40. Tag, Tentsite, Meile 530.5, Höhe 874m. 41. Tag, Cottonwood Bridge, Meile 535, Höhe 943m

Was für ein Tag und was für eine Nacht! Heute war unser erster Night hike. Sind heute morgen nach 6.00 los, es war wunderbar kühl und der Weg schlängelte sich durch die letzten Berge bevor es ganz runterging bis zur Mojave Wüste. Der gefürchtete Teil, weil sehr heiss und nicht viel Wasser. Das ironische ist ja, dass man am Aquädukt von Los Angeles entlang läuft aber keinen Zugang zum Wasser hat oder nur an wenigen Stellen. Erste Wasserquelle nach 17 Meilen, dies sind 27km. 

Wir waren um 9.15 bereits in Hikertown einem Hostel für PCT Hiker. Es sieht ein wenig aus wie im Wilden Westen inkl. Saloon wo es aber leider keinen Whisky zu trinken gibt. Dafür gibt es stündlich Shuttles zum Neenach Café wo wir uns einen Breakfast Burrito reingezogen haben, ein Riesending aber wir haben alles verdrückt. Mermaid war auch im Café, sie hat es gestern tatsächlich noch bis Hikertown geschafft. Chapeau! Wir konnten hier auch noch unser Essen aufstocken für die 2-3 Tage bis Tehachapi.  

Dann ging es zurück nach Hikertown wo ich endlich wieder mal duschen konnte. Auch einen Teil meiner Kleider habe ich von Hand ausgewaschen, da ich ein kleines Stück Seife gefunden habe😉. Dann sind wir nur noch rumgehangen, haben ein bisschen James Bond geschaut und haben uns einfach ausgeruht. 

Um 16.00 sind wir dann nochmal ins Café, haben uns einen Burger reingezogen um fit zu sein für unsere Nachtwanderung entlang des Aquädukts. Habe noch extra Batterien gekauft für meine Stirnlampe, die ich dann aber gar nicht gebraucht habe weil der Trail mit Halbmond gut zu sehen war. 

Um 18.00 haben wir dann unsere Rücksäcke geschultert und haben uns auf den Weg gemacht. Wir waren zu viert, D-Hiker, Hungry-G, Mermaid und ich, die einzige die noch keinen Trailnamen hat🙄. Wir waren guter Stimmung und D-Hiker hat immer wieder irgendwelche Videos gedreht wo wir dann in Formation laufen mussten. Auch als es schon dunkel war gab es noch einen Film, dies war übrigens das einzige Mal, dass wir die Stirnlampe benutzt haben. Ansonsten sahen wir genug und warfen sogar Schatten. Beim Sonnenuntergang haben wir Pause gemacht und das Schauspiel genossen. Es ging meistens geradeaus und der Weg war eben und ging nur minim hinauf. Es war monoton aber zusammen gingen die Meilen schnell vorbei. Um 22.00 machten wir eine weitere Pause auf einem Sockel des Aquädukts, man hörte das Wasser blubbern, konnte auf dem Rücken liegen und in den Sternenhimmel kucken. Toll! Um 24.00 hatten wir schon fast 13 Meilen zurück gelegt und entschieden uns bis 6.00 zu schlafen und dann die restlichen 4 Meilen bis Cottonwood Bridge zurück zu legen wo es wieder Wasser gab und vor allem Schatten! Nur Mermaid wollte noch alleine weiterlaufen, da sie ja ihre Postoffice Challenge laufen hat und unbedingt ihr Laptop möchte in Tehachapi. Wir haben für Morgen ein Hotelzimmer reserviert aber ich glaube nicht, dass ich es bis morgen schaffe. Es sind 49 Meilen bis Tehachapi und davon haben wir bisher 17 Meilen geschafft. 

Im Moment liegen wir wie Vagabunden unter der Cottonwood Bridge essen, schlafen, hören Musik und warten darauf dass es kühler wird und wir weiterlaufen können. Wahrscheinlich wird das so um 17.00 sein. Ich freue mich schon darauf nachts weiter zu laufen. Es wird heute Abend etwas schwieriger, da es wieder hoch geht und nicht einfach flach geradeaus. 

39. Tag, Tentsite, Meile 510.8, Höhe 1158m

Heute war es den ganzen Tag bedeckt und es hat sogar ein wenig geregnet. Stimmt also nicht: „it never rains in California“! Es war total angenehm kühl und nach zwei heißen Tagen wussten wir dies durchaus zu schätzen. Das Laufen war leicht auch wenn es immer noch recht anstieg. Da sieht man was die Hitze doch ausmacht.

Wir sind heute an der 500 Meilen Marke vorbeikommen, dies sind 800 Km😜. Auf dem Camino hätte ich bereits ganz Spanien durchquert! Nicht schlecht oder? 

Wir mussten heute Wasser aus einem Guzzler nehmen. Dies ist Regenwasser welches in einem Tank gesammelt wird. Oben hat es einen Deckel und dann kann man das Wasser rausschöpfen. Es war erstaunlich klar und nach den filtern schmeckte es sehr gut. 

Ich bin mit D-Hiker (Christine) und Hungry-G (Julia) am campen, Mermaid hat sich entschlossen noch bis Hikertown zu laufen. Das war mir zu weit, dies sind mehr als 38km. Sie will am Samstag vor 14.00 in Tehachapi sein damit sie auf der Post noch ihr Paket abholen kann. 

Morgen Abend werden wir alle zusammen die Mojavi in Angriff nehmen. 17 Meilen ohne Wasser, fast 28km! Ich glaube kaum, dass es morgen wieder bedeckt ist, der Himmel ist momentan absolut klar. 

38. Tag, Upper Shake Campground, Meile 493.4, Höhe 1378m

Erstens, ich musste nachts nicht zum pinkeln raus. Ich glaube meine Nieren haben aufgehört zu arbeiten. Es ist manchmal erschreckend wenn man den ganzen Tag Wasser trinkt und nur einmal pinkeln muss. 

Zweitens, ich hatte keinen Hangover und war in besserer Verfassung als gestern. Heute hat Mermaid ihren schlechten Tag eingezogen und die Schuld dafür hat sie bei dem einem Bier gesucht, welches sie getrunken hat. Ich hatte drei und fühlte mich blendend! 

Es war wieder sehr heiss und ich lief meistens vorne weg. Gegen Mittag kamen wir zu einer kleinen Quelle die direkt aus der Wand kam. Dahinter gab es etwas Schatten den Weg entlang. Genau da haben wir unsere Siesta abgehalten. Die anderen Hiker mussten über uns drüber steigen und haben sich gleich hinten angehängt. Schatten war Mangelware heute und man müsste nehmen was sich anbietet. Ich habe sogar ein kurzes Nickerchen gemacht und dabei übersehen, dass es an der Wand Poison Oak hatte. Dies ist eine fiese Pflanze, die Ausschläge und Blasen macht. Jetzt habe ich rund um den  Bauchnabel einen Ausschlag und 2 kleine Blasen die jucken und eine weitere Stelle am Mittelfinger. Könnte schlimmer sein…

Ich bin dann vor Mermaid gestartet weil es ihr immer noch zu heiss war. Es war schön wieder mal alleine unterwegs zu sein, in meinem Rhythmus zu laufen und anzuhalten wann ich will. Wir hatten eigentlich abgemacht, dass ich an der Verzweigung zur Campsite warte aber dann wurde ich so von Fliegen und Moskitos belästigt, dass ich beschloss schon mal runter zu gehen um Wasser zu holen. Nun war der Weg runter aber viel länger und steiler als ich gedacht hatte und ich fragte mich ob ich auf dem richtigen Weg bin. Da gibt es oft keine Schilder sondern man muss sich auf das GPS und die App von Guthook verlassen. Das tönt dann so: at mile 393.5 walk 0.5 mile north down a side trail… Was hilfreich ist sind die Fussspuren der anderen Hiker und denen bin ich gefolgt. Auf halbem Weg kam mir Hunter entgegen, der war auf dem Rückweg zum PCT. Ich bat ihn Mermaid zu informieren, dass ich schon nach unten gegangen war. Unten angekommen waren schon andere Hiker da und zusammen suchten wir die Wasserquelle. Es ging noch mal einen steilen Fusspfad runter bis wir endlich am Wasser waren. Auf dem Rückweg kam mir schon Mermaid entgegen und wir entschlossen gleich hier zu campen. Eigentlich eine sehr schöne Tentsite wenn auch verlassen, dieser Campingplatz wird nur noch von wassersuchenden PCT Hikern benutzt. Es gibt Campingtische, Toiletten und Trash Pins die nicht mehr geleert werden. Wir haben unseren Abfall deshalb auch wieder mitgenommen. 

37. Tag, Casa de Luna, Green Valley, Meile 478.2, Höhe 884m

Nach unserer wunderschönen Campsite auf dem Pass, sind wir am Morgen Richtung Quelle losgelaufen. Wir mussten 4lt Wasser filtern, die Quelle lieferte nur noch einen schwachen Strahl und es brauchte viel Zeit. In wenigen Tagen oder Wochen werden hier wohl alle Quellen versiegen. Es ist Zeit, dass wir die Wüste hinter uns bringen. 

Ich hatte einen schwierigen Tag, es war sehr heiß und ich fühlte mich extrem schlapp. Am liebsten hätte ich mich in den Schatten gelegt und geschlafen. Nur wenn man sich hinlegte und ausruhen wollte fielen die Fliegen und Moskitos über einen her. Mermaid hat sich in das Moskitonetz ihres Zeltes gelegt um ihre Ruhe zu haben und ich hatte ein Moskitonetz auf dem Kopf. Es war aber gar nicht entspannend und so haben wir uns weitergeschleppt. Wir hätten wohl noch mehr Wasser mitnehmen müssen. Ich musste mich beherrschen nicht das ganze Wasser auf einmal hinunter zu stürzen. 

Ich habe heute sogar eine Fliege verschluckt, die ist mir einfach in den Mund geflogen und zwar so weit hinten, dass ich nur noch schlucken konnte. Diese Fliegen sind wirklich lästig. Sie wollen in deine Nase, Augen, Ohren und Mund. 

Nach 16 Meilen sind wir zum Trailhead gekommen und haben gehitched bis zur Casa de Luna. Dies ist ein richtiger Hippiort, chaotisch aber sympathisch. Wir durften im riesigen Manzanitawald hinter dem Haus unser Zelt aufschlagen. Die Dusche haben wir ausgelassen, wir hatten ja erst am Vortag geduscht und dann haben wir uns den Bauch vollgeschlagen und Bier getrunken. 

Da in Amerika Memorial Day ist haben noch zwei Bands gespielt. Ich habe mich total wohl gefühlt und war völlig entspannt. Wenn man hier ankommt kriegt man ein Hawaiihemd, dass soll scheinbar auch helfen zur Entspannung und wenn nicht trink noch ein Bier😉. 

Eigentlich hätte ich hier mein Bandana der PCT Class of 2017 erhalten sollen aber dafür hätte ich vor Terry Anderson tanzen müssen, dass war mir dann doch zu anstrengend. Kann es ja auch im Internet bestellen…

So um 22.00, Hiker Midnight war schon lange vorbei, habe ich dann mit der Taschenlampe, im dunklen Manzanitawald, mein Zelt gesucht. War gar nicht so einfach und ich war nicht die Einzige die im Dunkeln rumgeirrt ist. 

Jetzt wo ich im Zelt liege, frage ich mich gerade,  ob es wohl eine gute Idee gewesen war 3 Bier zu trinken in Anbetracht dessen, dass ich am nächsten Morgen wieder um 5.00 aufstehe und einen heißen Tag vor mir habe. Ich habe den ganzen Abend kein Wasser getrunken. Mein Verstand belehrt mich gerade, dass das gar nicht gut ist! Ok, ok aber Bier besteht größtenteils aus Wasser, dann kann es wohl nicht so schlimm sein oder? Bestimmt muss ich heute Nacht nochmal zum Pinkeln raus😳. Das mache ich gar nicht gerne, man weiß ja nie wer oder was da draußen rum schleicht. 

GUTE NACHT!😴 

36. Tag, Tentsite, Meile 462.3, Höhe 1365m

Letzte Nacht habe ich sehr gut geschlafen unter dem Sternenhimmel im Hiker Heaven. Es ist ja auch beruhigend, wenn 50 andere Hiker um einen rum schlafen😉. Am Morgen bin ich genüsslich liegen geblieben bis die Sonne und die frei herumlaufenden Hühner mich aus dem Zelt getrieben haben. Ich bin dann in die Küche und habe von einem Hiker eine Tasse Kaffee in die Hand gedrückt bekommen, besser hätte mein Tag gar nicht starten können😊. Anschließend gab es eine warme Dusche nachdem die letzte auf dem Campingplatz in Acton KOA kalt gewesen war😬. 

Um 9.30 ging es zu RAI wo ich eine neue Hose und Schuhe für die Sierra gekauft habe. Die Schuhe habe ich direkt nach Kennedy Meadows geschickt. Im Moment sieht es zwar so aus, dass wir die Sierra skippen müssen. Es hat einfach zuviel Schnee und ich möchte nicht unnötig mein Leben riskieren. Es kann sein, dass wir zuerst nach Nordkalifornien oder Oregon gehen werden oder auch dass wir eine Strecke von Norden nach Süden also southbound laufen. Heidi hat bereits entschieden, dass sie nach South Lake Tahoe gehen wird und die Sierra erst im August läuft. Jetzt müssen wir aber erst mal die Mojave überstehen, das ist der heißeste Teil der Wüste. Wir werden abends starten und nachts laufen weil es tagsüber einfach zu heiss ist und wir nicht soviel Wasser schleppen wollen. Wird bestimmt eine interessante Erfahrung. Wir werden mit Stirnlampen unterwegs sein und da sieht man gemäß Berichten immer wieder 👀 von Tieren aufblitzen. Uhhhhh😳. 

Um 15.00 sind wir runter nach Agua Dulce gefahren worden wo wir zuerst etwas gegessen haben. Danach ging es bei großer Hitze zunächst der Straße entlang. Die Mutter von Stefanie hat mit dem Auto angehalten und uns in ihrem Auto zum Trailhead gefahren. Sie ist Deutsche lebt aber seit langer Zeit in Amerika. Somit mussten wir nicht so lange auf der Straße laufen. 

Nach 8 Meilen anstrengendem Aufstieg kamen wir genau richtig für den Sonnenuntergang. Wir entschieden sogleich hier oben zu campieren und das war eine seht gute Entscheidung! Wir haben uns zuerst hingesetzt, den Sonnenuntergang genossen und erst dann das Zelt aufgebaut. Dann war es schon bald 20.30 und wir mussten im Dunkeln essen. Es war einer der ersten warmen Abende wo man einfach draußen sitzen konnte. 

35. Tag, Agua Dulce, Hiker Heaven, Meile 454.5, Höhe 809m

Heute sind wir nur 10 Meilen gelaufen und haben es gemütlich genommen. 

Am frühen Morgen bin ich hinter Agnes hergelaufen die war weit vor mir. Bevor ich meinen Kaffee hatte komme ich nicht wirklich in die Gänge. Nach einer Stunde hat sie Gottseidank du unsere Frühstückspause angehalten. Die Umgebung erinnert mich im Moment an Out of Africa und als ich hinter Agnes hergelaufen bin vermeinte ich ein Löwengebrüll zu hören oder was es doch ein Stier? Nur gibt es hier weit und breit keine Kühe. Die hätten hier gar nicht genug zu fressen. Ja und ich habe wieder Spuren von einem Mountain Lion gesehen. 

Die Frühstückspause ist meine liebste Pause weil ich mich danach voller Energie fühle und es dann richtig losgehen kann. 

Wir kamen an Vasquez Rocks vorbei wo schon viele Filme gedreht wurden z. B.  Szenen von Startrek. Es gibt bizarre Felsformationen, die Felsen sind teilweise richtig aufgeschichtet und das liegt am Andreasgraben und an der Wucht wenn sich die Platten verschieben. Sehr eindrucksvoll, ein Geologe hätte hier seine wahre Freude. 

Anschließend ging es in den Hiker Heaven, ein Paradies für Hiker wo wir einfach aushängen dürfen. Wir Zelten alle auf dem Hof und die Sauffleys nehmen bis zu 50 Hiker täglich auf. Wir können duschen, unsere Wäsche wird gewaschen, man fährt uns in die Stadt und zum Outdoorstore, man kann Pakete verschicken, es gibt Ausleihkleider, Ladestationen für unsere elektronischen Geräte, man kann sich die Haare schneiden lassen und viele kühle Getränke. Es ist sehr entspannend hier und dazu läuft coole Musik. Wir werden erst Morgen Nachmittag wieder raus hiken wenn die große Hitze vorbei ist. 

Wir müssen Essen für die nächsten 4 Tage bis Hikertown besorgen und ich brauche eine neue Hose, ich die Hose ohne sie zu öffnen runterziehen kann. Ich habe bereits ca. 4-5kg abgenommen. Muss überlegen wie ich mein Essen anreichern kann, sonst kann man mich in Kanada wegblasen😉. 

34. Tag, Acton KOA Campsite, Meile 444.5, Höhe 679m

Das war mal wieder eine Nacht! Draussen hat es gewindet, es war sehr kalt und schlafen konnte ich auch nicht. Habe mich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere gedreht. Fand keine komfortable Position und mir taten die Hüften weh wenn ich auf der Seite lag. Am Morgen hörte ich den Wind heulen und es war bitterkalt. Ich hatte null Motivation aus meinem warmen Schlafsack in meine Klamm feuchte Kleider zu steigen. Um 5.30 habe ich mich dann aufgerafft aber nur weil ich nicht wollte, dass Agnes zu lange warten musste. Hätte ich gewusst, dass sie die gleichen Probleme hatte,wäre ich wohl einfach liegen geblieben. 

Um 6.30 sind wir dann endlich losmarschiert, ich immer noch völlig unmotiviert, zudem hatte ich Kopfschmerzen. Ein richtiger Start in den Tag zum vergessen! Immer wenn wir jemanden getroffen haben, haben wir gefragt wie die letzte Nacht war und alle hatten entweder gefroren oder das Zelt war völlig nass von der Kondensation. Man hat viele Hiker gesehen, die während dem Tag ihr Zelt und den Schlafsack zum Trocknen an die Sonne gelegt haben. Ich hatte eine beschissene Nacht aber viele andere auch. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Bob war sogar bereit alles an den Nagel zu hängen weil er für 26 Meilen keine Tentsite gefunden hatte. Irgendwann hat er dann seinen Rucksack völlig entnervt auf den Boden geworfen und mitten auf dem Trail geschlafen. Er hat einfach seine Matte ausgelegt und ist in den Schlafsack gekrochen. Cowboy Camping nennt man das. Nur war die Nacht durch den Nebel sehr feucht und deshalb ist sein Schlafsack nass geworden. 

Nach ca. einer Stunde unterwegs haben wir angehalten und gefrühstückt. Die Nacht kann noch so schlimm gewesen sein, sobald ich in der Sonne vor meinem Kaffee sitze und mein Oatmeal esse, ist meine Welt wieder in Ordnung. Wir saßen mit Bob da und habe. Uns gegenseitig unser Leid geklagt. Am Ende wollte Bob den Trail doch nicht verlassen. Es gibt einen Spruch den man auf dem PCT mit auf den Weg bekommt: „Never quit on a bad day!“

Wir sind auf einem öffentlichen Campingplatz, frisch geduscht und alle unsere Kleider sind gewaschen. Wenn ein PCT Hiker seine Kleider wäscht ist das ein Bild für die Götter. Da wir keine Ersatzkleider dabei haben laufen alle in ihren Regenklamotten oder in der Daunenjacke rum. Ich hatte z. B.  einen etwas durchsichtigen Regenrock und meine Daunenjacke an. Die Besucher des Campingplatzes sehen uns teilweise etwas komisch an aber wir laufen herum als wäre dies das normalste der Welt. Wir sind sogar in den Shop haben uns eine Pizza gekauft, sie in den Ofen geschoben und haben gewartet bis unsere Wäsche fertig war. 

So ich werde jetzt in meinem frisch gewaschenen Piyama in meinen Schlafsack kriechen und hoffentlich eine Handvoll Schlaf ergattern. 

33. Tag, Tentsite, Meile 427, Höhe 1648m

Ein 20 Meilen Tag und zwar nur weil Agnes gemeint hat 17 wären ihr zu wenig. Zudem war die Campsite wenig  verlockend in dem abgebrannten Wald und ich war leicht zu überzeugen weiter zu gehen. Jetzt liege ich im Zelt auf einem Pass und es ist sehr windig und zudem saukalt. Ich habe heute im Zelt gegessen einfach weil man draußen erfriert. 

Nach 400 Meilen auf dem Trail haben wir endlich Bekanntschaft gemacht mit dem berühmt berüchtigten „Poodle Dog Bush“. Das ist eine Pflanze sie nur in Gegenden vorkommt die abgebrannt sind. Sie stinken wie Haschisch und wenn man sie berührt kriegt man einen fürchterlichen Ausschlag mit Brandblasen. Wir laufen wie Sherlock Holmes über den Trail und halten immer Ausschau nach diesem schrecklichen Busch. Er sieht irgendwie auch böse aus mit seinen fetten grünen Blättern und den lila Blüten. Bisher sind wir gut daran vorbeigekommen aber wir mussten heute viel durch Büsche laufen weil der Weg so überwachsen war und da hätte man schon einen Poodle Dog übersehen können. Zudem war der Weg so zugewachsen, dass man auch den Boden oft nicht gesehen hat und so bin ich heute saublöd gestürzt weil der Boden unter mir nachgegeben hat. Gottseidank war kein Poodle Dog in der Nähe und verletzt habe ich mich auch nicht. Bin mit dem Schrecken davon gekommen. 

Ansonsten ist es sehr gut gelaufen heute. Es ging hoch und runter aber nie über 2200m und somit hätte ich auch keine Atemprobleme wegen der Höhe. 

So ich werde jetzt Ohropax in die Ohren schieben damit ich das Geflappe vom Zelt nicht höre. 

Buenos noches!

32. Tag, Tentsite, Meile 407.4, Höhe 1620m

Irgendwie haben wir es heute geschafft 18 Meilen zu laufen. Trotz meiner schlaflosen Nacht. Ich hatte die Rain Fly nicht auf dem Zelt und plötzlich hörte ich nur noch komische Geräusche. Man fühlt sich schon verletzlich in so einem Zelt und ich hatte Angst, dass plötzlich ein Bär oder ein Puma reinschaut. Ja und wenn man nicht schlafen kann, dann stellt man sich allerlei Dinge vor, die einem auch wieder nicht schlafen lassen. Ich war dann jedenfalls froh als es endlich 6.00 war und ich aufstehen konnte. Ich war nicht sehr gut gelaunt nach dieser Nacht. 

Wir sind um Punkt 7.00 los und irgendwie tat uns noch alles weh vom Vortag. Es dauert dann eine Weile bis die Muskeln wieder warm gelaufen sind und man sich wieder normal bewegen kann. Wir mussten heute diese 2.7 Meilen auf dem Highway laufen. Wir haben die ganze Zeit geredet und die Zeit ging so schnell vorbei, dass wir fast die Abzweigung zur Buckhorn Campsite verpasst haben. Gut haben wir noch schnell nachgeschaut. 

Auf dem Campingplatz konnten wir Wasser auffüllen und auch Unterhose und Socken auswaschen (ohne Seife). Dann ging es auf dem Burkhart Trail, einem schönen Fluss entlang, zurück zum PCT. Da haben wir schon wieder fast die Abzweigung verpasst aber eine von uns beiden ist immer wachsam. 

Wir machen uns momentan viele Gedanken über die Sierra weil die ja noch total eingeschneit ist. In 3 Wochen sind wir bereits in Kennedy Meadows, dem Tor zur Sierra Nevada. 

Wir haben heute die Campsite mit Wasser nicht gefunden deshalb mussten wir trocken campen. Morgen gibt es aber schon wieder Wasser im ca. 4 Meilen. Habe heute die Rain Fly auf mein Zelt gemacht damit ich mich heute Nacht gut beschützt fühle und schlafen kann. 

31. Tag, Tentsite, Meile 389, Höhe 2136m

Ich glaube wir sind heute mehr Höhenmeter gelaufen als Meilen. Knapp 14 Meilen haben wir geschafft und sind erst um 18.00 im Camp angekommen. 

Zuerst ging es die letzten 2.2 den Berg hinauf bis zur Verzweigung zum Gipfel des Mount Baden Powell.  Der Berg ist 2860m hoch (!). Ich habe dann meinen Rucksack unten gelassen und nur herausgenommen was ich für das Frühstück brauchte. Dummerweise habe ich nicht daran gedacht meinem Löffel mitzunehmen um mein Oatmeal zu essen. Sah mich schon auf indische Art mit den Fingern zu essen. Agnes hat sich aber meiner erbarmt und mir ihren Löffel ausgeliehen. 

Danach ging es die ganze Zeit rauf und runter und wieder rauf und runter. Agnes ist gut im Hinaufgehen, da bin ich immer hintennach aber wenn es heruntergeht dann übernehme ich die Führung😉. So ergänzen wir uns  ganz gut. Ich weiß einfach nicht, wie das in der Sierra gehen soll wenn ich schon ab 2200m die Höhe spüre und nicht genug Luft kriege. Da werde ich dann zw. 3000 und 4000m unterwegs sein. Ich hoffe immer noch, dass ich mich langsam daran gewöhnen werde. 

Lustigerweise trifft man immer die gleichen Leute auch wenn ich manchmal denke, dass sie teilweise schon viel weiter sein sollten. Wir laufen vielleicht langsam dafür konstant und die Jungen vor allem bestellen sich immer mal wieder einen Uber um in der Stadt essen zu gehen. Sie verbringen auch meistens mehr Zeit in den Trailtowns und so kommt es dass man sich immer wieder sieht. 

Es ist ausgesprochen warm heute Abend und ich sitze draußen und schreibe an meinem Blog. Mir die Moskitos belästigen mich gerade. Das Paradies ist halt nie perfekt!

Morgen müssen wir 2.7 Meilen auf der Straße laufen weil ein Stück des PCTs gesperrt ist wegen gelben Fröschen die vom Aussterben bedroht sind und geschützt werden müssen. Ich hasse Roadwalks aber was tut man nicht alles für 🐸.