Tag 2, Bolder Oaks Campground, Km 41.9, Höhe 970m

Ich habe wunderbar geschlafen in meinem Zelt trotz schwierigem Aufbau. Mit Froschgequake eingeschlafen und mit Vogelgezwitscher aufgewacht. Zum Frühstück gabs Haferflocken und Kaffee. Das Abbauen des Zeltes und Packen des Rucksacks dauert noch ziemlich lange. Habe fast 2 Std. gebraucht. Dies wird bestimmt noch besser werden. Dann kam der steile Aufstieg Richtung Lake Morena und ich hatte überhaupt keine Energie. Wahrscheinlich war ich noch müde von Gestern. Aber an Schönheit ist dieser Trail kaum zu übertreffen. Es ist einfach grandios! Ich habe es mir viel karger vorgestellt, nicht so vielseitig und grün. In Lake Morena sind wir zum ersten Mal mit Trail Magic überrascht worden. Auf dem Campingtisch stand eine Kühlbox mit Cola, Bier und sogar etwas Gras lag gekühlt dabei😉. Daneben lag noch ein leckeres Mountain House Dinner was ich mir gleich fürs Abendessen mitgenommen habe. Man hatte sogar den Rand angeschnitten um es leichter zu machen. So dachte ich auf jeden Fall, denn als ich abends mein leckeres Essen vorbereiten wollte musste ich feststellen, dass sich in dem Beutel nur Abfall befand. Krass oder? Musste dann halt mein Menü auf Cous Cous umstellen😖.

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Wir mussten heute auch unsere ersten Flüsse überqueren. Das heißt Schuhe aus, Wasserschuhe an und möglichst ohne umzufallen den Fluss oder Bach durchqueren. Ein richtiger Thru Hiker zieht die Schuhe nicht aus sondern läuft in seinen Trailrunnern ohne mit der Wimper zu zucken einfach durch. Vielleicht werde ich ja auch noch so tough und cool😉.

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Wir sind jetzt auf einem Campground. Man wählt sich einfach eine Stelle aus und wirft dann am nächsten Tag einen Briefumschlag mit dem Geld in den Kasten. Was wir übrigens heute Morgen vergessen haben😬.

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Ich hatte übrigens wieder einen Kampf mit meinem Zelt. Zu meiner Entlastung muss ich aber sagen, dass es tierisch gewindet hat. Schon mal probiert ein Zelt bei starkem Wind aufzustellen? Eben. Zudem war der Boden an der einen Stelle zu weich und an der anderen zu hart. Ich habe 3 Anläufe genommen und immer wieder die Stelle gewechselt. Es war zum verzweifeln! Ich muss aufpassen, dass mein PCT Name nicht „die mit dem Zelt kämpft heißt“. Es ist so ein Brauch auf diesem Trail, dass man einen Trailnamen erhält…

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So ich werde jetzt ins Zelt gehen, es steht noch, und ein Spongebad nehmen. Das heißt den Schweiß mit einem feuchten Bandana abwischen, so gut es geht, damit man dann in seine Schlafkleider steigen kann.

 

Tag 1, Hauser Creek, km 24.7

Was für ein erster Tag! Heute morgen um 6.00 war Abfahrt Richtung Mexikanische Grenze. Wir hatten mit dem Auto eine Stunde und mir war ziemlich schlecht, vor Aufregung aber auch weil ich nicht viel geschlafen hatte. Mein Blutdruck war komplett in Keller und ich konnte mir in diesem Moment nicht vorstellen wie ich in meinem Zustand auch nur einen Schritt Richtung Kanada machen könnte. Wir sind dann Richtung PCT Monument gelaufen und haben die obligaten Fotos geschossen. Ja und dann war es endlich soweit, wir haben unseren Rucksack geschultert und haben uns auf den Weg gemacht. Zuerst wusste ich nicht in welche Richtung und Scout fragte mich ob ich den nicht zugehört hätte. Ich sagte, Nein, ich wäre viel zu aufgeregt. Er lachte und meinte, gehe einfach nach Norden. In dem Moment als ich losgelaufen bin war plötzlich alles gut. Wie wenn ich das schon immer gemacht hätte. Die Nervosität war weg, ich hatte keine Angst mehr und  schlecht war mir auch nicht mehr. Ich habe die ersten Schritte auf dem PCT zusammen mit Estefania gemacht. Sie kommt aus Südamerika lebt aber in Madrid. Sie hat einen ganz kleinen Rucksack, ein Basisgewicht von ca. 6kg!

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Ich musste bald zum ersten Mal in die Büsche, weil die Blase drückte. Dabei ist mir meine Sonnenbrille runtergefallen ohne dass ich es gemerkt hätte. Als ich Estefania schon wieder eingeholt hatte bemerkte ich Gottseidank, dass sie fehlte. Ich lief zurück und da lag sie auf dem Boden und wartete auf mich. Geht ja wohl nicht, dass ich in der ersten Stunde auf dem PCT bereits etwas verliere!

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Estefania lief schneller als ich und so trennten sich unsere Wege immer wieder aber spätestens wenn ich Wasser benötigte holte ich sie wieder ein. Da es ein schneereicher Winter war hatten wir immer genügend Wasser. Jeder kleine Bach oder Fluss war am fliessen dieses Jahr. In den letzten 6 Jahren der Trockenheit, mussten die Hiker viel mehr Wasser schleppen als wir heute. Ich wurde dann auch etwas nachlässig und habe meinen Wasservorrat nicht ganz aufgefüllt bei der letzten Möglichkeit, sodass ich dann gezwungen war bis Hauser Creek durchzulaufen. Estefania beschloss, bereits früher zu campen. Vielleicht auch wegen dem attraktiven jungen Hiker, der gerade auf der Campsite erschienen war? Na ja, ich hatte auf jeden Fall keine Wahl und zog alleine weiter. Sehr bald kam dann wieder ein Bach wo ich mein Wasser auffüllen konnte.

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Am Hauser Creek waren schon einige Hiker und ich suchte ein Plätzchen für mein Zelt. Ich hatte dieses Zelt noch nie aufgebaut deshalb war ich etwas nervös. Als es endlich stand wollte ich es noch etwas spannen und dann brach die ultraleichte Zeltstange! Kann doch wohl nicht wahr sein und dies am ersten Tag! Ich musste dann das Zelt mit meinen Trekkingstöcken aufbauen. Als ich fertig war holte ich meinen Foodsack aus dem Zelt und setzte mich zu den deutschen Hikern. Ich gönnte mir am ersten Abend eine Lasagne von Montain House, mmhhhh lecker! Nach dem Abendessen wollte ich mich in mein Zelt zurückziehen. Ich kam mit meinem Fuss an den Trekkingstock und mein ganzes Zelt brach wieder zusammen! Mann war ich genervt! Ich beschloss, dass ich mich kein halbes Jahr mit diesem Zelt rumschlagen würde, sondern ein neues kaufe! Schlussendlich stand es aber wieder und ich konnte endlich mein müdes Haupt hinlegen.