03.10.2015 Mos, 23.0 km

So jetzt bin ich wirklich alleine in Mos. Die Mädels sind wahrscheinlich in O Porrino geblieben. Ich wusste ja, dass es früher oder später so kommt, da ich meinen Rückflug 4 Tage früher habe wie sie und am 7. Oktober bereits in Santiago sein muss. Wahrscheinlich sehe ich sie erst in Santiago wieder. Schade, hatte mich richtig an sie gewöhnt. Heute muss ich wieder in einem Schlafsaal schlafen, da es hier ausser der öffentlichen Herberge leider gar nichts gibt. Hoffe, dass es gut geht.
Der Tag heute war sehr schön. Es gab Gott sei Dank eine Alternative die an der Industriezone vorbeiführte wenn sie auch etwas länger war, hat es sich auf jeden Fall gelohnt sie zu nehmen. Nach 8.5 km gab es in Orbenlle endlich Frühstück! Da habe ich die Mädels zum letzten Mal getroffen und wir haben zusammen gefrühstückt. Weiter ging es nach O Porrino wo ich mich ein paar holländischen Pilgern angehängt habe um Mittag zu essen. Sie hatten gerade nach dem Weg zum Restaurant gefragt und ein Einheimischer hat sie gleich hin geführt. Also nix wie hinter her, denn der Magen hat geknurrt. Schliesslich wollte ich ja noch 5.5km weiter bis zur Herberge von Mos. Das letzte Stück war dann vor allem auf der Strasse und wieder eine echte Herausforderung. Endlich bin ich dann in Mos angekommen und habe in der Herberge eines der letzten Better ergattert.
Habe dann im Restaurant zum ersten Mal alleine gegessen ohne die Mädels. Seufz… Neben mir war ein Tisch voller Pilger und ich bin mir irgendwie blöd vorgekommen so alleine. Ich kannte niemanden so richtig und ich konnte ja nicht einfach fragen ob ich mich dazusetzen kann, sie hätten mich schon rüber bitten müssen. Na ja, war halt einer dieser Abende wo man sich etwas seltsam vorkommt. Ich habe auch zum allerersten Mal in Spanien schlechten Rotwein serviert bekommen. Habe mich beschwert aber da war nichts zu machen und so habe ich ihn einfach stehen lassen. Ich glaube er war auch nicht auf der Rechnung. Anschliessend bin ich dann runter zum Dorfplatz wo noch eine Modeschau stattgefunden hat mit einer Showeinlage der brasilianischen Miss Transvestit, war ganz lustig.

Raus aus Tui, immer noch auf portugiesisch oder ist das jetzt galicisch?
Die Römer haben schon viel gebaut, schöne alte Brücke
Schöne Pilgerstatue bei der mittelalterlichen Brücke
Die Mädels bei einer kleinen Rast im Wald
Es wird bereits richtig galicisch, ich liebe es!
Hier hat man geschaut, dass die Pilger keine nassen Füsse bekommen
Ein Horreo, Maisspeicher. So gebaut, dass die Mäuse nicht rankommen

02.10.2015 Tui, 19.0 km

Heute Morgen sind wir von unserem kleinen Nest „Ninho“ Richtung Tui in Spanien aufgebrochen. Die Mädels hatten gestern Abend Zimmer in einer Pension in Valença reservieren lassen und so habe ich mich auf einen Abend alleine und Abschied eingestellt aber dann kam alles doch wieder ganz anders. Ich war fast etwas traurig, dass ich die Mädels heute wahrscheinlich hinter mir lasse und habe es mir zweimal überlegt ob ich wirklich noch nach Tui rüber laufen oder doch in Valença bleiben soll. Aber dann habe ich mich daran erinnert, dass jeder seinen eigenen Camino laufen soll und habe mich nach einer kurzen Rast in Valença über die 300m lange Brücke auf den Weg nach Spanien begeben. Es ist mir nicht schwer gefallen Portugal hinter mir zu lassen. Bin viel auf der Strasse gelaufen heute und die Füsse taten mir dementsprechend weh. In Tui habe ich mich zuerst einmal auf eine Plaza gesetzt und mein erstes Cerveza con Limon getrunken. Ahhhh, wie ich das vermisst habe. Ich verstehe schon recht gut spanisch auch wenn ich nur wenig sprechen kann. Anschliessend ging es in die private Herberge, nachdem ich in der öffentlichen Herberge gleich mal einen Vortrag von der Hospitalera erhalten habe, dass ich jetzt in Spanien sei und das Ganze jetzt ernsthafter würde und ich von jetzt an täglich 2 Stempel haben müsse. Auch müsste ich IMMER einen offiziellen Stempel in der öffentlichen Herberge abholen. Schlafen könne ich ja dann wo ich wolle. Habe ihr dann gesagt, dass ich sowieso nicht hier bleiben wolle, da ich Husten würde und nicht den Schlafsaal aufwecken wolle. Sie hat mich aber nicht verstanden und gemeint ich hätte sie nach Kaffee am Morgen gefragt worauf sie mich ganz entsetzt angesehen hat. Wie kann man auch nur  nach einem Kaffee fragen in einer öffentlichen Herberge in Spanien. Na ja habe mich dann auf den Weg gemacht und wurde in der privaten Herberge sehr herzlich empfangen. Ich war die Erste und konnte mir mein Bett aussuchen. Ich nehme immer ein Bett unten, wenn möglich, und in der Nähe des Fensters. Damit ich es öffnen kann in der Nacht. Bin dann Proviant einkaufen gegangen und als ich in die Herberge zurück kam, wer war wohl da? Die Mädels! Sie hatten doch keine Lust in Valença zu bleiben. Katia meinte noch, dass ich wohl das Gefühl hätte verfolgt zu werden aber ehrlich gesagt, Nein ich habe mich total gefreut! Wir sind dann alle zusammen in eine Tapabar und haben unseren ersten spanischen Rotwein getrunken und uns durch allerlei Tapas gegessen. Lustig war auch, dass praktisch jeder Pilger den wir unterwegs getroffen haben auch in dieser Bar gelandet ist. Wir hatten alle riesigen Spaß unser bester Abend bisher. Guter Einstand hier in Spanien und wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich in Portugal nie so richtig zurechtgekommen, warum auch immer. In Spanien fühle ich mich fast etwas zu Hause.

Am Morgen ging es gleich über diese schöne alte Römerbrücke
Von hier aus kann man in alle Himmelsrichtungen und vor allem verläuft der Weg nach Fatima in Portugal immer genau in entgegengesetzter Richtung zum Jakobsweg.
Teil der Festungsanlage von Valença
Blick von Valença rüber nach Tui/Spanien
Blick zurück nach Valença in Portugal
Erster Wegweiser in Spanien. Espana ole!
Unterwegs nach Tui
Erster Rioja in der Tapas Bar