83. Tag, Border Spring Tentsite, Meile 1343.8, Höhe 1804m

Ich bin heute Nacht mit Schrecken durch ein mehrmaliges lautes Schnauben aufgewacht. Ich war mir sicher das ist ein Bär!!! Ich lag wie erstarrt in meinem Zelt und lauschte nach draußen. Ich konnte aber nichts sehen und auch nichts hören. Komisch, ein Bär würde man doch hören, die sind nicht leise! Die grunzen und schnüffeln run. Vielleicht habe ich es auch nur geträumt und bin von meinem eigenen Schnauben aufgewacht. Wenn ich schnarche wache ich nämlich auch auf😂. Ich habe mich dann wieder beruhigt und bin wieder eingeschlafen. 

Gleich am Anfang vom Lassen Volcanic Park bin ich in eine Gruppe von jungen Hikern gelaufen. Sie waren gerade dabei aufzustehen und hatten sichtlich Spaß. Mich hat es traurig gemacht, denn ich möchte auch wieder Spaß haben. Ich möchte auch mit einer Gruppe unterwegs sein, die sich gut versteht. Im Moment fühle ich mich gerade sehr alleine auf der Welt. Ich habe keine Eltern mehr, von meinen Geschwistern oder Freunden höre ich nichts und ich habe auch keine bessere Hälfte. Zudem laufe ich momentan auch den PCT alleine. Ich war einfach nur traurig und die Tränen sind mir heruntergelaufen. Es hat gut getan zu weinen. 

Es war kalt und ich wartete auf die Sonne. Ich kam auf eine Ebene und da schien die Sonne, da habe ich beschlossen zu frühstücken. Als ich das Wasser erhitzte hörte ich einen Koyoten heulen. Zuerst dachte ich es sei ein Wolf aber nein es war ein Koyote. Das hat sich auch traurig angehört, da habe ich mit dem Koyoten etwas gemeinsam. Ich habe zuerst etwas ängstlich herum geschaut aber dann habe ich mich entspannt und einfach mein Frühstück genossen. 

Anschließend ging es stundenlang durch verbrannten Wald, das war echt eine Geduldsprobe. Es ist vor allem auch langweilig für das Auge. 

Ich kam am wunderschönen Twin Lake vorbei, habe aber nicht angehalten, weil es da immer wieder Zwischenfälle mit Bären gibt. Dies ist auch der Grund, warum man für die 20 Meilen einen Bärenkanister braucht wenn man hier campen will. Da ich keinen habe musste ich die Strecke an einem Tag durchlaufen. Ich campe jetzt direkt am Ende dieser Zone. Ich hoffe die Bären halten sich daran😉. 

Ich musste heute einen größeren Fluss furten. Das hätte nasse Füsse gegeben wenn nicht weiter oben ein riesiger Baumstamm über dem Fluss gelegen wäre. Es war aber trotzdem eine Mutprobe darüber zu laufen wenn darunter der Fluss gurgelt. Aber ich habe die Aufgabe souverän gemeistert. Anschließend musste ich mich aber erholen und schauen, dass das Adrenalin wieder runter ging. Da war eine Tentsite direkt am Fluss, die sich dafür anbot. 

Die Drakesbad Guest Ranch bietet Frühstück, Lunch und Dinner an. Immer nur für eine Stunde und ich kam um 15.00 zw. Mittag- und Abendessen an. Ich beschloss daher weiterzulaufen, wenn auch nicht gerade glücklich darüber. Morgen bin ich ja in Chester, da gibt es dann auch wieder was zu futtern. 

Jetzt musste ich nur noch die letzten 4 Meilen bis zur Boundry Spring laufen. Ich kam an einem vulkanischen See vorbei mit heißem Wasser. Es stank auch ziemlich nach Schwefel. Mount Lassen ist ein Vulkan und dementsprechend sieht es hier auch aus. Man sieht Tonnen von Lavasteinen. Das muss eine Wahnsinnseruption gewesen sein vor langer Zeit. Die Steine müssen Kilometerweit geschleudert sein. 

Als ich um 17.30 an der Boundryspring ankam, saßen D-Hiker und Big Sky da und waren gerade dabei Dinner zu essen. Sie wollten noch 4.5 Meilen weiter gehen. Für mich war klar, dass ich hier bleibe. 21.5 Meilen dürften reichen fürs Erste. Ich war bedient. Es ist schon so, dass ich mich immer mehr von ihnen löse und meinen eigenen Weg gehe. 

Heute Nacht campe ich wieder ganz alleine. Habe gehofft, dass vielleicht noch andere Hiker kommen aber es sieht nicht so aus. Ich werde Ohropax in meine Ohren stopfen und meinen Buff über die Augen legen. Wenn der Bär kommt will ich lieber nichts hören oder sehen. Soll er doch rumschnüffeln und mich in authentisch lassen. 

82. Tag, Tentsite, Meile 1364.5, Höhe 1698m

Die anderen beiden sind heute um 4.30 losgelaufen, nicht mit mir! Ich bin wieder mal zu meiner alten Zeit los um 6.00 morgens. Da wir gestern erst so spät im Camp waren, ich glaube es war 21.00, habe ich beschlossen keinen Wecker zu stellen und „auszuschlafen“. Punkt 5.00 bin ich aufgewacht und um 6.00  war ich abmarschbereit. Die Sonne ging gerade auf und ich fühlte mich großartig. Ich war voller Vorfreude auf Old Station, welches sich nur 0.3 Meilen abseits vom Trail befindet. Dort gibt es das J. J. Café wo es phänomenales Frühstück geben soll und das den ganzen Tag!

Um 11.00 war ich endlich dort aber ich fand nur das Hatcreek Resort, welches zum Campingplatz gehört. Ich habe dann im Laden nachgefragt und da hieß es Old Town und das Café seien noch 2.5 Meilen die Straße runter. Da hätte ich noch hitchen müssen. Ich beschloss dann im Resort zu bleiben da gab es Sandwich mit gegrilltem Poulet und Kartoffelsalat. Dazu eine riesengroße Cola. Lecker😜. Ich wollte noch meinen Food etwas aufstocken aber der Laden war nicht zu gebrauchen. Das einzige was ich fand waren neue Wasserflaschen, zwar nur 500ml anstatt 700ml, und auf dem Klo klaute ich etwas Toilettenpapier. 

Draussen traf ich Yoda (jaaaa Startrek😉) und unterhielt mich mit ihm über den Weg, da er ja aus der Richtung kommt wo ich hingehe. So wie es aussieht muss ich schon vor Sierra City wieder mit Schnee rechnen und wahrscheinlich sogar schon Morgen. Vor 3 Wochen war es auf der morgigen Strecke noch recht verschneit aber mittlerweile wird ein großer Teil geschmolzen sein. Wir haben täglich fast 35 Grad im Schatten! Da ich alleine sein werde, schließe ich auch nicht aus umzukehren wenn es mir zu brenzlig wird. Sicherheit geht vor! 

Nachdem ich soviel zu Mittag gegessen hatte musste ich im Wald eine kleine Siesta im Schatten abhalten. Das hat gut getan. Dann ging es weiter zur nächsten Wasserquelle, welches ein richtiger Fluss war. Ich nahm mir Zeit etwas Wäsche auszuwaschen und wusch mich selber am Fluss. Was für eine Glückseligkeit😊. Anschließend musste ich mich noch etwas ausruhen und den schönen Platz genießen. 

Wir hatten abgemacht uns an der letzten Tentsite zu treffen bevor es in den Lassen Volcanic Park geht. Auf 19.4 Meilen darf man nur campieren wenn man einen Bärenkanister hat, da die Bären hier sehr aggressiv auf das Essen der Hiker aus sein sollen. Den Bärenkanister können sie nicht öffnen. Ich bin an der Campsite vorbeigelaufen, konnte sie aber nicht finden. Big Sky und D-Hiker fand ich auch nicht. Die nächste Campsite ist bereits in der Bärenkanister-Zone. Ich konnte aber an den Fussspuren sehen, dass die beiden weiter gelaufen sind. Ich beschloss anzuhalten da ich müde war und auch keine Busse riskieren wollte. Ich campiere in einem Wald der teilweise abgebrannt ist. Die Stämme sind schwarz und verkohlt aber die Baumkronen sind noch intakt. Von dem her nehme ich an, dass es ok ist darunter zu zelten, verbrannte Bäume können nämlich einfach so umfallen. Deshalb  ist in Gebieten mit Waldbrand meistens Campverbot. 

Ich bin gespannt auf morgen, denn es geht wieder mal hoch hinauf. Graces noch Schnee oder nicht? Es ist 8.10 und in einer halben Stunde geht die Sonne unter. Um 21.00 ist Hiker Midnight. Ich hoffe, dass ich keinen Besuch von Bären oder Mountain Lions habe heute Nacht. 

81. Tag, Tentsite, Meile 1382.1 , Höhe 1476m

Um 5.20 stand ich bereits wieder auf dem Trail. Es ist schön am Morgen früh unterwegs zu sein wenn es noch kühl ist. Um 7.00 gab es Frühstück unter einem Tuja Baum und dann hatten mich Big Sky und D-Hiker auch schon wieder eingeholt. Sie sind am Morgen vor 4.00 losgelaufen, echt ich weiß nicht wie sie das machen! Big Sky musste gestern noch bis 19.00 auf seine Schuhe warten und dann sind sie noch 3 Meilen bis zur Wasserstelle gelaufen. Ich war ihnen nur 3 Meilen voraus. Um 10.00 war ich bereits beim Cache 22 und machte meine zweite Pause. Eigentlich hätte ich noch bis zur Mittagspause weiterlaufen wollen aber es begann heiss zu werden. Zudem hatten uns Northbounder darüber informiert, dass es dort oben keinen Schatten gebe und es sehr exponiert sei. Dann bin ich halt geblieben anstatt weiter zu gehen. Anschließend habe ich gesehen, ich hätte sehr wohl weitergehen können, es hatte immer wieder Schatten. Ich muss es immer wieder neu lernen, mich nicht von anderen Menschen beeinflussen zu lassen, sondern genau das zu machen was ich mir vornehme. 

Die Hat Creek Rim war heiss aber erträglich, da ab und zu eine frische Brise wehte. Zudem war es wunderschön und auch nicht abgebrannt, wie ein paar Nobos gesagt hatten. Da war zwar mal ein Brand aber der ist schon sehr lange her. Es war ausgesprochen grün und man sah auch schon den jungen Wald nachwachsen. Das freut mich immer wenn ich das sehe. 

Ich habe inzwischen gelernt, dass Waldbrände wichtig sind für die Natur. In der heutigen Zeit werden Waldbrände unterdrückt und deshalb kommt es dann oft zu so Mega- Waldbränden. Stand heute auf einer Tafel im Lassen Volcanic Park. 

Gegen Abend kam ich zum Lost Creek, da musste man einen steilen, steinigen Weg hinunterklettern um an den Fluss zu kommen. War tierisch anstrengend! Vor allem wieder hoch zu klettern. Big Sky und D-Hiker kamen auch gerade und da es schon spät war beschlossen wir gleich hier zu Essen. So mussten wir das Wasser nicht zum Camp schleppen, welches nur eine Meile weiter lag. Auch wegen der Bären ist es immer besser nicht da zu essen wo man schläft. 

Die letzte Meile zum Camp liefen wir beim Sonnenuntergang. Ich kam kaum vorwärts, da ich immer wieder fotografieren musste. Mount Shasta sah wunderschön aus! Dies muss der meistfotografierte Berg sein auf diesem Trail. So langsam müssen wir uns von ihm verabschieden, jetzt kommt immer mehr Mount Lassen in den Vordergrund. 

Ich liege in meinem Zelt, der Himmel ist immer noch rot vom Sonnenuntergang. Ich weiß jetzt schon, das dies genau die Momente sind, die ich vermissen werde, wenn ich nicht mehr auf dem Trail bin. Deshalb: Genießen so lange ich es kann!

80. Tag, Burney Mountain Guest Ranch, Ruhetag. Tentsite, Meile 1401.5, Höhe 1037m

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Ok, nicht nur Ruhetag😉. Da die Hat Creek Rim bevorsteht, dies ist eine wasserlose Strecke auf Vulkangestein ohne Schatten, bin ich abends um 16.30 noch losgelaufen. Big Sky wartete noch immer auf den Kurier mit seinen neuen Schuhen und D-Hiker mit ihm. 

Nach 2.7 Meilen kam ich an die letzte Wasserquelle wo ich 3.5lt aufgeladen habe. Soviel Wasser habe ich zuletzt in der Wüste geschleppt. Dort wäre auch eine schöne Tentsite gewesen aber ich wollte unbedingt die morgige Strecke abkürzen. Jetzt sind es noch 10 Meilen bis zum Cache 22 wo ein riesiger Wassertank steht. Und 10 Meilen schaffe ich bis 10 Uhr wenn ich gut drauf bin und wenn ich es schaffe früh aufzustehen😉. Am Cache soll es auch Schatten geben, ich werde dort die Mittagshitze mit einer langen, langen Siesta abwarten. Heute Abend war es sogar nach 19.00 noch heiss. 

Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass ich wieder mal alleine campe. Es war auch nicht einfach wieder alleine loszuziehen aber ich möchte einfach meinen eigenen Weg gehen und meine eigenen Entscheidungen treffen. Ja manchmal habe ich Angst aber Mut heißt nicht keine Angst zu haben sondern sich von der Angst nicht stoppen zu lassen. 

Ich liege in meinem Moskitonetz und draußen ist gerade die Sonne untergegangen. Das einzige was ich höre ist Vogelgezwitscher ansonsten ist es komplett ruhig. Nicht mal ein Windhauch…

79. Tag, Burney Mountain Guest Ranch, Meile 1407.3, Höhe 1117m 

Big Sky hat Gestern mein extra Polster vom Hüftgurt gefunden und es mir heute Morgen gegeben. Der kann ja richtig nett sein😉. Ich hatte mich schon damit abgefunden es verloren zu haben. Das Extrapolster soll meinen Gewichtsverlust etwas ausgleichen damit ich den Hüftgurt enger schnallen kann und nicht das Ganze Gewicht auf den Schultern liegt. Muss noch eine bessere Möglichkeit finden es zu befestigen. Werde es mit Klettverschluss versuchen, welches in meiner Bounce Box in Chester zu finden ist. 

Am Morgen ging es runter zum Rock Creek. Von oben konnte man einen Wasserfall und einen schönen Pool zum Baden sehen. Leider war es aber am Morgen früh richtig kalt. Wasser brauchte ich keines, da ich dies bereits am Abend vorher erledigt hatte. Deshalb ging es leichten Schrittes weiter bis zum Burney Falls State Park. Hier könnte man den wunderschönen Wasserfall besichtigen, was wir natürlich auch taten, aber viel wichtiger war mir ein Kaffee und Sandwich aus dem General Store😊. Im Store traf ich einen Hiker, Beanpole, der ziemlich stark humpelte. Ich sprach ihn an und er erzählte mit, dass er seinen Knöchel verstaut hatte. Er suchte gerade nach einer elastischen Binde. Im Store gab es aber nichts. Ich sagte ihm, dass ich noch KTape hätte und ihm auch zeigen könne wie er es müsse. Als ich nach Tehachapi meinen Knöchel verstaute, war Hunter zur Stelle und hat mir gezeigt wie ich es tapen muss. So konnte ich es nun an Beanpole weitergeben und er fühlte sich gleich besser. Es stimmt wirklich: The trail provides! 

Anschliessend waren es noch 9 Meilen bis zur Ranch und es war plötzlich sehr, sehr heiss. Außerdem hatte ich es geschafft, an der Wasserquelle vorbeizulaufen😖. Zurück wollte ich nicht und so musste ich auskommen mit dem was ich hatte. Just als ich dachte, dass mir das Wasser ausgehen würde, kam mir ein Pärchen mit der freudigen Mitteilung entgegen, dass es in ca. 1 Meile Trail Magic mit kalter Limonade gäbe😜. Ich glaube ich bin noch nie so schnell gelaufen und sah schon bald zwei Sonnenschirme und einen Tisch mit Bänken. Ich habe 4 Gläser Limonade getrunken und konnte auch noch mein Wasser auffüllen. Ich war gerettet! Es gab ein Buch wo man einen Witz reinschreiben musste und auch eine Kamera wo man ein Foto von sich hinterlassen konnte. Der Tisch war voll mit Unterschriften von Hikern, es gab extra bunte dicke Filzstifte. Ich konnte mich fast nicht von diesem wundervollen Ort lösen aber irgendwann musste ich die letzten Meilen bis zur Ranch in Angriff nehmen. 

Die Ranch ist ein wundervoller Ort wo man sein Zelt aufstellen kann und es hat einen Store, der jedes Hikerherz höher schlagen lässt. Zudem kann man auch sehr gut essen. Ich werde wohl eine Menge Geld hier liegen lassen aber es ist es wert. 

78. Tag, Tentsite, Meile 1422.2, Höhe 958m

Gestern war ich mit D-Hiker an der Campsite und heute mit Big Sky. Wir haben gebührenden Abstand zwischen unseren Zelten. D-Hiker ist noch weiter zum Burney Falls State Park gelaufen, dies wären noch weitere 5.7 Meilen gewesen. Sie möchte so früh wie möhlich in Burney sein damit sie genug Zeit hat um für das Geschäft zu arbeiten. 

Ich werde morgen zu den Burney Falls gehen, dies sind berühmte Wasserfälle in Nordkalifornien. Vielleicht werde ich sogar baden😎. Zudem soll es dort die beste Glace geben. Bis zur Ranch, meinem Tagesziel von Morgen sind es 15 Meilen. Das ist eine relativ kurze Etappe. Je nach dem bleibe ich 1 oder 2 Nächte. 

Heute Morgen sind wir um 5.30 los. Es war entspannter und weniger stressig wenn Big Sky nicht dabei war. Zuerst haben wir uns im Busch verlaufen, da ich wieder mal eine Abkürzung nehmen wollte, die aber  nur noch tiefer in den Busch führte. Auf dem GPS sahen wir, dass wir fast auf dem Trail sind, deshalb haben wir uns einfach durch das Gebüsch gezwängt. Es gab ein paar blutende Kratzer an den Beinen aber wir waren wieder auf dem PCT. Der Vollmond war immer noch am Himmel und auf der anderen Seite ging die Sonne auf. Es war kühl am Morgen aber immer wieder kamen wir durch Abschnitte wo die Wärme von Gestern noch hängengeblieben war.  

Bei der zweiten Frühstückspause informierte mich D-Hiker über ihre Pläne bis zum State Park zu wandern. Ich beschloss einfach zu schauen wie weit ich komme. D-Hiker legte den 4. Gang ein und sie ward nicht mehr gesehen. 

Dafür sah ich nach der Mittagspause  Big Sky. Ich war überrascht ihn zu sehen, er muss wohl bereits morgens um 4.00 gestartet sein. Dadurch vergaß ich am Bach Wasser aufzufüllen und musste dann 1.5 Meilen später einen steilen Weg runterlaufen um an Wasser zu kommen. Das war anstrengend und Schweiß treibend! Der Bach vorher lief einfach über den Weg, dass wäre einfacher gewesen…

Ich bin heute zweimal über meine eigenen Stöcke gestolpert und gestürzt. Gottseidank auf einem weichen Waldweg und nicht auf Schotter oder Felsen. Es wundert mich schon ein wenig, dass es mich in letzter Zeit so oft flach legt aber das Gute ist, ich verletze mich so gut wie nie.😊. 

David ist in Mammoth, er hat die Sierra bereits zur Hälft geschafft. Er hat aber immer noch Probleme mit seinem Knöchel und weiß nicht ob er den Trail fertig laufen kann. Er wird sich in South Lake Tahoe entscheiden. Ich vermisse die Bubble, die wir vorher waren, jetzt sind wir alle auseinandergerissen. David geht es ähnlich. Vielleicht ist es das was mir im Moment so Mühe macht. 

Heidi läuft doch weiter, sie hat andere Hiker getroffen aber sie vermisst Felix. Ich bin froh, dass sie weiter läuft. Sandy, du musst dich noch etwas gedulden😉. 

So ich werde mir jetzt mein Abendessen machen. Es gibt entweder Teigwaren mit Lachs oder Quinoa. Wohl eher Teigwaren oder?

77. Tag, Tentsite, Meile 1440.7, Höhe 1605m

Wir haben heute 1’000 Meilen geschafft, dies sind 1’600km 🤗!!! Ich habe das Gefühl, schon seit langer, langer Zeit auf dem PCT zu sein. Es ist nicht immer einfach und oft eine Riesenherausforderung. Trotzdem möchte ich nirgendwo anders sein im Moment. Auch nicht auf dem Oregon Coast Trail wo Mermaid ist😉. 

Heute mussten wir seit längerem wieder mal über Schnee laufen. Da lag ein riesiger Block aber den PCT hat er nicht groß tangiert. Ich bin hochgeklettert und auf dem Hosenboden oder besser Rock runtergerutscht😁. Ist man dann halt etwas nass aber bei einer Temperatur von über 30 Grad ist das schnell wieder trocken. Der Trail verläuft hier nicht ganz so hoch wie vorher, deshalb hat es weniger Schnee. Bin ganz froh über die Schneepause. 

D-Hiker und ich sind alleine am campen heute Abend, Big Sky hat schon 5 Meilen vorher aufgehört. Er war immer noch erschöpft von gestern. Wir haben gestern extrem geschwitzt und viele Elektrolyte verloren, deshalb ist man am nächsten Tag oft schlapp. Ich habe  eine doppelte Portion Elektrolyte getrunken und dann ging es mir gleich besser. Auch habe ich meine Suppe über Mittag noch extra mit Bouillon gewürzt.  

Ich habe Durst und würde am liebsten mein ganzes Wasser austrinken aber ich darf nicht da ich zu wenig habe. Die letzte Wasserquelle hat uns im Stich gelassen, es hat nur getröpfelt. Mit Ach und Krach habe ich knapp einen halben Liter mit einer Tasse rausgeholt. Dies reicht wenigstens für das Abendessen und den Kaffee am Morgen. Morgen müssen wir zuerst 3 Meilen laufen bis zur nächsten Quelle. Ich habe jetzt noch einen halben Liter, den ich möglichst für Morgen zum laufen brauchen möchte. 

Wir haben bereits vor dem Camp gegessen, wir sind auf einer unbenutzten Dirtroad, da wir von anderen Hikern gehört haben, dass ein junger Bär mutterlos herumläuft und nach fressen sucht. Hikerfood ist da natürlich eine einfache Nahrungsquelle. Wir möchten an unserer Campsite möglichst keine Essensgerüche verbreiten sogar die Zähne haben wir schon vorher geputzt. Bären mögen nämlich auch Zahnpasta. Wir sind auch nicht auf einer offiziellen Tentsite sondern auf einer alten unbenutzten ungeteerten Straße (Dirtroad). Wir haben alles getan was wir konnten und hoffen nun auf eine ruhige Nacht. Es ist Vollmond! Mein dritter auf dem Trail. Wunderschön!

76. Tag, Tentsite, Meile 1461,4, Höhe 1293m

Bin heute Morgen pünktlich um 5.30 gestartet. Big Sky und D-Hiker waren bereits weg da ich noch auf das Plumpsklo musste. Reisende soll man nicht aufhalten😉. 

Wir laufen durch riesige Wälder allesamt am Berghang entlang. Nach 2.5 Stunden fanden wir endlich ein Plätzchen wo wir frühstücken konnten. Vorher konnte man sich einfach nirgends hinsetzen. Kaum sitzt man wird man von den Moskitos gefressen, arrrgh! Sehr entspannt war das nicht. Nordkalifornien sucks!!! Wir werden hier von tausenden Fliegen gemartert, die ständig in unsere Augen, Ohren oder Nasen fliegen und sterben wollen. Dann diese elenden Blutsauger, die meiner Meinung nach überhaupt keine Existenzberechtigung haben. Zudem muss man täglich über umgefallene Bäume klettern und sich durch zugewachsenen Trail zwängen. Heute Morgen war ich richtig genervt von allem. Ich habe mir die berühmt berüchtigte Frage gestellt: „Warum tue ich mir das eigentlich an? Warum kann ich nicht wie alle anderen einfach an den Beach fahren und mich im Liegestuhl räkeln?“ Aber wahrscheinlich wäre mir das dann doch zu langweilig.  

Meine Mittagspause wollte ich auf dem Ash Camp am Mc Cloud River verbringen. Um 12.30 war ich dort und fand auch ein schönes schattiges Plätzchen. Die anderen beiden sah ich nicht aber die Campsite war auch groß. Ich aß mein obligates Ramensüppchen und anschließend war der Powernap fällig. Mir gegenüber hatte sich ein Camper im Liegestuhl eingerichtet und irgendwie hatte ich die Vermutung, dass er es auf meine Tentsite abgesehen hatte. Ich ließ mich dadurch aber nicht beirren und hielt mein Nickerchen. Um 13.45 machte ich mich dann bereit zum weiter hiken. Als ich nach vorne lief hat mich der junge Mann nett gegrüßt und ist mit seinem Zelt Freude strahlend zu der Tentsite marschiert. Wusste ich es doch, dass er nur darauf gewartet hatte, dass ich weiter hike. 

Ich habe dann noch D-Hiker und Big Sky getroffen, die hatten gebadet und dann ging es auch schon weiter.  Es war tierisch heiß, ca. 34 Grad und wir gingen mal wieder in der größten Hitze den Berg hinauf. Es war schier nicht zum aushalten. Der Schweiß ist mir nur so runtergeströmt und ich habe Unmengen von Wasser getrunken. Gottseidank gab es ca. jede Meile einen Bach wo wir wieder nachtanken konnten. Bald ging es aber aber wieder tiefer in den Wald und dann wurde es etwas angenehmer. Die letzte Meile ist immer die schlimmste, sie kommt einem manchmal endlos lang vor. Endlich waren wir an der Tentsite und haben unsere Zelte aufgestellt. Da Big Sky so Mühe hatte den Berg hinaufzukommen wollte ich etwas nettes für ihn tun und habe ihm einen Liter Wasser vom Bach mirgebracht. Er hätte es nur noch filtern müssen. Er wollte es aber nicht weil es nicht gefiltert war und ging lieber selber nochmal zum Bach um Wasser zu holen. Ich habe es zumindest versucht nett zusein, was man von ihm nicht behaupten kann. 

Der nächste Ort ist Burney, wir werden in 3 Tagen dort sein. Ich habe mich heute entschlossen, direkt zur Burney Mountain Guest Ranch zu gehen. D-Hiker und Big Sky werden nach Burney in die Stadt gehen, da D-Hiker noch am Computer was arbeiten muss. Vielleicht ist das der Moment, wo ich alleine weitergehen werde, mal sehen. 

Hier hat es viele Rehe und eines ist vorher den Trail runtergekommen und hat hinter unseren Zelten gegrast. Die Rehe hier sind gar nicht schüchtern und haben keine Angst vor Menschen. Irgendetwas hat das Reh aber beunruhigt, denn es hat immer in eine Richtung gestarrt und nervös mit den Ohren und dem Schwanz gewackelt. Plötzlich ist es durch den Wald davon gestürmt. Vor was es wohl geflüchtet ist? Ein Bär oder ein Mountain Lion? Ich habe nichts gesehen, keine Ahnung was da nachts so rumschleicht. Ehrlich gesagt möchte ich es auch gar kocht wissen. Wenn ich aus dem Moskitonetz nach oben schaue sehe ich nur Bäume, es ist noch hell, es ist Sommer. Gegen 21.00 fallen mir die Augen zu und dann lege ich mir meinen Buff über die Augen damit es dunkel ist. 

75. Tag, Cabin Creek Trailhead, Meile 1482.5, Höhe 812m

Gestern hatte Big Sky beim Einkaufen an der Kasse Jane kennengelernt und mit ihr geflirtet. Dabei hat er sich so gut angestellt, dass sie uns heute Morgen zum Trailhead an der Soda Creek Road gefahren hat😉. 

Um 8.30 sind wir dann gestartet. Wir kamen sogleich an einer Box Trail Magic vorbei mit Fruchtsäften und Crackers. Da war auch noch eine Flasche mit gefrorenem Wasser. Da ich noch Wasser zum kochen benötigte habe ich die mitgenommen. Mir kam leider zu spät in den Sinn, dass diese Flasche wohl nur zum Kühlen gedacht war. Ich habe mich dann gefragt, wie alt dieses Wasser wohl ist und ob da noch was anderes drin ist damit es länger gefroren bleibt. Ich habe das Wasser aber dennoch zum Vorbereiten meines Frühstücks benutzt und ich bin immer noch gesund😄. Beim Frühstück wurde ich dafür von hunderten Moskitos belästigt, diese elenden Blutsauger😖. Eigentlich wollte ich vorher schon anhalten. Ich hatte schon alles ausgepackt und wollte gerade Wasser heiss machen, als es im Wald hinter mir ziemlich laut geknackt hat. Da bewegte sich was größeres im Wald und wenn es viel Lärm macht ist es meistens ein Bär. Ich beschloss deshalb, das Frühstück auf später zu verschieben. Fand es keine gute Idee mit offenem Foodsack einem Bären gegenüber zu stehen. 

Die ersten 10 Meilen ging es nur hinauf bis wir wieder auf ca. 1600m waren. Es war nicht sehr anstrengend da es nicht steil war. Der PCT ist ja bekannt für seine Serpentinen und ich bin sehr froh darüber. 

Es gab heute nicht viele Möglichkeiten anzuhalten, da der Weg sehr schmal den Berg entlang führte. Da geht es immer auf der einen Seite steil hinunter und auf der anderen hinauf. Das Mittagessen haben wir bei einer Verzweigung eingenommen und uns einfach auf dem anderen Trail breit gemacht. Da Big Sky die Lime Chili Shrimps nicht mochte, hatte ich sogar eine doppelte Mahlzeit😊. 

Unterwegs haben wir Dennis getroffen, ein Amerikaner aus Memphis, der heute, nach zwei Wochen Pause wider auf dem PCT eingestiegen ist. Er muss erst wieder seine Trailbeine finden und läuft langsamer als ich. Ich fand es ganz angenehm, nicht immer die Letzte zu sein😉. Seit ich wieder alleine laufe werde ich immer schneller. Es ging dann nur noch hinunter. Der Weg war ziemlich eben und deshalb konnte ich seit langem wieder mal den Trail runterrennen. Mein verstauchter Fuß hatte dies lange nicht zugelassen. 

Jetzt liege ich im Zelt, neben mir rauscht ein Bach und es ist schön warm. Hat lange gedauert, bis wir abends nicht mehr frieren aber seit Anfang Juli ist es soweit. 

Mermaid hat auf den Oregon Coast Trail gewechselt wegen dem Schnee. Die Chance, dass ich sie wiedersehe ist also nicht all zu groß. Schade! 

74. Tag, Mount Shasta, Travel Inn, Meile 1498.7, Höhe 1096m

Wir sind um 5.30 los und im Stechschritt den Berg runter marschiert. Wir mussten nur 9.5 Meilen bis Castella laufen. Es ging durch einen trockenen Laubwald und da hat es immer tausende dieser kleinen Fliegen, welche einem in die Augen, Ohren und die Nase fliegen wollen. Ja und wenn man Pech hat fliegen sie einem auch in den Mund. Ätzende kleine Viecher. Ich nehme an, dass dies Eintagsfliegen sind und vielleicht steht bei ihnen an oberster Stelle, einmal in ihrem kurzen Leben, einem Menschen ins Auge zu fliegen und zu sterben. Selten dämlich!

In Castella sind wir direkt in den Ammiratis Market wo meine Bounce Box auf mich wartete und ein Rückenpolster für meinen Rucksack, den ich irgendwie an meinen Rucksack annähen muss. Dadurch gewinne ich vielleicht 1-2 cm wodurch ich den Hüftgurt wieder enger ziehen kann und das Gewicht nicht mehr auf meinen Schultern liegt. Dummerweise kann ich den Hüftgurt meines Rucksacks nicht auswechseln und ich habe nun mal ca. 10kg abgenommen😬. 

Natürlich musste ich gleich eine Cola und Chips haben für mein Wohlbefinden😉. 

Die Bounce Box konnte ich schon von weitem sehen aber mein Paket von ZPacks war nicht da. Ich habe dann mit der Sendungsnummer rausgefunden, dass es am heutigen Tag ankommen müsste. Ja und das Paket war dann auch auf der Post. 

Castella besteht eigentlich nur aus einer Tankstelle und einem kleinen Markt. Auf dem Rasen neben der Tankstelle habe ich dann meine Bounce Box geleert und alles aufgefüllt. Von meinem Wüsten-Sonnenschutz-Shirt musste ich mich nach fast 1000 Meilen auch verabschieden. Der Gestank war nicht mehr auszuhalten und sauber wurde es auch nicht mehr. Jetzt laufe ich wieder in meinem Merinowolle T-Shirt😊. Ich werde aber die Kapuze vermissen, das war schon praktisch auch wenn es windet. 

Als ich fertig war ging meine Bounce Box wieder auf die Reise nach Chester. Dies sind ca. 300 Meilen.  

Wir trafen E-Game und Valley und mit ihnen zusammen fuhren wir nach Mount Shasta. Wir haben unseren Rucksack schnell im Motelzimmer deponiert und dann war es Zeit für den Lunch. Uns war das Seven Suns wärmstens empfohlen worden und es war wirklich sehr lecker! Ich hatte einen mexikanischen Salat mit Avocados und Poulet. Mmmmmhh! Was ich am meisten vermisse auf dem Trail ist Salat. 

Neben dem Restaurant war ein Coiffeurgeschäft und ich fragte mal an ob sie Einen Platz frei hätte und um 15.00 hatte ich meinen Termin. Als ich im Motel in den Spiegel geschaut hatte, dachte ich nur: „Oh mein Gott!“

Jetzt habe ich wieder eine richtige Frisur😊. Anschließend hieß es Ausrüstung ersetzen, Resupply einkaufen, Kleider für die Sierra nach Sierra City senden, alle Verpackungen entfernen und das Essen in Ziplockbeutel abfüllen. Bis ich fertig war, warmes bereits 19.30! Ich legte mich aufs Bett und genoss mein FAT TIRE (Bier aus Belgien), Humus, Emmentaler und Chips. Mmmmh😊.