8.5. – 25.5.08 von Genf bis Le Puy

Beaumont, 8.5.2008 (16 km)
Heute habe ich die Schweiz verlassen und da es eine grüne Grenze war habe ich es nicht einmal bemerkt. Da war zwar ein Schlagbaum aber es war nichts angeschrieben. Nun bin ich also wieder im schönen Frankreich und in meiner ersten Gîte d’étape. Bin hier mit 2 Pilgern aus Bayern und wir sitzen in der Sonne und trinken unser Feierabend-Bier und geniessen das Nichtstun. Mein Schlafplatz für Morgenabend in Chaumont ist auch schon reserviert und somit gibt es für mich nichts mehr anderes zu tun als Tagebuch zu schreiben und auf das Nachtessen zu warten.
Habe heute nur eine kurze Etappe gemacht, hätte noch bis zum Mont Sion weiterlaufen können aber dann hätte ich wieder im Hotel übernachten müssen und das wollte ich nicht. Hatte genug Hotels in der Schweiz, es reicht! Muss mein Portemonnaie schonen. Es ist sehr schön hier und ich bin einfach glücklich andere Pilger zu treffen und nicht alleine zu sein. Die Gîte ist bis auf die letzte Matratze ausgebucht!
Morgen geht es weiter nach Chaumont, das ist dann etwas weiter aber ich bin ja jetzt langsam richtig gut eingelaufen und somit sollte das kein Problem sein. Freue mich darauf in Frankreich zu laufen, habe bis jetzt nur gute Erfahrungen in diesem Land gemacht.

Chaumont, 9.5.2008 (23.5 km)
Puuhhh! War ganz schön anstrengend heute, vor allem das letzte Stück ging noch steil bergauf nachdem ich vorher alles runter gelaufen bin. Als ich den Hohlweg runter lief hat mich eine junge Frau auf einem Pferd überholt und mich gefragt wo ich hin wolle. Ich habe gemeint nach Chaumont worauf sie mich entsetzt angeschaut und gemeint hat das wäre aber noch ziemlich weit und vor allem steil. Fand ich ziemlich aufbauend in diesem Moment und ich war auch ziemlich fertig als ich oben angekommen bin.
Seit Genf ist es vorbei mit dem Alleinsein auf dem Pilgerweg. Hatte mich eigentlich darauf eingestellt, dass es bis Le Puy einsam weitergeht und dann kommt alles anders als man denkt. Wahrscheinlich habe ich es mir innerlich so sehr gewünscht Gesellschaft zu haben, dass Gott ein Nachsehen mit mir hatte. Die Gîte heute ist sehr rustikal und einfach und kostet dementsprechend auch nur 7 Euro. Dafür dürfen wir uns im Restaurant auf ein gutes Nachtessen freuen. Ausser Wolfgang und Irene, den 2 Bayern von gestern, sind auch noch Andrina und René aus Genf da und es ist von Anfang an sehr lustig mit ihnen.
Morgen werde ich zum ersten und bestimmt nicht zu letzten Mal ohne Frühstück loslaufen. Hoffe, dass es in Frangy dann den ersten Kaffee gibt. In Frangy werde ich dann auch meinen Proviant aufstocken müssen, da über Pfingsten wahrscheinlich alles zu ist.
Warum denken Pilger eigentlich immer ans Essen?

 Les Côtes, 10.5.2008 (17 km)
Sitze auf der Terasse der Herberge in Les Côtes und brate in der Sonne und das im Mai. Habe gerade gehört, dass hier ein Klima herrscht wie in der Provence. Das merkt man…;-).
Ich bin übrigens zur Direktionssekretärin ernannt worden, da ich immer die Etappen plane und für alle anrufe und reserviere. Gestern hatten wir es total lustig in unserem Rustico, René hat uns alle zum Lachen gebracht mit seinen Sprüchen. Es tut so gut wieder einmal mit anderen Menschen zusammen zu sein. Die meisten werde ich wahrscheinlich bis Le Puy immer wieder sehen.
Die heutige Etappe war kurz und das einzige was mich schmerzt ist meine linke Ferse aber wenn die Etappen nicht zu lang sind geht es. Die Vorstellung ein ganzes Land zu Fuss zu durchqueren ist schon wahnsinnig. Habe heute ausgerechnet, dass ich für 150 m 200 Schritte machen muss. Für 1 km sind es dann 1133 Schritte, 10 km 11’330, 100 km 113’300, 1000 km 1’133’000, 2000 km 2’266’000. Bis ich in Santiago ankomme habe ich ca. 2.5 Millionen Schritte gemacht, wenn das nicht verrückt ist.

Chanaz, 11.5.2008 (24 km)

Liege im Bett im Hotel du Canal von Chanaz und bin total müde. Meine Füsse schmerzen und es erstaunt mich immer wieder, dass am nächsten Morgen die Schmerzen weg sind und ich wieder laufen kann. St. Jacques muss nachts wohl Ueberstunden machen um alle Pilger zu pflegen.
Bin wieder mit Andrina und René zusammengetroffen, ein sehr symphatisches älteres Paar. Er ist 71 und sie 60 aber beide topfit. Sie laufen bis Le Puy und seit Chaumont begegnen wir uns immer wieder.
Als ich vor Chanaz am Campingplatz vorbei wollte sah ich von weitem René winken und mir zurufen ich solle mich beeilen. Sie hatten auf dem Campingplatz ein Bungalow gefunden und für mich hätte es sogar ein eigenes Zimmer gehabt. Habe mich total gefreut, der Bungalow war sehr schön mit einer Veranda davor und Blick auf den Kanal. Ich hatte mich gerade in meinem Zimmerchen eingerichtet und wollte eine Dusche nehmen als die Madame vom Campingplatz vorbeikam und uns mitteilte, dass sie sich geirrt hatte und der Bungalow doch nicht frei wäre. Da hiess es mal wieder loslassen und meine 7 Sachen zusammenpacken. Es wäre ja auch zu schön gewesen um wahr zu sein. René und Andrina habe sich direkt zum Hotel Canal begeben und ich habe mich auf den Weg gemacht um die Gîte rural mit diesem unfreundlichen Gastgeber zu finden welchen ich am Tag zuvor angerufen habe um ein Bett zu reservieren. Die Herberge war ausserhalb von Chanaz und ich musste noch ca. 20 Min. hochlaufen. Als ich sie dann endlich gefunden hatte wollte der Monsieur nichts mehr von meiner Reservation wissen und meinte er hätte kein Zimmer frei. Irgendwie passte dies ja zu diesem unfreundlichen AL. Muss ein richtiger Pilgerhasser sein und mein Reiseführer scheint recht damit zu haben, dass Chanaz nicht sehr Pilgerfreundlich ist. Dann bin ich wieder zurück ins Dorf, eine Frau gegenüber der Gîte rural hatte mir gesagt dass es noch eine andere Herberge gibt nur war da leider niemand zu Hause. Bin dann völlig entnervt ins Hotel du Canal und habe mir ein überteuertes Zimmer für 50 Euro gemietet. Das Zimmer war nicht einmal schön aber in dem Moment wollte ich einfach nur ein Bett und mich ausruhen. Netterweise haben sie mir das Frühstück geschenkt.
Anschliessend bin ich mit Andrina und René Essen gegangen und jetzt bin ich totmüde und liege in meinem Hotelbett. Was für ein Tag und irgendwie bin ich ja trotzdem dankbar, dass ich nicht bei diesem unfreundlichen Gastgeber gelandet bin.

Yenne, 12.05.2008 (16 km)
Wunderschöne Bergetappe aber einfach zu faul um Tagebuch zu schreiben. Haben uns in einem grossen Zelt auf dem Campingplatz kurz vor Yenne einquartiert. Sieht ein bisschen aus wie ein Feldlazarret. Der Campingplatz liegt direkt am Fluss. Jetzt gehen wir nach Yenne etwas essen. Bis bald.

St. Genix, 13.5.2008 (24 km)

Heute war eine wunderschöne wenn auch anstrengende Bergetappe. Bin auf dem Campingplatz in einem Bungalow mit Andrina und es ist wunderschön hier. Meine Füsse schmerzen mal wieder endlos, vor allem die letzten 8 km von St. Maurice runter ins Tal waren sehr anstrengend.
René musste heute nach Hause zurückfahren da er starke Schmerzen im Knie hatte nach der gestrigen Bergetappe wo es auch steil hinunter ging. Gestern in Yenne waren wir auch auf dem Campingplatz in einem grossen Zelt mit ca. 10 Betten. Wir hatten das ganze Zelt für uns alleine. Der Zeltplatz liegt direkt am Fluss und ist sehr schön gelegen am Rande der Stadt. Wir haben uns dann noch total überessen und ich bin mit einem richtigen Kugelbauch ins Bett. Habe beschlossen abends nicht mehr soviel zu Essen, vielleicht ist dies auch ein Grund warum ich so schlecht schlafe.
Anne und Dominique, 2 Schweizerinnen aus der Nähe von Genf, standen auch unvermittelt hier auf dem Zeltplatz von St. Genix. Eigentlich wollten sie ja in St. Maurice bei Monsieur Revel übernachten. Im Outdoor Reiseführer steht er sei eine interessante Persönlichkeit; er ist ein ehemaliger Pfarrer und hat eine eigene kleine Kapelle. Die beiden sind auf jeden Fall um 17.00 da geflüchtet und ca. um 19.30 hier angekommen. Diese Gîte von Monsieur Revel sei ein völliges Bordell und völlig verdreckt laut Anne und Dominique. Es stand noch das Geschirr vom Frühstück rum. Zuerst haben sie Zeit damit verbracht das Bad zu putzen aber plötzlich haben sie es da nicht mehr ausgehalten und sind geflüchtet. Wir sind dann noch alle zusammen auf der Veranda gesessen und haben ein Bierchen getrunken. Habe mich daran erinnert, dass mir Silvie ja eine kleine Pilgerapotheke mitgegeben hat. Dies ist eine kleine Dose mit Tarotkarten für Pilger und die Sprüche sollen speziell in schwierigen Situationen helfen. Jeder von uns hat dann eine Karte gezogen und für jeden war es genau die richtige. Bei mir hiess es Pilgern heisst mit den Füssen zu beten; wenn ich die Schmerzen in meinen Füssen spüre muss ich unendlich viel gebetet haben. Dann sind Anne und Dominique sichtlich müde von den Strapazen zu ihrem Bungalow geschlichen.
Wir haben uns heute Abend ein Fertigsüppchen gekocht und ich habe meine Notration, den Teigwarensalat, gegessen. Wir hatten einfach keine Lust ins Restaurant zu gehen und uns wieder zu überessen. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass ich einen riesigen Bauch habe! Muss wohl das tägliche Feierabendbier und das Essen „wie Gott in Frankreich“ sein.
Es ist total friedlich hier auf dem Campingplatz, die Vögel zwitschern, man hört den Fluss rauschen und ich sitze gemütlich auf unserer Veranda. Das Pilgerleben kann so schön sein.

Valencogne, 14.5.2008 (21 km)

Heute war wieder ein sehr schöner und heisser Tag. Ueberhaupt habe ich bisher wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Ich musste meine Regenpellerine bisher nicht ein einziges Mal auspacken.
Heute sind wir in einem Acceuil Jacquaire untergekommen. Dies ist eine spezielle Art von Unterkunft welche es nur auf dem Weg von Genf bis Le Puy gibt. Die Vereinigung der Acceuil Jacquaire wurde gegründet da es auf dem Weg nicht genug Gîtes gab. Die Unterkünfte sind immer bei privaten Leuten und dann kann es schon mal sein, dass man in einem Schloss übernachtet, in einem wunderschönen Landhaus oder auf dem Bauernhof. Man kriegt ein Bett und isst mit den Gastgebern und am Ende gibt mann eine Spende. Jeder gibt das was er will und kann wahrscheinlich ein bisschen ähnlich wie das Donativo in Spanien. Schon schön, dass es sowas gibt für die Pilger. Wir haben beschlossen 20 Euro zu geben (10 fürs Essen und 10 für die Übernachtung).
Heute habe ich eine Lektion in Vertrauen erhalten. Wir haben für heute Abend nichts reserviert. Ich habe dreimal versucht in der Gîte anzurufen aber es hat niemand abgenommen. Diese Herberge war dann auch geschlossen als wir hier angekommen sind. Innerlich habe ich schon gedacht, dass ich es jetzt wieder so mache wie ich es gewohnt bin nämlich am Abend vorher anzurufen. Andrina ist da viel entspannter und sagte dass St. Jacques uns bereits irgendwo ein Bett reserviert hat. Ja und sie hatte recht. Bei der Kirche sind wir bei Bernard Berlioz und seiner Frau gelandet welche für uns diese Uebernachtungsmöglichkeit organisiert hat. Wir sind auf einem Bauernhof 2 km ausserhalb von Valencogne und wir wurden mit dem Auto abgeholt und das beste ist, dass wir morgen früh auch wieder hierher zurückgebracht werden.
Nichts zum schlafen zu finden und draussen übernachten zu müssen ist nach wie vor meine grösste Angst und ich wünsche mir dieses Vertrauen und diesen Glauben zu haben immer ein Bett zu finden. Heute Abend kann ich auch nicht reservieren da ich kein Netz habe. Werde morgen also schon wieder vertrauen müssen… Gott scheint mir täglich meine Lektionen zu geben. Ich wünsche mir, soviel Vertrauen zu haben, dass ich einfach planlos drauf loslaufen kann ohne mir Gedanken machen zu müssen wo ich übernachten werde. Ich möchte die Kontrolle abgeben und darauf vertrauen, dass Gott mir jeden Abend ein Bett sucht. Ob ich wohl je an diesen Punkt gelangen werde? Bis Spanien muss ich das schaffen denn dann kann man eh nicht mehr reservieren.
Die Tage vergehen wie im Fluge, ich bin nun schon seit 3 Wochen unterwegs. Heute habe ich eine Karte gezogen und da hiess es: Laufe langsam, denn du kommst doch nur immer wieder bei dir selber an. Wie weise diese Karten doch sind.
Das Nachtessen mit unseren Gastgebern war sehr schön und wir haben viel gelacht. Der Monsieur hat uns 3 verschiedene Chartreuse, ein Likör aus Eisenkraut, versuchen lassen und die Stimmung war dementsprechend angeheitert.

 La Frette, 15.5.2008 (22 km)

Heute hatten wir seit langem etwas Regen aber nicht genug um die Regenpellerine auszupacken. Ich habe eine weitere Lektion in Sachen Vertrauen erhalten. Wir haben wieder nichts reserviert und gegen Abend wurde ich ziemlich unruhig und nervös. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich dies wirklich Gott überlassen kann für mich ein Bett zu finden. Ist dieser Kerl denn wirklich zuverlässig oder sollte ich es nicht doch besser selber in die Hand nehmen? Im Dorf vor La Frette haben wir nichts zum Übernachten gefunden und sind dann weitergelaufen. In La Frette standen wir vor dem Hotel Les Voyageurs und es sah ziemlich geschlossen aus. Die Fensterläden waren zu und die Haustür war verschlossen. Ich sagte gerade zu Andrina, dass ich ab Morgen wieder reservieren werde und ich diese Unsicherheit satt hätte und in diesem Moment ging die Türe vom Hotel auf und eine alte Dame hat uns freundlich reingebeten. Ich war so froh, nicht weiterlaufen zu müssen und ein Bett zu haben. Gott hat das mal wieder richtig gut hingekriegt, vielleicht macht er es ja wirklich besser wie ich. Er hat mir Andrina geschickt damit ich lerne die Kontrolle loszulassen und zu vertrauen.
Im Hotel haben wir mit René und Jean-Claude zu Abend gegessen. Jean-Claude ist von Genf aus gestartet und will auch den ganzen Weg bis Santiago laufen. Bin froh, dass es noch andere Spinner gibt…;-). Er hat uns soviele Geschichten erzählt welche ihm auf dem Weg von Genf bis hierher wiederfahren sind. Zum Beispiel von Gastgebern welche nicht mit ihm gesprochen haben oder Betten die völlig durchnässt waren. Dann war da ein Deutscher namens Uwe der so laut geschnarcht hat, dass er mitten in der Nacht aus dem Zimmer geflüchtet ist. Im Flur hat er dann ein altes Bett gefunden und als er sich hingelegt hat, hat es gekracht und er lag mit seinem Hinterteil auf dem Boden. Wir haben total gelacht und ich habe mich gefragt, warum mir nicht solche Sachen passieren. Wahrscheinlich ist es so, dass jeder andere Lektionen zu lernen hat auf dem Camino…;-). Meine Themen sind ganz klar Vertrauen finden, Kontrolle loslassen und einen Zugang zu Gott finden.

 Faramans, 16.5.2008 (18 km)

Ich bin mal wieder im Paradies gelandet…! Wir sind in einer Gîte etwas ausserhalb von Faramans. Das Haus liegt in einem wunderschönen Garten und es riecht nach Rosen. Als wir hier ankamen haben wir gedacht, dass es das wohl nicht sein kann, dies ist sicher privat. Da war ein Glocke mit einem Seilzug welche wir dann auch betätigt haben woraufhin ein sehr symphatischer Mann herauskam. Wir haben ganz schüchtern gefragt ob er Zimmer vermiete und ob man hier übernachten könne? Woraufhin er gemeint hat ja dies sei die Herberge und er hätte uns schon erwartet. Bevor wir hier herausgelaufen sind haben wir nämlich schnell angerufen. Ausser der Gîte gibt es noch so kleine Blockhütten wie im Wilden Westen. Alle total liebevoll eingerichtet. Zu meinen Füssen liegt ein wundervoller Cocker Spaniel, im Paradies ist halt auch alles schön.
Habe ein wenig Mühe mit meinen Füssen, habe Krämpfe in der Fusssohle, sehr unangenehm. Muss vielleicht mehr Magnesium essen. Hoffe, dass meine Füsse morgen wieder mitmachen.
Morgen darf ich mal wieder entspannen denn wir haben die Übernachtung schon reserviert in einem Acceuil Jacquaire. Gott gibt mir eine kleine Pause…;-).
Heute haben wir La Côte St. André erreicht und somit schon die Hälfte der Via Gebennensis hinter uns. Es ist wirklich eine sehr schöne Strecke und ich kann sie allen nur empfehlen.
Heute Abend ist noch ein beleibter Deutscher keuchend hier aufgetaucht. Nach der Beschreibung von Jean-Claude waren wir uns ziemlich sicher, dass es sich um den schnarchenden Uwe handelt. Er hat uns gefragt was die Nacht hier kostet und ich habe ihn dann diskret auf die günstigen Blockhütten aufmerksam gemacht. Er ist dann Gott sei Dank in die Blockhütte gegangen und ward nicht mehr gesehen. Der Monsieur musste ihm noch 3 grosse Flaschen Bier bringen. Ich hoffe nur, dass die Blockhütte morgen noch steht und Uwe sie nicht über Nacht zersägt hat…;-).

Bellegarde, 17.5.2008 (22 km)

Heute Morgen um 4.00 hat es angefangen zu regnen und zwar in strömen. Ich lag im Bett, habe das Prasseln des Regens gehört und mich noch tiefer in meinen Schlafsack gekuschelt. Am Morgen hatten wir Mühe aufzustehen und auch das Packen des Rucksacks ging nicht so flott voran wie sonst. Wir mussten uns zum ersten Mal in unsere Pellerine zwängen und ich hatte ziemliche Wiederstände raus in den Regen zu gehen. Wir sind dann zurück nach Faramans gelaufen und haben uns zuerst einmal einen Kaffee und 2 Croissants gegönnt. Dann haben wir uns gut gelaunt in den Regen gestürzt und sind zügig los marschiert. In Pommier haben wir uns zum Trocknen in die Kirche gesetzt und dann hat es für einen kurzen Moment aufgehört zu regnen. Wir mussten vielen riesigen Pfützen auf dem Weg ausweichen und irgendwann fühlten sich meine Füsse auch nicht mehr trocken an. Die Kühe an welchen wir vorbeigekommen sind haben uns angeschaut wie wenn wir total bescheuert wären bei diesem Wetter raus zu gehen. Sie haben nicht unrecht…;-).
In Revel Tourdan konnten wir nach 7 km am Stück endlich mal wieder Pause machen. Der Regen hatte aufgehört und es gab einen schönen Picknickplatz mit Tischen und Bänken wo es schon fast trocken war. Dort haben wir dann noch Markus aus Bern getroffen welcher ziemlich unmotiviert durch die Gegend lief. Er wusste noch nicht wie weit er gehen würde da ihm zur Zeit etwas die Motivation fehlt. Er hat sich auch kaum auf seinen Camino vorbereiten können und war dann fast etwas überrumpelt als er loslief. Also ich hatte genug Zeit nämlich 1.5 Jahre…;-). Im wunderschönen mittelalterlichen Dorf von Revel Tourdan hat uns Markus dann noch zum Kaffee eingeladen.
Dann ging es immer weiter und gegen Schluss war ich schon am Ende meiner Kräfte und dann hat Andrina mich noch in die falsche Richtung geführt aber ich hätte halt selber nachschauen sollen. Meine innere Stimme hatte mich schon länger gewarnt, dass wir in die falsche Richung laufen. Bei der Kapelle oberhalb von Bellegarde habe ich dann endlich meine Karte gezückt und genauer angeschaut und dann war schnell klar, dass wir umkehren mussten. Ich bin dann ziemlich sauer und schnell den ganzen Weg wieder zurück gelaufen. Um 18.00 Uhr sind wir dann endlich angekommen in dem wunderschönen Landhaus in Bellegarde-Poussieu. Danielle die Gastgeberin, ist uns mit dem Auto entgegen gefahren weil sie uns schon vermisst hat. Ich war fix und fertig und meine Füsse fühlten sich an wie Brei.
Jetzt haben wir sehr gut gegessen bei Danielle und André und die Strapazen des heutigen Tages sind schnell wieder vergessen. Diese Acceuil Jacquaire sind schon sehr speziell und die Gastgeber sind alle sehr nett und gastfreundlich. Es hat etwas sehr persönliches wenn man in ihr Haus eingeladen wird, ein leckeres Essen serviert bekommt und mit den Gastgebern am Tisch sitzt. Es ist mal wieder ein traumhaft schönes Haus mit riesigem Garten und wunderschöner Aussicht auf die Berge.
So es ist 22.00 Uhr und ich will nur noch eines nämlich ins Bett auch wenn ich in letzter Zeit wieder sehr schlecht schlafe. Werde meinen Outdoor-Führer hier lassen da ich ihn nicht sehr gut finde. Mit dem gelben Heft von der Association Rhône-Alpes und dem Topo-Guide bin ich hingegen sehr zufrieden.

Clonas sur Varèze, 18.5.2008 (21 km)

Heute war eine einfache Etappe und ich bin sie zum grössten Teil alleine gelaufen. Es hat gut getan wieder einmal alleine unterwegs zu sein. Andrina ist sehr nett aber sie redet einfach zuviel. Vor allem Morgens laufe ich gerne in Stille und zuviel reden lenkt mich einfach ab.
Letzte Nacht haben die Vögel die ganze Nacht ein Konzert abgehalten. Habe das noch nie erlebt, bei uns hören die Vögel bald nach Sonnenuntergang auf zu singen aber hier ging es die ganze Nacht munter weiter. Irgendwann musste ich dann die Ohropax reintun weil ich einfach nicht einschlafen konnte bei dem Lärm…;-).
Wir sind heute ca. um 9.00 Uhr los und schon bald habe ich mich über das Gerede von Andrina genervt. Wir haben dann René und Jean-Claude getroffen und sind dann mit ihnen ein Stück zusammen gelaufen. In St. Maurice Surieux wollte Andrina noch eine Kirche besichtigen und ich hatte keine Lust auf sight seeing und bin weitergelaufen. Habe dann noch Markus aus Bern getroffen und bin mit ihm ein Stück gemeinsam gelaufen. Da er sehr gross ist und lange Beine hat war ich sehr schnell unterwegs. Konnte das Tempo aber nicht sehr lange mithalten und habe dann Pause gemacht und Markus ziehen lassen. Ich hatte aber alle anderen abgehängt und war von da an alleine unterwegs.
In Clonas sur Varèze hat mich Andrina schon erwartet (keine Ahnung wo sie mich überholt hat) und fast vorwurfsvoll gefragt warum ich nicht auf sie gewartet habe. Von dem Moment an war mir klar, dass ich wieder alleine weiter möchte und keine Lust mehr habe mit Andrina zu laufen. Ich bin zu Hause alleine gestartet und manchmal ist es schön wenn man eine zeitlang mit jemandem gehen kann aber ich habe keine Lust auf irgendeine Art von Zweierkiste wo man dann immer aufeinander warten muss.
Unser Gastgeber Daniel, wohnt in einem wunderschönen Haus welches er selber entworfen hat, mit einer einmaligen Aussicht auf das Tal und die Berge welche wir Morgen überqueren werden. Eine junge Österreicherin namens Agnes, welche in Klagenfurt gestartet ist, ist auch hier. Sie hat das Bett auf einer Empore oben und nun will sie ihren schweren Rucksack da hinauf bugsieren. Was sie alles so mit sich rumschleppt…;-).

La Croix Sainte Blandine, 19.5.2008 (22 km)

Heute Morgen sind Andrina, Agnes und ich von Clonas gemeinsam aufgebrochen. Monsieur Daniel war gar nicht zufrieden mit den 15 Euro welche wir ihm gegeben haben. Scheinbar war dies zu wenig aber er war auch nicht so nett und herzlich wie die anderen. Er war nicht wirklich an uns interessiert und die Unterhaltung beim Abendessen war eher verhalten.
Agnes ist schon seit 2 Monaten unterwegs. Sie ist die dritte Langzeitpilgerin welche ich bis jetzt angetroffen habe. Wir waren uns auf Anhieb sehr sympathisch.
Heute Abend sind wir in einer Jurte auf ca. 700 m. Es ist ganz schön frisch und ich hoffe, dass wir heute Nacht nicht frieren werden und mein Schlafsack warm genug ist. Die Kälte kommt so richtig vom Boden durch die Matratze.
Habe mich auch heute wieder von Andrina abgesetzt und war zum Teil alleine, mit Agnes und mit Jean-Claude und René unterwegs. Ich sollte mit Andrina reden, dass es für mich nicht mehr stimmt mit ihr zu laufen aber bis jetzt habe ich den richtigen Zeitpunkt noch nicht gefunden. Ja und wie man weiss bin ich nicht gerade ein Hirsch wenn es darum geht mich abzugrenzen…
Ansonsten war es eine wunderschöne Etappe heute und auch das Wetter hat gehalten. Hoffe, dass es auch Morgen noch so bleibt. Möchte Morgen bis Les Setoux kommen und dies sind ca. 27 km. Für mich ist das immer noch eine sehr lange Etappe, mal schauen ob es klappt.
Agnes kommt aus Graz und ist wirklich sehr nett und wir verstehen uns sehr gut. Irgendwie eine verwandte Seele. Hoffe, dass ich sie noch öfters antreffen werde bis Santiago. Sie ist auch ein Grund warum ich es bis Les Setoux schaffen möchte Morgen…;-).
Jean-Claude hat mich gefragt, ob ich ab Le Puy mit ihm zusammen laufen möchte, da René da aufhört aber ich möchte lieber alleine weiter. Bin viel mehr bei mir und im jetzigen Moment wenn ich alleine laufe. Zu zweit verbrauche ich zuviel Energie mit Reden und verlaufe mich auch eher da ich immer abgelenkt bin. Möchte mich auch nicht verpflichtet fühlen und gemeinsam Etappen planen. Dies ist mein Camino und ich möchte ihn so laufen wie ich will ohne mich Absprechen zu müssen.
Heute Abend sind Frank und Sylvie unsere Gastgeber und wir Frauen sitzen nur am Tisch, trinken selbst gemachten Sirup und himmeln Frank an. Er ist SEHR attraktiv und offen, nur hat er leider eine Frau und die ist zudem auch sehr nett. Leider gibt es erst um 20.00 Uhr Abendessen hoffe, dass ich bis dann nicht verhungert bin. Vor dem Essen machen wir noch einen Spaziergang zum Croix Sainte Blandine welches auf einem Hügel steht. Agnes und ich klettern auf das Kreuz hoch und geniessen die schöne Rundumsicht. Dann sehen wir Stefan, der Pilger welcher ohne Geld unterwegs ist, mit seinem Kamerateam ankommen und wollen schnell die Flucht ergreifen, da wir keine Lust haben gefilmt zu werden. Stefan will hier sein Zelt aufstellen und die Nacht verbringen. Wir werden später nochmals vorbeikommen um ihn ein bisschen zu erschrecken…;-).
Vor dem Essen spielen wir noch eine Runde Dart und ich bin wirklich sehr schlecht und verliere haushoch.
Das Essen mit Frank und Sylvie war sehr gut und wir haben uns bestens unterhalten. Frank ist daran das Haus umzubauen und ab nächstem Jahr wird es hier eine wunderschöne Gîte geben. Wir sind noch zu früh dran aber die Yurte ist auch einzigartig!
Nach dem Essen gehen Agnes und ich nochmal zum Kreuz und wir heulen wie die Wölfe um Stefan zu erschrecken aber er ist gar nicht zu Hause. Wahrscheinlich ist er mit dem Kamerateam Essen gegangen (nehme an sie haben ihn eingeladen). Wir klettern nochmals zum Kreuz hoch und sitzen einfach in Stille beisammen. Schön, dass es Pilger gibt mit welchen man das kann. Dann sehen wir plötzlich Scheinwerfer und ein Auto kommen. Stefan ist zurück mit seinem Kamerateam und wir ergreifen mal wieder die Flucht…;-).

Les Setoux, 20.5.2008 (27 km)

Heute war eine Riesenetappe und ich habe nach genau 4 Wochen meine erste Blase am grossen Zeh! Dies musste gleich fotografiert und dokumentiert werden. Endlich kommt mein erstes Compeedpflaster zum Einsatz…;-). Im Grossen und Ganzen ist es aber recht gut gelaufen. Ich laufe wieder alleine und in meinem eigenen Rhythmus und treffe Andrina nur noch selten und manchmal abends in der Gîte und das ist gut so.
Hier in Les Setoux ist es saukalt, immerhin liegt das Dorf auf knapp 1200 m. Liege eingemummelt in meinem Schlafsack um nicht zu erfrieren bis es Abendessen gibt. Der Herbergsvater ist gerade vorbeigekommen und hat die Heizungen eingeschaltet. VIELEN DANK AUCH!!!
Am Freitag bin ich bereits in Le Puy und es gibt Gerüchte, dass schon alles ausgebucht sein soll. Habe deshalb die erste Nacht im Acceuil St. François reserviert vor allem auch weil ich am Wochenende ankomme.
Ich freue mich auf Le Puy, dies ist bereits das dritte Mal, dass ich diese Stadt besuche und sie wird immer etwas spezielles für mich bleiben. Dieses Mal werde ich den Kreuzgang besichtigen und zur Notre Dame du Puy hinaufsteigen, dann habe ich alles besichtigt in Le Puy.
Jetzt bin ich bereits seit 4 Wochen unterwegs und bald habe ich das erste Drittel meines Caminos geschafft. Die Zeit vergeht wie im Fluge und ich habe noch gar keine Lust in Santiago anzukommen. Bin froh, dass das Ziel noch weit entfernt ist. Ich möchte es in vollen Zügen geniessen und jeden Moment auskosten. Ich glaube kaum, dass ich nochmals von zu Hause aus Richtung Santiago starten werde. Ich bin so glücklich, dass ich den Mut hatte diesen Camino zu gehen. Es ist ein riesiges Geschenk!
Ab Le Puy werde ich dann hoffentlich auch jüngere Pilger treffen. Im Moment bin ich mit meinen 47 Jahren praktisch immer die Jüngste. Auf dem Teilstück von Genf nach Le Puy sind vor allem Rentner unterwegs, keine Ahnung woran das liegt.
Auf dem Weg zum Abendessen begegne ich Contin, ein Franzose welcher auch zu Hause gestartet ist. Er schläft bei dieser Kälte draussen vor der Kapelle. Das ist richtig Hardcore, nichts für mich ich bin nämlich ein Weichei…;-). Ich liebe warme Zimmer und Daunenschlafsäcke.
Hier im Schlafsaal sind schon alle im Bett nur ich schreibe noch mit meiner Frontallampe in meinem Tagebuch. Agnes kommt gerade von ihrem Spazierganz zurück und benutzt auch ihre Frontallampe. Ganz schön praktisch dieses Ding!
Es war sehr anstrengend Heute und das letzte Stück bin ich nur noch geschlichen aber trotzdem bin ich sehr stolz auf mich. Langsam bin ich richtig fit und kann auch längere Etappen laufen wenn auch nicht alle Tage. Meine linke Ferse schmerzt noch immer aber am nächsten Tag geht es immer wieder. Schmerz scheint mein ständiger Begleiter zu sein auf dem Camino.
Stefan schläft heute auch in der Gîte. Er ist den Camino letztes Jahr schon gelaufen und wollte dieses Jahr ausprobieren ob es auch ohne Geld geht. Das Kamerateam kommt auch gerade in den Schlafsaal um zu filmen wie er auf dem Bett liegt. Wir stellen viele dumme Fragen und lachen viel. Dummerweise kann er kein Französisch und dann muss er immer andere Pilger fragen welche für ihn Übersetzen wenn es darum geht wo er schlafen kann. Er probiert irgendwie seine Dienste anzubieten damit er gratis übernachten kann. Ehrlich gesagt reisst sich niemand darum für ihn zu Übersetzen. Ich könnte das nicht ohne Geld unterwegs sein und ständig andere Leute um Hilfe fragen. Wahrscheinlich ist das aber eine gute Übung denn sicherlich macht das einem demütig wenn man immer um Hilfe fragen muss.
Tence, 21.5.2008 (26 km)
Heute bin ich um 8.15 in Les Setoux los. Es war ziemlich kalt und windig. Ab und zu hat die Sonne geschienen aber es war vor allem kalt. Bis Montfaucon ist es eigentlich ganz gut gelaufen. Als ich da ankam taten mir aber schon die Füsse ziemlich weh. Habe dann eine Stunde Pause gemacht und ein Sandwich gegessen. Nachher kam ich fast nicht mehr in die Gänge. Unterwegs habe ich dann noch meine Blase aufgestochen und ein Compeedpflaster daraufgeklebt. Ich habe es singend und betend trotz meiner schmerzenden Füsse bis Tence geschafft.
Bin mit Agnes in einem Acceuil Jacquaire und wir haben beide ein eigenes Zimmer bekommen. Luxus pur! In der Yurte war es zu kalt und die Gastgeber haben uns dringend davon abgeraten. Es brauchte nicht viel um uns zu überzeugen uns in ein richtiges Bett zu legen…;-).
Dominique und Laurent sind in meinem Alter und haben 4 erwachsene Kinder zw. 16 und 23 Jahren. Zusätzlich haben sie noch Yasmina aufgenommen, eine 41-jährige Algerierin aus schwierigen familiären Verhältnissen mit psychischen Störungen. Die Franzosen scheinen wirklich keine Nachwuchsprobleme zu haben, hier sind kinderreiche Familien immer noch sehr häufig. Der Abend war nett wenn auch anstrengend. Nach dem Gehen ist man manchmal so müde und hat eigentlich gar keine Lust mehr sich zu unterhalten und Konversation zu machen. Man würde sich am liebsten einfach nur ins Bett legen… aber man kann die Gastgeber auch nicht vor den Kopf stossen.
Übermorgen bin ich in Le Puy. Vor Le Puy gibt es einen Aussichtspunkt den Montjoie, wie der Monte de Gozo in Spanien, wo man die Stadt zum ersten Mal sieht. Freue mich riesig darauf.

St. Julien Chapteuil, 22.5.2008 (26 km)

Schon wieder so eine lange Etappe aber meine Füsse tun nicht gar so weh wie gestern. Es war ein sehr schöner Tag und ich bin wieder ganz alleine gelaufen.
Morgen werde ich früh aufstehen und zeitig loslaufen. Es sind zwar nur 18 km bis Le Puy aber wenn ich schon am frühen Nachmittag ankomme habe ich noch viel Zeit einige Dinge zu erledigen. Freue mich darauf im Acceuil St. François ankommen zu können.

Le Puy-en-Velay, 23.5.2008 (18.5 km)

Bin im Acceuil St. François und fühle mich zum ersten Mal seit langem wieder etwas verloren. Ein wichtiger Wegabschnitt ist zu Ende gegangen und ein neuer Weg beginnt. Es ist wie wenn man wieder von vorne beginnen würde. Es ist auch nicht einfach Ruhetage einzulegen wenn alle anderen weiterziehen oder nach Hause fahren. Agnes wird morgen schon weitergehen, leider, hoffe sie aber irgendwann wiederzusehen. Ich fühle mich aber sehr müde und meine Füsse haben auch eine längere Pause verdient. Werde Samstag und Sonntag in Le Puy bleiben und erst am Montag Richtung St. Privat d’Allier aufbrechen.
Habe mir heute Trekkingsandalen gekauft und meine Turnschuhe werde ich Morgen nach Hause schicken. Leider ist das Paket welches ich gekauft habe zu klein und es passen nur gerade die Schuhe rein. Meine Reiseführer werde ich wohl dalassen müssen.
Muss mich erst noch an die Sandalen gewöhnen und dies ist auf dem Kopsteinpflaster in Le Puy gar nicht so einfach. Fühle mich wie auf Eiern…;-).
Heute Morgen habe ich mir einen Kaffee und ein Croissant in der Bar gegönnt bevor ich in St. Julien Chapteuil gestartet bin. Bin dann ganz beschwingt Richtung Le Puy losgelaufen. Vom Montjoie aus habe ich tatsächlich zum ersten Mal Le Puy gesehen und dann waren es aber immer noch 8 km bis man endlich in der Kathedrale ist. Es war wunderschönes Wetter und die Aussicht war den ganzen Tag grandios.
Dieses Mal war ich nicht so aufgelöst wie das letzte Mal als ich hier in Le Puy angekommen bin aber es ist trotzdem sehr schön hier zu sein. Ich bin vor allem unheimlich stolz auf mich habe jetzt nämlich schon 630 km zurückgelegt…;-). Würde eigentlich noch gerne raus gehen und meine Mitpilger suchen aber ich bin einfach zu müde. Morgen muss ich bis 8.30 das Zimmer verlassen. Werde meinen Rucksack hier lassen, da ich erst ab 15.00 Uhr in den Relais St. Jacques kann.
Le Puy, 24.5.2008
Heute beim Frühstück habe ich Michael getroffen welcher auch im Acceuil Jacquaire in Valencogne war. Haben uns darüber ausgetauscht wie schwierig Ruhetage sein können und dass man teilweise in ein richtiges Loch fällt aber für die Erholung des Körpers sind solche Tage wichtig. Dann musste er auf den Zug welchen ihn zurück nach Deutschland bringt. Er wird den Weg wahrscheinlich in einem Jahr fortsetzen. Als ich die Gîte verlassen wollte habe ich Konstantin und Michael getroffen. Dies sind zwei total süsse Berner welche ich zum ersten Mal kurz nach Clonas sur Varèze getroffen habe. Sie wollen ein Jahr unterwegs sein und sich mit Musik (Didgeridou) etwas Geld verdienen. Sie werden auch nicht nur dem Jakobsweg folgen denn sie wollen auch nach Barcelona. Bin mit ihnen ins Tam Tam gegangen, eine Bar mit Internet wo man auch frühstücken kann. Agnes konnten wir übrigens auch noch überzeugen in Le Puy zu bleiben und mit uns auszuhängen. Wollte hier eigentlich meinen Blog aktualisieren und habe dann festgestellt, dass ich nicht mehr reinkomme. Habe es 100 mal probiert und sogar Benutzerwort und Passwort in ein Textfile geschrieben aber es hat einfach nicht geklappt. Habe es dann völlig entnervt aufgegeben. Scheinbar war meine e-mail Adresse nicht mehr gültig weil ich mein Cablecom-Abo gekündigt hatte. Habe den Blog losgelassen und beschlossen, dass es einfach nicht sein soll. Wenn ich ehrlich bin hat es mich auch gestresst immer ein Internet zu suchen und von der französischen Tastatur reden wir schon gar nicht, denn die treibt einem zum Wahnsinn. Ja und ich will ganz bestimmt keinen Stress auf meinem Camino!
Abends sind wir dann alle zusammen Essen gegangen. Zuerst haben Agnes und ich noch bei strömendem Regen auf Michael und Konstantin gewartet aber sie kamen und kamen nicht. Habe dann beschlossen schon mal ins Restaurant zu gehen da ich um 22.00 Uhr im Relais St. Jacques sein musste weil sie um diese Zeit die Türen schliessen.
Nach dem Essen bin ich zusammen mit Elke nach Hause gelaufen und wir haben den Weg fast nicht mehr gefunden, da die Kathedrale geschlossen war. Habe es dann aber doch kurz vor 22.00 zurück in die Gîte geschafft. Bin freudig hereingestürmt und wurde gleich mit einem dreifachen Psssssssst empfangen. Oje, war ich mal wieder zu laut. Habe dann beschlossen am nächsten Tag nochmals umzuziehen nämlich ins Grand Seminaire, da kann man rein und raus wie man will und muss sich an keine Sperrstunde halten.
Das Dortoire hier ist sehr speziell, es besteht aus kleinen Kabinen mit einem Vorhang davor. Frauen und Männer sind in getrennten Räumen. Hat irgendwie etwas von einem Lazarett. Die Luft im Schlafsaal ist schier gestanden und es hat gestunken. Leider konnte ich kein Bett am Fenster ergattern, das tue ich meistens wenn es irgendwie geht. Habe nämlich festgestellt, dass die meisten am liebsten mit geschlossenem Fenster schlafen und da kriege ich die Krise. Ich brauche Luft zum atmen! Zudem hat eine der Frauen geschnarcht wie ein Weltmeister! Habe mich dann aufs Bett gelegt, eine Schlaftablette genommen und mit meinem i-Pod Ekhart Tolle gehört. Als ich müde wurde; Ohropax rein und schlafen.

Le Puy, 25.5.2008

Heute stand ich um 8.00 Uhr morgens schon wieder auf der Strasse und bin bei Wind und Regen im ausgestorbenen Le Puy herumgeirrt. Zuerst habe ich noch meinen Rucksack ins Grand Seminaire reingeschmuggelt. Agnes hat mir am Abend vorher den Code der Eingangstüre mitgeteilt. Am Sonntag ist hier alles zu vor allem die Bars waren nicht offen damit man einen Kaffee hätte trinken können. Bin dann später wieder ins Grand Seminair zurückgegangen und habe im Esssaal Michael, Konstantin und Agnes getroffen. Habe mit ihnen zusammen gefrühstückt und dann auch gleich ein Zimmer bekommen. Musste Gott sei Dank nicht bis 16.00 Uhr warten, dann macht die Herberge nämlich offiziell auf, bei diesem Sauwetter! Hätte echt nicht gewusst was ich bis 16.00 Uhr machen soll. Ich habe ein riesiges Zimmer mit einem Doppelbett bekommen und die anderen waren alle ganz neidisch. Es sind dann auch alle immer wieder zu mir rübergekommen und das war richtig schön. Agnes hat uns allen eine Shiatsu-Sitzung gegeben und dies war ein wunderbares Geschenk. Habe mich danach wie neugeboren gefühlt. Sie macht das richtig toll! Werde sie dann mal zum Essen einladen als Gegenleistung, wenn sie mir nicht schon bald davon läuft. Denn sie läuft eigentlich grössere Etappen wie ich. Sie ist wirklich total sympathisch und wir hatten von Anfang an einen guten Draht miteinander. Hoffe, dass sie mir noch eine zeitlang erhalten bleibt.
Michael und Konstantin werden Morgen Richtung Arles weiterziehen und Agnes und ich nehmen die Via Podiensis. Wir werden heute Abend im Grand Seminaire zu Abend essen und anschliessend noch zusammen mit Elke was trinken gehen.

Eine Antwort auf „8.5. – 25.5.08 von Genf bis Le Puy

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