133. Tag, Tentsite, Meile 2272.7, Höhe 1995m

Labour Day!!! Weiß irgendjemand was das ist in den USA? Ich weiß nur, dass an diesen Wochenenden die Hölle los ist auf dem Pacific Crest Trail. Die ganze Nation scheint an diesem Tag mit Zelt und allem drum und dran in die Natur zu stürmen. Wir PCT Hiker finden dann kaum einen Platz unser Zelt aufzustellen. Ich bin hier auf einer Tentsite für mindestens 4-6 Zelte und ein Pärchen hat den ganzen Platz für sich alleine beansprucht! Ich muss auf der Wiese schlafen und meinen Platz mit tausenden Heuschrecken teilen😖! Bei der Tentsite vorher hat auch ein Pärchen den Platz annektiert und mir zu verstehen gegeben, dass ich Leine ziehen soll. Aber was soll ich mich aufregen, denn morgen ist alles wieder vorbei und wir Hiker haben den Trail wieder für uns alleine. Sollen sie wieder arbeiten gehen😝. 

Ansonsten war heute ein wunderschöner Tag mit stahlblauem Himmel. Es war teilweise sehr heiss. Am Anfang ging es auch wieder durch den Regenwald aber wie höher ich kam wie offener wurde es. Der Weg ging teilweise schwindelerregend am Steilhang entlang. Nur nicht ausrutschen habe ich immer wieder gedacht, da wären keine Bäume gewesen, die mich aufgefangen hätten… 

Auf der Campsite oder besser Wiese wo ich campe, hat man eine wunderschöne Aussicht auf Mount Adam. Ich habe jetzt gerade einen sehr schönen Sonnenuntergang gesehen und Mount Adam hat rötlich geleuchtet. 

Morgen kommt eine richtige Bergetappe und vor allem werde ich über „Knifes Edge“ runter gehen. Dies ist eine berüchtigte Etappe bei schlechtem Wetter oder Schnee. Alles andere als schönes Wetter würde mich aber sehr wundern für morgen. Ja und wenn alles gut geht bin ich morgen Abend bereits am White Pass ansonsten am Morgen danach.  

132. Tag, Tentsite, Meile 2253.2, Höhe 1535m

Es ist 20.00, ich liege in meinem Schlafsack im Moskitonetz und es wird langsam dunkel. Links neben mir ist eine Gruppe junger PCT Hiker und die machen alle Cowboy Camping, d.h. sie stellen kein Zelt auf, nicht mal das Moskitonetz. Sie schlafen unter freiem Himmel nur im Schlafsack. Habe ich nie gemacht und habe auch nicht das Bedürfnis dazu. Wir schlafen an einem Weiher, es hat dementsprechend Moskitos… 

Ich habe mir für Washington extra Goretex Wanderschuhe gekauft weil es hier ja soviel regnen soll. Ich habe noch keinen Tropfen Regen gesehen und gehe von Hitzewelle zu Hitzewelle. Ich schwitze dementsprechend in den Schuhen und meine Füße tun mir auch mehr weh als sonst. War vielleicht doch nicht so eine gute Idee… 

Ich laufe übrigens durch einen richtigen Regenwald. Kunststück, dass es mich an Gomera erinnert. Diese Flechten an den Bäumen und das Moos… Das Wetter soll übrigens weiter gut sein, mindestens für die nächsten 2-3 Wochen. Ich muss also keine Angst haben, dass ein verfrühter Wintereinbruch kommt. 

Heute bin ich wieder 21 Meilen gelaufen und so langsam gefällt mir Washington richtig gut. Ich laufe jetzt auch wieder höher, zw. 1500 und 1800m, das heißt auch, dass ich wieder mehr Weitsicht habe. Der Himmel war heute richtig blau, so intensiv! 

Ich habe heute Mount Adams fast komplett umrundet und das ist ein richtig schöner Berg. Ich konnte sogar einen Gletscher sehen. Es hat sehr viel Tannenwald, jetzt wieder unverbrannt, viele Wildblumen und Bäche. Es war heute so richtig schön wenn auch anstrengend. 

Auf der anderen Seite habe ich Mount Helen gesehen, der Vulkan der in den 80er Jahren ausgebrochen ist und daneben Mount Rainier. Dem werde ich im Verlauf noch näher kommen…

Nach White Pass hat es einen Waldbrand und ich weiß noch nicht wie ich daran vorbeikomme. Der PCT ist auf einer Strecke von ca. 24 Meilen gesperrt. Werde mich vor Ort erkundigen müssen, vielleicht muss ich drum rum fahren also hitchen. Jetzt genieße ich aber zuerst noch die Goat Rocks Wilderness für die nächsten zwei Tage bis White Pass. Freue mich darauf…

131. Tag, Tentsite, Meile 2232, Höhe 1697m

Ich habe sehr gut geschlafen nach meinem köstlichen geschenkten Mahl von gestern. Es schläft sich halt doch besser mit vollem Magen😊. 

Ich bin um 6.45 los, es war einfach so warm und gemütlich in meinem Schlafsack. Ich musste nur 10 Meilen bis zur Straße nach Trout Lake laufen. Es ging natürlich wieder durch dichten Wald. Was mich am meistendsran stört ist, dass die Sonne nicht durchkommt und es am Morgen relativ dunkel ist im Wald. Ich finde nicht einmal ein sonniges Frühstücksplätzchen…

Zuerst ging es flott den Berg hinunter aber dann musste ich doch noch einmal einen Berg hochsteigen bis es dann endlich runter zur Straße ging. Unten an der Straße waren ein paar PCT Hiker versammelt, unter anderem „Under Where?“ Er fragte mich wie das Essen geschmeckt hatte, natürlich sehr lecker, vielen Dank nochmal! Sie mussten nicht nach Trout Lake weil sie Food bis White Pass dabei hatten. Ich bin dann zur Straße und habe mich bereits gefreut weil ein Auto kam aber die mussten woanders hin. Ich bin dann die Straße runter gelaufen, weil ich wusste, dass man weiter unten Telefonempfang hat. Ich hätte dann einen Trail Angel anrufen können, der auf der Liste stand. Dies war aber gar nicht nötig weil mich zwei symphatische ältere Herren mitnahmen, die gerade von einem Hike zurückkamen. Sie setzten mich und einen anderen Hiker direkt vor dem Restaurant ab. Im Restaurant traf ich Renée (Kicksteps) und wir aßen zusammen. Sie war total müde und gar nicht fit. Ich musste sie überzeugen ein Zimmer zu nehmen und sich auszuruhen. Was sie dann auch gemacht hat. Manchmal muss man die Meilen einfach vergessen, der Körper braucht ab und zu eine Pause. 

Ich habe dann mein Paket im Grocery Shop abgeholt und Renée und ich saßen vor dem Store auf der Bank und machten Ressuply. Dies war eindeutig mit weniger Stress verbunden als das verschicken, ich musste das Essen nur noch in meinen Foodsack umpacken😊. Ich habe den Inhalt auch noch mal kontrolliert und gemerkt, dass ich das Frühstück vergessen hatte! Wo hatte ich bloß meinen Kopf als ich in Portland war? Konnte ich aber im Shop nachkaufen. Dann gab es noch eine Cola und eine Glace. Während ich da auf der Bank saß habe ich auch noch kurz meine Mitfahrgelegenheit zum Trailhead organisiert. Ich habe die Liste mit den Trail Angeln schon wieder nicht gebraucht. 

Um 16.00 ging es dann zurück zum Trailhead, 14 Meilen Autofahrt. Mit vollem Rucksack konnte es natürlich nur in eine Richtung gehen nämlich hinauf. Leider ging es wieder mal durch einen abgebrannten Wald rund um Mount Adams rum. Wir sind jetzt in der Mount Adams Wilderness und als nächstes kommen die Goat Rocks! Auf die freue ich mich schon lange. 

Ich campe mit White Spot und No Steps unterhalb von Mount Adams auf einer trockenen Wiese. Das lustige ist, dass ich vor drei Jahren den Blog der beiden verfolgt habe als sie zusammen den Appalachian Trail gelaufen sind und auch jetzt habe ich den Blog von White Spot abonniert. Die Hikerwelt ist doch klein oder? Ich habe in Bishopauch Carrot Quinn kennengelernt, ich in der Vorbereitungszeit zu meinem PCT-Abenteuer ihr Buch und natürlich Ihren Blog verfolgt. Da ich ihn immer noch abonniert hatte wusste ich, dass sie in Washington gestartet war und Southbound lief. Ich finde es toll, dass ich die Leute manchmal tatsächlich in real kennenlerne. 

Ich schlafe ohne Rain Fly und frage mich gerade ob das wohl eine gute Idee ist, denn erstens könnte es feucht werden heute Nacht (Wiese!) und zweitens ist es kalt.