27.4. – 29.4.2008 Von Le Bémont nach Neuchâtel

Neuchâtel, 29.4.2008

Nun bin ich also in Neuchâtel gelandet, lag eigentlich nicht auf meiner Route. Heute morgen in Les Vue des Alpes auf 1280 m habe ich aus dem Fenster geschaut und da hat es geschneit. Habe mich einfach nicht getraut eine Bergtour auf ca. 1400 m Höhe zu machen, bei Schnee und ganz alleine ausserdem macht das Militär auf dieser Strecke noch Schiessübungen. Habe deshalb mein Programm kurzfristig umgestellt und bin runter nach Cernier gelaufen um dort den Bus zu nehmen nach Neuchâtel. Jetzt scheint wieder die Sonne aber was solls, ich werde mir jetzt einen ruhigen Tag gönnen, ein paar Sachen erledigen wie z.B. meinen Blog auf dem laufenden halten. Auch ist gestern mein i-Pod ausgestiegen und ich war total traurig, da es meine einzige Möglichkeit ist mich etwas zu unterhalten. Habe mir auch soviel Mühe gegeben alles was ich brauche darauf zu laden. Meinen Spanischkurs, das Hörbuch die vier Säulen, spirituelle Texte und natürlich meine Musik. Gestern im Hotelzimmer wollte ich gerade mit dem Hörspiel anfangen, draussen hat es geregnet und es war richtig eklig. Habe es mir im Bett gemütlich gemacht und dann ging nichts mehr. Da hiess es wieder mal loslassen und ich habe auch gesehen, wie abhängig ich schon von meinem i-Pod bin. Vorher war ich in einem Mac-Shop und die haben gemeint man müsse ihn nur aufladen (Ha, ha, ha). Habe ich ja gestern versucht aber das ging auch nicht aber es sollte scheinbar einfach nicht sein.
Heute Abend werde ich den Zug nach Noiraigue nehmen, das war eigentlich das Etappenziel des heutigen Tages und schauen ob ich Morgen dann weiterkomme. Das Wetter soll zwar die nächsten 2 Tage ziemlich regnerisch sein. So ich werde jetzt die letzten paar Tage ein wenig zusammenfassen damit ihr seht wo ich überall war.
Von Le Bémont bin ich weiter nach La Cibourg. Es war ein wunderschöner Frühlingstag und ich habe zum ersten Mal so richtig Sonnencrème gebraucht. Auch hatte ich zum ersten Mal richtige Glücksgefühle unterweg zu sein. Ich kriege dann am ganzen Körper eine Hühnerhaut und eine tiefe Freude steigt in mir auf. Es war auch eine wunderschöne Wanderung über Weiden, Wiesen und lichte Wälder. Aber wie das halt so ist hält diese Freude auch nicht ewig und später wurde es mir dann zum ersten Mal mulmig als ich zwischen den Kühen hindurch musste.  Da habe ich nämlich immer Angst und wenn ich es irgendwie vermeiden kann dann mache ich das auch. Dieses Mal bin ich am elektrischen Zaun aussen rum bis kurz vor dem Gatter und habe mich dann unter dem elektrischen Zaun mit meinem Rucksack unten durch gezwängt. Dann bin ich schnell zum Tor und raus. Puuuhhhhh, nochmal davon gekommen. Es ist ja nicht so, dass Kühe generell aggressiv sind aber ich habe es einmal erlebt als ich mit Willi unterwegs war und wir über den Stachelzaun flüchten mussten. Willi hat sich dann noch die Hose zerissen.
Kurz vor La Ferrière habe ich mich dann noch so richtig über die Jurassier geärgert welche beim Höhenweg ständig die Wege neu verlegen und zwar so, dass man richtige Umwege machen muss und am Schluss merkt man dann, dass man einfach die Strasse ein Stück geradeaus hätte weiterlaufen müssen. Ist ja nett gemeint, dass man nicht auf der Strasse laufen muss aber ich ziehe es vor wenn ich nicht unnötige Umwege dafür machen muss. Man macht dann immer noch zusätzliche Kilometer und meistens dann wenn man sowieso schon nicht mehr mag.
In La Ferrière habe ich dann meinen Aerger über die Jurassier mit einem Panaché runtergespült und dann war meine Welt auch schon wieder in Ordnung. Vor allem wenn man in einer symphatischen Gartenwirtschaft sitzt und einem die Sonne ins Gesicht scheint, da kann man ja nicht lange sauer sein…;-).
Bin dann ganz beschwingt weiter nach La Cibourg auf den Campingplatz gewandert. Da hatte ich das ganze Massenlager für mich alleine. Das war wie ein riesiges Appartement mit Wohnzimmer, Küche usw. Habe mir abends dann den Tatort reingezogen, eingemummelt in meinen Schlafsack im riesigen Fauteuil. In die Betten konnte ich mich quer reinlegen…;-).
Von La Cibourg bin ich dann erst so um 10.00 los da ich nur eine kurze Etappe bis la Vue des Alpes geplant hatte. Zwischen La Vue des Alpes und Noiraigue gibt es sonst nichts zum übernachten und da auf den Nachmittag Regen vorhergesagt war, war mir das auch ganz recht so. Bin bei Sonnenschein los und dann hat es immer wie mehr zugemacht und nach einer Stunde hat es dann angefangen zu regnen. Kurz vor den ersten Tropfen habe ich noch eine Pause gemacht, das war perfektes Timing. Der Regen war nicht sehr stark aber ich war froh, dass es nicht mehr weit war. Es ging dann noch durch den Wald und steil den Berg hinauf. Ich habe gekeucht wie eine Dampfwalze…;-). Mein Muskelkater ist seit gestern weg und überhaupt habe ich bis jetzt nur wenig Probleme mit meinem Körper. Habe nur Probleme mit dem Wetter! Hoffe, dass ich Morgen weiter kann. Vielleicht gibt es halt wieder nur eine kurze Etappe. Morgen geht es auf den Creux du Van und ich hätte mir dieses Mal gewünscht, dass es schönes Wetter gibt, da ich letztes Mal als ich mit Willi unterwegs war auch schon bei strömendem Regen unterwegs war. Na ja wir werden ja sehen. So ich mache jetzt Schluss mit meinem Eintrag von heute und melde mich dann wieder wenn mir ein Computer mit Internetanschluss über den Weg läuft. Man trifft sie nicht an jeder Ecke hier im Jura auf dem Höhenweg…;-).

23.4. – 26.4.2008 von Basel nach Le Bémont

am donnerstag bin ich dann um 9.00 los und zwar nochmal eine kurze etappe bis Kleinlützel. dort bin ich im gasthaus zum engel abgestiegen und hatte ein zimmer ganz für mich alleine. war schon ziemlich früh in Kleinlützel und habe dann noch einen ausflug nach röschenz gemacht. Leider habe ich pfarrer szabo nicht angetroffen, sonst hätte ich mir von ihm noch einen pilgersegen geben lassen. das wetter hatte es bis anhin gut mit mir gemeint, nur ab und zu ein paar regentropfen aber nicht mal genug um die regenpellerine auszupacken.
am abend habe ich mir dann mit ein paar leuten vom dorf den fussballmatch YB – Luzern reingezogen und habe mich natürlich gefreut, dass YB verloren hat…;-).

am freitag morgen als ich beim frühstück sass habe ich mal kurz zum fenster rausgeschaut und es hat in strömen geregnet. es hat dann aber bald aufgehört und mehr als ein paar tropfen habe ich nicht abgekriegt. es sah aber den ganzen tag grau und trübe aus und ich habe jeden moment einen regenschauer erwartet. er kam aber gott sei dank nicht. dies war meine erste richtige etappe bis Les rangiers und abends war ich fix und fertig. eigentlich hätten es nur 20 km sein sollen aber die haben im jura die wege teilweise anderst angelegt und schlussendlich habe ich bestimmt 25 km gemacht, wenn nicht mehr. ich bin zum ersten mal an meine grenzen gestossen und habe mich mal wieder gefragt, warum ich mir das eigentlich antue. Hatte mal wieder keine antwort aber ich weiss dass so momente vorbeigehen. 
gegen schluss der etappe habe ich mich dann noch verlaufen und habe dann völlig verzweifelt im hotel angerufen wo ich ein zimmer reserviert hatte um nach dem weg zu fragen. die frau am telefon hat mir dann den weg erklärt und schlussendlich habe ich es dann doch noch gefunden. Ich habe dann noch schnell mit willi telefoniert weil ich jemanden gebraucht habe der mich aufstellt. willi bringt mich immer zum lachen und dann geht es mir gleich wieder besser. Ich war total müde und erschöpft. im restaurant habe ich dann mit einem wanderpäarchen zu abend gegessen.
Ich bin dann ins bett und habe 2 panadol geschluckt weil mir mein rücken und meine füsse so richtig weh getan haben. in diesem moment habe ich geblaubt, dass ich am nächsten tag keinen einzigen schritt mehr machen kann.

Heute morgen, am 26. april bin ich dann wieder früh los zusammen mit dem wanderpaar. es war strahlend schön aber kalt. die strecke von les rangiers nach saignelegier ist bekannt als panoramaweg und es ist wirklich sehr schön. man geht viel über weiden und durch lichte wälder. teilweise kommt es einem vor wie im Märchen. ich hatte immer mal wieder krisen zu überstehen weil mir die füsse so weh taten aber schlussendlich habe ich es dann doch bis zur jugendherberge in le bemont geschafft. so ich muss aufhören, das ist so mühsam mit dieser tastatur es ist zum verzweifeln. Ich melde mich dann wieder.

Le Bémont, 26.4.2008
endlich, endlich bin ich an einem ort wo es Internet hat. werde alles in kleinschrift schreiben da die tastatur echt mühsam ist.
Ich bin am letzten Mittwoch in basel vom Neuwilerplatz gestartet und habe nur eine kurze etappe bis Mariastein gemacht. es war ziemlich nass und rutschig, da es die tage vorher ja ausgiebig geregnet hatte. Prompt bin ich natürlich ausgerutscht und habe danach ausgesehen als hätte ich in die Hosen geschissen. dabei hatte mich ein nettes ehepaar noch gewarnt ich solle auf der strasse bleiben da es so rutschig sei aber eben wer nicht hören will muss fühlen. Ich habe mich vor biel-benken auch noch verirrt und eine ausländerin hat mir dann den weg gezeigt. war irgendwie lustig. Ich war dann um 15.00 schon in Mariastein und um 15.30 ist dann silvie mit dem bus gekommen. sie wollte zuerst die etappe mitlaufen hatte dann aber schmerzen im fuss und dann ist sie nach Mariastein gefahren um mich zu verabschieden. wir sind dann zusammen in die gnadenkapelle und ich habe eine Kerze angezündet und um Schutz auf meinem Weg gebetet.

silvie ist dann mit dem bus nach hause gefahren und ich habe noch den kurzen weg bis zur jugendherberge zurückgelegt. die jugendherberge von Mariastein-rotberg ist in einer burg untergebracht und man fühlt sich zurückversetzt ins mittelalter. Ich habe meine erste Nacht im schlafsaal gut überstanden aber ausser mir hatte es auch nur einen Mann mit 2 kindern.