127. Tag, Tentsite, Meile 2157.4, Höhe 921m

Lasst euch nicht von den Meilen irritieren, ich laufe jetzt wieder nach Norden zudem fehlen mir die 400 Meilen von Oregon noch. Ich weiß nicht, ob ich diese noch ganz schaffen werde. Wahrscheinlich eher nicht. Wäre aber kein Weltuntergang da ich Oregon auch in einem anderen Jahr nachholen könnte. Zudem hat es momentan sehr viele Waldbrände entlang des PCT in Oregon. Als wie darüber geflogen sind haben die Piloten uns sogar darauf aufmerksam gemacht. Man sah den Rauch vom Feuer von Crater Lake, einer der Höhepunkte des Weges. Das ich jetzt Washington zuerst mache hat vor allem damit zu tun, dass es bereits Ende August ist und ich auf keinen Fall in die Schneestürme kommen will, die ab 27. September zu erwarten sind. Oregon kann man wahrscheinlich noch länger laufen und vielleicht haben sie bis dann die diversen Waldbrände ja im Griff. 

Gestern Abend kam noch ein großer Deutscher zu mir ins Zimmer. Eigentlich ganz nett aber ein Riesenbaby. Zuerst wollte er mein unteres Bett haben weil er nachts aufs Klo müsse und dann alles wackle. Ich wollte mein Bett aber nicht hergeben, vor allem weil ich selber Mühe habe hoch und runter zu kommen. Am Morgen musste ich dann stundenlang warten bis ich ins Bad konnte. Als er fertig war bin ich schnell rein, ich hatte schätzungsweise 10 Min. Ich habe dann meinen Rucksack fertig gepackt und dann hat er mich gefragt ob ich nochmal ins Bad müsse. Wenn nicht würde er jetzt duschen. Ich habe mich dann einfach gefragt, was er die Stunde vorher im Bad gemacht hat…?

Um 7.15 bin ich runter zum Frühstück und habe mir nochmal ein Breakfast Sandwich und einen Cappuccino gegönnt. Das Café hier ist wirklich echt toll! Anschließend habe ich mir über Uber ein Auto organisiert und bin mit Kristie, meiner Fahrerin, nach Cascade Locks gefahren. Dies hat mich 64$ gekostet, war aber ok sonst hätte ich wahnsinnig viel Zeit verloren. 

Dort angekommen habe ich ein paar Hiker nach dem Weg zum PCT gefragt. Ich bin happy wieder nach Norden zu laufen. Ich treffe nun immer wieder Leute, die ich von vorher kenne. Z. B.  Frosty und Sunbeam die angehenden Mediziner aus Deutschland. Super nett! Wir haben auf der Campsite einen schönen Abend miteinander verbracht. Es war toll mich mit ihnen auszutauschen, denn sie haben die Sierra im Juni gemacht. Hardcore!

Es ging dann gleich zur „Bridge of the Gods“, die sich über den Columbia River zieht. Es hatte keinen Seitenstreifen für Fussgänger und die Autos fuhren an einem vorbei aber es war ganz ok und vor allem sehr aufregend. Es ist schon beeindruckend über diese Brücke zu laufen und zu wissen, dass man auf der anderen Seite in Washington ist. Der Columbia River ist ein riesiger Fluss und man schaut durch die Gitterstäbe runter. 

Auf der anderen Seite ging es dann langsam aber stetig und auch immer steiler hinauf. Der Columbia River liegt auf ca. 27m über Meer und angestiegen bin ich auf über 1000m. Ich hatte sehr Mühe heute. Es war heiss und dazu noch unangenehm feucht. Mein Blutdruck kam nicht in die Gänge und ich musste immer wieder ausruhen weil ich absolut keine Energie hatte. Der Wald war sehr dicht und voller Farne und Moose. Ich kam mir vor wie im Dschungel inkl. Luftfeuchtigkeit. 

So Mühe hatte ich schon lange nicht mehr. Und dann heißt es immer, nach der Sierra würde man fliegen… Mir war nicht zum fliegen, ich wollte mich nur noch hinlegen und die Beine hochlagern. Mit Ach und Krach habe ich knapp 13 Meilen geschafft. Um 18.00 war Schluss und ich beschloss bei einer schönen Tentsite im Wald mein Zelt aufzustellen. Nachdem Essen habe ich in meinem Blog geschrieben und dann kamen Frosty und Sunbeam. Die beiden habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Das letzte Mal haben sie mir die Trailmagic an der Porta da Quincy angedeutet. Sie haben nur gesagt, dass ich da Pause machen soll. Ich habe sie gefragt, ob es da besonders schön sei…. 

Die beiden sind schnell unterwegs, sie machen regelmäßig 25 Meilen und mehr. Von sowas kann ich nur träumen… Ich habe halt kurze aber schnelle Schildkrötenbeine😂. 

Ich habe heute Nacht in meinem neuen Miskitonetz geschlafen! Was für eine Freude, dass ich einfach den Reissverschluss zuziehen kann und nicht mehr den Eingang mit Sicherheitsnadeln verschließen muss. Ich habe mal wieder ohne Rainfly geschlafen, herrlich. Hier ist gerade eine Hitzewelle, ich nehme an die letzte bevor der Herbst kommt. Die Blätter verfärben sich schon teilweise rot…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s