135. Tag, Tentsite, Meile 2351.7 , Höhe 1492m

Heute Morgen habe ich im Bett Kaffee getrunken und dann habe ich meine Regenkleider angezogen und bin mit meiner schmutzigen Wäsche zur Tankstelle gelaufen. Dort konnte ich für 7$ meine Kleider waschen und trocknen. In der Zwischenzeit habe ich gefrühstückt und bei anderen Hiker erste Erkundigungen betreffend dem Waldbrand eingeholt. Es gab verschiedene Möglichkeiten aber bisher hatte mich noch keine überzeugt. Man konnte den Rauch bereits hier riechen… 

Ich bin dann zurück ins Zimmer und habe mein Essen, welches ich hierher geschickt hatte, in meinem Foodsack gepackt. Dann musste ich wieder in die Tankstelle um die trockene Wäsche aus dem Tumbler zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit habe ich einen jungen Hiker namens Pop getroffen. Er hat mir gesagt, dass ein Trailangel namens Mojo, ihn bis zum Governement Meadows fahren würde. Dies ist da wo der Trail nach dem Feuer wieder geöffnet ist. Ich müsste somit nicht das Feuer zu Fuß umgehen sondern könnte drumrum fahren. Das ist es! Ich habe gleich gefragt, ob es noch Platz im Auto hätte was bejaht wurde. Ich habe dann sogleich meinen Rucksack fertig gepackt und dann ging es schon bald los. Eine lange Autofahrt, wir haben 52 Meilen des Trails übersprungen. Zuerst ging es über den Highway, dann über eine Forrest Road und zum Schluss ging es dann noch Offroad weiter. Wir mussten diesen Governement Meadows suchen aber am Schluss sind wir wirklich dort angekommen. Mojo hatte Freude daran uns seine Offroad Fähigkeiten zu zeigen, ja und wir hatten einfach Spaß. Hauptsache ich musste nicht fahren, das war echt etwas für Jungs😉. 

Wir haben dann noch alle dort zu Mittag gegessen und es kam auch noch ein alter Bekanner dazu, den ich schon ewig, seit der Wüste, nicht mehr gesehen hatte: Drum Solo! Ich habe mich total gefreut und konnte ihm auch noch etwas von meinem Essen abgeben. Da wir 52 Meilen übersprungen haben, hatte ich jetzt natürlich viel zu viel Essen dabei. Mojo hat uns auch noch Essen abgenommen damit wir es nicht schleppen mussten. 

Ich bin nicht sehr weit gekommen heute. Es ist so eine komische Stimmung mit diesem Waldbrand. Alles ist diffus und grau. Die Sonne kommt auch nicht richtig durch. Es hat mir etwas auf die Stimmung gedrückt. Hoffe, dass ich bald von diesem Brand wegkomme und der Himmel wieder blau ist. Dann lacht nämlich auch wieder mein Herz und diese deprimierende Stimmung geht weg. 

Ich liege im Zelt und ich habe mich schon wohler gefühlt. Vorher war der Himmel ganz orange und eine dunkle Rauchwolke zog über mir durch. Ich weiß nicht ob das vom Sonnenuntergang war oder vom Feuer. Mir ist echt mulmig und ich bin froh wenn es morgen ist und ich weiterlaufen kann. Heidi hat mir gerade geschrieben, dass es weiter im Norden auch brennt und sie im dicken Rauch aufgewacht sind. Im Moment wünsche ich mir gerade nicht alleine zu sein…

134. Tag, White Pass, Meile 2292.4, Höhe 1364m

Heute war einfach nur Wow!!! Absolut spektakulär und sagenhaft schön! Die Goat Rocks und vor allem Knifes Edge, haben alle meine Erwartungen übertroffen. 

Heute Morgen musste ich erst einmal alle Heuschrecken von meinem Zelt scheuchen bevor ich es zusammenpacken konnte. Ich habe ein paar nette Gedanken an das Pärchen geschickt, die die ganze Tentsite besetzt haben. Auf dem Weg zum Örtchen ist mir Renee entgegen gekommen und sie meinte, sie müsse mir dann etwas zeigen wenn wir oben auf dem Berg sind. Ich habe sie dann bald eingeholt, was gar nicht so einfach war, da ich ständig fotografieren musste. Oben angekommen hat sie mich über einen Grat geführt und dann waren da zwei Felsenthrone aufgebaut. Wir haben uns wie zwei Königinnen auf je einen Thron gesetzt und in die Welt erhaben in die Welt geblickt.  Auf der anderen Seite versuchte gerade eine Hikerin den Weg über das Schneefeld zu finden. Wir haben dann versucht sie anzuweisen, natürlich konnte sie uns nicht hören, „Geh etwas weiter hinauf, nein nicht dem pinkfarbenen Band folgen das führt nirgendwo hin, öffne deine Augen, siehst du die Spur nicht im Schnee?“. Ich habe dann gedacht, so muss es wohl Gott gehen, der immer wieder versucht uns anzuleiten aber wir hören ihn einfach nicht. Diese Parallele fand ich irgendwie gut. Wir mussten dann leider unsere Throne wieder verlassen, da wir ja noch hiken wollten. Das Mädel hat schlussendlich doch noch den Weg gefunden😉. 

Es ging dann zum Knives Edge, was wohl soviel wie Messersschneide heißt. Man läuft auf einem Grat und auf beiden Seiten ging es steil hinunter. Ausrutschen verboten! Teilweise war auch auf einer Seite eine Wand und auf der anderen ging es steil hinunter. Es war auf jeden Fall spektakulär und das Adrenalin hat auch nicht gefehlt. Ich musste so oft stehen bleiben um ein Foto zu schießen, dass ich kaum vorwärts kam. Zudem war absolute Konzentration gefordert denn der Weg war nicht einfach. Was war ich froh, dass wir gutes Wetter hatten. Also bei Regen, Schnee oder starkem Wind hätte ich diesen Weg nicht laufen wollen. 

Beim nächsten Bach haben Renee und ich noch zusammen gefrühstückt, dann ist sie davon gezogen. Sie muss täglich 28 Meilen laufen wenn sie es bis zum 15. September bis Kanada schaffen will. Puuhhh, wenn sie sich da bloß nicht zuviel vornimmt. 

Ich habe mich nicht sonderlich beeilt, warum auch. Kurz vor einer Quelle, die 0.3 Meilen abseits des Weges lag, holte mich Unger Where und ein anderer Hiker ein. Unger fragte mich, ob er mir auch Wasser mitbringen solle von der Quelle, dann müsse ich nicht extra runter laufen. Ich war ganz baff und habe dann natürlich eingewilligt. Ich saß gemütlich oben an der Quelle und habe darauf gewartet, dass die beiden Jungs zurückkommen. Das war echt super nett😘. 

Um 18.30 bin ich dann endlich am White Pass angekommen und siehe da, Renee war auch noch da. Sie telefonierte gerade und hatte diverse Karten vor sich ausgebreitet. Sie war wohl dabei zu planen wie sie um das Feuer rumgehen oder hitchen kann…

Ich habe mir ein super schönes und teures Hotelzimmer geleistet. Nach acht Tagen ohne Dusche habe ich mir das wohl verdient. Zuerst meinte der Manager sie hätten heute zu aber dann habe ich ihm vorgejammert, dass ich seit acht Tagen nicht duschen konnte und endlich wieder einmal ein Bett bräucht. Na auf jeden Fall hatte er dann Erbarmen mit mir und hat mich doch noch eingescheckt. Ich bekam ein Zimmer mit kleiner Küche, Bad und einem Hochbett. War gar nicht so einfach für Miss Turtle da hochzuklettern😂. 

Renee ist dann noch schnell vorbeigekommen um den Food, welchen Sie zuviel hatte bei mir zu lassen. Ich werde es dann morgen in die Hiker Box tun. Es war mittlerweile 19.30, draußen wurde es bereits dunkel und Renee war immer noch fest entschlossen wieder auf den Trail zu gehen. Was sie dann auch tat. Ja und ich habe mich gemütlich in mein Hochbett gelegt und mein Abendessen verdrückt. Dazu ein großes Bier damit ich auch ja gut schlafen kann. Morgen werde ich mich dann um meine Wäsche kümmern müssen und vor allem wie ich an diesem Waldbrand vorbeikomme. 

133. Tag, Tentsite, Meile 2272.7, Höhe 1995m

Labour Day!!! Weiß irgendjemand was das ist in den USA? Ich weiß nur, dass an diesen Wochenenden die Hölle los ist auf dem Pacific Crest Trail. Die ganze Nation scheint an diesem Tag mit Zelt und allem drum und dran in die Natur zu stürmen. Wir PCT Hiker finden dann kaum einen Platz unser Zelt aufzustellen. Ich bin hier auf einer Tentsite für mindestens 4-6 Zelte und ein Pärchen hat den ganzen Platz für sich alleine beansprucht! Ich muss auf der Wiese schlafen und meinen Platz mit tausenden Heuschrecken teilen😖! Bei der Tentsite vorher hat auch ein Pärchen den Platz annektiert und mir zu verstehen gegeben, dass ich Leine ziehen soll. Aber was soll ich mich aufregen, denn morgen ist alles wieder vorbei und wir Hiker haben den Trail wieder für uns alleine. Sollen sie wieder arbeiten gehen😝. 

Ansonsten war heute ein wunderschöner Tag mit stahlblauem Himmel. Es war teilweise sehr heiss. Am Anfang ging es auch wieder durch den Regenwald aber wie höher ich kam wie offener wurde es. Der Weg ging teilweise schwindelerregend am Steilhang entlang. Nur nicht ausrutschen habe ich immer wieder gedacht, da wären keine Bäume gewesen, die mich aufgefangen hätten… 

Auf der Campsite oder besser Wiese wo ich campe, hat man eine wunderschöne Aussicht auf Mount Adam. Ich habe jetzt gerade einen sehr schönen Sonnenuntergang gesehen und Mount Adam hat rötlich geleuchtet. 

Morgen kommt eine richtige Bergetappe und vor allem werde ich über „Knifes Edge“ runter gehen. Dies ist eine berüchtigte Etappe bei schlechtem Wetter oder Schnee. Alles andere als schönes Wetter würde mich aber sehr wundern für morgen. Ja und wenn alles gut geht bin ich morgen Abend bereits am White Pass ansonsten am Morgen danach.  

132. Tag, Tentsite, Meile 2253.2, Höhe 1535m

Es ist 20.00, ich liege in meinem Schlafsack im Moskitonetz und es wird langsam dunkel. Links neben mir ist eine Gruppe junger PCT Hiker und die machen alle Cowboy Camping, d.h. sie stellen kein Zelt auf, nicht mal das Moskitonetz. Sie schlafen unter freiem Himmel nur im Schlafsack. Habe ich nie gemacht und habe auch nicht das Bedürfnis dazu. Wir schlafen an einem Weiher, es hat dementsprechend Moskitos… 

Ich habe mir für Washington extra Goretex Wanderschuhe gekauft weil es hier ja soviel regnen soll. Ich habe noch keinen Tropfen Regen gesehen und gehe von Hitzewelle zu Hitzewelle. Ich schwitze dementsprechend in den Schuhen und meine Füße tun mir auch mehr weh als sonst. War vielleicht doch nicht so eine gute Idee… 

Ich laufe übrigens durch einen richtigen Regenwald. Kunststück, dass es mich an Gomera erinnert. Diese Flechten an den Bäumen und das Moos… Das Wetter soll übrigens weiter gut sein, mindestens für die nächsten 2-3 Wochen. Ich muss also keine Angst haben, dass ein verfrühter Wintereinbruch kommt. 

Heute bin ich wieder 21 Meilen gelaufen und so langsam gefällt mir Washington richtig gut. Ich laufe jetzt auch wieder höher, zw. 1500 und 1800m, das heißt auch, dass ich wieder mehr Weitsicht habe. Der Himmel war heute richtig blau, so intensiv! 

Ich habe heute Mount Adams fast komplett umrundet und das ist ein richtig schöner Berg. Ich konnte sogar einen Gletscher sehen. Es hat sehr viel Tannenwald, jetzt wieder unverbrannt, viele Wildblumen und Bäche. Es war heute so richtig schön wenn auch anstrengend. 

Auf der anderen Seite habe ich Mount Helen gesehen, der Vulkan der in den 80er Jahren ausgebrochen ist und daneben Mount Rainier. Dem werde ich im Verlauf noch näher kommen…

Nach White Pass hat es einen Waldbrand und ich weiß noch nicht wie ich daran vorbeikomme. Der PCT ist auf einer Strecke von ca. 24 Meilen gesperrt. Werde mich vor Ort erkundigen müssen, vielleicht muss ich drum rum fahren also hitchen. Jetzt genieße ich aber zuerst noch die Goat Rocks Wilderness für die nächsten zwei Tage bis White Pass. Freue mich darauf…

131. Tag, Tentsite, Meile 2232, Höhe 1697m

Ich habe sehr gut geschlafen nach meinem köstlichen geschenkten Mahl von gestern. Es schläft sich halt doch besser mit vollem Magen😊. 

Ich bin um 6.45 los, es war einfach so warm und gemütlich in meinem Schlafsack. Ich musste nur 10 Meilen bis zur Straße nach Trout Lake laufen. Es ging natürlich wieder durch dichten Wald. Was mich am meistendsran stört ist, dass die Sonne nicht durchkommt und es am Morgen relativ dunkel ist im Wald. Ich finde nicht einmal ein sonniges Frühstücksplätzchen…

Zuerst ging es flott den Berg hinunter aber dann musste ich doch noch einmal einen Berg hochsteigen bis es dann endlich runter zur Straße ging. Unten an der Straße waren ein paar PCT Hiker versammelt, unter anderem „Under Where?“ Er fragte mich wie das Essen geschmeckt hatte, natürlich sehr lecker, vielen Dank nochmal! Sie mussten nicht nach Trout Lake weil sie Food bis White Pass dabei hatten. Ich bin dann zur Straße und habe mich bereits gefreut weil ein Auto kam aber die mussten woanders hin. Ich bin dann die Straße runter gelaufen, weil ich wusste, dass man weiter unten Telefonempfang hat. Ich hätte dann einen Trail Angel anrufen können, der auf der Liste stand. Dies war aber gar nicht nötig weil mich zwei symphatische ältere Herren mitnahmen, die gerade von einem Hike zurückkamen. Sie setzten mich und einen anderen Hiker direkt vor dem Restaurant ab. Im Restaurant traf ich Renée (Kicksteps) und wir aßen zusammen. Sie war total müde und gar nicht fit. Ich musste sie überzeugen ein Zimmer zu nehmen und sich auszuruhen. Was sie dann auch gemacht hat. Manchmal muss man die Meilen einfach vergessen, der Körper braucht ab und zu eine Pause. 

Ich habe dann mein Paket im Grocery Shop abgeholt und Renée und ich saßen vor dem Store auf der Bank und machten Ressuply. Dies war eindeutig mit weniger Stress verbunden als das verschicken, ich musste das Essen nur noch in meinen Foodsack umpacken😊. Ich habe den Inhalt auch noch mal kontrolliert und gemerkt, dass ich das Frühstück vergessen hatte! Wo hatte ich bloß meinen Kopf als ich in Portland war? Konnte ich aber im Shop nachkaufen. Dann gab es noch eine Cola und eine Glace. Während ich da auf der Bank saß habe ich auch noch kurz meine Mitfahrgelegenheit zum Trailhead organisiert. Ich habe die Liste mit den Trail Angeln schon wieder nicht gebraucht. 

Um 16.00 ging es dann zurück zum Trailhead, 14 Meilen Autofahrt. Mit vollem Rucksack konnte es natürlich nur in eine Richtung gehen nämlich hinauf. Leider ging es wieder mal durch einen abgebrannten Wald rund um Mount Adams rum. Wir sind jetzt in der Mount Adams Wilderness und als nächstes kommen die Goat Rocks! Auf die freue ich mich schon lange. 

Ich campe mit White Spot und No Steps unterhalb von Mount Adams auf einer trockenen Wiese. Das lustige ist, dass ich vor drei Jahren den Blog der beiden verfolgt habe als sie zusammen den Appalachian Trail gelaufen sind und auch jetzt habe ich den Blog von White Spot abonniert. Die Hikerwelt ist doch klein oder? Ich habe in Bishopauch Carrot Quinn kennengelernt, ich in der Vorbereitungszeit zu meinem PCT-Abenteuer ihr Buch und natürlich Ihren Blog verfolgt. Da ich ihn immer noch abonniert hatte wusste ich, dass sie in Washington gestartet war und Southbound lief. Ich finde es toll, dass ich die Leute manchmal tatsächlich in real kennenlerne. 

Ich schlafe ohne Rain Fly und frage mich gerade ob das wohl eine gute Idee ist, denn erstens könnte es feucht werden heute Nacht (Wiese!) und zweitens ist es kalt. 

130. Tag, Mosquito Creek Tentsite, Meile 2216.2, Höhe 1174m

Letzte Nacht habe ich wirklich noch Ohropax gebraucht aber nicht wegen renitenten Bären sondern wegen heulender Koyoten in unmittelbarer Nähe. Zuerst fand ich es ja noch spannend aber als die Koyoten mich dann zum zweiten Mal geweckt haben reichte es auch schon. Ohropax rein und Ruhe! 

Ich gehe morgens immer später los, jetzt ist es meistens so 6.30. Um diese Zeit geht mittlerweile auch die Sonne auf. Lieber abends etwas länger laufen…

Heute war ein relativ einfacher Tag. Am Morgen ging es noch etwas hinauf aber dann blieb ich meistens auf ca. 1550m. Es kam ein See nach dem anderen, wobei nicht alle den Namen See verdienten teilweise waren es eher Tümpel. Ich brauchte Wasser und die ersten zwei „Seen“ waren als Wasserquelle nicht zu gebrauchen. Ich beschloss bis zum 7.5 Meilen entfernten Blue Lake zu laufen, dann musste ich das Wasser halt etwas rationieren. Es war kühl am Morgen deshalb war das auch kein Problem. 

Am Blue Lake konnte ich dann endlich meine Wasservorräte auffüllen und ich machte auch noch gleich Pause. Für das es hier so feucht und grün ist hat es nicht sehr viel Wasser. Am Baer Lake konnte ich nochmal auffüllen aber dann war Schluss für die nächsten 11 Meilen (17.6km). Das hieß 2.4lt Wasser schleppen! Da es aber nicht bergauf ging war das auch nicht wirklich ein Problem. 

Heute hatte es ganz viele Heidelbeeren und ich hatte schon ganz blaue Finger vom vielen Naschen. 

Auch der Rauch von Oregon hat sich heute verzogen und ich hatte endlich wieder einmal Fernsicht. Ich habe heute Mount Adams gesehen und bin in der Nähe von Mount Helene durchgelaufen. Dies sind alles Vulkane und Mount Helene ist in den 80er Jahren explodiert, muss ziemlich heftig gewesen sein denn man sieht bis heute die Spuren dieses Ausbruchs. 

Ich campe auf einer wunderschönen Waldlichtung. Als ich mein Zelt aufbaute kam ein anderer PCT Hiker vorbei. Wir kamen ins Gespräch und stellten fest, dass uns beiden das Essen ausgeht. Er hat mir aber trotzdem noch ein Abendessen dagelassen, ich konnte ihn nicht davon abbringen. So nett, thank you „Under Where“.  

Ich teile meine Waldlichtung mit zwei jungen Mädels und liege bereits im Zelt. Es ist deutlich kühler geworden, ist das der Beginn des Herbstes? Auf jeden Fall besser als diese Hitze der letzten Tage. 

129. Tag, Trailhead Tentsite, Meile 2195.3, Höhe 1083m

Heute ging es mir eindeutig besser. Es hat etwas abgekühlt und war nicht mehr ganz so feucht. Mein Blutdruck hat sich bedankt und funktionierte wieder einigermaßen. Ich fühlte mich ab und zu schon noch etwas schwach aber kein Vergleich zu gestern. 

Ich hatte in Portland zu viele Ramen Nudeln und jetzt weiß ich auch warum. Ich habe für diese Strecke bis Trout Lake nur 3 eingepackt anstatt 5! Jetzt habe ich morgen kein Mittagessen! Ich muss dann wohl Oatmeal essen von denen habe ich eines vor. Dazu ein Energieriegel, muss halt reichen. Mein Körper isst sich sowieso langsam selber auf… Einfach nicht genug Kalorien! Ich muss schauen, dass ich schneller in Trout Lake bin, heute habe ich deshalb 21 Meilen gemacht. Bin aber auch dementsprechend müde. Übermorgen werde ich mein Essenspaket im Grocery Store abholen. Hoffentlich habe ich da besser gezählt. Ich war aber auch einfach überfordert mit dem Ganzen, die Konzentration ist immer mehr den Bach runter. Ich werde es einfach kontrollieren müssen, einzelne Sachen kann ich ja ergänzen. 

Ansonsten hatten wir heute wieder das Thema es grünt so grün, nicht ganz so dicht wie die letzten zwei Tage aber immer noch dominant. Wenn es nicht so diesig (dunstig?) gewesen wäre, dies kommt übrigens vom Waldbrand in Oregon, hätte ich heute wieder einmal eine Fernsicht gehabt. 

Ich bin heute Morgen von 300m auf 1168m aufgestiegen. Auch wenn die Berge hier nicht so hoch sind ist es trotzdem anstrengend. Es ist vor allem oft steil. Ich bin immer noch der Meinung, dass Washington sehr anstrengend ist, vielleicht sehe ich ja bald die atemberaubend schöne Seite von Washington😉. Schließlich freue ich mich auf die Goat Rocks Wilderness. Könnt ihr schon mal googeln. 

Ich bin heute auf einer offiziellen Campsite am Trailhead. Es hat auch andere Leute hier wenn auch nur wenige. Ist mir auch recht, dann muss ich nicht alleine campen und wenn der böse Bär kommt sollen bitte die anderen schauen😂. Ich mache mir einfach Ohropax in die Ohren…

128. Tag, Trout Creek Tentsite, Meile 2174.1, Höhe 376m

Ich kriege hier nicht den Blues aber die Greens! Bisher macht mir Washington richtig Mühe! Ich hatte schon wieder so Probleme mit dem Kreislauf. Wenn ich meinen Blutdruck heute gemessen hätte, wäre er wohl um die 90/50 gewesen und dies ist bei mir kurz vor dem Kollaps. So habe ich mich auch den ganzen Tag gefühlt. Mein Blutdruck kam durch diese feuchte, tropische Hitze überhaupt nicht in die Gänge. Ich habe mich nur mit meinem Willen den Berg hoch geschleppt, mein Körper war nicht zu gebrauchen. Der wollte sich immer nur hinlegen und die Beine hochlagern. Dazu am besten noch apathisch in die Baumkronen starren…

Ich wusste echt nicht, wie ich heute 17 Meilen schaffen soll. Denn das muss ich wenn ich in drei Tagen in Trout Lake sein will. Sonst muss ich noch andere Hiker um Essen anbetteln, ja und das wollen wir doch nicht oder?

Ich nenne Washington bisher nur die grüne, feuchte Hölle. Vielmehr gibt es bis jetzt auch nicht zu sehen. Sehr viel eng stehenden Wald, vermooste Bäume mit Bärten, tonnenweise Moos und Farn. Bin noch kein Fan aber das kann ja noch werden. Ich glaube mir fehlt etwas die Weitsicht und dieses tropische Klima muss aufhören wenn das noch etwas werden soll. So genug gemotzt! 

Ich bin an einer wunderschönen Tentsite direkt am Fluss. Bisher ist noch niemand dazu gekommen. Ich habe heute bewusst früh aufgehört um 16.30 damit ich mich erholen kann. Es bringt nichts sich zu pushen wenn man sowieso schon einen schlechten Tag hatte. Ja und 16.8 Meilen tun es auch😉. Jetzt hoffe ich einfach, dass es morgen besser wird und mich mein Blutdruck nicht wieder im Stich lässt. 

Jetzt kommen mich hier auch noch die Zeugen Jehovas besuchen aber den Wachturm lasse ich mir nicht aufschwatzen. Ich habe auch die ganze Zeit herzhaft gegähnt und gemeint ich müsse is Bett. Dann sind sie wieder abgezogen, Mutter und Tochter. Auf der anderen Seite der Brücke ist eine Straße, da fühle ich mich doch  gleich sicherer… Wenigstens kommen jetzt auch andere Hiker…

127. Tag, Tentsite, Meile 2157.4, Höhe 921m

Lasst euch nicht von den Meilen irritieren, ich laufe jetzt wieder nach Norden zudem fehlen mir die 400 Meilen von Oregon noch. Ich weiß nicht, ob ich diese noch ganz schaffen werde. Wahrscheinlich eher nicht. Wäre aber kein Weltuntergang da ich Oregon auch in einem anderen Jahr nachholen könnte. Zudem hat es momentan sehr viele Waldbrände entlang des PCT in Oregon. Als wie darüber geflogen sind haben die Piloten uns sogar darauf aufmerksam gemacht. Man sah den Rauch vom Feuer von Crater Lake, einer der Höhepunkte des Weges. Das ich jetzt Washington zuerst mache hat vor allem damit zu tun, dass es bereits Ende August ist und ich auf keinen Fall in die Schneestürme kommen will, die ab 27. September zu erwarten sind. Oregon kann man wahrscheinlich noch länger laufen und vielleicht haben sie bis dann die diversen Waldbrände ja im Griff. 

Gestern Abend kam noch ein großer Deutscher zu mir ins Zimmer. Eigentlich ganz nett aber ein Riesenbaby. Zuerst wollte er mein unteres Bett haben weil er nachts aufs Klo müsse und dann alles wackle. Ich wollte mein Bett aber nicht hergeben, vor allem weil ich selber Mühe habe hoch und runter zu kommen. Am Morgen musste ich dann stundenlang warten bis ich ins Bad konnte. Als er fertig war bin ich schnell rein, ich hatte schätzungsweise 10 Min. Ich habe dann meinen Rucksack fertig gepackt und dann hat er mich gefragt ob ich nochmal ins Bad müsse. Wenn nicht würde er jetzt duschen. Ich habe mich dann einfach gefragt, was er die Stunde vorher im Bad gemacht hat…?

Um 7.15 bin ich runter zum Frühstück und habe mir nochmal ein Breakfast Sandwich und einen Cappuccino gegönnt. Das Café hier ist wirklich echt toll! Anschließend habe ich mir über Uber ein Auto organisiert und bin mit Kristie, meiner Fahrerin, nach Cascade Locks gefahren. Dies hat mich 64$ gekostet, war aber ok sonst hätte ich wahnsinnig viel Zeit verloren. 

Dort angekommen habe ich ein paar Hiker nach dem Weg zum PCT gefragt. Ich bin happy wieder nach Norden zu laufen. Ich treffe nun immer wieder Leute, die ich von vorher kenne. Z. B.  Frosty und Sunbeam die angehenden Mediziner aus Deutschland. Super nett! Wir haben auf der Campsite einen schönen Abend miteinander verbracht. Es war toll mich mit ihnen auszutauschen, denn sie haben die Sierra im Juni gemacht. Hardcore!

Es ging dann gleich zur „Bridge of the Gods“, die sich über den Columbia River zieht. Es hatte keinen Seitenstreifen für Fussgänger und die Autos fuhren an einem vorbei aber es war ganz ok und vor allem sehr aufregend. Es ist schon beeindruckend über diese Brücke zu laufen und zu wissen, dass man auf der anderen Seite in Washington ist. Der Columbia River ist ein riesiger Fluss und man schaut durch die Gitterstäbe runter. 

Auf der anderen Seite ging es dann langsam aber stetig und auch immer steiler hinauf. Der Columbia River liegt auf ca. 27m über Meer und angestiegen bin ich auf über 1000m. Ich hatte sehr Mühe heute. Es war heiss und dazu noch unangenehm feucht. Mein Blutdruck kam nicht in die Gänge und ich musste immer wieder ausruhen weil ich absolut keine Energie hatte. Der Wald war sehr dicht und voller Farne und Moose. Ich kam mir vor wie im Dschungel inkl. Luftfeuchtigkeit. 

So Mühe hatte ich schon lange nicht mehr. Und dann heißt es immer, nach der Sierra würde man fliegen… Mir war nicht zum fliegen, ich wollte mich nur noch hinlegen und die Beine hochlagern. Mit Ach und Krach habe ich knapp 13 Meilen geschafft. Um 18.00 war Schluss und ich beschloss bei einer schönen Tentsite im Wald mein Zelt aufzustellen. Nachdem Essen habe ich in meinem Blog geschrieben und dann kamen Frosty und Sunbeam. Die beiden habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Das letzte Mal haben sie mir die Trailmagic an der Porta da Quincy angedeutet. Sie haben nur gesagt, dass ich da Pause machen soll. Ich habe sie gefragt, ob es da besonders schön sei…. 

Die beiden sind schnell unterwegs, sie machen regelmäßig 25 Meilen und mehr. Von sowas kann ich nur träumen… Ich habe halt kurze aber schnelle Schildkrötenbeine😂. 

Ich habe heute Nacht in meinem neuen Miskitonetz geschlafen! Was für eine Freude, dass ich einfach den Reissverschluss zuziehen kann und nicht mehr den Eingang mit Sicherheitsnadeln verschließen muss. Ich habe mal wieder ohne Rainfly geschlafen, herrlich. Hier ist gerade eine Hitzewelle, ich nehme an die letzte bevor der Herbst kommt. Die Blätter verfärben sich schon teilweise rot…

125. + 126. Tag, Portland 

Seit gestern Abend bin ich nun also in Portland. Wunderschöne kleine Stadt (ca. 68000 Einwohner) nur sehe ich leider nicht viel davon. Ich bin gestern Abend um 20.30 im Hostel Hi Portland angekommen. Ist eigentlich eine Jugendherberge aber für einen Zuschlag von 3$ darf jeder hier übernachten. Das Hostel ist relativ neu und sehr gut geführt. Habe mich gleich wohl geführt hier und es gibt auch ein tolles Café wo man den ganzen Tag bis 1.00 morgens was zu essen bekommt. 

Ich habe mich schnell im Schlafsaal eingerichtet und bin dann schnurstracks ins Café um Kalorien zu mir zu nehmen. Habe an der Reception sogar 2 x 3$ Bons erhalten,die ich im Café anrechnen lassen konnte. Dazu gab es natürlich ein Bierchen zum entspannen der Muskeln😉. 

D-Hiker und ich haben es geschafft, im Hostel mit dem gleichen Namen abzusteigen aber wir sind nicht am gleichen Ort oder im gleichen Quartier. Macht aber nichts, da sie morgen gleich weiter und ich mich nach der Sierra ausruhen will. Am Flughafen haben wir beide einen Uber (privates Taxi) bestellt und sind in verschiedene Richtungen los. Wir werden uns bestimmt auf dem Trail wieder treffen. Ich bin aber momentan ganz gerne alleine unterwegs. 

Heute hatte ich einen anstrengenden Tag. Ich musste die ganzen Pakete für Washington zusammenstellen, da es da oft kein Essen gibt oder nur sehr teuer. Dies hat mich Stunden an Aufwand gekostet. Ohne Auto ist man hier einfach angeschmiert. Zuerst habe ich gefrühstückt und dann bin ich zum Post Office gelaufen und habe mir 5 leere Schachteln, Etiketten und Klebeband geholt. Dann habe ich diese zurück ins Hostel gebracht und bin auf Anraten der Frau an der Reception zuerst einmal zu Trader Joe. Der hatte aber außer Müesli und Energiebars nichts das ich hätte verwenden können. Ich habe aber nur schon für diese beiden Sachen ein Vermögen ausgegeben da ich im Moment alles für einen Monat brauche. 

Dann bin ich zu Safeway dort habe ich den ganzen Rest eingekauft. An der Kasse hat mir eine ältere Dame ihre Clubkarte zur Verfügung gestellt, dadurch wurde es gleich 50$ günstiger. Nicht schlecht oder? Nun hatte ich 5 Tüten voller Lebensmittel und das Problem wie ich das alles zum Hostel bekomme. Zuerst habe ich gefragt, ob ich den Einkaufswagen mitnehmen könne. Die Lady vom Shop hat ihn auch extra frei geschaltet aber gemeint, dass er jeder Zeit wieder blockieren könne wenn der Weg etwas länger sei. Ich habe dann beschlossen zweimal zu laufen und alles in 4 Taschen gestopft. Dann habe ich mich auf den Weg ins Hostel gemacht, alles ins Zimmer gestellt und dann wieder zu Safeway. Das gleiche Procedere noch einmal und dann war ich ready für eine Pause und Lunch. Anschließend musste ich alles in Ziplocktüten umpacken und in die verschieden Schachteln verteilen. Bis ich fertig war, war es bereits fast 16.00. Und wie sollte ich jetzt diese Schachten (5!) in das Post Office bringen? Zum Tragen war es einfach zu schwer. Deshalb musste Uber noch einmal her! Schnell auf meinem iPhone bestellt, 10 Min. später bereits da! John, der nette Fahrer, hat mir auch noch geholfen die Pakete reinzubringen. So das war endlich erledigt, Puuhhh! 

Jetzt sitze ich gerade vor dem Café bei einem Bier und esse Humus. Lecker😜. Jetzt muss ich dann noch meinen Proviant für die nächsten Tage durchsehen und evt. noch etwas aufstocken, dann ist mein Tageswerk endlich erledigt. 

Mist! Ich brauche noch eine Gaskartusche😖. Dann noch mal schnell zu REI. Gottseidank habe ich alles in der Nähe…

Jetzt muss ich noch rausfinden, wie ich morgen nach Cascade Locks komme und dann kann es wieder losgehen. Wahrscheinlich werde ich Uber noch mal beanspruchen..😉. Habe gerade rausgefunden, dass dies eine Touristenstrecke ist weil da die berühmten Multnomah Falls sind des Columbia Rivers. Ein Bus fährt hoch aber nur die Hälfte der Strecke, den Rest müsste ich hitchen.