann alles in Ziplocks umfüllen und irgendwie in den Foodsack reinbekommen. Dann muss man Ausrüstung ersetzen, neue bestellen, oft über das Internet da es nicht an jedem Ort einen Outfitter hat. Alles sehr zeitaufwändig. Deshalb bin ich froh, dass wir Morgen auch noch hier bleiben, dies ist dann wirklich ein freier Tag. Es gibt hier eine Health Clinic, vielleicht werde ich da mal vorbeischauen und fragen was ich betreffend meinem Rücken tun kann. Falls ich überhaupt einen Termin erhalte. Das mit dem Gesundheitssystem ist hier alles viel komplizierter als bei uns. Ich würde auch gerne meine Haare nachschneiden lassen aber im ersten Coiffeursalon habe ich keinen Termin erhalten. Es soll aber noch zwei weitere geben. 

Übrigens bin ich heute wieder einmal gestürzt! Ich hatte zum Einkaufen meine Wanderschuhe an und dann hat sich der Schuhbändel in einem der oberen Häkchen verheddert und ich machte eine elegante Rolle über den Bordstein aus Gras. Weiss auch nicht was los ist, das ich so oft stürze. Ich scheine aber eine sehr gute Falltechnik entwickelt zu haben, da ich mich nie verletze. Ausser als ich mir den linken Fuss verstaucht habe.

Heute Abend haben wir die Resten von Gestern gegessen. Die Portionen hier sind ja monströs gross, das reicht für zweimal. Hier hat es ja oft eine Mikrowelle im Zimmer und im Supermarkt hat D-Hiker Emmentaler gefunden. Ich habe die restlichen French Fries in den Becher meines JetBoils gefüllt, dann eine Scheibe Emmentaler darüber und 1 Min. in die Mikrowelle. Ahhhh war das gut😊. Dazu der Rest von meinem Hamburger Steak. 

Wir haben heute im Supermarkt Kimby getroffen, die Französin welche mit Bullfrog unterwegs ist. Sie ist auf dem letzten Abschnitt bevor Etna ca. 30m den Hang runter gerutscht. Glücklicherweise wurde sie in ihrem Fall von zwei Bäumen gebremst sonst wäre sie in den See gefallen. Sie hat sich Gottseidank nicht gross verletzt aber der Schock war so gross, dass sie mit dem Helikopter ausgeflogen werden musste. Den Helikopter den wir gestern gehört haben. Trotzallem wollen sie morgen weiterlaufen. Ich habe ihr gesagt, dass es für den nächsten Abschnitt eine Alternative gibt, wo man den höchsten Teil des Weges umgehen kann. Wir werden dies wohl auch tun. Ich will mich nicht unnötig in Gefahr begeben. Überhaupt werde ich wenn es mir zu gefährlich wird einfach umkehren. 

66. Tag, Etna, Meile 1597.2, Höhe 883m

Wir sind heute Morgen frohen Mutes los und meinten alle schwierigen Sachen bereits hinter uns zu haben. Der Körper hatte sich schon in den Relaxmodus begeben, da wir wussten, dass es heute zurück in die Zivilisation geht. Man träumt dann davon was man Essen und Trinken will, von der Dusche und dass man endlich die stinkenden Kleider waschen kann. Man ist bereits halb in der Stadt und nicht mehr ganz auf dem Trail. Der Weg brachte uns aber bald dazu wieder aufzuwachen. Es war noch nicht die Zeit um zu relaxen. Es kamen weitere Schneefelder, grrrrrr! Sie waren nicht sehr gross aber zum Teil sehr steil. Es war also wieder volle Konzentration gefordert! Teilweise konnten wir die Schneefelder auch auf den Steinen umlaufen aber das war auch nicht so einfach denn sie waren zum Teil lose. Einmal war ich fast schon um das Schneefeld rumgeklettert, es fehlte noch ein Schritt zurück auf den Trail. In meinem Gesicht könnte man schon die Freude sehen, dass ich es geschafft hatte und dann Rumms, rutschte ich auf einem losen Stein um und fiel auf den Rücken. Ich lag da wie ein Käfer auf dem Rücken. Ich musste den Rucksack ausziehen um wieder aufstehen zu können. Irgendwie habe ich aber immer Glück, da ich mich nicht gross verletze. Meistens nur eine blaue Beule… Es lehrt einem aber, dass man die Konzentration bis zum letzten Schritt halten muss. 

Nach den Schneefeldern ging es auf Schotter und Steinen runter zum Parkplatz wo wir noch 10 Meilen nach Etna hitchen mussten. Kein einfaches Unterfangen auf einer wenig befahrenen Strasse. Es kamen einige Fahrzeuge vom Forrest Service mit Feuerwehrmännern. Als wir zu Mittag gegessen haben, hatten wir schon gesehen, dass es hinter uns auf der gegenüberliegenden Seite ein kleines Feuer hat. Leider dürften sie uns nicht mitnehmen aber die Autos waren sowieso voll. Endlich hielt ein Auto an und es waren Indianer, die uns mitnahmen, zumindest zwei davon. Sie waren gerade unterwegs zu einer Demonstration gegen eine neue Gaspipeline, die durch ein Wasserschutzgebiet führt. Das Auto war ziemlich voll aber sie schafften es soviel Platz frei zu schaufeln, dass wir alles Platz hatten. Die Rucksäcke wurden einfach auf dem Dach festgezurrt. Als wir alle drin waren bekamen wir sogar noch ein Bier in die Hand gedrückt bevor es losging. Wir schwebten im 7. Himmel und als wir in Etna ausstiegen war ich schon ziemlich angeheitert😜. Als wir ausstiegen bekamen wir noch frische Pflaumen in die Hand gedrückt und noch eine herzliche Umarmung mit auf den Weg. Dies war bisher der sympathischste Hitch in die Stadt. Ich hoffe, dass sie es schaffen,  dass die Pipeline nicht gebaut wird. Die Chancen stehen gut, denn die Pipeline ist illegal! GOOD LUCK! 

In Etna musste natürlich als Erstes die Eiscreme her, dann ging es zum Motel Etna wo wir 3 Nächte bleiben werden. D-Hiker ist ein Stück vom Zahn rausgebrochen und sie bekam erst am Donnerstag einen Termin beim Zahnarzt. Etna ist ein guter Ort um sich zu erholen und meinem Rücken tut es sicher auch gut, denn der schmerzt wie verrückt. Hoffe nicht, dass er mich zum aufgeben zwingt…

So es ist Zeit was richtiges Essen zu gehen. Ich habe Lust auf ein richtig gutes Steak nach all diesen Anstrengungen. 

65. Tag, Tentsite, Meile 1610,9, Höhe 1931

Ich habe schlecht geschlafen und geträumt. Im Traum bin ich gefallen und dann aufgeschreckt. Habe mir überlegt wieder nach Seiad Valley zurückzukehren weil mir der Schnee zuviel Angst macht. Weiss nicht welches Szenario ich schlimmer fand, alleine nach Seiad Vally zurück zu laufen oder weiterzulaufen.

Trotz allen meinen Bedenken und Aengsten war ich um 5.30 startklar und wurde gleich mit einem Wahnsinns Sonnenaufgang belohnt. Was für eine coole Tentsite! Big Sky ist unser Navigator und er macht einen super Job. Er findet den Trail immer wieder, auch wenn er unter dem Schnee begraben ist. Es ging soweit alles gut und meine Aengste wurden weniger. Aus der Ferne sah ich immer wieder einen verschneiten Berg und dachte nur: „Hoffentlich müssen wir da nicht hoch“. Wir steuerten genau darauf zu und hofften, dass der Weg noch vorher runter gehen würde. Plötzlich realisierten wir, dass der Weg gar nicht zu diesem Berg ging sondern über einen Grat auf die andere Seite. Grosse Erleichterung,  bis wir sahen was uns auf der anderen Seite erwartete 😱. Eine riesige Schneewand baute sich vor uns auf und als ich hochkletterte sah ich einen endlos langen Hang den es zu durchqueren galt. Mir rutschte das Herz in die Hose. Vor der Ueberquerung des Schneefeldes assen wir noch zu Mittag. Meine „Henkersmahlzeit“ bestand wieder einmal aus Ramen. Ich habe D-Hiker gefragt ob ich hinter ihr laufen könne und Big Sky kam hinter mir. D-Hiker hat mich Schritt für Schritt über das Schneefeld geführt und mir immer gesagt was ich tun soll. Wie ich meinen Fuss setzen soll, in welche Richtung usw. Sie hat mich immer wieder daran erinnert das Dreipunkesystem anzuwenden. Erst wenn man mit beiden Füssen sicher steht und beide Trekkingpoles guten Halt haben darf man den nächsten Schritt machen. Ich habe mich immer nur auf den nächsten Schritt konzentriert und darauf geachtet, dass ich guten Halt habe. Ich habe einfach nicht den Hang runter geschaut sondern nur auf dem Boden vor mir und manchmal geradeaus um zu sehen wie lange es noch geht. Und siehe da, mit der richtigen Anleitung und Technik war es gar nicht so schwer und vor allem war ich nicht gelähmt durch die Angst. Auf der anderen Seite angekommen war ich richtig stolz, dass ich das gepackt habe und meine Angst überwinden konnte. 

Wir kamen dann zu Felsen und plötzlich sahen wir keine Fussspuren mehr. Es musste also einen anderen besseren Weg geben als den PCT. Wir haben lange gesucht und dann sind wir einfach auf den Felsen weiter runter gelaufen und plötzlich sahen wir die Fussspuren wieder. Wir haben uns damit sicher 2-3 Meilen Schneetraverse erspart.

Es war immer noch heiss und der Schnee schmolz in Rekordzeit. Der PCT hatte sich in einen richtigen Bach verwandelt. Wir hatten bereits nasse Füsse vom Laufen im Schnee aber jetzt waren sie durch und durch nass! Das gute war, jetzt mussten wir nicht mehr aufpassen, wir konnten einfach durch die Bäche durchwaten.

Wir machten gerade eine kleine Pause, da kamen uns 2 Dayhiker aus der anderen Richtung entgegen. Sie hatten nicht einmal Mikrospikes dabei! Ich würde ohne auf dem Schnee keinen einzigen Schritt tun! Wie habe sie über alles informiert was auf sie zukommt und dass es keine gute Idee sei ohne Mikrospikes über die riesigen Schneefelder zu gehen. Sie wollten aber selber sehen wie weit sie kommen. Wir haben getan was wir konnten die Emtscheidung mussten sie selber treffen.

Kurz bevor wir an der Tentsite ankamen, bin ich noch saublöd gestürzt, da eine Schneebrücke eingestürzt ist. Es war nicht gefährlich aber sehr schmerzhaft weil ich auf einen Stein gefallen bin. Schon wieder eine Riesenbeule an meiner Hüfte😖. Soviel gestürzt wie seit Ashland bin ich in 2 Monaten nicht!

Wir haben unsere drei Zelte auf einem Platz aufgebaut, der nur für zwei gedacht war. Es war dementsprechend eng aber auch sehr gemütlich. Big Sky hatte Probleme beim Zeltaufbau da er einen Seiteneingang hat und sein Vorzelt nicht aufbauen konnte da er den mittleren Platz erwischt hat. Warum auch hat er nichts gesagt? Es ging aber trotzdem irgendwie.

Ich war total happy, dass wir alle den Tag gut überstanden hatten und sich niemand verletzt hatte. Zur Feier des Tages gab es nach dem Essen noch eine heisse Schokolade zur Belohnung😊.

Wir haben heute auch noch einen Helikopter gesehen und da fragt man sich immer gleich, ob ein Hiker gestürzt oder krank ist. Es könnte ja auch ein Arbeitseinsatz sein…

64. Tag, Tentsite, Meile 1623, Höhe 1995m

Wir sind in der Marble Mountain Wilderness, es ist 16.00 und wir sind bereits im Camp. Draussen zieht ein Hitzegewitter vorbei, mein erstes in den Bergen. Es scheint uns aber nur zu streifen. Bis jetzt sind nur ein paar Tropfen gefallen. Es rumpelt in der Ferne die ganze Zeit. 

Heute Nacht ist was schweres durch den Wald gelaufen, vielleicht ein Bär? Er ist auf jeden Fall nicht bei uns vorbeigekommen. Ich hatte gestern die Rain Fly nicht drauf und dann stellte ich mir vor wie ein Bär reinschauen würde. Würde ich schreien? Keine Ahnung. Vielleicht würde ich dem Bären einfach sagen: Get lost!

Wir sind wieder um 5.30 los und natürlich ging es immer noch den Berg hinauf für weitere 6 Meilen. Am Morgen geht das immer richtig gut. Es wurde schnell heiss und sehr schwül. Es kamen uns immer wieder mal Hiker entgegen und wir befragten sie wegen den Schneeverhältnissen. Es sollte noch viel Schnee auf uns zukommen nach  der Junction zu Paradise Valley. Sie meinten nur: Have fun! Ob das wohl ironisch gemeint war? 

Wir wollten noch 4.5 Meilen laufen bis zur nächsten Wasserquelle und dann Lunch essen. Doch dazu kam es nicht, denn dann kam der Schnee! Es kam ein Schneefeld nach dem anderen und es war auch wieder teilweise sehr steil. Wir mussten einen Hang überqueren wo wahrscheinlich eine Lawine runter ist, die Bäume standen fast alle in Schieflage. Habe mir sagen lassen, dass die sich teilweise wieder aufrichten können. Bei der letzten Traversierung war ich so geschwächt, weil wir ja nicht zum Mittagessen gekommen waren, und ich hatte auch ziemlich Angst. Ich war fast schon in Panik und sah mich die ganze Zeit den Hang hinunterrutschen und in die Bäume knallen. Big Sky und D-Hiker waren schon auf der anderen Seite und ich wusste nicht wie ich da rüber kommen soll. Big Sky kam mir dann entgegen und half mir abzusteigen damit ich auf die andere Seite gelangen konnte. DANKE BIG SKY!!! Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft, ich war von der Angst wie gelähmt. Ich war fix und fertig und dem Heulen nahe. Wir haben dann Pause gemacht und zu Mittag gegessen. Da ich zu wenig Wasser hatte konnte ich mir nicht mal eine Ramensuppe kochen, dafür gab es Brot und Beef Jerky. Wir sassen mitten auf dem Weg, mehr Platz gab es nicht. Als wir so da sassen merkten wir, dass ein Gewitter im Anmarsch ist und wir so schnell wie möglich absteigen mussten. Zuerst ging es aber noch  ganz hinauf. Dazu mussten wir erst über einen umgestürzten Baum klettern der mitten im Weg lag und dann einen verschneiten Hang hoch klettern. Oben angekommen fanden wird den Trail und er war auf der Südseite und schneefrei👍. Es ging runter zu der lang ersehnten Quelle wo wir endlich Wasser auffüllen konnten. Es gibt nichts besseres als eisgekühltes Quellwasser😜. Das mit dem schnellen hinunter gehen war nicht ganz so einfach weil sich wieder Schneefeld an Schneefeld reihte aber Gottseidank nicht steil und mit den Mikrospikes gut zu bewältigen. Auf knapp 2000m fanden wir dann eine Tentsite wo wir schnell unsere Zelte aufbauten bevor das Gewitter losging. Die Stimmung am Himmel war richtig düster und wir konnten alles gut beobachten. Plötzlich klatschten dicke Tropfen auf mich runter und ich musste mich schnellstens ins Zelt begeben. Ich habe dann im Zelt gekocht und gegessen. Den Gaskocher mache ich immer im Vorzelt an damit es mir nicht das Zelt abfackelt. Es ist richtig gemütlich in meinem kleinen Zuhause. 

Das Gewitter ist inzwischen vorbeigezogen. Die Temperatur ist von 32 auf 17 Grad gesunken. Es hat gehagelt und stark geregnet. Mein Zelt ist mit Dreck überzogen aber drinnen ist es trocken und warm. 

GUTE NACHT!💤💤💤