30.4. – 6.5.2008 von Noiraigue nach Genf

Heute bin ich nun in Genf angekommen und habe nach langem Suchen endlich enen Platz zum Schlafen gefunden. Bin im Heim der Töchter untergekommen..;-), ist mir eigentlich egal wo Hauptsache ich habe einen Platz zum Schlafen. Habe schon auf dem Weg hierher versucht telefonisch etwas zu reservieren aber überall habe ich nur ein „nous sommes complet“ zur Antwort erhalten. War schier am verzweifeln und habe mir schon überlegt, direkt nach Frankreich weiterzulaufen. Das wären dann nochmal ca. 10 km gewesen und ich habe einiges zu erledigen in Genf. Muss z.B. die Sachen ersetzen, die ich unterwegs liegengelassen oder verloren habe, wie z.B. mein Sackmesser oder mein Duschgel. Genf ist eine riesige Stadt aber die Altstadt ist wunderschön. Jetzt habe ich bereits seit einer Woche nichts schreiben können und weiss gar nicht wo ich anfangen soll.

Von Neuchâtel bin ich dann Abends mit dem Zug nach Noiraigue gefahren und hatte wie so oft das Dortoire (Massenlager) für mich alleine. War ein bisschen öde da und im Restaurant haben sie gerraucht wie blöde. Habe mich dann ziemlich schnell verzogen und bin früh zu Bett gegangen. Das Frühstück für den nächsten Tag hat mir die Madame gleich mitgegeben da sie am nächsten Tag frei hatte und natürlich nicht aufstehen wollte. Für mich war das auch Ok da ich so früh los konnte da sie für den nächsten Tag ab Mittag Regen vorausgesagt hatten.
Ich war dann um 6.45 schon unterwegs und bin den Creux du Van raufgestiegen. Um 8.15 war ich schon auf dem Soliat und habe mich mal wieder gefragt, ob ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe. Da oben war es saukalt, es ging eine eisige Bise und ich lief Mutterseelenallein da oben rum. Dafür habe ich Gemsen gesehen und dann gedacht, dass ich vielleicht doch nicht ganz alleine bin. Ich war ziemlich flott unterwegs da es konstant nach Regen aussah. Kurz vor La Combaz kam ich auf eine Hochebene und da hat es fast schon gestürmt und mich schier davon geblasen. Habe dann in beschlossen in La Combaz den Bus zu nehmen und bis Ste-Croix zu fahren. La Combaz war aber leider kein Ort sondern nur ein Restaurant welches auch noch zu hatte. Bei der Bushaltestelle gab es keinerlei Angaben wann der nächste Bus fährt. Das Wetter wurde immer schlechter und ich bin dann der Strasse entlang gelaufen und wollte Autostopp machen. Nach langer Zeit hat dann auch wirklich ein Auto gehalten und ein Vater mit seinem Sohn hat mich mitgenommen. Zuerst wollten sie mich nur bis zur nächsten Verzweigung mitnehmen doch dann fing es so heftig an zu schneien, dass sie Mitleid mit mir hatten und mich bis Ste-Croix gefahren haben. Dafür war ich Ihnen endlos dankbar. Habe mich dann in das nächste Café gesetzt und erst mal abgewartet dass es aufhört zu schneien, dann habe ich mir eine Bleibe gesucht und war froh nicht mehr weiter zu müssen. Am nächsten Tag sollte das Wetter etwas besser werden hatten sie vorausgesagt.
Am nächsten Tag bin ich relativ spät los da es erst ab 8.15 Frühstück gab. Das Wetter war besser als am letzten Tag. Es war zwar immer noch saukalt und ab und zu gab es ein paar Graupelschauer aber im grossen und ganzen war es zum aushalten. Bin mal wieder eine ganze Etappe bis Vallorbe gelaufen. Mein Verstand hat mir auch wieder ein paar mal gesagt, dass ich wohl bescheuert sein muss aber ich habe einfach versucht die Stimme in meinem Kopf zu ignorieren und dies ist mir auch ganz gut gelungen. Ich hätte dann den Berg Le Suchet besteigen sollen und innerlich habe ich mir ganz fest gewünscht, dass es doch eine Abkürzung gibt und ich nicht da rauf muss, weil es doch so kalt war. Ich bin dann in der Grange Neuve abgestiegen und habe einen Kaffee getrunken und mich am offenen Feuer aufgewärmt. Dann bin ich weiter und prompt wie auf Bestellung kam die gewünschte Abkürzung. Ich war so glücklich und bin ganz beschwingt weitergelaufen. Irgendwie scheinen meine Gebete immer erhört zu werden und wenn ich Hilfe brauche kriege ich sie auch. Das ist ein gutes Gefühl und macht mich total dankbar. Ich konnte nie lange Pausen machen denn jedes Mal wenn ich mich hingesetzt habe und gerade fertig mit meinem Brötchen war kam wieder ein Graupelschauer und ich musste schnell weiter. Ich war dann dementsprechend müde und die letzten 4 km bis Vallorbe bin ich nur noch geschlichen. War dann froh, als ich in der Augerge pour tous angekommen war und endlich meine Füsse hochlegen konnte.
Von Vallorbe bin ich dann nach Le Pont. Dies war ein kurze Etappe bei schönem Wetter und ich habe mir Zeit genommen etwas Sight seeing zu machen. Zuerst habe ich die Grotten von Orb besucht. Das war sehr beeindruckend und auch etwas unheimlich. Ist irgendwie ein komisches Gefühl soviel Fels über einem zu wissen, man fühlt sich ein wenig eingesperrt. Aber es ist wirklich sehr empfehlenswert und sehr schön gemacht für die Touristen. Mit viel Beleuchtungseffekten….;-). Man sieht auch den Fluss Orb welcher hier unterirdisch durch die Grotte verläuft. Ich war aber trotzdem froh als ich wieder draussen war.
Dann ging es weiter zum Dent de Vaulion ein Aussichtsberg wo man eine wunderschöne Aussicht hat über den Lac Leman. Habe da sogar jemanden von Basel getroffen welcher auch gerade eine Auszeit gemacht hat…;-).
In Le Pont bin ich in einem wunderschönen Hotel direkt am Lac de Joux abgestiegen und habe mich mit Eglifilet verwöhnen lassen. Schliesslich war heute ja mein Touristentag!
Von Le Pont ging es dann auf den Col dur Marchairuz. Ja das war vielleicht eine abenteuerliche Etappe, bin ehrlich gesagt froh, dass ich sie heil überstanden und mich nicht irgendwo da oben verlaufen habe. Ich bin stundenlang durch den Schnee gestapft und war eigentlich nur froh, dass ich den Spuren im Schnee folgen konnte, denn Wegweiser hat man nicht wirklich gesehen. Ich habe mir mehrmals überlegt umzukehren denn es kam mir schon fast leichtsinnig vor so in den Bergen zum zu laufen. Ich war schon fast etwas am verzweifeln und habe mir gesagt wenn ich bis zu diesem Punkt 50 m vor mir niemanden treffe oder ich keinen Grund auf Hoffnung habe, dass ich es schaffen kann, kehre ich um. Als ich zu diesem Punkt kam lief da vor mir ein Paar und ich konnte es mal wieder nicht fassen, dass mein Gebet so schnell erhört wurde. Ich bin ihnen dann einfch hinterher gelaufen und habe mir immer gesagt, dass ich sie einfach nicht aus den Augen verlieren darf. Kurz vor dem Mont Tendre haben sie dann Pause gemacht und ich bin ziemlich orientierungslos und schon fast in Panik rumgelaufen. Habe mich schon gesehen wie ich mich verirre und elendiglich sterbe da oben auf 1600 m. Habe mir dann ein Herz genommen und das Paar nach dem Weg gefragt und die haben mich dann wieder auf den richtigen Weg geschickt. Ohne sie wäre ich komplett verloren gewesen. Endlich war ich dann auf dem Gipfel des Mont Tendre auf 1680 m und da oben hatte es ganz viele Leute und ich war total glücklich nicht mehr allein zu sein. Auf dem Weg runter ging es dann im gleichen Stil weiter, bin stundenlang durch den Schnee gestapft und habe immer wieder den Weg gesucht. Aber immer wenn ich wirklich Hilfe brauchte kam sie auch entweder in Form einer Person oder eines Wegweisers. Ich habe auch immer wieder einen Vater mit 2 Söhnen getroffen und dies hat mir auch geholfen diesen Tag zu überstehen. Ich bin dann fix und fertig auf dem Col du Marchairuz angekommen und habe mich überglücklich diesen Tag überlebt zu haben auf das Bett gelegt.
Vom Col du Marchairuz ging es dann nach St. Cergue wo ich in einem Hotel gelandet bin wo es so richtig unsymphatisch war. Hatte das erste Mal das Gefühl, so richtig über den Tisch gezogen zu werden. Aber lassen wir das es lohnt sich nicht mal darüber zu schreiben. Ansonsten war es ein wunderschöner Tag mit strahlenden Sonnenschein. Verglichen mit dem vorigen Tag war es heute ein Spaziergang. Am Anfang bin ich noch im Schnee rumgestapft aber wirklich erschüttern konnte mich das nicht mehr. Habe auch noch ein paar Mal den Weg gesucht aber nach dem gestrigen Tag war das Peanuts.
Am nächsten Tag bin ich dann weiter nach Founex. Hätte eigentlich noch die zweithöchste Erhebung des Juras nämlich den Mont Dôle besteigen müssen aber nach den Erfahrungen auf dem Mont Tondre habe ich mir das geschenkt und bin direkt runter nach Nyon. In Nyon habe ich mir dann im Touristenbüro Infomaterial mit Uebernachtungsmöglichkeiten vom Schweizer Jakobsweg geben lassen. Der Schweizer Jakobsweg scheint vor allem aus einem zu bestehen nämlich aus Strassen auf dem der arme Jakobspilger dann seine Füsse ruiniert. Zum ersten Mal haben mich meine Füsse so sehr geschmerzt, dass ich Abends fast nicht mehr laufen konnte und das dank der geteerten Strassen. Na ja dies war wahrscheinlich die Strafe dafür, dass ich den zweithöchsten Berg des Juras gemieden habe…;-). Der Jura-Höhenweg ist wirklich sehr zu empfehlen, er ist sehr schön und man läuft praktisch nie auf Strassen. Das nächste Mal würde ich aber erst im Juni loslaufen…;-).
Ja und heute bin ich also von Founex nach Genf wobei ich das letzte Stück den Zug genommen habe damit ich mehr Zeit für die Zimmersuche habe. Es war praktisch wieder alles auf der Strasse aber landschaftlich sehr schön.
Ja und jetzt bin ich in Genf und wenn ich im Töchterheim 2 Nächte bleiben kann gibt es Morgen einen Ruhetag bevor es in Frankreich weitergeht. Von den Finanzen her bin ich froh, dass ich die Schweiz bald hinter mir habe denn es war ziemlich teuer. Musste öfters im Hotel übernachten da es einfach nichts anderes gab und unter 100.- Franken kommt man dann selten weg.
So jetzt seit ihr wieder informiert. Mir geht es im grossen und ganzen sehr gut und auch meine Füsse machen bis jetzt gut mit. Freue mich auf das Abenteuer Frankreich. Bis bald. Françoise

8 Antworten auf „30.4. – 6.5.2008 von Noiraigue nach Genf

  1. Hallo Françoise,Immer wieder lese ich gerne deine aktuellen Posts, finde es bereichernd und kann mitfühlen wie es Dir in Zeiten der Orientierungsnot in den Jurabergen ergangen sein muss. So gegen Wind und Wetter ankämpfen wie es die Statue des hl.Rochus auf dem San Roche in Spanien überdeutlich zeigt. Ich wünsche Dir viele Gebetserhörungen auf deinen zukünftigen Wegetappen und diese grosszügige Dankbarkeit, wie man sie nur selten erlebt.

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  2. So, nun schreibe ich schon wieder und weiss immer noch nicht, ob Dumich überhaupt lesen kannst! Deinen Beriucht habe ich gelesen u.kann Dich nur bewundern, was Du daalles schaffst, unglaublich!Ich denke so viel an Dich und alle meine guten Wünsche begleiten Dich.Lexi

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  3. Hallo FrançoiseViel Kraft für Deine nächsten Etappen. Ich bin sehr gespannt auf Deine weiteren Berichte.Griessli us em Laufetal.Pizokel

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  4. Hallo Francoise,wir kennen uns nicht, da ich nur durch Zufall im Internet auf deinen Blog gestoßen bin. Ich bin im letzten Jahr den Jakobsweg von SJPDP nach SDC gegangen und habe einige Pilgererfahrung. Was allerdings Du im Augenblick unternimmst stellt meine kleine Reise vom vergangenen Jahr deutlich in den Schatten. Ich bewundere deinen Mut und dein Selbstvertrauen und freue mich, hoffentlich bald wieder etwas von Dir lesen zu können.Viele Grüße von Helmut aus Deutschland

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  5. Hallo ihr Lieben,Leider komme ich nicht mehr in meinen Blog rein. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich Cablecom gekuendigt habe und meine e-mail Adresse nicht mehr gueltig ist. Mal schauen ob ich einen anderen Weg finde. Bin gestern in Le Puy angekommen und werde erst am Montag weiterlaufen. Es geht mir gut und ich fuehle mich sehr dankbar, dass ich diese Zeit fuer mich habe und alles bisher so gut laeuft. Ich gruesse euch alle ganz herzlichFrançoise

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  6. Freue mich, dass Dir so gut geht!Würde so gerne ein kleines Stückchen mit Dir gehen, wenn es nur möglich wäre! Wünschen Dir auch weiterhin alles Gute und bin sehr stolz auf Dich, Lexi

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  7. Hey Francoise – bin ganz happy dass ich von deinem Abenteuer mitbekommen habe und finde es toll dass du soviel Mut hast!!! Kannst du dich noch an deine alte Freundin Sourabh erinnern??? Alles Liebe – von meiner eigenen \“Pilgerreise\“ – Sourabh

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  8. Hallo Francoise,es wäre schön, wenn man Deinen Pilgerbericht weiterverfolgen könnte.Vielleicht findest Du eine Möglichkeit dazuan anderer Stelle im Netz. Vielen DankMatthias

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