05.09.12 Sarlabous – Bagnères-de-Bigorre

Meine liebste Zeit…am Morgen

Sitze auf dem Platz vor der Kathedrale und trinke mein geliebtes Leffe. Für mich eines der besten Biere überhaupt mit sehr viel Alkohol, soviel ich mich erinnere über 6%! Habe gerade mein zweites bestellt und fühle mich pudelwohl. Meine Geldbörse ist wieder gefüllt, mein Proviant auch und morgen mache ich frei! Jawoll, ihr habt richtig gehört. Morgen werde ich um 9.00 den Bus nach Lourdes nehmen und mir den ganzen Tag Zeit lassen die spezielle Energie von Lourdes aufzunehmen. Bin total gespannt und freue mich an diesen speziellen Ort zu kommen während meiner Pilgerreise. Freue mich wie ein kleines Kind, dass ich morgen frei habe. Das habe ich mir auch verdient!
Bin heute morgen früh los und um 13.00 Uhr hatte ich bereits 14 km geschafft. Eigentlich wollte ich über den Pass aber dann war der Weg so schlecht ausgeschildert, dass ich beschlossen habe die Strasse zu nehmen. Um 16.00 war ich hier mit ziemlich platten Füssen. Auf der Strasse laufen ist nämlich ziemlich das schlimmste was man seinen Füssen antun kann. Meine Stimmung ist wieder gut, die Krise der letzten zwei Tage ist Gott sei Dank überstanden. Das gute am Pilgern ist auch, dass man lernt, dass sich alles ändert und vorbei geht. Gefühle kommen hoch und man lässt sie da sein aber man läuft einfach weiter. Man kann morgens wutentbrannt loslaufen und abends voller Glücksgefühle sein. Dies ist sicher einer der Gründe warum ich laufe. Ein anderer ist aber auch ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit, das einem immer mal wieder überkommt. Auch wird einem bewusst wie wenig es eigentlich braucht um glücklich zu sein. Im Moment reicht mir ein Bett, eine Dusche und etwas zum Essen. Das Bier ist bereits die Krönung..;-). So nach meinem zweiten Leffe bin ich bereits so betrunken, dass ich mich langsam um etwas essbares kümmern muss. Werde jetzt langsam zu Pizzeria torkeln..:-).

Kikeriki….!
Manchmal ist es schwierig seinen Rhythmus zu finden wenn man ständig stoppt um Fotos zu machen.

Hier hatte ich mich mal wieder verirrt oder besser den Weg nicht gefunden. Bin dann umgekehrt.

04.09.12 Montsérié – Sarlabous

Ermutigung konnte ich heute gut gebrauchen!

Mein Abendessen war übrigens wie der gestrige Tag, der Teigwarensalat hat sich als ungenießbar herausgestellt. Habe mir dann eine Bouillon mit ganz vielen Buchstaben in der Suppe gemacht und dazu Zwieback gegessen. Dafür konnte ich fernsehen, nur leider wurde nirgends das US Open übertragen, so ein Mist!
Der heutige Tag fing ähnlich an wie der Gestrige, in dem ich nämlich konstant den Weg gesucht habe. Brauche einfach eine bessere Karte. Wollte auf der Strasse eine Abkürzung nehmen aber nach all dem suchen und fragen war ich schließlich nicht schneller in Lortet als wenn ich den GR genommen hätte. Bin dann schön brav dem GR gefolgt und wurde prompt wieder steil hinauf und steil herunter gejagt. Um 13.00 war ich endlich in Esparros und da standen dann 3.5 Std. bis Espèche, was erst meine zweitletzte Station darstellte..:-(. Wollte nicht schon wieder klein beigeben und habe mich mutig auf den Weg gemacht. Meine innere Stimme hat mich ziemlich laut angeschnauzt ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Bin dann in eine Pizzeria, die eigentlich zu hatte und habe nach einer Abkürzung auf der Strasse gefragt. Der Monsieur war nicht gerade freundlich und hat mir so schnell, schnell erklärt wo es durchgeht wie wenn das die einfachste Sache der Welt wäre und ich mich nur saublöd anstellen würde. Man sagt jeder weint mindestens einmal auf dem Camino, mich hatte er jetzt gerade wieder soweit und ich fühlte mich hundeelend. Habe dann versucht mit meiner Karte irgendwie den Weg zu finden, da kam mir ein Motorradfahrer entgegen und ich habe ihm gewunken er solle anhalten. Der war dann total nett und hat mir in aller Ruhe den Weg erklärt und ich habe es gleich auf Anhieb kapiert! Da ging es mir gleich wieder besser. Ich habe ca. 2 Std. eingespart und war dadurch um 17.00 im Gîte. Was auch spät ist, ich war im Ganzen nämlich 9 Std. unterwegs..:-(.
Habe heute mal wieder gesehen, wie wichtig es ist, dass ich auf meine innere Stimme höre. Sie ist auch gar nicht zu überhören wenn ich mal wieder etwas saudummes anstellen will!
Die letzten 5 km bin ich einen Fluss entlang gelaufen. Der erste Teil war wie im Märchen und es hätte mich nicht verwundert, wenn ich plötzlich Elfen gesehen hätte. An einer besonders schönen Stelle habe ich dann Rast gemacht und fühlte mich für alle Widrigkeiten der letzten beiden Tage entschädigt. Ich war einfach nur glücklich hier und jetzt da zu sein.
Heute Abend habe ich sogar noch mein Lieblingsbier, ein Leffe, bekommen. Was wünscht man sich mehr?

Mein magischer Rastplatz…
…der mich für alle Widrigkeiten entschädigte!
Moulin des Baronniers